Die Kleinen werden so schnell groß

Na, das ging ja schnell – der erste Kalauer des neuen Jahres:

Ich: “Na, biste tapfer für die Impfung?”
Neunjähriger: “Klar!”
Mutter: “Klar, ist er, oder? Was? Mario? Tapfer? DubisttapferDubisttapfer!”
Neunjähriger (irritiert…): “Äh, Ja…?”
Ich: “Na denn, rechts oder links?”
Neunjähriger: “Egal, wie Sie wollen.”
Mutter: “Na rechts bist Du doch immer so empfindlich, ist ja auch Deine gute Seite, alo lieber links? Mmmh? Was meinste? Lieber links? Ja?”
Neunjähriger (schulterzuckend…): “Wurscht.”
Ich: “Also links … einszwodrei.”
Mutter (rutscht auf dem Stuhl herum): “Tut auch gar nicht weh Tut auch gar nicht weh Tut auch gar nicht weh.”
Neunjähriger: “Alles klar…” Krempelt den Ärmel runter.
Ich: “Gut gemacht, super.”
Mutter: “Nicht wahr? Hat er gut gemacht. Gelt, haste gut gemacht, Mario… Ganz tapfer warst Du. Hat auch gar nicht weh getan, oder? Hab ich ja gleich gesagt.”
Neunjähriger: “Mama?”
Mutter: “Ja?”
Neunjähriger: “Das nächste Mal könnte ich auch alleine zum Doktor rein, oder?”

Als mir das Herz aufging.

Und dann ist da dieser skeptische Einjährige zur U6, die stets die erste Masernimpfung mit sich bringt. Die Kleinen sind bedingt interessiert, eher verunsichert, mittendrin im Fremdelalter, im Übergang zum Trotzen, zum selbstbestimmten Egoentwickeln, verständlich, dass er mich erst einmal genau beäugt, was ich denn von ihm und seiner Schmusemama wolle. Nackig ist er, frisch gewogen (sehr seltsam! Noch jemand Fremdes, eine andere Frau mit kalten Händen), immer auf der Hut.

Es folgt das Interview mit der Mutter, das Vertrauenschaffen durch Beobachtung des jungen Kandidaten, viel erfahren bereits durch Berichte der Mama. Was er schon macht, was er schon kann, was er ist, wie er sich fortbewegt, nachmacht, Verstecken spielt, greift, lautiert, MamaPapaDadaBibabutzemann.
Untersuchung, ganz ok, ein bisschen Otoskopgeleuchte hier, Fingergeschnippse da, Telefonspielen mit dem Stethoskop, KilleKille am Bauch und Fahrradfahren mit den Beinen, immer in fröhlicher Stimmung, ohne großartig Blickkontakt, aber mit viel Lachen meinerseits, Gebrabbelgebabbel, was ich so tue und was Du so kannst. Der Blick im Mund schön zum Schluß, weil besonders unangenehm.

Dann das Impfen: Der Mutter alles erklärt, Vorzüge, Nebenwirkungen, Fieber in der ersten Woche, Impfmasern, Lymphknoten, Fieberkrämpfe, Risiken des Nichtimpfens, für die Frau hier gar keine Frage, soll der Keksgesichtheld noch diesen Monat in die Kindertagesstätte zu den anderen Virenschleudern. Dann die Spritze geschnappt, dem Skeptiker gezeigt, der Mutter auf den Arm gegeben, sie darf ihn kitzeln, darf ihn halsknutschen, und zappzerapp, guckstduschon in die “Außenseite des Oberarmes, distal-lateral, subcutan, Aspiration nicht nötig” gespritzt, dass er gar nicht merkt, was passiert, dochdochdoch, da guckst Du schnell, was der da macht, aus der Skepsis wird ein Flunschemund, das Grübchen am Kinn verzieht sich zu einem feinschlägigen Zucken.

Mutter ist entspannt, kitzelt weiter, alles prima, ich genauso, mache den Schritt zurück, wedele mit den Armen, mache meine Mätzchen, Lippenblubbern, Augenzwinkern, was man so tut.

Das Grübchen entspannt sich, die Flunsch flutscht zurück, die Augenwinkel lächeln, er dreht sich zu mir und … streckt mir die Arme entgegen. Und auch auf meinem Arm lacht er, mit wachen klaren freudigen Augen, zehn Sekunden nur, dann ist er lieber wieder bei Kuschelmama.

… was meinen Arbeitsalltag erleichtert.

Quickie, zu schade fürs Twittern

Ich: “Und seit wann hat er jetzt die Schniefnase?”
Mutter: “Bestimmt schon den dritten, vierten Tag.”
Ich: “Wie schlimm ist es denn?”
Mutter: “Gestern waren´s noch zwei Packungen Tempo, heute sind wir schon bei drei…”

Private Anfrage

Mutter: “… dann hätte ich noch eine Frage, wenn ich schon mal da bin.” Klassiker.
Ich: “Ja?”
Mutter: “Ich habe Ihnen mal die letzten Arztrechnungen von Ihrer Kollegin aus Gerlachhausen mitgebracht, wo wir früher waren. Ich wollte Sie bitten, die mal durchzusehen, ob die auch alles korrekt abgerechnet hat. Geht das?”
Ich: “Äh… nein?”

Privatversicherte. Besser als ihr Ruf.

Magendarm

Ich: “Ihr Sohn hat eine ordentliche Magen-Darm-Grippe.”
Mutter: “Und was kann ich dem Hinnrick jetzt dann geben?”
Ich: “Achten Sie bitte vor allem aufs Trinken, er ist ja beinahe zwei, da kann nicht soviel passieren, aber Trinken muß man beachten.”
Mutter: “Der trinkt ja gar nichts.”
Ich: “Wenigstens etwas Tee oder Wasser.”
Mutter: “Mag er nicht. Saft trinkt er.”
Ich: “Naja, das ist jetzt weniger…”
Mutter: “Tee trinkt er nicht. Brauchen Sie ihm gar nicht mit zu kommen.”
Ich: “Gut, wenn er sonst nichts…”
Mutter: “Also Saft. Und Essen?”
Ich: “Da müssen Sie nicht soviel beachten, man empfiehlt heutzutage…”
Mutter: “Was nun?”
Ich: “… keine echte Diät mehr, er soll ruhig essen, was er will.”
Mutter: “Der isst ja eh nichts grad.”
Ich: “So ein paar Salzbrezen oder so? Trockene Nudeln?”
Mutter: “Trocken? Mag er nicht.”
Ich: “Eigentlich kann er alles essen.”
Mutter: “Isst ja nichts.”
Ich: “Wunschkost ist völlig in Ordnung. Vielleicht keine Mengen an Milch…”
Mutter: “… mag er eh nicht …”
Ich: “… und nichts wirklich Süßes…”
Mutter: “Na, was bleibt denn da übrig? Isst er ja gar nichts mehr.”
Ich: “Na, alles andere. Hauptsache, er isst überhaupt ein bisschen was.”
Mutter: “Der! I-hi-sst! Ni-hi-chts! Habchdochschongesagt, hören Sie nicht zu?”
Ich: “Jetzt haben wir ja kurz vor Mittag, was gab´s denn bisher?”
Mutter: “Na, nix! Paar Saitewürschtle heute morgen und dann nix mehr, gar nichts.”
Ich: “Na, das ist doch schon was.”
Mutter: “Dann schreibense mal sonstwas auf.”
Ich: “Sie brauchen nur aufs Essen und Trinken zu achten.”
Mutter: “Mach ich ja, mach ich ja, und Arznei?”
Ich: “Ist nicht nötig, solange er…”
Mutter: “Nix? Gar nix? Meine Nachbarin gibt immer so Zuckerkügele.”
Ich: “Ist schon ok, brauchen Sie nicht.”
Mutter: “Und wenn er weiter so´n Dünnschiss hat? Der Hinnrick muß doch was essen.”
Ich: “Wie gesagt…”
Mutter: “Oder was zum Darmaufbau, meine Hebamme hat immer gesagt, da muß man was zum Darmaufbau geben.”
Ich: “Eigentlich beruhigt sich der Darm nach so einem Infekt von alleine.”
Mutter: “Gibt´s da nicht was?”
Ich: “Es gibt so Milchsäurebakterien, die sind in Pulverform, können Sie dann später in Tee einrühren.”
Mutter: “Tee? Mag. Er. Nicht.”

Usw. usf.
Der kleine Hinnrick saß derweil sehr munter auf der Untersuchungsliege.
Sein Blick ging wie bei Wimbledon nach rechts und links, zu mir, zu ihr. Am Ende klatschte er in die Hände und krähte: “Hinnick! Kaka macht!”
Ja, das konnte man dann auch riechen.

Mutterkuchenzucker

Ich kann nicht viel erkennen an der Haut des Säuglings, aber die Mami sieht etwas.
Mutter: “Diese Pickel waren gestern noch viel schlimmer. Ist das denn normal?
Ich: “So was sieht man manchmal bei Säuglingen…”
Mutter: “Ich dachte schon, die Muttermilch?”
Ich: “Eher das kalte Wetter.”
Mutter: “Er schläft auch so unruhig. Juckt bestimmt.”
Ich – finde immer noch nichts, auch wenn ich inzwischen jeden Millimeter von Marvyns Haut abgesucht habe – : “Vielleicht einfach mal ein bisschen Babyöl nach dem Baden?” Hilft immer.
Mutter: “Ich glaub´ , ich gebe jetzt mal häufiger die Plazentakügelchen…”
Ich: “Die was?”
Mutter: “Ja, haben wir machen lassen. Hilft wirklich gut.” Sie nickt eifrig. “Bei Milchstau, bei Entzündungen, Blähungen, Juckreiz.”
Ich: “Bei Ihnen jetzt?”
Mutter: “Jaja, bei mir sowieso, aber vor allem auch beim Marvyn. Tolle Sache.”
Ich: “Kostenpunkt?”
Mutter: “Nicht teuer, aber sehr wertvoll. Hält ewig. Und wenn´s alle ist, kann man nachbestellen.”

Super Geschäftsmodell: Dankbare Zielgruppe, Entscheidungsfindung unter Druck und hormonell gesteuert. Wenig Urmaterial, damit geringe Lagerungskosten, Herstellungsprozess dubios und zugesetzte Materialen im Centbereich, hohe Nachfrage mit sicherem Placeboeffekt. Abonnentensystem dank Einlagerung – genial.

Aber Achtung: Die Konkurrenz schläft nicht und hat noch bessere Ideen.

[Ich weise darauf hin, dass ich keinen Werbevertrag mit den verlinkten Firmen unterhalte. Die Links dienen lediglich der Entrüstung über soviel Chuzpe.]

Und Sie sind…?

Ich habe ein ganz schlechtes Namensgedächtnis.
Wenn mir am Tag im Supermarkt oder auf der Straße ein Vater, Mutter, ein Kind über den Weg läuft, bei der/m sich meine Synapsen zumindest entfernt erinnern, dass ich ihn, sie oder es kenne (und das ist für mich schon richtig gut!), dann gibt es eine Blockade bei der Frage: Bloß woher? Ist das jemand aus der Praxis? Sind das meine eigenen Patienten? Oder Vertretungen? Kenne ich die vom Elternabend der Tochter? Oder vom Aufräumen nach der letzten Schulveranstaltung?

Mir ist das sehr unangenehm. Kommt es bei der Begegnung zu einem Gespräch (mal kurz über die Straße grüßen ist unverfänglich, und man kommt in keine peinliche Situation), dann merke ich, wie sich kleine Scharniere oder Weichen im Hirn umlegen – ich hoffe zumindest immer darauf -, die dann meinen Erinnerungszug passieren lassen. Das klappt nicht oft. Manchmal kommt das Gespräch sehr schnell an diesen Punkt, mitunter gar nicht. Ich konzentriere mich auf das Bedürfnis zu wissen, woher ich die Person kenne, gleichzeitig versuche ich, dem Gespräch zu folgen oder es geschickt zu lenken, um doch eine Idee zu bekommen, woher wir uns kennen (“…wie geht´s den Kindern?” – “Kinder? Welche Kinder?” Ups, doch jemand aus dem Kirchenchor…).

Für einen Arzt ist das natürlich keine guter Zustand, aber was soll ich machen? Ich kenne Kollegen, die erinnern jeden Patienten, den sie in ihrer Laufbahn je gesehen haben, einschließlich Eltern, Krankheitsverlauf und Versicherungsstatus. Ein Oberarzt in der Klinik kannte alle Frühgeborene mit all ihren Komplikationen, auch wenn sie zehn Jahre später mit Durchfall aufgenommen wurden (“Meyer-Lauritz? Das ist doch das ANS mit CPAP und nachfolgend drittgradiger RPM? Anfang 1999, oder? Und der hat keine Brille?”). Eine andere beherrschte zudem die gesamte Genealogie der Familie und der Angestellten der Klinik, jede Auszubildende wurde mit Namen begrüsst, jeder Patient mit dem Onkel des Vaters in Verbindung gebracht, der “doch vor fünf Jahren auf der Inneren mit einem Ileus lag”. Da bin ich weit von entfernt.

In der Praxis geht das etwas leichter. Ich habe meinen Spickzettel in Form der EDV in jedem Zimmer stehen. Bevor ich die Untersuchung beginne, blättere ich im anderen Zimmer schnell durch die elektronische Patientenakte, sichte die Geschwisterkinder, checke den Impfstatus und dessen Lücken und beeindrucke dann im Zimmer mit unendlichem Elefantengedächtnis (“Wie war denn die Hochzeit? Sie wollten doch heiraten?” – “Das wissen Sie noch, Herr Doktor, das ist doch schon ein halbes Jahr her.” – Tja…). Seid sicher: Das machen alle Doctores so, außer sie sind von Natur aus gedächtnisbegabt. Ich eben nicht.

Blöd ist nur, wenn jemand mich nicht erkennt. Das stört mein Ego. Letztens hat mich in der Fußgängerzone eine Frau mit Kind nach der Uhrzeit gefragt, und ich habe sie tatsächlich mal erkannt: Wir hatten uns in der Praxis vor zwei Jahren ordentlich die Meinung gesagt (freundlich ausgedrückt), es ging ums Impfen – logisch – , sie verließ damals Zeter und Mordio schreiend die Praxisräume. Seltsam: Diese Leute vergesse ich immer nie.
Jetzt in der Fußgängerzone habe ich sie freundlich angelächelt: “Und sonst bei Ihnen, alles ok? Alle gesund? Wie geht´s den Kindern?”
Sie hat die Stirn gerunzelt: “Und Sie sind…?”

Nachfragen

Liebe Frau Guney,
ich kann verstehen, dass Sie mit Ihrem Anderthalbjährigen nachts um zwei in die Notambulanz am Klinikum fahren, weil er zweimal gespuckt hat. Das kann einen nachts wirklich irritieren, und Ihrem Sohn ging es bestimmt auch nicht so gut dabei.
Ich kann auch noch verstehen, dass Sie in der nächsten Nacht um die gleiche Zeit – ach, nein, ich sehe gerade, es war eine Stunde später – nochmals in die Klinik gefahren sind, weil Ihr Mehmet wieder gespuckt hat, am Tag hatte er ja auch zweimal Durchfall, wie ich sehe.
Etwas unklar ist mir dann aber die Vorstellung in der dritten Nacht um 23 Uhr. Ok, der Durchfall ist nicht besser geworden, und, wie Sie sagen, war der Kollege in der Klinik etwas “unfreundlich und ungeduldig”. Trotzdem hat er Ihnen eine Elektrolytlösung rezeptiert. Die haben Sie aber in der Nachtapotheke nicht besorgen wollen, weil die Apotheke im Nachbarort ist. Gut, manchmal muß man weitere Wege fahren, wenn man möchte, dass das Kind wieder gesund wird.

Darf ich die Frage stellen, warum Sie heute morgen um neun Uhr ohne Termin in meiner Praxis stehen, in der Hoffnung, ich könnte Ihr Kind gesund machen? Ach, er hat gar nicht mehr gespuckt? Und seit gestern nacht – ja, da waren Sie im Krankenhaus, das habe ich verstanden – auch keinen Durchfall mehr gehabt? Klingt doch gut. Aber jetzt isst er nicht mehr richtig, soso. Nur die Hälfte des Keksbreis. Aha.

Doch doch, jeder macht sich Sorgen, wenn´s Kind spuckt und Durchfall hat. Das verstehe ich. Es macht auch Sinn, einen Anderthalbjährigen mal dem Arzt vorzustellen, damit der Schlimmeres ausschließen kann. Aber muß das zweimal nachts nach Mitternacht sein? Wissen Sie, Sie haben auch immer die Möglichkeit, im Laufe des Tages bei uns einen Termin zu machen. Tags war immer alles ok? Ja. Ich verstehe. Nachts ist ein spuckendes Kind anstrengender als am Tag.

Ist das mal dringend!

fMFA: “Herr Doktor, da ist ein Kollege am Telefon. Möchte Sie dringendst sprechen.”
Ich: “Wer denn?”
fMFA: “Ein Dr. Meissner aus Obersterzen, er würde sie kennen.”
Nie gehört.
Ich: “Nie gehört. Na, geben Sie mal her.”

Ich: “Hallo, Kinderdok hier.”
Meissner: “Grüß Gott, Herr Kollege, es gibt was Dringendes.”
Ich: “Grüß Gott, ja, was denn?”
Meissner: “Mein Sohn ist ja bei Ihnen in Behandlung.”
Meissner? Meissner? Ich hacke schnell auf der Tastatur rum. Gibt´s nicht. “Achja?”, frage ich.
Meissner: “Ja. Der hat den Namen meiner Ex, Pletzikowski.”
Jetzt finde ich ihn. Acht Jahre, einmal jemals bei mir gewesen, vor vier Jahren. Damals Schnupfen.
Ich: “Und was gibt´s?”
Meissner: “Ich wollte nur sagen, der kommt jetzt vorbei. Der hat Nasenbluten. Kommt aus der Schule. Meine Frau …, also Ex…, holt ihn grade ab. Sind sicher schon zu Ihnen auf dem Weg. Muß man was machen.”
Ich: “Äh. Ok, alles klar. Dann lassen wir ihn mal kommen.”
Meissner: “Robert heißt der.”
Ich: “Prima.”
Meissner: “Ich dachte, ich ruf mal an.”
Ich: “Mmmh.”
Meissner: “Damit er auch gleich dran kommt.”
Ich: “Aha.”
Meissner: “Ist ja was Dringendes.”
Ich: “Ja?”
Meissner: “Gut.” Pause. “Dann mache ich mal hier weiter.” Pause. “Noch viel zu tun.” Pause. “Auf Wiederhören, Herr Kollege.”
Ich: “Wiederhören, Herr Meissner.”

Es vergehen keine zehn Minuten, da drängt sich eine hochgewachsene Frau auf Stöckelschuhen an den anderen Wartenden an der Anmeldung vorbei und meldet ihren Sohn als “dringenden Notfall” an. Die fMFA waren vorgewarnt und setzen Robert ins Untersuchungszimmer. Sie wissen, was bei Nasenbluten zu tun ist.
Da die anderen Patienten teilweise Termine haben, manch andere Ohren-, Hals- oder Bauchweh, und Nasenbluten sowieso seine Zeit braucht, lasse ich mir selbige.

Als ich gerade von einem Zimmer ins nächste wechsele, stürzt die Mutter aus dem Zimmer: “Herr Doktor Kinderdok, gut, dass Sie jetzt kommen!”
Ich: “Ich wollte eigentlich vorher noch…” … zu dem anderen Patienten, wollte ich sagen, denke aber, wir wollen die Sache nicht unnötig ausreizen und folge ihr.
Mutter: “Das ist wirklich dringend, dringend, dringend. Hat denn mein Mann…, also mein Ex…, also Dr. Meissner nicht angerufen?”
Ich: “Dochdoch, hat er gemacht.”
Mutter: “Sehen Sie, sehen Sie, wie dringend das ist?”

Was soll ich sagen? Robert sitzt brav auf der Untersuchungsliege, das angebotene Papierhandtuch zum Auffangen der letalen Blutmenge ist …. unbenutzt. Die Nasengänge noch etwas vertrocknet. Er grinst mich in seiner allwissenden Weisheit eines Sohnes an.
Mutter, deutet auf ihren Sohn: “Sehen Sie, sehen Sie?”
Robert: “Ach, Mama…”

Prost und Schwangerschaft?

Dass man in der Schwangerschwaft nicht rauche und keine Medikamente zu sich nehme, hat sich wohl mittlerweile herumgesprochen. Was leider noch nicht in allen Köpfen angekommen ist: Auch Alkohol birgt ein hohes Risiko für kindliche Mißbildungen, vor allem aber für diffuse Entwicklungsstörungen in der Kindheit mit sich. Dabei kann eine einzelne “Dosis” Alkohol bereits auslösendes Moment sein.Vintage Ad: Should You Drink if You're Pregnant?

Interessant in den Studien: Rauchen vor allem Mütter aus sozial schlechter gestellten Schichten, bedeutet der ProSecco auch bei den besser gebildeten Frauen ein Kavaliersdelikt. 2007 haben laut KIGGS Studie immerhin 17% der Frauen gelegentlich Alkohol in der Schwangerschaft getrunken (bei 50% in einer Befragung von 2002).

Ein toller Artikel dazu fand sich unlängst in der Zeit: Vollrausch im Mutterleib, eine Anspielung auf die Dosis Alkohol, die der Embryo abbekommt, wenn es für die Mama nur ein Viertele ist.

(c) Foto bei vintage ads

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