Impfschutz für Eltern

Zur Internationalen Impfwoche nehme sich ein/e jede/r seinen/ihren eigenen Impfpass hervor und schaue nach:

Diphterie: Ist in den letzten 10 Jahren eine Impfung erfolgt?

Keuchhusten: Ist in den letzten 10 Jahren eine Impfung erfolgt?

Tetanus (Wundstarrkrampf): Ist in den letzten 10 Jahren eine Impfung erfolgt?

Poliomyelitis: Wie oft wurdest Du geimpft?
– Viermal? Dann bist Du sicher geschützt.
– Dreimal? Dann bist Du eventuell nicht sicher geschützt – kommt auf den Impfstoff an.
– Zweimal oder weniger? Impfen!

Masern:
– Vor 1970 geboren? oder
– Insgesamt zweimal geimpft? oder
– Als Erwachsener einmal geimpft oder
– Maserntiter nachgewiesen oder
– Vom Arzt bestätigt durchgemachte Masern? – alles klar, sonst impfen!

Das sind die wichtigsten Impfungen, die seitens des RKI für Erwachsene empfohlen werden. Wenn Du Kinder hast, achte auch auf den Impfschutz gegen Windpocken (durchgemacht oder einmal geimpft), eventuell auch gegen Meningokokken C.

Außerdem, wichtiger Tipp: Impformiere Dich über empfohlene Impfungen, Risiken und Nebenwirkungen bei dem Arzt Deines Vertrauens oder vertrauenswürdigen, wissenschaftlich fundierten Seiten im Internet. Meide Elternforen, Schwurbelseiten oder Facebook-Impfkritik-Gruppen.

 

Fragen und Antworten

Wieso ist es besonders für Eltern wichtig, sich impfen zu lassen?
1.) Eltern haben oft engen Kontakt zu Säuglingen, die selbst noch nicht vollständig geimpft sein können und darum besonders gefährdet sind. Keuchhusten z.B. kann für Säuglinge lebensbedrohlich sein.
2.) Junge Erwachsene haben häufig Impflücken.
3.) Erwachsene haben bei bestimmten Erkrankungen z.B. bei Masern ein höheres Risiko für Komplikationen.

Kann es sein, dass der Impfcheck irrt?
Der Impfcheck ist teilweise vereinfacht und ist deswegen nicht in jedem Ausnahmefall korrekt. Im Zweifelsfall halte Rücksprache mit einem Arzt.

Wie gefährlich sind Impfungen?
Impfungen haben auch Nebenwirkungen. Insgesamt ist die Gefahr durch die Krankheit viel höher als die Gefahr durch die Impfung. Auf der Seite http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/Bedeutung/Schutzimpfungen_20_Einwaende.html finden sich Antworten zu Einwänden gegen Impfungen.

Gilt dieser Impfcheck auch für Kinder?
Nein, dieser Impfcheck gilt nur für Erwachsene.

Muss ich mich regelmäßig impfen lassen?
Gegen Wundstarrkrampf und Diphtherie muss der Impfschutz alle 10 Jahre erneuert werden. Andere Impfungen (z.B. gegen Masern) hinterlassen einen lebenslangen Schutz.

Wo kann ich mich über Impfungen informieren?
Auf der Seite www.impfen-info.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gibt es unabhängige und leicht verständliche Informationen. Auch auf der Webseite des Robert Koch-Institutes finden Sie unabhängige Antworten auf alle Fragen rund ums Impfen: www.rki.de/impfen.

Gegen welche Erkrankungen kann man sich noch impfen lassen?
Es gibt Impfungen gegen viele Erkrankungen. Wenn Sie einer Risikogruppe, z.B. medizinisches Personal angehören empfiehlt die STIKO weitere Impfungen. Schauen Sie hierzu auf die oben angegebenen Seiten.

(nach dem “Impfcheck für Erwachsene” der Nationale Impfkonferenz Berlin, Berlin, 18.- 19. 06. 2015, (c) Creative Commons CCZero)


Übrigens: Das Spiel zum Welttag des Buches läuft noch😉

Sanfte Medizin

Vater: “Der hustet jetzt seit zwei Wochen.”
Ich: “Kenn ich. Mache ich auch grad durch.”
Vater: “Und, was machen Sie da?”
Ich: “Kamillentee, Lutschbonbons, viel an die frische Luft und früh ins Bett gehen.”
Vater: “Und damit wollen Sie meinen Sohn jetzt abspeisen?”
Ich: “Sie haben gefragt.”

Sonst wird immer gefragt: “Und, würden Sie Ihren Kinder diese Medikamente auch geben, wenn das jetzt Ihr Kind wäre?”
Ja, Mensch, Ja!

Gadgets, die Dein Kind schon immer brauchte

Das letzte Bild in dieser Reihe veranlasste mich zu einer wilden Tour durchs Netz
– was wird alles für Schrott angeboten, um Kinder…, mmh, … zu ärgern?

Viel Spaß:

Interessant dabei: Kinder erlernen auch ohne den ganzen Schund das Laufen.
—————

Eine Schnullerrunterfallschutzautomatik. Damit der böse böse Schmutz nicht an das Sabberteil kommt. Naja. Besser als Abschlecken.
—————

Was ist das? Ein Strohhalmverlängerungs-Gadget für das Auto? Oder ein Stillhalte-Immer-was-zum-Saufen-Teil? Oder ein Nonstop-Nieren-Spül-Gerät?
—————

Das heißt tatsächlich iPotty. Kommentar überflüssig. Fortsetzung am Ende dieses Artikels.
—————

Hundeleine für große Hunde, also, Kinder. Ich konnte die Variante mit dem Halsband leider nicht finden. Wie schade.
—————

Ok. Das ist ja prinzipiell nicht übel. Schließlich soll der junge Mann das Zielen üben. Gibts auch in anderen Varianten. Aber, äh, Hallo? Wollten wir nicht, dass sich die Jungs *hinsetzen*?
—————

Noch was zum Anleinen und “Laufenlernen”. Bitte, Leute: Stützräder fürs Laufen, oder was soll das sein?
—————

Der Klassiker. Wird hier überall noch verkauft. Sogar unter dem schönen Begriff “Lauflernhilfe”. Ergebnis: Späteres Laufen, Spitzfüße, Stürze auf der Treppe, Querschnittslähmungen (tatsächlich passiert). Abschaffen. Verbieten.
—————

Und der Auslöser für das Ganze hier. Die iPad-Halterung für die Wippe (die ist alleine schon blöd für die motorische Entwicklung).
Die Amazon-USA-Kommentare schwanken zwischen Entrüstung und Begeisterung (wenn man das Teil für “handicapped” Kinder einsetzt, für die solche Halterungen ein Vermögen kosten, wenn sie nicht von F.ish.er.Pri.ce sind).
———————————–

Ich habe auf die Verkauflinks verzichtet. Spart Euch das Geld. Kauft lieber eine schöne Krabbeldecke. Achja: Und die Schnullerthermometer, die Blumenstirnbänder und Schnullerketten, geschweige denn Bernsteinkettchen habe ich mal gar nicht erst erwähnt… , die mögen nur die Kinderärzte nicht, aber schaden tun sie nicht wirklich.

Ei

Mutter: “Ich möchte keine Flouretten geben, die Hebamme hat gesagt, die Nachbarin warnt im Internet steht, das sei schädlich.”
Ich: “Warum?”
Mutter: “Schließlich ist Fluor ein Nervengift.”
Ich: “Ja, das mag sein, aber Sie geben doch gar kein Fluor.”
Mutter: “… genau, weil die Hebamme …”
Ich: “Sie geben Fluorid.”
Mutter: “Ist das ein Unterschied?”
Ich: “Ja, ungefähr so wie zwischen Schwimmbad und Frühstücksei.”
Mutter: “?”
Ich: “Im Schwimmbad wird das Wasser gechlort, das Gas kann in hohen Mengen schon gefährlich sein. Auf das Frühstücksei machen Sie Chlorid.”
Mutter: “Ich esse mein Frühstücksei mit Salz.”
Ich: “Richtig. Und Speisesalz ist Natriumchlorid. Das ist ein Salz genauso wie Fluorid.”
Mutter: “Achso. Aber ich nehme immer das Himalaya-Salz. Ohne Jod. Und ohne Fluor.”

Ok, ich habe den Dialog etwas komponiert aus zwei Gesprächen mit verschiedenen Eltern. Meist einigen wir uns in solchen Fällen auf
– Fluor mit Vitamin D als Tabletten ab der zweiten Woche, ab dem ersten Zahn putzen der Zähne mit Wasser, sobald das Kind die Zahnpasta ausspucken kann, darf mit fluoridhaltiger Zahnpasta geputzt werden (kinderärztliche Empfehlung) oder
– Vitamin D als Tabletten für zwei Jahre, Fluor in Zahnpasta ab dem ersten Zahn (zahnärztliche Empfehlung) oder Fluoretten.

Wer allerdings weiß, wie effektiv man Kleinkindern die Zähne putzen kann, dürfte die erste Variante die sicherere Fluoridierung der Zähne bringen. Aber die Mär des Nervengiftes geistert weiter durchs Netz.

(Chemiker dürfen in den Kommentaren gerne die genaueren Zusammenhänge darlegen, wir Mediziner belegen da ja nur einen Grundkurs im Vorstudium.)

Empfehlungen der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin

Erfahrung des Alters

Die Oma stellt das Enkelkind vor, einen Säugling, er hat einen roten … mmh … Po.

Oma: “Guckense, der Popo ist schon die ganze Woche ganz rot.”
Ich: “Hat da schon jemand was drauf gemacht?”
Oma: “Meine Tochter, ja, irgendso´ne Salbe aus´m Bioladen.”
Ich: “Aber viel ist da ja nicht drauf.”
Oma: “Macht sie immer nur so ein bisschen, ist ja sauteuer, die Salbe.”
Ich: “Das macht aber dann nicht wirklich Sinn. Imgrunde ist die Salbe egal, aber richtig schön dick draufschmieren sollte man das dann schon.”
Da haut die Oma mit der flachen Hand auf den Wickeltisch, das Klein-Fritjof fünf Zentimeter abhebt.
Oma: “Hab ich´s nicht gesagt? Ich hab´s doch gesagt. Ich. Hab´s. Meiner. Tochter. gesagt.”
Ich: “Was?”
Oma: “Dass man Salbe richtig schön dick draufschmieren muß, sonst bringts nichts.”
Ich: “Ja, das ist richtig.”
Oma, kopfschüttelnd beim Einpacken von Klein-Fritjof: “Mannomannomann, dass die junge Leute nicht auf uns hören. Da lesen sie lieber jeden blöden Scheiß aus dem Internet und glauben dann das. So ein Dreck!”

Mäanderne Anamnese abends um 21 Uhr

Neulich im Notdienst.

Mutter: “Ich wollte das Gesicht mal zeigen, diese Pickel.”
Ich: “Hat sie die noch woanders?”
Mutter: “Nein.”
Ich: “Sonst ist sie nicht krank?”
Mutter: “Nein.”
Ich: “Medikamente? Allergien?”
Mutter: “Nein.”
Ich schau mir die Kleine an. Sie hat eine beginnende Impetigo, eine superinfiziert trockene Haut im Gesicht.
Daher, wie immer bei “Haut”: Mal komplett ausziehen.
Ich: “Oh, aber hier an den Handgelenken ist es auch ganz schön entzündet.”
Mutter: “Achja…”
Ich: “Und der Rest der Haut?”
Mutter: “… ist okay.”
Sie zieht währenddessen den Body über Bobeles Kopf.
Ich: “Aber der ganze Körper ist ja gerötet.”
Mutter: “Ja, das ist oft so.”
Ich: “Sagten Sie nicht, die Haut ist sonst in Ordnung?”
Mutter: “Ja, ein bisschen trocken.”
… ist reichlich untertrieben.
Ich: “Aber sonst ist sie gesund?”
Mutter: “Ja, schon.”
Ich: “Schaue ich mir mal noch Rachen und Ohren an.” Dann: “Oh, das Ohr hier ist aber auch entzündet.”
Mutter: “Ja, das hat die Kinderärztin auch gesagt.”
Ich: “Ach, sie waren heute schon bei der Kollegin?”
Mutter: “Nee, gestern.”
Ich: “Und was sagt die zu der Haut?”
Mutter: “Nichts. Sie meinte, das könne vom Antibiotika kommen.”
Ich: “Welches Antibiotikum?”
Mutter: “… das sie seit gestern kriegt.”
Ich: “Aber gestern war die Haut ja noch in Ordnung, sagen Sie, das konnte die Kollegin ja noch gar nichts zu sagen.”
Mutter: “Doch, das hat die Kinderärztin ja heute gesagt.”
Ich: “Dann waren Sie heute nochmal bei der Ärztin?”
Mutter: “Ja, vor zwei Stunden. Ist aber nicht besser geworden mit der Salbe.”
Ich: “Welche Salbe? Ich dachte, sie kriegt keine Medikamente?”
Mutter: “So eine grün-weiße Verpackung.”
Ich: “Aha. Noch was, was ich wissen muß?”
Mutter: “Nein.
Ich: “Wahrscheinlich hat sich die trockene Haut entzündet mit Bakterien. Da ich nicht weiß, welche Salbe Sie benutzen, schreibe ich Ihnen mal was dafür auf, ja? Das Antibiotikum wird wahrscheinlich auch noch dabei helfen, neben den Ohren.”
Mutter: “Kriegt sie aber nicht mehr.”
Ich: “Was, das Antibiotikum?”
Mutter: “Habe ich weggelassen, weil sie vom Husten immer so gebrochen hat.”
Ich: “Husten tut sie auch?”
Mutter: “Ja, ganz schlimm.”
Ich: “Sagten Sie nicht, sonst ist sie gesund? Gibts denn noch was, was ich wissen muß? Sonst Medikamente? Andere Krankheitszeichen? Irgendwo angesteckt vielleicht?”
Mutter: “Nein, wirklich nicht.”
Also dann noch abgehört, zum Glück “alles frei”, die Kleine (10 Monate oder so) war während der ganzen Aktion am Grinsen und Brabbeln.
Es geht dem Ende der Vorstellung zu. Ich fasse zusammen, händige das Rezept aus.
Mutter: “Und Thymian?”
Ich: “Welches Thymian?”
Mutter: “… das sie als Tropfen kriegt. Wegen dem Husten.”
Ich: “Oh, noch ein Medikament.”
Mutter: “Und das W.ick Vap.o.rub. Auf die Brust. Wegen dem Husten.”
Ich: “Ja, … nun.”
Mutter: “Spielt das eine Rolle, dass ihr großer Bruder letzte Woche Schaalach hatte?”

(Denken Sie sich hier bitte einen großen Seufzer.)
Der nächste Patient und sein Vater, der mir um 21:30 Uhr erzählte, dass sein acht Monate alter Sohn seit “Wochen” nichts mehr esse, waren dagegen eine Erholung.

Armes Kind

Die U7 ist nicht immer einfach: Best of Zorn, Reste vom Fremdeln und viiiel Ego, das sich Bahn brechen will. Bedeutet für die fMFA und mich viel Motivation, Intuition und … tiefes Durchatmen. Aber wenn’s mal gut läuft, dann macht die Vorsorge auch unendlich Spaß, weil die Kinder noch unverstellt und sie selbst sind. Immerhin sind alle Impfungen bereits vor einem halben Jahr abgearbeitet.

Ryan-Luc war bereits beim Wiegen und Messen skeptisch, probierte zu toben, fing sich wieder, sprach mit der fMFA, wehrte wieder ab, erwartete mich mit einem Blick aus wissenden Augen. Ich sprach mit den Eltern, ließ ihn gewähren, wir thematisierten das Vorbereiten auf den Arztbesuch, Erfahrungen beim Doktor (das leidige Impfen, das doch alle meist schon wieder vergessen haben).

Die Untersuchung ist ein ständiges Hin und Her zwischen körperlichem Checkup, Zulassen und Abwehren, sinnvollem Hinhören und -sehen und ständigen Spielelementen. Ryan-Luc macht sich super, zeigt am Ende alles, was er kann und schenkt mir sogar ein paar seiner besten Wortsatzbruchstücke. Stimmung: Völlig in Ordnung.
Eine der besseren U7.

Sagt der Vater kurz bevor ich durch die Tür gehe: “Na, siehste, Ryan-Luc, alles ok, und jetzt gibt’s noch ’ne Spritze, ja?”

Quickie, zu schade fürs Twittern

Ich: “Und seit wann hat er jetzt die Schniefnase?”
Mutter: “Bestimmt schon den dritten, vierten Tag.”
Ich: “Wie schlimm ist es denn?”
Mutter: “Gestern waren´s noch zwei Packungen Tempo, heute sind wir schon bei drei…”

Hilfe! Mein Kind glüht!

Ein ganz häufiges Gespräch:

Mutter: “Ich habe jetzt keinen Termin, weil, das ist ganz dringend, meine Tochter hat soo hohes Fieber.”
Ich: “Und wie hoch ist die Temperatur? Wie haben Sie denn gemessen?”
Mutter: “Achtunddreißigkommazwo! An der Stirn!”

PoorlyMmh, nun ja.
Die Angst vor oder bei Fieber ist sicher eine der stärksten, die Eltern bei ihren Kindern durchleben, vor allem, wenn das Kind noch klein ist oder das erste Mal Temperatur entwickelt. Da gibt’s viele Fehlinformationen, wieder einmal viele irrationale Befürchtungen und Behandlungsvorschläge.
Wie die obige Mutter verhalten sich viele, auch die Väter, na klar – die sind manchmal noch besorgter: Es wird viel Temperatur gemessen, oft falsch bzw. an der falschen Stelle und die Interpretation hakt.

Wann sollte man Fieber messen?
Wenn man es fühlt. Ganz einfache Antwort. Da wir selbst eine normale Körpertemperatur von ca. 37 Grad haben, empfinden wir Temperaturen darüber als “erhöht”, eine Hauttemperatur von 38 oder noch höher spüren wir. Wenn das Kind entsprechend quengelt, nicht isst oder trinkt (vor allem die Säuglinge), darf gemessen werden.
Im Umkehrschluß heisst das: Ein gesundes Kind braucht keine Temperaturmessung. Also auch kein Säugling nach Entlassung aus dem Krankenhaus, auch kein Kind, dessen Geschwister krank sind.
Medizinisches Personal ist da natürlich anders: Bei einem Neugeborenen wird i.d.R. im Wochenbett Temperatur gemessen, auch die fMFA beim Kinderarzt misst eventuell, das ist neben dem Ritual nur eine zusätzliche Information.

Wie misst man Temperatur?
Am besten im Po oder Ohr, axillär oder im Mund kann man vergessen, und die neuen Stirnthermometer sind bei langem nicht so gut, wie es die Werbung suggeriert. Die rektale Messung (also Po) ist der Goldstandard, hier befindet sich die Messung am nächsten zum Körperinneren und erfasst damit am besten die so genannte Körperkerntemperatur. Wir messen in der Praxis bis zum ersten Geburtstag stets rektal. Sind Kinder das von Anfang an gewohnt, geht es auch bei Älteren. Technik: Thermometer vorsichtig bis zum Verschwinden der Metallspitze einführen (Salbe ist erlaubt) und aufs Piepsen warten. Thermometer mit flexibler Spitze gibt es, da braucht man keine Angst zu haben, etwas zu verletzen.
Dann folgt die Messung im Ohr. Moderne Fieberthermometer sind praktisch deckungsgleich mit der rektalen Messung, aber erst ab einem Jahr nutzbar (wegen des schmalen Gehörgangs und der Fehlmessungen). Dabei sollte den Gehörgang “entlang” gemessen werden, d.h. man zielt auf das Trommelfell, das liegt ungefähr in Verlängerung des Ohreintritts in Richtung des gegenüberliegenden Auges!

Und was mache ich nun mit der gemessenen Temperatur?
Es gibt Grenzwerte, diese kleine Tabelle hilft:
Säuglinge: Normaltemperatur bis 37,5 Grad, ab dann spricht man bereits von Fieber
Kleinkinder (ca. bis 3 Jahre): erhöhte Temperatur 37,5 – 38,5 Grad, ab 38,5 Grad Fieber
Größere Kinder: erhöhte Temperatur bis 39 – 39,5 Grad, ab dann Fieber.
Das sind aber nur Richtwerte. Sie sagen weder etwas über die Schwere oder Art der Erkrankung aus, noch, wie es dem Kind geht.

Wann muß ich zum Arzt?
Säuglinge über 38,5 Grad sollten immer einem Arzt vorgestellt werden, nicht in Panik und sofort, aber z.B. mit Termin am gleichen Tag. So machen wir das in der Praxis.
Bei Kindern ab einem Jahr können die Eltern auch abwarten: Ist das Kind gut drauf, gibt keinerlei Schmerzen (z.B. Ohr oder Bauch?) an, reicht es, das Kind auch nach zwei oder drei Tagen zum Arzt zu bringen. Viele virale Infekte (denn darum handelt es sich ja meist) “vergehen” nach 72 Stunden, das Fieber macht den Viren den Garaus.

Wann muß ich ein Medikament geben?
Wenn es dem Kind nicht gut geht. Das ist individuell sehr verschieden. Es gibt eigentlich keine Temperatur, ab der man fiebersenkende Mittel geben muß. Aber keine Frage: Über 39,5 Grad fühlt sich keiner mehr wirklich wohl, da gibt man oft etwas.
Dennoch: Fieber hat seinen Sinn, es bekämpft die Krankheitserreger, daher sollte Fieber wirken, solange, wie das Kind es toleriert. Bedeutet auch: Schlafende fiebernde Kinder (auch die “Backöfen”) werden bitte nicht gemessen (auch wenn das mit den modernen Ohrthermometern super geht) – denn eine Konsequenz ergibt sich daraus nicht: Wer wird sein schlafendes Kind mit 40 Grad Fieber schon wecken, um ihm ein Zäpfchen zu schieben oder Saft einzuflößen?

Die Angst vor Fieber ist sehr verbreitet und wird geschürt durch irrationale Vorstellungen von Gefahr, Sorge um Fieberkrämpfe, etwas zu verpassen oder dass “die Eiweißmoleküle im Gehirn schmelzen, wenn die Temperatur über 40 Grad steigt”. Wie bei allen Erkrankungen bietet Doktor Google schlimmste Verknüpfungen zum Fieber, aber auch überholte Vorstellungen (UnsreOmma sah immer gleich den Typhus vor Augen) oder ethnische Lehre (das “innere Feuer” bei vielen muslimischen Familien) prägen die Sorge ums Fieber. Da entstehen dann viele Fehlinformationen.
Darf ich mit einem fiebernden Kind rausgehen? Klar. Warum nicht?
Darf ein fieberndes Kind gebadet werden? Grundsätzlich ja, es sollte natürlich nicht auskühlen. Lauwarme “Waschungen” mit einem weichen Waschlappen sind sogar erholsam.
Ist das ansteckend? Ja, logisch. Fieber ist schließlich i.d.R. ein Zeichen für eine Infektion, viral oder bakteriell, oder die holt man sich von anderen Menschen. Und man kann sie auch weitergeben.
Ab 40 Grad gibts Fieberkrämpfe, oder wann wird es überhaupt gefährlich? Nein. Fieberkrämpfe gibt es auch bei geringeren Temperaturen, und eine sehr hohe Temperatur reduziert natürlich das Befinden des Kindes, bringt aber keine akute Lebensgefahr.

Auf dem Blog “Mit Kinderaugen” habe ich letzte Woche in diesem Zusammenhang ein Interview gegeben, da könnt Ihr noch mehr zu dem Thema nachlesen. Dajana hat im übrigen eine Blogparade gestartet, BloggerInnen (oder Vlogger – who´s that?) können ihre eigenen Erfahrungen zum Thema Fieber bei ihren Kindern posten, es gibt dazu einen Hashtag #BraunFieberthermometer, denn unter den Blogposts werden von der Firma Braun Ohrthermometer verlost. Es lohnt sich also.

Wie geht’s Euch mit dem Fieber bei Euren Kindern? Schon mal was Unschönes erlebt? Was empfiehlt Euer Kinderarzt, wie Ihr damit umgeht? Wer selbst etwas zu dem Thema bloggen will, an den Hashtag denken (und auf mein und das “Kinderaugen”-Blog verlinken😉 ).

Bei weiteren Fragen – hier kommen die Kommentare:

Ein “sponsored post” für Braun Fieberthermometer.

(c) Bild bei Flickr – Sarah Horrigan

Lieber Kollege Hauch …

… vielen Dank für dieses Buch.

Es wäre einfach zu schreiben, Sie haben genau das Buch geschrieben, das wir Kinderärzte im stillen Kämmerlein alle einmal schreiben wollten, aber, beim Heiligen “Laurence-Moon-Bardet-Biedl”: Es ist die Wahrheit.

Sie formulieren exakt die Erfahrungen in der Kinderarztpraxis, die Fallbeispiele, die Vorgänge in den Elternhäusern, den Kindergärten, den Grundschulen, bei Therapeuten, den Zeitgeist. Sie beschreiben, wie unsere Kinder und ihre Eltern ab Geburt unter ständigem Leistungsdruck stehen, wie jeder von ihnen stets nur Erfolge und Funktionieren erwarten und wie alle nur nach den Defiziten stieren. Sie beschreiben die Veränderungen in der Arztpraxis der letzten Jahre, weg von den Kinderkrankheiten, hin zu den sozialpädiatrischen Problemen, wir lesen von den Schwierigkeiten, die gerade Jungen haben, von den Tests, den Beobachtungen, die über die Kinder hineinbrechen, über die Meilensteine der Entwicklung, die eigentlich keine sind und über die Unfähigkeit aller Beteiligten, damit umzugehen.

Die Kapitelüberschriften (eine Auswahl) illustrieren den Rundumschlag Ihres Buches: “Von Masern zu Neuen Morbidiäten/Warum es schwerer geworden ist, Eltern zu sein/Das muss Ihr Kind können – muss es wirklich?/ADHS ist Dimensions- und Definitionssache/Warum es so schwer ist, nein zu Therapien zu sagen” usw. usf. Ein wenig Redundanz muß bei einer Empörungsschrift, wie Sie sie geschrieben haben, sein, denn man kann es nicht oft wiederholen: Therapien schaden. Sie zitieren Largo, Renz-Polster, Juul und Schlack, alles ehrenwerte Brüder im Geiste, die unsere Kinder so sehen, wie sie sind, nämlich – (CAVE: Banalität!) – Kinder und keine Versuchsobjekte von Erzieherinnen, Therapeuten oder, ja Eltern.

Ich rechne Ihnen hoch an, dass die Eltern so gut wegkommen, da greife ich mir an die eigene Nase, so gut gelingt mir das in meinem Buch und Blog nicht, zu sehr musste ich da ventilieren. Die Eltern können auch gar nicht anders – der Instinkt, die Natürlichkeit und Gelassenheit im Umgang mit den Kindern muß in der heutigen Zeit auf der Strecke bleiben. Zuviel “es muß”, “es soll”, “es wird erwartet” und “wenn nicht jetzt, dann…” vernebelt ihnen den Blick auf den spontanen Entwicklungsweg jedes einzelnen Kindes.

“Kinder haben ein Recht darauf, nicht ständig ans Morgen zu denken. Kindheit ist nicht die kurze Zeitspanne, in der der Mensch optimiert werden muss um das Rattenrennen um die besten Jobs und die besten Plätze in der Gesellschaft, Kindheit ist keine Krankheit, sondern Lebenszeit. Die wichtigste!”

Ich werde einen Karton mit fünfzig Exemplaren Ihres Buches ordern, um es jedem Kindergarten der Umgebung zu schenken und jedem mit überflüssigen Anfragen nach Therapien als Antwort zu schicken.

Kindheit ist keine Krankheit: Wie wir unsere Kinder mit Tests und Therapien zu Patienten machen von Michael Hauch, Regine Hauch – FISCHER Taschenbuch ISBN-10: 359603230X

“Lasst die Kinder in Ruhe!”, Michael Hauchs Artikel in der FAZ vom Februar letzten Jahres, der zu diesem Buch führte.

[Dieser Text enthält so genannte Affiliate Links – siehe Impressum]

Vorherige ältere Einträge

1. Platz in Kategorie Baby und Kinder bei den Hitmeister Superblogs 2012
%d Bloggern gefällt das: