Kinder müssen vor Blutabnahmen nicht nüchtern sein

So, die Titelzeile hat ausreichend als clickbait gewirkt, nun etwas differenzierter. Das Feedback auf meinen obigen Tweet, dass Kinder zur Blutabnahme nicht nüchtern sein müssen, veranlasste mich zu folgendem Blogpost:

Grundsätzlich kann man sagen, dass ein Patient zu einer Blutabnahme nicht nüchtern sein muss. Dies gilt besonders für Kinder. Kinder sind unausgeglichen und unzufrieden, wenn sie nichts gegessen haben. Welche Eltern wissen das nicht? Jugendliche, die morgens wenig frühstücken, sind noch wackeliger auf den Beinen, so dass es nach einer Blutabnahme zu einer Synkope kommen kann. Das muss nicht sein.

Nüchtern sein bedeutet, kein Essen, keine Medikamente und möglichst auch nichts zu Trinken zu sich genommen zu haben. Daraus folgert, dass das Nüchtern sein zur Blutabnahme nur dann notwendig ist, wenn:

– … Medikamentenspiegel bestimmt werden (dann das entsprechende Medikament erst nach der Blutabnahme einnehmen, z.B. Antiepileptika) oder eine Verträglichkeit geprüft wird (hier geht es oft um Leber und Nierenwerte, die nach dem Essen schon einmal verändert sein können),

– … der Blutzucker von Interesse ist (klar, bei Verdacht auf Diabetes, aber auch zum Beispiel nach einer Kreislaufsynkope),

– … die Cholesterine bestimmt werden soll. Das ist bei Kindern und Jugendlichen eher selten, bei dicken Kindern ist es aber schon mal nötig. Dabei sollten wir nicht vergessen, dass die Wertigkeit des Cholesterinsspiegels in den letzten Jahren immer mehr infrage gestellt wurde.

Wann weiß ich nun, wann ich nüchtern sein muss, und wann nicht, bzw., ob ich meinem Kind etwas zu essen geben darf? Einfache Antwort: Die fMFA fragen bei der Terminvereinbarung. Falls dann eine Antwort kommt wie, „Sie müssen bei unsimmer nüchtern sein vor einer Blutabnahme!“, ruhig genauer nachfragen: Was soll sich am berühmten „kleinen Blutbild“ schon verändern, wenn das Kind morgens ein Marmeladenbrot isst? Vielleicht ändert sich dann auch was in den Praxen, die das immer fordern.

Und die Kinder sind entspannter.

Ich bin raus… (bei Facebook)

Thumb down

Unlängst bekam ich per Twitter die freundliche Mitteilung, dass mein kinderdok-Account bei Facebook nicht mehr erreichbar sei. Das ist tatsächlich so – ich komme nicht mehr rein, und meine Follower finden meine Timeline nicht mehr. Warum?

Facebooks Statuten sehen vor, dass hinter jedem Account eine reale Person steht. Dies lässt sich die Firma durch die Übersendung eines Ausweisdokumentes bestätigen. Das finde ich prinzipiell richtig. Auch bei Twitter gibt schon genug Fake-Accounts, dass Du gar nicht mehr weißt, ob das der Real McCoy ist oder nur die B-Ware. Blöd ist, wenn Du Dich, wie ich, für die Anonymität entschieden hast, im Blog, bei Twitter, Instagram und eben bei Facebook. Das wird aber bei letzteren nicht akzeptiert.

Ich bin also raus. Bin ich darüber betrübt? Nicht wirklich. Ich habe Facebook vor allem als Kontaktmöglichkeit für die Leser des Blogs genutzt, die die Nachricht über ein neues Blogpost gerne dort erhalten wollten und nicht über den Newsfeed per e-mail oder via Twitter. Dass ich dann ab und zu in der Facebook-Timeline lustige Katzenvideos geteilt habe, ja, ein nettes Nebenprodukt.

Etwas schade ist, dass ich nun nicht mehr den zahlreichen Gruppen folgen kann. „Dinge, die Heilpraktiker sagen“, „Dinge, die Impfgegner sagen“, diverse Pro-Impfgruppen oder dem „Netzwerk Homöopathie“. Muß ich eben andere Wege finden. Da aber alle beispielsweise Twitter-Accounts pflegen, werde ich wohl nicht so viel verpassen. Denn andererseits, ganz ehrlich: Wenn irgendwann die FB-Seite nur noch voll war von reproduzierten grausigen Schwurbelergüssen aus diversen Elternforen, ach nö, da lese ich lieber gezielter über meine Feedly-, Pocket- und/oder Flipboard-App.

Wer also bisher über Facebook auf meine Blogposts aufmerksam wurde oder jemanden kennt, der das so macht: Bitte weitergeben – nutzt die e-mail Funktion rechts oben oder den Twitter-Zugang. Oder schaut einfach immer mal rein.

Facebook? Good bye. Ich hätte mich gerne freundlich verabschiedet, aber nicht mal das lassen sie mir ;-(

(c) Foto bei Flickr/Vu Tran (CC Lizenz BY-NC 2.0)

Fundsachen

Child laughing

Eine lose aber beliebte Rubrik in den Blogs – wie Googles Suchanfragen auf meinem Blog landen – hier ein paar Schmankerl der letzten Wochen:

impfung für kinder biblisch ok – Interessante Fragestellung, ich bin nicht so bibelfest, aber vermutlich hat Gott nichts dagegen, wenn Kinder überleben. Zumindest neutestamentarisch.

mund hand fuß krankheit darf man raus und darf man mit hustendem kind rausgehen – Ja, warum nicht? (Man darf übrigens immer raus, außer)

erkältungsmittel unaussprechlich – Wohl eher eine Frage an die Apotheke: „Hallo, ich hätte gerne das Erkältungsmittel namens … Mensch, wie hieß das noch … irgendwas mit Napa oder Bini, oder….“

schnulli ofen – Ja, das kann eine Möglichkeit sein, ihn loszuwerden. Das Kind sollte allerdings anwesend sein und zusehen, nur dann ist die pädagogische Wirkung gewährleistet.

smalltalk fuehren mit einer hebamme – Da gibt es sicher Themen: Impfungen, Osteopathie, Kinderärzte… beruflich erfüllender aber sicher Halten des Kindes, Nabelpflege und Stillen. Ansonsten: Das Wetter ist immer ein überbrückendes Thema.

kleinkind sonnenblumenkerne – Nein.

berufswunsch martin luther – Ja, daran habe ich früher auch gedacht. Dann wollte ich Buchhändler werden und schließlich Arzt.

wie oft im quartal muss ich meine krankenversicherungskarte zeigen – Eigentlich nur einmal. Es hat sich aber in der Praxis bewährt, die Karte nochmals ins Kartenlesegerät zu stecken, weil dann die Personenzuordnung von „Müller, Lisa“ leichter fällt. Bei manchen neuen Selektivverträgen mit Krankenkassen ist das Einlesen ebenfalls sinnig. Aber: arzt fordert jedes quartal chipkarte auch ohne behandlung – das ist natürlich illegal. Die Frage ist nur: Ruft der dann zuhause an?

hüftscreening, baby mitbringen – Ja, macht Sinn.

wegen plattfüßen zum osteopath – Klar, kann man machen. Kostet halt Geld. Aber nichts ist umsonst, außer der Behandlung. Achja, konsequenterweise: osteopathie baby kann arzt privatrezept verweigern – Natürlich. Wir sind ja keine Rezeptschreiber, sondern Diagnostiker, und damit Indikationssteller.

kleinkind schaut den ganzen tag tv damit ich ruhe habe – Ist das eine Suchanfrage, eine Feststellung, eine Selbsterkenntnis oder ein Befreiungsversuch?

hustenstiller koi – Ich bin ja nicht so ein Hustensaftfreund, allerdings auch kein Veterinär.

umckaloabo als globuli – Das ist mal ein Geschäftsmodell. Wie nennt man das dann? Hochverdünnte, zum Erdmittel verklopfte afrikanische Zaubermedizin? Umckoquacki?

Noch mehr davon? Hier und hier und hier. Viel Spaß.

(c) Foto bei Flickr/cheriejoyful (CC License BY 2.0)

Auch elektrisch paffen Kinder mit

„E-Zigaretten nicht in Gegenwart von Kindern rauchen

Da der Dampf von E-Zigaretten gesundheitsschädliche Stoffe enthält, sollten Eltern nicht in Gegenwart ihrer Kinder rauchen und vermeiden, dass Kinder auch durch andere Menschen diesen Schadstoffen ausgesetzt werden.

E-Zigaretten sollten nicht in Gegenwart von Kindern geraucht werden, da Kinder durch den Dampf ebenso Nikotin ausgesetzt werden und sich dieses auf Oberflächen ablagert. Auch andere Stoffe, die als potenziell krebsauslösend und schädlich für die Atemwege gelten, sind im Dampf enthalten. „Eltern sollten deshalb weder im Auto noch zuhause E-Zigaretten verwenden“, rät Dr. Hermann Josef Kahl, Bundespressesprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Beispielswiese verbreiten E-Zigaretten Acetaldehyd sowie Acrolein. Beide Substanzen wirken reizend auf Haut und Schleimhäute und schaden dem Flimmerepithel in den Atemwegen. Sie stehen auch im Verdacht, Krebs auslösen zu können. Für das gesundheitsschädliche Chrom und Nickel wurden im E-Zigaretten-Dampf sogar höhere Werte als im Tabakrauch gemessen.

Da sich E-Zigaretten-Nebel aus ultrafeinen Flüssigkeitspartikeln zusammensetzt, können die Schadstoffe besonders tief in die Atemwege gelangen und sich dort vermehrt ablagern. „Wie sich das längerfristig auf die Gesundheit und die Atemwege von Heranwachsenden auswirkt, ist derzeit noch nicht abzuschätzen“, gibt Dr. Kahl zu bedenken. Einer aktuellen amerikanischen Umfrage zufolge sind nicht einmal jedem vierten Erwachsenen die Gesundheitsrisiken des „passiven Dampfens“ bewusst.“

Quellen: AAP, Kardiologe, Public Health Res Pract.“
___________________________
Dies ist eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V.


 

In diesem Zusammenhang fordern wir Kinder- und Jugendärzte schon lange das Rauchen im Auto, wenn Kinder mitfahren, zu verbieten. Die Schotten sind da schon weiter. Trotz Brexit.

Wann immer Eltern sagen, sie rauchten ja nicht in der Gegenwart des Kindes, sehe ich die Kippe in der Hand meines autofahrenden Vaters. Der hätte das mit Sicherheit auch gesagt. Schließlich ist das Fenster offen, und es qualmt hinaus. Und die Balkone der Nachbarschaft sind bevölkert mit rauchenden Eltern, die sich im Anschluß Pullover, T-Shirt und Hose vom Leibe reißen, um sich neu einzukleiden. Ja, klar.

Besser Patschhand als Handyklatsch

Next Generation

Das Kind ist krank, ich frage die üblichen Einstiegs-Anamnesefragen, währenddessen klingelt das Handy der Mutter. Die Aufmerksamkeit reißt ab, sie kramt in der Wickeltasche nach dem melodiösen Objekt.

„Alles klar soweit?“, frage ich, nachdem sie mühsam Hinwisch-Herwisch das Gerät zum Stillhalten motiviert hat.
„Jaja“, sagt sie, „alles klar.“ Ohne den Blick vom Display zu nehmen.
Ich seufze und widme mich der anderthalbjährigen Marie-Endivie, die schon irritiert nach ihrer Mutter sehnt. Diese verstaut wenigstens das Handy zurück in der Wickeltasche.
Es pingt.
Ich schaue kurz über meinen nicht vorhandenen Brillenrand. Mutter lächelt und nickt, als wolle sie Geduld zeigen.
Ich untersuche weiter. Marie-Endivie ist tapfer, sie streckt die Patschhand nach der Mama aus, bekommt sogar den Zeigefinger zu greifen. Ich darf weitermachen. Abhören, Bauch, Ohren, Hals.

Der Kontakt zur Patschhand reißt ab.
Die Mutter kramt wieder in der Tasche und wischt. Und wischt. Und wischt.
Ich lege das Stethoskop zur Seite und beuge mich demonstrativ zu Marie-Endivie, so dass wir beide die gleiche Kopfhöhe und Blickrichtung auf die Mama haben. Gemeinsamkeit macht stark.

„Würden Sie das jetzt bitte wegräumen, bis Sie die Praxis verlassen haben?“, sage ich zur Mutter im Namen des Kindes.
Sie wischt noch zwei-, dreimal, dann – wie ertappt, oh Wunder – klickt sie theatralisch auf den On/Off-Knopf und versenkt das Objekt wieder in der Tasche. Sie hebt die Brauen und geht in Angriff über.
„Aber Sie waren doch mit Marie beschäftigt, sie war mit ihnen beschäftigt. Warum darf ich mich dann nicht beschäftigen?“

(c) Foto bei Flickr/Solaika (CC License CC BY-ND 2.0)

 

Schlafe stille…

n-tv und dpa berichten über ihre Online-Medien, dass „immer mehr Eltern“ ihren Kindern Schlafmittel geben würden. Valide Zahlen gibt es hierzu nicht, aber die Berichte zitieren die bayrische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) und den BVKJ in einer entsprechenden Stellungnahme. Dass dieser „Trend“ bedenklich sei, geschenkt. Wer würde dies schon gutheißen? Entsprechende Medikamente sind nicht ungefährlich, können zu Atemdepression und/oder -stillständen führen, ganz abgesehen von dem ethisch-sozialen Aspekt.

Sein Kind ruhig zu stellen, um „bloß mal wieder“ selbst schlafen zu können? Alle heben in Entrüstung die Hände, um sie kopfschüttelnd vors Gesicht zu schlagen. Eltern werden jetzt schnell verdammt, so etwas überhaupt in Erwägung zu ziehen. Aber der Leidensdruck ist oftmals sehr hoch. Durchwachte Nächte voll Ängste, was dem Kind fehle, fehlender Schlaf der – in der Regel – Mutter, Psychologie der Unzulänglichkeit und Ohnmacht der Handlungsversuche.

Aber natürlich ist es mit der zitierten Empfehlung des BVKJ-Sprechers Hermann-Josef Kahl, „wir empfehlen in der Regel den gnadenlosen Einsatz der Verwandtschaft“ statt Pharmaka nicht sehr weit her – wenn es so einfach wäre, das weinende Kind einfach der Oma oder wenigstens dem Vater in die Hand zu drücken, und alle seien dann zufrieden, na prima. Aber das greift doch sehr kurz.

Mehr Sinn macht da ein aufklärendes Gespräch über die Physiologie nebst Anamnese des Schlafrhythmus des Säuglings oder Kleinkindes und der ganzen Familie. Wann sind Ruhephasen, wann Aktivphasen, wie erkenne ich sie? Muß ich immer springen, wenn das Kind sich bewegt, sollte ich es vielleicht doch immer tun, denn Kind zeigen ihre Bedürfnisse im Weinen? Ganze Bücher werden darüber geschrieben, ganze Ambulanzen beschäftigen sich mit den „Schreikindern“ in entsprechenden „Schlaf-“ oder „Schreisprechstunden“.

Klar kennen wir Ärzte Substanzen, die beruhigen, naturheilkundliche, frei verkäufliche, bis hin zu rezeptpflichtigen, eine Wiedergabe würde den zitierten Trend unterstützen, also lasse ich das. Riskanter ist sowieso der Austausch darüber in Elternforen zu konkreten Medikamenten oder – natürlich immer dabei – passenden Glaubuli. Letzteres pharmakologisch weniger bedenklich, in der Interaktion aber ebenbürtig.

Die Dunkelziffer der „Behandelten“ dürfte nicht einschätzbar sein, wie üblich bei tabuisierten Themen. Anekdoten vom Oberarzt, der seine eigenen Kinder auf der Nordseeautofahrt ruhigstellt, oder der Vater, die stolz verkündet, er habe Mittel XYZ nachts um Drei verabreicht, weil „unerwünschte Nebenwirkungen auch mal erwünscht“ sein können, gibt es zu erzählen. Aber gibt es wirklich einen „Trend“ oder nur einen Sturm im Wasserglas? Eins ist sicher: Zur Sensibilisierung für das Thema ist eine Meldung dieser Art legitim. Oder ist die entsprechende Pressemitteilung des bayrischen Gesundheitsministeriums nur Aufhänger für das „neu aufgelegte Faltblatt ‚Hilfe für Eltern mit Schreibabys'“des Ministeriums?

Mein Kind schläft nicht – Infobroschüre der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin

Zwischen den Jahren

Die Tage zwischen den Jahren und kurz nach dem Neujahrsfest. Das Wetter wirkt unentschieden, kein Schnee zu Weihnachten, dann die ersten Flocken, die Straßen sind seltsam leer, weil alle im Urlaub sind, die Praxis hat trotzdem genug zu tun, auch wenn spürbar weniger ist als sonst.

Ich habe meine Praxis nun schon ein paar Jahre, die Familie wechseln in langsamen Wellen durch, viele Eltern bemerken, dass sie nicht mehr so oft kommen müssen, wie noch in Zeiten des Kleinkindalters. Ich bilde mir ein, dies liege an meinen Empfehlungen medizinischer Art, weiß ich doch, dass das nur altersabhängig ist. Schulkinder, insbesondere pubertierende, sind weniger krank und brauchen ihren Arzt weniger. Die Impfungen sind alle durch, seltene Auffrischungen alle fünf oder zehn Jahre.

Das Jahr bringt die Neue Kinderrichtlinie, ich hatte schon berichtet, das ändert etwas die Struktur der Abläufe bei Vorsorgeuntersuchungen, bringt neue technisches Equipment mit sich wie neue Hörtests, den Brücknertest und die ominöse Stuhlfarbenkarte (wenn Sie demnächst Ihr Kinderarzt nach der Farbe des Säuglingsstuhls fragt und Ihnen dann noch einen Farbverlauf vor Augen hält, bitte nicht wundern, er findet es genauso eklig), ein neues Einarbeiten in ein Neues Vorsorgeheft, teils Entschlackung, teils Verbesserung, teils mehr Bürokratie, wen wunderts.

Dann kommen neue Familien, keine Frage, der Zufluß ist so gut, wie nie. Deutschlands Geburten boomen, zwei Gemeinden der Umgebung haben das Bauland für das Rathaussäckel für sich entdeckt, neue Kinder, neue Erkrankungswellen. Meine Begleitungen sind wie früher, vielleicht etwas etablierter, vielleicht etwas weniger flexibel, ich werde nicht jünger. Die neue Richtlinie ist nur ein kurzes Ändern der eingefahrenen Pfade, wie ein Fahrrad auf dem holprigen Feldweg rutschen die Reifen schnell wieder in die Gerade hinein.

Was nehme ich mir vor für 2017? Den Eltern wieder mehr Gelassenheit zu vermitteln, mehr Vertrauen in die moderne Medizin, weg von Schwurbelei und Impfgegnertum. Noch mehr Reden, Beraten, Eltern Schulen, auf die Symptome – die echten, wie die eingebildeten – zu achten und eigenverantwortlich zu handeln im Gewissen auf den eigenen Instinkt, wann nun eine professionelle Beurteilung notwendig ist. Und Mut zu haben, keine Medikamente zu geben, auch keine Pseudomedikamente, sondern auf den normalen Verlauf einer Erkrankung zu setzen, ohne Angst zu haben, es ende immer lebensgefährlich. Aber wenn die Angst zu groß wird, den Eltern den Mut vermittelt zu haben, anzurufen und einen Termin zu vereinbaren, ohne falsche Angst, belächelt zu werden. Diese Politik fahren wir Ärzte und die fMFA nicht.

Im Notdienst möchte ich etwas entspannter agieren, mehr Großzügigkeit walten lassen, mehr Gelassenheit. Notfall definiert sich aus der Sicht der Eltern, nicht des Arztes. Was nicht bedeutet, dass ich nachts um eins mit einer Komplettuntersuchung des Kindes die Warze an der Fußsohle diagnostizieren muß. Und es bedeutet nicht, dass ich nicht darauf hinweisen darf, dass das bis zum nächsten Tag gereicht hätte. Aber der Ton macht die Musik, also wird mein Ton bescheidener.

Das Blog? Zwei oder drei Beiträge für die Woche wären schön, die Vorsorgereihe braucht noch weiter Futter, dafür sieht es bei den „Kinderärzten aus einer anderen Welt“ gerade sehr mau aus, TV und Kino setzt andere Prioriäten. Geschrieben wird viel, nicht nur fürs Blog, doch dank der kathartischen Wirkung sehe ich viele Begegnungen in der Praxis nicht mehr so anstrengend wie früher und damit bleiben sie nicht mehr bis abends zum Bloggen in den Hirnwindungen hängen. Ich ventiliere sie schneller. Aber keine Sorge: Die eine oder andere Story gibt es immer.

Nun denn, das Innehalten nach den Feiertagen ins Neue Jahr endet hier, ein letzter Blick auf den noch nicht abgeschmückten Baum im Wohnzimmer, möge das Jahr beginnen. Morgen schließe ich die Praxis auf, stelle mich fünf Minuten an die Anmeldung, wir tauschen uns zu Weihnachtsgeschenken und der ewigen Müdigkeit am Silvestertag aus, lachen das erste Lachen im neuen Jahr, bis der erste Patient die Praxis betritt und jeder seinen Aufgaben nachgeht.

„Hallo Herr Doktor, wir kommen heute zur letzten Sechsfachimpfung…, und was ich noch fragen wollte, wenn ich schon mal da bin…“

(#laterblog, vom Neujahrsnachmittag)

 

 

Die beliebtesten Blogposts 2016

Also gut, das Jahr ist noch nicht zu Ende, aber zurück blicken wir nun schon alle – Best of, Tollste Dies und Beste Das. Sie verfolgen uns auf allen Medienkanälen, also auch beim Kinderdok, Pech gehabt. Hier die Blogposts des Jahres mit dem höchsten Traffic 2016:

10. Mein Kind geht gerne zur Schule!

Gleich einer meiner eigenen Favoriten: Die unvergleichlichen Telefonanrufe mit den fMFA. Respekt meinerseits für all die Geduld, die meine Helferinnen tagtäglich aufbringen.

9. Sleep well … and alone!

Eigentlich gar kein Blogpost meinerseits, sondern „nur“ eine Pressemitteilung des BVKJ, aber wegen des sensiblen Themas vielfach diskutiert.

8. Die Kleinen werden so schnell groß

Aus der Reihe: „Zwiegespräche zwischen alt und jung“. Dieser Junge hat seiner Mutter gezeigt, wie erwachsen er schon ist, und wie peinlich die Mami sei kann.

7. Klare Ansage

Auch dieses Posting hat polarisiert – kann man, oder darf man Kindern Entscheidungen überlassen, sagen wir mal, zu welchem Kinderdoc sie gehen sollen? Die Kommentare waren sich nicht einig und boten noch andere interessante Einblicke.

6. Wie sich ein Kind mal selbst heilte.

Hier gehts um die Helden meiner Praxis. Woran sie leiden, was wir als Eltern und Ärzte tun können, und wie sich alles auch ohne unser Zutun zum Guten wendet.

5. Vom Wechseln des Arztes

Eine Mogelpackung, denn eigentlich geht es im Posting gar nicht ums Wechseln, sondern – wieder einmal – um Schwurbelmedizin.

4. Fakten, die ich schon immer zum Impfen hören wollte

Der Titel erklärt alles. Im Text die gesammelte unimpformierte Wahrheit, zusammengetragen von einer einzelnen Impfgegnermutter.

3. Notdienstzecke 2

Eine Notfallbegegnung mit einem kleinen Tierchen, also eher ohne das kleine Tierchen, denn…, ach, lest selbst!

2. Ei

Mein Lieblingspost dieses Jahr, …weil es mir gelungen ist, das kürzeste Wort der deutschen Sprache als Titel unterzubringen.

1. Was tut Ihr Euren Kindern an?

Die einsame Nummer Eins, der Post mit dem meisten Traffic, den meisten Kommentaren. Highlight und meistgeteilt in den Sozialen Netzwerken. Wieder geht es um das Thema Impfungen. Willst Du polarisieren, poste etwas zu Glaubuli oder Impfungen, DIE Themen für Eltern.

Christmas Give-Away Verlosung und ein wenig Musik

Liebe Leserinnen und Leser,

die Glücksfee namens random.org hat zugeschlagen – und drei Gewinner gezogen. Herzlichen Glückwunsch.

Gewonnen haben: Boyana (die Wallace+Gromit-DVD), Christiane (das Buch „Wind in den Windeln“) und Solveygh (das Buch…). Ich habe Euch schon per Mail informiert. Ich hoffe, Ihr freut Euch. Der Rest möge nicht traurig sein, es gibt immer mal was abzugreifen beim kinderdok.

Und nun noch ein wenig Musik:











… und wenn George Martin mehr gesungen hätte, gäbs auch ein Musikvideo.

Für alle, die den Adventskalender vermissten (Christmas Give-Aways)


Noch etwas zu Weihnachten –

Manche haben vielleicht den diesjährigen Adventskalender vermisst. Es tut mir leid, aber die Arbeit in der Praxis hat mir zu wenig Muße gelassen, einen auf die Beine zu stellen. Wir werden sehen, was nächstes Jahr ist. Manchmal muss man auch mit Traditionen brechen. 😉

Da Weihnachten aber gerne geschenkt wird, gibt´s als Jahresausgangsschmankerl noch eine kleine Verlosung:

Zu gewinnen gibt es die DVD „Wallace & Gromit´s Welt der Erfindungen“, das schöne Buch des zeichnenden Kinderarztkollegen Hendrik Casemann „Wind in den Windeln“ und ein (signiertes) Exemplar vom Buch mit dem tollsten Titel der Saison: „Babyrotz und Elternschiss“.

Ich verlose die Gewinne unter allen, die bei diesem Post kommentieren – der Rechtsweg ist ausgeschlossen, blablub, und der Kommentarschluss der 26.12. um 23:59 Uhr. Viel Spaß und viel Glück!

(Man verzeihe mir die Anglizismen der Überschrift – „Weihnachts Mitgebsel“, naja.)

(c) Grafik bei Canva/kinderdok –
[Dieser Text enthält so genannte Affiliate Links – siehe Impressum]

Vorherige ältere Einträge Weiter Neue Beiträge

1. Platz in Kategorie Baby und Kinder bei den Hitmeister Superblogs 2012
%d Bloggern gefällt das: