eigenversuch
20. November 2009 at 18:43 | In impfsachen | 3 CommentsTags: impfen, schweinegrippe
ok, so ganz bleibe ich auch nicht unbeleckt von den medienberichten zu der tollen neuen … impfung … äh … impfung gegen die neue grippe … also pandemrix eben. leider keine mutti, die für mich entscheidet, ob ich mir nun die impfung antun muss oder nicht. muss ich alles auf die eigene kappe nehmen. immerhin steht die ständige impfkommission hinter mir und stuft mich als risikogruppe no.1 ein – staatsfeind no.1 – hurra, ich bin priorisiert (mein lieblingswort der neuen medizinpolitik – sicher eines der unwörter des jahres 2009 – aber hier gewinnt eh der begriff schweinegrippe als „diskriminierend für das gesamte borstenvieh“).
also bin ich dann auch endlich dran. verzweifelt versuchten apotheker, mich vor der impfung zu retten, indem sie in heroischen anstrengungen die auslieferung der impfstoffe verzögerten, doch nun sind sie da, wir haben geimpft, meine helferinnen sind alle schon durch, nur ich als jammerlappen musste noch kurz einen schnupfen vorschieben, um erst in der zweiten impfrunde in unserer praxis teilhaben zu dürfen.
da sich sonst kein ärztliches personal in reichweite zeigte und ich bereits die letzte saisonale grippeimpfung (ist das schon so lange her? letztes jahr? da war die welt noch in ordnung und nicht eingeteilt in hominiden, bovine und sus) in junkie-manier mit rechten hand in das linke deltoid applizierte, durfte diesmal eine meiner mfa ran. ich glaube, sie hat mehr geschwitzt als ich.
ich hab mal weggeguckt – sonst muss ich sowas immer sehen – ein kurzes stechen, kurzes ziehen, und die milch war drin – naja.
sooo schlimm war´s nun auch nicht. da kann man nicht mal was fürs blog dramatisieren (abgesehen davon, dass ich diesen artikel nur noch mit den verbliebenen fünf fingern der rechten hand schreiben kann, während die linke in schlaffer lähmung seit der impfung nutzlos und kalt an meiner seite liegt jede bewegung der linken elektrisierende schmerzen verursacht). meine kinder machen sich seither eine freude daraus, nach meinem impfarm zu fragen („der rechte! der rechte!“), um dann mit einem gezielten faustschlag denselben zu erwischen („ätsch, es war der andere!“).
aber eigentlich war das alles nicht so schlimm. wenn ich da an gelbfieber und cholera vor jahren des weltenbummels zurückdenke – das waren noch metzger-vakzinationen! pandemrix? pillepalle! ha!
bilanz der ersten h1n1 impfung
16. November 2009 at 23:20 | In impfsachen | 23 CommentsTags: impfen, schweinegrippe
nun haben wir sie endlich verimpft – die erste ampulle. war schon spannend, diese milchige suppe zu applizieren, erinnerte mich ein bissel an surfactant. nur, dass wir das immer intratracheal über den tubus appliziert haben. wie auch immer. das hier geht schön brav intramuskulär ins deltoid.
wir kinderärzte müssen die dosis ja splitten, d.h. kinder unter zehn jahren erhalten nur die halbe dosis, so kam eine etwas windschiefe zahl mit irgendwas 6 kindern und 6 erwachsenen am ende heraus, letztere vor allem personal und eltern der entsprechenden risikopatienten. bilanz am ende: die hälfte hatte fieber, einen dicken arm und andere nettigkeiten. eine mutter berichtete von 48 stunden schwindelgefühl und sehschwäche. am besten haben es noch die kinder gemacht: keine der eltern hat erzählt, dass ein kind eine nebenwirkung hatte – vielleicht liegt das auch an der halben impfdosis?
ansonsten bilanz der angekommenen h1n1-welle – bestimmt die hälfte aller fieberhaften infekte: klinischer verdacht auf schweinegrippe, sicher im schnitt momentan dreißig vierzig kinder am tag.
wie es weitergeht mit dem impfen? naja. wenn ich noch ein wenig impfstoff „zugeteilt“ bekomme, d.h. „meine“ apotheken noch impfstoff erhalten, dann mache ich auch weiter – auch wenn unsere liste der risikopatienten momentan eher schrumpft: jede nebenwirkung der impfung wird in den medien sondergleich zelebriert. und das schreckt ab.
hat alles sein gutes
13. November 2009 at 22:28 | In sonstsachen | 16 CommentsTags: helden, kollegen
telefonat mit der behandelnden logopädin.
logopädin: „wissen sie, kinderdok, der justinmaikolucien begrüßt mich ja immer mit ´na, du arschloch!´.“
ich: „ja, kenn ich. sagt er bei mir zwar nicht, aber das kann ich mir gut vorstellen.“
logopädin: „außer wenn die omma dabei ist, da zuckt er eh immer nur zusammen.“
ich: „mmh. der kleine muss zuhause sicher ganz schön was einstecken.“
logopädin: „allerdings….“
… sinnierend: „sagt der doch immer ´na du arschloch!´ zu mir.“
ich: „vielleicht ist das bei ihm ein kosename, weil er sie so mag.“
logopädin: „ja, vielleicht. immerhin spricht er das /sch/ und das /ch/ inzwischen einwandfrei.“
also wir würden ja auch impfen, nur …
10. November 2009 at 21:51 | In infosachen | 50 CommentsTags: impfen, influenza, schweinegrippe, sorgen
… es gibt effektiv keinen impfstoff. so führen wir also listen unserer risikopatienten und derer, die sich sowieso und trotz aller bedenken in jedem fall impfen lassen wollen, und werden – sobald es endlich mal etwas zu liefern gibt, diese auch abarbeiten.
seit einer woche versucht meine „impfstoffbeauftragte“ pandemrix von irgendeiner apotheke herzubekommen, die lokalen winken schon lange ab, diese waren zu kurzsichtig und haben vom großmarkt zu wenig auf vorrat bestellt. aber freundlich, wie sie sind, haben sie uns eine liste mit den stadtapotheken ausgedruckt, die einen impfstoff liefern konnten – toll, die nächste war dreißig kilometer entfernt (zitat von dort: „ei, wenn sie den impfstoff abholen, wir haben da noch zwei ampullen“). die gängigen großen versandapotheken, wo man sonst wirklich immer etwas bekommt, dürfen nicht ausliefern, da der impfstoff nur innerhalb eines bundeslandes beliefert wird. prima.
heute kam dann die info von einer – mmh, sagen wir — mmh, mir nahestehenden apotheke, dass wir nun doch ende dieser woche oder auch anfang nächster einen batzen impfstoffe bekommen. bedeutet dann für meine helferinnen: alle auf der liste anrufen, terminieren, entscheiden, wer die halbe dosis bekommt (alle bis 10 jahre), wer die volle ladung (alle über 10 jahre), diese entsprechend zusammenstellen, denn schließlich werden die impfstoffe nur in 10er gebinden abgegeben, heißt bei grossen kindern 10 impflinge, bei kleinen bis zu zwanzig, dann müssen die alle entsprechend zeit haben, keiner darf zurückziehen, sonst kommt unsere planung zum erliegen.
wie ist es dann am impftag? alle sind einbestellt, wir machen eine aufklärung, führen sicherlich bei 80% nochmals die diskussion pro und contra, untersuchung, eltern müssen ihre einverständnis schriftlich geben, dann impfen, dann sollen die impflinge noch eine halbe stunde in der praxis bleiben (oh holder impfstoff, dessen nebenwirkung keiner kennt) – und das alles für stolze 500 cent. hurra hurra hurra.
hier wurde mist gebaut. die offizielle aufklärung über die schweinegrippe und die impfstoffe war zu schlecht, zuviel wurde den medien, allen voran der bildzeitung, überlassen. warum kann es zu diesem thema nicht einmal eine aktuelle stunde im bundestag geben? warum nicht mal eine erklärung des gesundheitsministers oder gar der kanzlerin? warum versenden kassenärztliche vereinigungen bundesweit erst jetzt broschüren, um die patienten zu informieren. warum die ärztekammern bis jetzt noch nicht? warum ist der öffentliche gesundheitsdienst in den letzten jahren so heruntergekürzt worden, dass er diese aufgabe der aufklärung schlicht personell nicht mehr leisten kann? geschweige denn, diese epidemiologische impfung durchzuführen?
ok, sicher wurde die ausbreitung der h1n1 unterschätzt. sicher die dynamik verkannt, der individuelle verlauf bleibt dennoch in der regel mild. die schweren fälle und todesfälle, die es momentan zu beklagen gibt, stehen noch immer in keinem verhältnis zu den toten der saisonalen grippe. aber vielleicht kommt das ja noch.
und dann sollte die impfwelle anschwappen – und wenig bis kein impfstoff war da. zu wenig bestellt. zu wenig produziert. du bist schuld, nein, du. und so fort.
besinnen wir uns. impfen wir die risikopatienten als firstline – damit für diese wenigstens genug impfstoff zur verfügung steht. impfen wir bitte nicht die panikmachenden yuppies, die in ihren one-person-vehicles die zufahrtsstrassen der großstädte verstopfen und in ihren abgeschotteten großraumbüro-würfeln vor sich hin arbeiten. deren firmenchefs aber dafür sorgen, dass ihre mitarbeiter ausreichend geimpft nach hause fahren, wo sie eh niemanden anstecken können. impfen wir lieber die eltern mit den säuglingen, die wir nicht impfen können, und die kleinverdiener in den öffentlichen verkehrsmitteln, die sich tagtäglich hängend an der straßenbahnhaltestange die viren einfangen.
zahlen der saisonalen grippe 08/09:
4.255.000 konsultationen
1.600.000 arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen
18.700 krankenhauseinweisungen
10.000 todesfälle an influenza jährlich (durchschnittswert aus 1984-2007)
immer wieder einen blick wert – xkcd II
9. November 2009 at 14:25 | In sonstsachen | 3 CommentsTags: just for fun

edit: tooltexttip bei mouseover: „dad, where´s grandpa right now?“ (danke an muriel für den hinweis)
nächtliche sorgen
7. November 2009 at 09:41 | In elternsachen | 21 CommentsTags: sorgen
telefon 1 uhr nachts.
mutter: „ja, ich hab da ein problem.“
ich: „guten abend, hier ist kinderdok, wie ist denn ihr name?“
mutter: „wieso? äh, hier ist frau xyz.“
ich: „was gibts denn?“
frau xyz: „ich habe grad meinen sohn geweckt, und der hat jetzt 39 fieber.“
ich: „und warum haben sie ihn geweckt?“
frau xyz: „wieso? na, der hat doch fieber.“
ich: „aber warum haben sie ihn denn geweckt? der hätte doch prima geschlafen, oder?“
frau xyz: „ja, der hat ganz tief geschlafen. aber der war so heiß.“
ich: „machen sie sich da bitte keine sorgen, schlafende kinder werden gesund, auch wenn sie fieber haben.“
frau xyz: „ok, das wusste ich nicht. und was mache ich jetzt?“
ich: „was macht denn ihr sohn jetzt?“
frau xyz: „der schläft wieder.“
ich: „prima. dann lassen sie ihn schlafen.“
frau xyz: „aber da muss man doch ein zäpfchen geben.“
ich: „nö. dann wird er nur wieder wach. falls er heut nacht mal unruhig ist, nach ihnen ruft, können sie das alles ja nochmal wiederholen mit dem messen und auch ein zäpfchen geben. aber jetzt darf er schlafen.“
frau xyz: „und was mache ich jetzt?“
ich: „auch schlafen gehen.“
frau xyz: „achso? ok. gute nacht.“
ich: „gute nacht.“
heben wir doch mal ein wenig die stimmung
6. November 2009 at 18:27 | In sagmalsachen | 7 CommentsTags: impfen, just for fun, schweinegrippe
in anbetracht der allgemeinen panik rund um die neue grippe und die entsprechend nüchtern und besonnen reagierenden politiker und gesundheitsberufenen experten, vor allem aber auch hinsichtlich des weit vorausschauenden planungsverhaltens pandemischer natur in pharmawesen und apothekenauslieferung -
hör dir das mal an und hebe deine stimmung: no.1 – stahlberg lacht.
selbsterkenntnis
4. November 2009 at 19:24 | In sonstsachen | 12 CommentsTags: jugendliche, rauchen, vernunft
jugenduntersuchung, mirko ist vierzehn, muskulös-kräftig, sportlertyp, thorax wie ein v. hatte früher asthmaprobleme.
ich: „und, was macht die lunge, hast du da noch probleme?“
mirko (eher kleinlaut): „mmmh, geht so.“
ich: „ja, beim sport?“
mirko: „hab im moment nicht viel sport.“
ich: „und wann hast du dann beschwerden?“
mirko: „na, nachts huste ich ab und zu.“
ich: „ok. wie war das, hattest du probleme mit den hausstaubmilben? haben wir das schon mal getestet?“
mirko: „nix hausstaubmilben….“
ich: „sondern?“
mirko (jetzt ganz kleinlaut): „das kommt vom rauchen.“
ich: „ohje. echt? ist mit deinem asthma natürlich riskant.“
mirko: „ja, weiß ich. hab´s auch schon wieder aufgegeben.“
ich: „klasse, gut.“
mirko: „ja, war dumm. beim sport habe ich´s total gemerkt. runde sportplatz, puste weg. blöde kippen.“
ich (beeindruckt, entsprechend dummer spruch): „selbsterkenntnis ist der beste weg zur besserung.“
mirko: „ja, klar. aber hätte nie gedacht, dass das solange braucht, bis die scheissdinger wieder aus´m körper raus sind.“
ich: „ja. das braucht.“
mirko: „und die mädels findens auch blöde.“
immer wieder einen blick wert – xkcd
30. Oktober 2009 at 20:03 | In sonstsachen | 7 CommentsTags: just for fun

u10 gratis für alle
26. Oktober 2009 at 22:16 | In infosachen, vorsorgesachen | 7 CommentsTags: bayern, bvkj, politik, versorgung
schon mehrmals war hier thema die so genannten hausarztzentrierten verträge, die die politik schon lange den krankenkassen und den niedergelassenen ärzten verordnet hatte – verträge, die die steuerungsfunktion des hausarztes, den so genannten „gate-keeper“, absichern sollen, damit dieser entscheidet, ob der patient und zu welchem facharzt überwiesen wird.
dies hatte vor allem im süden der republik zu den grossen hausarztverträgen zwischen der aok und den hausarztverbänden geführt, die als bonbon für die kollegen eine deutlich vereinfachte abrechnung über pauschalen – und ohne kassenärztliche vereinigung – brachte. uns kinder- und jugendärzte stiessen diese verträge stets sauer auf, da sie keine hinreichende qualifikation für die behandlung von kindern und jugendlichen vorsah. der patient konnte ab geburt beim hausarzt eingeschrieben werden, ob dieser dafür qualifiziert war oder nicht. nicht einmal eine säuglingswaage musste vorhanden sein.
die bayern hatten es dann geschafft, parallel zum hausarzzentrierten einen pädiatriezentrierten vertrag ins leben zu rufen – die aok bayern zeigte sich kinderfreundlich – im nachbarland schwaben-württemberg war dies nicht möglich: hier mauert die aok und möchte ihre blutsbruderschaft mit dem hausärzteverband und der standesorganisation medi nicht aufgeben, um ein paar wenige kinder- und jugendärzte (immerhin über neunhundert im ländle) zu gewinnen.
dies führte zu so schönen begebenheiten, dass ein kinderpatient, der in bayern wohnt, aber seinen kinderarzt in ulm und damit bawü hat, beispielsweise nur die klassischen vorsorgen u1-u9 bezahlt bekommt, wie vorher auch, die u10 und u11 aber, die die bayrischen aok-patienten (wie übrigens auch die der bkk und anderer ersatzkassen) inzwischen erhalten, wollte die aok bawü nicht bezahlen. es sei kein erkenntnisgewinn aus diesen vorsorgen zu ziehen, es sei nicht erwiesen, dass diese vorsorgen wissenschaftlich evaluiert und sinnvoll seien.
dann jetzt der neueste coup der aok baden-württemberg: still und heimlich aber sehr konsequent, wurde die u10 mit einem mal in den hausarztzentrierten vertrag integriert -
wohlgemerkt nur für die hausärzte, die dort auch eingeschrieben sind! möchte ein aok-patient diese u10 bei einem kinder- und jugendarzt durchführen lassen, der diesem vertrag nicht angehört (und 97% der kinder- und jugendärzte in baden-württemberg sind das nicht!) – erstattet die aok bw die kosten nicht.
denn: die u10 wurde in den vertrag integriert, ohne in irgendeiner weise die pauschale, die der arzt erhält zu ändern – also alles gratis! man könnte auch sagen kostenlos, oder umsonst – umsonst vor allem auch für den patienten, der diese u10 bei einem hausarzt durchführen lässt, der dies bis dato noch nie gemacht hat. denn die u10 war bis zu diesem moment ein reines gewächs der kinder- und jugendärzte (schon seit jahren). also alles beim alten: qualität kostet geld, und schlechte qualität kostet nichts.
… und besonders frech: die u10 wird als eigene erfindung verkauft – zitat hausärzte: „wir haben mit der u10 einen zusätzlichen baustein im bereich der kinder- und jugendmedizin etabliert“ (aus der allgemeinarzt 17/2009) – diese unverfrorenheit kam bereits vor einem jahr zum tragen, als die u7a (vorsorgeuntersuchung für dreijährige) regelleistung der krankenkassen wurde. beide vorsorgen (wie auch die vorsorgen u11 und j2) empfehlen die kinder- und jugendärzte schon lange – und sind bisher bei den kassen und der politik auf taube ohren gestossen. wohlgemerkt: wenn´s ins kalkül passt, ist mit einem mal alles recht, wenn man damit nur werbung machen kann.
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