Emil dricker kaffe*

image

Wir waren in diesem netten Café, ganz in Weiß und Blau, ganz skandinavisch, ganz angenehm. Nur im Vorbeigehen entdeckt, aber der Kaffeedurst lässt einen so manches erschnuppern. Und damit es nicht die zigste Café latte macchiato mit Shot oder ohne beim Sternendollar wird – hier hinein.

“Ohje, Papa, das ist was für Dich”, ruft die Große, als sie als Vorhut die Treppen wieder runtergesprungen kommt.
“Achja?”, sage ich und ahne Schlimmes. Soviel Ironie ist sonst selten.

Drinnen wiederholt sich das Weiß und Blau und vermischt sich mit dem Pastell der Schlabberlätzchen, Fleecemützchen und Tragetüchern, der … geschätzt … zehn Müttern mit Kleinkindanhang. Ich scanne kurz das Terrain. Hinten links ein eingebretterter Krabbelbereich, ein greinendes verrotztes Etwas streckt bereits die Arme aus, rechts daneben der ältere Bereich mit Sitzmöbelchen und politisch korrekter Lektüre von Lindgren, Carle und Nordqvist. Ein Holzschaukelmotorrad rundet die Einrichtung dieses Bereiches ab – Marke “schaukel nicht so hoch, da sind in der Praxis schon einige abgestürzt”.

Davor die erwähnten weißen Möbel – alles ikealike, schwedisch hübsch, im Kreuzmuster, rustikal, aber luftig, wie die Verandaumzäunungen in Sma- oder Södermanland. Wir ergattern einen Tisch weiter links, zum Fenster hin, jetzt sind wir die einzige komplette Familie. Da soll noch jemand sagen, die deutsche Familienkultur ändere sich. Von wegen: Hier sehe ich da zwei Muttis mit stillbereiten, nein, falsch, bereits angelegten Säuglingen, dort vier Frauen mit größeren Kindern auf dem Schoß. Jedes der acht Händchen im Puderzucker oder der Sahne der bestellten Waffeln eingetunkt. Und schließlich eine Oma mit Tochter und Enkelin, rechts außen, die Kleine als einzige hier im Laufalter…, Verzeihung, korrekter: Trotzalter. Nicht zu überhören.

Meine Frau ist entzückt, die Kinder lassen sich anstecken, ein Oh für die geblümten Tässchen, ein Ah für die Spinatwaffeln, ein Wow für die moderaten Preise und ein Hui meinerseits für die angepriesenen Kühlpacks und “Arnica-Globuli”. Im kleinen Regal werden brave Holle-Breichen und organische Tees präsentiert, der Blick durchs Fenster lässt den sonnigen Hinterhof (auch in weiß und blau und, ok, grün) erahnen – aber leider ist gerade Februar.

Ich genieße meinen Kaffee (doch, es gibt hier tatsächlich “nur” Kaffee), und auch die Mandelkuchentorte ist eine Wucht. Die Lautstärke schwillt weiter an, den Kinderchen wird langweilig, da ihre Mütter ihre Tees und Proseccos getrunken haben und die Sahnewaffeln zerfasert auf den Tischen verteilt sind. Wir befinden uns auf einem Spielplatz mit Kaffeeautomatenanschluss. Das ist korrekt, das geht in Ordnung. Die Zielgruppe ist klar definiert. Wenn ich den Globulihinweis nicht gleich am Anfang in der Speisekarte entdeckt hätte, wäre ich sicher unvoreingenommener gewesen. So aber wartete ich ständig auf das Unvermeidliche: Der Ruf nach denselben.

Er blieb aus.

Lönneberga – Mainz. Warum nicht…

[Dies ist kein sponsored post. Dank der erwähnten Zuckerkügelchen passt es aber in die topics dieses Blogs. Meine Rechnung habe ich selbst bezahlt.]
* Michel trinkt Kaffee (freie Übersetzung)

Tollabox Unboxed #laterblog

Vielen lieben Dank an das Team von Tollabox fürs Zusenden der Box zum Thema Gesundheit. Dank einiger Umleitungen kam sie letzendlich zu Weihnachten bei mir an. Ausgepackt ist sie schon lange, hier endlich die Bilder dazu als Danke schön.

Es gibt viel zu entdecken: Eine spannende Geschichte rund um die kleine Emma, deren Papa Dr. Brinkmann (sic!) selbst erkrankt ist, so dass das Mädchen versucht, den Praxisalltag zu bestreiten. Schließlich möchte sie nicht alle Patienten ins weit entfernte Krankenhaus schicken! Hilfe bekommt sie von den Tollas, dem guten Geistern der Tollabox-Idee, die sie aber schließlich daran erinnern, dass das keine Aufgabe für ein kleines Mädchen ist. So nimmt die Geschichte, als es etwas brenzliger wird, einen guten Ausgang.
Die Geschichte ist vorlesbar aus einem beigelegten Heft, es gibt sie aber auch als Hörspiel auf CD dazu. Tolla!

Was gibts noch? Wie immer in der Tolla-Box: Ganz viel Bastelkram. Man kann Seife herstellen, ein kleines Krankenhaus basteln und anmalen und eine Handschuhbakterie nähen. Alle Utensilien dafür liegen der Box bei. Videos im Internet geben Hilfestellung, aber eigentlich sind die beigefügten Anleitungen narren- und kindersicher. Ich fand die Gesundheitsbox witzig, klar, manche Umschreibungen in der Geschichte sind etwas mit erhobenem Zeigefinger (“kindersicherer Wasserkocher”), aber das muss wohl so sein.

Wie das Tollabox-System sonst funktioniert, verrät detailliert die Internetseite – in einem Abonnement erhält man monatlich eine Box nachhause geschickt, je länger man das Abo bestellt, desto günstiger wird die Box. Die Themen variieren, leider lassen sich aber keine einzelne Boxen nachbestellen (oder?), vielleicht geht das aufgrund der Stückzahlen nicht so einfach. Das Konzept ist innovativ, kreativ und inspirierend, wären die Kinderdok Kinder noch etwas kleiner, wäre das sicher auch eine Idee für unseren Haushalt gewesen. Schaut’s Euch mal an!

(Die Arztfigur soll übrigens mir nachempfunden sein)

**** Btw: Lasen Sie soeben den 1000.Blogeintrag auf “kids and me 2.0! ****
.
.

[Dies ist kein sponsored blog post. Ich erhielt die Gesundheitsbox als Geschenk für das Redigieren des medizinischen Inhaltes der o.g. Geschichte. Das habe ich gerne gemacht. Da ich es wichtig finde, Kindern Gesundheitsthemen spielerisch nahezubringen, passt ein Bericht prima in meinen Blog. Teil des Berichtes sind Links, die dann zwingend zur Tollabox-Seite weiterleiten.
Schade, dass ich meine, ich müsse diesen Disclaimer schreiben. Aber das mache ich mit mir selbst aus.]

imageimageimageimageimageimageimageimage

Gelesen im Januar

Matchbox Theater
von Michael Frayn
(übersetzt von Michael Raab)
Michael Frayn ist ein toller britischer Dichter, Theaterschreiber und Romancier, sein Matchbox Theater ein Abriss kurzer Sketche, mit ein paar netten Ideen und Jokes. Mehr aber auch nicht. Das ebook war günstig. Resteverwertung? (1/5)

Schwimmen in der Nacht
von Jessica Keener
(übersetzt von Maria Hummitzsch)
Ein tolles Buch, ich habe es in zwei Tagen durchgelesen. Coming-of-age, Familienroman, viel Verarbeitung, Auseinandersetzen mit dem Thema “Kranke Eltern”, dann Neuanfang, Erste Liebe und die Liebe zur Musik. Ein Roman aus der Perspektive der jungen Sarah, wie sie ihre geliebten Brüder wahrnimmt, ihre Mutter, den hilflosen Vater, die Flucht aus dem Schoß der Familie in ihre eigene freie Welt. Manches lässt den Leser an die eigene Jugend erinnern. Sehr empfehlenswert, übrigens ein Debütroman. (5/5)

Schweinskopf al dente
von Rita Falk

Keine Ahnung, was mich geritten hat, diesen “Provinzkrimi” zu lesen. Ich fand den ersten Film nach den Büchern von Rita Falk ganz lustig, Eberhofer ist ein sympathischer Unsympath. Dachte ich, schaunerwermal, wie das so als Buch rüberkommt. Lustig, jaja, jede Zeile ein Witzel, nett, prima, gelacht haben wir. Krimimäßig ein totaler Reinfall ohne irgendeine Spannung, geht das bayrische Gedönsel irgendwann auf den Wecker. Der Krimi taugt als schöne Vorlage für weitere Filme, keine Frage, aber als Roman imho nicht. Und irgendwie fehlt im Buch Eisi Gulp. (2/5)

Fair Play
von Tove Jansson
(übersetzt von Birgitta Kicherer)
Ja, das ist DIE Tove Jansson, die Schöpferin der Mumins, die finnische Astrid Lindgren. Mumins sind Teil meiner eigenen Kindheit und Teil des Vorlesestoffes bei meinen eigenen Kindern, ich fand auch das Sommerbuch über Tove Janssons Erlebnisse mit ihrer Großmutter genial und zeitlos. Aber das hier? Die Begegnung zweier Künstlerinnen in Helsinki und sonstwo in der Welt. Ganz nett geschrieben, sterbenslangweilig im Abgang. (1/5)

Pfaueninsel
von Thomas Hettche
(Hörbuch gelesen von Dagmar Manzel)
War ja auf der Shortlist des deutschen Buchpreises 2014, dementsprechend erwartungsvoll lauschte ich dem Text. Geschichte: Unglaublich detailreich recherchiert, sicher viel Arbeit. Text: Angelehnt an das neunzehnte Jahrhundert stilistisch antiquiert. Protagonistin: Liebenswert. Lesung: So spannend wie ein Märchenbuch, Dagmar Manzel hat die Stimme für diesen vergangenen Stil, das wirkt vor allem einschläfernd.
Es ist sicher eine Glanzleistung, einen Roman über ein Burgfräulein mit Osteochondrose im achtzehnten Jahrhundert komplett im entsprechenden Deutsch zu schreiben, nebenbei auch noch viel preussische Geschichte zu streifen und einen Einblick in die Botanik zu bekommen – so richtig weiterempfehlen mag ich das Buch dennoch nicht. Selbst gelesen wäre ich sicher über die ersten dreißig Seiten nicht hinausgekommen. (3/5)


[Dieser Text enthält so genannte Affiliate Links – siehe Impressum]

1000 Tode schreiben

Auch wenn der Kinderarzt sich meist nicht mit diesem Sujet beschäftigen muß, beschäftigt es umso mehr, wenn damit konfrontiert: Der Tod eines Patienten, eines Angehörigen, eines nahen Bekannten. Unsere Gesellschaft tut sich schwer mit der Auseinandersetzung damit, unsere Sozialisierung versteht den Tod als Gefahr, als Übergang in eine dunklere Zeit, geprägt von Angst vor dem Umgewissen.

Und trotzdem setzen wir uns alle irgendwann einmal damit auseinander. Auch Kinder müssen das, wenn Großeltern sterben oder auch nur der Familienhamster.

Frau Frohmann hat im Laufe des letzten Jahres ein Projekt ins Leben gerufen, dessen vorläufiges Ergebnis ich wirklich jedem/r zur Lektüre ans Herz legen möchte: 1000 Tode schreiben.
Sie rief Schreiberlinge allerlei Couleur zur Auseinandersetzung mit dem Tod auf, damit “wiederum ein plausibles Bild dessen entsteht, wie der Tod in der heutigen Gesellschaft wahrgenommen wird, welche Realität er hat, wie und was er ist.” Ziel ist es, 1000 Texte zu versammeln.

Der erste Teil sah 135 Texte, der zweite weitere 111, folgen sollen Teil Drei und Vier. Ein jede/r ist aufgerufen, mitzuschreiben und Texte einzureichen. Für den dritten Teil werden nun auch fremdsprachige Texte gesucht.
Ich habe mich gefreut, mit “Zu klein”, dem Blogeintrag vom 9.11.2014, Teil des Projektes zu sein (Text 240). Wer mitschreiben möchte, findet die nötigen Infos beim Frohmann Verlag.

Erhältlich ist das ebook in allen bekannten e-Formaten bei allen üblichen Verdächtigen, hier seien exemplarisch minimore und amazon genannt. Das E-Book kostet EUR 4,99, die Autor- und Herausgeberanteile am Erlös gehen als Spende an das Kinderhospiz Sonnenhof in Berlin-Pankow.


Frau Frohmann bei wired.
Noch mehr komprimierte Info zu 1000Tode bei Stefan Mesch, auch mit empfohlenen Lesetipps aus dem Projekt.
#1000tode

Spread the word – reblogg it.

Gelesen im Dezember

Lieben
von Karl-Ove Knausgard

(Deutsch von Paul Berf)
Nachdem ich in den Sommerferien den ersten Teil von Knausgards Biographie kennenlernen durfte (“Min Kamp”…), konnte ich nicht umhin. Es geht eine Faszination von diesem Werk aus. Am meisten fesselt mich der Drift von den alltäglichen Banalitäten hin zu philosophischen Betrachtungen, einfacher Sprache mit wunderschönen Worten wechselnd. Genau das, was andere so langweilig finden. Ich brauche nun wieder Zeit bis zum nächsten Band, aber er kommt sicher.
In der Geschichte hier: Seine Liebe zu seiner Frau und seinen Kindern, dazu der Kampf mit dem Alltag, der Vereinbarkeit seines Lebens als schriftstellernder einsamer Wolf mit den nervigen Kindern und der großzügigen Ehegattin. (5/5)

Ewig Dein
von Daniel Glattauer

Naja. Vor Jahren hatte ich mich anstiften lassen, “Gut gegen Nordwind” zu lesen (wer nicht?), jetzt habe ich Glattauer auf einer Lesung gesehen – das war wirklich gut -, erstmal kapiert, dass das ein Österreicher ist, also nochmal probiert. Angenehm: Es ist ein halber Krimi. Unangenehm: Die Protagonistin gehört nach jedem Kapitel geschüttelt. Außerdem kommt das Ende zu plötzlich, da hat bestimmt ein Lektor gekürzt. Und dann: Glattauer schreibe eigentlich keine Frauenbücher? Äh, doch. (3/5)

Tausend Tode schreiben
von Christiane Frohmann

Anthologien lese ich ungerne, auch mit Kurzgeschichten tue ich mich generell schwer, ich bin da eher der Romantyp, aber an 1000Tode kam man diesmal als Twitter-User und ebook-Leser nicht vorbei. Frau Frohmann fragte an und viele viele steuerten ihren Beitrag zum Thema Tod bei. Alle Vielfalt wird stilistisch und perspektivisch bearbeitet. Ich werde noch lange und immer wieder daran lesen, zum Von-vorne-nach-hinten-Durchlesen ist es wohl auch gar nicht gedacht, in Anthologien darf man ja auch stöbern. (5/5)

Missing. New York
von Don Winslow
(Deutsch von Chris Hirte)
Mit seinem Sensationsbestseller “Tage der Toten” konnte ich nicht genug anfangen, zu rasant, zu wenig Tiefgang, nee. Dieser Roman hier über den Ex-Cop Decker, der nach vermissten Kindern sucht, ist ähnlich geschrieben, klar, packt aber ungemein. Vielleicht ist es auch das Sujet, das mitreisst. Mein Interesse wurde übrigens wiedergeweckt durch das “Blaue Sofa” mit Wolfgang Herles, indem Winslow sehr anregend im Interview atwortete. Der Beginn einer neuen Romanreihe, da werde ich weiter dran lesen. Ein Punkt Abzug, weil ich nach einer Woche die Handlung vergessen hatte. Trotzdem gute Kurzweil. (4/5)

Kililana Song: Eine Kindheit in Kenia und Kililana Song 2: Liongos Lied
von Benjamin Flao

Ich lese gerne mal Graphic Novels, dieses zweibändige Werk habe ich mir in der hiesigen Bibliothek geliehen. Wer sich für Afrika interessiert, findet wunderschöne Aquarellzeichnungen, die jede für sich bereits ein Kunstwerk darstellen. Die Story entwickelt sich etwas zäh, der Knalleffekt am Ende ist dafür umso besser. Hintergrund bildet die Urbanisierung der afrikanischen Grenzregionen an der Küste Kenias, böser ausgedrückt: Die Ausbeutung historischer und ökologisch wichtiger Landstriche durch die Europäer, verflochten mit dem schnellen Geld der Immobilienhaie und des Drogenhandels, transportiert über die Geschichte eines kenianischen Jungen. (3/5)

Gescheiterteteres aus dem Skizzenblog
von Claus Ast

Claus Ast hatte seinen zweiten Band der gesammelten besten Cartoons schon lange vorgestellt, aber da dieser neue als Geschenk für die Tochter unterm Weihnachtsbaum lag und jedem, der daran blätterte, so einige Lachanfälle entlockte, gehört es hier einfach zu den Lesegenüßen des Dezembers dazu. (5/5)

Stoner
von John Williams
(Übersetzt von Bernhard Robben, gelesen von Burghart Klaußner)
Oh yeah, mein Highlight des Monats. Ich hatte schon viel von diesem Roman gehört, der unscheinbar wirkt und bereits so alt und vergessen ist. Die Amerikaner suchen immer noch nach ihrem “Großen Roman”? Das hier wäre doch einer. Die Geschichte kommt ganz ruhig daher, das Leben des Literaturprofessors William Stoner, aber es sind die – ungelogen – unvergleichlichen Metaphern und wunderschönen Umschreibungen, die das Buch so klassisch machen.
Ich hätte es selbst gelesen nach ein paar Kapiteln weggelegt, vielleicht, weil es mir dann doch zu unscheinbar erschienen wäre – aber ich durfte es als Hörbuch mit Burghart Klaußner hören. Mensch, welch ein Genuß! Ich dachte, David Nathans Stephen-King-Lesungen seien das Nonplusultra, auch Mathias Brandt im letzten Monat hat mich geschafft, aber das hier ist das Beste, was ich je vorgelesen bekommen habe! (6/5)

image

[Dieser Text enthält so genannte Affiliate Links – siehe Impressum]

Amerikan Skin

Zu den wiederholten tödlichen Polizeischüssen in den USA der letzten Wochen:

41 shots, Lena gets her son ready for school
She says, “On these streets, Charles
You’ve got to understand the rules
If an officer stops you, promise me you’ll always be polite
And that you’ll never ever run away
Promise Mama you’ll keep your hands in sight”

Is it a gun, is it a knife
Is it a wallet, this is your life
It ain’t no secret
It ain’t no secret
No secret my friend
You can get killed just for living in your American skin

—————-

Und wer vor zwei Tagen die Doku bei Arte über den Waffenlobbyismus in den USA gesehen hat, versteht – naja – erkennt mehr die irrationale Angst der Amerikaner vor der Bewaffnung des anderen und das Anrecht auf Selbstverteidigung, die auch den Polizisten innewohnt. Kill Zone.

The dark side and the light (o.T.)

Ich kann nicht anders:

 

Irgendwie muß ich das loswerden (Ist das Benedict Cucumberbatch, derwoda spricht?).

Saftladen

Vater: “Und dann, übrigens: Sie isst ja gar nichts.” Nachdem ich mir die nicht vorhandene Bindehautentzündung und den nicht vorhandenen Ausschlag angeschaut habe.
Ich: “Und was isst sie?”
Vater: “Na, nichts.”
Ich: “Gar nichts?”
Vater: “Gar nichts. … also fast.”
Ich: “Und was?”
Vater: “Mal ´n Keks.”
Ich: “Aber trinken tut sie?”
Vater: “Ja und wie.”
Ich: “Und was? Zum Beispiel heute morgen?”
Vater: “Milch. Mit Kaba.”
Ich: “Und mittags?”
Vater: “Auch wieder Milch. Ohne Kaba.”
Ich – ahnend: “Aus der Flasche?”
Vater: “Ja.”
Ich – ängstlich: “Wieviele Flaschen?”
Vater: “Keine Ahnung. So zwei Liter werden´s schon sein.”
Ich: “Wie alt ist Ihre Tochter?”
Vater: “Drei Jahre?”
Ich: “Wieviel Taschengeld bekommt sie?”
Vater: “Äh… noch keins?”
Ich: “Und wie oft geht sie einkaufen?”
Vater: “Gar nicht?”
Ich: “Sehen Sie? Das ist der Schlüssel zum Glück. Wenn Ihre Tochter noch nicht losgeht und sich selbst die Milch in Flaschen mit Kaba kauft, dann werden Sie das wohl selbst machen.”
Vater: “…”
Ich: “Genau. Kaufen Sie keinen Kaba mehr und lassen Sie sie nicht mehr soviel Milch trinken. Dann wird sie auch essen.”
Vater: “Und was soll ich ihr dann in die Flaschen tun? Saft?”

In Variationen führe ich dieses Gespräch sicher ein oder zweimal die Woche. Ich unterstelle den Eltern gar kein Unwissen. Es ist die Angst vor dem Verhungern, dass sie zu solchen Schritten treibt, gepaart mit der Konfliktscheue, den Kindern die Flasche zu verweigern. Aber so einfach ist es nun einmal: Wer einkauft, bestimmt, was zuhause auf den Tisch kommt. Und nur das nehmen die Kids zu sich. Lässt sich beliebig austauschen (Fruch.tzwer.ge, Fan.ta, Zuckermuesli, GuteNacht-Breie usw.).

Gelesen im Oktober

Die Bücher wirken sehr durcheinander diesen Monat, geprägt vom Lesestoff via Buchmesse und dank der Zeit, die ich abends beim Kinder- und Jugendärztekongress in Bad Orb hatte. Hier mein Lesen im vergangenen Monat:

Ein ganzes Leben von Robert Seethaler
Ein Geheimtipp in der deutschsprachigen Literatur, dieser Robert Seethaler. Bereits der Trafikant konnte mich fesseln, dieses neue Buch berichtet – Achtung – über ein ganzes Leben, und nur das. Aber gerade das. Und das macht Seethaler beeindruckend unprätentiös, umso größer ist der Sog. Die Geschichte eines Alpenbewohners im letzten Jahrhundert. Wer schöne Sprache ohne intellektuelles Gesülze mag – Lesen! (5/5)

Marias Testament von Colm Toibin
(deutsch von Giovanni und Ditte Bandini)
Holla, das Buch hatte ich vor einem Jahr mal auf Englisch gekauft, erlegt in einer irischen Buchhandlung, und bald weggelegt, weil zu schwer. Trotzdem war ich neugierig, und versuchte mich jetzt an der Übersetzung. Also… entweder bin ich einfach nicht schlau genug für diese Sprache, oder die Story (klar, die Leidensgeschichte und alles drumherum aus der Sicht der Heiligen Maria) hat´s nicht gebracht. Sehr anstrengend, am Ende: So what? Schade für das Thema. (2/5)

Die Held-Trilogie von Flix
Flix hat mich bereits mit seinem Don Quijote und den Ferdinand-Büchern gekauft. Jetzt habe ich ihn auf der Buchmesse getroffen, damit ich etwas zum Signieren in der Hand hatte, habe ich mir den “Held” gekauft. Was soll ich sagen? Richtig wirklich gut. Lustig, wundernett gezeichnet, obwohl nur schwarzweiss, mit drei Geschichten, die ans Herzle gehen. Gelacht, geweint, gefiebert — danke, Flix. (5/5)

Drohnenland von Tom Hillenbrand
Hillenbrand konstruiert in diesem Roman eine medial vernetzte Zukunftswelt, vor allem einen Überwachungsstaat, in dem jeder jeden durch seine Brille filmt, in dem Drohnen uns als Kameras auf Schritt und Tritt verfolgen, und in der die Vergangenheit durch so genannte Spiegelungen (Rekonstruktionen des Gefilmten) wiedergegeben und “begangen” werden kann. Sehr gewagt, sehr konsequent durchdacht, das fand ich toll. Die Story hingegen hat mich zwischendrin etwas gelangweilt, das Ende kam mir zu glücklich und wenig erarbeitet vor. Ein Zukunfts-Krimi mit einem lockeren Kommissar und beunruhigenden Visionen – noch etwas düsterer als “The Circle”. (4/5)

Opas Engel von Jutta Bauer
Dieses schmale Bilderbuch habe ich auf dem Flohmarkt wiederentdeckt – es ist bestimmt bei vielen bekannt, als Lektüre hier zu präsentieren, beinahe zu kurz. Dennoch: Immer wieder lesenswert, auch zu verschenken. Es gibt einen netten Film der Maus dazu (5/5)

Erziehung – Ein Abenteuer für die ganze Familie von Martina und Volker Kessler
Ein etwas anderes “Erziehungsbuch” – davon demnächst mehr. (3/5)

Mr. Mercedes von Stephen King
(deutsch von Bernhard Kleinschmidt, Hörbuch gelesen von David Nathan)
Ich bin King-Fan, seit “Shining” und “Feuerkind”. Er hat seine Höhen und Tiefen – dieses Buch hier ist ein absolutes High. Wer sich endlich aktiv vom Vorurteil befreien will, Stephen King schreibe nur Horrorbücher (“Uuuh, das ist mir zu eklig”), sollte sich Mr. Mercedes gönnen. Das ist ein handfester Thriller ohne irgendwelches übersinnliches Gedöns, mit fantastischen Charakterstudien, einem Spitzen-Plot und einem sympathischen Held. Was braucht es mehr für gute Unterhaltung? Ohja: Als Hörbuch einen kongenialen Vorleser wie David Nathan, mann, ist der gut! (5/5)

Abgebrochen: World War Z von Max Brooks
(deutsch von Joachim Körber, Hörbuch gelesen von David Nathan und Michael Pan)
Da ist schon ein interessantes Projekt: Das Zombie-Thema mit Berichten und Interviews einer weltweiten Plage wieder zu beleben, der Erfolg des Buches (incl. Film) gibt dem ja auch recht. Dennoch, ich fand, es funktioniert nicht. Die Spannungsbögen brechen regelmäßig ab, die Kapitel sind in sich zu öde, das eigentlich Thema zu wenig variiert. Das geht bei “The Walking Dead” besser. Ich habe das Hörbuch abgebrochen, das rettet nicht einmal David Nathan. Warum ein Kinderarzt so was hört und sieht? Meine dunkle Seite. (1/5)


[Dieser Text enthält so genannte Affiliate Links – siehe Impressum]

Meine #fbm14

Wenn ich durch Twitter lese oder auch mich sonst wie durchs Internet bewege, habe ich heuer den Eindruck, als ob alle Welt auf der Frankfurter Buchmesse ist oder war. Das trügt natürlich, genauso, wie man überall das Auto sieht, das man sich gerade gekauft hat, oder wie ich denke, dass auf Kinderärzte-Kongressen alle Kollegen sind, die ich überhaupt kenne. Tunnelblickerwartung.

Jedenfalls war ich auch auf der Buchmesse. Wie schon die letzten Jahre, da die #fbm (wie wir Twitterer sagen) stets auf das Wochenende vor dem Herbstseminarkongress der Kinder- und Jugendärzte im hessischen Bad Orb fällt. Gleiches Bundesland, gleiche Anreise, läuft. Ich darf als Pressevertreter rein (wie gefühlte 50% der Werktagsbesucher – die anderen sind Azubis der Verlags- und Buchhandelsbranche), also fuhr ich freitags. Schön leer. Oder eher immer noch voll genug.

Diesmal schaffte ich es erst (dank Stau) zur Mittagszeit, mein Auto im Parkhaus Rebstock zu parken und den Pendelbus zu nehmen, ein paar meiner mühsam recherchierten (App!) und geplanten „Favoriten“ waren schon vorbei – also erst mal treiben lassen. Halle 4, Halle 3, die Klassiker, ein bisschen Finnland, ein bisschen Agora, ein paar Gespräche hier, eine Currywurst da, Norbert Blüm gesehen, den flixxx, den Mawil, Michael Köhlmeier, Thomas Hettche und bestimmt ganz viele, von denen ich keine Ahnung hatte, dass ich sie gesehen habe.

Am Ende, zum Ausklang und in Müdigkeit auf zur Preisverleihung des Virenschleuderpreises 2014 – sehr nett, sehr unprätentiös, mit Bionade, Weinchen und Tee – mit entsprechend „ansteckenden“ Ideen aus der (immer wieder anglophil erwähnten) Publishing- und Marketing-Scene mit High End Performance. Deren Website lohnt das Hinterhersurfen. Und da es hier auch um das Virulente ging, sah ich mich als Arzt zumindest als Geistesbruder.

Bilder? Bitte:

Kruso und Vor dem Fest

Mein Favorit für den Buchpreis und der echte Gewinner (“Vor dem Fest” ist aber auch das einzige, was ich von der Shortlist gelesen habe)

Tatortreiniger

Der nette Herr war auch da, wenn auch als Pappkamerad

We the children

Ein toller Bildband, der zusammen mit der Präsentation des Fotografen noch toller wirkte

Pickachus

Non-books spielen echt eine große Rolle auf der Buchmesse – bei Anime/Cartoon-Merchandising verstehe ich das auch

Finnland

Finnland war das Partnerland – und neben den Mumins und dem Bücherbus aus Helsinki gab es diesen wunderschön gestalteten Stand.

Globus

Nochmal Non-book – dieser Stand fasziniert mich, seitdem ich auf die Buchmesse gehe – dabei sind es nur Globen.

Mawil

Mawil hat mir ein Bild gemalt …

Flix

… und der Flix auch – dass sie beide einen roten Hoodie trugen, war wohl eher Zufall

Gonig home

Auf dem Weg nach Hause sind die Gänge völlig leer – das Rollband für mich alleine

VSP

Bei der Preisverleihung des Virenschleuderpreises

Vorherige ältere Einträge

1. Platz in Kategorie Baby und Kinder bei den Hitmeister Superblogs 2012
%d Bloggern gefällt das: