Servicewüste Kinderarztpraxis

Telefon

 

Vater: „Ja, hallo, meine Frau ist krank, und kann nicht auf meinen Sohn aufpassen, deshalb muß ich zuhause bleiben und brauche eine Krankschreibung.“
fMFA: „Was hat denn Ihr Sohn?“
Vater: „Nichts, der ist gesund, aber meine Frau ist krank.“
fMFA: „Oh, Sie haben die Kinderarztpraxis Dr. kinderdok gewählt.“
Vater: „Ja, das weiß ich, ich brauche eine Krankschreibung, für den Arbeitgeber, dass ich zuhause bleiben kann.“
fMFA: „Aber Ihr Sohn ist nicht krank.“
Vater: „Das sagte ich schon. Meine Frau ist krank. Und. Ich. Muss. Deswegen. Zuhause. Bleiben.“
fMFA: „Tut mir leid, aber wir können nur eine Bescheinigung für den Arbeitgeber rausschreiben, wenn Ihr Kind krank ist und Sie deswegen zuhause bleiben müssen.“
Vater: „Meine Frau ist krank.“
fMFA: „Ich habe das verstanden, aber solange Ihr Sohn nicht…“
Vater: „Wissen Sie was? Mein Sohn ist krank. Ich brauche eine Bescheinigung, dass ich zuhause bleiben kann. Für den Arbeitgeber.“
fMFA: „… und was hat Ihr Sohn. Wann haben Sie denn Zeit vorbeizukommen, um ihn untersuchen zu lassen?“
Vater: „Geht´s noch? Jetzt soll ich auch noch vorbeikommen?“

(c) Foto bei Flickr/Idaponte (unter CC BY-SA 2.0)

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neulich am telefon

21 uhr 15, kinderdok sitzt bequem auf der couch und spielt mit dem neuen eipad.

telefonklingel. dank polyphon in einem angenehmen sanften weckton, nicht das genervige gerappel des praxistelefons.

ich: „kinderdok, hallo?“
vater: „äh, ja, ´nabend. ich habe da mal eine frage.“
ich: „… und mit wem spreche ich?“
… erstmal den namen sichern. essentiell.
vater: nuschel“…nitzki…“nuschel.
… naja. war wohl nichts.
ich: „ok, um was gehts denn?“
vater: „meine tochter, die jammert jetzt schon die ganze zeit, ihr fuß tut so weh.“
ich: „alles klar, wie alt ist denn ihre tochter?“
… dann das administrative klären.
vater: „dreinhalb.“
ich: „wo sind denn die schmerzen … am fuß?“
… der fuß ist immer relativ. im süddeutschen anatomieatlas beginnt der fuß bei der spina iliaca anterior superior und endet am digitus pedis I.
vater: „so am knie, rechts glaub´ch.“
ich: „und seit wann hat sie diese schmerzen?“
vater: „na, so zehn minuten, viertelstunde.“
ich: „äh. ok. kann sie denn da gar nicht auftreten?“
vater: „naja. geht schon. hinkt halt.“
ich: „haben sie denn was gegen schmerzen zu hause?“
vater: „ja, glaub´ch schon. so zäpfchen oder so.“
ich: „gut. dann geben sie ihr mal eins, wenn sie morgen noch…“

es rattert in meinem hirn. ich schiebe die eine differentialdiagnose gegen die andere hin und her, blättere geistig im kapitel rheumatologie, orthopädie und infektiologie, wäge zeit, ausmaß und alter ab und …

ich: „sagen sie mal, die ist doch drei jahre alt, wir haben kurz vor zehne nachts, liegt die noch nicht im bett? ist sie aufgewacht von den schmerzen?“
vater: „ne, die liegt grad nicht im bett.“
ich: „und dass sie irgendwie gestürzt ist? aus´m bett gefallen? hat sie ein hochbett?“
vater: „ja, die hat ein hochbett.“
ich: „und da ist sie rausgefallen?“
vater: „ja. da ist sie rausgefallen.“
ich: „und seitdem hat sie die schmerzen im knie?“
vater: „ja. dick ist es auch.“

das war der moment, indem ich kurz weggetreten bin, weil mein kopf auf die tischkante knallte. es müssen nur sekunden gewesen sein.

ich: „also, sie ist aus dem bett gefallen, auch noch ein hochbett, das war vor einer viertelstunde, seitdem hat sie schmerzen am knie, und das ist dick. so richtig?“
vater: „ja. so war das wohl.“
ich: „na dann. fahren sie bitte nach unterstelzen mit ihr ins krankenhaus? das muß wahrscheinlich geröntgt werden. vielleicht ist was gebrochen.“
vater: „wirklich? und da kann man jetzt so nichts machen?“
ich: „nein, wirklich nicht. lassen sie das mal im krankenhaus angucken, ok?“
vater: „ok. wenn sie meinen. muss ich da anrufen, termin ausmachen?“

ich: „nein, bitte nicht, sonst wimmelt sie der kollege am telefon ab, bevor er an die stelle mit dem hochbett kommt. neinnein, fahren sie mal direkt dahin, passt schon.“
vater: „dann mach ich das mal.“
ich: „gut. auf wiederhören.“
vater: „ja, tschüss. … ach, und morgen reicht aber nicht, oder?“

gibts da nicht was natürliches?

telefon gegen mitternacht

mutter: „mein kleiner brüllt seit stunden. ich glaube, der hat zahnweh. der zahnt schon seit tagen.“
ich: „ok. da dürfen sie gerne mal ein schmerzmittel geben.“
mutter: „achja? ich wollte das eigentlich nicht.“
ich: „mmh. und was kann ich da jetzt tun?“
mutter: „ich dachte, vielleicht ist es was anderes.“
ich: „das kann ich ihnen auch nicht sagen. wir können den aber gerne morgen mal in der praxis anschauen.“
mutter: „ach… da möchte ich lieber nicht hin. nachher holt er sich noch was im wartezimmer.“
ich: „alles klar. ihre entscheidung.“
mutter: „gibts da nicht was natürliches?“
ich: „bei echten zahnungsschmerzen? geben sie doch mal ein zäpfchen.“
mutter: „ich habe da noch so kügelchen. wie heißen die? moment… sab simplex.“
nein. ganz sicher nicht.
ich: „ich denke nicht, dass die helfen.“
mutter: „hab ich auch schon probiert.“
ich: „eben. das dachte ich mir. vielleicht doch mal ein paracetamol?“
mutter: „aber immer gleich mit medis vollpumpen?“
ich: „liebe frau winter. sie rufen bei mir kurz vor mitternacht an, weil´s bobele nicht schläft. sie können auch nicht schlafen. sie möchten einen rat von mir. den habe ich ihnen gegeben. und nun?“
mutter: „ja, das wollte ich doch von ihnen wissen.“

ja. das habe ich verstanden. wir konnten uns dann doch zu einem zäpfchen durchringen. und das kind hat das erste mal seit wochen wieder durchgeschlafen.

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