PsychCast mit Alexander und Jan


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Die beiden Kollegen vom PsychCast, dem einzig wahren Podcast zur Psychiatrie und Psychosomatik in Deutschland, hatten mich zu ihrer Jubiläumsausgabe No. 50 für ein Interview eingeladen.

Das läuft ja sehr professionell ab: Mit Übungssession eine Woche vorher, mit Abgleich des technischen Equipments, auf ihrer Seite viel High Tech, sicherer Bandbreite, 1A-Mikrofonen, bei mir ein ordentlicher Laptop mit einfachem Mikrofon (immerhin mit Popschutz). Alles wird sicher gut. Dann am Aufnahmetag kriselt es nach wenigen Minuten – die Internetbandbreite auf meiner Seite geht in die Knie… Was soll's, das gute alte Festnetztelefon tut es auch. 😀

Hier nun also der Podcast mit Alexander Kugelstadt und Jan Dreher – wir sprachen über ADHS, der unübersehbaren Schnittstelle der Psychos und des Kinder- und Jugendarzt, Geschwisterrivalität, passenden und unpassenden Schulformen, aufgeregte Eltern und "Wie sage ich es dem Kind". Die Stunde war einszweidrei vorbei, ich glaube, wir hätten noch lange weiterplaudern können.

Viel Spaß beim Zuhören, schaut mal bei den PsychCastern vorbei, Kommentare wie immer gewünscht.

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Fernsehen aufmerksamkeitsgestört

Am Mittwoch im Ersten (parallel zu den wichtigen Serien auf Pro7, daher heute erst per Festplattenrekorder zu sehen) – der Film „Zappelphilipp“ oder: Wie man ein gängiges Gesellschaftsphänomen dramaturgisch verarbeiten kann. Bis auf ein paar Plattitüden und den nervigen Öko-Lehrern war der Film gar nicht mal schlecht gemacht.

Zappelphilipp

filter

achja genau, heute wieder: wie man schlauer wird in der schule…. doch, auch darum geht es in der kinderarztpraxis.

„musst halt besser aufpassen“, sagt die omma. oder „schwätz nicht so viel“, sagt meist die frau an der tafel. und mutter und vater haben nur den standardspruch auf lager: „also zu unserer zeit, da habe ich schon…“ man setze ein: „… goethe rezitiert…“, „… die siebtewurzelauszwölfhundertvierundsechzig gezogen…“ oder „… sämtliche römischen kaiser einschließlich ihrer lebenszeiten auswendig beherrscht…“

aber darum geht es heute ja schon lange nicht mehr. heut gehts nur noch um aufmerksamkeit. um konzentration. „der justin-hinnerk guckt ständig aus´m fenster, egal wo er sitzt in der klasse, wir haben jetzt schon alle plätze durch.“ oder „der kann immer noch nicht seinen namen tanzen, vielleicht hat er die aufgabe nicht ganz verstanden. die lehrerin sagt aber, er könne den sinn nicht so ganz filtern.“ auweia.

dann kommt der reflex medikamente. und der reflex ernährung. und der reflex ärgertherapie. nicht zwingend in dieser reihenfolge. meist fängts mit letzterer an, denn „da kann er mal lernen, seinen tagesablauf zu strukturieren“. andererseits „wissense herr dokter, wir haben ja auch schon verschiedene nahrungsmittel durch, die algenpräparate zum beispiel und das andere fischzeug, und sogar den zucker lassen wir nun komplett weg, bringt aber nix, der holt sich immer die stückle vom bäcker, dann ist alles für die katz.“ und am ende dann der ruf nach „… rrrr-idalin, herr dokter, der maavin von nebenan kriecht das auch von seinem dokter, und seitdem isses alles ville besser.“

auweh. es ist mai. es ist die zeit der entwicklungsgespräche im kindergarten und der versetzungsgespräche in der schule. und wenn da gar nichts mehr geht, dann muss der doktor her. und ich bin dann der filter. ich muß hören, fragen, sprechen, erfassen, einschätzen, testen. ich darf die spreu vom weizen trennen, das medizinische vom pädagogischen, das pathologische vom normalen, das dimensionale vom eigentlichen. es ist schade, dass dies beim arzt geschieht, oder?

man kann ja mal fragen

mutter: „ich wollte dann noch was fragen.“ wir befinden uns am ende der vorsorge u9, ´s bobele hat prima mitgespielt, alle meilensteine bestanden, echt super „performed“, es hat spass gemacht.“
ich: „ja, klar, gerne.“
mutter: „denken sie auch, dass er ads hat?“
ich: „nein, wirklich nicht, wie kommen sie denn darauf?“
mutter: „ich dachte, ich frag mal, weil das doch jetzt alle haben. und ich kenn eben niemanden, der das hat, also dachte ich, vielleicht haben wir das ja.“
ja. nun gut. so ist letztendlich die argumentation wieder schlüssig. jeder hat´s, aber niemand bekanntes, also muß man´s wohl selbst haben. nach dem gleichen prinzip müsste ich auch die bild-zeitung lesen.

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