Kurzer Dank

… an die liebe Pharmama, für das freundliche Geschenk aus meiner A.-Wunschliste, noch zum Tag des Buches. Dir, liebe Pharmama, Dank für die steten Geschichten und Inspirationen zum Bloggen. Stay tuned!

PS Pharmama hat auch ein Buch

  

Gelesen im April

Leider hat mich Buch No.2 sehr lange festgehalten und damit fern von anderen literarischen Genüssen, das ist im Rückblick schade, die Lesefreizeit ist zu kurz, um sich mit Büchern abzugeben, die nicht für den eigenen Geschmack gedacht sind. Ich muss das Weglegen wieder konsequenter umsetzen. Hier meine Leseabenteuer des April:

Nazis, Nadeln und Intrigen: Erinnerungen eines Skeptikers von Edzard Ernst
Darüber habe ich bereits ausführlich geschrieben, jedem Skeptiker alternativer Medizin sehr ans Herz gelegt, gibt es einen interessanten Einblick in die “Szene” und gegen welche Windmühlen gestandene Wissenschaftler kämpfen müssen. (5/5)

Das achte Leben (Für Brilka) von Nino Haratischwili
Das Buch hat mich ratlos hinterlassen. Wohl geschrieben, angenehm zu lesen, sicher lange recherchiert. Stand auf der Liste zum Buchpreis 2014. Eine Familiengeschichte in Georgien und der Sowjetunion im letzten Jahrhundert, nebenbei erfährt man viel von der russischen Geschichte (bei mir einen große Lücke).
Ein ambitioniertes Projekt von über 1200 Seiten, und genau diese Tatsache hat mich scheitern lassen. Das Buch ist imho viel zu lang. Vielleicht habe ich auch nicht genug Durchhaltevermögen. Tut mir leid. Warum dürfen literarische Werke nicht mehrteilig erscheinen? George R.R. Martin kann es doch auch. Die “Brilka” jedenfalls habe ich nicht zu Ende gelesen, schade um die Zeit. (2/5)

Deutschland verstehen: Ein Lese-, Lern- und Anschaubuch von Ralf Grauel und Jan Schwochow
Ein Sachbuch, das schon lange in meinem Schrank steht, ich stehe auf Erklärbärgrafiken. Beim Schmökern durch meinen SuB bin ich bei diesem großformatigen Buch hängen geblieben, und habe mich ein ganzes Wochenende hineinvertieft. Ob es die Vorgänge bei einer Bundestagswahl oder die beteiligten Personen bei einem Bundesligaspiel sind, alles ist wunderbar einprägsam illustriert, genauso wie die beliebtesten Vornamen (und warum) oder die Luftbrücke. Wer Deutschland verstehen will, mal auf andere Weise, dem sei dieses Buch gegönnt. (5/5)

Revival von Stephen King
(Übersetzt von Bernhard Kleinschmidt, Gelesen von David Nathan)
Stephen King schreibt ein Buch über Religiösität, über Familie, über Drogen, Rockmusik und Elektrizität. Seltsam? Ja. Der Spannungsbogen ist klassisch, die Figuren faszinierend, die Atmosphäre unvergleichlich. Stephen King kehrt zum Horror zurück und bleibt seinem Stil “das Gruselige des Alltags” treu. Wie sich das Entspannte und Familiäre über Jahre fortentwickelt zur Abrechnung mit den Dämonen der Vergangenheit, das ist genial. Gelesen von David Nathan, mehr geht nicht. (5/5)


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Buchverlosung! And the books go to …

Gestern abend war hier große Verlosung im Hause kinderdok, alle Stars waren versammelt, Blitzlichtgewitter und Applaus. Hier sind die Gewinner:

Die Unperfekten von Tom Rachman gewinnt christinasbabyblog
Chill mal, Frau Freitag von Frau Freitag geht an Verena Eberhardt
Libellensommer von Antje Babendererde räumt niko ab und über
Die dunklen Gassen des Himmels von Tad Williams darf sich Caroline freuen.

Ich habe Euch bereits per e-mail benachrichtigt. Glückwunsch!

Wer diesmal leer ausgegangen ist: Hier gibts immer mal was zu gewinnen, Adventskalender und nächstes Jahr “Blogger schenken Lesefreude” inbegriffen. Nicht traurig sein. Stay tuned.

Euer kinderdok

Buchverlosung!

Nach dem Teaser nun der offizielle Start:

Ich bin dieses Jahr wieder dabei, wenn Blogger Lesefreude schenken. Für alle Leser dieses Blogs, aber vor allem schöner Bücher, verlose ich in der Zeit der Aktion “Blogger schenken Lesefreude” vom 20.4. bis 23.4. folgende Bücher:

Die Unperfekten von Tom Rachman (Roman aus dem Zeitungsmilieu)
Chill mal, Frau Freitag von Frau Freitag (Erlebnisberichte… aus der Schule)
Libellensommer von Antje Babendererde (Jugendroman, die erste Liebe usw.)
Die dunklen Gassen des Himmels von Tad Williams (Urban Fantasy über einen Erzengel und seinen Job)

(Die Bücher stammen alle aus meinem Fundus, sind wirklich gut erhalten und damit auch verschenkbar, lediglich “Frau Freitag” hat einen blassen Stempel auf dem Schnitt, das habe ich mal am Grabbeltisch erlegt. Die Geschichten sind alle prima und gut, die Bücher selbst passen aber jedes für sich irgendwie nicht auf meinen Geschmack, deshalb möchte ich andere damit erfreuen.)

Was tun?

– Teilnehmen darf jeder, der mindestens 18 ist (oder jemanden beauftragen kann 😁).
– Es gibt eine kleine Aufgabe: Schreibe in die Kommentare den ersten Satz des Buches, welches Du gerade liest (keine Vorworte oder Motti oder Widmungen oder so, das ist wohl klar) und wie das Buch heisst.
– Wer mag, darf auch noch das One-and-only-favorite-Buch nennen, das sie/er wirklich jedem empfiehlt, mit auf eine einsame Insel nehmen würde, das beste der besten eben, usw. Schließlich schenken wir hier Lesensfreude, da sind Tipps immer gut.
– Du musst ansonsten nur Deine E-mail-Adresse und Nickname im entsprechenden Feld und den Buchwunsch (gerne auch “egal”, gewinnen kann jeder aber nur eins…) in der Kommentarzeile hinterlassen. Die E-mail-Adresse ist nur für mich sichtbar und wird – wie auch die postalische Adresse bei Gewinn – später wieder gelöscht. Bitte keine Namensangaben, Adressen oder e-mail-Adressen direkt im Kommentarfeld (= für alle sichtbar) posten. Was Nettes schreiben ist aber immer drin.
– Wer keinen Buchwunsch postet, kriegt irgendein Buch der Liste.
– Es werden nur die Einsendungen berücksichtigt, die unter diesem heutigen Posting stehen, also da unten (⬇️). Das könnt Ihr aber bis zum 23.4./23.59 Uhr machen.
– Ein paar Tage nach dem 23.4. (sobald ich dazu komme) verlose ich die Bücher mittels random.org.
– Ich benachrichtige Euch per e-mail, eine Erwähnung mit Nickname gibts hier auf dem Blog natürlich auch. And the winner is…
– Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Viel Spaß, und… schau ruhig in der offiziellen Homepage vorbei, da gibt’s noch mehr zu entdecken.

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Ernste Einsichten aus Exeter


Wer Edzard Ernst nicht kennt: Er war bis zu seiner Emeritierung Leiter des ersten Institutes für Alternativmedizin (an der Universität in Exeter), eckte mit seinen Erkenntnissen, dass die meisten untersuchten Verfahren über die Wirkung eines Placebo-Effektes nicht hinausgehen (z.B. Homöopathie oder Akupunktur), sehr an und versteht sich nun via Blog und Twitter als Mahner und Erinnerer auf diesem Feld. Der ewige Skeptiker.

Nazis, Nadeln und Intrigen” ist seine Autobiographie. Primär vielleicht gedacht als Bericht aus dem Institut, vom Streit um die kritischen Erkenntnisse – immerhin nimmt dies über 50% des Buches ein – , beginnt es jedoch in früher Kindheit, berichtet von seinen Eltern, seiner Schulzeit, dem Medizinstudium und den ersten Anstellungen an verschiedenen Kliniken.

Schließlich führt seine eigentliche Berufung, die Forschung, Edzard Ernst über Wien nach Exeter, wo er eben da mit der Erforschung verschiedenster Alternativverfahren beauftragt wird. Das haben sich die Uni-Väter vielleicht anders vorgestellt, vielleicht auch die Stiftungsgeber: Ernst verstand seine Arbeit nicht als Feigenblatt zur Etablierung der Heilverfahren (allen voran der Homöopathie, welche in England einen hohen Stellenwert hat), sondern sah als korrekter Wissenschaftler, der Geistheilungen, Akupunktur und Globuli strengen (doppelverblindeten und randomisierten) Studienauflagen unterwarf. Anfangs unterstützt durch die Naturheiler (die Geistheiler waren Teil des erarbeitenden Forschungsteams) distanzierte sich das “Naturestablishment” immer mehr von ihm, als offensichtlich wurde, dass die Ergebnisse nicht in deren Interesse war. Alles gipfelt in öffentlichen Anfeindungen und einer persönlichen Fehde zwischen Edzard Ernst und dem britischen Thronfolger Prinz Charles, einem Verfechter der Naturheilkunde im Königreich.

Die Nazis auf dem Titelblatt mögen der Vermarktung in Deutschland geschuldet sein, immerhin reflektiert Ernst die bekannten Strömungen der “Germanischen Medizin”, das Heilpraktikergesetz datierend aus dem Dritten Reich und die Goutierung der Homöpathie während der Nazi-Zeit. Er veröffentlichte auf kritische Schriften zur Verflechtung der Wiener Universität mit dem Naziregime. Edzard Ernst sieht sich selbstkritisch als sturer Kopf, seine Vitae verschweigt nicht, dass er Probleme hat mit Autoritäten und Gängelung, mit Intrigen und Manipulation. Dabei hält er sich gentlemanlike noch vornehm zurück, ganz der Wissenschaftsprofi. Lediglich im Kernkapitel “Wunderland” (Originaltitel des Buches: “A Scientist in Wonderland“) räumt er ordentlich auf mit den falschen Heilsversprechen der Alternativerfahren, der unwissenschaftlichen Erarbeitung von Studienergebnissen, falscher Anekdoten-Medizin und der Gefahr unterlassener adäquater Therapie. Ein Behandlungsverfahren ist nicht alleine deswegen “effektiv, weil Millionen von Menschen sie anwenden.” Da wird er deutlich und unbequem.

Zitate:
“Wenn es darum geht, zu verstehen, wie verletzlich ein Patient ist, gibt es keine hilfreichere Erfahrung für einen Arzt in spe, als selbst zum Patienten zu werden.”
“Der entscheidende Punkt einer guten klinischen Studie muss es sein, ein verlässliches Ergebnis in Bezug auf die Therapie selbst zu produzieren.”
“Dieses Wissen [dass eine Behandlungsmethode nicht wirkt] versetzt Mediziner … in die Lage, die knappen Ressourcen des Gesundheitssektors jenen Therapien zukommen zu lassen, die nachweislich wirken, statt Zeit und Geld auf jene zu verwenden, die es nachweislich nicht tun.”
“Dabei folgten wir dem Grundsatz, dass es so etwas wie Alternativmedizin gar nicht gibt, sondern lediglich Behandlungsformen, die funktionieren, während jene, die es nicht tun, schlicht und ergreifend Quacksalberei sind.”
“…, die Verwendung von Placebotherapien bedeutet, den Patienten um etwas zu betrügen, das entscheidend zu seiner Gesundung beitragen würde. Und das ist zweifellos unethisch und potentiell gefährlich.”

Fazit:
Das Buch liest sich gut, es hat das ausreichende Maß an wissenschaftlichem Background und populärwissenschaftlicher Diktion – ich habe es in drei oder vier Abenden verschlungen. Es kann als Einstieg in die kritische Auseinandersetzung mit den alternativen Behandlungsverfahren dienen, Kritiker werden jedoch Edzard Ernst die Integrität nicht abnehmen. Es ist immer eine Frage der Perspektive, und kein Diskutant im Streit um Naturheilverfahren bringt die ausreichende Objektivität mit, die Edzard Ernst so einfordert.

Ich fand seine Ansichten, Ideen und Erkenntnisse schlüssig und entlarvend, dabei angenehm unaufgeregt, weil glasklar analytisch. Ein gutes Sachbuch, dem man beim heutigen Zeitgeist, wo viele Patienten Heilung in mystischen Verfahren suchen, viele Leser wünscht.

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Serviceblog: Buchverlosung! (Teaser)

Ich bin dieses Jahr wieder dabei, wenn Blogger Lesefreude schenken. Für alle Leser, dieses Blogs, aber vor allem schöner Bücher, verlose ich in der Zeit der Aktion “Blogger schenken Lesefreude” vom 20.4. bis 23.4. folgende Bücher:

Die Unperfekten von Tom Rachman
Chill mal, Frau Freitag von Frau Freitag
Libellensommer von Antje Babendererde
Die dunklen Gassen des Himmels von Tad Williams

Was tun? Du musst nur am 20.4. wiederkehren und Deine E-mail-Adresse und den Buchwunsch in der Kommentatorenliste hinterlassen. Genauere Bedingungen folgen dann. Das hier ist nur der Teaser.
Viel Spaß, und… schau ruhig in der offiziellen Homepage vorbei, da gibt’s noch mehr zu entdecken.
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Gelesen im März

Joyland von Stephen King
(Deutsch von Hannes Riffel)
Stephen King ist ein Phänomen: Seit Jahrzehnten erfolgreich, geliebt von den einen, gemieden von den anderen. Seine Fans sehen in ihm einen angehenden Nobelpreisträger, seine Gegner einen geschickt vermarkteten Groschenromanschreiber. Nachdem er mit Mr. Mercedes vor kurzem einen waschechten Thriller hinlegte (ohne Horror), kommt mit “Joyland” ein Krimi daher (ohne Horror). Die Geschichten sind allesamt nicht sonderlich sophisticated, aber den Thrill, den Spannungsbogen kann keiner so gut, wie Stephen. Man muß ja nicht seine Schocker lesen, aber seine “braven” Romane und Geschichten sind feinste Erzählliteratur. Ich lausche gerade “Revival”, dem allerneuesten Buch von ihm – nächsten Monat mehr davon. (5/5)

Von Männern, die keine Frauen haben von Haruki Murakami
(Deutsch von Ursula Gräfe)
Murakami wird gehypet, keine Frage. Seine Romane verkaufen sich weltweit wie geschnitten Brot, es ist chic, ihn als ewigen Nobelpreisaspirant zu bezeichnen (geht mir auch so). Mit den vorliegenden Geschichten tat ich mich jedoch etwas schwer. Klar, die üblichen schrägen Typen mit schrägen Ansichten, vor allem, was das Sexuelle angeht – das kennt man von Murakami. In vielen seiner Romane tauchen diese kurzen Geschichten auf. Trotzdem bleibt diesmal nicht viel “hängen”. Ein paar nette Ideen, ja, wie immer auch vorzüglich erzählt, aber mehr? Ich hoffe, Herr Murakami hat diese Geschichtensammlung nur dem Hype zuliebe veröffentlicht. Seine Romane sind mir lieber, weil verworrener und beglückender in der Auflösung. (3/5)

Die Straße von Cormac MacCarthy
(Deutsch von Nikolaus Stingl, Gelesen von Christian Brückner)
Weltliteratur. Simply as that. Unfuckingfassbar gut geschrieben, Metaphern zum Zungeschnalzen, biblische Symbolik und bedrückende Angstathmosphäre. Ganz großes Kopfkino dank Christian Brückner, den ich nur hören will (sein schauspielerisches und interviewtechnisches Können sind miserabel), der ein wenig scheitert an den Timbres der einzelnen (wenigen) Figuren, das kann David Nathan (siehe King) besser.
“Die Straße” gibts auch als Film, da bin ich noch gespannt drauf. Als Roman (jedenfalls in Hörbuchform) gibts eine (6/5)

Gestern Nacht im Taxi von Sascha Bors
Davon hatten wir´s schon vor einer Woche – lesenswert (4/5).

Der Araber von morgen von Riad Sattouf
(Deutsch von Andreas Platthaus)
Eine Graphic novel, der erste Teil, über den jungen Riad, der als Sohn einer Französin und eines Syrers hin- und herwandelt zwischen Paris und Libyen, Syrien und dem Irak, zwischen den Welten. Extrem gut eingefangen die Sichtweise des Kindes, authentisch heißt das wohl, angenehm und lustig gezeichnet in einem ganz eigenen Stil. Sattouf hat auch ein Buch über seine Beschneidung gemalt – habe ich vor einiger Zeit mal gelesen, genau der gleiche entwaffnende Witz. Vom “Araber” gibt es bald einen zweiten Teil, ich werde ihn sicher lesen. (5/5)

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Pre-Gelesen: Taxi! Taxi!

Diese Kolumne kommt eigentlich erst am Anfang des Monats, aber dem Buch “Gestern Nacht im Taxi” möchte ich gerne ein Extra Posting widmen, denn Sascha Bors, Blogkollege und Taxifahrer, hat was geschrieben (schon das zweite, nicht wahr?), anlehnend und erweiternd zu seinem ebenfalls sehr lesenswerten Blog “Gestern nacht im Taxi” (Achtung! Gleicher Titel! Manche Verlage können´s eben…).

Nun stehe ich sowieso sehr auf Berufsblogs. Auch wenn´s nur ein eingeschränkter Blick “aufs Janze” ist und nicht aus dem vollen Leben schöpft, wie die zahlreichen Mutti-, Privat- und Familienblogs, so bieten sie mir doch Einsicht in das, was die anderen da so machen. (… “Was machen die da?”, ein Teil von Buddenbohms und Frau Bogdans Werk, auch so was Nettes, da schon mal reingeschaut, wirklich spannend… aber das führt jetzt zu weit…).

Ich habe schon bei Buchhändlern reingeschaut, bei Anwälten, Leichenbestattern und natürlich den vielen Medizinern und Rettungsleuten, die sich in der Blogosphäre tummeln. Es gibt wohl noch mehr Taxiblogs, ich hänge aber nur bei Sash fest, dazu schreibt er von allen am regelmäßigsten und auch am lustigsten. Eine “good attitude” hat er außerdem noch, ist auch wichtig.

Im Buch nach dem Blog breitet er sich genüßlich weiter aus, wie sich das fürs Prosahafte außerhalb des Bloggens auch gehört: Jedes Kapitel gibt sich ganz einem Thema hin (Kohle, Kotzen, Pärchen :-)), er lässt seine Fahrgäste auf- und abmarschieren, also ein- und aussteigen und den Leser teilhaben an dem kleinen Mikrokosmos Taxi. Ich fand das Lesen sehr unterhaltsam, gönnte mir die letzten Abende je ein Kapitel – obwohl sich das Buch auch gut zum Rein- und Festlesen eignet, da kommts nicht so auf die Reihenfolge an. Ich habe viel erfahren: Über die Taxi-“fackel”, übers Trinkgeld, überhaupt das Verdienen als Taxifahrer, über Platzprobleme, Sarrazins Welt, Zechpreller und Sprachprobleme. Sash räumt auf mit Vorurteilen gegenüber dem Taxigewerbe, gibt aber freimütig zu, dass manche Gerüchte über schwarze Schafe auch ihre Berechtigung haben (naja, dumme Kollegen gibt es überall, oder?).

Ich fahre selbst selten mit dem Taxi, ergibt sich hier auf dem Lande nicht so. Außerdem knausere ich tatsächlich mit dem Geld, obwohl ich die Rechnung seit diesem Buch etwas anders sehe: Schließlich sind in einer Großstadt Taxen stets verfügbar, das kostet, schließlich holen und bringen sie Dich direkt vom Start zum Ziel, ein geldwerter Vorteil. Und die paar Male nach dem Nachtdienst oder dem Rockkonzert, in denen ich eine Taxe genommen habe (ach doch, da noch im Urlaub, weißte noch, mit dem vielen Gepäck…?), fand ich es immer angenehm bequem und kommunikativ. Sascha, wenn Du was erreicht hast mit diesem Buch, dann, dass kinderdok mal häufiger mit Euch mitfährt. Jedenfalls demnächst in Berlin.

Gestern Nacht im Taxi von Sascha Bors, erschienen 2015 bei emons:

PS an Sascha: Aber “Taxi” mit dem unvergleichlichen Andy Kaufman kennst Du auch, oder? Kam kurz auch im deutschen Fernsehen – und wird in “Man on the Moon” von Milos Forman gefeatured. Hier.

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Gelesen im Februar

Kindeswohl
von Ian McEwan (übersetzt von Werner Schmitz)
Einer meiner großen Favoriten: Ian McEwan. Nicht alle Bücher haben Nobelpreisreife, aber McEwans Sprache ist so dicht, metaphorisch und lyrisch, dass ich stets in Schwärmen kommen. Dabei bedient er in verschiedenen Sujets (Kriegsromanen, Zukunftsvisionen, Familiendramen, Beziehungsgeflechte, Thriller) das gleiche Thema: Eine vermeintliche bürgerliche Idylle wird durch ein oder zwei Wendungen aus der Bahn geworfen. Hier ist es die Familienrichterin Fiona, die eigentlich ihre eigene zerrüttete Ehe aufarbeitet, sich aber aus Berufsgründen mit ganz anderen Beziehungen auseinandersetzen muß. Ein Plot hinter dem Plot, ein starker jugendlicher Gegenpart zu der älteren Protagonistin und nebenbei die Arbeit einer Familienrichterin in England – sicher penibel recherchiert vom großen McEwan. (5/5)

Das große Hobbit-Buch: Der komplette Text mit Kommentaren und Bildern
von J.R.R. Tolkien, herausgegeben von Douglas Anderson
Doch doch, ich bin ein großer Herr-der-Ringe-Fan, habe quasi über Tolkien promoviert und freue mich auch über die Jacksonschen Filme. Aus dem Anlass der Hobbit-Reihe im Kino habe ich mir daher den Roman neu gekauft. Diese wunderschöne Ausgabe des deutschen Tolkien-Verlages Klett-Cotta versammelt ganz viele Materialien zu dem unterschätzten Vorläufer des Herrn der Ringe – Illustrationen aus den internationalen Ausgaben und zig Fußnoten, die die Komplexität des Werkes unterstreichen. Das macht die eigentliche Lektüre etwas schwierig, aber – man kennt´s ja schon. (4/5)

Ich bleibe hier
von Catherine Ryan Hyde (übersetzt von Marion Plath)
Das habe ich mir über KindleUnlimited als Leih-Ebook auf meinen Kindle gezogen, einfach , weil es auf der Bestsellerliste dort ganz oben stand. Es hat sich gelohnt. Kein tiefgreifend schöngeistiges Werk, aber eine herzerwärmende Geschichte über ein kleines Mädchen, dass durch seine Nachbarn im Mietshaus in Obhut genommen wird, weil ihre eigene Mutter zugekifft in der Wohnung vegetiert. Geschrieben ist das Buch in zwei Perspektiven: Aus Sicht des Mädchens und aus Sicht des Nachbarn Billy, dem schwulen Broadway-Tänzer, der seit Jahren wegen Agarophobie nicht mehr aus dem Haus gegangen ist. Das gibt der Sache zusätzlichen Reiz. Ein Frauen-Buch? Ja. (4/5)

What if?
von Randall Munroe (deutsch von Ralf Pannowitsch)
Oh, ein Sachbuch. Ja, die lese ich wenige, vor allem, wenn sie sich nicht gerade mit Kinderheilkunde beschäftigen. Aber dieses hat mich sehr interessiert, da vom XKCD-Macher Randall Munroe geschrieben. Allgemein bekannt: Munroe versucht, interessante “Was wäre, wenn”-Fragen wissenschaftlich aufzuarbeiten. Aufgelockert und erstaunlich gut ergänzt wird das ganze durch seine berühmten Strichmännchen. Ich habe nicht alles am Ende kapiert, konnte nicht allem Science-Geschwurbel folgen, aber lustig ist´s allemal, vor allem – ganz “Mythbuster” – , wenn die Fragen in Exzess weitergesponnen werden. Gegönnt sei dem Buch sein Platz auf den Bestsellerlisten. (5/5)

War and Dreams
von Maryse und Jean F Charles (übersetzt von Resel Rebiersch)
Eine Graphic Novel über den Zweiten Weltkrieg, in Rückblenden erzählt am Strand der Normandie, an dem sich die Schicksale von vier Soldaten kreuzen, entflechten und wiederfinden. Sehr schön konventionell gezeichnet, ich fand die Geschichte etwas verworren, aber als kurze Nachmittagslektüre ganz ok. (3/5)

Zahra’s Paradise
von Amir und Khalil (übersetzt von Reinhard Pietsch)
Meine zweite Graphic Novel in diesem Monat, die eindeutig bessere. “Zahras Paradise” schildert eine Zeit im Iran kurz nach der Grünen Revolution von 2009, als zig Menschen verschwanden, unter anderem Mehdi. Dessen Bruder (ein Blogger) und seine Mutter gehen auf Suche. Ihr Verzweifeln an den Hürden der Bürokratie, der Korruption der Diktatur und dem bigotten Verhalten der Geistlichen erschüttert den Leser. Eine ganz andere Welt, eine Historie, die Europa kaum tangiert, die doch der Menschenverachtung in Pinochets Chile oder Francos Spanien ähnelt, sich naturgemäß aber vielmehr hinter der Religion versteckt. Der Comic ist beworben als “Comic für Teens”, dürfte aber starker Tobak sein. (5/5)

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Gelesen im Januar

Matchbox Theater
von Michael Frayn
(übersetzt von Michael Raab)
Michael Frayn ist ein toller britischer Dichter, Theaterschreiber und Romancier, sein Matchbox Theater ein Abriss kurzer Sketche, mit ein paar netten Ideen und Jokes. Mehr aber auch nicht. Das ebook war günstig. Resteverwertung? (1/5)

Schwimmen in der Nacht
von Jessica Keener
(übersetzt von Maria Hummitzsch)
Ein tolles Buch, ich habe es in zwei Tagen durchgelesen. Coming-of-age, Familienroman, viel Verarbeitung, Auseinandersetzen mit dem Thema “Kranke Eltern”, dann Neuanfang, Erste Liebe und die Liebe zur Musik. Ein Roman aus der Perspektive der jungen Sarah, wie sie ihre geliebten Brüder wahrnimmt, ihre Mutter, den hilflosen Vater, die Flucht aus dem Schoß der Familie in ihre eigene freie Welt. Manches lässt den Leser an die eigene Jugend erinnern. Sehr empfehlenswert, übrigens ein Debütroman. (5/5)

Schweinskopf al dente
von Rita Falk

Keine Ahnung, was mich geritten hat, diesen “Provinzkrimi” zu lesen. Ich fand den ersten Film nach den Büchern von Rita Falk ganz lustig, Eberhofer ist ein sympathischer Unsympath. Dachte ich, schaunerwermal, wie das so als Buch rüberkommt. Lustig, jaja, jede Zeile ein Witzel, nett, prima, gelacht haben wir. Krimimäßig ein totaler Reinfall ohne irgendeine Spannung, geht das bayrische Gedönsel irgendwann auf den Wecker. Der Krimi taugt als schöne Vorlage für weitere Filme, keine Frage, aber als Roman imho nicht. Und irgendwie fehlt im Buch Eisi Gulp. (2/5)

Fair Play
von Tove Jansson
(übersetzt von Birgitta Kicherer)
Ja, das ist DIE Tove Jansson, die Schöpferin der Mumins, die finnische Astrid Lindgren. Mumins sind Teil meiner eigenen Kindheit und Teil des Vorlesestoffes bei meinen eigenen Kindern, ich fand auch das Sommerbuch über Tove Janssons Erlebnisse mit ihrer Großmutter genial und zeitlos. Aber das hier? Die Begegnung zweier Künstlerinnen in Helsinki und sonstwo in der Welt. Ganz nett geschrieben, sterbenslangweilig im Abgang. (1/5)

Pfaueninsel
von Thomas Hettche
(Hörbuch gelesen von Dagmar Manzel)
War ja auf der Shortlist des deutschen Buchpreises 2014, dementsprechend erwartungsvoll lauschte ich dem Text. Geschichte: Unglaublich detailreich recherchiert, sicher viel Arbeit. Text: Angelehnt an das neunzehnte Jahrhundert stilistisch antiquiert. Protagonistin: Liebenswert. Lesung: So spannend wie ein Märchenbuch, Dagmar Manzel hat die Stimme für diesen vergangenen Stil, das wirkt vor allem einschläfernd.
Es ist sicher eine Glanzleistung, einen Roman über ein Burgfräulein mit Osteochondrose im achtzehnten Jahrhundert komplett im entsprechenden Deutsch zu schreiben, nebenbei auch noch viel preussische Geschichte zu streifen und einen Einblick in die Botanik zu bekommen – so richtig weiterempfehlen mag ich das Buch dennoch nicht. Selbst gelesen wäre ich sicher über die ersten dreißig Seiten nicht hinausgekommen. (3/5)


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