Kleines Praxis-Lexikon

Synonyme für den Arzt:
“Der Mann”
“Der Onkel Doktor”
“Der da”
“Du da”
“Der Piekser”
“Der Gemeine” (“… da kommt wieder der Gemeine/Piekser” etc.)
“Papa” (Kindermund)
“Cheffe” (Elternmund)
“Onkel Doktor Roland*”

Synonyme für die fMFA:
“Die Sprechstundenhilfen”
“Die Damen”
“Ihre Helferinnen”
“Die Schwester”
“Die Girls”
“Die Mädchen”
“Die da vorne”
“Ihre Frau” (äh, nein…?)
“Ihre Frauen” (schon gar nicht…)

* Vorname wurde verändert

Magendarm

Ich: “Ihr Sohn hat eine ordentliche Magen-Darm-Grippe.”
Mutter: “Und was kann ich dem Hinnrick jetzt dann geben?”
Ich: “Achten Sie bitte vor allem aufs Trinken, er ist ja beinahe zwei, da kann nicht soviel passieren, aber Trinken muß man beachten.”
Mutter: “Der trinkt ja gar nichts.”
Ich: “Wenigstens etwas Tee oder Wasser.”
Mutter: “Mag er nicht. Saft trinkt er.”
Ich: “Naja, das ist jetzt weniger…”
Mutter: “Tee trinkt er nicht. Brauchen Sie ihm gar nicht mit zu kommen.”
Ich: “Gut, wenn er sonst nichts…”
Mutter: “Also Saft. Und Essen?”
Ich: “Da müssen Sie nicht soviel beachten, man empfiehlt heutzutage…”
Mutter: “Was nun?”
Ich: “… keine echte Diät mehr, er soll ruhig essen, was er will.”
Mutter: “Der isst ja eh nichts grad.”
Ich: “So ein paar Salzbrezen oder so? Trockene Nudeln?”
Mutter: “Trocken? Mag er nicht.”
Ich: “Eigentlich kann er alles essen.”
Mutter: “Isst ja nichts.”
Ich: “Wunschkost ist völlig in Ordnung. Vielleicht keine Mengen an Milch…”
Mutter: “… mag er eh nicht …”
Ich: “… und nichts wirklich Süßes…”
Mutter: “Na, was bleibt denn da übrig? Isst er ja gar nichts mehr.”
Ich: “Na, alles andere. Hauptsache, er isst überhaupt ein bisschen was.”
Mutter: “Der! I-hi-sst! Ni-hi-chts! Habchdochschongesagt, hören Sie nicht zu?”
Ich: “Jetzt haben wir ja kurz vor Mittag, was gab´s denn bisher?”
Mutter: “Na, nix! Paar Saitewürschtle heute morgen und dann nix mehr, gar nichts.”
Ich: “Na, das ist doch schon was.”
Mutter: “Dann schreibense mal sonstwas auf.”
Ich: “Sie brauchen nur aufs Essen und Trinken zu achten.”
Mutter: “Mach ich ja, mach ich ja, und Arznei?”
Ich: “Ist nicht nötig, solange er…”
Mutter: “Nix? Gar nix? Meine Nachbarin gibt immer so Zuckerkügele.”
Ich: “Ist schon ok, brauchen Sie nicht.”
Mutter: “Und wenn er weiter so´n Dünnschiss hat? Der Hinnrick muß doch was essen.”
Ich: “Wie gesagt…”
Mutter: “Oder was zum Darmaufbau, meine Hebamme hat immer gesagt, da muß man was zum Darmaufbau geben.”
Ich: “Eigentlich beruhigt sich der Darm nach so einem Infekt von alleine.”
Mutter: “Gibt´s da nicht was?”
Ich: “Es gibt so Milchsäurebakterien, die sind in Pulverform, können Sie dann später in Tee einrühren.”
Mutter: “Tee? Mag. Er. Nicht.”

Usw. usf.
Der kleine Hinnrick saß derweil sehr munter auf der Untersuchungsliege.
Sein Blick ging wie bei Wimbledon nach rechts und links, zu mir, zu ihr. Am Ende klatschte er in die Hände und krähte: “Hinnick! Kaka macht!”
Ja, das konnte man dann auch riechen.

Brüderliebe

Ich erkläre der Mutter gerade, was es mit den Dellwarzen bei ihrem Sohn auf sich hat, dass diese eigentlich harmlos, aber dennoch ansteckend sind, zum Beispiel im Schwimmbad, über Handtücher oder durchs Aufkratzen. Es wird eine gewisse Zeit ins Land gehen, bis diese Infektion (denn das sind Mollusken) wieder vom Körper abgewehrt ist. Dies kann auch einmal Monate dauern.
Ein wirkliches Hilfsmittel gibt es nicht, auch das Kürettieren oder Vereisen bringt keine hundertprozentige Sicherheit, jedoch sollte die Haut regelmäßig gepflegt werden, denn Dellwarzen lieben trockene Haut.

Ruft der Bruder aus dem Off: “Bist ein kleines Waaarzenschweeein!”
Mutter: “Simon, ärgere nicht immer Deinen kleinen Bruder!”
Simon: “Waaarzenschweeein! Warzenschwein!”
Sagt das kleine Warzenschwein: “Na warte, ich kratz die jetzt gleich auf und schmier´ Dir das auf Deinen Pimmelmann!”

Jaja. So geht die Bruderliebe. Die Mutter war doch reichlich entrüstet über soviel Jargon.

Gentleman

What is going on ?

Der Mutter fällt beim Wickeln ein Socken runter.
Der Junge hebt sie auf.
“Na, Du bist aber ein Gentleman, danke”, sagt die Mutter.

“Mama, was ist ein Dschennelmän?”
Sagt der Zwillingsbruder kaugummikauend: “Das ist, wenn Du ‘ner Dame die Tür aufhältst.”
“Na toll, dann muß ich das wohl auch noch machen?”

Ich: Am Boden.

 

(c) Foto bei SAN_DRINO

Echter Fan

Nach den bedröppelten italienischen und spanischen Kindern ziehen jetzt die griechischen ein langes Gesicht. Verständlich. Die kleinen Fans hadern dazu mit der Zeitverschiebung der Spiele.
Wassilios (10) geht´s auch so:

Ich: “Na, bist Du traurig, dass Griechenland draußen ist?”
Wassilios: “Klar. Ich durfte sogar nur die erste Halbzeit gucken, dann mußte ich ins Bett.”
Ich: “Ging ja auch ganz schön lange, bis kurz vor eins. Da bin sogar ich beinahe eingeschlafen.”
Wassilios, fassungslos: “Was? Voll uncool. Wenn wir spielen?”
Ich: “Naja, weißt Du, ich bin ja kein Grieche. Ich habe mir das Spiel so aus Interesse angeguckt, zum Ende war´s dann auch spannend, mit Elfmeterschießen und so.”
Wassilios: “Ja, hat mein Vater auch gesagt.” Jetzt schaut er wieder traurig.
Ich, müder Versuch des seelischen Aufbaus: “Und, für wen bist Du denn jetzt? Drückst Du jetzt den Deutschen die Daumen heute abend?”
Wassilios: “Nö. Ganz sicher nicht. Da schlafe ich.”

verplappert

Die 12jährige stellt sich bereits zum zweiten Mal in einem Jahr vor, weil sie alle paar Wochen Rückenschmerzen habe. Bereits beim letzten Mal konnte ich eine leichte Haltungsschwäche sehen – nicht untypisch für das Alter – , vorgezogene Schultern, leichter Rundrücken, funktionelle Tests nach Matthiass und Schober waren aber ok.
Mutter wirkt leicht … mmh, unzufrieden.
Ich: “Aber das hatten wir vor einem halben Jahr schon mal besprochen, oder?”
Mutter: “Ja, aber, ist ja nicht besser geworden.”
Ich zur Tochter: “Ich hatte Dir empfohlen, ein paar Übungen zuhause zu machen, Schwimmen zu gehen, auf Deine Schultasche zu achten, Deinen Schreibtisch und den Stuhl gut auszurichten, Balancieren mit einem Buch auf dem Kopf, Zehenspitzenlaufen …”
Die Tochter schaut mich kurz an, verzieht das Gesicht, zeigt dann mit dem Finger auf Ihre Mutter.
Tochter: “Die da hat gesagt, das sei völliger Blödsinn, was Sie da empfohlen haben.”

uups.

Schonkost

Ich: “So, Du hast Durchfall und gespuckt, also bitte heute nur leichte Kost: Was trinken, Tee, Wasser, Bisschen Salzstangen, bisschen Brezeln, bisschen Zwieback …”
Kevin-Maurice: “…bisschen Nikolaus?”
Ich: “Nikolaus?”
Kevin-Maurice: “…bisschen Schoki?”
Ich: “Äh… nein.”

Klarstellung

Ich: “Und? Kannst Du schon Fahrradfahren?”
Manuel: “Klar.”
Ich: “So richtig? Oder mit einem Laufrad?”
Manuel: “Nee, richtig, mit´m Fahrrad!”
Ich: “Mit Stützrädern?”
Manuel: “Nee, mit´m Fahrrad!”
Ich: “Also mit zwei Rädern?”
Manuel: “Nee, einem Fahrrad!”
Ich: “Mit so zwei kleinen Rädern hinten?”
Manuel: “Ja! Fahrrad!”

Alles klar. Ich hätte auch kurz die Mama fragen können.
Übrigens kein Bruder von dem hier.

Klassiker

Mutter: “Sagst Du jetzt mal endlich tschüss?”
Kind: “Nö.”

Denkt mal drüber nach.

Nachklapp von Faschingdienstag

Ich unterhalte mich mit der Mutter über die Aggressivität ihres fünfjährigen Sohnes im Kindergarten, über die Revierkämpfe von kleinen Welpen während der Aufzucht, über die soziale Hackordnung und die verschiedenen Charaktere. Aber auch über das soziale Lernen, darüber, wie mit Aggressivität, Kneifen, Beissen und Hauen im Kindergarten umgegangen wird. Und, was die Eltern zuhause so für Strategien haben, um ihrem Heissporn die Achtung und den Respekt vor seinen Mitmenschen beizubringen.
Mutter: “Bei uns gibts kein Hauen oder so. Das haben wir von Anfang an unterbunden.”
Ich: “Gut. Wäre sonst auch ein schlechtes Vorbild.”
Mutter: “Der darf auch gar nichts in der Richtung im Fernseh gucken, also Power Rangers und was es da alles so für Sachen gibt.”
Ich: “Und Spiele?”
Mutter: “Gibts nichts. Nur mal beim Vadder auf´m iPad, guckt er mal zu.”
Ich: “Ja, ich glaube, es ist wichtig, dass man Kinder so lange es geht von Gewaltdarstellungen im Fernsehen und Medien fernhält. Sonst denken sie, Gewalt sei der einzige Lösungsweg. Das wird dort meist vermittelt.”
Mutter: “Ja… So wird das sein.”
Ich, drehe mich mit meinem Rollhocker zu Miras um: “Und, Miras, als was gehst Du denn zum Fasching, heute? Ihr habt doch bestimmt heute noch eine Feier, oder?”
Mutter: “ja… naja… also das …” Sie winkt ab.
Miras: “Ich geh als …”, er vollzieht eine formvollendete Schwingbewegung mit einem imaginären Ninjatō 忍者刀, während er gleichzeitig einen Ausfallsschritt in meine Richtung andeutet: “… Ninja!!!”

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1. Platz in Kategorie Baby und Kinder bei den Hitmeister Superblogs 2012
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