Drosophilidae in disguise

Die Mutter schiebt ihre Vierjährige zu mir hin.
„So, dann schauen Sie sich mal diesen Ausschlag an.“ Sie dreht sie rum, beugt den Kopf der Kleinen, so dass ich den Nacken inspizieren kann. Ich sehe ein paar Kratzstellen am Haaransatz.
„Da juckt die sich schon seit Tagen. Ich hab schon alles probiert, neues Schampoo, bissel eingeölt, nix hilft.“
Ich schaue dezent durch die restlichen Haaransätze rund um die Ohren und vorne an der Stirn.
„Ach, na, was ist das denn!“ Die Mama wedelt mit beiden Händen über den Scheitel ihrer Tochter. „Diese elenden Obstfliegen machen sich aber auch überall breit.“
Ich bin schnell, schnappe mir ein und gebe ihr den Gnadenknips. Dann halt ich das zerquetschte Ding vor uns hin.
„Haben Sie solche Obstfliegen zuhause?“, frage ich.
Die Mutter zuckt mit den Schultern. „Na klar, ganz viele, die wirste ja gar nicht mehr los, wenn die mal in der Küche sind. Aber auf dem Kopf der Maya habe ich die auch noch nicht gesehen.“
Ich lächele sie freundlich an. „Wissen Sie, dass Sie jetzt unwissentlich meine Ehefrau zitiert haben?“
„Nein, wieso?“, fragt sie interessiert.
„Vorletzten Fasching hat mir meine Frau auch irgendwelche Obstfliegen in den Haaren meiner Tochter präsentiert“, sage ich.
„Zu Fasching? Da gibts doch meist gar keine, ist doch viel zu kalt…“, erwidert die Mutter.
„Richtig. Das waren auch keine, und Ihre auch nicht“, sage ich grinsend. „Das da sind Läuse.“

Merke: Läuse fliegen nicht, und Obstfliegen landen nicht auf Haaren.

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Wie mein Tag so ausklin(k/g)t

Kurzer Ausriss Tagesbilanz heute abend:
*snap*
16:45 Jugenduntersuchung J1 – Dauer 20 Minuten – Folgegespräch mit Mutter („Sie, Herr Dokter, die Mayla ist sooo unkonzentriert, ich glaube, das kommt von dem ganzen Junkfood, dass sie in der Ganztagsschule immer isst“ – „Dann geben Sie ihr doch was Gesundes von zu Hause mit“ – „Das isst sie ja nicht, Herr Dokter, da nimmt sie lieber die 10 Euro mit von mit, damit sie sich mittags was beim Mac oder´m Türken holen kann.“) – Dauer 30 Minuten
17:40 Gespräch mit Eltern und 7jährigem Sohn („Herr Dokter, die Lehrerin sagt, der hat ADS.“ – „Ok, und was hat die Schultestung ergeben?“ – „Die was?“ – „Ja, hat die Schule nichts getestet.“ – „Nee, wieso? Sie ist doch unkonzentriert.“ – „Aber vielleicht, weil sie eine Lese-Rechtschreibschwäche hat? Wenn ich mir das Heft hier so ansehe?“) – Dauer 40 Minuten
18:30 Telefonat-Rückruf Mutter Liesegang, nach drei frustranen Versuchen in den Tagen zuvor („Was soll ich nur machen, Herr Dokter, der haut immer seine kleine Schwester. Und auch mich.“ – „Was macht er denn im Kindergarten?“ – „Da ist alles ok, das liebste Kind.“ – „Warum denken Sie, wieso?“ – „Weiß ich jetzt auch nicht, Herr Dokter…“) – Dauer 35 Minuten
19:15 Telefonat-Rückruf Mutter Reubers („Herr Dokter, die Erzieherinnen haben gesagt, die Dschacklin muß mal ins SPZ oder zum Kinderpsychologen, die haut sich immer mit dem Kopf an die Wand ´na im Kindi.“ – „Macht Sie das auch zu Hause?“ – „Nee, das hat sie einmal probiert, dann hab´ ich sie aber mal zusammengefaltet, das könne Sie sich gar nicht vorstellen.“ – „Warum denken Sie, wieso sie es dann im Kindergarten macht?“ – „Weiß ich jetzt auch nicht, Herr Dokter…“) – Dauer 40 Minuten
19:55 Dokumentation in allen Karteikarten – Dauer 30 Minuten.
20:25 Schreibtisch aufräumen, Licht aus, Heimfahrt – Dauer 20 Minuten.
20:45 Soeben ankommen und feststellen, dass seit letzter Woche Dienstag kein „Dr.House“-Tag mehr ist.
20:46 Bitterlich weinen.
*snap*

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