Kostenübernahme für Neurodermitismedikamente jetzt!

„Die Neurodermitis (Atopisches Ekzem) ist die häufigste chronische Hauterkrankung im Kindes- und Jugendalter. Sie setzt sich in vielen Fällen aber auch im Erwachsenenalter fort und wird begleitet von einer Reihe von Komorbiditäten wie Asthma bronchiale, Heuschnupfen, Nahrungsmittelallergien, z.T. aber auch Depressionen und Hyperaktivitätssyndrom.

Die Lebensqualität der Betroffenen wird dadurch erheblich beeinträchtigt. Direkte und indirekte Belastungen und damit nicht zuletzt auch Kosten sind dadurch hoch.

Ursache der Erkrankung ist sehr häufig eine Störung der Hautdurchlässigkeit (Barrierestörung). Durch diese ist die Abwehrfunktion der Haut gegenüber Allergenen und Umwelteinflüssen verschlechtert. Dieses Problem lässt sich therapeutisch durch eine nebenwirkungsfreie Basistherapie mit wirkstoff- und konservierungsstofffreien Cremes/Salben deutlich verbessern. Auf Grund der hohen Kosten wird diese aber in Deutschland nur mangelhaft umgesetzt.
Unverständlicherweise werden die Kosten für die oft teurere und mit Nebenwirkungen behaftete Therapie mit Medikamenten problemlos von den Kassen übernommen, während sich die Kostenträger bzgl. der Basistherapie auf den falschen Standpunkt zurückziehen, es handele sich hier um eine reine Hautpflege.

In einer kürzlich online gestellten Leitlinie zur Neurodermitistherapie, an der die mit der Neurodermitis beschäftigten Fachgesellschaften mitgearbeitet haben, werden alle wesentlichen Behandlungsmöglichkeiten bewertet. Die für den Patienten kostenintensive Basispflege entspricht auch nach dieser Einschätzung eindeutig einer kausalen Basistherapie. Daher ist zu fordern, dass eine gesetzliche Regelung zur Kostenübernahme durch die Krankenkassen geschaffen wird. Bisher werden die Kosten für die wichtige Basistherapie zur Wiederherstellung der Hautbarriere Jugendlichen ab 12 Jahren und Erwachsenen nicht von den Krankenkassen erstattet.“


Eine Pressemitteilung der Gesellschaft Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin
Leitlinie Neurodermitis-Therapie

.

Ein ähnliches Problem gibt es auch bei den Antiallergika bei Heuschnupfen und allergischer Konjunktivitis – die entsprechenden Medikamente sind i.d.R. frei verkäuflich, teuer, und sie werden eben nicht von den Krankenkassen bei über 12jährigen übernommen, wie alle OTC(over-the-counter)-Präparate.

Die Folge ist: Die Medikamente werden gar nicht gekauft, oder aber sehr sparsam eingesetzt, was bei Heuschnupfen und Neurodermitis eher zu Folgeproblemen führt: Bei letzterer ist die Basishautpflege essentiell. Unterbleibt sie, müssen die Betroffenen häufiger zu Akuttherapeutika wie Cortisonen oder Immunmodulatoren greifen, die wiederum rezeptpflichtig, aber auch teurer sind, die dann die Kassen wieder übernehmen. Das tägliche Brot, das tägliche Krankenkassenärgernis: Präventive Medizin wird verhindert, weil nicht bezahlt, so daß Folgeprobleme entstehen, die langfristig die Solidargemeinschaft viel teurer zu stehen kommen.

21 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. anneinsideoffice
    Jun 28, 2016 @ 18:28:51

    Keine Ahnung ob das in der Schweiz auch so ist. Unsere Tochter hatte Neurodermitis Schubweise, als sie in den Kindergarten kam, dann als sie in die Schule kam und bei Stufen wechseln. Zum Glück nur in Kniekehlen und Ellbogen. Wir cremten zwischen den Schüben immer mit Expicial, hiess glaube ich die Creme, aber in den Schüben half nur Cortison Creme.
    Was auch half waren nur Baumwollkleider, keine Wolle und kein Acryl, das juckte immer. Und jede Etikette musste nach Kauf immer rausgelöst werden, schneiden ging nicht, mit Faden und allem.
    Zum Glück wuchs sich das alles aus.

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  2. Elawen
    Jun 28, 2016 @ 20:14:26

    Also eigentlich könnte doch das Geld, was die KKs für Glaubulis ausgeben, locker für die Basispflege verwendet werden, nech?
    Ich habe im April die KK gewechselt, meine neue zahlt für Sohnemanns Neurodermitis die Basispflege bis 18 Jahre. Und ist noch günstiger als die alte KK😉
    Was dann danach passiert, werden wir sehen; hab noch 15 Jahre Zeit😊

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    • Elawen
      Jun 28, 2016 @ 20:15:24

      (ich hoffe aufs verwachsen…)

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    • kinderdok
      Jun 28, 2016 @ 20:35:55

      Interessant mit Eurer neuen KK. Wie läuft das technisch? Denn der KiA darf die Medis ja nicht auf „Rosa“ aufschreiben.

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      • Elawen
        Jun 28, 2016 @ 21:04:32

        Vielleicht liegt es daran, dass es die „Linola fett“ ist? Bisher gab es mit rosa Zettel keine Probleme, auch bei der alten nicht. Die hätte nur bis 12 übernommen.
        Bei der neuen KK hatte ich die Zusicherung, dass alle Medikamente, auch OTC, für die Kinder bis 18 übernommen werden. Also auch Nasentropfen, Fiebersaft… Nicht dass ich das nicht auch schon mal so kaufe, aber bei drei Kids und nur einem TZ-gehalt bin ich sehr dankbar, wenn das nicht jedesmal sein muss 😉

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    • limette
      Jun 29, 2016 @ 09:45:33

      Zu welcher KK bist du gewechselt

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      • Elawen
        Jun 29, 2016 @ 12:28:26

        @Kinderdok: Darf ich das hier verraten? Will ja keine Schleichwerbung machen😉

        Antworten

      • Elawen
        Jun 29, 2016 @ 19:38:25

        @kinderdok: also wenn ich darf, dann…🙂
        @Limette: AOK plus.. Ist eher regional, ob es die anderen Ortskrankenkassen ähnlich handhaben, muss wohl erfragt werden. Ich glaube, da gibt es schon reichliche Unterschiede …:/

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        • MartinTriker
          Jun 30, 2016 @ 10:36:47

          Die AOK Plus macht wirklich einiges bei Kindern, dass muss man zugeben. Wenn die jetzt noch Homöopathie, Osteopathie und ähnliches aus dem Leistungskatalog streichen könnte man die uneingeschränkt empfehlen.

          Aber geht eh nur für Leute, die dort wohnen (Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen) oder „eingeheiratet“ haben.

        • limette
          Jun 30, 2016 @ 15:25:44

          Ich danke dir, Elawen. Von der AOK plus schwärmen tatsächlich auch viele meiner Bekannten.

  3. DocMoc
    Jun 29, 2016 @ 08:58:28

    Bin auch absolut dafür, es muss dann nur das Arzneimittelbudget für einen Kinderarzt von zur Zeit ca. 26€ pro Quartal pro Patient auch dementsprechend erhöht werden. ich befürchte aber, dass wird nicht passieren…

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  4. Talinka
    Jun 29, 2016 @ 20:44:27

    Danke für diesen Artikel! Er spricht mir, der Mutter eines 22 Monate alten Kindes mit Neurodermitis, aus der Seele!

    Was hatten wir letztes Jahr für einen Kampf, als die Neurodermitis das erste Mal auftrat. Ständig offene, nässende Stellen, Kortisontherapie und so weiter. Schlafen war lange Zeit nur mit Verbänden überhaupt möglich.

    Das Ganze war begleitet von der teuren Suche nach einer geegneten Basispflege. Zwar geben viele Hersteller und auch Ärzte kostenlose Proben ab, doch reichen gerade bei Neurodermitis diese 10ml-Fläschchen nicht aus, um wirklich herausfinden zu können, ob eine Creme nun wirkt oder nicht. Da sich der Erfolg meist erst nach einigen Wochen einstellt, kauft man dann von einer vielversprechenden Creme eine (meist teure) Tube, nur um dann nach ein paar Wochen nach einem Misserfolg die nächste auszuprobieren.

    Wir haben nach langer Suche letzten Sommer dann endlich eine Creme gefunden, mit der unser Junior fast beschwerdefrei ist. Diese Creme kostet uns fast 300€ im Jahr!
    Kostenübernahme durch die Krankenkasse? Fehlanzeige, da ein reines Pflegeprodukt.
    Die Cortisoncreme würden sie aber anstandslos übernehmen…

    Und noch ein Punkt: Mein Sohn könnte lange Zeit nur mit Neurodermitisoveralls schlafen. Übernimmt unsere Kasse auch, aber nur zwei pro Kalenderjahr! Wenn der Junior rauswächst? Pech gehabt, selber zahlen.

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  5. Aponette
    Jun 30, 2016 @ 07:16:57

    Amen Brother!
    Und das Ganze wiederholt sich dann im Alter, wo evidenzbasierte Medikationen zu Herzinsuffizienz(Weißdorn) oder BPH (Sabalfrüchte, Kürbiskerne und Berresselwurzel) nur für Selbstzahler ist und lieber die Folgen bezahlt werden, als die Prophylaxe. Das ließe sich noch beliebig verbreitern, Wechseljahre dann eben gar nicht oder mit Hormonen therapieren, Venenbeschwerden bis zum letzen Stadium kommen lassen, aber bloß nicht so nützliche Arzneimittel wie Roßkastanie, Cimicifuga oder rotes Weinlaub bezahlen.
    Für die Neurodermitis Kinder noch ein Tipp: Neuralia Weihrauchcreme, ist für leichte Schübe oder im Abklingen definitiv ein Versuch wert, ebenso Rubisan (Mahonienextrakt) oder Cardiospermum Salben (Mönchsköpfchen). Bei letzterer fällt mir nicht der Handelsname ein, aber jede Apothekerin, die was taugt, kann das raus finden. Auch seit Jahrzehnten bewährt: Cefabene (Bittersüßstängel). Übrigens alles Phytos, nix Homöopathie! Nur so nebenbei für die Hardcore-Gegner. 😀

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  6. Deli
    Jun 30, 2016 @ 07:44:25

    Ich habe schon bei verzweifelten Neurodermitikern (sehr geringes Einkommen, schwere Erkrankung), dass Arzt und Apotheker zusammen „Kassenbetrug“ begangen haben: Arzt rezeptriert Rezeptur mit Cortison, Apotheke stellt in Absprache Rezeptur ohne Cortison her…Kasse zahlt. Patient erhält mit der Rezeptur im Endeffekt eine Pflegecreme, nur dass die Kasse sie illegal bezahlt hat. Ist schon so weit gekommen, dass Menschen zu diesen Mitteln greifen…

    Antworten

  7. gedankenknick
    Jun 30, 2016 @ 14:33:35

    Hmm… 3 Anmerkungen seitens der pharmazeutischen Sparte und der Kassenabrechnungen:

    Erstens: Apothekenpflichtige Arzneimittel werden bis zum vollendeten 12. Lebensjahr und bei Entwicklungsstörugen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr von der Kasse übernommen. (irgendwo SGB V) Dazu ist zu sagen, dass dies nur bis zur Höhe des Festbetrags gilt – ABER die Apotheke keine Prüfpflicht für die Entwicklungsstörungen hat. Mit anderen Worten (und so mach ICH es): Wenn ein apothekenpflichtiges Medi vor dem 18. Geburtstag auf einem rosa Muster 16 reinkommt, dann gibt es das auch – ohne wenn und aber. Aber Obacht: Viele Produkte, die der Kinderarzt der Wahl spannend findet, sind in der Zwischenzeit „Medizinprodukte“. Diese werden nur übernommen, wenn sie in der MEdizinprodukte-Ausnahmeliste ( https://www.g-ba.de/downloads/83-691-407/AM-RL-V_2016-05-24_iKt-2016-05-02.pdf) stehen – was bei vielen Produkten ebend nicht der Fall ist. Des weiteren gilt die oben stehende Regel nicht für nichtapothekenpflichtige Arzneimittel.

    Zweitens: Hier findet man die Ausnahmeliste für apothekenpflichtige Arzneimittel, die die Kassen (unter den angegebenen Indikationen) bezahlen MÜSSEN. https://www.g-ba.de/downloads/83-691-323/AM-RL-I-OTC-2013-06-05.pdf Spannend dabei ist Punkt 21: Harnstoffhaltige Dermatika mit einem H
    arnstoffgehalt von mindestens 5% nur bei gesicherter Diagnose bei Ichthyosen, wenn keine therapeutischen Alternativen für den jeweiligen Patienten indiziert sind.
    Ich bin mir ziemlich sicher, dass in einer älteren Ausgabe noch „Neurodermitis“ statt „Ichthyosen“ stand.. aber auch da haben sich die Kassen mit ihrer Ansicht sicher durchgesetzt. Auch hier hätten die Apotheken keine Prüfpflicht – vorausgesetzt auf dem rezept ist keine Diagnose vermerkt (was die Arztpraxen theoretischer Weise bei Arzneimitteln schon seit dem 01.07.2012 nicht mehr dürfen, wenn ich mich korrekt erinnere). Zugegebener Weise könnte der Arzt aber in eine Intensivprüfung seitens der Kasse geraten, wenn er bei der Diagnose nicht 100% korrekt ist…

    Drittens: Einige Krankenkassen übernehmen abhängig und/oder unabhängig von ärztlichen (privaten) Verordnungen auch apothekenpflichtige Arzneimittel und Medizinprodukte mit einem monatlichen oder jährlichen Kontingent. Hier einfach mal die Kasse anfragen!

    Antworten

  8. lanee1987
    Jul 01, 2016 @ 04:02:33

    Zum Thema Allergie und Heuschnupfenmedikamente pflichte ich auch bei und muss ehrlich sagen, dass ich auch weniger verwende als empfohlen, da sehr teuer auf Dauer. 😞

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    • McCloud
      Jul 01, 2016 @ 14:53:52

      Frage bei Cetirizin und Loratadin nach der Firma ADGC. 100 Stück für 13 Euro.

      Aber mal ehrlich: Ich finde auch Hexal mit etwa 31 Euro für drei Monate echt noch machbar, wenn man nicht gerade Geringverdiener ist. Mich wundert immer, dass für IPhone, Sprit, Kippen und Alkohol Geld da ist, während Arzneimittel so billig wie nur möglich sein sollen.

      Was Kinderdoc beschreibt, steht auf einem anderem Blatt. So eine Basispflege bei Neurodermitis ist ziemlich teuer. Für ein neurdermitikergeeignetes Duschöl, eine Pflegelotion und eine Gesichtscreme z.B. von Eucerin legt man gesamt mal schnell 50 – 60 Euro hin.

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  9. Susann
    Jul 01, 2016 @ 15:36:55

    Was ist denn Basispflege? Unsere Kinderärztin hat unserer Tochter Olivenölsalbe verschrieben (keine Neurodermitis, sie hatte nur wenige trockene Stellen). Zählt das dazu?

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    • gedankenknick
      Jul 01, 2016 @ 17:38:08

      Ja, das zählt dazu. Eine „Basispflege“ bei Neurodermitis ist (mindestens) 2x täglich mit einer wirkstofffreien Hautpflege zu cremen – bei Bedarf öfter. Dabei wird Harnstoff nicht zu den Wirkstoffen gerechnet. Eine Basispflege ist insbesondere in der anfallsfreien Zeit durchzuführen, um die Intervalle zwischen den Schüben so weit als möglich zu verlängern. Als Basispflege geht so ziemlich alles, was gut vertragen wird – und das kann sich zum teil wöchentlich ändern, je nach Wetter, Jahreszeit, Belastung der Haut (z.B. gechlortes Schwimmbad), Psyche usw. Btw, es gibt Sensoren, mit denen man den Feuchtigkeitsgehalt der oberen Hautschicht messen kann, und die zeigen dann immer ganz prima, ob innerhalbn der letzten 12 Stunden basisgepflegt wurde… Basispflege ist „nervig“, spart aber viel Krankheitsprobleme und Hautwiederherstellungsversuche.

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