Empfehlungen für Säuglinge in Maserngebieten

N.G. hat mir eine Anfrage per Mail geschrieben, die ich gerne in der aktuellen Debatte aufgreifen möchte. Da sie ihre Fragen von Kinderärzten in der Umgebung nicht beantwortet sieht, da diese “in Bezug auf Impfen und Co recht .. esoterische … Meinungen vertreten”, versuche ich mich einmal.

Ich darf keine gezielten Anfragen beantworten, insbesondere keine personenbezogenen Hilfestellungen geben, also bitte nicht jetzt anfangen, Mails zu schreiben. In diesem Fall ist es aber allgemein genug:

N.G. schreibt: Aktuelle Fragen von meinen Bekannten (die auch alle Babys und Kleinkinder haben) und mir:

+ Wenn man in einem Gebiet wohnt, wo eine aktuelle Masernepidemie
grassiert – soll man dann sein Baby vorzeitig (ab 9 Monaten) impfen?

Die Masernimpfung wird üblicherweise im 11. oder 12. Lebensmonat durchgeführt (z.B. bei der U6). In allen Fachinformationen der zur Verfügung stehenden Impfstoffe (Masern-Mumps-Röteln oder Masern-Mumps-Röteln-Windpocken) gibt es aber den Passus, dass bei Besuch einer Gemeinschaftseinrichtung vor dem 1.Geburtstag bzw. “wenn eine epidemiologische Situation” diese erfordert, auch früher geimpft werden kann, allerdings nicht vor dem 9. Lebensmonat. Es könnten also ab heute Säuglinge geimpft werden, die vor dem 26. Mai 2014 geboren wurden.

Das ist natürlich eine individuelle Entscheidung. Ist ein älteres Kind in der Familie, besteht dadurch mehr Kontakt zu Kita oder Kindergarten, ist eine frühere Impfung sicher zu erwägen. Erst recht, wenn das zu impfende Kind selbst in die Krippe soll.

Das RKI schreibt: “Nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) kann die MMR-Impfung auch schon vor dem 12. Lebensmonat, jedoch nicht vor dem 9. Lebensmonat erfolgen (vor dem 9. Lebensmonat ist die Wirksamkeit durch das Vorhandensein mütterlicher Antikörper und durch die Unreife des kindlichen Immunsystems häufig stark vermindert). Eine Impfung ab einem Alter von 9 Monaten kann unter Berücksichtigung der gegebenen epidemiologischen Situation insbesondere in folgenden Situationen erfolgen:
bevorstehende Aufnahme in eine Gemeinschaftseinrichtung
nach möglichem Kontakt zu Masernkranken
Sofern vor dem Alter von 11 Monaten geimpft wird, muss die 2. Impfung bereits zu Beginn des 2. Lebensjahrs erfolgen, da persistierende maternale Antikörper im 1. Lebensjahr die Impfviren neutralisieren können.
Für eine MMR-Impfung von Säuglingen unter 9 Monaten fehlen umfassende Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit, so dass diese Säuglinge z.B. in einem Ausbruchsgeschehen in erster Linie durch Impfungen der Kontaktpersonen in der Umgebung zu schützen sind. Individuelle Risiko-Nutzen-Abwägungen können eine Impfung mit 6 bis 8 Monaten ausnahmsweise begründen. Vor dem Alter von 9 Monaten geimpfte Säuglinge sollen zum Aufbau einer langfristigen Immunität 2 weitere Dosen MMR-Impfstoff im 2. Lebensjahr erhalten. Nach Kontakt zu Masernkranken können unter 9 Monate alte Säuglinge nach individueller Risiko-Nutzen-Abwägung alternativ Immunglobuline zum Schutz vor einer Erkrankung erhalten. Nach einer Immunglobulin-Gabe ist die MMR-Impfung für 5 bis 6 Monate nicht sicher wirksam. Dies sollte bei der Indikation zur Immunglobulin-Gabe berücksichtigt werden.”

+ Soll man während einer Masernepidemie “öffentliche Orte” mit
ungeimpften Babys vermeiden? Was tun, wenn das kaum machbar ist
(Einkaufen, Öffentl. Verkehrsmittel, etc)?

Ich halte das für überzogen und realitätsfern. Man kann sich nicht überall gegen alles schützen. Fernhalten würde ich mich allerdings aus Kindergärten und Schulen, wo es Masernfälle gab.
Ob ein Maserninfizierter im Ed.e.ka rumrennt oder die U-Bahn benutzt – auszuschließen ist das nicht. Ist er erkrankt, sind die Eltern hoffentlich vernünftig genug und lassen ihn daheim.
[Edit] Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte hat dazu eine etwas strengere Auffassung und empfiehlt mit der PM vom 27.2., “Familien mit Säuglingen, Menschenansammlungen zu vermeiden”.

+ Soll man während einer Masernepidemie Kontakte zu anderen
Babys/Kleinkindern vermeiden (Krabbelgruppen, Babyschwimmen, etc.)?

Das gleiche wie oben. “Babys” sind per definitionem Kinder unter einem Jahr, die in der Regel ja eh noch nicht gegen Masern geimpft sind. In einer Krabbelgruppe mit “Babys” ist die Chance einer Maserinfektion eher gering. Da diese Gruppen aber überschaubar sind und man sich ja kennt, darf die Frage schon gestellt werden, ob es ungeimpfte Geschwisterkinder gibt.
Gibt es masernerkrankte Geschwisterkinder, ist das inkubierte Geschwisterbaby sowieso zu Hause zu lassen, es wird die Masern zu 99,9% ebenfalls bekommen (und auch weitergeben).

Nochmal, liebe Eltern: Kommunziert! Fragt in Euren Gruppen, Kitas und Kindergärten nach der “Impflage”, diskutiert und erhöht den Druck auf die Anbieter und Kita/Kiga-Träger, nur geimpfte Kinder aufzunehmen.

+ Welche Vorsichtsmaßnahmen können Eltern mit ungeimpften Babys während einer Masernepidemie treffen? Verwandtschaft nochmal extra auf Masern ansprechen und ggf. nachimpfen?

Ja! Die einzige Schutzchance für Säuglinge sind die anderen, die sich hoffentlich impfen lassen, also Oppa, Omma, Tagesmutter, jeder Kontakt.
Alle Erwachsenen, die nach 1970 geboren sind und keine oder nur eine Masernimpfung hatten, sollten sich einmalig gegen Masern impfen lassen. So empfiehlt es die STIKO.

Masern-Infoblatt aus Neukölln von 2015
Masern-Infoblatt aus Berlin von 2012, ausführlicher und radikaler im Verbot des Schulbesuches für Ungeimpfte

Masern: Todesfall in Berlin

Nun ist es dann passiert: Ein Kleinkind ist während der aktuellen Masernepidemie in Berlin verstorben, wie dpa berichtet und auch vom Berliner Gesundheitssenator bereits bestätigt. Genauere Informationen, wo sich das Kind infiziert hat, sind noch nicht bekannt, es war aber wohl ungeimpft.

Bei derzeit gemeldeten 574 Masernerkrankten in der Hauptstadt wird damit die aus der Literatur bekannte Letalitätsrate von 1:1000 leider unterschritten. In manchen Facebook-Foren geisterte bereits die Nachricht und wurde, wie üblich, von Impfkritischen als unwahr und Propaganda der Pharmaindustrie abgebügelt. Wieder wird aus dieser Richtung behauptet werden, “das Kind ist ja nicht an Masern gestorben”, sondern an etwas anderem. Vielleicht hatte das Kind auch eine chronische Erkrankung, die man bis dato nicht erkannt hatte, und die sich durch die Maserninfektion verschlechterte und schließlich zum Tod führte?

Aber wie der österreichische “Arzt” und Impfgegner Loibner so schön behauptet: Kinder sterben ja nicht an den Krankheiten, sondern an der schlechten Ernährung oder den Hygieneumständen. Wer stellt sich eigentlich vor die Eltern und sagt ihnen, dass ihr Kind nicht an Masernviren gestorben sei, sondern an mangelnder Hygiene oder gar (auch schon von Viren-Leugnern gehört) deswegen, weil “der Körper nach der Krankheit verlangt habe”? Da möchte man zynisch werden: Der Entwicklungsschub, den sich manche Eltern von Kinderkrankheiten erhoffen, wird bei diesem Kind wohl ausbleiben. Entschuldigung.

Keine Mutter oder Vater sollte erleben, wie das eigene Kind stirbt. Die Begleitumstände sind in der Trauer egal. Wir sollten uns hüten, Schuldzuweisungen zu verbreiten oder trotzig auf die Impfgegner zu zeigen. Viel Kraft den kinderärztlichen Kollegen, die in dieser Situation den Eltern beistehen.

Achtung! Schon wieder Impfungen!

Tut mir leid, noch ein Impfthema…

Leser B. hat bei mir angefragt, worauf er und seine Frau bei dem eigenen Impfschutz achten müssen, wenn demnächst ihr erstes Kind zur Welt kommt. Superfrage! Superthema!

Impfempfehlungen für Jungeltern bzw. alle Eltern/Paare, die demnächst vorhaben, Kinder in die Welt zu setzen bzw. jeden Erwachsenen:

*** Es sollte ein Impfschutz gegen Tetanus/Diphtherie/Polio/Keuchhusten vorliegen: Jede dieser Impfungen sollte nicht länger als zehn Jahre zurückliegen. Also bitte in den Impfpass schauen, die entsprechenden Zeilen suchen (wird i.d.R. in Kombination geimpft) und das Datum checken. Keuchhusten heißt übrigens Pertussis. Fehlt die Impfung oder liegt sie länger als zehn Jahre zurück: 1x Auffrischen lassen mit einem Kombiimpfstoff.

Vor allem Keuchhusten ist in diesem Fall wichtig: Der Säugling kann sich damit anstecken, es besteht kein ausreichender Nestschutz. Die meisten Fälle von Keuchhusten im Neugeborenen und frühen Säuglingsalter werden durch nahe Kontaktpersonen (Eltern, Oma und Opa) übertragen (“Die Omma hustet schon drei Wochen, aber sonst gehts ihr gut…”)

Leider wird oft der Keuchhustenschutz vernachlässigt – Hausärzte impfen dann alle zehn Jahre fröhlich Tetanus, aber nicht in Kombination mit Pertussis. Die o.g. Empfehlung gibt es aber bereits über zehn Jahre.

[Edit] – Polio muß nach Grundimmunisierung und einmalige Auffrischung nicht mehr nachgeimpft werden.

*** Masern: Eigenes Alter überprüfen ;-) — Erwachsene, die nach 1970 geboren sind, entweder a) wissentlich keine Masern durchlaufen haben oder b) nur eine oder keine Masernimpfung haben, sollten sich dagegen 1x impfen lassen (in Kombination mit Mumps oder Röteln – für diese Impfungen gilt die gleiche Empfehlung)

*** Windpocken: Hier empfiehlt die STIKO eine Impfung für “Seronegative Frauen mit Kinderwunsch”, “Empfängliche Patienten mit schwerer Neurodermitis”, und “Empfängliche Personen mit engem Kontakt zu den beiden zuvor Genannten” (also die zugehörigen Partner, Geschwister, Oma und Opa). Was sind nun “Empfängliche Personen“? Lt. STIKO, wenn keine Impfung erfolgt ist, oder keine Varizellen sicher durchlaufen wurden oder wenn bei serologischer Testung keine spezifischen Antikörper nachgewiesen wurden. Ich empfehle den Eltern eine Impfung, wenn keine Windpocken in der Kindheit stattfanden. Diese erfolgt 2x im Abstand von 4-6 Wochen.

**** Influenza: Die STIKO empfiehlt “allen Schwangeren ab 2. Trimenon, bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens ab 1. Trimenon” auch die Grippe-Impfung. Die Väter werden hier nicht ausdrücklich genannt.

Natürlich gibt es weitere Impfungen, sie sind aber aktuell nicht relevant für den frischen Säugling. Es gibt hierzu keine Empfehlung, dennoch kann man für den Selbstschutz natürlich die Impfungen durchführen lassen.

Was machen Schwangere, denen eine der o.g. Impfungen fehlen? Die Impfungen sind in der Schwangerschaft nicht zugelassen, daher sollte möglichst zügig nach Entbindung geimpft werden, bei Stillenden ist das eigentlich kein Problem. Besser ist es jedoch, bereits vor Konzeption seinen Impfschutz zu aktualisieren (also immer). Frauenärzte und Hausärzte sind angehalten, lt. STIKO “bei jeder Gelegenheit” den Impfschutz zu überprüfen.

Aktuellste Impfempfehlungen der STIKO

Unser Berufsverband zur Impfpolitik in Deutschland

Kinder- und Jugendärzte: Politik tut nicht genug für Durchimpfung – “Beratungspflicht allein ist zu wenig”

“Gesundheitsminister Gröhe und Entwicklungshilfeminister Müller haben sich bei der Gavi-Konferenz am 26. 1. und 27.1. in Berlin zur globalen Kindergesundheit und zum Grundrecht eines jeden Kindes auf Schutz durch Impfungen geäußert und sich zugleich auch über die nachlassende Impfbereitschaft in Deutschland beklagt. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte begrüßt diese Haltung, erinnert jedoch gleichzeitig daran, dass der unzureichende Impfschutz und die nachlassende Impfbereitschaft politische Gründe haben und mit den Mitteln der Politik stärker als bisher bekämpft werden müssen.

“Die Bundesregierung handelt nicht konsequent genug, um das Recht eines jeden Kindes auf bestmögliche gesundheitliche Versorgung und auf Schutz durch Impfungen auch in Deutschland durchzusetzen,” so Dr. Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte heute in Köln. “Eltern in Deutschland haben immer noch das Recht, ihren Kindern den Impfschutz vorzuenthalten und Flüchtlingskinder erhalten nur Zugang zu einer eingeschränkten Gesundheitsversorgung ohne Prävention. Beides sind unhaltbare Zustände, die schleunigst behoben werden müssen. Die im Entwurf des Präventionsgesetzes vorgesehene Impfberatung vor Eintritt in den Kindergarten wird dies nicht bewirken. Der Beratungspflicht muss eine Impfpflicht folgen, wenn das Kind eine öffentliche Einrichtung besuchen soll. Anders geht es nicht! Wir Kinder- und Jugendärzte beraten seit vielen Jahren die Eltern im Rahmen der Kindervorsorgen umfassend zu den öffentlich empfohlenen Impfungen. Harte Impfgegner lassen sich davon nicht überzeugen, wie die Vergangenheit vielfach gezeigt hat. Sie verweigern ihren Kindern die Impfung und gefährden sie damit. Und sie gefährden auch die Kinder, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können. In den letzten Jahren hat es als Folge dieses unverantwortlichen Nicht-Handelns immer wieder Masernausbrüche gegeben.

Wir fordern daher den Gesundheitsminister mit allem Nachdruck auf, auf politischer Ebene dafür zu sorgen, dass wir Durchimpfungsraten von wenigstens 95 Prozent erreichen und somit auch Kinder schützen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können! Alles andere ist unglaubwürdig.”

(Regine Hauch)

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Dies ist eine Pressemitteilung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. Der BVKJ ist in dieser Frage Hardliner und Anwalt des Kindes. Ich finde die Linie richtig, auch wenn der Verband dabei sogar bei manchen seiner Mitglieder dicke Bretter bohren muß.

Impfungen tun, wie meine Tochter sagen würde.

Gut, dieser Link ist geklaut, zugegeben, aber sind das nicht alle Links? Außerdem lebt davon das Internet, und dieser schöne Cartoon illustriert alles, was es zu dem Thema Wichtiges zu sagen wäre.

Impfungen tun, wie meine Tochter sagen würde:

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Impfberatung vor Kita?

Heute ging es durch die Nachrichten: Laut dpa möchte das Gesundheitsministerium eine verpflichtende Impfberatung für die Eltern vor Kita-Eintritt des Kindes in das neue Präventionsgesetz aufnehmen. So kommentiert es Jens Spahn, der Aufsteiger gesundheitspolitische Sprecher der CDU und sein Minister Gröhe.

Grundsätzlich finde ich das gut. Durch die Aufnahme ins Gesetz erhält die Impfberatung und der Impfgedanke die nötige Wertigkeit. Ein richtiges Signal, bzw. “ein erster Schritt in die richtige Richtung, um die Impfquoten in Deutschland zu erhöhen”, wie der BVKJ prompt sekundierte.

Ein paar kritische Gedanken:

– Wer darf die Impfberatung durchführen? (der ÖGD? Der behandelnde Kinder- und Jugendarzt? Der Allgemeinmediziner?) Wer bescheinigt und steht dafür grade, dass die Beratung umfassend ist (alle empfohlenen Impfungen, Risiken, Verantwortung)?
– Was bedeutet Impfberatung? Wenn Herr Hirte ein impfkritischer Arzt oder gar Herr Raabe ein Impfgegner berät, dürfte das anders ausfallen, als z.B. bei mir?
– Wann findet die Beratung statt? Reicht die Beratung (wie üblich) im ersten Lebensjahr bei den ersten Impfungen und nochmals bei der zweiten “Impfrunde” nach dem ersten Geburtstag? Erübrigt sich die Beratung, wenn das Kind sowieso mit 15 Lebensmonaten alle Impfungen bekommen hat?
– Wer bezahlt die dann gesetzlich verankerte Impfberatung? Auch eine Kindergartenuntersuchung ist schließlich keine Kassenleistung.
– Was passiert, wenn keine Impfberatung erfolgt? “no advice, no preschool”?

Bescheinigungen hat man ja gerne in Deutschland. Auch die Bescheinigung zum Kindergarteneintritt, wie es das Kindergartengesetz fordert, ist doch nicht das Papier wert, auf der sie steht. Wie wird das mit dem Impfberatungspapier werden? Wieder traut sich niemand, ganz die Hosen runterzulassen, sondern hält sich ein Feigenblatt “davor”.

Ich bezweifle, dass Impfungen in Deutschland unterbleiben, weil die Eltern die Impfungen vergessen oder nicht ausreichend informiert sind. Das Thema ist doch sehr präsent. Für viele löst genau das den Reflex aus, gerade deshalb nicht zu impfen. Was verpflichtend wird oder mit zuviel Druck gefordert, wird erst recht abgelehnt. Kennen wir auch von Trotzkindern.
Bringt also ein Impfberatungsschein mehr Information? Oder nur mehr Druck, dem man Gegendruck entgegenbringt?

Ich hätte mir einen schriftlichen Nachweis der nicht erfolgten Impfungen beim Kindergarteneintritt gewünscht. Außerdem eine verpflichtende Impfberatung für ErzieherInnen, damit dort mehr Bewußtsein gefördert wird. Vielleicht wäre eine Beratung seitens des Landes oder der Stadt besser – “kinderfreundliche Kommunen” sollten auch das Impfen zur sozialen Verantwortung erheben.
Zur Impfpflicht, wie es der BVKJ fordert, habe ich schon geschrieben.

Brett

Dieses Jahr wird´s mal wirklich spannend, und aus medizinischer Sicht erfolgsversprechend: Die Vergabe für das “Goldene Brett 2014″. Nominiert sind diesmal (Texte von der Homepage):

Barbara Steffens: Die Gesundheitsministerin des Landes Nordrhein-Westfalen ist eine deklarierte Anhängerin von Alternativmedizin (…) Besonders problematisch ist (…), dass sie als Politikerin die Alternativmedizin auch an Universitäten verankern will. Außerdem ist sie der Meinung, dass Alternativmedizin nicht nach den üblichen wissenschaftlichen Wirksamkeitskriterien beurteilt werden kann (…)”

Xavier Naidoo: (…) Er sorgte mit seiner Nähe zur rechtsgerichteten „Reichsbürgerbewegung“ für Aufsehen, die die Existenz der Bundesrepublik Deutschland leugnet. Naidoo begab sich damit in ein Netz aus Verschwörungstheorien, die von den Anschlägen vom elften September bis zur Finanzkrise reichen. Seine große Popularität als Musiker führt insbesondere junge Menschen in eine abstruse Gedankenwelt aus unhaltbaren Behauptungen, in denen Hass und Angst mehr zählen als Fakten. (…)”

und mein persönlicher Favorit:
Netzwerk Impfentscheid: Impfungen haben vermutlich mehr Menschenleben gerettet als jede andere Präventionsmaßnahme der modernen Medizin. Trotzdem gibt es eine hartnäckige, lautstarke Impfgegner-Community, die sich zum Ziel gesetzt hat, diese Erfolgsgeschichte zu beenden. (…) Vereine wie „Netzwerk Impfentscheid“ verbreiten die Vorstellung, dass Impfen nutzlos und sogar schädlich sei. Insbesondere jungen Eltern wird oft eingeredet, dass sie ihre Kinder nicht impfen sollen – eine Falschinformation, die tragische Folgen haben kann.”

—–
Ich bin voller Hoffnung, das letztere gewinnen, um nicht bei der Preisverleihung Politiker-Geschwurbel oder Xaviers Sangesfreuden erleben zu müssen. Als Signal für die Vernunft wäre es auch was Feines. Leider gibt es nach der Nominierungsphase keine Zuschauer/Leser-Beteiligung mehr. Meine Stimme wäre klar.

[Edit] Ein wenig schade: Der Naidoo hat gewonnen – vielleicht ist das wiederum seiner Popularität geschuldet — leider kein Brett für die Verführungskünste der Eltern für Frau Steffens oder das Impfentscheidnetzwerk. [Edit]

Kinderrechte ins Grundgesetz

“Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte begrüßt die Forderung der beiden SPD-Abgeordneten Sönke Rix und Frank Schwabe, die Kinderrechte ins Grundgesetz aufzunehmen. Sönke Rix, Sprecher der Arbeitsgruppe Familie, Senioren, Frauen und Jugend, und Frank Schwabe, menschenrechtspolitischer Sprecher hatten anlässlich des Kinderrechtetages in Berlin diese Forderung erhoben.

BVKJ-Präsident Dr. Wolfram Hartmann: “Wir brauchen die Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz dringend. Es kann nicht sein, dass Tiere und die Umwelt den besonderen Schutz der Verfassung genießen, Kindern dieser besondere Schutz aber verwehrt bleibt. Auch wenn es den meisten Kindern in Deutschland gut geht, werden jeden Tag Kinderrechte gebrochen. 2,5 Millionen Kinder in Deutschland leben von staatlichen Transferleistungen, sie werden oft von ihren Eltern schlechter gefördert als ihre Altersgenossen aus gutbürgerlichen Familien, ihre Bildungschancen sind geringer, die Gefahr, ohne Ausbildung in eine Armutsspirale zu geraten und von gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen zu sein, ist groß.

Flüchtlingskinder erleben in unserem Land jeden Tag die Verletzung ihrer ureigenen Rechte. In vielen Bundesländern dürfen sie nicht zur Schule gehen, der Staat gewährt ihnen nicht die gleiche medizinische Versorgung wie anderen Kindern.

Alle Kinder in diesem Land – ob arm, ob reich – erleben hier, wie der Staat ihr Recht auf Bildung einschränkt. Gerade erst hat eine Umfrage ergeben, dass Deutschlands Schulen allenfalls Mittelmaß sind bei der Ausstattung mit modernen Lehrmitteln wie Computern. Für ein reiches Land wie Deutschland, dessen Politiker in Sonntagsreden so gerne den “Bildungsstandort Deutschland” beschwören, ist das eine Schande.

Es ist also höchste Zeit für den längst überfälligen Grundrechtsschutz der Kinderrechte. Daher unterstützen wir das Anliegen der SPD mit ganzer Kraft – und fragen uns, wo die CDU in dieser Debatte bleibt. Die Partei, die sonst so gerne als Hüterin der Familien auftritt, versteckt sich beim Thema Kinderrechte.”
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Eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V.

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Mir gefällt in diesem Zusammenhang natürlich vor allem der Artikel 24 der Kinderrechte: “Jedes Kind hat das Recht auf ein Höchstmaß an Gesundheit, auf Gesundheitsvorsorge und medizinische Betreuung.”
Das wäre doch auch mal ein Schritt in die richtige Richtung, was das Recht auf Impfungen angeht. Sieht auch der BVKJ so. Anders formuliert: Impfungen sind ein Höchstmaß an Gesundheitsvorsorge. Sollten die Kinderrechte mal im Grundgesetz verankert sein, dürfte es Eltern schwerer fallen, ihren Kindern Impfschutz zu verweigern.

Hanisauland und die Kinderrechte
Impfung auch gegen Elternwille?

Die Bildzeitung fordert die Impfpflicht – Aliana und die Masern

Das hätte ich mir auch nie zu träumen gewagt, aber ich verlinke hier tatsächlich auf eine Seite der BILD-Zeitung und parallel zur nächsten Springer-Presse “Die Welt” und die RTL-Nachrichten aus Hessen. Aber: Dies ist ein Fall, der an die Öffentlichkeit gehört, vielleicht kann mein Blog zum Streuen beitragen.

Aliana ist im Säuglingsalter an Masern erkrankt, ihre Mutter war leider ungeimpft, daher hatte die Säugling keinen Nestschutz (der bestehende Nestschutz bei den meisten Müttern ist der Grund, warum man erst spät gegen Masern impft). Bei ihr war nur eine Bindehautentzündung auffällig, die eigentlichen Morbilli wurden erst im Nachhinein im Blut nachgewiesen. Nach normaler Ausheilung und Entwicklung kam es zur Spätfolge der Maserninfektion im 4. Lebensjahr, die Subakute sklerosierende Panenzephalitis, kurz SSPE, welche zum schnellen Verfall der Kinder führt. Aliana wird daran sterben.

Die Erkrankung ist nicht häufig, sie tritt nicht regelhaft nach Masern im Kindesalter auf – Gott sei Dank – aber mit erhöhter Wahrscheinlichkeit, wenn kleineres Säuglinge an Masern erkranken, vielleicht weil sie dann nicht ausreichend Antikörper entwickeln, um das Virus vollständig abzutöten, das weiß man nicht genau. Das Risiko einer SSPE liegt bei 1:3300 Masernfällen.

*** Die BILD zur aktuellen Maserndiskussion – sie fordert eine Impfpflicht, populistisch, aber zu diskutieren. (Ergänzung zum Artikel: Hier wird nur die 2. Masernimpfung hervorgehoben. Die 1.Masernimpfung wird natürlich ab dem 12. Lebensmonat empfohlen. Kinder, die früh in eine Kita kommen, können bereits ab 10. Lebensmonat geimpft werden).
*** “Die Welt” schildert das nochmal etwas entspannter und illustriert die schlechten Impfquoten.
*** Video der RTL Hessen über die Alianas Familie.

Wer Alinas Familie unterstützen möchten, kann hier spenden:
Hilfe für Aliana e.V
KTO: 62828
BLZ: 532 500 00
Zweck: Spende für Aliana
IBAN: DE67 5325 0000 0000 0628 28
BIC-/SWIFT-COD : HELADEF1HER

Facebook “Aliana kämpft um ihr Leben”
Max war auch an SSPE erkrankt. Er ist im Frühjahr gestorben.

Schluckimpfung ist süß, Google ist süßer

Gestern jährte sich zum hundertsten Mal der Geburtstag von Jonas Salk, dem Entwickler der Impfung gegen die Kinderlähmung (Poliomyelitis). In der oralen Verabreichung (Erdacht von Albert Sabin) konnte die Impfung weltweit eingesetzt werden. Aus diesem Anlass änderte Google sogar sein Doodle und ehrte damit den Wissenschaftler:

salk

Artikel von Google über das Doodle
Aktuelle Zahlen des RKI zur Kinderlähmung: “Als noch nicht Polio-freie Länder gelten laut WHO aktuell neben den drei Endemieländern Pakistan, Afghanistan und Nigeria noch sieben weitere Staaten: Syrien, Irak, Kamerun, Äquatorial Guinea, Äthiopien, Somalia und Israel. In diesem Jahr wurden bislang insgesamt 243 Poliofälle gemeldet, davon 224 in den Endemieländern, 206 Fälle (85 %) allein in Pakistan (Stand: 14. Oktober 2014). Das ist die höchste Zahl an Neuerkrankungen in Pakistan seit dem Jahr 2000.”
NY-Times Bericht über die heutigen Polio-Risikogebiete
Über die irrsinnigen Bedingungen beim Impfen in Pakistan

Während Salk für die US-Amerikaner (und eigentlich alle Mediziner dieser Welt) ein Held ist, gibt es immer noch Leute, die sich über die Forschung am Polio-Virus lustig machen

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