Good vibrations

Es gibt so Tage. Vielleicht zu spät ins Bett gegangen, vielleicht zu früh aufgestanden, also wie jeden Tag, das Auto nicht gefunden, zuviele Berufspendler unterwegs, zuviele rote Ampeln, zuviel Schnee, zu wenig Schnee, Sonne, die blendet, Stress mit Frau oder den Kindern, Du kennst das.

Und dann auffe Arbeit, die ersten Arbeiten, Blutabnahmen meist, gehen in die Hose. Nicht gezielt, nicht getroffen. Nun ist es nicht so einfach, einem Kind Blut abzunehmen, schon klar, aber es gibt schließlich Tage, wo das reibungslos klappt. Aber ich kenne mich schon: Gelingt die erste BA nicht, dann wird’s auch mit der zweiten und dritten nichts, dann hält die fMFA nicht richtig fest, die Mutter jammert zuviel daneben, das Kind kann am wenigsten dazu, das steht fest.

Dann die Untersuchungen. Kommst Du durch die Tür, greint das Kind schon, bevor Du überhaupt etwas sagen konntest. Schüttelt die Mutter schon mit dem Kopf, bevor Du fertig gesprochen hast, beschwert sie sich, obwohl du noch gar nicht gesagt hast, dass es kein Rezept braucht. Dein Kaffee wird kalt sein, wenn Du um 10.30 Uhr das erste Mal dazu kommen solltest, von ihm zu nippen, und die Kekse auf dem Personaltisch sind noch vom letzten Weihnachtsfest.
Du kannst sicher sein, dass das ein Tag ist, an dem die Impfungen falsch aufgezogen werden, an dem die Leute ihre Termine verpassen, oder zumindest zu spät kommen und am Abend die letzten Gespräche sich länger ziehen als sonst. Arzthelferinnen, die Dir genau heute verkünden, dass sie nächste Woche drei Tage zur Generalüberholung ins Krankenhaus müssen, obwohl der MFA-Personalstand sowieso bereits dezimitiert ist. Fehlt nur noch die Kassenärztliche Vereinigung, die genau heute anruft, um Dir zu verkünden, dass die Regressforderung vom letzten Quartal rechtens war. Wer rechnet auch schon Blutzuckerstreifen über Praxisbedarf ab? Ganz zu schweigen vom 150 Euro teuren Adrenalin-Pen, den Du nie benutzen wirst und der nach einem Jahr bereits verfällt. Anderes Thema.
Es gibt so Tage.

Und es gibt solche, an denen immer die Sonne scheint, im Radio hintereinander Deine Lieblingslieder gesungen werden, jedes Kind Dich als lieben Onkel betrachtet und nicht als “der Mann” (wie Dich die Eltern an den schlechten Tagen immer nennen) und alle Vorsorgen so durchrutschen, wie sich das die Lehrbücher vorstellen, oder die Testzentrale, die ihre Tests mit zwanzig Minuten angeben, nie einberechnet, wie renitent manche Prüflinge sein können.
Heute ist ein guter Tag, good vibrations: Hineinkommen, utzidutzi mit dem Probanden machen, ein Lachen abgreifen, den nächsten Scherz auf den Lippen, Mütter und Väter, die Dir stille lauschen und mit denen du gemeinsam eine Lösung findest. Keine Diskussionen über Impfungen oder Glaubuli, weil Du die Sorgen der Eltern ernst nimmst und sie Dir als informierten Experten vertrauen.

Es sind die Kinder. “Herr Doktor, Du bist mein Doktor.” Bilder, jeden Tag zehn, die Du geschenkt bekommst. Tage, an denen aus dem Malen ein Kunstwerk wird, aus dem Sprachtest ein Dialog, das Impfen mit zwar verkniffenem Gesicht und versteckter Träne akzeptiert wird. “Danke, Doktor. Mama sagt, Du musst das machen mit dem Pieks, damit ich gesund bleibe. Danke.”
Wegen der Kinder tun mir meine schlechten Tage leid. Da präferiere ich die zweite Kategorie, wer würde das nicht tun?
Es gibt so Tage.

Ich glaube an die Macht der vibrations, der Verbindung zwischen Arzt und Patient, irgendetwas da zwischen Vernunft und Verstand. Empathie oder Connection, ein unsichtbarer Link oder eine Fangschnur, ein Einsammeln der Emotion, eine Schnittmenge zwischen Deinem und meinem Gemütszustand. Das sind schließlich die Tage, an denen Heilung gelingt, Zufriedenheit mit der Arbeit des Arztes.

Jeden Morgen auf der Fahrt bete ich, es möge einer der guten Tage sein. Bis zum Stau gegenüber der Markthalle.

Frischluft ist gut für die Schule

Photogenic Trees

Der Achtjährige rotzt und hustet, dass es eine Freude ist.

Vater: “Aber wenn der so krank ist, bleiben wir wohl besser zuhause?”
Ich: “In die Schule? Ja, da sollte er jetzt mal nicht hingehen. Aber an die frische Luft? Jederzeit!”
Vater: “Auch, wenn es so schweinekalt ist, wie grade?”
Tom-Eric: “Papa, warum sind so Schweine kalt?”
Vater: “… jetzt nicht, Tom-Eric.”
Ich: “Ja klar, immer rausgehen – Sauerstoff ist gut für die Genesung.”
Tom-Eric: “Papa, muß ich wirklich rausgehen?”
Vater: “Ja, hat doch der Onkel Doktor gesagt.”
Tom-Eric: “Wegen der Schule?”
Vater: “Nee, zur Schule nicht, einfach so, spazierengehen.”
Tom-Eric: “Ja, aber wegen der Schuu.hu.lee?”
Vater: “Hä? Ich verstehe Dich nicht.”
Tom-Eric: “Damit ich schlauer werde?”
Vater: “Wie?”
Tom-Eric: “Na, wegen dem schlauer Stoff…”

(c) Foto bei Flickr/Christian Reimer

Erfahrung des Alters

Die Oma stellt das Enkelkind vor, einen Säugling, er hat einen roten … mmh … Po.

Oma: “Guckense, der Popo ist schon die ganze Woche ganz rot.”
Ich: “Hat da schon jemand was drauf gemacht?”
Oma: “Meine Tochter, ja, irgendso´ne Salbe aus´m Bioladen.”
Ich: “Aber viel ist da ja nicht drauf.”
Oma: “Macht sie immer nur so ein bisschen, ist ja sauteuer, die Salbe.”
Ich: “Das macht aber dann nicht wirklich Sinn. Imgrunde ist die Salbe egal, aber richtig schön dick draufschmieren sollte man das dann schon.”
Da haut die Oma mit der flachen Hand auf den Wickeltisch, das Klein-Fritjof fünf Zentimeter abhebt.
Oma: “Hab ich´s nicht gesagt? Ich hab´s doch gesagt. Ich. Hab´s. Meiner. Tochter. gesagt.”
Ich: “Was?”
Oma: “Dass man Salbe richtig schön dick draufschmieren muß, sonst bringts nichts.”
Ich: “Ja, das ist richtig.”
Oma, kopfschüttelnd beim Einpacken von Klein-Fritjof: “Mannomannomann, dass die junge Leute nicht auf uns hören. Da lesen sie lieber jeden blöden Scheiß aus dem Internet und glauben dann das. So ein Dreck!”

Als mir das Herz aufging.

Und dann ist da dieser skeptische Einjährige zur U6, die stets die erste Masernimpfung mit sich bringt. Die Kleinen sind bedingt interessiert, eher verunsichert, mittendrin im Fremdelalter, im Übergang zum Trotzen, zum selbstbestimmten Egoentwickeln, verständlich, dass er mich erst einmal genau beäugt, was ich denn von ihm und seiner Schmusemama wolle. Nackig ist er, frisch gewogen (sehr seltsam! Noch jemand Fremdes, eine andere Frau mit kalten Händen), immer auf der Hut.

Es folgt das Interview mit der Mutter, das Vertrauenschaffen durch Beobachtung des jungen Kandidaten, viel erfahren bereits durch Berichte der Mama. Was er schon macht, was er schon kann, was er ist, wie er sich fortbewegt, nachmacht, Verstecken spielt, greift, lautiert, MamaPapaDadaBibabutzemann.
Untersuchung, ganz ok, ein bisschen Otoskopgeleuchte hier, Fingergeschnippse da, Telefonspielen mit dem Stethoskop, KilleKille am Bauch und Fahrradfahren mit den Beinen, immer in fröhlicher Stimmung, ohne großartig Blickkontakt, aber mit viel Lachen meinerseits, Gebrabbelgebabbel, was ich so tue und was Du so kannst. Der Blick im Mund schön zum Schluß, weil besonders unangenehm.

Dann das Impfen: Der Mutter alles erklärt, Vorzüge, Nebenwirkungen, Fieber in der ersten Woche, Impfmasern, Lymphknoten, Fieberkrämpfe, Risiken des Nichtimpfens, für die Frau hier gar keine Frage, soll der Keksgesichtheld noch diesen Monat in die Kindertagesstätte zu den anderen Virenschleudern. Dann die Spritze geschnappt, dem Skeptiker gezeigt, der Mutter auf den Arm gegeben, sie darf ihn kitzeln, darf ihn halsknutschen, und zappzerapp, guckstduschon in die “Außenseite des Oberarmes, distal-lateral, subcutan, Aspiration nicht nötig” gespritzt, dass er gar nicht merkt, was passiert, dochdochdoch, da guckst Du schnell, was der da macht, aus der Skepsis wird ein Flunschemund, das Grübchen am Kinn verzieht sich zu einem feinschlägigen Zucken.

Mutter ist entspannt, kitzelt weiter, alles prima, ich genauso, mache den Schritt zurück, wedele mit den Armen, mache meine Mätzchen, Lippenblubbern, Augenzwinkern, was man so tut.

Das Grübchen entspannt sich, die Flunsch flutscht zurück, die Augenwinkel lächeln, er dreht sich zu mir und … streckt mir die Arme entgegen. Und auch auf meinem Arm lacht er, mit wachen klaren freudigen Augen, zehn Sekunden nur, dann ist er lieber wieder bei Kuschelmama.

… was meinen Arbeitsalltag erleichtert.

Quickie, zu schade fürs Twittern

Ich: “Und seit wann hat er jetzt die Schniefnase?”
Mutter: “Bestimmt schon den dritten, vierten Tag.”
Ich: “Wie schlimm ist es denn?”
Mutter: “Gestern waren´s noch zwei Packungen Tempo, heute sind wir schon bei drei…”

Hilfe! Mein Kind glüht!

Ein ganz häufiges Gespräch:

Mutter: “Ich habe jetzt keinen Termin, weil, das ist ganz dringend, meine Tochter hat soo hohes Fieber.”
Ich: “Und wie hoch ist die Temperatur? Wie haben Sie denn gemessen?”
Mutter: “Achtunddreißigkommazwo! An der Stirn!”

PoorlyMmh, nun ja.
Die Angst vor oder bei Fieber ist sicher eine der stärksten, die Eltern bei ihren Kindern durchleben, vor allem, wenn das Kind noch klein ist oder das erste Mal Temperatur entwickelt. Da gibt’s viele Fehlinformationen, wieder einmal viele irrationale Befürchtungen und Behandlungsvorschläge.
Wie die obige Mutter verhalten sich viele, auch die Väter, na klar – die sind manchmal noch besorgter: Es wird viel Temperatur gemessen, oft falsch bzw. an der falschen Stelle und die Interpretation hakt.

Wann sollte man Fieber messen?
Wenn man es fühlt. Ganz einfache Antwort. Da wir selbst eine normale Körpertemperatur von ca. 37 Grad haben, empfinden wir Temperaturen darüber als “erhöht”, eine Hauttemperatur von 38 oder noch höher spüren wir. Wenn das Kind entsprechend quengelt, nicht isst oder trinkt (vor allem die Säuglinge), darf gemessen werden.
Im Umkehrschluß heisst das: Ein gesundes Kind braucht keine Temperaturmessung. Also auch kein Säugling nach Entlassung aus dem Krankenhaus, auch kein Kind, dessen Geschwister krank sind.
Medizinisches Personal ist da natürlich anders: Bei einem Neugeborenen wird i.d.R. im Wochenbett Temperatur gemessen, auch die fMFA beim Kinderarzt misst eventuell, das ist neben dem Ritual nur eine zusätzliche Information.

Wie misst man Temperatur?
Am besten im Po oder Ohr, axillär oder im Mund kann man vergessen, und die neuen Stirnthermometer sind bei langem nicht so gut, wie es die Werbung suggeriert. Die rektale Messung (also Po) ist der Goldstandard, hier befindet sich die Messung am nächsten zum Körperinneren und erfasst damit am besten die so genannte Körperkerntemperatur. Wir messen in der Praxis bis zum ersten Geburtstag stets rektal. Sind Kinder das von Anfang an gewohnt, geht es auch bei Älteren. Technik: Thermometer vorsichtig bis zum Verschwinden der Metallspitze einführen (Salbe ist erlaubt) und aufs Piepsen warten. Thermometer mit flexibler Spitze gibt es, da braucht man keine Angst zu haben, etwas zu verletzen.
Dann folgt die Messung im Ohr. Moderne Fieberthermometer sind praktisch deckungsgleich mit der rektalen Messung, aber erst ab einem Jahr nutzbar (wegen des schmalen Gehörgangs und der Fehlmessungen). Dabei sollte den Gehörgang “entlang” gemessen werden, d.h. man zielt auf das Trommelfell, das liegt ungefähr in Verlängerung des Ohreintritts in Richtung des gegenüberliegenden Auges!

Und was mache ich nun mit der gemessenen Temperatur?
Es gibt Grenzwerte, diese kleine Tabelle hilft:
Säuglinge: Normaltemperatur bis 37,5 Grad, ab dann spricht man bereits von Fieber
Kleinkinder (ca. bis 3 Jahre): erhöhte Temperatur 37,5 – 38,5 Grad, ab 38,5 Grad Fieber
Größere Kinder: erhöhte Temperatur bis 39 – 39,5 Grad, ab dann Fieber.
Das sind aber nur Richtwerte. Sie sagen weder etwas über die Schwere oder Art der Erkrankung aus, noch, wie es dem Kind geht.

Wann muß ich zum Arzt?
Säuglinge über 38,5 Grad sollten immer einem Arzt vorgestellt werden, nicht in Panik und sofort, aber z.B. mit Termin am gleichen Tag. So machen wir das in der Praxis.
Bei Kindern ab einem Jahr können die Eltern auch abwarten: Ist das Kind gut drauf, gibt keinerlei Schmerzen (z.B. Ohr oder Bauch?) an, reicht es, das Kind auch nach zwei oder drei Tagen zum Arzt zu bringen. Viele virale Infekte (denn darum handelt es sich ja meist) “vergehen” nach 72 Stunden, das Fieber macht den Viren den Garaus.

Wann muß ich ein Medikament geben?
Wenn es dem Kind nicht gut geht. Das ist individuell sehr verschieden. Es gibt eigentlich keine Temperatur, ab der man fiebersenkende Mittel geben muß. Aber keine Frage: Über 39,5 Grad fühlt sich keiner mehr wirklich wohl, da gibt man oft etwas.
Dennoch: Fieber hat seinen Sinn, es bekämpft die Krankheitserreger, daher sollte Fieber wirken, solange, wie das Kind es toleriert. Bedeutet auch: Schlafende fiebernde Kinder (auch die “Backöfen”) werden bitte nicht gemessen (auch wenn das mit den modernen Ohrthermometern super geht) – denn eine Konsequenz ergibt sich daraus nicht: Wer wird sein schlafendes Kind mit 40 Grad Fieber schon wecken, um ihm ein Zäpfchen zu schieben oder Saft einzuflößen?

Die Angst vor Fieber ist sehr verbreitet und wird geschürt durch irrationale Vorstellungen von Gefahr, Sorge um Fieberkrämpfe, etwas zu verpassen oder dass “die Eiweißmoleküle im Gehirn schmelzen, wenn die Temperatur über 40 Grad steigt”. Wie bei allen Erkrankungen bietet Doktor Google schlimmste Verknüpfungen zum Fieber, aber auch überholte Vorstellungen (UnsreOmma sah immer gleich den Typhus vor Augen) oder ethnische Lehre (das “innere Feuer” bei vielen muslimischen Familien) prägen die Sorge ums Fieber. Da entstehen dann viele Fehlinformationen.
Darf ich mit einem fiebernden Kind rausgehen? Klar. Warum nicht?
Darf ein fieberndes Kind gebadet werden? Grundsätzlich ja, es sollte natürlich nicht auskühlen. Lauwarme “Waschungen” mit einem weichen Waschlappen sind sogar erholsam.
Ist das ansteckend? Ja, logisch. Fieber ist schließlich i.d.R. ein Zeichen für eine Infektion, viral oder bakteriell, oder die holt man sich von anderen Menschen. Und man kann sie auch weitergeben.
Ab 40 Grad gibts Fieberkrämpfe, oder wann wird es überhaupt gefährlich? Nein. Fieberkrämpfe gibt es auch bei geringeren Temperaturen, und eine sehr hohe Temperatur reduziert natürlich das Befinden des Kindes, bringt aber keine akute Lebensgefahr.

Auf dem Blog “Mit Kinderaugen” habe ich letzte Woche in diesem Zusammenhang ein Interview gegeben, da könnt Ihr noch mehr zu dem Thema nachlesen. Dajana hat im übrigen eine Blogparade gestartet, BloggerInnen (oder Vlogger – who´s that?) können ihre eigenen Erfahrungen zum Thema Fieber bei ihren Kindern posten, es gibt dazu einen Hashtag #BraunFieberthermometer, denn unter den Blogposts werden von der Firma Braun Ohrthermometer verlost. Es lohnt sich also.

Wie geht’s Euch mit dem Fieber bei Euren Kindern? Schon mal was Unschönes erlebt? Was empfiehlt Euer Kinderarzt, wie Ihr damit umgeht? Wer selbst etwas zu dem Thema bloggen will, an den Hashtag denken (und auf mein und das “Kinderaugen”-Blog verlinken ;-) ).

Bei weiteren Fragen – hier kommen die Kommentare:

Ein “sponsored post” für Braun Fieberthermometer.

(c) Bild bei Flickr – Sarah Horrigan

Sportler beim Impfen

Jacqueline kommt zur Impfung, knapp 7 Jahre, Mama ist dabei.
Ich: “So, heute ist die Tetanus-Auffrischung dran, nach fünf Jahren, wichtig bei Verletzungen aller Art.”
Mutter: “Ja, machen Sie mal.”
Ich: “Ok, rechts oder links.”
Jacqueline: “Ich weiß nicht…”
Ich: “Na, schreibst Du mit rechts oder links?”
Jacqueline: “Mit Rechts.”
Ich: “Also dann impfen wir lieber links, rechts brauchst Du…”
Mutter: “Geht gar nicht.”
Ich: “Wieso?”
Mutter: “Links könnense nicht impfen.”
Ich: “Naja, ich dachte, wenn sie rechts schreibt, und der Arm morgen …”
Mutter: “Nee, links geht gar nicht…”
Auf meinen wohl sehr fragenden Blick: “… ist ihr Golfarm.”

Hoppeldihopp

Ich: “Und, was hat Ihr Sohn?”
Mutter: “Rückenschmerzen.”
Ich zu ihm: “Seit wann hast Du Rückenschmerzen?”
Marvyn: “Seit heute.”
Ich: “Zeig mal, wo.”
Marvyn: “Hier, ganzer Rücken.”
Ich: “Und, was hast Du gestern gemacht? Trampolin, Fussball?”
Marvyn: “Wir waren im Hoppeldihopp*, Trampolin springen.”
Ich: “Echt? Wie lange?”
Mutter: “Der ist gar nicht mehr runter. Zwei Stunden?”

Kurze Untersuchung. Alles ok.

Ich: “Alles klar. Kommt sicher vom Hoppeldihopp. Muskelkater. Überlastung.”
Mutter: “Hab ich doch gleich gesagt.” Zu Marvyn: “Hab ich das nicht gleich gesagt?”
Marvyn: “Ja.”
Mutter: “Hab ich gleich gesagt.”
Ich: “Ist ja auch naheliegend.”
Mutter: “Ich wäre auch gar nicht gekommen. Aber der hat solange rumkommandiert, bis wir den Termin bei Ihnen gemacht haben.”
Ich: “Aha. Sie wären nicht gekommen? Interessant. Warum dann?”
Mutter: “So isser eben. Bis er das kriegt, was er will. Hat das ganze Haus zusammengebrüllt, dasser zum Doktor kommt.”

So ein Siebenjähriger kann ganz schön hartnäckig sein. Mache ich mir jetzt Gedanken über die Beziehung zwischen Mutter und Sohn, Interaktionen, Familienaufstellung, Sinn und Unsinn einer derartigen Vorstellung? Wieso setzt sich Mama zuhause nicht durch? Wie kann sie sich so instrumentalisieren lassen? Schnell zum Arzt, der wird schon was entsprechendes sagen? Konfliktvermeidung?
… oder lehne ich mich zurück, schmunzele und plane den nächsten Blogeintrag für heute abend?

*lokaler Indoor-Spielplatz

Parallelen – TK berichtet über die Gesundheit von Kinderärzten?

Die Techniker Krankenkasse veröffentlichte dieser Tage die Krankheitsstatistik einer mit jungen Menschen beschäftigten Berufsgruppe.

Diese werde überdurchschnittlich häufig krankgeschrieben. Am Freitag stellte die TK ihre Zahlen vor: So sind die Mitglieder dieses Berufszweiges “im vorigen Jahr mit 18,9 Tagen vier Tage länger krankgeschrieben als der Bundesdurchschnitt. Den größten Anteil hatten dabei psychische Störungen (4,1 Tage) und Krankheiten des Atmungssystems (3,3 Tage)”.

Die TK-Präventionsexpertin Gudrun Ahlers sieht insbesondere “einen hohen Lärmpegel, immer komplexer werdende Aufgabenbereiche und zuletzt auch Auseinandersetzungen mit den Eltern” als Ursache für den hohen Krankenstand. Die genannten Erkältungskrankheiten verwundern Frau Ahlers ebenso wenig: Bei der Arbeit mit Kindern bewegt man sich schließlich immer in einem “Sammelbecken für Viren und Bakterien“.

Nein. Es ging in der Statistik selbstredend nicht um Kinderärzte. Aber Parallelen, zumindest was die zitierten Arbeitsbelastungen angeht, lassen sich finden, oder?

Wir Ärzte haben wenigstens ein gutes Mittel gegen unsere “Sammelbecken für Viren und Bakterien”: Händewaschen, Händewaschen und Desinfizieren. Und Händewaschen. Das wirkt manchmal Wunder.

washing hands

(c) Foto via flickr bei Ruth

Meine Kinder – Deine Kinder

Wenn mich Eltern fragen, ob ich bei meinen eigenen Kindern auch
– diese Impfung gebe
– dieses Antibiotikum einsetze
– diesen Erziehungstipp beherzige
– diesen fachärztlichen Kollegen besuche
– diese Diagnostik veranlasste
antworte ich stets:
“Ja. Denn meine Kinder sind meine Kinder, und ich bin ihr Vater. Entscheidungen für meine Kinder treffe ich nach eigenem Gewissen, wie Sie auch, aber mit Ratschlag des Mediziners in mir, das ist für mich ein Glücksfall. Warum sollte dieser Ratschlag bei Ihrem Kind anders ausfallen? Schließlich sind wir unseren Patienten zur besten Behandlung nach bestem Wissen und Gewissen verpflichtet.”

Mit der Umsetzung haperts dann mitunter (siehe Erziehung). Aber das steht auf einem anderen Blatt.

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