Kinder müssen vor Blutabnahmen nicht nüchtern sein

So, die Titelzeile hat ausreichend als clickbait gewirkt, nun etwas differenzierter. Das Feedback auf meinen obigen Tweet, dass Kinder zur Blutabnahme nicht nüchtern sein müssen, veranlasste mich zu folgendem Blogpost:

Grundsätzlich kann man sagen, dass ein Patient zu einer Blutabnahme nicht nüchtern sein muss. Dies gilt besonders für Kinder. Kinder sind unausgeglichen und unzufrieden, wenn sie nichts gegessen haben. Welche Eltern wissen das nicht? Jugendliche, die morgens wenig frühstücken, sind noch wackeliger auf den Beinen, so dass es nach einer Blutabnahme zu einer Synkope kommen kann. Das muss nicht sein.

Nüchtern sein bedeutet, kein Essen, keine Medikamente und möglichst auch nichts zu Trinken zu sich genommen zu haben. Daraus folgert, dass das Nüchtern sein zur Blutabnahme nur dann notwendig ist, wenn:

– … Medikamentenspiegel bestimmt werden (dann das entsprechende Medikament erst nach der Blutabnahme einnehmen, z.B. Antiepileptika) oder eine Verträglichkeit geprüft wird (hier geht es oft um Leber und Nierenwerte, die nach dem Essen schon einmal verändert sein können),

– … der Blutzucker von Interesse ist (klar, bei Verdacht auf Diabetes, aber auch zum Beispiel nach einer Kreislaufsynkope),

– … die Cholesterine bestimmt werden soll. Das ist bei Kindern und Jugendlichen eher selten, bei dicken Kindern ist es aber schon mal nötig. Dabei sollten wir nicht vergessen, dass die Wertigkeit des Cholesterinsspiegels in den letzten Jahren immer mehr infrage gestellt wurde.

Wann weiß ich nun, wann ich nüchtern sein muss, und wann nicht, bzw., ob ich meinem Kind etwas zu essen geben darf? Einfache Antwort: Die fMFA fragen bei der Terminvereinbarung. Falls dann eine Antwort kommt wie, „Sie müssen bei unsimmer nüchtern sein vor einer Blutabnahme!“, ruhig genauer nachfragen: Was soll sich am berühmten „kleinen Blutbild“ schon verändern, wenn das Kind morgens ein Marmeladenbrot isst? Vielleicht ändert sich dann auch was in den Praxen, die das immer fordern.

Und die Kinder sind entspannter.

Mein Kind geht gerne zur Schule!

Ich lausche einem Telefonat an der Anmeldung.
Die üblichen Begrüßungsrituale, dann:
fMFA: „Um was geht es denn bei Ihrer Tochter?“
… (Gemurmel am anderen Ende der Leitung)
fMFA: „Und seit wann hat sie Fieber?“
… (siehe oben)
fMFA: „Wie oft? Also das Erbrechen?“
… (s.o.)
fMFA: „Und sie ist wie alt? Zehn Jahre?“
… (etc.)
fMFA: „Ok, Moment, ja, ich gebe Ihnen einen Termin, Moment.“
… (Mausklicken, Suche im Terminkalender), dann:
fMFA: „Sie können gerne gleich kommen, so gegen 9 Uhr dreißig?“

fMFA: „Wie, in der Schule?“

fMFA: „Aber…, hat sie nicht Fieber und fünfmal gebrochen in der Nacht?“

fMFA: „Sie wollte in die Schule…? Ist das nicht Ihre Entscheidung?“

fMFA: „Aber sie ist doch krank.“

fMFA: „Und andere Kinder anstecken?“

fMFA: „Ja, gut, wenn Ihre Tochter jetzt mit Fieber in der Schule ist… Dann kommen Sie bitte um 14 Uhr fünfzehn, geht das?“ (… oder ist sie da im Ballett?)

fMFA: „Ich möchte Ihnen gerne empfehlen, nach der Schule den Termin wahrzunehmen. 14 Uhr dreißig. Ja? Die Geigenstunde würde ich dann heute mal sausen lassen. Wissen Sie, wegen Krankheit.“

Pointe?
Die Mutter stand um 10 Uhr mit der Tochter – natürlich ohne Termin – in der Praxis. Sie musste sie aus der Schule abholen, weil sie sich, ja, im Unterricht erbrochen hat.

Beulchen

Es rummst im Wartezimmer. „Wieder einer“, bemerkt die fMFA trocken, „das ist das schöne Wetter.“
Nach einer kurzen Abcheck-Sekunde, vermutlich, ob Mama hinschaut, startet die Sirene auch schon, Marke „ich kann lauter als alle anderen“.
Wir warten.

Die Sirene klingt auf und ab, wie das Sirenen eben so tun, die Stimme der Mutter nimmt eher linear an Lautstärke zu. Schließlich erreicht die Sirene einen neuen Spitzenwert – untrügliches Zeichen, dass sich die Betreuungsperson vom Ort des Geschehens wegbewegt.
Die fMFA öffnet den Kühlschrank und legt sich das Coolpack zurecht.

Die Mutter kommt um die Ecke. „Da kommt niemand mal, oder?“, fragt sie.
„Können wir denn helfen?“, fragt die fMFA und hält ihr das Coolpack entgegen.
„Das ist doch eine Kinderarztpraxis, oder?“
Die fMFA nickt.
Die Mutter ergreift das Coolpack, betastet es prüfend, hebt die Augenbrauen.
„Aber die Arnica-Globuli, die können Sie dann mal noch bringen.“
Und verschwindet Richtung Drama.

Minuten später sehe ich den verweinten Manuel Friedreich (nein, das ist nicht der Nachname) im Untersuchungszimmer. Eigentlich ging´s um eine FSME-Impfung, die er – völlig adrenalingetränkt – ohne Zucken wegsteckt. Das Beulchen auf der Stirn musste ich suchen. Rot war der Kopf sowieso.

Servicewüste Deutschland

Mutter an der Anmeldung: „Äh, was ich noch sagen wollte, die Windeln in der Toilette sind schon wieder alle, da gibt’s nur noch die großen, und Feuchttücher hat’s auch keine mehr.“
Katja, fMFA: „Oh Danke, dass Sie Bescheid geben.“
Mutter: „Da sollten Sie schon etwas mehr auf Service achten…“
Katja: „…“*
Mutter: „War letztens auch so.“
Katja: „…“*
Andere Mutter: „Entschuldigung, dass ich mich da einmische, aber haben Sie sonst keine Windeln dabei?“
Mutter: „Na, schon, aber doch nicht, wenn ich zum Doktor gehe.“
Katja und andere Mutter: „…“*

*sprachlos

Haben wir nicht mehr

Beim Bestellen von Verbrauchsmaterialien (Impfstoffe, Sprechstundenbedarf, Schreibzeugs, Putzmittel, Handtücher usw.) ergeben sich zwangsläufig einige Regeln:

1. Das Material X wird immer dann am dringendsten gebraucht, wenn es verbraucht ist.
2. Das Material X ist genau dann beim Versender nicht lieferbar.
3. Das Material Y mit dem kürzesten Verfallsdatum (MHD) kostet am meisten (–> Adrenalininjektor).
4. Wird eine Sammelbestellung erarbeitet und versandt, gibt es stets das Phänomen des „Ich hab da noch was – oh, Du hast das Fax schon abgeschickt“.
5. Das Objekt des Phänomens aus No. 4 ist das dringendst benötigte.
6. Der/Die Bestellbeauftragte für die verbrauchten Materialien XYZ hat immer frei.
7. Medikamente laufen immer dann ab, wenn sie gebraucht werden. Paradebeispiel: Notfallmedikamente. Gegenbeispiel: Salben.
8. Medikamente werden immer dann aus der SSB-Liste gestrichen, wenn sie am meisten genutzt werden.
9. Wichtigstes Verbrauchsmaterial in Arbeitsgruppen (Praxis/Krankenhaus/Büro): Kaffee. Ist immer knapp.
10. Sonderangebote an Verbrauchsmaterialen orientieren sich nicht am Bedarf, sondern an der Lagerdauer beim Versender.
11. Bonusgeschenke der Versender sind stets a) kleiner als auf der Abbildung b) instabiler als Rutherfordium und c) schwer weiter zu verschenken.
12. Listen zu benötigten Verbrauchsmaterialien existieren ausschließlich virtuell. Bemühungen, diese in Schriftform zu bannen, scheitern bereits in Ansätzen.
13. „Haben-wir-noch?“ ist das Synonym für „Muss-man-bestellen“ bzw. „Kann-ich-mal-haben?“

Spezialfälle:
– Fibrinkleber – ist in der akuten Gebrauchsform stets eingetrocknet.
– Briefmarken – existieren stets in höherwertigen unpassenden Mengen, zu viel oder zu wenig
– Papierhandtücher – sind a) zu dünn und b) nicht saugend und c) fehlgefaltet (C-Form oder Z-Form)
– Kugelschreiber – existieren in der Regel nur als Werbeträger und sind auch nur als solche zu gebrauchen

Warum ich ausgerechnet jetzt darauf komme?
14. Am Anfang des Quartals/Jahres/Monats ist alles alle.

Tagesgeschäft – fMFA

fMFA: „Tut mir lied, Herr Gapfer, aber Ihr Termin mit der Jessica war um 10 Uhr. Jetzt ist es viertel vor 11.“
Herr Gapfer: „Okay…“
fMFA: „Und der Doktor ist jetzt schon in der nächsten Vorsorgeuntersuchung.“
Herr Gapfer: „Okay…“
fMFA: „Und die U5 bei Ihrer Tochter dauert schon auch eine halbe Stunde.“
Herr Gapfer: „Okay…“
fMFA: „Da hat der Doktor dann auch wieder einen Termin.“
Herr Gapfer: „Okay…“
fMFA: „Gut. Also. Dann gebe ich Ihnen einen neuen Termin nächste Woche.“
Herr Gapfer: „Äh… Okay …“
fMFA: „Wann haben Sie denn da Zeit?“
Herr Gapfer: „Äh… Jetzt?“ (Wirklich!!!)
fMFA: „Ja, nur… wie gesagt… jetzt ist der Doktor grad …“
Herr Gapfer: „Da ist er doch!“
Er zeigt auf mich, als ich gerade von einem Zimmer ins andere gehe. Ich nicke ihm freundlich zu und setze meinen Weg fort. Merke: Sich nie im Bereich der Anmeldung ansprechen lassen.
Herr Gapfer: „Hat er ja doch Zeit… Könnte er doch kurz…“
fMFA: „Tut mir leid, also…“
usw.

Ähnliches rebloggt:
Neulich beim Terminvereinbaren (16.9.2012)
Klassisches Telefonat der Medizinischen Fachangestellten (27.8.2010)
Termingeschäfte (16.3.2010)

1. Platz in Kategorie Baby und Kinder bei den Hitmeister Superblogs 2012
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