Maria im Netz

Katja Reim hat eine Tochter Maria, die sie durch die digitale Welt zu begleiten versucht. Das macht sie nun auch in einem Buch, nachdem ihre Leserschaft das bereits auf ihrem Blog Mein Computerkind verfolgen konnte. Ich kannte ihren Blog bisher nicht – Asche auf mein Haupt – , aber nun gibt es ja das Buch.

Wir erfahren von ersten Kontakten mit Bildschirmen, von digitalen Kümmerspielen und dass auch Mädchen Minecraft spielen können, wir erfahren nebenbei viel über Datenschutz und Privatsphäre, den Risiken von Fotos im Internet, wie Werbung uns ködert, dass virtuelles Geld keines zum Greifen ist und dass Wikipedia-Wissen kein Garant auf Wahrheit ist. Soweit, so bekannt. Aber in den Geschichten des Buches bekommen die Dinge eine neue, weil kindbezogene Perspektive. Das hat mich beeindruckt. Und Erkenntnisse sind das Wichtigste, was wir uns von Büchern wünschen.

Ergänzt werden die Kapitel mit hübschen Sketchnotes von Diana Meier-Soriat, die man auch auf Katja Reims Homepage bewundern kann. Sie unterstreichen den Ratgeberanspruch des Buches. Die blauen Vignetten in Spruchblasenform, die wichtige Merksätze wiederholen, habe ich meist überlesen – aber sie gehören wohl zum Konzept der Verlage, wenn wir einen längeren Fließtext vor uns haben. Schließlich finden sich Unmengen von Linktipps zu allen Themen des Buches. Alleine diese komprimiert in einem Buch zu finden, lohnt bereits die Anschaffung.

Storytelling ist der Schlüssel zur Wissensvermittlung, das sieht auch der Verlag Kösel so, und Katja Reim lässt ihre eigenen Erfahrungen und Gedanken rund um Handy, PC, Pad, Cyperspace und deren Gefahren (denn es sind immer die Gefahren, die uns diese Bücher und Blogs lesen lassen) einfliessen. In jedem Kapitel findet sich „Bei Maria haben wir…“, „Als Maria dann dies und jenes entdeckte….“, „…habe ich Maria versucht zu erklären“. Das ist sympathisch, wir lesende Eltern identifizieren uns sofort mit der besorgten Mutter und bewundern sie für ihr Engagement und Ideenreichtum.

Auch ich habe, wie Katja Reim, meinen Manfred Spitzer gelesen und das „Netzgemüse“ von Tanja und Johnny Häusler, und mir meine Gedanken gemacht, wie unsere Kinder die digitale Welt erfahren sollen. „Stimmt, so hätte ich das auch meinen Kinder vermitteln können“, denke ich mir nicht nur einmal während der Lektüre des Buches „Ab ins Netz?!“ und habe es doch nicht getan. Vielleicht waren wir als Eltern naiver, vielleicht auch weniger informiert, denn schließlich sind Häuslers und Frau Reim durch ihre journalistische Herkunft ganz anders sozialisiert als (wir) die medizinisch geprägten Haushalte.

Und hier sehe ich das Problem des Buches: Es vermittelt Erfahrungswissen, schildert Trial und Error bei Mama Reim und Maria. Die Frage ist nur, lässt sich das nun auf die Kinder der Leserschaft übertragen? Natürlich nicht. Diesen Anspruch wird die Autorin auch nicht haben, schildert sie doch nur exemplarisch ihr eigenes Erleben. Aber ist das Buch dann ein Ratgeber oder (nur) ein Erfahrungsbericht? Lässt sich aus „so haben wir das gemacht“ immer ableiten, dass es beim eigenen Kind genauso klappt? Da kommt das Buch an seine Grenzen. „Wie Kinder sicher in der digitalen Welt ankommen und Eltern dabei entspannt bleiben“, verspricht der Untertitel. Das kann ein Buch in dieser Form nicht erfüllen.

Dass Bildschirme zu unserer Welt dazu gehören, und wir heute noch gar nicht absehen können, was bereits in fünf Jahren auf unsere Kinder und uns einströmt: Geschenkt. Gemeinsames Erleben und Heranführen an die digitale Welt, ohne kategorische Verbote, das kann nur der einzige Weg sein, mit den Kindern die Risiken des Internets auszuloten. So war das aber auch schon beim bösen Fernsehen oder den Comics. Kinder und Jugendliche, die unbegleitet diese Welt erleben, gibt es jedoch in *Massen*, kein Wort von diesen im Buch. Spiel-, Handy-, Internet-Sucht sind in jeder zweiten Jugendvorsorgeuntersuchung ein relevantes Thema. Für reflektierte Eltern, die sich Gedanken um die Digitaliserung ihrer Kinder machen, ist das Buch ein tolle Fundgrube von eigenen Erfahrungen und Tipps. Sehr empfehlenswert.

Für die anderen braucht es manchmal eben dann doch den mahnenden Zeigefinger eines Manfred Spitzer.

Ab ins Netz?!: Wie Kinder sicher in der digitalen Welt ankommen und Eltern dabei entspannt bleiben von Katja Reim, erschienen 2017 im Kösel-Verlag.

 


(Affiliate Link zu Amazon)

Link zum Kösel-Verlag/Random House

(Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt, ich rezensiere aber nur Bücher, die ich mich interessieren und die ich mir selbst kaufen würde. Meine Beurteilung wird dadurch nicht beeinträchtigt)

[Dieser Text enthält so genannte Affiliate Links – siehe Impressum]

Meine Buchmesse Collage

Wer die Bildunterschriften lesen will, darf die Galerie mit Doppelklick gerne öffnen.

Buchmesse ist ja immer Viel Laufen, Viel Stehen, Viel Gucken und Viel Pause (muß man sich gönnen). Promigucken ist nicht so meins, auch wenn ich gerne zuhause erzähle, dass ich Ulrich Wickert (hei, ist der groß!) oder Denis Scheck gesehen habe (der gerne wiederholt über die Agora läuft, um gesehen zu werden, glaube ich). Aber niemals anstehen, um den Fuß von Mario Adorf zu sehen.

Buchmesse ist nach Giveaways gucken, nach Buchprobehäppchen, ist für viele wohl auch Buchmopsen (alljährlich konkurrieren die Verlage um das meistgeklaute Buch), auch dieses Jahr habe ich wieder zwei nette Zeitgenossen gesehen, die geschwind mal ein Buch in die Taschen gleiten ließen. Kugelschreiber, Bleitstifte und Luftballons gehen immer, aber vor allem: Überdimensionierte Taschen – die nur so groß sind, um fett Werbefläche zu produzieren, welche Bücher soll man da schon umhertragen? Vielleicht Kalender.

Am liebsten drifte ich durch die Kunstbuchverlage und die Hallen mit den Wissenschaftsbüchern, erste, weil es dort noch wunderschöne, weil liebevoll produzierte Bücher zu sehen gibt, keine Taschenbuchmassenware, letztere, weil man da noch Platz zum Laufen hat und die überteuerten Cafés wenigstens nicht auch noch überfüllt sind. Pause machen, siehe oben.

Vermeiden sollte man die großen Publikumsverlage: Die Hallen 3.0, 3.1 und ihre Pendants in 4.1 – zu laut, zu voll, zwischen 11 und 17 Uhr nicht zu betreten. Da ich dieses Jahr mit meiner Tochter unterwegs war, blieb mir der Besuch unter der Woche (trotz Presseakkreditierung) verwehrt, es blieb (wegen Schulbesuchs werktags) der Samstag und damit der allgemeine Publikumsandrang. Meine schönste Buchmesseerfahrung hatte ich letztes Jahr am Freitag mit viel weniger Besuchern und dem Ausklingen beim Virenschleuderpreis bei Häppchen, Wein und Bier. Da hatte ich als Externer tatsächlich ein Hauch davon, dass es noch eine Welt hinter den Kulissen gibt, die wir Normalos am Samstag oder Sonntag gar nicht mitbekommen. Vielleicht nächstes Jahr.

Galerie

#12von12 Juli

#1von12:

#2von12:

#3von12:

#4von12:

#5von12:

#6von12 – Sonntag. Andere arbeiten lassen:

#7von12:

#8von12:

#9von12:

#10von12:

 #11von12 – Na prima

 

und logisch #12von12 – leider erst um 0:12 uploaded.

 

Freibad Notizen

– Für Bienen sind Freibäder Fremdhabitate, also Zucker ohne Blumen
– Akzessorische Brustwarzen erkennen nur Eingeweihte
– Ich liege hier 1,5 Stunden, seitdem wurde der Knirps da drüben nicht eingecremt, obwohl schon zweimal im Wasser
– Seltsame Kindernamen auf Autos sind nichts gegen seltsame Kindernamen, auf den Pectoralis tätowiert
– Der glücklich erreichte Schattenplatz entpuppt sich üblicherweise als Königsmund der Ameisen
– Der Salto des Fünfzehnjährigen vom Fünfer wird weniger wahrgenommen als der Debütsprung (Nase und Augen zu) der Fünfjährigen im Blümchenbikini vom Einer
– Es gibt tatsächlich noch Eltern, die ihre schwimmflügelbepackte Kinder vom Beckenrand stoßen
– Der Geruch von Sonnencreme schwankt von lieblich zu brenzlig zu ranzig – und immer dran denken: Eine Handfläche voll pro Neun der Neunerregel – remember that?
– … und die ewig gleiche Frage: „Bin ich eigentlich auch so mopsig geworden?“

by the way:

#12von12 – endlich geschafft

Jawoll, ich habe es endlich mal geschafft. Dank dessen, dass der 12. diesen Monats auf einen Sonntag fiel – dann also hier ein paar Bilder meines Tages. Wer die Aktion #12von12 nicht kennt, da gibt es eine Erklärung (darf man das überhaupt via Instagram, oder verstößt das böseböse gegen die Prinzipien?). Grundprinzip: Am 12. eines Monats werden 12 Bilder des eigenen Tages gepostet. Schaut Euch mal um, z.B. via des Hashtags #12von12, welche Blogs noch so mitmachen.

Na denn, 12 von 12:












bahnhöfe haben keine telefonnummern, aber findiges personal

uff tata. mein portemonnaie ist wieder da. alles darin ist durcheinander, also hat einer doch sehr genau drin gesucht, aber bis auf die geldscheine (ca. hundert euro oder so) scheint alles drin zu sein. und tatsächlich lag die geldbörse am ende noch bei der fundstelle des bahnhofs in gensenstadt und ist nicht weitergewandert zur zentralen fundstelle der bundesbahn in keineahnungwo. wer am ende das bargeld kassiert hat … spekulation.

kreditkarten und ec-karte habe inzwischen schon wieder nach sperrung erhalten, wenigstens sind alle ausweise noch drin – ich mag nichts weniger als zum rathaus zu gehen und einen personalausweis zu beantragen.

„ach, sie haben einen doktortitel? so. da brauchen wir noch die urkunde von der univerität…“
„aber die haben sie doch letztes mal schon bekommen. den titel habe ich doch jetzt schon fünfzehn jahre.“
„neinein. das müssen sie immer neu einreichen.“
und dann:
„aber die ist ja auf lateinisch… gibts da keine übersetzung?“
„äh… nein?“

danke, liebe bahn. davor hast du mich bewahrt.

fussball off topic

ich muss sagen, ich habe mich selten so sehr auf ein fussballspiel gefreut wie heute gegen manchester. ich habe mit schalke so wenig am hut, wie nessy mit bayern münchen, falls man den vergleich versteht, und trotzdem: wer die spiele gegen die freundlich zurückhaltenden italiener letztens gesehen hat, hofft auf ein mehr am heutigen abend.

und schließlich muss ich mitreden können. wenn am nächsten tag die begeisterten fussballjungs jenseits des zehnten lebensjahres durch die tür kommen – egal, welches vereinstrikot sie gerade anhaben – muss der kinderdok wenigstens ein wenig schlau vom fussballabend reden können. das war zur fussball-wm so, das ist so, wenn der heimische club mal live im fernsehen oder heimwärts spielt. ist so ähnlich wie mit den angesagten sendungen auf kika oder rtl2 – ein wenig mitreden ist immer drin. nicht, dass ich mir sämtliche schwammkopffolgen verinnerliche oder irgendeine ahnung habe, was dragonball z bedeutet – aber wenigstens muss ich eine grobe vorstellung davon haben – ungefähr so, wie ich weiß, dass es so was wie goa gibt und wo es ungefähr liegt, oder was zwölftonmusik ist.

na gut. genug der bemühten bezüge zwischen dem cl-halbfinale und kids and me 😉  – frau kinderdok macht heut irgendwas mit ihrer freundin, die kinderdokkinder sind bei anpfiff schon im bett – da werd ich schon für sorgen – und dann sind raul, manuel und ich in blau gekleidet und die roten hoffentlich am ende nassgemacht.

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