Sleep well … and alone

„Kinder sollten lange vor Schuleintritt selbständig einschlafen können. „Kinder mit anhaltenden Schlafproblemen bis ins Schulalter besitzen tendenziell eine schlechtere Selbstregulation, d.h., im Vergleich zu ihren Altersgenossen ohne Schlafprobleme können sie sich schlechter auf etwas konzentrieren, und es fällt ihnen schwer, ihre Gefühle zu kontrollieren. Das sind alles Verhaltensweisen, die den Erfolg in der Schule beeinträchtigen können“, erklärt Dr. Ulrich Fegeler, Kinder- und Jungenarzt sowie Mitglied des Expertengremiums des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) bei http://www.kinderaerzte-im-netz.de.

Dies bestätigt eine aktuelle australische Studie. Wenn auch schlechtes Einschlafen, schlechtere Konzentrationsfähigkeit und mangelhafte Impulskontrolle möglicherweise Ausdruck der gleichen Störung sind, kann aber durch ein verbessertes Schlafen auch eine Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit erreicht werden.

Regelmäßige Schlafenszeiten mit gleichbleibenden Ritualen erleichtern das Einschlafen. Dass Kinder bei den Eltern schlafen oder sich Väter oder Mütter zu ihnen ins Bett legen, sollte zu den Ausnahmen gehören, damit Kinder lernen, in ihrem eigenen Bett alleine einzuschlafen. Auch der „pünktliche“ Mittagsschlaf im Vorschulalter ist ein wichtiger Bestandteil der „Schlafhygiene“. „Über die Zeit des Zubettgehens bestimmen die Eltern. Jedoch darf das Bett keine Erziehungsmaßnahme sein. Kinder sollten nicht als Strafe ins Bett geschickt werden“, warnt Dr. Fegeler.

Kindergartenkinder benötigen täglich etwa 11 bis 13 Stunden Schlaf, Grundschüler 10 bis 11 Stunden und Jugendliche mindestens 9 Stunden. Schlafprobleme sollten bis zum Schulalter behoben sein. Halten Schlafstörungen bei Kindern über Wochen an, empfiehlt es sich, den Kinder- und Jugendarzt zu konsultieren.“

Quelle: British Journal of Educational Psychology, Queensland University

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Dies ist eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V.

Hohen Blutdruck bei Kindern beachten

„Erhöhte Blutdruckwerte bei Kindern und Jugendlichen sind die Vorboten für Bluthochdruck im Erwachsenenalter ab etwa 38 Jahren. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Veröffentlichung in der Fachzeitschrift „Hypertension“.

Demnach sollten Jugendliche ab 12 Jahren einen Blutdruck unter 120/80mmHg anstreben und bei Kindern unter 12 Jahren wären Werte unter 110/70mmHg optimal. „Ein 11,5 Jahre alter Junge mit einer Größe von 149cm sollte laut KiGGS idealerweise einen Blutdruck von etwa 106,1/64,7mmHg aufweisen. Mit 13,5 Jahren und 163cm Körpergröße sollten die Werte etwa bei 111,6/66,8mmHg liegen“, nennt Dr. Hermann Josef Kahl, Kinder- und Jugendkardiologe sowie Bundespressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Beispiele.
Bei Kindern und Jugendlichen steigt der Blutdruck mit zunehmendem Alter und auch abhängig von der Körpergröße. Bis zum 13. Lebensjahr unterscheiden sich der systolische und diastolische Blutdruck bei Jungen und Mädchen kaum, aber mit der Pubertät erhöhen sich die Werte bei Jungen stärker als bei Mädchen. Als Bluthochdruck gilt nicht nur bei Erwachsenen, sondern auch bei Jugendlichen ein Wert über 140/90mmHg. „Bis zum Alter von etwa 5 Jahren sind normale Blutdruckmanschetten zu groß für Kinderarme, sodass eine Messung nur in der Praxis sinnvoll ist. Bei älteren Kindern können Eltern versuchen, auch zuhause den Blutdruck ihres Kindes zu erfassen. Idealerweise wird der Blutdruck im Sitzen nach etwa 5 Minuten Ruhe gemessen, und dies dreimal zur gleichen Tageszeit. Davon können Eltern dann einen Durchschnitt errechnen. Der Kinder- und Jugendarzt beurteilt anhand von Tabellen, die die Größe des Kindes berücksichtigen, ob der Blutdruck im Normbereich liegt“, erklärt Dr. Kahl.“

Mithilfe des Blutdruckrechners können eltern sich informieren, in welchem Bereich sich die Blutdruckwerte ihres Kindes befinden: www.kinderaerzte-im-netz.de/mediathek/blutdruckrechner/
Quellen: HealthDay, Hypertension, KiGGS (RKI)
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Dies ist eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V. 

„Tablets isolieren Kinder“

Child with Apple iPad

„Sprachentwicklung fördern: Häufig vorlesen und High-Tech-Spielzeug reduzieren

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Vorlesen fördert die Sprachentwicklung, während High-Tech-Spielzeug sie möglicherweise verlangsamen kann. Denn einer Studie der Northern Arizona Universität zufolge nimmt technisches Spielzeug zwar die Aufmerksamkeit eines Kindes gefangen, kann aber nicht die Qualität einer Wechselwirkung zwischen Eltern und Kind herstellen. Die verbale Entwicklung eines Kindes hängt vom Austausch mit Erwachsenen und Gleichaltrigen ab.

„‘Interaktives Vorlesen‘, d.h. auf Äußerungen des Kindes zu reagieren, Fragen zu stellen, Erklärungen anzubieten, Beispiele zu geben, über das Gehörte bzw. die Bilder zu sprechen, stimuliert schon sehr früh die sprachliche und geistige Entwicklung des Kindes“, erklärt Dr. Ulrich Fegeler, Kinder- und Jugendarzt sowie Mitglied des Expertengremiums des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) bei http://www.kinderaerzte-im-netz.de. Schon Einjährige reagieren während des Lesens mehr mit sprachähnlichen Lauten, und Mütter geben ihren Kindern dabei auch häufiger Rückmeldungen als bei anderen Spielen.

Tablets dagegen isolieren Kinder, so dass sie nicht lernen können, ihre Emotionen zu regulieren und mit anderen Kindern zu spielen. Alles, was das Kind perfektioniert, ist der Umgang mit einem Tablet sowie die Bedienung eines Touchscreens. Inhalte werden dadurch kaum vermittelt. „Durch Vorlesen können Eltern neben der Sprachkompetenz auch Einfühlungsvermögen, Fantasie, abstraktes Denken und Gedächtnis anregen“, so Dr. Fegeler. Haben Eltern keine Freude am Vorlesen, so können sie bei anderen Tätigkeiten, wie z.B. Puzzle-Spielen, die Sprachentwicklung ihrer Kinder unterstützen.“

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Dies ist eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V.

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Frage an die erlauchte Leserschaft:
– Ab wann habt Ihr den Kindern Handys und Tablets in die Hand gedrückt?
– Besser Vorlesen als Kassetten CDs Spotify hören?
– Welche Regeln gab/gibt es, um den Konsum der neuen Medien zu steuern oder einzuschränken?
– Sind das alles nur übertriebene Ängste von alten Kinderärzten, wie man vor Jahrzehnten ebenso vor Fernsehen und den ersten Fernsprechern warnte? Erwartet Ihr von „uns“, dass wir Eltern z.B. bei den Vorsorgeuntersuchungen beraten im Umgang mit Tablets oder Handys?

(c) Bild bei Flickr/Intel Free Press

Wenn’s Bobele humpeln tut

„Hüftschnupfen: Ruhe und Schonung sind angesagt

Wenn ein Kind hinkt oder nicht mehr laufen will, weil eine Hüfte schmerzt, verbirgt sich dahinter häufig ein sogenannter Hüftschnupfen bzw. Coxitis fugax. Die Beschwerden beginnen meist plötzlich ohne erkennbare Ursache und können bis ins Knie ausstrahlen.
„Eine Coxitis fugax beruht auf einer flüchtigen Hüftentzündung. Damit die schmerzhafte Schwellung in der Gelenkschleimhaut der Hüfte sich zurückbilden kann, braucht das Gelenk Ruhe und Schonung“, erklärt Dr. Hermann Josef Kahl, Kinder- und Jugendarzt sowie Bundespressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

Von einem Hüftschnupfen sind vorwiegend Klein- und Grundschulkinder betroffen. Bei starken Beschwerden können schmerzlindernde Medikamente helfen. Da Kinder bis zu etwa sechs Jahren noch nicht gut mit Gehhilfen umgehen können, sollten sie evtl. einige Tage das Bett hüten. Halten Betroffene die Schonung ein, lassen die Beschwerden etwa nach einer Woche ohne Folgen nach. „Um andere Erkrankungen wie beispielsweise eine Borreliose oder Rheuma auszuschließen, sollte ein humpelndes Kind immer dem Kinder- und Jugendarzt vorgestellt werden. Wenn die Hüftschmerzen mit Fieber verbunden sind, ist das ein Alarmzeichen, bei dem Eltern umgehend ihren Kinder- und Jugendarzt aufsuchen sollten, um frühzeitig Schäden am Gelenk verhindern zu können“, rät Dr. Kahl.

Oft geht dem Hüftschnupfen zwei Wochen zuvor eine Virusinfektion beispielsweise der Atemwege oder des Magen-Darm-Trakts voraus. Wie der Hüftschnupfen und die Infekte genau zusammenhängen, ist noch unklar.“

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Dies ist eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V.

Frostbeulen ohne Frost

breaking the ice

„Auch bei einigen Graden über den Gefrierpunkt können Kinder Kälteschäden erleiden. Kalter Wind bzw. Fahrtwind, Regen oder Schnee bzw. kalte Nässe erhöhen das Risiko.

„Kinder besitzen eine dünnere Haut als Erwachsene und verlieren dadurch schneller Körperwärme. Besonders empfindlich sind Babys, da ihre Körperoberfläche im Verhältnis zum Körpervolumen größer ist als bei Erwachsenen“, erklärt Dr. Ulrich Fegeler, Kinder- und Jugendarzt sowie Mitglied des Expertengremiums des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) bei http://www.kinderaerzte-im-netz.de. Kälteschäden sind zwar selten, doch sollten Eltern erste Warnzeichen erkennen: blasse, teilweise auch grau-weiß oder gelb-weiß verfärbte Hautstellen. Die Region kann brennen und dann taub werden.

Auch bei winterlichem Klima sollten Eltern darauf achten, dass ihr Kind genug trinkt. Denn: „Tobt ein Kind im Schnee herum, kühlen über die vermehrte Atemarbeit die Schleimhäute aus und geben viel Feuchtigkeit ab. Im Vergleich zu Erwachsenen haben Kinder geringere Wasserreserven“, erläutert Dr. Fegeler. Insgesamt sollten Kinder bei eisigen Temperaturen immer wieder Pausen zum Aufwärmen einlegen. Aber Vorsicht: Der ständige Wechsel zwischen warmem Innenraum und eisiger Kälte im Freien verlangt der Haut eine besondere Anpassungsleistung ab. Wichtig ist hier das Eincremen der ungeschützten Haut (Gesicht!) mit einer fettenden Creme. Auch der ausreichende Sonnenschutz muss beachtet werden: Sonnige Tage im Schnee bedeuten eine erhöhte UV-Belastung aufgrund der Streustrahlung. Bei etwa Minus 27 Grad Celsius bzw. gefühlten Temperaturen in diesem Bereich sollten Kinder nicht mehr draußen spielen.

Mehrere Kleidungsschichten („Zwiebelschalenprinzip“) sorgen dafür, dass wenig Körperwärme verloren geht. Fäustlinge eignen sich besser als Fingerhandschuhe, da sich die Finger gegenseitig warm halten können. Die Schuhe sollten wasserdicht sein und dürfen nicht zu eng anliegen, um die Blutzirkulation nicht zu behindern. Eine über die Ohren reichende Kopfbedeckung ist ein Muss, denn fast ein Drittel der Körperwärme geht über den Kopf verloren. Die Ohren können zudem leicht Kälteschäden erleiden, da sie nicht so gut durchblutet sind. Eine fette Hautcreme schützt das Gesicht vor Feuchtigkeitsverlust. Die Lippen dürfen Eltern nicht vergessen: Hier hilft ein Fettstift. Vaseline um die empfindlichen Naseneingänge verringert bei feuchten Nasen die Verdunstungskälte.

Quellen: CME, American Academy of Petiatrics, Canadian Pediatric Society“

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Eine Pressemitteilung des Berufsverbandes für Kinder- und Jugendärzte.

(c) Foto bei Flickr/Jessica Lucia

Ohne mehr Geld für Kitas weder Integration noch Inklusion

Kinder- und Jugendärzte fordern: Ohne mehr Geld für Kitas weder Integration noch Inklusion

Morgen berät der Bundestag abschließend über den Haushalt 2016. In den Beratungen geht es auch um das Geld für frühkindliche Bildung. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) forderte heute in Berlin die Politiker auf, vor allem mehr in die frühkindliche Bildung zu investieren.

BVKJ-Präsident Dr. med. Thomas Fischbach: „Die Kita hat durch die Einführung des Rechtsanspruches auf einen Betreuungsplatz die Schule als wichtigste öffentliche Bildungseinrichtung verdrängt. Kinder verbringen heute täglich mehr Zeit in der Kita als in der Schule – und dies in einem Alter, in dem sie sich geistig, körperlich und emotional besonders schnell entwickeln. Daraus erwächst für die Kitas eine neue Verantwortung, Kitas als Bildungsorte haben große gesellschaftliche Relevanz. Hier werden die Weichen für Integration und Inklusion gestellt, die ein ganzes Leben bestimmen könne. Bisher fehlt es in der Politik jedoch an ausreichenden Anstrengungen, die Kitas besser auszustatten und damit die Voraussetzungen zu schaffen, Kinder besser zu fördern, zu integrieren und zu inkludieren. Wir vermissen immer noch ein Qualitätsgesetz, das bundeseinheitliche Standards für Kindertagesstätten festlegt ñ vom Personalschlüssel bis zum Bildungsplan. Bund und Länder haben sich hier bislang nicht einigen können. Die seit 2014 existierende Qualitätsoffensive aus dem Hause der Bundesfamilienministerin ist dafür kein gleichrangiger Ersatz. Auch die ab dem 1. 1. 2016 gültigen Förderprogramme „Sprach-Kitas“ und „Kita Plus“ zum Ausbau der Randstundenbetreuung werden nicht reichen, jedem Kind, ob gesund oder behindert, deutsch oder mit ausländischen Wurzeln, die Chance zu geben, sein individuelles Potential zu entfalten. Wir brauchen eine Verstetigung der Finanzströme, um damit neue Förderprogramme auflegen zu können. Und wir brauchen vor allem besser ausgebildete Erzieherinnen und einen besseren Personalschlüssel in den Kitas. Die Politik muss dafür morgen Grünes Licht geben.“

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Dies ist eine Pressemitteilung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte BVKJ.

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Das Schlüsselwort lautet „besserer Personalschlüssel“. Auch ohne die oben erwähnten gesetzlichen Vorgaben, auch ohne die gesetzlich verordnete Inklusion in *allen* (!) Kitas, auch ohne die Flüchtlingskinder, die in vielen Kommunen in den Tagesstätten aufgenommen werden, haben die meisten Einrichtungen bereits jetzt viel zu wenig BetreuerInnen.

Ein schlechter Personalschlüssel bedeutet mangelnde Berücksichtigung des individuellen Kindes, Zwang zu offenen Gruppen und Großgruppenprojekten, die eine Betreuung einfacher machen, da mehr Kinder „überwacht“ werden können. Viele Tageseinrichtungen verwahren nur die Kinder, die ErzieherInnen müssen sich mehr mit Orientierungsplänen und Kinderassessment beschäftigen als mit Einzelförderung.

Der von der EU geforderte Personalschlüssel bewegt sich bei den Ü3-Kindern von 1:5 bis 1:8, bei den U3 Kindern 1:3 –  Je größer die Einrichtung, desto weiter klafft aber diese Schere in Wirklichkeit. Statistisch gesehen lesen sich die aktuellen tatsächlichen Zahlen zwar recht optimistisch, nimmt man aber Urlaub und Krankheit hinzu, sieht es anders aus. Jeder darf in „seiner“ Einrichtung nachzählen, vermutlich dürften es eher doppelt so viele Kinder sein, die von einer einzelnen Erzieherin betreut werden.

Ich frage gerne nach, wenn Eltern in der Vorschulphase mit der Sorge wegen „Unaufmerksamkeit“ und mangelnde Konzentration des zukünftigen ABC-Schützen zu mir kommen: Meist sind es Kinder aus großen Gruppen, Kinderhäusern mit offenem Konzept. Manche kompensieren das gut, einzelne aber nicht, doch diese gilt es zu fördern. Kinder in Kleingruppen, Vorort-Kitas oder solche „auf dem Land“, die überhaupt nur zwei Gruppen mit zehn Kindern haben – selten kommen da Nachfragen wegen „Aufspringen im Stuhlkreis“ (falls es den überhaupt noch gibt) oder plötzlicher Aggressivität.

Der Kindergarten, die Kita ist erste Institution unseres Bildungssystems, wann beginnen wir endlich, das mit entsprechender Ausbildung der ErzieherInnen zu würdigen?

Blick über die Grenze

Impfstoffe werden knapp – nicht nur bei der Grippeimpfung. Der BVKJ schlägt Alarm.

Kinder- und Jugendärzte fordern: Politik muss Versorgung mit Impfstoffen sicherstellen

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) ist in großer Sorge. Niedergelassene Kinder- und Jugendärzte überall in Deutschland melden, dass sie in den Gemeinschaftsunterkünften und in ihren Praxen zahlreiche unbegleitete minderjährige Flüchtlinge ohne Impfdokumente sehen, die unbedingt geimpft werden müssen. Viele von ihnen sind noch nicht in den ihnen zugewiesenen Kommunen und haben noch keinen Vormund. Ohne Vormund aber auch keine Impfung für Minderjährige. Auch bei den vielen Kindern, die mit ihren Eltern aus den Krisengebieten zu uns kommen, gibt es große Impflücken.

„Viel schlimmer aber als der fehlende Vormund ist der Mangel an Impfstoffen“, so BVKJ-Präsident Dr. Wolfram Hartmann in Köln. Bis zum Jahresende werden wir bestimmte Impfstoffe nicht bekommen, etwa den Impfstoff gegen Diphtherie, Keuchhusten, Kinderlähmung und Tetanus. Auch nicht als Reimport über eine europäische Apotheke. Auch beim Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken sowie beim nasalen Grippeimpfstoff für Kinder zwischen zwei und sieben Jahren gibt es große Lieferengpässe.

Mit anderen Worten: wir können die Bevölkerung, einheimische Kinder und Flüchtlinge gleichermaßen, nicht mit den Basisimpfstoffen versorgen. Der Impfstoffmangel, den die Pharmafirmen verantworten, muss jetzt dringend Chefsache des Gesundheitsministers werden! Kinder haben ein Recht auf die vom RKI empfohlenen Impfungen, vor allem für chronisch kranke Kinder sind rechtzeitige Impfungen auch gegen Grippe, insbesondere, wenn sie in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht sind, lebenswichtig.

Die Bundesregierung muss jetzt dringend handeln und das Recht der Kinder auf Impfschutz durchsetzen. Die Impfstoffversorgung ist ebenso eine nationale Aufgabe wie die Versorgung mit Ärztinnen und Ärzten“

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Dies ist eine Pressemitteilung des BVKJ.
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Bei uns in der Praxis sieht es momentan noch sehr gut aus, da wir einen großen Patientenstamm versorgen, lagern wir einen ausreichenden Puffer an Impfstoffen ein (was auch ein Risiko darstellt – so bleiben wir auf den Kosten sitzen, wenn unser Kühlschrank mal schlappmacht). Dennoch wird es diesen Winter wohl einige Probleme geben.

Ähnlich ist es bereits jetzt mit dem Grippeimpfstoff – insbesondere beim o.g. nasalen Impfstoff. Dieser wird nur in Zehnergebinden von der Firma abgegeben, eine unverständliche Verschiebung des Kostenrisikos auf die einzelne Praxis (zumal der nasale Impfstoff in den meisten Bundesländern außerhalb der Rabattverträge über den Namen des zu impfenden Kindes besorgt werden muß). Völlig daneben für ein Land, das großspurig mit dem Solidargedanken der gesetzlichen Krankenversicherungen hausieren geht.

Achtung! Retinoblastom – Was ist das?

„Weißliche Augenfarbe auf Blitzlichtfoto abklären lassenRetinoblastoma

Weist ein kleines Kind eine weißliche oder auch gelbliche Augenfarbe statt eines roten Auges auf einem Blitzlichtfoto auf, sollten Eltern dies abklären lassen.

Denn die Verfärbung kann durch ein Retinoblastom verursacht sein. Auch bei hellen Lichtverhältnissen kann dieser Effekt sichtbar sein. „Ein Retinoblastom ist der häufigste Tumor im Auge bei kleinen Kindern, der sich vor allem im Alter zwischen zwei und fünf Jahren entwickelt. Er ist relativ leicht mit bloßem Auge zu erkennen. Frühzeitig behandelt, kann das betroffene Auge gerettet und das Kind von umfangreichen und beschwerlichen Therapien, wie z.B. Chemotherapie, bewahrt werden“, erläutert Dr. Monika Niehaus, Kinder- und Jugendärztin aus Weimar.

Bei einem Verdacht sollten Eltern aus ca. vier Metern Entfernung ein Foto des Kindes von vorne mit Blitz anfertigen. Die automatische Beseitigung des Rote-Augen-Effekts sollte ausgeschaltet sein. Reflektiert die Pupille eines Auges oder beider Augen nicht rötlich, sondern weißlich, kann – muss aber nicht – dies ein Hinweis sein, den sie mit einem Facharzt besprechen sollten. „Auch ein gerötetes und schmerzendes Auge, Schielen und erweiterte Pupillen bei einem oder bei beiden Augen oder farbliche Veränderungen der Iris (Ring um die Pupille) können Begleiterscheinungen des Tumors sein und sollten untersucht werden“, ergänzt Dr. Niehaus. Darüber, wie ein betroffenes Auge aussehen kann, können sich Eltern auf der Seite http://www.kinderaugenkrebsstiftung.de informieren.
Pro Jahr erkranken in Deutschland etwa 40 Kinder. Bei etwa der Hälfte der Kinder besteht eine Veranlagung für die Erkrankung, d.h., auch ein Familienmitglied ist davon betroffen gewesen. Die Mehrheit der Kinder mit Retinoblastom kann nach der Behandlung ein normales Leben führen.

Quellen: kinderaugenkrebsstiftung.de, Ophthalmologe, Kidshealth.org

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Dies ist eine Pressemitteilung des BVKJ.

(C) Foto bei Flickr / Jennifer Miller

Vor Kita nur Impfberatung oder -check?

Die neuesten politischen Entwicklungen zur (quasi) Impfpflicht – worauf sich die Regierungskoalition geeinigt hat:
– Ausschluss von ungeimpften Personen aus Gemeinschaftseinrichtungen, wenn dort ein Masernfall bekannt wurde
– Verpflichtende Impfberatung vor Aufnahme eines Kindes in eine Kita (incl. Bußgeld bei Versäumnis)
– Überprüfung des Impfstatus von Beschäftigten in medizinischen Einrichtungen und evtl. Umsetzung des Arbeitsplatzes bei Bedarf.
– Aufnahme von Schutzimpfungen in die Bonusprogramme der Krankenkassen
– Wann ist der nächste Impftermin? – Eintrag in den Impfausweis.

Aus den Kreisen der Grünen kommt reflexhaft der Ruf nach dem Recht auf Unversehrtheit des Körpers, als ob dies nicht auch für „nicht impfbare“, chronisch kranke Kinder gelte, die stets Risiko laufen, von Ungeimpften in der Kita angesteckt zu werden. Was wiegt eigentlich mehr, das Recht der Eltern auf körperliche Unversehrtheit ihres Kindes bei einer verweigerten Impfung oder das Recht auf körperliche Unversehrtheit des schutzbefohlenen Kindes, welches eine impfpräventable Krankheit bekommen könnte?
Immerhin erkennen auch grüne Politiker, dass beim Moment des Eintritts in den Kindergarten die Dimension des Gruppenschutzes erreicht ist und den Eigenschutz des Individuums überwiegt. Daher begrüßen auch sie grundsätzlich die Beratungsregelung.

Dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte geht dies nicht weit genug, er fordert einen Nachweis der Durchführung der empfohlenen Impfung gegen Masern oder fordert sonst die Eltern auf, ihr Kinder in private Einrichtungen zu geben, die evtl. ein weicheres Impfregime tolerieren.

Don’t shake the baby!

„Baby niemals schütteln
Eltern sollten ihr Baby niemals schütteln. „Die Nackenmuskulatur eines Babys ist noch schwach und kann seinen großen und schweren Kopf nicht unterstützen. Wenn Eltern ihr Baby kräftig schütteln, fällt der Kopf daher hin und her. Durch die Scher- und Rotationskräfte zerreißen u.a. die Blutgefäße zwischen harter und weicher Hirnhaut, es bilden sich Blutergüsse und Schwellungen im Gehirn, die Netzhaut der Augen kann einbluten, und Nervenzellen werden geschädigt.

Auch die Wirbelsäule kann verletzt werden. Die Folge sind schwere körperliche und geistige Schäden, wie verzögerte motorische Entwicklung, Sprach- und Sprechschwierigkeiten, Sehprobleme, Blindheit, Lähmungen, Epilepsie und sogar der Tod – Experten sprechen von Shaken-Baby-Syndrom oder Schütteltrauma“, erklärt Dr. Monika Niehaus, Kinder- und Jugendärztin aus Weimar sowie Mitglied des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).
Untersuchungen haben ergeben, dass das Risiko eines Babys, ein Schütteltrauma zu erleiden, im ersten Lebenshalbjahr besonders groß ist. Häufig sind Schreibabys betroffen. Eltern dieser Kinder setzen sich selbst meist stark unter Druck, weil es ihnen nicht gelingt, ihr Kind zu beruhigen. „In Situationen, in denen junge Eltern mit den Nerven am Ende sind, weil das Baby nicht aufhört zu schreien, sollten sie es auf dem Rücken in sein Bettchen legen und die Tür schließen, bevor sie unüberlegt handeln. Tief durchatmen oder eine vertraute Person anrufen, kann dann helfen. Wenn das Baby mehr als zwei bis drei Stunden täglich schreit, länger als üblich schreit, es einen kranken Eindruck macht oder den Eltern Angst macht, dann sollten sie den Kinder- und Jugendarzt kontaktieren“, rät Dr. Niehaus. Falls Großeltern, ein Babysitter oder andere Personen einen Säugling betreuen, sollten Eltern sie darüber informieren, wie gefährlich „Schütteln“ ist.
In Deutschland erleiden schätzungsweise 200 Babys pro Jahr ein Schütteltrauma. 30% der Kinder versterben und bis zu 70% der Überlebenden haben lebenslang unter den Folgen zu leiden.“

Quellen: Notfall + Rettungsmedizin, Pediatr Radiol, Mayo Clinic

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Dies ist eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V. 

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