wenns stinkt
15 Mai 2012 28 Kommentare
in infosachen Schlagworte: enteritis, kranksein, muttermilch, rota, rotavirus
herr dokter, ja, wann isses denn nun durchfall, eigentlich?
wessen säugling mit muttermilch großgezogen wurde, weiß, was ein kleckerstuhlgang ist – dann für gewöhnlich gelb-körnig (die lehrbücher nennens immer senfig) und normal riechend (buch: aromatisch). die mit der flasche gezogenen kennen schon eher die festere variante, vielleicht auch die grün-labbrig-stinkige (bei “ha”-milchen). naja. gehen wir nicht zu sehr in die tiefen der stuhlvisite. aber es möge illustrieren, wie schwer es eltern fällt, ein normales säuglings-kack von einem pathologischen zu unterscheiden. wen wunderts auch, dass sich mütter mit vorlieben über die ausscheidungen ihrer kiddies austauschen. bei so schönen farbpaletten.
aber wann isses denn nun durchfall, herr dokter?
es vergeht vermutlich keine woche, in der mir nicht eine windel unter die nase gehalten wurde, um diese frage ultimativ zu beantworten. die altvorderen haben darin eine lebenserfüllung gesehen: die stuhlvisite. ältere kinderkrankenschwestern erinnern noch gerne die visiten auf station, bei denen der chefarzt erstmal eine quasiprise stuhlgang inhalierte, bevor er ins zimmer zum patienten ging. zu meiner zeit war es nur noch die visuelle phantasie, die er aufbringen musste, wenn klein kinderdok als stationsarzt den morgendlichen stuhlgang des kleinen patienten beschrieb. “das ist rota”, sagte er dann immer. immer.
sie, herr dokter? ja? durchfall?
säuglinge haben nun mal kleckerstuhl. oft. durchfall wirds immer dann, wenn es das normale maß überschreitet. wenn aus einmal täglich fünfmal wird, oder aus sechsmal täglich zehn. durchfall ists, wenn die konsistenz sich weiter verflüssigt, wenn aus dem senf wasser wird oder aus der form plötzlich gelöstes.
und der duft. wenn´s stinkt, dann ist es krank. der wichtigste sinn in der stuhldiagnostik ist der geruch. also liebe mutter, ich verspreche es: wenn ihr baby durchfall hat, dann werden sie es zuerst mal hören, dann riechen, dann sehen.
demnächst: wie sinnvoll ist die rota-virus-impfung?
bettnässen fortgeschritten
11 Mai 2012 62 Kommentare
in erziehungssachen Schlagworte: eltern, enuresis, erziehung
enuresis, die — griech. , das einnässen. erkrankung, bei der der patient unwillentlich tags oder nachts den harn nicht halten kann.
die mutter stellt sich mit ihren beiden jungs vor, ich kenne sie schon ganz lange, aber heute erzählt sie mir erstmals von diesem problem: die beiden, gerade mal zwei jahre auseinander, würden noch nachts in die betten machen, genauer in die windeln, denn so weitsichtig ist die mama, dass sie den zweien windeln anzieht, um sich den stress des bettenwechseln zu ersparen. sie waren noch nie trocken, also sprechen wir in diesem fall von einer primären enuresis. die mutter hat sich bisher nicht besonders an dem problem gestört, denn der vater hat auch bis in die schulzeit hinein eingenässt. sie stört sich auch nicht daran, dass der eine bruder bereits acht und der andere schon zehn ist.
mutter: “wissen sie, herr dokter, was mich am meisten ärgert? inzwischen sind die zwei ja schon etwas älter, und oft halten die windeln dann nachts nicht mehr die gesamte menge. aber am ärgerlichsten finde ich, dass sie regelmäßig nachts rufen, und wenn ich dann in der tür stehe, werfen sie mir schon die vollen windeln entgegen.”
in one book
10 Mai 2012 3 Kommentare
in infosachen Schlagworte: bücher, john irving, persönliches
es ist da (und ich bin schon auf seite 20):
quarantäne
09 Mai 2012 38 Kommentare
in infosachen Schlagworte: impetigo, infektion, mütter
ich: “also das ist ziemlich ansteckend, sie sollten ihre tochter für zwei tage von anderen fernhalten, bis das antibiotikum richtig wirkt.”
mutter: “ah, ok. gut das sie das sagen. aber morgen in die schule darf sie schon?”
ich: “nein, besser nicht. wie gesagt, das ist ansteckend.”
mutter: “mmh. alles klar. hast du gehört, joanna-marlene, morgen darfst du nicht in die schule. aber heute nachmittag ein bisschen draußen mit freunden spielen, das geht, oder? ist ja keine schule.”
ich: “äh… nein. besser keinen kontakt mit freunden. zwei tage, also heute, morgen, vielleicht noch übermorgen.”
mutter: “ah, ok. also freunde auch nicht. schule auch nicht. gut.”
nach einer pause des nachdenkens: “dann bleibt ja immerhin morgen noch die gymnastik. was, joanna-marlene? gehst wenigstens in die gymnastik.”
ich: “stop. nochmal zum mitschreiben: ihre tochter hat eine impetigo, das ist ansteckend. für alle. für wenigstens zwei tage, je nach verlauf. keine schule, keine gruppe, keine freunde. kein kontakt, null, gar nichts. ok? bis samstag.”
mutter: “… achsooo. jetzt versteh ich. und was ist mit mir? dann kann ich ihr ja zuhause gar nicht helfen.”
ich: “sie können sich die hände waschen und desinfizieren. das ist eine schmierinfektion, fliegen tut da nichts.”
mutter: “siehste, joanna-marlene, wenn deine freundinnen sich die hände desinfizieren, dann kannste auch in die schule und alle dürfen dich besuchen.”
wir haben uns letztendlich auf ein desinfektionsbad und eine luftschleuse nebst schutzanzug marke h1n1 geeinigt, dann wird´s schon werden.
+++aktuell+++ kinderarzt bei schlag-den-raab +++aktuell+++
05 Mai 2012 14 Kommentare
in infosachen Schlagworte: just for fun, kollegen, off topic, schlag den raab, stefan raab
hurra, unser berufsstand hat´s geschafft: wir sind im fight mit stefan raab. der kollege *peter* tritt gegen den champ (raab gewinnt 2 von 3 sendungen) an, und nach drei spielen liegt er schon 0:6 punkte zurück. twitter (#sdr) erregt sich schon, dass wieder ein “zu-null”-kandidat antrete bzw. dass immer nur kandidaten ausgewählt werden, die eh schon kohle haben, superjob und tausend hobbies. was solls. schließlich kommen auch noch die spiele am pult, für die es schläue braucht.
und während ich das hier schreibe, gewinnt peter sein erstes spiel, yeah. nun steht es nur noch 4:6. ich hab vollstest vertrauen, dass der mann seinen mann steht… und auch noch mal anfängt zu lächeln.
der hat masern, herr dokter
04 Mai 2012 58 Kommentare
in impfsachen Schlagworte: impfen, impfgegner, masern, masernimpfung, masernparty, riegelungsimpfung
vater, sehr aufgeregt, sehr blass im gesicht: “herr doktor, herr doktor, das müssen sie sich ansehen … ich glaub´, der justin, der hat masern.”
ich: “wie war das nochmal, den wollten sie ja nicht impfen lassen, oder?”
vater: “jaaa? schon? aber das ist doch jetzt egal, ich glaub, der hat masern, ma-ha-sern, verstehen sie?”
immerhin war vater so schlau und hat justin vor der tür gelassen.
der übliche ablauf nimmt seinen gang: patient aufnehmen durch moni (arzthelferin no.1), setzen durch das küken und visite durch den doktor. und richtig, liebes küken, kind kommt ins infektionszimmer. kein kontakt zu niemand.
ich schnappe mir hörteil und ohrengucker. mit den worten “hurra, endlich mal wieder masern sehen, blöd fürs kind, toll für die ausbildung” schnappe ich mir das küken, das gerade wieder den raum verlassen will und drehe sie um richtung patient.
vor mir sitzt justin, grinsend, fit, extrem gut drauf, ein netter kerl, ich mag ihn, auch wenn seine erzieherin bei ihm bereits ads vermutet. früher nannte man das aufgeweckt. er ist vier.
und hat definitiv keine masern.
das sehe ich schon von der tür aus.
wir sprechen vom zweiphasigen verlauf: erst ist man krank, so richtig erkältet, fieber, rotze und dergleichen, bindehautentzündung, dann erst die eigentlichen masern mit dem typischen ausschlag.
justin ist zu gesund.
“jetzt hatter doch die masern”, sagt justins vater.
“zeigen sie mal”, sage ich.
er deutet auf zwei stellen am ohr, eine an der rechten leiste und auf den rücken.
ich lasse mir zeit. keine katarrhalische infektion, keine koplik-flecken, kein fieber.
“hat er denn kontakt gehabt?”
“blöde masernparty”, sagt der vater.
ich verziehe das gesicht. justin war vor einer woche zu einem geburtstag eingeladen, bei der das geburtstagskind mit masern inkubiert war, erzählt mir der vater. das kind bekam ein paar tage später wohl die masern. alle ungeimpft. und alle eltern nicht ganz knusper.
“also masern sind´s nicht – … wir könnten ihn jetzt noch impfen, eventuell kann man dann den ausbruch verhindern”, schlage ich vor.
“wie, das sind keine?”
“nein. das da … “, ich zeige auf die stellen am ohr und an der seite, “… sind mückenstiche.” prompt kratzt sich justin. “und das am rücken…” ich drücke auf die stelle, sie wird weiß und schnell wieder rot, “…sonnenbrand.”
“wirklich?” der vater kann es gar nicht glauben.
ich lasse nicht locker. “und was ist jetzt mit der impfung? die chance ist auf jeden fall da.”
der vater hat inzwischen seine natürliche gesichtsfarbe zurückbekommen.
“naja, herr dokter, ich sehe das so: wenn er jetzt noch masern bekommt, dann brauchen wir auch nicht zu impfen. und wenn er sie nicht kriegt, weil wenn´s jetzt keine masern sind… dann brauchen wir auch nicht zu impfen. hat sich ja zu vorher nichts geändert.”
außer deinem blassen blassen gesicht, als du hier durch die tür kamst …





























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