Zeig mir mal, was ist denn das?

Zur Orientierung der Sprachentwicklung (z.B. mit drei (U7plus) oder vier Jahren (U8)) benutzen viele Kinderarztpraxen einen Bilderbogen, der die wichtigsten Konsonanten der deutschen Sprache erfragt, um mögliche Sprachbildungsstörungen zu erkennen. Er wurde eine zeitlang über eine Pharmafirma vertrieben und eignet sich für einen kurzen Überblick. Wen´s interessiert, ich habe ihn hier eingescannt:

Grimm1

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Eine kleine Bitte habe ich aber: Nicht anfangen und die Wörter zuhause üben. Das soll schließlich eine Überraschung sein für die Kinder. Nicht, dass demnächst alle Eltern kommen und sagen: “Oh super, das haben wir schon beim Kinderdoc gesehen!” …

Kollegen bei der Arbeit

Ich trage die Kleine durch die Praxistür und behalte sie auch im Wartezimmer gut eingepackt auf dem Schoß, da fühlt sich einfach wohler. Zuvieles von außen, was sie ärgert. Sie jammert leise vor sich hin. Wer könnte es ihr verübeln? Immer diese Checks beim Doktor, und immer wieder die blöden Spritzen.
Leise rede ich mit ihr, dabei beruhigt sie sich auch etwas. Ich streichele sie ein wenig, das funktioniert immer, aus dem Jammern wird nur noch ein leises – tja, Piepsen? Nachher dreht sie wieder auf, kaum, dass wir hier durch die Tür und wieder zuhause sind. Das kenne ich schon. Flitzt sie wieder durch den Garten und spielt, als ob nichts gewesen wäre.

Wir werden aufgerufen. Als ob sie das merkt, geht das Jammern wieder los. Dabei geht es nachher im Untersuchungszimmer ganz schnell – der jährliche Checkup, das unvermeintliche Gepiekse, ok, da ist sie dann aber auch ganz tapfer, auch wenn sie nicht mehr bei mir auf dem Schoß sitzt. Der Doktor macht das alleine mit der Helferin. Da halte ich mich besser zurück, die beiden kriegen sie besser in den Griff.

Am Ende schaut sie mich an, als ob sie erwarte wir gingen jetzt jede Woche hierher. Ich kann sie beruhigen. Ein paar freundliche Worte von Herrn Doktor, dann sind wir entlassen. Wir gehen zur Anmeldung, hier wird immer gleich kassiert. Privat eben. EC-Karte. Ich bin stets geplättet, was hier Geldbeträge über den Tisch wandern, da kann ich in meiner Praxis nur von träumen.

Im Auto sitzt sie sicher auf dem Rücksitz. Zufrieden ist anders. Das kommt erst im Garten daheim.

Tststs… Sie wird heut wieder mal nichts zum Abendbrot essen. Da zeigt sie, wie beleidigt sie mit mir ist. Katzen beim Tierarzt …

Prost und Schwangerschaft?

Dass man in der Schwangerschwaft nicht rauche und keine Medikamente zu sich nehme, hat sich wohl mittlerweile herumgesprochen. Was leider noch nicht in allen Köpfen angekommen ist: Auch Alkohol birgt ein hohes Risiko für kindliche Mißbildungen, vor allem aber für diffuse Entwicklungsstörungen in der Kindheit mit sich. Dabei kann eine einzelne “Dosis” Alkohol bereits auslösendes Moment sein.Vintage Ad: Should You Drink if You're Pregnant?

Interessant in den Studien: Rauchen vor allem Mütter aus sozial schlechter gestellten Schichten, bedeutet der ProSecco auch bei den besser gebildeten Frauen ein Kavaliersdelikt. 2007 haben laut KIGGS Studie immerhin 17% der Frauen gelegentlich Alkohol in der Schwangerschaft getrunken (bei 50% in einer Befragung von 2002).

Ein toller Artikel dazu fand sich unlängst in der Zeit: Vollrausch im Mutterleib, eine Anspielung auf die Dosis Alkohol, die der Embryo abbekommt, wenn es für die Mama nur ein Viertele ist.

(c) Foto bei vintage ads

Liebe Patienten

++++ piep ++++
Guten Tag, hier ist nur die Ansage – unser Praxisteam befindet sich im wohlverdienten Sommerurlaub – bitte wenden Sie sich in dringenden Fällen an die Kollegen monsterdoc, Dr. Johannes oder die anderen medizinischen Blogs, auch Pharmama gibt gerne medizinische Auskünfte. Für die Freizeit dazwischen empfehle ich Nessy, Buddenbohm und all die anderen. Wir kommen irgendwann mal wieder, sagen wir Ende August oder so.
Keine Sorge, es gibt wöchentlich einen Blogpost, wordpress-Planung sei Dank, jeweils am Mittwoch, wie sich das für den Arztnachmittag gehört. Passt auf Euch auf — und kommentiert fleißig, vielleicht gelingt es dem Inhaber hier, hie und da einen Internetzugang zu bekommen.
++++ piep ++++

Zum Vitamin-K-Mangel und Hirnblutungen

Neugeborene haben physiologisch ein Vitamin-K-Defizit, der Körper hat noch nicht ausreichendes Vitamin gebildet. Dies ist ein Problem, denn Vitamin K ist essentiell für die Bildung von Gerinnungsfaktoren des Blutes. Früher fürchtete man Blutungen, vor allem eine Gehirnblutung bei Neugeborenen durch den Vitamin-K-Mangel (vitamin K deficiency bleeding = VKDB). Seit Jahrzehnten wird daher eine Vitamin-K-Gabe während der Neugeborenenzeit empfohlen.

Diskussionen, ja Streit und Studien gibt es darüber, wie dies administriert wird. In Deutschland (siehe auch) wird eine orale Gabe von 2mg Vitamin K zu den Zeitpunkten Geburt (U1), erste Woche (U2) und nach einem Monat (U3) empfohlen. In den Staaten gibt man 1mg Vitamin K intramuskulär bei Geburt, in Italien anfangs intramuskulär, dann eine orale Gabe von 25ug/tgl bis in die 14.Woche, ähnlich in den Niederlande. Ein diskutiertes und aggressiv (internet-)publiziertes erhöhtes Risiko durch die Vitamin-K-Gabe für Krebserkrankungen besteht nicht.

Wir fahren in Deutschland gut mit dem hier empfohlenen Regime, in den Kinderkliniken wird bei Frühgeborenen häufig auch die amerikanische Empfehlung der i.m.-Gabe umgesetzt, gefolgt von den oralen Gaben. Die “holländische Linie” wird hier gerne in anthroposophischen Kliniken und von Hebammen propagiert, allerdings mit dem irreführenden Zusatz, dies sei “physiologischer” und nebenwirkungsärmer. Dies wird aber durch keine Studie belegt, im Gegenteil, bei unerkannten Lebererkrankungen wie Fehlanlagen der Gallengänge bedeutet dieses Regime ein erhöhtes Risiko.
Hinzu kommt, dass die regelmäßige Gabe über mehrere Wochen einen hohen Anspruch an die Eltern setzt: Das Kind darf das Vitamin K nicht erbrechen, es darf nicht vergessen werden, das Präparat muß gelagert und im Urlaub mitgenommen werden usw.

Alarmierende Zeichen kommen aus den Staaten – hier berichtet das Center of Disease Control CDC, dass immer mehr Eltern die grundsätzliche Gabe von Vitamin K bei Geburt ablehnen. Es vermutet den background bei Impfgegner, die aus einer “Antiimpfkampagne” inzwischen eine “Antispritzkampagne” entwickeln. Hoffen wir, dass sich diese Ideen bei uns nicht durchsetzen.

Bei den regelmäßigen Besuchen in der Frauenklinik der hiesigen Nachbarstadt (wo wir die U2 durchführen) gibt es mitunter Diskussionen Beratungsbedarf, was die grundsätzliche Gabe von Vitamin K angeht (sicherlich 1-2 Familien pro Jahr, die das komplett ablehnen), aber auch, was die o.g. “holländische Linie” der täglichen Vitamin-K-Gabe angeht. Das Gros der Eltern lässt sich aber umstimmen zu den 3 x 2mg zur U1, U2 und U3, wie es bei uns empfohlen wird. Das stichhaltigste Argument dabei ist tatsächlich die Einsicht, dass die Eltern die Verantwortung tragen, täglich ein Medikament zu geben und dies nicht zu vergessen. Das trauen sich dann doch die wenigsten zu.

Danke an C.P. für den Internet-Tipp.
(c) Foto bei Ernie + Katy Newton Lawley

Gelesen im Juli

Ohje, es war (noch) der Monat der Fussball-WM, darunter litt auch dieses Mal mein Leseverhalten. Am Abend haben die beste Ehefrau von allen und ich zudem den letzten Episoden von Breaking Bad gefrönt – noch weniger Lesen. Der August wird hoffentlich besser, da gibts auch noch etwas Urlaub. Hier die Lektüre vom Juli:

Der 13. Brief: Lila Zieglers erster Fall von Lucie Klassen
Gab´s als Sonderangebot für den kindle – habe ich mir das ebook geholt. Ein Krimi über die von zu Hause geflohene Lila Ziegler, die sich bei einem Privatdetektiv einquartiert und undercover in einer Schule ermittelt. Nette Idee, liest sich auch zügig, aber mir ging der abwertende schnoddrige Diktus der Heldin unglaublich auf den Keks (“Pickelfresse”, “Schlampe”, wenn es um Umschreibungen von Schülern und Lehrern ging), außerdem die gewollt unterschwellige Erotik. Vielleicht kam ich auch einfach nicht mit der ich-Perspektive zurecht. Ne, das war nichts. Abgebrochen. 1/5

Die Liebe der Väter von Thomas Hettche
Das Buch spielt auf Sylt. Das spürt man zwischen jeder Zeile durch (auch wenn ich selbst noch nie auf der Insel war) – Peter trifft auf seine dreizehnjährige Tochter, um mit ihr den Sommer zu verbringen. Die Eltern sind schon lange getrennt, trotzdem hält die Bande zwischen Vater und Tochter. Der Urlaub bedeutet eine Belastungsprobe, für Peter ist es auch eine Heimkehr zu seiner Kindheit. Im typischen Neu-Deutsch-Roman-Stil geschrieben, ich musste mich etwas einlesen, am Ende war´s aber ein angenehmes Lesevergnügen. Vielleicht weil ich Vater einer Tochter bin? 4/5

Die Einladung von Jim & Mermoux
Eine graphic novel. Raphael wird von seinem Kumpel Leo in der Nacht aus dem Bett geklingelt, er brauche Hilfe bei einer Autopanne. Zögernd und genervt fährt Raphael zum vereinbarten Treffpunkt und erlebt eine Überraschung. Die ich nicht verrate. Ein netter Comic über Freundschaften und Verpflichtungen – am Ende fand ich die Idee etwas zu sehr in die Länge präpariert, aber für zwischendurch mal gelesen völlig ok. 3/5

Paradise von Benoit Sokal und Brice Bingono
Noch ein Comic, diesmal irgendwo in Afrika (?) oder so spielend, mehr ein erfundenes Land. Ein Mädchen stürzt mit dem Flugzeug ab und gerät in den Strudel einer Rebellion gegen einen grausamen Monarchen. Viel Mystik und Symbolik, Anleihen bei Tomb Raider und Indiana Jones, wohl sei dieser Comic ein nachgemaltes Computerspiel. Ganz nett gezeichnet, nicht mein Geschmack. 2/5

Rumo – Hörbuch von Walter Moers, gelesen von Dirk Bach
Endlich geschafft. Ich höre “Rumo” ungefähr seit Weihnachten via Hörbuch und iphone auf dem Weg zur Arbeit, beim Joggen und Fahrradfahren. Doch, es ist ein dickes Buch. Wer nur eine Spur Interesse an Fantasy hat, sollte sich dieses Buch zulegen. Es stellt sogar den “Blaubär” in den Schatten. Nie war Dirk Bach so gut, so einfühlsam, so dramatisch, so lustig, so spannend. Ein Genuß. Das beste Hörbuch, das ich bisher gehört habe. 5/5

Breaking Bad” Staffeln 3-6
Wie oben schon verkündet, die beste Ehefrau von allen und ich haben uns neben der Fussball-WM den sonstigen Fernsehkonsum gespart und dröhnten uns mit den fehlenden Staffeln Breaking Bad zu – welch ein Rausch. Du fragst Dich wirklich von Staffel zu Staffel, ob sich die Spannung, die Einfälle, die Verwicklungen noch steigern können, aber: es geht. Bis zur letzten Folge der letzten Staffel hat man keine Ahnung, wie das alles endet, das finale furioso toppt alles. Die Ehefrau und ich haben uns zum Schluß nur stumm angesehen. Was soll jetzt noch Besseres gedreht werden? Das geseufzte “Jessie!” ist bei uns zum geflügelten Wort geworden. 5/5

P.S. Kurz vor dem Ende, aber noch nicht im Juli geschafft: Sterben von Karl-Ove Knausgard

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