Geschenke!

Ein Stein
Ein Bügelperlen-Herz
Ein Bild mit „Mann“
Ein Bild mit „Mama, Katze und dem Papa“
Eine Blume (leicht angewelkt)
Ein Papierschiff (mit einigen Fingerabdrücken), zerknüllt und wieder glatt gedrückt
Eine Urkunde („Bester Doktor“ inkl. Glitzer)
Noch ein Bügelperlen-Herz (andere Farben)
Ein Bild mit… tja nun…, ein Bild eben.
So ein geflochtenes Papierviereck
Eine Schachtel Pralinen (Lindt. Auch wenn´s blind macht)
Ein Schokoladen-Herz

…Geschenke der letzten vierzehn Tage.

Das größte Geschenk – wenn Mariebelle Dich trotz der Impfung, zerdrückter Tränen und einem Riesenschluchzer beim Hinausgehen auf dem Flur drückt.

Dürfen Ärzte Patienten ablehnen?

Erste Antwort: Eigentlich Nein.

Aber so einfach wollen wir es uns hier nicht machen. Ärzte haben grundsätzlich eine Behandlungsverpflichtung, das besagt das Strafrecht (unterlassene Hilfeleistung) und ist ein ethischer Grundsatz allen medizinischen Handelns: Dem Hilfesuchenden wird geholfen. Im reinen Berufsrecht „steht es wiederum auch Ärztinnen und Ärzte frei, eine Behandlung abzulehnen.“ Dies wird jedoch eingeschränkt durch „besondere rechtliche Verpflichtungen“ – und diese beziehen sich auf das so genannte Vertragsarztrecht. Die meisten Ärzte sind Vertragsärzte in Verpflichtung der Kassenärztlichen Vereinigung und müssen hier uneingeschränkt an der Versorgung teilnehmen.

Dies ist der juristische Aspekt und entspricht wie üblich nicht der Realität: Lange Wartezeiten auf Termine, komplettes Ablehnen von Patienten, weil die Praxis „voll“ sei oder das „Budget erschöpft“ oder „nur Private behandelt werden“.

Unterschiede gibt es sicher in der Notfallbehandlung und bei geplanten Untersuchungen. Eine Notfallbehandlung darf niemals abgelehnt werden (außer, der Arzt begibt sich selbst in Gefahr – Autounfälle, Brände, Stromunfälle, aber das gilt bei der Ersten Hilfe im Allgemeinen). Das wiederum bedeutet für Ärzte in Notfallambulanzen und im Krankenhaus, aber auch „Versorgerpraxen“, die eine Sprechstunde anbieten, dass sie ungesehen des Alters, des Geschlechtes, des Aussehens, der Religion oder des Verhaltens des Patienten eine Versorgung übernehmen müssen. Ist der Arzt fachlich nicht befähigt (z.B. ein Kind zu entbinden, einen Infarkt zu behandeln, einen Chaissagnac einzurenken oder eine Wunde zu nähen), so wird er das in seinem Fach Mögliche tun und den Patienten weiterverweisen. Banal.

Geplante Untersuchungen wie Operationen, Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen usw. lassen sich „schieben“, hier gibt es nur bestimmte Kapazitäten, die ein Arzt, eine Praxis schaffen kann. Beispiel bei uns: Auf einen Termin für eine Jugenduntersuchung muss man bei uns im Moment fünf Monate warten, diese „Luft“ haben alle aber auch. Das Fenster für die „jüngeren“ Vorsorgen ist viel kleiner (die U3 muss zwischen dritter und sechster Woche stattfinden, die U7 zwischen 20. und 24. Monat usw.), da wird es schon schwieriger in der Planung. Ähnliche Probleme haben sicher Chirurgen oder Augenärzte – geplante Untersuchungen sind schließlich zeitaufwändiger, nehmen mehr Platz im Terminkalender ein. Irgendwann ist der voll und was soll dann das Team schon machen, als Patienten auf andere Praxen zu verweisen oder ganz abzulehnen? Schließlich wollen wir nicht vergessen: Welcher Patient möchte schon einen Termin in ein paar Monaten oder frühmorgens/spätabends oder in der Praxis stundenlang warten?

Was bedeutet das für den Kinder- und Jugendarzt? Vielleicht mal aus der Praxis geschildert: Wir sind mit der Versorgung, wie viele andere in der Region, am Limit. In der Konsequenz können wir aktuell nur Neugeborene „aufnehmen“, sowie Neuzugezogene. Wie soll man auch sonst jungen Eltern vermitteln, dass sie mit ihrem Neugeborenen nicht willkommen sind? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass mit diesem Regime eine ausreichende Fluktuation zwischen Neuzugängen und Weggehern stattfindet. Unsere Praxis arbeitet mit überproportional vielen Patienten im Vergleich zur Fachgruppe, aber so haben die Patienten ein gutes Gefühl bei moderater Wartezeit auf Termine, kurzer Wartezeit in der Praxis und einen entspannten Arzt. Denn das wiederum wollen ja alle haben.

Denn was viele Eltern oft nicht sehen: Konzentrieren sich die Patienten auf einzelne Praxen, während andere noch Kapazitäten haben, leidet irgendwann auch die Qualität der jetzt übervollen Praxen. Ich habe das erlebt: Als Jungniedergelassener wechseln alle zu Dir in die Praxis, zum „Ausprobieren“, zum „Neuen Besen“, und weil die etablierten Praxen voll waren. Das geht eine Zeit gut, bis die eigene Praxis aus allen Nähten platzt, dann beginnt wieder das Wechselkarussell in die nächste Praxis. Es beschwerten sich Eltern über längere Wartezeiten, „weil wir ja jetzt soviele Patienten annehmen würden“, die waren vor nicht langer Zeit zu uns gewechselt.

Und dann das Argument mit den Privaten – die dürfen ja immer und bekommen auch schnell und immer einen Termin. Das stimmt oft. Das liegt an unserem Bezahlsystem: Privatpatienten generieren den Praxen immer gesichertes Honorar (wenn die Bonität und Zahlungsmoral stimmt), bei gesetzlich Versicherten warten wir bekanntermaßen über zwei Quartale auf das Honorar, ohne vorher zu wissen, wie hoch es ausfällt. Überschreitet das bei der Kassenärztlichen Vereinigung angeforderte Honorar den Vergleich zum Jahresvorquartal, droht sogar das komplette Abschneiden des Überschusses, d.h. der Doc hat x Patienten effektiv kostenlos behandelt. Ich kann jeden Arzt in diesem System verstehen, der am Ende des Quartals sagt, er nehme keine Patienten mehr an, die er nicht bezahlt bekommt. Handwerker dürfen auch Aufträge ablehnen, wenn die Arbeitskapazität erschöpft ist, über Aufträge, die sie annehmen müssten, sie aber nicht bezahlt bekommen, würden sie nur müde lächeln.

Ich denke, in Versorgerpraxen wie Haus- oder Kinderärzten kann das System gut funktionieren: Notfallpatienten müssen behandelt werden, ganze neue Patienten (durch Zuzug oder Geburt) werden aufgenommen. Das reicht. Ich mache die Erfahrung, dass die Hälfte der Wechselpatienten irgendwann weiterwechseln. Ganz ablehnen würde ich Gängeleien wie „Bewerbung schreiben“, um eine Praxis aufsuchen zu dürfen (ja, das gibt es!), oder seitens der Patienten das Einklagen einer Behandlung, hier dürfte das Vertrauensverhältnis bereits vor Behandlungsbeginn zerrüttet sein.

Denn auch das kann ein Grund sein, Patienten abzulehnen: Wenn sie sich ungebührlich verhalten (so habe ich eine Familie vor der die Tür gesetzt, bei der der Vater eine Mutter im Kopftuch beleidigt hat; aber es gibt auch Fälle von lautstarkem Gezeter über den Doc im Wartezimmer oder aber schlichtes x-maliges Versäumen von Terminen) oder kein Vertrauen zwischen Patienten und behandeldem Arzt herrscht. Eltern, die wiederholt Medikamente nicht geben, die vier- oder fünfmal eine zweite Meinung einholen, die sich mal in dieser Praxis, mal in jener behandeln lassen. In ein ähnliches Feld fallen die Impfgegner – auch diese finden sicher durch einen anderen Arzt eine bessere Unterstützung als mich.

 

Quellen:
(Muster-)Berufsordnung für Ärzte (siehe vor allem §7, Abs. 3)
Bundesmantelvertrag der Ärzte (d.i. Vertragsrecht, siehe vor allem §13)
Sozialgesetzbuch  (Teilnahme an der vertragsärztlichen Versorgung)
Blogartikel zu den juristischen Hintergründen

Die neuen Kinderrichtlinien brauchen ihre Zeit

Eigentlich sind sie nun offiziell in Kraft, die neuen Kinderrichtlinien bei den Vorsorgeuntersuchungen durch die Kinder- und Jugendärzte. Sie sollten bereits zum 1.7. kommen, wurden aber wegen Datenschutzproblemen (übertragen der mütterlichen Daten ins Kinderuntersuchungsheft? Seeehr problematisch?!) verschoben. Der erste September war der Stichtag. Trotzdem darf niemand erwarten, dass die neuen Inhalte sofort und komplett in den Praxen umgesetzt werden. Warum?kinderuntersuchungsheft

Zum einen kreißte der Gemeinsame Bundesausschuß sehr lange um das Thema, Inhalte wurden verändert, gestrichen, verschoben, sie bleiben teilweise umstritten, in der Summe werten sie jedoch die Kindervorsorgeuntersuchungen auf. Dies hat aber viel Unsicherheiten bei den Kollegen geschürt, so dass die endgültige Fassung sehr kurzfristig an die erbringenden Praxen gereicht wurde. Zum anderen ist die Bezahlung überhaupt nicht geregelt.

Im Fachdeutsch heisst das, die Finanzierung der aufgepimpten Vorsorgen ist noch nicht in den „Einheitlichen Bewertungsmaßstab“ EBM, das Instrument zur Abrechnung durch die Ärzte, implementiert worden. Ein Schelm, der Böses dabei denkt: Man bringt neue Inhalte auf den Markt, zeigt sie auch den Eltern in der Presse, regelt die Bezahlung aber später. Aktuell erhalten wir im Schnitt gute dreißig Euro pro Vorsorge, in den Zusatzverträgen zur U10 und U11 mit den Krankenkassen werden mindestens 50 Euro berechnet. Ähnliches erwartet der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte auch für die neu erweiterten U1 bis U9. Zitat der KBV: „Bis zur EBM-Anpassung erfolgt die Versorgung weiterhin nach den derzeit gültigen Regelungen.“ Diese Anpassung wird nicht vor Februar erwartet.

Bis die Bezahlung geregelt ist, dürfen Eltern also davon ausgehen, dass ihr Kinderarzt keine Begeisterung zeigt, fürs Gleiche deutlich mehr zu leisten (die Richtlinien setzen auch Neuinvestitionen in Hör- oder Sehtestgeräte voraus, auch die müssen von den Praxen finanziert werden). Wir lassen uns also Zeit, werden peu à peu die neuen Inhalte einüben, bis alles in trockenen Tüchern ist.

Was ändert sich nun konkret? Hier die wichtigsten, für Eltern relevanten Punkte:

– Es gibt ein neues „Gelbes Heft“. Dieses wird ab sofort (? wenn bereits geliefert) an alle Neugeborenen abgegeben. Für ältere Kinder gibt es Einlageblätter in das alte Heft (Hüstel: Bei uns ist noch nichts angekommen, weder Hefte noch Einlageblätter).

Teilnahmekarte für erfolgte Vorsorgeuntersuchungen, diese kann herausgetrennt werden und damit unabhängig vom eigentlichen Gelben Heften an Behörden übergeben werden.

– Neue Augenuntersuchungen: Von U4-U7 wird der so genannte „Brückner-Test“ durchgeführt, er erhöht die Diagnose von Amblyopien (… und beschert den Praxen die eventuelle Neuanschaffung eines oder mehrerer Ophthalmoskope)

– Verpflichtender Hörtest über mehrere Frequenzen bei 4-jährigen (… neues Gerät für die Praxis) – ob das bei allen gelingt?

– Screening auf Mukoviszidose, Abfrage der Stuhlfarbe bei U2-U4 (… übrigens mit Vergleich auf einer Stuhlfarbenkarte – dies dient dem Screening auf Störungen der Gallenwege)

– Deutliches Verweisen auf eine zahnärztliche Vorsorge

– Beobachtung der Interaktion zwischen Kind und Eltern, Angebot von Beratungsmöglichkeiten in der Region, eine Menge an Elterninformationen zu Beginn jedes Kapitels der Vorsorgen.

Gerne hätten die Kinderärzte noch gesehen, dass ein verpflichtendes Sprachscreening stattfinden sollte oder eine stärkere Impfverfügung eingesetzt wird. Außerdem: Warum wurden die Vorsorgen U10-U11, J1 und J2 nicht in das neue Heft aufgenommen? Sie sind zwar nicht Teil der Regelleistung, werden aber inzwischen von der Mehrzahl der Krankenkassen (und sowieso durch alle Privatkassen) erstattet und sind sicher in spätestens fünf Jahren tatsächlich Regelleistung. Dann gibt es eben wieder ein neues Heft.

Klare Ansage

Ich treffe die Mutter beim Edeka oder Tengelmann oder Rewe-woauchimmer. Normalerweise habe ich immer Probleme, die Gesichter auch den Namen zuzuordnen, aber da die Familie kurz vor Ostern zur U6 (mit einem Jahr) da war…

Ich: „Hallo, Frau Greipel, na, alles klar bei Ihnen?“
Mutter: „Jaja, alles ok. Gut, dass ich Sie treffe.“
Ich: „Ja?“
Mutter: „Ja. Ich wollte nicht so sang- und klanglos verschwinden. Also, die Sache ist die: Wir haben den Arzt gewechselt.“
Ich: „Oh, das tut mir aber leid. Was war denn nicht ok? Gibt´s einen Grund? Vielleicht…“
Mutter: „Ach, alles nicht so schlimm. Ich wäre ja auch nicht gewechselt.“
Ich: „Aha. Standen nicht auch noch ein paar Impfungen an?“
Mutter: „Ja, die hat der neue Kollege gemacht. Also der Grund für den Wechsel ist, naja, die Maja-Luise, die hat gesagt, sie möchte nicht mehr zu Ihnen kommen… Ich habe dann gefragt, ob wir zu einem anderen Onkel Doktor gehen sollen. Da hat sie ja gesagt.“

Na denn.
Achso… Lasst mal kurz rechnen, ja, Maja-Luise ist sechzehn Monate alt.

Fragen an Kinderärzte aus dieser Welt III

Zum Dritten – Kollegin Cornelia Strecker hat auf meinen Aufruf reagiert und die zwanzig Fragen an „die echten Kinderärzte dieser Welt“ beantwortet. Vielen Dank dafür.cropped-logo_klein-jpg

Frau Strecker arbeitet mit ihrer Kollegin in einer Gemeinschaftspraxis im thüringschen Apolda – ein Foto habe ich von ihr leider nicht gefunden😉

 

20 Fragen an die Kinderärztin:

1) Warum Kinderarzt und nicht Urologe?

Das war nie die Frage. Schon alleine, weil man da operieren muss.

2) Ihr Prüfungsthema in der Facharztprüfung?

Kindesmisshandlung, Morbus Crohn, Fieberkrampf, OTC-Mangel beim Neugeborenen (bzw. eher die gesamten Differentialdiagnosen bei einem Kind, das am 2. LT „verfällt“), Neugeborenenkrämpfe, Obstipation

3) Was, wenn nicht Kinderarzt?

Keine Ahnung. Fürs Studium habe ich zwischen Medizin und Biologie geschwankt. Aber auch eine Hebammenausbildung (allerdings ohne allzu viel darüber zu wissen, wie ich später merkte) war in den Überlegungen. Im Studium kam Innere und Neurologie noch in Betracht. Aber nach der ersten Famulatur auf der Neuropädiatrie war die Wahl gefallen. Ich kann mir nichts vorstellen, bei dem ich so zufrieden wäre.

4) Wie lange werden Sie diese Woche in der Praxis arbeiten?

Mit Nachbereitung ca. 35 h.

5) Einzelkämpfer oder Teamplayer?

Teamplayer!

6) Gibt es etwas, was Sie an der heutigen Medizin ärgert?

Vieles an Bürokratie.

7) Was möchten Sie jungen Eltern auf den Weg geben?

Mehr auf das eigene Gefühl und das Kind vertrauen, nicht dauernd zu vergleichen und dabei die schöne Zeit zu verpassen. Sie sollten nicht Zahlen hinterherjagen, sondern das Kind im Blick haben, z.B. „wir behandeln kein Thermometer, sondern ein Kind“.

8) Gibt es ein Buch oder eine Website, das/die Sie Eltern ans Herz legen?

Mein Kind will nicht essen von Gonzales, Schlafen statt Schreien von Pantley

9) Beruf ist Berufung oder Pflicht?

Berufung

10) Welches Kind werden Sie aus Ihrer Arbeit niemals vergessen?

Am meisten in Erinnerung geblieben sind mir die Kinder von der Psychosomatik (mit inhaltlich nahtlosem Übergang zur KJP, aber zugehörig zur Pädiatrie). Die Hintergrundgeschichten der Familien, die Arbeit mit den Eltern und das Leid der Kinder mit diesen hat mich oft sehr betroffen gemacht. Vermutlich könnte ich diese Arbeit auch nicht auf Dauer schaffen. Da habe ich viele Kinder abends in Gedanken mit nach Hause genommen und morgens wieder mit zur Arbeit gebracht. Insbesondere ein 12jähriges Mädchen ist mir in Erinnerung, die ich erstmalig im Dienst mit 1,8 Promille von der Polizei gebracht bekam und später in der Psychosomatik erleben durfte. Sie wirkte bereits jugendlich vom Äußeren, verhielt sich oft sehr schwierig, aber wünschte sich täglich und durchgehend über die ganzen Monate des Aufenthaltes eine Pflegefamilie mit einer Pflegemutter. Sie wollte in keine Mädchen-WG, in kein Jugendwohnen oder Heim, sie wollte unbedingt eine Mutter. Die eigene Mutter war zwar körperlich anwesend, aber nicht emotional und aus diesem Mädchen schrie alles nach einer Mama.

11) Die ewige Frage: Behandeln Sie die Kinder in der Praxis genauso wie Ihre eigenen Kinder?

Ich versuche es, aber habe damit nicht immer Erfolg. Meine beiden Kinder halten viel „wait and see“ aus, die Eltern meiner Patienten (noch?) nicht so viel.

12) Kaffee oder Tee?

Hauptsächlich Tee, aber immer gerne zwischendurch auch mal Espresso.

13) Fahrrad, Laufen oder Auto?

Am liebsten Fahrrad, aber leider auch viel Auto wegen des Arbeitsweges, Laufen auch gerne.

14) Rock´n´Roll oder Klassik? Beatles oder Stones?

Hauptsächlich elektronische Musik.

15) Computer oder Karteikarte?

PC ausschließlich

16) Globuli oder Abwarten?

Abwarten, aber manchmal helfen die Globuli beim Abwarten.

17) Impfen oder Abhärten?

Impfen

18) Ihre aktuelle Verfassung?

Gut, wenn nur die langweilige Fortbildung am Wochenende nicht wäre. (Stichwort 04356)

19) Ihr Motto für den Praxisalltag?

Hm, fällt mir keins ein.

20) Wichtige unbeantwortete Frage?

Auch da fällt mir nichts ein.


ok, über die Globuli müssen wir noch reden … Danke für die Antworten!

Und wieder ein Witz weniger

Mit was konnte man jeden Studenten an den Rand der Verzweiflung bringen?
Welche sinnlose Aufgabe amüsierte eine ganze Kinderklinik, weil der Arme von Station zu Station geschickt wurde?
Welcher verzweifelte Ausruf des Oberarztes ist in aller Zukunft nicht mehr möglich?

„Hol´ mir mal das Venensuchgerät!“

Was haben wir gelacht.
Nun aber, bitterernst, die Medizintechnik hat es geschafft – hier ist es:

Venensuchgerät

Wer es kaufen möchte – just for fun, oder weil die Hände so sehr zittern, dass Du keine Vene mehr findest oder einfach, weil Du kein Kinderarzt bist: Take a look. Die Großversion kostet nochmal 200 Ocken mehr.

Abrechnung done

Ärzte (sicher auch andere offiziell Selbständige) machen am Ende des Quartals die Abrechnung über die behandelten Patienten – gesetzlich Versicherte und Privatpatienten.

Im Idealfall sieht das so aus:
– PC hochfahren
– Praxis-EDV starten
– Menüpunkt „Abrechnung“ suchen
– „Start“ klicken
– Ca. 5 Minuten warten
– Verschlüsselungsmodul der KV starten
– File hochladen
Dauer: Sagen wir 15 Minuten.

And now – back to reality:
– PC hochfahren
– Praxis-EDV starten
– Menüpunkt „Abrechnung“ suchen
– „Start“ klicken
– Ca. 5 Minuten warten
– Verschlüsselungsmodul der KV starten
– Fehlermeldung „Kryptomodul veraltet“ entsetzt anstarren
– Update Praxis-EDV downloaden (ca. 1,5 Stunden), wahlweise Update-CD einlegen, in 50% der Fälle frustriert feststellen, dass diese nicht bootet, also doch Download
– Installation des Updates auf dem Server und den Clients (ca. 1 Stunde, 3/4 Stunde davon wegen des Windows-XP-Clients, von dem ich mich nicht trennen kann)
– Praxis-EDV neustarten
– Menüpunkt „Abrechnung“ suchen
– „Start“ klicken
– Ca. 5 Minuten warten
– Verschlüsselungsmodul der KV starten
– Fehlermeldung „Kryptomodul findet schwere Fehler“ entsetzt anstarren
– Ca. 60 Patienten händisch korrigieren (z.B. „Bronchitis“-ICD in „Bronchitis beim Kind“-ICD umwandeln oder Zahlendreher im Gültigszeitraum der GKV-Karte aufspüren – hat leider die Kontrollroutine vor der Abrechnung nicht gefunden…)(Ca. 1/2 Stunde)
– Praxis-EDV neustarten
– Menüpunkt „Abrechnung“ suchen
– „Start“ klicken
– Ca. 5 Minuten warten
– Verschlüsselungsmodul der KV starten
– Fehlermeldung „Kryptomodul findet leichte Fehler“ ungläubig anstarren und … ignorieren
– File hochladen
– Die Fehlermeldung „Ihre Sitzung ist abgelaufen“ mit einem frischen Kaffee entgegnen
– Neustart KV-Homepage
– File hochladen
Dauer: Ca. 3 Stunden.

(auch schon vorgekommen: Letzten Schritt vergessen und 1 Monat später den erhobenen Zeigefinger der KV per Post zur Kenntnis nehmen).

Tolle Twin-Tests zur Sprachentwicklung

scream and shout Eines der spannendsten, weil umstrittensten, weil variabelsten Themen in der Entwicklung von Kindern ist die der Sprache. Viele Berufene erteilen den Eltern Ratschläge, wann welche Sprache noch ok ist, wie sich Sprache entwickelt und wann man doch bitte „sofort zum Logopäden“ gehen sollte, damit dieser schaut, „ob auch alles noch gut ist“.

Ich möchte zwei einfache Fragebögen vorstellen, die im Internet zu finden sind, wissenschaftlich fundiert, und eine sehr gute Orientierung bieten, um die Sprachentwicklung des Zwei- oder Dreijährigen normal verläuft. Denn um diese Altersgruppe geht es: Ab Zwei werden die ersten Wörter deutlich und sinnbezogen gesprochen, die ersten Wörter zu Sätzen kombiniert, die aktive sprachliche Kommunikation des Kleinkindes tritt in ihre entscheidende Phase.

Ein halbjähriges Kind brabbelt, lautiert, blubbert, „erzählt“, ein Einjähriger verdoppelt die Silben zu Mama, Papa, Dada, Dudu und NeinNein. Das sind die ersten Grenzsteine der Sprachentwicklung. Sie sind extrem variabel, hängen von der Sprachkompetenz der Eltern ab (wird überhaupt gesprochen?), von Geschwistern, von Großeltern. Keinen Einfluß hat logischerweise Zweisprachigkeit: Das Kind wird sich meist die Sprache rauspicken, die es am meisten hört, die „Muttersprache“. Ist diese durchsetzt mit Akzent oder eine Sprachmischung, wird auch das das Kind kopieren. Also: Jedes Eltern spricht die Sprache, die er/sie am besten kann.

Bei Zweijährigen kreist alles um den Wortschatz. Eine ominöse Zahl wird immer genannt: 50 Wörter. Aber was bedeutet das? Es bedeutet, das Kind spricht aktiv 50 Wörter in seiner Sprache, in seiner Aussprache, in seinem Sinnzusammenhang, d.h. das „Wort“ Dudu für Auto, wenn es immer so für Autos benutzt wird, zählt als gesprochenes Wort.

Die Arbeitsgruppe um Suchodoletz und Sachse hat zur Orientierung den SBE-2-KT entwickelt, ein Fragebogen, den wir allen Eltern bei der U7 vorlegen. Er fragt vor allem den Wortschatz ab, denn darauf kommt es mit 2 Jahren an. Die Aussprache ist egal, die Grammatik spielt noch eine untergeordnete Rolle. Hier findet man ihn in deutscher Sprache und vielen anderen Sprachen, nebst Anleitung und Auswertung. Ich finde, eine gute Möglichkeit, um Spätsprachentwickler (so genannte Late Talker) zu fischen. Sie brauchen für die Zukunft ein größeres Augenmerk, manche holen auf, manche zeigen bereits jetzt, dass sie später Probleme haben werden. Kinder, die beim SBE-2-KT den Cut nicht schaffen, bestellen wir nach einem halben Jahr wieder ein, irgendwann während dieser Zeit erfolgt eine pädaudiologische Untersuchung. Ergibt sich keine Dynamik in der Sprachentwicklung – ab zum Logopäden.

Einen erweiterten Test zur Sprachentwicklung, den SBE-3-KT entwickelte die Arbeitsgruppe auch, er hat sich m.W. noch nicht ganz so durchgesetzt als Screeninginstrument, meist ist mit drei Jahren bereits eine Therapie eingeleitet oder zumindest ein Bewußtsein über die verzögerte Sprachentwicklung entstanden. Der SBE-3-KT beschäftigt sich nun auch mit Grammatik, Fragewörtern und Satzverknüpfungen. Wir setzen ihn vor allem dann in der Praxis ein, wenn kein Gespräch mit dem dreijährigen Kind möglich ist. Der Goldstandard ist natürlich immer die direkte Kommunikation zwischen Doc und Kind – das funktioniert bei der U7a mit drei Jahren oft erstaunlich gut.

Weder SBE-2-KT noch SBE-3-KT können in 100% die Sprachentwicklung vorhersehen. Manche zeigen in beiden Tests grottenschlechte Ergebnisse und knabbern dem Arzt mit 4 Jahren trotzdem das Ohr ab – in sauberer Grammatik und mit Riesenwortschatz. Aber: Fallen beide Tests sehr gut aus, bedeutet das für die Eltern und Erzieherinnen einen guten Anhaltspunkt für eine normale Sprachentwicklung. Weiteres bringen U8 und U9 in den Vorsorgeuntersuchungen und die Schuleingangsuntersuchung. Durch die Lappen sollte dabei kein Kind mehr gehen.

(c) Foto bei Flickr/Mindaugas Danys

 

Kinderarztpraxen aus aller Welt – No. 3

Oh, das gab’s schon lange nicht mehr, aber nun bekam ich diesen wunderbaren Spruch zugesendet mit den entsprechenden Fotos, beides möchte ich hier nicht vorenthalten.


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Zu finden ist das Ganze in der Praxis der Kinderarztkollegin Dr. Pfister in Tübingen. Toll.

(c) CC-BY Karl Urban

Der Zollstock und Helene Fischer

Aramäer, Türken, Griechen, Kroaten, Serben, Kanadier, US-Amerikaner, Franzosen, Deutsche, Italiener, Spanier, Polen, Tschechen, Norweger, Schweden, Syrer, Briten, Tunesier, Iraner, Iraker, Portugiesen, Kenianer, Kurden, Ghanaer, Japaner, Chinesen, Australier, alle in meiner Praxis.

Alle haben Kinder, die krank sind. Warum sollte mich interessieren, welche Sprache sie sprechen oder ob und an welchen Gott sie glauben? Oder wie sie versichert sind? Oder ob sie politisch verfolgt, nach einem besseren Leben und bessere Versorgung suchen oder schlicht hier arbeiten? Nennt mich sozialromantisch, cheesy, idealistisch oder naiv oder dumm, aber Arzt sein verlangt das. Humanität sowieso.

Aus einem fantastischen Artikel des SPIEGEL (Nr. 18/2016 vom 30.4.2016):
„- Es migrieren wesentlich mehr Europäer innerhalb Europas als Afrikaner nach Europa.
– Es migrieren ungleich mehr Menschen innerhalb des Nahen Ostens als von Nahost nach Europa.
– Die größte transkontinentale Bewegung findet nach wie vor zwischen Süd- und Nordamerika statt. […]
– Der Anteil Europas am gesamten Wanderungsvolumen ist gesunken.
– Was sich im langen Rückblick verändert hat, ist die generelle Hauptrichtung der Migration: Von Nord-Süd zu Süd-Nord und nun immer mehr zu Süd-Süd. In früheren Jahrhunderten waren es die Europäer, die auswanderten und andere Weltgegenden kolonisierten – was auch nur eine Form der Migration ist.
Die globale Migration in den vergangen fünf Jahren [war] rückläufig. Die Zahl der wandernden Migranten zwischen 2010 und 2015 (36,5 Millionen) ist um mehr als 8 Millionen kleiner als in der vorherigen Fünfjahresperiode (45 Millionen).“

Sehr anschaulich wird der Artikel mit dem Zollstockvergleich: „Bitte nehmen Sie einen Zollstock zur Hand. Klappen Sie diesen auf die volle Zwei-Meter-Länge aus. […]“ In den letzten fünf Jahren migrierten weltweit „36,5 Millionen oder 0,5 Prozent der Weltbevölkerung – das ist auf Ihrem Zollstock etwa ein Zentimeter. Alle anderen, also 99,5 Prozent der Weltbevölkerung, sind Nichtmigranten; sie lebten 2015 im gleichen Land wie 2010. Das sind die anderen 199 Zentimeter des Zollstocks.“ Und weiter: In dieser Zahl steckt „… jeder, der jemals aus seinem Geburtsland weggezogen ist und noch am Leben ist […]. Der Mann vom nächsten Kebab-Laden, seit 20 Jahren in Deutschland, steckt da drin. Der indische Professor für Astrophysik, in den Achtzigerjahren nach Göttingen berufen, steckt da drin. Die schwedische Designerin, seit Mitte der Neunziger in Berlin, steckt da drin. Pep Guardiola steckte da drin. Helene Fischer. Die Klitschkos. Charlotte Roche. Der Autor dieser Zeilen, in der Schweiz geboren, steckt ebenfalls drin.“ (= Guido Mingels)

Zum Spaß habe ich mein Statistikprogramm angeworfen: Da das Programm keine Nationalitäten kennt, ist der Asylstatus das einzige, das bei mir einen Migranten ausmacht. Unter den ca. 6000 Patienten des letzten Jahres waren immerhin 10 Kinder aus Familien, die in Deutschland Asyl beantragt haben. Das sind heroische 2 Promille. Natürlich hinkt diese Zahl: Manche Patienten kommen häufiger als einmal pro Jahr.
Und natürlich gibt es Praxen in Großstädten, die mehr Patienten im Asylsuche-Status behandeln. Aber auch „bei uns“ gibt es ein Erstaufnahmelager in der näheren Umgebung und im Ort bereits mehrere, auch Familienunterkünfte für Asylsuchende.

Meine fMFA sprachen letztens von „den vielen Asylanten“, die wir in Deutschland und damit auch in unseren Praxen versorgen müssen. Wir haben die Statistik wie oben bemüht, und waren alle überrascht. Und von meinen fMFA blieb am Ende auch nur eine übrig, die – sagen wir grob – zu den 197 oberen Zentimeter des Zollstocks zählt, die also keinen Migrationshintergrund hat.

Global Migration? Actually, The World Is Staying Home, der Artikel aus dem SPIEGEL ist hier auf englisch zu finden, die deutsche Übersetzung muß gekauft werden.

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