Offener Brief der AAP an Donald Trump

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Die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten wirft auch Schatten auf das Gesundheitssystem in den USA. Nicht nur, dass die Trumpsche Regierung das ambitionierte „Obamacare“ zumindest in Teilen wieder abschaffen will, besorgte Stimmen erinnern an Donald Trumps Einstellung zu Impfungen. So – as usual – twitterte er, Kinder bekämen zuviele Impfungen auf einmal über zu kurze Zeit und äußerte wiederholt den Verdacht auf Verbindungen zwischen Impfungen und Autismus. Autismus sei „epidemisch“, so Trump.

Im Januar kam es zu einem Treffen des da noch nicht vereidigten President-elect und dem Impfgegner Robert Kennedy jr., was das Gerücht nährte, dieser werde eine Kommission anführen, die den derzeitigen US-Impfplan infrage stelle. Der neue US-Gesundheitsminister Tom Price wiederum war bis 2016 Mitglied einer ultrakonservativen Impfgegnervereinigung von Ärzten (ganz zu schweigen von dessen  Einstellung gegen Abtreibung).

Die American Academy of Pediatrics AAP sah sich daher gezwungen, einen offenen Brief an dem amerikanischen Presidenten zu veröffentlichen, unterschrieben von zahlreichen Organisationen.

Hier die deutsche Übersetzung:


7. Februar 2017

President Donald J. Trump
The White House
1600 Pennsylvania Avenue NW
Washington, DC 20500

Sehr geehrter Mr President,

Im Auftrag von Organisationen, die Familien, Medizinanbieter, Forscher, Patienten und Verbraucher vertreten, schreiben wir [Ihnen], um unsere unmissverständliche Unterstützung für die Sicherheit von Impfstoffen auszudrücken. Impfstoffe schützen die Gesundheit von Kindern und Erwachsenen und retten Leben. Sie verhindern lebensbedrohliche Krankheiten, einschließlich Formen von Krebs. Impfstoffe sind seit Jahrzehnten Teil des [Lebens] in unserer Gesellschaft und gehören zu den bedeutendsten medizinischen Innovationen unserer Zeit.

Aufgrund der Einführung von Massenimpfungen wurden 1977 die Pocken in der Welt als ausgerottet erklärt. Polio, eine Krankheit, von der – vor Verfügbarkeit des Impfstoffes – regelmäßig 13000 bis 20.000 Amerikaner pro Jahr betroffen waren, wurde 1991 offiziell aus der westlichen Hemisphäre eliminiert. Weltweit verhindern Impfstoffe den Tod von etwa 2,5 Millionen Kindern pro Jahr (1). Und die Daten zeigen, dass gerade bei Kindern, die in den Vereinigten Staaten im Jahr 2009 geboren wurden, routinemäßige Impfungen ca. 42.000 frühe Todesfälle und 20 Millionen Krankheitsfälle verhindern werden, bei einem Einsparpotential von mehr als 82 Milliarden Dollar an gesellschaftlichen [Folge]Kosten (2).

Obwohl Impfstoffe die sicherste und kostengünstigste Art sind, Krankheiten, Behinderungen und Todesfälle zu verhindern, erlebt dieses Land immer noch Ausbrüche von impfpräventablen Krankheiten, wie der Masernausbruch in Disneyland im Jahr 2014 zeigte. Im Jahr 2012 wurden 48.277 Fälle von Pertussis (Keuchhusten) an das Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention (CDC) gemeldet, darunter 20 pertussisbedingte Todesfälle (3). Dies war die [höchste Rate an] Pertussisfällen seit 1955. Darüber hinaus werden jedes Jahr mehr als 200.000 Einzelpersonen ins Krankenhaus eingeliefert, und es finden sich 3.000-49.000 Todesfälle, aufgrund Grippe/Influenza bezogenen Komplikationen (4).

Behauptungen, dass Impfungen unsicher seien, wenn sie nach Expertenempfehlungen veabreicht werden, wurden durch eine solide Menge an medizinischer Literatur widerlegt, einschließlich einer gründlichen Überprüfung durch die Nationale Akademie für Medizin (früher Institut für Medizin). Angehängt an diesen Brief findet sich eine unerschöpfliche Liste von Studien, die die Sicherheit von Impfungen demonstrieren. Das Verzögern von Impfungen stürzt die Bürger unserer Nation nur in ein Krankheitsrisiko, insbesondere die Kinder. Als Nation sollten wir unsere Bemühungen verdoppeln, um notwendige Investitionen in die Patienten-und Familienerziehung der Bedeutung von Impfstoffen zu tätigen, damit die Rate der Impfungen unter allen Populationen erhöht wird.

Einfach ausgedrückt: Impfstoffe sind sicher. Impfstoffe sind wirksam. Impfstoffe retten Leben. Unsere Organisationen begrüßen die Möglichkeit eines Treffens mit Ihnen, um mit Ihnen die soliden [Fakten], umfangreichen wissenschaftlichen Beweise der Impfstoffsicherheit und Wirksamkeit zu teilen.

Mit freundlichen Grüßen,

[die] Nationale Organisationen


Es folgen acht (8!) Seiten von medizinischen Organisationen des gesamten Landes, insgesamt 350 verschiedene Abteilungen, die diesen offenen Brief unterstützen. Eine beeindruckende Übersicht, die man im Original gesehen haben muss.

Aber damit nicht genug: Auf den weiteren 17 Seiten findet sich eine schöne Zusammenfassung der AAP hinsichtlich Impfungen und unterstellten neurologischen Auffälligkeiten, Stoffwechselerkrankungen, Fieberkrämpfen und immer wieder Autismus, Autismus, Autismus. Keinerlei Verbindungsnachweis in den Studien.

Übersichten zu Quecksilber/Thiomersal in Impfstoffen und eine Reportage zum Fall „Wakefield“ runden das Bild ab.

Soviel politisches Statement wünscht man sich auch in Deutschland zu Impfungen durch unsere verschiedenen Standesorganisationen aus Medizin, Wohlfahrt und Kinderschutz. Über eine Antwort des POTUS ist übrigens bisher nichts bekannt geworden.

Offener Brief der AAP im englischen Original

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