Gelesen im Juli

Wie auch im Juni – der Owen Meany. Da im englischen Original, hat es etwas länger gedauert, ihn zu lesen, dennoch war es, als lese ich den Roman ganz neu, das erste Mal.

A Prayer for Owen Meany von John Irving
Was kann ich noch über das Buch sagen, nachdem ich es nun zum zigsten Mal (aber erstmals im Original) gelesen habe? Vielleicht habe ich es tatsächlich neu entdeckt. Die Religiösität, die dem Buch entspringt, war mir nie so bewußt, obwohl man es in jeder Seite um die Ohren gehauen bekommt. Zu stark empfand ich immer den Charakter von Owen Meany selbst. Noch mehr verstand ich diesmal die vielen Metaphern und Symbole, und auch die Bezüge zur Gegenwart (1987, als das Buch erschien) verstehe ich jetzt besser als früher. Absolut bewundernswert: Irvings Komposition des Romans, seine Rück-, Vor- und Einblendungen, ohne je die Twists des Romanes vorher zu verraten.

In der englischen Kindle-Ausgabe gibt es noch ein schönes Interview mit John Irving, für Fans natürlich lesenswert. Amazon bietet zudem noch einen Guide für Lehrer an. Owen Meany ist in den USA inzwischen Schullektüre, die Aufgaben im A Teacher’s Guide sind sehr interessant, manche Fragen beleuchten Figuren und Ideen, über die ich mir (bisher) keine Gedanken gemacht habe. Wen es interessiert, also die verkappten Englischlehrer unter uns – angucken. Übrigens kostenlos. (5/5)

Die letzte Drachentöterin von Jasper Fforde
(übersetzt von Isabel Bogdan)
Hinein ins Vergnügen. So ab und zu lese ich gerne mal so genannte Jugendbücher, meist heute als “no-ager” oder “crossover” bezeichnet, also geschrieben für ein junges Publikum, aber eigentlich auch für uns Große hübsch lesbar, siehe Harry Potter oder John Green. Im “Drachentöterin” gehts um Jennifer Strange, mal wieder um Magie im Alltag, einer seltsamen Welt zwischen dem heutigen Großbritannien und einer Fabelvision davon, dem letzten Drachen in derselben und wer ihn töten soll. Herrlich lustige Verwicklungen, schnelle Handlungswechsel und ein Schluß, der Lust macht auf mehr (ist nur der Einstieg in eine Reihe von Büchern rund um Jennifer Strange). Fforde schreibt gerne Fortsetzungsbücher, mit Thursday Next bin ich nicht so warm geworden, die Reihe “Grau” hingegen scheint er leider nicht fortzusetzen, deren Debütroman fand ich wirklich gut. “Drachentöterin” jedenfalls — das kann noch sehr lustig werden.
Respekt vor Isabel Bogdan für die Übersetzung – was ist schwerer, als den englischen Humor ins Deutsche zu verpflanzen? So gut! (5/5)

Um Leben und Tod von Henry Marsh
(übersetzt von Katrin Behringer)
Der Kollege Neurochirurg schreibt ein Buch. Das hat mich interessiert und das habe ich auch bekommen: Kapitel für Kapitel ein Bericht aus dem OP-Saal, jeweils betitelt mit Erkrankungen (meist Tumoren) des Gehirns, Innenansichten des bekanntesten Neurochirurgen Englands, inzwischen im Ruhestand. Bei vielen Geschichten musste ich schlucken, verstand die Sicht des Arztes, aber bei keiner so sehr, als Marsh selbst zum Patienten wird.
Dennoch: Das Buch wirkt ein wenig zusammengestückelt, als habe ein Lektor (oder Verleger) ihn aufgefordert, “Mr Marsh, schreibens´e doch mal ein Buch. Tolle Idee: Sie nehmen sich immer einen Patienten und seinen speziellen Tumor und erzählen ein bisschen aus ihrem Leben, na, wäre das was?” Das Buch wird gelobt für die Eigenkritik des Arztes, für die Eingeständnisse der Fehler, die er in seiner Karriere begangen hat, und die jeden Mediziner verfolgen. Diese Passagen sind wichtig und schenken paradoxerweise noch mehr Vertrauen in einen solch erfahrenen Chirurgen. Der Rest sind Geschichten. Mehr nicht. Aber sicher bin ich auch die falsche Zielgruppe. (3/5)

Die Schneekönigin von Michael Cunningham
(übersetzt von Eva Bonné)
Naja. Na gut. Nicht mein Buch. Nicht mein Stil. Die Bilder und Gedanken zu verschwurbelt, die Charaktere für mich zumindest zu wenig identifizabel (urgs…). Irgendwie geht´s um zwei Brüder, die Freundin des einen ist an Krebs erkrankt, spielt in New York, prima. Der eine ist schwul, der andere ein verkappter Rockmusiker. Soviel zum Klischee der New Yorker. Ich bin einfach nicht reingekommen. Da “nur” ausgeliehen hier per Onleihe, zum Glück in der Anschaffung verzeihbar. Lektüre abgebrochen. (1/5)

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Gelesen im Juni

Schwierig, schwierig, dieser Monat. Ich kam ja aus dem Urlaub und wenn man so entspannt ist, reifen seltsame Ideen. Ich hatte bereits früher John Irving auf englisch gelesen, aber jetzt wollte ich mich an meinen absoluten Irving-favourite machen (eigentlich eines meiner Lieblingsbücher überhaupt):

A Prayer for Owen Meany von John Irving
Der lässt mich gerade nicht los. Ich lese zwar auf dem Kindle, dann ist der Wälzer gewichtsneutral, aber dennoch habe ich erst 49% Lesefortschritt im ganzen Juni geschafft. Es sind die alltäglichen Begleitumstände, die mich vom Lesen abhalten.
“Owen Meany” ist John Irvings Meisterwerk: Seine Abrechnung mit den Religionen dieser Welt (oder zumindest dem Religionswahn in den Staaten), gespiegelt durch die Parabel eines “auserwählten” Jungen, sehr speziell in seinem Körperbau, seiner Sprechweise und seinen Ideen, ist Owen Meany der beste Freunde des Protagonisten, dessen eigene Geschichte seltsam in den Hintergrund gedrängt wird und dennoch alles bestimmt. Irving durchsetzt die Jugendgeschichte der beiden Freunde mit Einsichten in die Amerikanische Politik der ausgehenden Achtziger Jahre, Ronald Reagan, die Contra-Affäre. Der Roman ist unglaublich gut geplottet, auch wenn John Irving gerne behauptet, er schreibe (bis auf seine berühmten letzten Sätze) “von vorne”. Ich kenne ja schon das Ende, und bin jedesmal entzückt, wie John Irving die Story-Fäden zusammenführt bis zum Gipfel auf den letzten Seiten. Davor: Zeitsprünge, Parallelgeschichten, liebenswerte schrullige Charaktere, die von John Irving bekannte seltsame Auseinandersetzung mit der Sexualität und die Rollenspiele von Mann und Frau – ein typischer Irving eben.
Ich habe ihn schon ein paar mal gelesen, er ist “mein Roman” meines Studiums, bisher aber immer nur auf deutsch, jetzt lese ich das Original – dank WordWise auf dem Kindle auch mit nicht zu großen Vokabellücken.
Es gibt keine Bewertung, da dieses Buch alle Bewertungen sprengt.

Doppler von Erlend Loe
(Übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel, Gelesen von Andrea Fröhlich)
Naja. War eine Empfehlung aus dem Twitter/Facebook-Kosmos, ich habe das Hörbuch beim Autofahren gehört, und … naja. Ganz ok. Ganz nett, ganz lustig. Der Typ, der “aussteigt”, um mit einem Elch im Wald zu leben. Ja. Passt. Das Problem ist: Ich wurde mit Doppler, dem Ich-Erzähler, nie so ganz warm. Zu wirr seine Ideen, zu misanthropisch, zu genervt, zu pessimistisch. Ich habe die ganze Zeit auf den Twist gewartet, auf den geistigen Fortschritt dieses verbohrten Typen, aber weder der depressive Nachbar, sein eigener kleiner Sohn, schon gar nicht die Niederkunft seiner Frau haben irgendetwas geändert. Völlig daneben. (1/5)

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Bye bye Pooh

Schade, dass er gestorben ist. So ein sympathischer Typ.
Ich durfte ihm vor zwei Jahren auf der Frankfurter Buchmesse lauschen, als er aus der Autobiographie von Mark Twain im Agora-Zelt gelesen hat. Es gab auch ein Autogramm (nicht von Mark Twain, dafür von ihm [“voc.” 😀].
Bye Pooh.

HaRo 1HaRo

Gelesen (und Gesehen und Gehört) im Mai

Der Marsianer von Andy Weir (übersetzt von Jürgen Langowski)
Hat ein bisschen was von “Apollo 13”, versetzt ins nächste Jahrtausend, in dem der Marsastronaut bei einer missglückten Mission auf der Oberfläche des Planeten zurückgelassen wird. Seine eigenen McGyver-Anstrengungen und die Rettungsaktion der Erde stehen im Mittelpunkt des Buches. Inwiweit die ausführlichen physikalischen und chemischen Ausführungen der Wahrheit entsprechen, kann ich nicht sagen, schlüssig klang das alles schon. Am Ende wird es richtig schön actionmäßig knapp und unglaubwürdig, ein wenig mehr Verzweiflung hätte den Protagonisten zudem nachvollziehbarer gemacht. In jedem Fall *das* Buch der kommenden Raumfahrtgeneration, sehr weitsichtig. (4/5)

Der Tag, als meine Frau einen Mann fand von Sibylle Berg
Frau ist frustriert vom Zusammenleben mit ihrem Ehemann, beide um die fünfzig, da muß der neue Lover her, der am Ende aber enttäuscht, und die Frau erkennt, dass die Ehe, die sie bis dahin führte, doch das Verlässlichere im Leben ist. Sibylle Berg spart nicht mit sexuellen Ausführungen, saftigen Worten und verblüffenden Metaphern, ganz nett zu lesen, aber für mich nicht nachhaltig genug. Weil ich ein Mann bin? (3/5)

Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek von David Whitehouse
(übersetzt von Dorothee Merkel)
Sehr nette Geschichte über einen vernachlässigten Jungen, der sich in die Arme einer alleinerziehenden Mutter flüchtet und mit dieser und ihrer (autistischen, jeder braucht eine Geschichte) Tochter in einem gestohlenen Bücherbus quer durch England flüchtet. Sehr schön geschrieben, kein wirklicher Roman für alle Generationen, da teils sehr heftige Ausbrüche des Jungen. Aber insgesamt sehr spannend konstruiert mit echten Cliffhangern. Achja, ein ungerecht verfolgter Mörder und ein Schloß mit Zoo in Schottland kommt auch noch drin vor. Wem das nicht genug Abstrusitäten sind – es gibt noch ein paar. (4/5)

Alles über Sally von Arno Geiger
Frau ist frustriert vom Zusammenleben mit ihrem Ehemann, beide um die fünfzig, da muß der neue Lover her, der am Ende aber enttäuscht, und die Frau erkennt, dass die Ehe, die sie bis dahin führte, doch das Verlässlichere im Leben ist. Arno Geiger beschreibt das Ehepaar nüchterner und alltäglicher als Sibylle Berg (s.o.), keine Ahnung, warum ich gerade solche Bücher lesen muß. Jetzt habe ich genug davon. Sprache schön, Story teils zu ausufernd, Überblätterfaktor hoch (3/5).

Ein anderes Highlight dieses Monats: Game of Thrones – Staffeln 1-4 
Die Frau des Hauses meinte, es sei mal Zeit, die GoT-Staffeln an einem Stück zu sehen, also denn. Da ich die dritte und vierte noch gar nicht kannte (die Bücher sowieso nicht, die sind mir zu dick), gönnten wir uns die ca. 40 Folgen in knapp zwei Wochen, allabendlich. Da läuft man wenigstens nicht Gefahr, sinnlos im Fernsehen herumzuzappen. Bewertung ist klar, für Fans volle Punktzahl, für alle anderen kein Verlust, sie nicht zu sehen. (5/5)

Zum Hörbuchhören kam ich im Mai nicht, stattdessen habe ich dies für mich entdeckt: Sanft und Sorgfältig, eine Radiosendung und Podcast von Olli Schulz und Jan Böhmermann
Gewöhnungsbedürftig, diese Radiosendung von Schulz und Böhmermann, Kultstatus bei allen Pro7- und NeoMagazin-Sehern. Die beiden quatschen zu allem und nichts, ziehen eine Zote nach der anderen, ein loses Thema soll der einzelnen Sendung einen roten Faden geben, unterscheiden kann man die Sendungen aber dennoch kaum. Mit Gästen wie Peter Fox oder Matthias Brandt (also: maulfauler Starschauspieler trifft auf Quasselstrippen) gibts dezente Abwechslung. Ich höre die Sendung zeitversetzt als Podcast im Auto, leider ist dieser dann ohne Musikpausen, was bei den annoncierten Songs seeehr schade ist. Kultsendung bedeutet, man bekommt kaum genug davon, das war es aber auch schon. Ich bleib trotzdem dran. (4/5)

(Ich habe keine Ahnung, warum die Bücherlinks momentan nicht immer das Titelblatt des Buches zeigen, irgendein Bug der Affiliate links)

Kurzer Dank

… an die liebe Pharmama, für das freundliche Geschenk aus meiner A.-Wunschliste, noch zum Tag des Buches. Dir, liebe Pharmama, Dank für die steten Geschichten und Inspirationen zum Bloggen. Stay tuned!

PS Pharmama hat auch ein Buch

  

Gelesen im April

Leider hat mich Buch No.2 sehr lange festgehalten und damit fern von anderen literarischen Genüssen, das ist im Rückblick schade, die Lesefreizeit ist zu kurz, um sich mit Büchern abzugeben, die nicht für den eigenen Geschmack gedacht sind. Ich muss das Weglegen wieder konsequenter umsetzen. Hier meine Leseabenteuer des April:

Nazis, Nadeln und Intrigen: Erinnerungen eines Skeptikers von Edzard Ernst
Darüber habe ich bereits ausführlich geschrieben, jedem Skeptiker alternativer Medizin sehr ans Herz gelegt, gibt es einen interessanten Einblick in die “Szene” und gegen welche Windmühlen gestandene Wissenschaftler kämpfen müssen. (5/5)

Das achte Leben (Für Brilka) von Nino Haratischwili
Das Buch hat mich ratlos hinterlassen. Wohl geschrieben, angenehm zu lesen, sicher lange recherchiert. Stand auf der Liste zum Buchpreis 2014. Eine Familiengeschichte in Georgien und der Sowjetunion im letzten Jahrhundert, nebenbei erfährt man viel von der russischen Geschichte (bei mir einen große Lücke).
Ein ambitioniertes Projekt von über 1200 Seiten, und genau diese Tatsache hat mich scheitern lassen. Das Buch ist imho viel zu lang. Vielleicht habe ich auch nicht genug Durchhaltevermögen. Tut mir leid. Warum dürfen literarische Werke nicht mehrteilig erscheinen? George R.R. Martin kann es doch auch. Die “Brilka” jedenfalls habe ich nicht zu Ende gelesen, schade um die Zeit. (2/5)

Deutschland verstehen: Ein Lese-, Lern- und Anschaubuch von Ralf Grauel und Jan Schwochow
Ein Sachbuch, das schon lange in meinem Schrank steht, ich stehe auf Erklärbärgrafiken. Beim Schmökern durch meinen SuB bin ich bei diesem großformatigen Buch hängen geblieben, und habe mich ein ganzes Wochenende hineinvertieft. Ob es die Vorgänge bei einer Bundestagswahl oder die beteiligten Personen bei einem Bundesligaspiel sind, alles ist wunderbar einprägsam illustriert, genauso wie die beliebtesten Vornamen (und warum) oder die Luftbrücke. Wer Deutschland verstehen will, mal auf andere Weise, dem sei dieses Buch gegönnt. (5/5)

Revival von Stephen King
(Übersetzt von Bernhard Kleinschmidt, Gelesen von David Nathan)
Stephen King schreibt ein Buch über Religiösität, über Familie, über Drogen, Rockmusik und Elektrizität. Seltsam? Ja. Der Spannungsbogen ist klassisch, die Figuren faszinierend, die Atmosphäre unvergleichlich. Stephen King kehrt zum Horror zurück und bleibt seinem Stil “das Gruselige des Alltags” treu. Wie sich das Entspannte und Familiäre über Jahre fortentwickelt zur Abrechnung mit den Dämonen der Vergangenheit, das ist genial. Gelesen von David Nathan, mehr geht nicht. (5/5)


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Buchverlosung! And the books go to …

Gestern abend war hier große Verlosung im Hause kinderdok, alle Stars waren versammelt, Blitzlichtgewitter und Applaus. Hier sind die Gewinner:

Die Unperfekten von Tom Rachman gewinnt christinasbabyblog
Chill mal, Frau Freitag von Frau Freitag geht an Verena Eberhardt
Libellensommer von Antje Babendererde räumt niko ab und über
Die dunklen Gassen des Himmels von Tad Williams darf sich Caroline freuen.

Ich habe Euch bereits per e-mail benachrichtigt. Glückwunsch!

Wer diesmal leer ausgegangen ist: Hier gibts immer mal was zu gewinnen, Adventskalender und nächstes Jahr “Blogger schenken Lesefreude” inbegriffen. Nicht traurig sein. Stay tuned.

Euer kinderdok

Buchverlosung!

Nach dem Teaser nun der offizielle Start:

Ich bin dieses Jahr wieder dabei, wenn Blogger Lesefreude schenken. Für alle Leser dieses Blogs, aber vor allem schöner Bücher, verlose ich in der Zeit der Aktion “Blogger schenken Lesefreude” vom 20.4. bis 23.4. folgende Bücher:

Die Unperfekten von Tom Rachman (Roman aus dem Zeitungsmilieu)
Chill mal, Frau Freitag von Frau Freitag (Erlebnisberichte… aus der Schule)
Libellensommer von Antje Babendererde (Jugendroman, die erste Liebe usw.)
Die dunklen Gassen des Himmels von Tad Williams (Urban Fantasy über einen Erzengel und seinen Job)

(Die Bücher stammen alle aus meinem Fundus, sind wirklich gut erhalten und damit auch verschenkbar, lediglich “Frau Freitag” hat einen blassen Stempel auf dem Schnitt, das habe ich mal am Grabbeltisch erlegt. Die Geschichten sind alle prima und gut, die Bücher selbst passen aber jedes für sich irgendwie nicht auf meinen Geschmack, deshalb möchte ich andere damit erfreuen.)

Was tun?

– Teilnehmen darf jeder, der mindestens 18 ist (oder jemanden beauftragen kann 😁).
– Es gibt eine kleine Aufgabe: Schreibe in die Kommentare den ersten Satz des Buches, welches Du gerade liest (keine Vorworte oder Motti oder Widmungen oder so, das ist wohl klar) und wie das Buch heisst.
– Wer mag, darf auch noch das One-and-only-favorite-Buch nennen, das sie/er wirklich jedem empfiehlt, mit auf eine einsame Insel nehmen würde, das beste der besten eben, usw. Schließlich schenken wir hier Lesensfreude, da sind Tipps immer gut.
– Du musst ansonsten nur Deine E-mail-Adresse und Nickname im entsprechenden Feld und den Buchwunsch (gerne auch “egal”, gewinnen kann jeder aber nur eins…) in der Kommentarzeile hinterlassen. Die E-mail-Adresse ist nur für mich sichtbar und wird – wie auch die postalische Adresse bei Gewinn – später wieder gelöscht. Bitte keine Namensangaben, Adressen oder e-mail-Adressen direkt im Kommentarfeld (= für alle sichtbar) posten. Was Nettes schreiben ist aber immer drin.
– Wer keinen Buchwunsch postet, kriegt irgendein Buch der Liste.
– Es werden nur die Einsendungen berücksichtigt, die unter diesem heutigen Posting stehen, also da unten (⬇️). Das könnt Ihr aber bis zum 23.4./23.59 Uhr machen.
– Ein paar Tage nach dem 23.4. (sobald ich dazu komme) verlose ich die Bücher mittels random.org.
– Ich benachrichtige Euch per e-mail, eine Erwähnung mit Nickname gibts hier auf dem Blog natürlich auch. And the winner is…
– Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Viel Spaß, und… schau ruhig in der offiziellen Homepage vorbei, da gibt’s noch mehr zu entdecken.

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Buchlinks sind Affiliate Links, siehe Impressum

Ernste Einsichten aus Exeter


Wer Edzard Ernst nicht kennt: Er war bis zu seiner Emeritierung Leiter des ersten Institutes für Alternativmedizin (an der Universität in Exeter), eckte mit seinen Erkenntnissen, dass die meisten untersuchten Verfahren über die Wirkung eines Placebo-Effektes nicht hinausgehen (z.B. Homöopathie oder Akupunktur), sehr an und versteht sich nun via Blog und Twitter als Mahner und Erinnerer auf diesem Feld. Der ewige Skeptiker.

Nazis, Nadeln und Intrigen” ist seine Autobiographie. Primär vielleicht gedacht als Bericht aus dem Institut, vom Streit um die kritischen Erkenntnisse – immerhin nimmt dies über 50% des Buches ein – , beginnt es jedoch in früher Kindheit, berichtet von seinen Eltern, seiner Schulzeit, dem Medizinstudium und den ersten Anstellungen an verschiedenen Kliniken.

Schließlich führt seine eigentliche Berufung, die Forschung, Edzard Ernst über Wien nach Exeter, wo er eben da mit der Erforschung verschiedenster Alternativverfahren beauftragt wird. Das haben sich die Uni-Väter vielleicht anders vorgestellt, vielleicht auch die Stiftungsgeber: Ernst verstand seine Arbeit nicht als Feigenblatt zur Etablierung der Heilverfahren (allen voran der Homöopathie, welche in England einen hohen Stellenwert hat), sondern sah als korrekter Wissenschaftler, der Geistheilungen, Akupunktur und Globuli strengen (doppelverblindeten und randomisierten) Studienauflagen unterwarf. Anfangs unterstützt durch die Naturheiler (die Geistheiler waren Teil des erarbeitenden Forschungsteams) distanzierte sich das “Naturestablishment” immer mehr von ihm, als offensichtlich wurde, dass die Ergebnisse nicht in deren Interesse war. Alles gipfelt in öffentlichen Anfeindungen und einer persönlichen Fehde zwischen Edzard Ernst und dem britischen Thronfolger Prinz Charles, einem Verfechter der Naturheilkunde im Königreich.

Die Nazis auf dem Titelblatt mögen der Vermarktung in Deutschland geschuldet sein, immerhin reflektiert Ernst die bekannten Strömungen der “Germanischen Medizin”, das Heilpraktikergesetz datierend aus dem Dritten Reich und die Goutierung der Homöpathie während der Nazi-Zeit. Er veröffentlichte auf kritische Schriften zur Verflechtung der Wiener Universität mit dem Naziregime. Edzard Ernst sieht sich selbstkritisch als sturer Kopf, seine Vitae verschweigt nicht, dass er Probleme hat mit Autoritäten und Gängelung, mit Intrigen und Manipulation. Dabei hält er sich gentlemanlike noch vornehm zurück, ganz der Wissenschaftsprofi. Lediglich im Kernkapitel “Wunderland” (Originaltitel des Buches: “A Scientist in Wonderland“) räumt er ordentlich auf mit den falschen Heilsversprechen der Alternativerfahren, der unwissenschaftlichen Erarbeitung von Studienergebnissen, falscher Anekdoten-Medizin und der Gefahr unterlassener adäquater Therapie. Ein Behandlungsverfahren ist nicht alleine deswegen “effektiv, weil Millionen von Menschen sie anwenden.” Da wird er deutlich und unbequem.

Zitate:
“Wenn es darum geht, zu verstehen, wie verletzlich ein Patient ist, gibt es keine hilfreichere Erfahrung für einen Arzt in spe, als selbst zum Patienten zu werden.”
“Der entscheidende Punkt einer guten klinischen Studie muss es sein, ein verlässliches Ergebnis in Bezug auf die Therapie selbst zu produzieren.”
“Dieses Wissen [dass eine Behandlungsmethode nicht wirkt] versetzt Mediziner … in die Lage, die knappen Ressourcen des Gesundheitssektors jenen Therapien zukommen zu lassen, die nachweislich wirken, statt Zeit und Geld auf jene zu verwenden, die es nachweislich nicht tun.”
“Dabei folgten wir dem Grundsatz, dass es so etwas wie Alternativmedizin gar nicht gibt, sondern lediglich Behandlungsformen, die funktionieren, während jene, die es nicht tun, schlicht und ergreifend Quacksalberei sind.”
“…, die Verwendung von Placebotherapien bedeutet, den Patienten um etwas zu betrügen, das entscheidend zu seiner Gesundung beitragen würde. Und das ist zweifellos unethisch und potentiell gefährlich.”

Fazit:
Das Buch liest sich gut, es hat das ausreichende Maß an wissenschaftlichem Background und populärwissenschaftlicher Diktion – ich habe es in drei oder vier Abenden verschlungen. Es kann als Einstieg in die kritische Auseinandersetzung mit den alternativen Behandlungsverfahren dienen, Kritiker werden jedoch Edzard Ernst die Integrität nicht abnehmen. Es ist immer eine Frage der Perspektive, und kein Diskutant im Streit um Naturheilverfahren bringt die ausreichende Objektivität mit, die Edzard Ernst so einfordert.

Ich fand seine Ansichten, Ideen und Erkenntnisse schlüssig und entlarvend, dabei angenehm unaufgeregt, weil glasklar analytisch. Ein gutes Sachbuch, dem man beim heutigen Zeitgeist, wo viele Patienten Heilung in mystischen Verfahren suchen, viele Leser wünscht.

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Serviceblog: Buchverlosung! (Teaser)

Ich bin dieses Jahr wieder dabei, wenn Blogger Lesefreude schenken. Für alle Leser, dieses Blogs, aber vor allem schöner Bücher, verlose ich in der Zeit der Aktion “Blogger schenken Lesefreude” vom 20.4. bis 23.4. folgende Bücher:

Die Unperfekten von Tom Rachman
Chill mal, Frau Freitag von Frau Freitag
Libellensommer von Antje Babendererde
Die dunklen Gassen des Himmels von Tad Williams

Was tun? Du musst nur am 20.4. wiederkehren und Deine E-mail-Adresse und den Buchwunsch in der Kommentatorenliste hinterlassen. Genauere Bedingungen folgen dann. Das hier ist nur der Teaser.
Viel Spaß, und… schau ruhig in der offiziellen Homepage vorbei, da gibt’s noch mehr zu entdecken.
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1. Platz in Kategorie Baby und Kinder bei den Hitmeister Superblogs 2012
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