Liebster Award – gleich dreimal!

Auf diese Auszeichnung gibt es zwei Reaktionen: “Achnöö, auf Kettenbriefe stehe ich nicht so sehr” und “Yeah, supi, Danke vielmals für die Auszeichnung”.

Also daher, von mir: Mit vielen Wünschen an Ulrike BehlHeidi und Sonja von TrennungmitKind: “Yeah, supi, Danke vielmals für die Auszeichnung, auf Kettenbriefe stehe ich zwar nicht so sehr, aber dennoch…”

Wer das Prinzip des “Liebster Award” noch nicht kennt: Erhält man diese Auszeichnung, so wird erwartet, dass man dem auszeichnenden Blog dankt, die gestellten Fragen beantwortet, wiederum ein oder mehrere Blogs nominiert und diesen Fragen stellt. Die Idee ist, junge und unbekannte Blogs ins Gespräch zu bringen. Das ehrt mich alten Knacker natürlich (wir begehen dieses Jahr den neunten Geburtstag…)
Nennt sich Vernetzung, Internet, weeßte? Oder modern: virales Marketing. Spread the word.

Hier die Fragen von Ulrike:

Wie bist Du zum Bloggen gekommen?
Einfach angefangen zu schreiben, ich kannte noch kaum einen Blog, dann selbst Blog eingerichtet (damals noch bei Myblog), dann für mich und das Nirwana geplappert. Der Hype kam erst mit den Kommentaren der Leser.

Für wen ist Dein Blog lesenswert, und wer darf ihn keinesfalls entdecken?
Lesenswert ist er für alle Kinderaffine: Eltern, Lehrer, Erzieher, Jugendliche usw., natürlich auch Kollegen, Krankenschwestern fürs Medizinische. Keinesfalls entdecken sollte ihn mein ehemaliger Chef, der würde nur den Kopf schütteln über so wenig Selbstsicherheit :-)

Welches Herzensthema zieht sich durch Deinen Blog?
Das Wiedererlangen der Gelassenheit und des Humors im Umgang mit Kindern.

Was war die allerschlimmste Situation, in der Du je gebloggt hast?

Im Urlaub unter GSM-Verbindung am Uralt-Smartphone.

Welche Tipps hast Du für Blogger-Newbies?
Schreibt regelmäßig. Lest, was Ihr schreibt, bevor Ihr es postet. Kommentiert bei anderen, aber schreibt nicht ständig “Schau doch mal bei mir rein”, das schreckt nur ab. Habe einen langen Atem und versuche nicht, zu kopieren.

Was brauchst Du un-un-unbedingt, um zu bloggen?
Meine Arbeit in der Praxis.

Was müsste passieren, damit Du zu bloggen aufhörst?
Abschaffung des Internets?

Vervollständige diesen Satz: Bloggen ist für mich…
… Erlebtes zu ventilieren.

Welches Ziel verfolgst Du mit Deinem Blog?
Keines.

Was Du schon immer sagen wolltest…
“Glauben Sie mir, Ihr Kind ist kerngesund. Sie brauchen keinen Arzt.”

Welche Frage würdest Du gern beantworten, die ich Dir nicht gestellt habe?
“Was ist Dein Lieblingstier?” ;-)

Hier die Fragen von Heidi (danke, nur fünf Fragen…):

Bloggen – ein Hobby, eine Berufung, ein zweites Standbein oder eher Therapie?
Therapie

Wie hoch ist der gefühlte (oder messbare?) Anteil an “Helikoptereltern” in der Praxis?
Unter einem Prozent

Ist man als Kinderarzt bei den eigenen Kindern im Krankheitsfall besonders entspannt oder kommt einem zuviel Wissen um alle möglichen Eventualitäten in die Quere?

Eher indolent als entspannt. Zitat meiner Frau: “Du bist doch hier der Arzt, was hat sie denn jetzt?”

Gibt es ein Geheimnis, wie man mit eigener Praxis und Familie Zeit zum breit gefächerten Lesen und Bloggen findet? Fällt dabei etwas anderes bewusst unter den Tisch?
Evernote und Pocket nutzen
Erst bloggen, wenn der Kopf frei ist
Die “Planen”-Funktion von WordPress nutzen

In einem Satz: was sollten alle Eltern wissen?
Kinder werden meist ohne Ärzte gesund.

… und die Fragen von Sonja:

Wenn Dir vor 10 Jahren jemand gesagt hätte “In 10 Jahren bist du Blogger”, was hättest du geantwortet?
Können wir das auf “9 Jahre” kürzen? Dann hätte ich geantwortet: Bin ich schon. Vor zehn Jahren hatte ich noch keinen Plan vom Bloggen. Die Entscheidung fiel sehr schnell, nach dem ich ein paar Blogs gelesen hatte.

Was hat dich an deinen oder bezüglich deiner Leser am meisten überrascht?
Dass sie doch recht souveräne Eltern sind. Wenn wir von den Eltern unter den Lesern sprechen. Bei den anderen: Dass mir viele so lange treu sind.

Was war der glücklichste Zufall deines bisherigen Lebens?
Als meine Frau die gleiche Veranstaltung besuchte wie ich damals. Wir kannten uns vorher bereits vom Sehen, aber da haben wir uns wirklich beschnuppert.

Wenn du heute deinen Blog noch einmal ganz neu starten würdest – was würdest du anders machen?
Eigentlich nichts. Ich hätte direkt bei wordpress.com begonnen. Das kannte ich 2006 noch nicht.

Hast du einen “Traum”?
To many to mention.

Angenommen morgen würde das Internet abgeschaltet – was würdest du tun?
Mehr Bücher lesen und schreiben.

Was hat dich im Internet bisher am meisten geärgert?
Die Skrupellosigkeit mancher Nachrichten und Multiplikatoren (siehe die Namensveröffentlichung des Germanwings-Piloten).

Die Welt wäre ein besserer Ort, wenn…?
… es keine Waffen gäbe (Da bin ich ein alter Kriegsdienstverweigerer. Wenn ich die Geschichten über den unsäglichen Waffenbesitz in den USA, den Amokläufen und Unglücksfällen lese, die verhindert werden könnten, wenn es weniger Waffen im Privatbesitz gäbe…)

Welche Jahreszeit liegt dir am meisten und warum?
Altweibersommer. Noch warm und schöne Farben.

Gab es ein alternatives Thema, über das du gerne bloggen würdest oder gebloggt hättest?
Bücher.

Dein Blog in 5 Jahren…?
Ich hoffe, noch bestehend. Hoffentlich mit einer weiterhin interessierten Leserschaft und Blogpostideen meinerseits.

———
So, das war´s ja schon, und hat auch gar nicht weh getan. 

Wobei ich versage, streike, keine Muße zeige: Meinerseits diesen oder jenen Blog zu nominieren. Nicht, dass ich nicht genügend Blogs in meinem Feedreader hätte, die ich ausgesprochen gut finde und tagtäglich genieße, aber a) sind diese in der Regel bereits (teils mehrmals) nominiert worden und b) fallen mir beim besten Willen nicht so gute Fragen ein, wie die oben gestellten. Daher, liebe Mitblogger, fühlt Euch alle “allerliebst” nominiert, und rechts außen in der Spalte seht Ihr eine Auswahl der Blogs, denen ich aktuell folge.

Kurzer Dank

… an die liebe Pharmama, für das freundliche Geschenk aus meiner A.-Wunschliste, noch zum Tag des Buches. Dir, liebe Pharmama, Dank für die steten Geschichten und Inspirationen zum Bloggen. Stay tuned!

PS Pharmama hat auch ein Buch

  

#12von12 im Mai

Der Tag in Bildern – es beginnt mit dem Mittagessen, weil ich vorher mal wieder nicht gecheckt habe, dass 12von12 Tag ist. Die liebe Nessy hat es “mir gesteckt” via Twitter.

Gelesen im März

Joyland von Stephen King
(Deutsch von Hannes Riffel)
Stephen King ist ein Phänomen: Seit Jahrzehnten erfolgreich, geliebt von den einen, gemieden von den anderen. Seine Fans sehen in ihm einen angehenden Nobelpreisträger, seine Gegner einen geschickt vermarkteten Groschenromanschreiber. Nachdem er mit Mr. Mercedes vor kurzem einen waschechten Thriller hinlegte (ohne Horror), kommt mit “Joyland” ein Krimi daher (ohne Horror). Die Geschichten sind allesamt nicht sonderlich sophisticated, aber den Thrill, den Spannungsbogen kann keiner so gut, wie Stephen. Man muß ja nicht seine Schocker lesen, aber seine “braven” Romane und Geschichten sind feinste Erzählliteratur. Ich lausche gerade “Revival”, dem allerneuesten Buch von ihm – nächsten Monat mehr davon. (5/5)

Von Männern, die keine Frauen haben von Haruki Murakami
(Deutsch von Ursula Gräfe)
Murakami wird gehypet, keine Frage. Seine Romane verkaufen sich weltweit wie geschnitten Brot, es ist chic, ihn als ewigen Nobelpreisaspirant zu bezeichnen (geht mir auch so). Mit den vorliegenden Geschichten tat ich mich jedoch etwas schwer. Klar, die üblichen schrägen Typen mit schrägen Ansichten, vor allem, was das Sexuelle angeht – das kennt man von Murakami. In vielen seiner Romane tauchen diese kurzen Geschichten auf. Trotzdem bleibt diesmal nicht viel “hängen”. Ein paar nette Ideen, ja, wie immer auch vorzüglich erzählt, aber mehr? Ich hoffe, Herr Murakami hat diese Geschichtensammlung nur dem Hype zuliebe veröffentlicht. Seine Romane sind mir lieber, weil verworrener und beglückender in der Auflösung. (3/5)

Die Straße von Cormac MacCarthy
(Deutsch von Nikolaus Stingl, Gelesen von Christian Brückner)
Weltliteratur. Simply as that. Unfuckingfassbar gut geschrieben, Metaphern zum Zungeschnalzen, biblische Symbolik und bedrückende Angstathmosphäre. Ganz großes Kopfkino dank Christian Brückner, den ich nur hören will (sein schauspielerisches und interviewtechnisches Können sind miserabel), der ein wenig scheitert an den Timbres der einzelnen (wenigen) Figuren, das kann David Nathan (siehe King) besser.
“Die Straße” gibts auch als Film, da bin ich noch gespannt drauf. Als Roman (jedenfalls in Hörbuchform) gibts eine (6/5)

Gestern Nacht im Taxi von Sascha Bors
Davon hatten wir´s schon vor einer Woche – lesenswert (4/5).

Der Araber von morgen von Riad Sattouf
(Deutsch von Andreas Platthaus)
Eine Graphic novel, der erste Teil, über den jungen Riad, der als Sohn einer Französin und eines Syrers hin- und herwandelt zwischen Paris und Libyen, Syrien und dem Irak, zwischen den Welten. Extrem gut eingefangen die Sichtweise des Kindes, authentisch heißt das wohl, angenehm und lustig gezeichnet in einem ganz eigenen Stil. Sattouf hat auch ein Buch über seine Beschneidung gemalt – habe ich vor einiger Zeit mal gelesen, genau der gleiche entwaffnende Witz. Vom “Araber” gibt es bald einen zweiten Teil, ich werde ihn sicher lesen. (5/5)

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Zwei runde Gitarrenhelden (o.T.)

Für Eric Clapton – 70:
(Platz 2 der besten Gitarristen der Welt)

Für Angus Young – 60:
(Platz 24)

Bonus:

Pre-Gelesen: Taxi! Taxi!

Diese Kolumne kommt eigentlich erst am Anfang des Monats, aber dem Buch “Gestern Nacht im Taxi” möchte ich gerne ein Extra Posting widmen, denn Sascha Bors, Blogkollege und Taxifahrer, hat was geschrieben (schon das zweite, nicht wahr?), anlehnend und erweiternd zu seinem ebenfalls sehr lesenswerten Blog “Gestern nacht im Taxi” (Achtung! Gleicher Titel! Manche Verlage können´s eben…).

Nun stehe ich sowieso sehr auf Berufsblogs. Auch wenn´s nur ein eingeschränkter Blick “aufs Janze” ist und nicht aus dem vollen Leben schöpft, wie die zahlreichen Mutti-, Privat- und Familienblogs, so bieten sie mir doch Einsicht in das, was die anderen da so machen. (… “Was machen die da?”, ein Teil von Buddenbohms und Frau Bogdans Werk, auch so was Nettes, da schon mal reingeschaut, wirklich spannend… aber das führt jetzt zu weit…).

Ich habe schon bei Buchhändlern reingeschaut, bei Anwälten, Leichenbestattern und natürlich den vielen Medizinern und Rettungsleuten, die sich in der Blogosphäre tummeln. Es gibt wohl noch mehr Taxiblogs, ich hänge aber nur bei Sash fest, dazu schreibt er von allen am regelmäßigsten und auch am lustigsten. Eine “good attitude” hat er außerdem noch, ist auch wichtig.

Im Buch nach dem Blog breitet er sich genüßlich weiter aus, wie sich das fürs Prosahafte außerhalb des Bloggens auch gehört: Jedes Kapitel gibt sich ganz einem Thema hin (Kohle, Kotzen, Pärchen :-)), er lässt seine Fahrgäste auf- und abmarschieren, also ein- und aussteigen und den Leser teilhaben an dem kleinen Mikrokosmos Taxi. Ich fand das Lesen sehr unterhaltsam, gönnte mir die letzten Abende je ein Kapitel – obwohl sich das Buch auch gut zum Rein- und Festlesen eignet, da kommts nicht so auf die Reihenfolge an. Ich habe viel erfahren: Über die Taxi-“fackel”, übers Trinkgeld, überhaupt das Verdienen als Taxifahrer, über Platzprobleme, Sarrazins Welt, Zechpreller und Sprachprobleme. Sash räumt auf mit Vorurteilen gegenüber dem Taxigewerbe, gibt aber freimütig zu, dass manche Gerüchte über schwarze Schafe auch ihre Berechtigung haben (naja, dumme Kollegen gibt es überall, oder?).

Ich fahre selbst selten mit dem Taxi, ergibt sich hier auf dem Lande nicht so. Außerdem knausere ich tatsächlich mit dem Geld, obwohl ich die Rechnung seit diesem Buch etwas anders sehe: Schließlich sind in einer Großstadt Taxen stets verfügbar, das kostet, schließlich holen und bringen sie Dich direkt vom Start zum Ziel, ein geldwerter Vorteil. Und die paar Male nach dem Nachtdienst oder dem Rockkonzert, in denen ich eine Taxe genommen habe (ach doch, da noch im Urlaub, weißte noch, mit dem vielen Gepäck…?), fand ich es immer angenehm bequem und kommunikativ. Sascha, wenn Du was erreicht hast mit diesem Buch, dann, dass kinderdok mal häufiger mit Euch mitfährt. Jedenfalls demnächst in Berlin.

Gestern Nacht im Taxi von Sascha Bors, erschienen 2015 bei emons:

PS an Sascha: Aber “Taxi” mit dem unvergleichlichen Andy Kaufman kennst Du auch, oder? Kam kurz auch im deutschen Fernsehen – und wird in “Man on the Moon” von Milos Forman gefeatured. Hier.

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Gelesen im Februar

Kindeswohl
von Ian McEwan (übersetzt von Werner Schmitz)
Einer meiner großen Favoriten: Ian McEwan. Nicht alle Bücher haben Nobelpreisreife, aber McEwans Sprache ist so dicht, metaphorisch und lyrisch, dass ich stets in Schwärmen kommen. Dabei bedient er in verschiedenen Sujets (Kriegsromanen, Zukunftsvisionen, Familiendramen, Beziehungsgeflechte, Thriller) das gleiche Thema: Eine vermeintliche bürgerliche Idylle wird durch ein oder zwei Wendungen aus der Bahn geworfen. Hier ist es die Familienrichterin Fiona, die eigentlich ihre eigene zerrüttete Ehe aufarbeitet, sich aber aus Berufsgründen mit ganz anderen Beziehungen auseinandersetzen muß. Ein Plot hinter dem Plot, ein starker jugendlicher Gegenpart zu der älteren Protagonistin und nebenbei die Arbeit einer Familienrichterin in England – sicher penibel recherchiert vom großen McEwan. (5/5)

Das große Hobbit-Buch: Der komplette Text mit Kommentaren und Bildern
von J.R.R. Tolkien, herausgegeben von Douglas Anderson
Doch doch, ich bin ein großer Herr-der-Ringe-Fan, habe quasi über Tolkien promoviert und freue mich auch über die Jacksonschen Filme. Aus dem Anlass der Hobbit-Reihe im Kino habe ich mir daher den Roman neu gekauft. Diese wunderschöne Ausgabe des deutschen Tolkien-Verlages Klett-Cotta versammelt ganz viele Materialien zu dem unterschätzten Vorläufer des Herrn der Ringe – Illustrationen aus den internationalen Ausgaben und zig Fußnoten, die die Komplexität des Werkes unterstreichen. Das macht die eigentliche Lektüre etwas schwierig, aber – man kennt´s ja schon. (4/5)

Ich bleibe hier
von Catherine Ryan Hyde (übersetzt von Marion Plath)
Das habe ich mir über KindleUnlimited als Leih-Ebook auf meinen Kindle gezogen, einfach , weil es auf der Bestsellerliste dort ganz oben stand. Es hat sich gelohnt. Kein tiefgreifend schöngeistiges Werk, aber eine herzerwärmende Geschichte über ein kleines Mädchen, dass durch seine Nachbarn im Mietshaus in Obhut genommen wird, weil ihre eigene Mutter zugekifft in der Wohnung vegetiert. Geschrieben ist das Buch in zwei Perspektiven: Aus Sicht des Mädchens und aus Sicht des Nachbarn Billy, dem schwulen Broadway-Tänzer, der seit Jahren wegen Agarophobie nicht mehr aus dem Haus gegangen ist. Das gibt der Sache zusätzlichen Reiz. Ein Frauen-Buch? Ja. (4/5)

What if?
von Randall Munroe (deutsch von Ralf Pannowitsch)
Oh, ein Sachbuch. Ja, die lese ich wenige, vor allem, wenn sie sich nicht gerade mit Kinderheilkunde beschäftigen. Aber dieses hat mich sehr interessiert, da vom XKCD-Macher Randall Munroe geschrieben. Allgemein bekannt: Munroe versucht, interessante “Was wäre, wenn”-Fragen wissenschaftlich aufzuarbeiten. Aufgelockert und erstaunlich gut ergänzt wird das ganze durch seine berühmten Strichmännchen. Ich habe nicht alles am Ende kapiert, konnte nicht allem Science-Geschwurbel folgen, aber lustig ist´s allemal, vor allem – ganz “Mythbuster” – , wenn die Fragen in Exzess weitergesponnen werden. Gegönnt sei dem Buch sein Platz auf den Bestsellerlisten. (5/5)

War and Dreams
von Maryse und Jean F Charles (übersetzt von Resel Rebiersch)
Eine Graphic Novel über den Zweiten Weltkrieg, in Rückblenden erzählt am Strand der Normandie, an dem sich die Schicksale von vier Soldaten kreuzen, entflechten und wiederfinden. Sehr schön konventionell gezeichnet, ich fand die Geschichte etwas verworren, aber als kurze Nachmittagslektüre ganz ok. (3/5)

Zahra’s Paradise
von Amir und Khalil (übersetzt von Reinhard Pietsch)
Meine zweite Graphic Novel in diesem Monat, die eindeutig bessere. “Zahras Paradise” schildert eine Zeit im Iran kurz nach der Grünen Revolution von 2009, als zig Menschen verschwanden, unter anderem Mehdi. Dessen Bruder (ein Blogger) und seine Mutter gehen auf Suche. Ihr Verzweifeln an den Hürden der Bürokratie, der Korruption der Diktatur und dem bigotten Verhalten der Geistlichen erschüttert den Leser. Eine ganz andere Welt, eine Historie, die Europa kaum tangiert, die doch der Menschenverachtung in Pinochets Chile oder Francos Spanien ähnelt, sich naturgemäß aber vielmehr hinter der Religion versteckt. Der Comic ist beworben als “Comic für Teens”, dürfte aber starker Tobak sein. (5/5)

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Wir unterbrechen für eine kurze Zwischenmusik

Muß manchmal sein:

Wer will, kann auch gleich zu 4:56 springen.

Emil dricker kaffe*

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Wir waren in diesem netten Café, ganz in Weiß und Blau, ganz skandinavisch, ganz angenehm. Nur im Vorbeigehen entdeckt, aber der Kaffeedurst lässt einen so manches erschnuppern. Und damit es nicht die zigste Café latte macchiato mit Shot oder ohne beim Sternendollar wird – hier hinein.

“Ohje, Papa, das ist was für Dich”, ruft die Große, als sie als Vorhut die Treppen wieder runtergesprungen kommt.
“Achja?”, sage ich und ahne Schlimmes. Soviel Ironie ist sonst selten.

Drinnen wiederholt sich das Weiß und Blau und vermischt sich mit dem Pastell der Schlabberlätzchen, Fleecemützchen und Tragetüchern, der … geschätzt … zehn Müttern mit Kleinkindanhang. Ich scanne kurz das Terrain. Hinten links ein eingebretterter Krabbelbereich, ein greinendes verrotztes Etwas streckt bereits die Arme aus, rechts daneben der ältere Bereich mit Sitzmöbelchen und politisch korrekter Lektüre von Lindgren, Carle und Nordqvist. Ein Holzschaukelmotorrad rundet die Einrichtung dieses Bereiches ab – Marke “schaukel nicht so hoch, da sind in der Praxis schon einige abgestürzt”.

Davor die erwähnten weißen Möbel – alles ikealike, schwedisch hübsch, im Kreuzmuster, rustikal, aber luftig, wie die Verandaumzäunungen in Sma- oder Södermanland. Wir ergattern einen Tisch weiter links, zum Fenster hin, jetzt sind wir die einzige komplette Familie. Da soll noch jemand sagen, die deutsche Familienkultur ändere sich. Von wegen: Hier sehe ich da zwei Muttis mit stillbereiten, nein, falsch, bereits angelegten Säuglingen, dort vier Frauen mit größeren Kindern auf dem Schoß. Jedes der acht Händchen im Puderzucker oder der Sahne der bestellten Waffeln eingetunkt. Und schließlich eine Oma mit Tochter und Enkelin, rechts außen, die Kleine als einzige hier im Laufalter…, Verzeihung, korrekter: Trotzalter. Nicht zu überhören.

Meine Frau ist entzückt, die Kinder lassen sich anstecken, ein Oh für die geblümten Tässchen, ein Ah für die Spinatwaffeln, ein Wow für die moderaten Preise und ein Hui meinerseits für die angepriesenen Kühlpacks und “Arnica-Globuli”. Im kleinen Regal werden brave Holle-Breichen und organische Tees präsentiert, der Blick durchs Fenster lässt den sonnigen Hinterhof (auch in weiß und blau und, ok, grün) erahnen – aber leider ist gerade Februar.

Ich genieße meinen Kaffee (doch, es gibt hier tatsächlich “nur” Kaffee), und auch die Mandelkuchentorte ist eine Wucht. Die Lautstärke schwillt weiter an, den Kinderchen wird langweilig, da ihre Mütter ihre Tees und Proseccos getrunken haben und die Sahnewaffeln zerfasert auf den Tischen verteilt sind. Wir befinden uns auf einem Spielplatz mit Kaffeeautomatenanschluss. Das ist korrekt, das geht in Ordnung. Die Zielgruppe ist klar definiert. Wenn ich den Globulihinweis nicht gleich am Anfang in der Speisekarte entdeckt hätte, wäre ich sicher unvoreingenommener gewesen. So aber wartete ich ständig auf das Unvermeidliche: Der Ruf nach denselben.

Er blieb aus.

Lönneberga – Mainz. Warum nicht…

[Dies ist kein sponsored post. Dank der erwähnten Zuckerkügelchen passt es aber in die topics dieses Blogs. Meine Rechnung habe ich selbst bezahlt.]
* Michel trinkt Kaffee (freie Übersetzung)

Tollabox Unboxed #laterblog

Vielen lieben Dank an das Team von Tollabox fürs Zusenden der Box zum Thema Gesundheit. Dank einiger Umleitungen kam sie letzendlich zu Weihnachten bei mir an. Ausgepackt ist sie schon lange, hier endlich die Bilder dazu als Danke schön.

Es gibt viel zu entdecken: Eine spannende Geschichte rund um die kleine Emma, deren Papa Dr. Brinkmann (sic!) selbst erkrankt ist, so dass das Mädchen versucht, den Praxisalltag zu bestreiten. Schließlich möchte sie nicht alle Patienten ins weit entfernte Krankenhaus schicken! Hilfe bekommt sie von den Tollas, dem guten Geistern der Tollabox-Idee, die sie aber schließlich daran erinnern, dass das keine Aufgabe für ein kleines Mädchen ist. So nimmt die Geschichte, als es etwas brenzliger wird, einen guten Ausgang.
Die Geschichte ist vorlesbar aus einem beigelegten Heft, es gibt sie aber auch als Hörspiel auf CD dazu. Tolla!

Was gibts noch? Wie immer in der Tolla-Box: Ganz viel Bastelkram. Man kann Seife herstellen, ein kleines Krankenhaus basteln und anmalen und eine Handschuhbakterie nähen. Alle Utensilien dafür liegen der Box bei. Videos im Internet geben Hilfestellung, aber eigentlich sind die beigefügten Anleitungen narren- und kindersicher. Ich fand die Gesundheitsbox witzig, klar, manche Umschreibungen in der Geschichte sind etwas mit erhobenem Zeigefinger (“kindersicherer Wasserkocher”), aber das muss wohl so sein.

Wie das Tollabox-System sonst funktioniert, verrät detailliert die Internetseite – in einem Abonnement erhält man monatlich eine Box nachhause geschickt, je länger man das Abo bestellt, desto günstiger wird die Box. Die Themen variieren, leider lassen sich aber keine einzelne Boxen nachbestellen (oder?), vielleicht geht das aufgrund der Stückzahlen nicht so einfach. Das Konzept ist innovativ, kreativ und inspirierend, wären die Kinderdok Kinder noch etwas kleiner, wäre das sicher auch eine Idee für unseren Haushalt gewesen. Schaut’s Euch mal an!

(Die Arztfigur soll übrigens mir nachempfunden sein)

**** Btw: Lasen Sie soeben den 1000.Blogeintrag auf “kids and me 2.0! ****
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[Dies ist kein sponsored blog post. Ich erhielt die Gesundheitsbox als Geschenk für das Redigieren des medizinischen Inhaltes der o.g. Geschichte. Das habe ich gerne gemacht. Da ich es wichtig finde, Kindern Gesundheitsthemen spielerisch nahezubringen, passt ein Bericht prima in meinen Blog. Teil des Berichtes sind Links, die dann zwingend zur Tollabox-Seite weiterleiten.
Schade, dass ich meine, ich müsse diesen Disclaimer schreiben. Aber das mache ich mit mir selbst aus.]

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