Freibad Notizen

– Für Bienen sind Freibäder Fremdhabitate, also Zucker ohne Blumen
– Akzessorische Brustwarzen erkennen nur Eingeweihte
– Ich liege hier 1,5 Stunden, seitdem wurde der Knirps da drüben nicht eingecremt, obwohl schon zweimal im Wasser
– Seltsame Kindernamen auf Autos sind nichts gegen seltsame Kindernamen, auf den Pectoralis tätowiert
– Der glücklich erreichte Schattenplatz entpuppt sich üblicherweise als Königsmund der Ameisen
– Der Salto des Fünfzehnjährigen vom Fünfer wird weniger wahrgenommen als der Debütsprung (Nase und Augen zu) der Fünfjährigen im Blümchenbikini vom Einer
– Es gibt tatsächlich noch Eltern, die ihre schwimmflügelbepackte Kinder vom Beckenrand stoßen
– Der Geruch von Sonnencreme schwankt von lieblich zu brenzlig zu ranzig – und immer dran denken: Eine Handfläche voll pro Neun der Neunerregel – remember that?
– … und die ewig gleiche Frage: “Bin ich eigentlich auch so mopsig geworden?”

by the way:

Gelesen im Juni

Schwierig, schwierig, dieser Monat. Ich kam ja aus dem Urlaub und wenn man so entspannt ist, reifen seltsame Ideen. Ich hatte bereits früher John Irving auf englisch gelesen, aber jetzt wollte ich mich an meinen absoluten Irving-favourite machen (eigentlich eines meiner Lieblingsbücher überhaupt):

A Prayer for Owen Meany von John Irving
Der lässt mich gerade nicht los. Ich lese zwar auf dem Kindle, dann ist der Wälzer gewichtsneutral, aber dennoch habe ich erst 49% Lesefortschritt im ganzen Juni geschafft. Es sind die alltäglichen Begleitumstände, die mich vom Lesen abhalten.
“Owen Meany” ist John Irvings Meisterwerk: Seine Abrechnung mit den Religionen dieser Welt (oder zumindest dem Religionswahn in den Staaten), gespiegelt durch die Parabel eines “auserwählten” Jungen, sehr speziell in seinem Körperbau, seiner Sprechweise und seinen Ideen, ist Owen Meany der beste Freunde des Protagonisten, dessen eigene Geschichte seltsam in den Hintergrund gedrängt wird und dennoch alles bestimmt. Irving durchsetzt die Jugendgeschichte der beiden Freunde mit Einsichten in die Amerikanische Politik der ausgehenden Achtziger Jahre, Ronald Reagan, die Contra-Affäre. Der Roman ist unglaublich gut geplottet, auch wenn John Irving gerne behauptet, er schreibe (bis auf seine berühmten letzten Sätze) “von vorne”. Ich kenne ja schon das Ende, und bin jedesmal entzückt, wie John Irving die Story-Fäden zusammenführt bis zum Gipfel auf den letzten Seiten. Davor: Zeitsprünge, Parallelgeschichten, liebenswerte schrullige Charaktere, die von John Irving bekannte seltsame Auseinandersetzung mit der Sexualität und die Rollenspiele von Mann und Frau – ein typischer Irving eben.
Ich habe ihn schon ein paar mal gelesen, er ist “mein Roman” meines Studiums, bisher aber immer nur auf deutsch, jetzt lese ich das Original – dank WordWise auf dem Kindle auch mit nicht zu großen Vokabellücken.
Es gibt keine Bewertung, da dieses Buch alle Bewertungen sprengt.

Doppler von Erlend Loe
(Übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel, Gelesen von Andrea Fröhlich)
Naja. War eine Empfehlung aus dem Twitter/Facebook-Kosmos, ich habe das Hörbuch beim Autofahren gehört, und … naja. Ganz ok. Ganz nett, ganz lustig. Der Typ, der “aussteigt”, um mit einem Elch im Wald zu leben. Ja. Passt. Das Problem ist: Ich wurde mit Doppler, dem Ich-Erzähler, nie so ganz warm. Zu wirr seine Ideen, zu misanthropisch, zu genervt, zu pessimistisch. Ich habe die ganze Zeit auf den Twist gewartet, auf den geistigen Fortschritt dieses verbohrten Typen, aber weder der depressive Nachbar, sein eigener kleiner Sohn, schon gar nicht die Niederkunft seiner Frau haben irgendetwas geändert. Völlig daneben. (1/5)

[Dieser Text enthält so genannte Affiliate Links – siehe Impressum]

Schnell, hoch, weit – vor allem dabei

Soll ich auch mal was zu den Bundesjugendspielen sagen, ja? Nein? Na gut. Dann eben doch:

Für mich gibts da klar zwei Ansichten: Die des Arztes und die des Vaters. Der erste wird in jedem Fall alle Initiativen begrüßen, die die Bewegung von Kindern fördert, ob das der stinknormale Schulsport ist, der Schwimmunterricht oder der Anreiz über die Bundesjugendspiele. Dazu haben wir leider – ein alter Hut – zuviele dicke Kinder und bekommen immer mehr. Geht mal über einen normalen Schulhof…
Leider ist es aber immer der Sport in der Schule, der leiden muß. Schlecht ausgebildete Lehrer allerorten, der Sportunterricht muß am häufigsten dran glauben, wenn Stunden ausfallen, der Sport- oder Schwimmunterricht wird am häufigsten zum Anlass genommen, zu schwänzen oder zu entschuldigen wegen “Fuß verknickt”, “ihm ist nicht so wohl”, “er ist gestern von einer Biene gestochen worden” etc.
Das ist einfach nicht gut. Zuviele Kinder meiden die Sportvereine oder werden von ihren Eltern nicht zum Verein motiviert. Viele Kinder haben nicht einmal ein funktionsfähiges Fahrrad. Wenn nun die Schule das Bewegen im Sport weiter aushöhlt, wird´s nicht besser mit unseren Dicken.

Dann der Blick des Vaters. Zugegebenermaßen mit zwei Kiddies, die im Sportunterricht keine echten Probleme hatten. Sie waren nicht mopsig, sind sportlich, teamfähig, freundlich und engagiert. Überraschend übrigens bei diesem Vater (der auch seine Bundesjugendspiele hatte).
Wir haben die Bundesjugendspiele in der hiesigen Grundschule als sehr angenehm erfahren. Das ganze nannte sich von Anfang an “Sport- und Bewegungsfest” (weil auch der zugehörige Kindergarten mitturnen durfte), darin integriert waren die klassischen Wettbewerbe des BJS. Vorab wurde schön geübt dafür und der eigentliche Tag war ein echter Gemeinschaftsevent. Es gab Futter, Trinken, Sport, Spiel, kleine Fußballturniere, die Lehrer solidarisierten sich mit den Eltern und gaben den Schiedsrichter. Naturgemäß hat meine Frau häufiger daran teilgenommen als ich, aber bei beiden Kindern stand ich dereinst auch an der Sprintstrecke und habe den Klatscher mit dem Holzscharnierbrett (Fachbegriff?) gegeben.

Ich habe nie erlebt, das nicht auch der Schwächste angefeuert würde. Alle waren auf alle stolz, überhaupt teilzunehmen, die Klasse stand bereit und skandierte jeden einzelnen Namen und beglückwünschte jeden, der ins Ziel kam, egal, ob dick oder dünn, ungelenk oder sonstwie anders begabt. Im Sport hat die Inklusion bereits in früheren Jahren gut funktioniert, sogar eine Rollstuhlfahrerin ließen wir die Sprintstrecke abrollen und den Schlagball werfen – ihr eigener Wunsch. Ganz zu schweigen von Patrick mit dem Down-Syndrom.
Am Ende gab´s Urkunden, klar, mit Siegerehrung, logisch, mit Applaus für jeden einzelnen. Und die Ehrenurkunden und Schulbesten durften sich endlich mal feiern lassen, auch wenn sie sonst vielleicht in Mathematik oder im Diktat unter dem Pult versanken vor Scham.

Meine eigene BJS-Karriere war nicht der Brüller. Nie über die Siegerurkunde hinaus, immer im letzten Drittel der Klasse (und beim sonstigen Schulsport auch als letzter gewählt). Aber ich hatte damals(tm) das Glück, genauso integere Sportlehrer zu haben, die jeden einzelnen motivieren konnten. Und bei meinen eigenen Kindern haben ich genau das Gleiche erlebt: Das Gemeinschaftsgefühl im Sport, die Kraft der Integrität. Das braucht Arbeit und Vorbereitung, das braucht ein gutes Lehrerkollektiv, eine gute Rektorin, die das alles zusammenhält. Klar, auch die Eltern, die ihre Kinder begleiten und auffangen durch die Erfahrung des Erfolges und des Scheiterns. Unsere ureigenste Aufgabe.

Bestimmt dünkte ich anders, wenn meine Kinder nach jedem Bundesjugendspiel heulend nach Hause gekommen wären – so wie sie das manchmal nach dem “blöden” Mathe-Unterricht tun oder wenn “die Sophie wieder so bescheuert war heute” oder “Frau Roderich sooo viel aufgibt, obwohl heute so tolles Wetter ist”. Ich habe auch geheult, wenn Schwimmen in der Schule war, weil ich nicht gut schwimmen konnte. That´s life.

Demütigung bei den Bundesjugendspielen oder grundsätzlich beim Schulsport entsteht nicht durch den Event an sich, sondern ist immer beziehungs- also menschgesteuert: Der blöde Sportlehrer mit der Trillerpfeife, die dummen Mitschüler, die hänseln, die dämlichen Eltern, die von ihren Kindern immer nur Erfolge fordern, nur die Schwächen sehen und nie ihre Stärken fördern. Da sollten wir ansetzen. In jeder einzelnen Schule, im Elternbeirat, beim nächsten Sportfest. Oder Musikfest. Oder Mathecamp. Oder Kunst-in-der-Schule-Tag.

Die sehr geschätzte Christine Finke alias “mama arbeitet” gegen die Bundesjugendspiele
Achim Achilles im SPON zum Thema – keine Satire, denke ich mal, wie manche vermuteten
ZEIT-Erinnerungen der Bundesjugendspiele

Bettelverbot für Kinder – Kinderschutz auf der Straße

“Der Berliner Senat plant, das Betteln in Begleitung von Kindern und durch Kinder zu verbieten. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) begrüßt diesen Vorstoß.

BVKJ-Präsident Dr. Wolfram Hartmann: “Das Bettelverbot, das es in München und Bremen schon seit langem gibt, ist ein wichtiger Schritt zum Schutz der Kinder vor Missbrauch. Eltern, die ihre Kinder zum Betteln auf die Straße und in U-Bahnen schicken, verletzen ihre Fürsorge- und Erziehungspflicht und sie gefährden die Gesundheit ihrer Kinder. Kinder stundenlang am Straßenrand in Höhe der Auspuffgase sitzen zu lassen, sie zu zwingen, in U-Bahnen für erwachsene Musikanten Geld einzusammeln oder gar an Ampeln Autoscheiben zu wischen und dafür Münzen zu erbitten, das ist Kindesmissbrauch. Hier ist es höchste Zeit, dass der Staat endlich einschreitet und dafür sorgt, dass Kinderrechte durchgesetzt werden.”
Kindern eine Perspektive geben
Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte unterstützt daher den Plan des Berliner Senats, das Betteln durch Kinder wirksam zu unterbinden, mahnt aber gleichzeitig auch nachhaltige Hilfen an.
Dr. Wolfram Hartmann: “Kinder, die von ihren skrupellosen Verwandten zum Betteln geschickt werden, sind Opfer. Wir haben als Gesellschaft die Pflicht, diese Opfer aus den Fängen der Bettelmafia zu befreien und ihnen eine Perspektive zu geben. Ein Bettelverbot wird dies zwar nicht leisten, aber es ist ein Signal an die Familien der Kinder. Daneben muss die Politik aber auch nachhaltige Lösungen finden, um den Kindern zu helfen. Die Kinder müssen die Möglichkeit bekommen, zur Schule zu gehen, die Eltern müssen sozialpädagogisch begleitet werden und dort, wo die Familien die Bedingungen des Bleiberechts erfüllen, müssen sie Hilfe bei der Integration bekommen.”

_________________________________________________
Eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V.

Ist es nicht überraschend, dass es hierzu überhaupt eine Initiative bedarf? Ich stolpere über solche Artikel und wundere mich, dass das Betteln mit Kindern überhaupt erlaubt ist. Aber vielleicht habe ich mich in meinem Wohlfahrtsstaat schon so sehr etabliert und verträumt, dass ich mir das nicht vorstellen konnte.

Die Vorsorgeuntersuchungen – U6

Hurra, das Bobele ist ein Jahr alt! Einer der wichtigsten Geburtstage für die Eltern, dem Kinde ist es völlig egal – außer, es gibt genug Geschenkpapier, mit dem es spielen kann. Die Verwandtschaft versammelt sich, alle singen, das Kind ist verblüfft über so viel Aufmerksamkeit und gibt sich ganz dem Fremdeln hin – und dem Trotzen, weil der normale Tagesrhythmus flöten geht.

Beim Kinderarzt beginnen mit der U6 die fremdkritischen Vorsorgeuntersuchungen: Wer das Fremdeln bei der U5 noch nicht kannte, jetzt gehts ab. Was ist denn das für ein Typ, der mit meinen Eltern redet, was macht denn die Frau da, die wird mich doch wohl nicht messen…. Wäääh! …. wiegen …. Wääääh!, Mama, rette mich. Was denn, was denn, nackt muß ich auch noch sein, ich kenne die doch alle gar nicht… Ja, eine Untersuchung in fremder Umgebung mit fremden Menschen in fremden Licht kann das Bobele ganz schön aus dem Takt bringen.

Aber mißverstehen wir bitte diese Emotion nicht: Die Kinder haben keine Angst, warum auch? Woher sollen sie Angst kennen? Das Weinen ist eher ein Ausdruck der Unzufriedenheit, des Frustes. “Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden”, möchte der Patient sagen. Denn dieses Alter ist der Übergang aus dem Fremdeln zum Trotzen, und letzteres (bescheuertes deutsches Wort) bedeutet die Unleidigkeit darüber, dass nicht mehr alles so geht, wie sich der kleine Mensch das so vorstellt. Und was nun anderes tun als Weinen, denn darauf haben Mama und Papa doch bisher immer so gut reagiert? Dazu kommt das Nahetreten in den Intimbereich des Kindes: Viele akzeptieren es, wenn Herr oder Frau Doktor mit den Eltern auf Abstand spricht, sogar, wenn wir auf gewisse Entfernung Augen- oder Ohrenuntersuchungen machen. Aber entsteht Kontakt durch die Hände, das Stethoskop oder vielleicht auch nur ein Blickkontakt, ist das ein Eindringen in den Nahbereich, das ist unangenehm, es wird gemotzt. Uns Kinderärzte stört das nicht, also bleibt entspannt, liebe Eltern, die meisten Kinder reagieren so.

Die Untersuchung passt sich dieser Abwehrhaltung an: Viel kann man nicht untersuchen. Hörcheck, Sehcheck, Brücknertest, Abhören, Genitale, zügig und schnell, ehe Madame oder Monsieur der Situation gewahr werden und protestieren. Gut funktioniert die U6 immer auf dem Schoß der Mutter oder des Vaters. Alleine mit dem Doc am Wickeltisch? Vergiß es.

Das Kind bewegt sich jetzt frei fort – wie es das will, robbend, krabbelnd, am Tisch entlang oder bereits laufend. Aber merke: Freies Laufen beginnt erst jetzt und darf mit achtzehn Monaten erreicht sein. Also nicht zu ehrgeizig sein. ´s Bobele greift gezielt mit der Hand, aus dem Zangengriff wird jetzt ein Pinzettengriff, es spricht deutliche Worte wie Mama Papa Gaga da da du du Gigi BoBo Ubu und versteht so einige kleinere Aufforderungen wie “kuck einmal“ oder “wo ist die Omma” und kann so nette Spielchen wie “Ich versteck mich und du findest mich”. Idealerweise ißt Schatzi jetzt komplett am Tisch mit und nuckelt nicht mehr an der Flasche. Klappt natürlich nicht immer. Aber vor allem zeigt der liebe Säugling, dass er jetzt ganz schön groß ist – und die Familie gut im Griff hat. Stimmt’s?

Achja: Mit einem Jahr wird weiter geimpft, es folgen die Lebendimpfungen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken, außerdem die Meningokokken C Impfungen und danach die erste Wiederholungsimpfung der Säuglingsimpfungen. Ausnahmen sind die kleinen Helden, die bereits mit 12 Monaten in einer Tageseinrichtung oder bei der Tagesmutter sind, sie sollten bereits vorher, z.B. mit 10 Monaten ihre Masernimpfung erhalten. Wenn’s ansonsten gut läuft und nicht die ersten Erkältungen alles verschieben, ist das Kind mit 15 Monaten komplett geimpft. Ist doch gut, oder?

Und dann ist Pause beim Kinderarzt: Mit zwei Jahren geht es erst weiter, mit der U7.

Aus dieser Reihe:
Die Vorsorgeuntersuchungen – U1
Die Vorsorgeuntersuchungen – U2
Die Vorsorgeuntersuchungen – U3
Die Vorsorgeuntersuchungen – U4
Die Vorsorgeuntersuchungen – U5

Private Anfrage

Mutter: “… dann hätte ich noch eine Frage, wenn ich schon mal da bin.” Klassiker.
Ich: “Ja?”
Mutter: “Ich habe Ihnen mal die letzten Arztrechnungen von Ihrer Kollegin aus Gerlachhausen mitgebracht, wo wir früher waren. Ich wollte Sie bitten, die mal durchzusehen, ob die auch alles korrekt abgerechnet hat. Geht das?”
Ich: “Äh… nein?”

Privatversicherte. Besser als ihr Ruf.

Bye bye Pooh

Schade, dass er gestorben ist. So ein sympathischer Typ.
Ich durfte ihm vor zwei Jahren auf der Frankfurter Buchmesse lauschen, als er aus der Autobiographie von Mark Twain im Agora-Zelt gelesen hat. Es gab auch ein Autogramm (nicht von Mark Twain, dafür von ihm [“voc.” 😀].
Bye Pooh.

HaRo 1HaRo

Vor Kita nur Impfberatung oder -check?

Die neuesten politischen Entwicklungen zur (quasi) Impfpflicht – worauf sich die Regierungskoalition geeinigt hat:
– Ausschluss von ungeimpften Personen aus Gemeinschaftseinrichtungen, wenn dort ein Masernfall bekannt wurde
– Verpflichtende Impfberatung vor Aufnahme eines Kindes in eine Kita (incl. Bußgeld bei Versäumnis)
– Überprüfung des Impfstatus von Beschäftigten in medizinischen Einrichtungen und evtl. Umsetzung des Arbeitsplatzes bei Bedarf.
– Aufnahme von Schutzimpfungen in die Bonusprogramme der Krankenkassen
– Wann ist der nächste Impftermin? – Eintrag in den Impfausweis.

Aus den Kreisen der Grünen kommt reflexhaft der Ruf nach dem Recht auf Unversehrtheit des Körpers, als ob dies nicht auch für “nicht impfbare”, chronisch kranke Kinder gelte, die stets Risiko laufen, von Ungeimpften in der Kita angesteckt zu werden. Was wiegt eigentlich mehr, das Recht der Eltern auf körperliche Unversehrtheit ihres Kindes bei einer verweigerten Impfung oder das Recht auf körperliche Unversehrtheit des schutzbefohlenen Kindes, welches eine impfpräventable Krankheit bekommen könnte?
Immerhin erkennen auch grüne Politiker, dass beim Moment des Eintritts in den Kindergarten die Dimension des Gruppenschutzes erreicht ist und den Eigenschutz des Individuums überwiegt. Daher begrüßen auch sie grundsätzlich die Beratungsregelung.

Dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte geht dies nicht weit genug, er fordert einen Nachweis der Durchführung der empfohlenen Impfung gegen Masern oder fordert sonst die Eltern auf, ihr Kinder in private Einrichtungen zu geben, die evtl. ein weicheres Impfregime tolerieren.

Einsicht

Vater: “Die hustet schon seit Wooochen, wie ein Raucherhusten.”
Ich: “Vielleicht ist es einer? Wer raucht denn zuhause?”
Vater: “Na, meine Frau und ich.”
Ich: “Passiv rauchende Kinder haben oft viel länger Husten als andere.”
Vater: “Echt? Sie meinen, dann sollten wir doch häufiger auf dem Balkon rauchen?”

Hübsch machen

Neulich durfte ich nach der Mittagspause eine Mutter auf dem Parkplatz vor der Praxis beobachten, wie sie ihr Kind “kinderarzttauglich” machte. Ich komme oft zu Fuß, deshalb habe ich die Parkplätze auf dem Weg im Blickfeld, dann und wann sehe ich bereits, wen ich nachher in der Praxis treffe.

Das Kind wurde gestylt. Die Mutter hatte einen Kleiderroller dabei, hobelte damit die Jacke des Mädchens ab, dann war die Haarbürste dran, Haare nach links, Haare nach rechts, Seitenscheitel ziehen, weiterkämmen. Schließlich wie bei UnserOmma mit etwas Spucke auf dem Finger die Augenbrauen geglättet, die restlichen Fuseln vom Kragen gepickt und den Schokoladenfleck von der Wange gewischt. Blitzeblankepropper.

Ich finde das sehr rührig, und beim Weiterlaufen dachte ich mir, wie andere wohl ihre Kinder vor dem Kinderarztbesuch vorbereiten. UnserOmma hat gesagt, man solle immer eine frische Unterbuxe anhaben, “man kann ja ma´ plötzlich ins Krankenhaus kommen”, keine Ahnung, ob das Gegenteil in dieser Generation usus war, um das so hervorzuheben, oder ob sie uns wirklich ins Gewissen geredet hat.
Frisch gebadet oder geduscht, bevor man zum Arzt geht, das kenne ich so noch selbst, aber ist das auch heute noch so? Wenn ich hier manche Kinder mit, naja, sagen wir mal “heavy used” Hosen und T-Shirts sehe, mit Bremsspuren an passenden und unpassenden Stellen, Socken mit Löchern und Füßen mit Trauerrand, dann bezweifle ich das mitunter. Und es sind nicht immer “die” sozialen Schichten, die so auftreten, bei den anderen heißt das es dann nur “kommen grade vom Sandkasten” oder “der zieht morgens gerne die gleichen Klamotten wie vom Tag vorher an” oder “na, Bernhard, hast Du Dich wieder alleine angezogen?”, wenn die Unterhose komplett fehlt.
Von verkrümeltem Mund oder klebrigen Fingern möchte ich gar nicht erst anfangen, das gab´s schon mal an anderer Stelle.

Sind doch Kinder…, oder?
Ja sicher.
Als Kinderarzt darf ich mich über diese Dinge nicht aufregen. Kinder sind eben pappig, schnuddelig, haben verfilzte Haare und schwarze Fingernägel, Krümel zwischen den Zähnen und Dreck in den Ohren (gegen letzteres habe ich wirklich nichts, wer die Ohren zu sehr q-tippt, schafft sich nur Cerumenpfröpfe und verdreckt die Ohren noch mehr).
Also gut. Bin ich großzügig. Genauso, wie ich Geschreie und Holzklötzchengewerfe im Wartezimmer tolerieren sollte. Oder, dass Rob-Calvin alle Mundspatel einzeln abschleckt und fein säuberlich (No!) auf dem Boden verteilt. Lässt sich doch alles aufräumen. Und die anderen drumherum tolerieren das zudem, sind auch alles Kinder und ihre Eltern.

Neinnein, ich bin schlicht ein bescheidener Arzt, der sich freut, Körper zu untersuchen, die einem Mindestmaß an Sauberkeit genügen. Dies schließt übrigens vor allem die Abwesenheit von Essensresten (Brezelstücke, Milchreste, rote Farbe von Lollies oder Himbeereis) und zumindest einen neutralen Körpergeruch ein. Womit ich übrigens am wenigsten Probleme habe – JA! Sprechen wir drüber! – … volle Windeln. Das ist das Schicksal des Kinderarztes. Der Kleinsten´ Murphy´s Law impliziert nämlich grundsätzlich lebhafte Darm- und Blasentätigkeiten. Ausnahmen: Volle Windeln mit … entsprechenden Resten, die beweisen, dass der letzte Wechsel ein paar Stunden zurückliegt.

Achja: Neben hübsch gemachten Kindern sind mir außerdem solche am liebsten, die überhaupt wissen, dass sie zum Kinderdok gehen, untersucht werden, vielleicht auch eine Spritze bekommen. *Die* Vorbereitung ist die entscheidende.
Da hält das Vertrauen zwischen Kind, Eltern und Arzt am Ende viel länger, als eine Spuckefaden zieht.

Vorherige ältere Einträge Weiter Neue Beiträge

1. Platz in Kategorie Baby und Kinder bei den Hitmeister Superblogs 2012
%d Bloggern gefällt das: