Ist das normal? Heute was zur Haut…

Pickelchen sind Teil der täglichen Praxisroutine. Hippelchen hier, Hippelchen da, Ausschlag dort. Haut verunsichert, Haut ist die Unverletzlichkeit des Körpers, Rötungen sind Signale für Krankheit. Das lässt die Eltern vorstellig werden: „Ist das normal, Herr Doktor?“

Meist schon.
Kinder haben nun einmal eine empfindlichere Haut als Erwachsene. Unsere ist wettergegerbt, über Jahre geschmiert und geschmirgelt. Außer den Pubertätspickel stören uns wenig Hautirritationen, so wir keine Neurodermitiker sind oder melanomfixiert.

Bereits der Säugling hat eine Rötung da und dort, die Backen sind immer feurig und die Wangen im Winter sowieso. Und trotzdem sind das alles Vorstellungsgründe. Sogar extra Termine wird für den einzelnen roten Fleck auf der Nase gemacht. Es könnte sich schließlich um das erste Anzeichen von Neurodermitis halten.
Ist es aber meist nicht. Die Haut reagiert nun einmal gerne. Auf Kälte, auf Wärme, auf die Bartstoppeln vom Vater oder den schicken Strickschal der Omma. Beim Beifüttern färbt sich das Gesicht orange und dank der Mandarinen auch mal rot (gerne auch das Gesäß).

Erste Anzeichen für die viel gefürchtete Neurodermitis ist hingegen die trockene Haut, und die wird oft als normal abgetan. Und leider abgewartet. Dabei ist gerade hier die Pflege das Entscheidende: Säuglingshaut darf geölt werden, das Badewasser sollte milde Zusätze beinhalten. Zeigt die Haut Zeichen von Trockenheit, gerade im Winter, fangt an zu cremen! Wartet nicht auf den Hinweis des Arztes, das zu tun.
Noch immer geistert das unsägliche Gerücht, man solle Babys Haut nicht cremen, „damit sie sich nicht daran gewöhnt“. Also wartet man und wartet, aber dann ist der Vorstellungsgrund eben nicht die trockene Haut, sondern die rissige, suppende, verkratzte, rote Haut.

Welche Salbe nimmt man? Egal eigentlich. Inhaltsstoffe sind zweitrangig, wichtiger ist die Frequenz des Salbens, täglich mindestens, wenn es die Haut braucht. Man suche sich eine so genannte Basissalbe, ohne extravagante Inhalte, auch die aus den Drogerien, und gebe ihr mindestens drei Wochen Zeit zu wirken. Gecremt oder gesalbt wird übrigens immer das gesamte Integument (geiles Wort, hier könnt Ihr noch was lernen!), denn die Haut ist *ein komplettes* Organ und besteht nicht aus der „Haut im Gesicht“ oder der „Haut in den Ellenbeugen“.

Merke:
– Hautrötungen sind in jedem Alter etwas Normales.
– Trockene Haut wird gepflegt. Oft.
– Rötungen, die ohne Zutun binnen 48 Stunden verschwinden, sind sicher harmlos.
– Rötungen in Verbindung mit Fieber oder Erkältungen kommen sehr häufig vor und sind in den allermeisten Fällen viral bedingt. Ob sie Teil einer klassischen Kinderkrankheit sind, oder nicht, sieht der Kinderarzt. Auch hier gilt: Behandeln ist nicht. Das Exanthem wird mit der Infektion verschwinden.
– Ausnahme bei den Kinderkrankheiten: Scharlach. Sollte antibiotisch behandelt werden.
– Sieht die Haut „verletzt“ aus (wie geschürft, gekratzt), ist die oberste Hautbarriere nicht mehr intakt, es braucht Pflege, auch Therapie. Welche, muß individuell entschieden werden. Gerne vorstellen, oder: Erst salben, ausreichend viel und regelmäßig, dann kommen. Siehe oben.

siehe auch: ➡️Leberflecke, die. ➡️Milchschorf, der. ➡️Warzen, die. ➡️immer noch Warzen, die. ➡️Nesselsucht, die.

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21 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. schnitzelherz
    Feb 18, 2015 @ 10:49:59

    Meine Tochter, jetzt 1 Monat alt, hatte sich nach der Geburt am ganzen Körper geschält. Rein vom Bauchgefühl hätte ich sie gern eingecremt. Von Hebamme und Kinderärztin wurde gesagt ich solle da nicht cremen. Hätte ich doch cremen können, bzw. Müssen? Aktuell scheint ihre Haut nicht besonders trocken, aber ich mache auch zum Baden einen milden waschzusatz rein, entgegen der Empfehlung der Hebamme.

    Antwort

    • Anonymous
      Feb 18, 2015 @ 13:15:07

      Das war bei uns auch bei allen drei Kindern. Das kommt davon, dass sie so lange im Fruchtwasser liegen (wenn sie keine Käseschmiere mehr haben). Wir haben auch nicht eingecremt und nach dem Schälen war die Haut dann in Ordnung. Kann aber gut sein, dass sie sich mit Eincremen weniger geschält hätte.

      Antwort

    • Klabund
      Feb 18, 2015 @ 13:16:21

      Besonders „alternative“ Hebammen raten gerne von Cremes ab, höchstens mal Hebammens-Lieblingsfirma Weleda wird angepriesen.
      Aber die etablierte Meinung, abseits der Esoterik hast du ja oben gesehen.

      Antwort

    • kinderdok
      Feb 18, 2015 @ 16:03:25

      „Schälen“ nach Geburt ist keine trockene Haut, sondern eingetrocknete Käseschmiere. Soll man sogar so lassen.

      Antwort

      • Anonymous
        Feb 18, 2015 @ 23:24:55

        Bist du da sicher? Meine Kinder hatten keine Käseschmiere nach der Geburt und die Haut hat sich überall abgeschält. Hast du vielleicht eine Quelle dazu oder so?

        Antwort

    • kinderdok
      Feb 18, 2015 @ 16:06:33

      Baden *immer* mit Zusatz, auch täglich. Nur Wasser trocknet die Haut zu sehr aus

      Antwort

  2. Udo
    Feb 18, 2015 @ 19:29:45

    He, also welcher Troll rated denn hier immer so wahllos down? (Bis jetzt gibt es 5 Kommentare und alle außer einem haben mindestens einen Daumen unten und keiner einen hoch.) Bei solchen Infosachen gibts doch nichts zu raten…???

    Antwort

    • henriette
      Feb 19, 2015 @ 13:39:22

      ich rate jetzt reden einfach „up“, dann gelicht es sich aus, wobei mir das upraten auch nicht so schwer faellt bei dem, was hier so steht…

      Antwort

    • MoralundAnstand
      Feb 21, 2015 @ 14:12:11

      Keine Ahnung, ich klicke grundsätzlich immer auf Daumen runter, wenn irgendwelche Übermütter ihre Stories loslassen.

      Antwort

  3. ApoMi
    Feb 19, 2015 @ 09:00:39

    Du darfst die Impfdiskussion neulich nicht vergessen….
    Seit dem ist unser KinderDoc auf so mancher schwarzer Liste 😉

    Antwort

  4. Schlappohr
    Feb 20, 2015 @ 08:18:13

    Kind 1 wurde ab Geburt (Käseschmiere blieb dran) sehr verhalten gecremt, eigentlich nur konsequent geölt (reines Mandelöl). Kein synthetischer Waschzusatz, ebenfalls nur Öl. Massagen mit Öl waren lange ihr Lieblingszeitvertreib. Im Winter draußen stets gut gefettet an den Stellen, die kalt werden konnten. Aber durchgehend bis jetzt – knapp 12 – hat sie sehr trockene Haut mit vielen Pickelchen, die bereits lange vor der Pubertät entstanden sind. Regelmässig deutliche Irritationen nach mechanischer Belastung (reibender Stoff, Druck), rauhe Haut bei Kälte. Pflege, Pflege, Pflege ist angesagt (und blockiert das Bad).

    Kind 2 konnte nicht geölt werden, weil bis heute derart kitzlig, dass er vom Wickeltisch zu flutschten drohte. Auch Waschzusatz wurde deshalb ganz gestrichen oder das weniger glitschige käufliche Zeug („Bübchen“) verwendet. Selbst bei frostigen Temperaturen (strenge Winter in Bayern) war Eincremen vor dem Spaziergang nur unter Anwendung von massiver Gewalt möglich. Aber schon immer und bis heute hatte er am ganzen (!) Körper superweiche (!) und glatte Haut. Schürfwunden heilen im Gegensatz zu seiner Schwester bei ihm schnell und rückstandslos. Nun graust es ihm – 10 Jahre alt -, dass auf dieser angenehmen Haut mal Haare wachsen werden wie Papas Bärenfell…

    Ich schätze, es ist Schicksal, was für ein Hauttyp man ist. Mit der richtigen Pflege kann man aber die Kinderhaut unterstützen, ebenso, wie mit der falschen viel kaputt machen.

    Antwort

    • kinderdok
      Feb 20, 2015 @ 08:21:42

      Das mit der Pflege glaube ich nicht. Falsche Pflege bedeutet meist keine ausreichende Pflege. Aber ich denke nicht, dass durch das Pflegen von Kind 1 die Haut schlecht wurde.

      Antwort

      • Schlappohr
        Feb 20, 2015 @ 08:31:01

        Danke, das beruhigt.
        Bei allem theoretisch vorhandenen Wissen: Mütter machen sich stetsVorwürfe bzw nehmen sich die Vorwürfe der eigenen Kids („Warum hat Nr 2 viel schönere Haut, obwohl er ein Junge ist? Du hast Dich ja schon immer mehr um ihn gekümmert!“) zu sehr zu Herzen.

        Antwort

  5. Marius R.
    Feb 20, 2015 @ 09:27:43

    Toller Beitrag. Meistens wartet man aufgrund von Unwissenheit erstmal darauf was der Arzt einem rät…nur blöde wenn jeder Arzt etwas anderes rät 🙂

    Antwort

  6. Mareike
    Feb 20, 2015 @ 09:30:51

    Eincremen tun wir immer mit Öl. Können Sie etwas spezielles empfehlen?

    Danke

    Antwort

    • kinderdok
      Feb 20, 2015 @ 12:58:25

      Siehe Posting 😄

      Antwort

    • Udo
      Feb 20, 2015 @ 20:09:29

      Bei uns hat ganz normales Olivenöl immer gute Dienste geleistet – am Po. Zum Reinigen (statt Öltücher) Olivenöl und trockene Tücher. Nie eine Windeldermatitis gehabt. Auch sonst an einigen Stellen mal benutzt, wenn grad keine Creme zur Hand.

      Nebeneffekt: Viel günstiger (selbst in bester Bio-Qualität als alle Kosmetik im Kinderbereich) und quasi überall zu haben.

      Antwort

  7. Jenny
    Feb 20, 2015 @ 18:48:32

    Achja, die Sorte kenn ich… Kein Badezusatz, keine Cremes, und bei Kortisonbenutzungsverdacht wirds Jugendamt gerufen 🙂 Achja, und bei Bindehautentzündung Muttermilch ins Auge schmieren!

    Antwort

  8. Nell
    Feb 22, 2015 @ 17:55:17

    Lieber Kinderdoc bei der Gelegenheit will ich mal fragen was hältst du von der Empfehlung meiner Oma.
    Als alte Schwäbin hat sie nämlich empfohlen Babys und Kinder im Kochwasser von den Spätzle zu baden, also nicht dem tütenzeug sondern den selbstgemachten.
    Das wäre wegen dem Ei und dem Dinkel gut für die Haut uns deswegen würden die kleinen Kinder auch Spätzle genannt.
    Ausprobieren konnte ich es mangels Kind nicht, aber wenn ich mir das Wasser so angucke komme ich ins grübeln da bildet sich ja beim abkühlen immer so ne komische haut drauf.
    Lg und Merci
    Nell

    Antwort

  9. Trackback: Ursachenforschung | Von der Uni an den Herd

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