Erfahrung des Alters

Die Oma stellt das Enkelkind vor, einen Säugling, er hat einen roten … mmh … Po.

Oma: “Guckense, der Popo ist schon die ganze Woche ganz rot.”
Ich: “Hat da schon jemand was drauf gemacht?”
Oma: “Meine Tochter, ja, irgendso´ne Salbe aus´m Bioladen.”
Ich: “Aber viel ist da ja nicht drauf.”
Oma: “Macht sie immer nur so ein bisschen, ist ja sauteuer, die Salbe.”
Ich: “Das macht aber dann nicht wirklich Sinn. Imgrunde ist die Salbe egal, aber richtig schön dick draufschmieren sollte man das dann schon.”
Da haut die Oma mit der flachen Hand auf den Wickeltisch, das Klein-Fritjof fünf Zentimeter abhebt.
Oma: “Hab ich´s nicht gesagt? Ich hab´s doch gesagt. Ich. Hab´s. Meiner. Tochter. gesagt.”
Ich: “Was?”
Oma: “Dass man Salbe richtig schön dick draufschmieren muß, sonst bringts nichts.”
Ich: “Ja, das ist richtig.”
Oma, kopfschüttelnd beim Einpacken von Klein-Fritjof: “Mannomannomann, dass die junge Leute nicht auf uns hören. Da lesen sie lieber jeden blöden Scheiß aus dem Internet und glauben dann das. So ein Dreck!”

Mäanderne Anamnese abends um 21 Uhr

Neulich im Notdienst.

Mutter: “Ich wollte das Gesicht mal zeigen, diese Pickel.”
Ich: “Hat sie die noch woanders?”
Mutter: “Nein.”
Ich: “Sonst ist sie nicht krank?”
Mutter: “Nein.”
Ich: “Medikamente? Allergien?”
Mutter: “Nein.”
Ich schau mir die Kleine an. Sie hat eine beginnende Impetigo, eine superinfiziert trockene Haut im Gesicht.
Daher, wie immer bei “Haut”: Mal komplett ausziehen.
Ich: “Oh, aber hier an den Handgelenken ist es auch ganz schön entzündet.”
Mutter: “Achja…”
Ich: “Und der Rest der Haut?”
Mutter: “… ist okay.”
Sie zieht währenddessen den Body über Bobeles Kopf.
Ich: “Aber der ganze Körper ist ja gerötet.”
Mutter: “Ja, das ist oft so.”
Ich: “Sagten Sie nicht, die Haut ist sonst in Ordnung?”
Mutter: “Ja, ein bisschen trocken.”
… ist reichlich untertrieben.
Ich: “Aber sonst ist sie gesund?”
Mutter: “Ja, schon.”
Ich: “Schaue ich mir mal noch Rachen und Ohren an.” Dann: “Oh, das Ohr hier ist aber auch entzündet.”
Mutter: “Ja, das hat die Kinderärztin auch gesagt.”
Ich: “Ach, sie waren heute schon bei der Kollegin?”
Mutter: “Nee, gestern.”
Ich: “Und was sagt die zu der Haut?”
Mutter: “Nichts. Sie meinte, das könne vom Antibiotika kommen.”
Ich: “Welches Antibiotikum?”
Mutter: “… das sie seit gestern kriegt.”
Ich: “Aber gestern war die Haut ja noch in Ordnung, sagen Sie, das konnte die Kollegin ja noch gar nichts zu sagen.”
Mutter: “Doch, das hat die Kinderärztin ja heute gesagt.”
Ich: “Dann waren Sie heute nochmal bei der Ärztin?”
Mutter: “Ja, vor zwei Stunden. Ist aber nicht besser geworden mit der Salbe.”
Ich: “Welche Salbe? Ich dachte, sie kriegt keine Medikamente?”
Mutter: “So eine grün-weiße Verpackung.”
Ich: “Aha. Noch was, was ich wissen muß?”
Mutter: “Nein.
Ich: “Wahrscheinlich hat sich die trockene Haut entzündet mit Bakterien. Da ich nicht weiß, welche Salbe Sie benutzen, schreibe ich Ihnen mal was dafür auf, ja? Das Antibiotikum wird wahrscheinlich auch noch dabei helfen, neben den Ohren.”
Mutter: “Kriegt sie aber nicht mehr.”
Ich: “Was, das Antibiotikum?”
Mutter: “Habe ich weggelassen, weil sie vom Husten immer so gebrochen hat.”
Ich: “Husten tut sie auch?”
Mutter: “Ja, ganz schlimm.”
Ich: “Sagten Sie nicht, sonst ist sie gesund? Gibts denn noch was, was ich wissen muß? Sonst Medikamente? Andere Krankheitszeichen? Irgendwo angesteckt vielleicht?”
Mutter: “Nein, wirklich nicht.”
Also dann noch abgehört, zum Glück “alles frei”, die Kleine (10 Monate oder so) war während der ganzen Aktion am Grinsen und Brabbeln.
Es geht dem Ende der Vorstellung zu. Ich fasse zusammen, händige das Rezept aus.
Mutter: “Und Thymian?”
Ich: “Welches Thymian?”
Mutter: “… das sie als Tropfen kriegt. Wegen dem Husten.”
Ich: “Oh, noch ein Medikament.”
Mutter: “Und das W.ick Vap.o.rub. Auf die Brust. Wegen dem Husten.”
Ich: “Ja, … nun.”
Mutter: “Spielt das eine Rolle, dass ihr großer Bruder letzte Woche Schaalach hatte?”

(Denken Sie sich hier bitte einen großen Seufzer.)
Der nächste Patient und sein Vater, der mir um 21:30 Uhr erzählte, dass sein acht Monate alter Sohn seit “Wochen” nichts mehr esse, waren dagegen eine Erholung.

Armes Kind

Die U7 ist nicht immer einfach: Best of Zorn, Reste vom Fremdeln und viiiel Ego, das sich Bahn brechen will. Bedeutet für die fMFA und mich viel Motivation, Intuition und … tiefes Durchatmen. Aber wenn’s mal gut läuft, dann macht die Vorsorge auch unendlich Spaß, weil die Kinder noch unverstellt und sie selbst sind. Immerhin sind alle Impfungen bereits vor einem halben Jahr abgearbeitet.

Ryan-Luc war bereits beim Wiegen und Messen skeptisch, probierte zu toben, fing sich wieder, sprach mit der fMFA, wehrte wieder ab, erwartete mich mit einem Blick aus wissenden Augen. Ich sprach mit den Eltern, ließ ihn gewähren, wir thematisierten das Vorbereiten auf den Arztbesuch, Erfahrungen beim Doktor (das leidige Impfen, das doch alle meist schon wieder vergessen haben).

Die Untersuchung ist ein ständiges Hin und Her zwischen körperlichem Checkup, Zulassen und Abwehren, sinnvollem Hinhören und -sehen und ständigen Spielelementen. Ryan-Luc macht sich super, zeigt am Ende alles, was er kann und schenkt mir sogar ein paar seiner besten Wortsatzbruchstücke. Stimmung: Völlig in Ordnung.
Eine der besseren U7.

Sagt der Vater kurz bevor ich durch die Tür gehe: “Na, siehste, Ryan-Luc, alles ok, und jetzt gibt’s noch ’ne Spritze, ja?”

Quickie, zu schade fürs Twittern

Ich: “Und seit wann hat er jetzt die Schniefnase?”
Mutter: “Bestimmt schon den dritten, vierten Tag.”
Ich: “Wie schlimm ist es denn?”
Mutter: “Gestern waren´s noch zwei Packungen Tempo, heute sind wir schon bei drei…”

Hilfe! Mein Kind glüht!

Ein ganz häufiges Gespräch:

Mutter: “Ich habe jetzt keinen Termin, weil, das ist ganz dringend, meine Tochter hat soo hohes Fieber.”
Ich: “Und wie hoch ist die Temperatur? Wie haben Sie denn gemessen?”
Mutter: “Achtunddreißigkommazwo! An der Stirn!”

PoorlyMmh, nun ja.
Die Angst vor oder bei Fieber ist sicher eine der stärksten, die Eltern bei ihren Kindern durchleben, vor allem, wenn das Kind noch klein ist oder das erste Mal Temperatur entwickelt. Da gibt’s viele Fehlinformationen, wieder einmal viele irrationale Befürchtungen und Behandlungsvorschläge.
Wie die obige Mutter verhalten sich viele, auch die Väter, na klar – die sind manchmal noch besorgter: Es wird viel Temperatur gemessen, oft falsch bzw. an der falschen Stelle und die Interpretation hakt.

Wann sollte man Fieber messen?
Wenn man es fühlt. Ganz einfache Antwort. Da wir selbst eine normale Körpertemperatur von ca. 37 Grad haben, empfinden wir Temperaturen darüber als “erhöht”, eine Hauttemperatur von 38 oder noch höher spüren wir. Wenn das Kind entsprechend quengelt, nicht isst oder trinkt (vor allem die Säuglinge), darf gemessen werden.
Im Umkehrschluß heisst das: Ein gesundes Kind braucht keine Temperaturmessung. Also auch kein Säugling nach Entlassung aus dem Krankenhaus, auch kein Kind, dessen Geschwister krank sind.
Medizinisches Personal ist da natürlich anders: Bei einem Neugeborenen wird i.d.R. im Wochenbett Temperatur gemessen, auch die fMFA beim Kinderarzt misst eventuell, das ist neben dem Ritual nur eine zusätzliche Information.

Wie misst man Temperatur?
Am besten im Po oder Ohr, axillär oder im Mund kann man vergessen, und die neuen Stirnthermometer sind bei langem nicht so gut, wie es die Werbung suggeriert. Die rektale Messung (also Po) ist der Goldstandard, hier befindet sich die Messung am nächsten zum Körperinneren und erfasst damit am besten die so genannte Körperkerntemperatur. Wir messen in der Praxis bis zum ersten Geburtstag stets rektal. Sind Kinder das von Anfang an gewohnt, geht es auch bei Älteren. Technik: Thermometer vorsichtig bis zum Verschwinden der Metallspitze einführen (Salbe ist erlaubt) und aufs Piepsen warten. Thermometer mit flexibler Spitze gibt es, da braucht man keine Angst zu haben, etwas zu verletzen.
Dann folgt die Messung im Ohr. Moderne Fieberthermometer sind praktisch deckungsgleich mit der rektalen Messung, aber erst ab einem Jahr nutzbar (wegen des schmalen Gehörgangs und der Fehlmessungen). Dabei sollte den Gehörgang “entlang” gemessen werden, d.h. man zielt auf das Trommelfell, das liegt ungefähr in Verlängerung des Ohreintritts in Richtung des gegenüberliegenden Auges!

Und was mache ich nun mit der gemessenen Temperatur?
Es gibt Grenzwerte, diese kleine Tabelle hilft:
Säuglinge: Normaltemperatur bis 37,5 Grad, ab dann spricht man bereits von Fieber
Kleinkinder (ca. bis 3 Jahre): erhöhte Temperatur 37,5 – 38,5 Grad, ab 38,5 Grad Fieber
Größere Kinder: erhöhte Temperatur bis 39 – 39,5 Grad, ab dann Fieber.
Das sind aber nur Richtwerte. Sie sagen weder etwas über die Schwere oder Art der Erkrankung aus, noch, wie es dem Kind geht.

Wann muß ich zum Arzt?
Säuglinge über 38,5 Grad sollten immer einem Arzt vorgestellt werden, nicht in Panik und sofort, aber z.B. mit Termin am gleichen Tag. So machen wir das in der Praxis.
Bei Kindern ab einem Jahr können die Eltern auch abwarten: Ist das Kind gut drauf, gibt keinerlei Schmerzen (z.B. Ohr oder Bauch?) an, reicht es, das Kind auch nach zwei oder drei Tagen zum Arzt zu bringen. Viele virale Infekte (denn darum handelt es sich ja meist) “vergehen” nach 72 Stunden, das Fieber macht den Viren den Garaus.

Wann muß ich ein Medikament geben?
Wenn es dem Kind nicht gut geht. Das ist individuell sehr verschieden. Es gibt eigentlich keine Temperatur, ab der man fiebersenkende Mittel geben muß. Aber keine Frage: Über 39,5 Grad fühlt sich keiner mehr wirklich wohl, da gibt man oft etwas.
Dennoch: Fieber hat seinen Sinn, es bekämpft die Krankheitserreger, daher sollte Fieber wirken, solange, wie das Kind es toleriert. Bedeutet auch: Schlafende fiebernde Kinder (auch die “Backöfen”) werden bitte nicht gemessen (auch wenn das mit den modernen Ohrthermometern super geht) – denn eine Konsequenz ergibt sich daraus nicht: Wer wird sein schlafendes Kind mit 40 Grad Fieber schon wecken, um ihm ein Zäpfchen zu schieben oder Saft einzuflößen?

Die Angst vor Fieber ist sehr verbreitet und wird geschürt durch irrationale Vorstellungen von Gefahr, Sorge um Fieberkrämpfe, etwas zu verpassen oder dass “die Eiweißmoleküle im Gehirn schmelzen, wenn die Temperatur über 40 Grad steigt”. Wie bei allen Erkrankungen bietet Doktor Google schlimmste Verknüpfungen zum Fieber, aber auch überholte Vorstellungen (UnsreOmma sah immer gleich den Typhus vor Augen) oder ethnische Lehre (das “innere Feuer” bei vielen muslimischen Familien) prägen die Sorge ums Fieber. Da entstehen dann viele Fehlinformationen.
Darf ich mit einem fiebernden Kind rausgehen? Klar. Warum nicht?
Darf ein fieberndes Kind gebadet werden? Grundsätzlich ja, es sollte natürlich nicht auskühlen. Lauwarme “Waschungen” mit einem weichen Waschlappen sind sogar erholsam.
Ist das ansteckend? Ja, logisch. Fieber ist schließlich i.d.R. ein Zeichen für eine Infektion, viral oder bakteriell, oder die holt man sich von anderen Menschen. Und man kann sie auch weitergeben.
Ab 40 Grad gibts Fieberkrämpfe, oder wann wird es überhaupt gefährlich? Nein. Fieberkrämpfe gibt es auch bei geringeren Temperaturen, und eine sehr hohe Temperatur reduziert natürlich das Befinden des Kindes, bringt aber keine akute Lebensgefahr.

Auf dem Blog “Mit Kinderaugen” habe ich letzte Woche in diesem Zusammenhang ein Interview gegeben, da könnt Ihr noch mehr zu dem Thema nachlesen. Dajana hat im übrigen eine Blogparade gestartet, BloggerInnen (oder Vlogger – who´s that?) können ihre eigenen Erfahrungen zum Thema Fieber bei ihren Kindern posten, es gibt dazu einen Hashtag #BraunFieberthermometer, denn unter den Blogposts werden von der Firma Braun Ohrthermometer verlost. Es lohnt sich also.

Wie geht’s Euch mit dem Fieber bei Euren Kindern? Schon mal was Unschönes erlebt? Was empfiehlt Euer Kinderarzt, wie Ihr damit umgeht? Wer selbst etwas zu dem Thema bloggen will, an den Hashtag denken (und auf mein und das “Kinderaugen”-Blog verlinken ;-) ).

Bei weiteren Fragen – hier kommen die Kommentare:

Ein “sponsored post” für Braun Fieberthermometer.

(c) Bild bei Flickr – Sarah Horrigan

Lieber Kollege Hauch …

… vielen Dank für dieses Buch.

Es wäre einfach zu schreiben, Sie haben genau das Buch geschrieben, das wir Kinderärzte im stillen Kämmerlein alle einmal schreiben wollten, aber, beim Heiligen “Laurence-Moon-Bardet-Biedl”: Es ist die Wahrheit.

Sie formulieren exakt die Erfahrungen in der Kinderarztpraxis, die Fallbeispiele, die Vorgänge in den Elternhäusern, den Kindergärten, den Grundschulen, bei Therapeuten, den Zeitgeist. Sie beschreiben, wie unsere Kinder und ihre Eltern ab Geburt unter ständigem Leistungsdruck stehen, wie jeder von ihnen stets nur Erfolge und Funktionieren erwarten und wie alle nur nach den Defiziten stieren. Sie beschreiben die Veränderungen in der Arztpraxis der letzten Jahre, weg von den Kinderkrankheiten, hin zu den sozialpädiatrischen Problemen, wir lesen von den Schwierigkeiten, die gerade Jungen haben, von den Tests, den Beobachtungen, die über die Kinder hineinbrechen, über die Meilensteine der Entwicklung, die eigentlich keine sind und über die Unfähigkeit aller Beteiligten, damit umzugehen.

Die Kapitelüberschriften (eine Auswahl) illustrieren den Rundumschlag Ihres Buches: “Von Masern zu Neuen Morbidiäten/Warum es schwerer geworden ist, Eltern zu sein/Das muss Ihr Kind können – muss es wirklich?/ADHS ist Dimensions- und Definitionssache/Warum es so schwer ist, nein zu Therapien zu sagen” usw. usf. Ein wenig Redundanz muß bei einer Empörungsschrift, wie Sie sie geschrieben haben, sein, denn man kann es nicht oft wiederholen: Therapien schaden. Sie zitieren Largo, Renz-Polster, Juul und Schlack, alles ehrenwerte Brüder im Geiste, die unsere Kinder so sehen, wie sie sind, nämlich – (CAVE: Banalität!) – Kinder und keine Versuchsobjekte von Erzieherinnen, Therapeuten oder, ja Eltern.

Ich rechne Ihnen hoch an, dass die Eltern so gut wegkommen, da greife ich mir an die eigene Nase, so gut gelingt mir das in meinem Buch und Blog nicht, zu sehr musste ich da ventilieren. Die Eltern können auch gar nicht anders – der Instinkt, die Natürlichkeit und Gelassenheit im Umgang mit den Kindern muß in der heutigen Zeit auf der Strecke bleiben. Zuviel “es muß”, “es soll”, “es wird erwartet” und “wenn nicht jetzt, dann…” vernebelt ihnen den Blick auf den spontanen Entwicklungsweg jedes einzelnen Kindes.

“Kinder haben ein Recht darauf, nicht ständig ans Morgen zu denken. Kindheit ist nicht die kurze Zeitspanne, in der der Mensch optimiert werden muss um das Rattenrennen um die besten Jobs und die besten Plätze in der Gesellschaft, Kindheit ist keine Krankheit, sondern Lebenszeit. Die wichtigste!”

Ich werde einen Karton mit fünfzig Exemplaren Ihres Buches ordern, um es jedem Kindergarten der Umgebung zu schenken und jedem mit überflüssigen Anfragen nach Therapien als Antwort zu schicken.

Kindheit ist keine Krankheit: Wie wir unsere Kinder mit Tests und Therapien zu Patienten machen von Michael Hauch, Regine Hauch – FISCHER Taschenbuch ISBN-10: 359603230X

“Lasst die Kinder in Ruhe!”, Michael Hauchs Artikel in der FAZ vom Februar letzten Jahres, der zu diesem Buch führte.

[Dieser Text enthält so genannte Affiliate Links – siehe Impressum]

Hoppeldihopp

Ich: “Und, was hat Ihr Sohn?”
Mutter: “Rückenschmerzen.”
Ich zu ihm: “Seit wann hast Du Rückenschmerzen?”
Marvyn: “Seit heute.”
Ich: “Zeig mal, wo.”
Marvyn: “Hier, ganzer Rücken.”
Ich: “Und, was hast Du gestern gemacht? Trampolin, Fussball?”
Marvyn: “Wir waren im Hoppeldihopp*, Trampolin springen.”
Ich: “Echt? Wie lange?”
Mutter: “Der ist gar nicht mehr runter. Zwei Stunden?”

Kurze Untersuchung. Alles ok.

Ich: “Alles klar. Kommt sicher vom Hoppeldihopp. Muskelkater. Überlastung.”
Mutter: “Hab ich doch gleich gesagt.” Zu Marvyn: “Hab ich das nicht gleich gesagt?”
Marvyn: “Ja.”
Mutter: “Hab ich gleich gesagt.”
Ich: “Ist ja auch naheliegend.”
Mutter: “Ich wäre auch gar nicht gekommen. Aber der hat solange rumkommandiert, bis wir den Termin bei Ihnen gemacht haben.”
Ich: “Aha. Sie wären nicht gekommen? Interessant. Warum dann?”
Mutter: “So isser eben. Bis er das kriegt, was er will. Hat das ganze Haus zusammengebrüllt, dasser zum Doktor kommt.”

So ein Siebenjähriger kann ganz schön hartnäckig sein. Mache ich mir jetzt Gedanken über die Beziehung zwischen Mutter und Sohn, Interaktionen, Familienaufstellung, Sinn und Unsinn einer derartigen Vorstellung? Wieso setzt sich Mama zuhause nicht durch? Wie kann sie sich so instrumentalisieren lassen? Schnell zum Arzt, der wird schon was entsprechendes sagen? Konfliktvermeidung?
… oder lehne ich mich zurück, schmunzele und plane den nächsten Blogeintrag für heute abend?

*lokaler Indoor-Spielplatz

Meine Kinder – Deine Kinder

Wenn mich Eltern fragen, ob ich bei meinen eigenen Kindern auch
– diese Impfung gebe
– dieses Antibiotikum einsetze
– diesen Erziehungstipp beherzige
– diesen fachärztlichen Kollegen besuche
– diese Diagnostik veranlasste
antworte ich stets:
“Ja. Denn meine Kinder sind meine Kinder, und ich bin ihr Vater. Entscheidungen für meine Kinder treffe ich nach eigenem Gewissen, wie Sie auch, aber mit Ratschlag des Mediziners in mir, das ist für mich ein Glücksfall. Warum sollte dieser Ratschlag bei Ihrem Kind anders ausfallen? Schließlich sind wir unseren Patienten zur besten Behandlung nach bestem Wissen und Gewissen verpflichtet.”

Mit der Umsetzung haperts dann mitunter (siehe Erziehung). Aber das steht auf einem anderen Blatt.

Sommerurlaub

Freitag nachmittag. Neulich.

“Und? Haben Sie auch Urlaub?”
“Ja, nächste Woche.”
“Achja? Das müssen Sie aber auch aushängen.”
“Haben wir. Hängt vorne an der Eingangstür und im Wartezimmer.”
“So? Und wer vertritt Sie da? Wieder nur der Kinderarzt in Z-hausen? Das ist immer so weit.”
“Wir haben drei drauf geschrieben, jeder wohnt woanders, die Patienten ja auch.”
“Und wer ist das?”
“Steht auf dem Zettel.”
“Und auf dem Anrufbeantworter?”
“Wird´s auch aufgesprochen.”
“Und die Homepage? Ändern Sie die auch? Immer mehr Leute schauen ja ins Netz.”
“Ja.”
“Nicht, dass man wieder vor der Tür steht wie damals, Ostern 2010, da waren Sie auch einfach nicht da.”
“Wir machen das eigentlich immer so mit den Aushängen und dem AaBe…”
“So? Aha. … und wann sind Sie dann wieder da?”
“In drei Wochen. Steht auch auf dem Zettel.”
“Auch auf dem Anrufbeantworter?”
“Ja.”
“Und der Homepage?”
“Ja.”
“Na dann… Wir sind bestimmt wieder krank, wenn Sie nicht da sind. War bisher immer so.”
“Wirklich? Dann mal gleich gute Besserung!”
“Wie? Achso… Ja. Schönen Urlaub erstmal.”
“Danke, Ihnen auch schönen Urlaub!”
“… nicht, wenn wir krank werden.”

Manchmal fühle ich mich wie in einem Loriot-Sketch.

Private Anfrage

Mutter: “… dann hätte ich noch eine Frage, wenn ich schon mal da bin.” Klassiker.
Ich: “Ja?”
Mutter: “Ich habe Ihnen mal die letzten Arztrechnungen von Ihrer Kollegin aus Gerlachhausen mitgebracht, wo wir früher waren. Ich wollte Sie bitten, die mal durchzusehen, ob die auch alles korrekt abgerechnet hat. Geht das?”
Ich: “Äh… nein?”

Privatversicherte. Besser als ihr Ruf.

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