Zehn Fragen zu Büchern

Library 5090

Irgendwie bin ich über Twitter an das Blog „Sätze und Schätze“ geraten und dort hat Birgit zehn spannende Fragen für Leser gestellt und ganz viele Antworten erhalten. Also dachte ich: „Kann ich auch,“ und versuche mich mal in der Beantwortung. Schließlich lese ich gerne und viel und immer und mein Blog heisst schließlich Kids and me.

1) Das erste Buch, das du bewusst gelesen hast?
Gleich am Anfang eine so schwere Frage. Spontan fallen mir „Federico Octopod“, „Bärli hupft weiter“ und die Fibel aus der Grundschulzeit ein. Schau ich mir die ersten zwei aber an (die habe ich noch zuhause), erscheint mir das aber als sehr anspruchsvolle Literatur. Vielleicht doch irgendein Pixi-Buch? 

2) Das Buch, das Deine Jugend begleitete?
Ganz vorne: „Die unendliche Geschichte“, irgendwie geht es da auch ums Größerwerden, später alles von Hermann Hesse, da geht es ums Reiferwerden und die Jugend. Dann noch „Der Herr der Ringe“, für den Hobbit in mir. 

3) Das Buch, das Dich zur Leserin/zum Leser machte?
Alles von Erich Kästner. Lieblingsbuch: „Das fliegende Klassenzimmer“. War auch meine Lektüre im Vorlesewettbewerb der Schule. Ich bin aber nicht über die Klassenhürde hinausgekommen. Achja – und Enid Blytons „Geheimnis um…“ und „Fünf Freunde“. 

4) Das Buch, das Du am häufigsten gelesen hast?
„Der Herr der Ringe“ (4x in deutsch, einmal auf englisch), alle „Harry Potter“ (ebenfalls englisch und deutsch, diverse Male), und die „Otherland“-Tetralogie von Tad Williams (zählt auch das Wiederlesen als Hörbuch?) 

5) Das Buch, das Dir am wichtigsten ist?
Noch ein Seufzer. „Immer das aktuellste, das ich lese?“, wäre die ideale Antwort. „Mein eigenes?“ wäre wohl vermessen. Also dann wohl doch, ganz klassisch, ganz kitschig „Der kleine Prinz“. Immer zitierbar, immer noch so viel Weisheit in einem so kleinen Buch.

6) Das Buch, vor dem Du einen riesigen Respekt bzw. Bammel hast?
„Moby Dick“ von Melville. Schon dreimal gescheitert. 

7) Das Buch, das Deiner Meinung nach am meisten überschätzt wird?
„Moby Dick“… nein. Sehr enttäuscht bin ich regelmäßig von den Gewinnern des Deutschen Buchpreises. Da würde ich mir mehr Publikumsnähe wünschen.

8) Das Buch, das Du unbedingt noch lesen willst – wenn da einmal Zeit wäre?
Ohje, so viele. Mein SUB reicht bis unter die Decke. Ok: Die Bibel.

9) Das Buch, das Dir am meisten Angst macht?
Im Lektüre-Sinne? Oder im Supense-Sinne? Am gruseligsten fand ich „Shining“ von Stephen King. Das hat mich wirklich verfolgt. Ein angenehmer Grusel. Ihr kennt das. 

10) Das Buch, das Du gern selbst geschrieben hättest?
Ach, da gäbe es auch so viele. Um hier noch einem Sachbuch und meiner Profession die Hand zu reichen: „Kindheit ist keine Krankheit“ von Michael Hauch. Und der coolste Arztroman ever: „House of God“ von Samuel Shem.

(Wenn ich so meine Antworten lese, könnte man meinen, ich lese nur seichteres. Ich kann auch Thomas Mann, Günther Grass und Ian McEwan! Mir fehlt auch die Frage nach dem Lieblingsschriftsteller – „Von wem hast Du alles gelesen?“ John Irving.)

(c) Bild Libray 5090 bei Flickr/Amanda Graham unter Creative Commons License

Lesepotpourri

Das letzte Lese-Posting ist tatsächlich schon fünf Monate her – trotz Sommerferienlektüre, Buchmesse und zwei bis drei Bücherflohmärkten bin ich nicht zu meiner Bücherrevue gekommen. Sträfliches Versäumnis.
Hier nun also im Schnelldurchlauf, meine Lektüre Juli bis November:

Bestimmt habe ich ein oder zwei Bücher im Rückblick vergessen – ein paar Graphic Novels zum Beispiel, aber vielleicht waren die auch nicht so gut, dass ich sie mir gemerkt habe. Die Bewertungen der letzten Monate entfallen.

Nur soviel:
Bestes Leseerlebnis – Andreas Pflüger – Endgültig
Bestes Non-Belletristikwerk – James Rhodes – Der Klang der Wut

Beides absolute Leseempfehlungen!

[Dieser Text enthält so genannte Affiliate Links – siehe Impressum]

Was junge Eltern wissen wollen

Kollege Richard Haaser ist ein erfahrener Mann, langjähriger Kinder- und Jugendarzt, jetzt in Rente, wohlverdient, widmet er sich aber weiterhin der Beratung von jungen Eltern. Schon während seiner Praxistätigkeit vermisste er  – wie wir eigentlich alle – ein Informationsportal, in dem gesammelt, übersichtlich, aber umfassend, die wichtigsten Fragen rund um den neuen Säugling zu finden sind.

Er entwickelte „Fit für das Leben“, einen Elternkurs aus Sicht der Kinder- und Jugendärzte – letztendlich ein Programm mit Kurzfilmen, jeder fünf bis sechs Minuten lang. Die Themen sind z.B. Stillen, Flaschenfüttern, Bindung, Sicherheit, Schiefer Babykopf, Das Baby tragen, Sonnenschutz usw. – aus meiner Sicht alle relevanten Themen für das erste Lebensjahr, aktuell mit 26 Filmen. Ein Ausbau des Kurses für die weiteren Jahre ist beabsichtigt.

Toll ist, dass der Kurs Beratung aus kinderärztlicher Hand anbietet. Informationen im Internet gibt es ja in Hülle und Fülle, meist ungefiltert ohne Bezug zur Realität oder der praktischen Umsetzung. Herrn Haaser nimmt man in seinen Videos die erfahrene Kompetenz des guten Kinderarztonkels voll und ganz ab – dem würde ich mein Kind anvertrauen. Außerdem sind die Kosten überschaubar: Für unter einem Euro pro Film bekommt man das ganze Paket (24 Euro für alles). Hübsch ist die Idee, sich den Kurs von der Omma schenken zu lassen.

Das Portal bietet von jedem Video einen kurzen Teaser von 30 Sekunden und einen kompletten Einstiegsfilm (s.u.) damit erhält man einen guten Eindruck, wie das Ganze abläuft. Ergänzt wird der Kurs durch ein Kursbuch und Fragebögen, die die Eltern parallel zu den empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen ausfüllen und dann zu ihrem eigenen Kinderarzt mitbringen können.

Eine runde Sache, mir gefällt´s, vor allem die beruhigende Unaufgeregtheit, die allem zugrunde liegt. Hier hat sich wirklich jemand Gedanken gemacht und die Umsetzung gewagt. Mal reinschauen!

(Natürlich handelt es sich hier um Werbung für den Kurs. Dies entsteht aber aus völligem Eigennutz, denn viele Fragen der Eltern werden hier tatsächlich schon beantwortet. Ich habe keine finanziellen Vergünstigungen durch diesen Blogbeitrag und wurde auch von Herrn Haaser nicht dazu animiert.)

Heute unvermeidlich. Off topic.

His Bobness.

Sorry, Haruki.

Bad Orb II

Highlight des Tages: Dass ich Zeit hatte für einen ausgiebigen Spaziergang. Denn schließlich bist Du in Bad Orb, um die Natur zu genießen. Was auch sonst? Heraussprang ein dreistündiges Wandern ins Tal hinein, den Berg hinauf und in weitem Bogen zurück. Es befreit den Kopf. Danke dafür. Affirmation für den Tag.

Die Vorträge davor deckten von sensationell bis mehr als bescheiden das gesamte Notenspektrum ab – der Aufruf von Professor Müller aus Kiel, endlich zu beginnen, das Übergewichtsproblem unserer Bevölkerung politisch und gesamtgesellschaftlich anzugehen, wie das uns die WHO schon wiederholt auf den Weg gab, wird wohl verhallen. Denn Politiker waren keine anwesend, und ich glaube nicht, dass die Presseerklärung des BVKJ das aufgreifen wird.

Die anderen Vorträge lassen wir mal lieber im Gedächtnis verhallen – der Adipositas-Vortrag überstrahlte alles andere.

Schlüsselmomente des heutigen Tages:

– Eine Therapie einer Adipositas im Kindes- und Jugendalter ist nach Studienlage nicht möglich. Es geht nur noch um Vermeidung oder die Behandlung der gesundheitlichen Folgen.

– Prävention von Übergewicht kann nicht alleine eine Verhaltensstrategie sein, sondern muss eine Verhältnisstrategie sein. Bedeutet: Nur wenn auf kommunaler und staatlicher Ebene Anstrengungen erfolgen, können die Zahlen der Übergewichtigen reduziert werden. Bedeutet: Wann kommt endlich die Steuer auf zuckerhaltige Getränke und fastfood?

MJ Müller: Prävention von Übergewicht

Bad Orb ist Zukunft, maybe

Achja, beschauliches Bad Orb, was hast Du mir gefehlt. Ich fahre seit Jahren sporadisch und dann wieder regelmäßig hier vorbei, um mein bescheidenes pädiatrisches Wissen auf Vordermann zu bringen. Ich habe hier meine ersten Seminare vor der Niederlassung besucht, meine ersten Kontakte in die Berufspolitik geknüpft, sogar ein paar Kapitel aus dem Buch geschrieben, damals.
Der Ort selbst verändert sich nicht, sobald Du die Autobahn verlässt, bist Du im kleinen Tal des Spessarts verzaubert, weit weg von der Zivilisation.

Die City bietet wechselnde Geschäfte, heuer immer mehr geschlossene wegen Geschäftsaufgabe, ein Aufbäumen des Ortes gab es vor Jahren beim Bau des Thermalbades. Dem Flaggschiffhotel am Kurpark, indem auch unser Kongress stattfindet, sieht man nun auch seine Achtziger Jahre an, nur das Gradierwerk, das Gradierwerk, ja, das bleibt bestehen, mit seiner frischen Feuchtigkeit. Gerade recht für meine herbsterkältungsgeplagten Schleimhäute.

Was sich ändert, ist die Besuchsdisziplin der Kollegen: Ich erinnere eine Zeit vor fünfzehn Jahren, da war das Auditorium in der Konzerthalle bis auf den letzten Platz gefüllt, wer zu spät kam, der musste stehen. Das wurde zuletzt deutlich weniger, schon seit Jahren hängen sie die Halle zur Hälfte ab, wie bei Konzerten von Rockstars, die in die Jahre gekommen sind – das erhält die Akustik und frustriert die Vortragenden weniger, da sich die Zuschauer nicht auf zuviele Stühle verteilen.

Heute morgen habe ich knapp achtzig Kinder- und Jugendärzte gezählt, die sich die Vorträge angetan haben. Das ist schwach. Es scheint, als haben wir es nicht mehr nötig, unsere Medizin zu updaten. Von vielen wird der Ort verantwortlich gemacht, Bad Orb ist eben nicht Berlin oder München (als werden ähnliche Kongresse in größeren Städten besser besucht).

Oder liegt es am Thema? Prävention ist Zukunft, so prangt es von der Leinwand herab, und alle haben etwas dazu zu sagen: Prävention bei Kindesmisshandlung, durch Impfungen, in der Früherkennung, der Adipositas, bei Allergien, im Öffentlichen Gesundheitsdienst, in den Schulen und Kindergärten, in der Praxis und bei Flüchtlingen. Die Grundaussagen sind immer gleich: Man muß, man kann präventiv arbeiten, aber erreichen tut man immer nur die Gleichen: Die, welche kaum Prävention brauchen. Also bleibt das Thema (zumindest nach dem ersten Tag) seltsam saft- und kraftlos. Mal sehen, was morgen kommt.

Was habe ich heute gehört?
– Prävention kann zu noch verunsicherteren Eltern führen, als wir jetzt schon haben.
– Kindesmisshandlung und deren Folgen kostet die deutsche Gesellschaft jährlich 11,1 Mrd. Euro (d.i. 134,54€ für jeden Bundesbürger) – Habetha et al 2012.
– In Holland wird bei Erwachsenen, die wegen psychischen Problemen ins Krankenhaus kommen, automatisch die Elternschaft erfragt und dies ans Jugendamt gemeldet.
– 87% der Franzosen haben ihrem Kind schon mal einen Klaps auf den Po gegeben (12% „Tracht Prügel“), 68% der Deutschen (9%), aber nur 17% der Schweden (2%) – Bussman et al. 2008.
– Die neue Kinderrichtlinie lässt sich tatsächlich Zeit, wie ich das schon schrub – Einstellung der Krankenkassen: Es wurde ja so einiges gestrichen, und Neues kam dazu, also gibts das gleiche Geld für die Ärzte.
– Vielleicht hätte ich doch den Vertreter der B*rmer GEK fragen sollen, wie es sich verträgt, dass die Kasse die „Sprechende Medizin“ fördern will und „wissenschaftlich und evidenzbasiert“ arbeiten will und dann ein bundesweites Homöopathieprogramm anbietet. Aber dann hätte mich noch jemand als kinderdok geoutet.

Wenigstens kommt heute abend Fussball im Fernsehen.

Bad Orb 2010 1 und 2
Bad Orb 2012 1 und 2

Ups, Geburtstag verpasst.

Nämlich den vom Blog. Entschuldige, liebes Blog, aber manchmal weiß Papa einfach nicht, wo ihm der Kopf steht. Nächstes Jahr wieder pünktlich.

Also: Happy Birthday. Jetzt bist Du schon zehn!

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tenth birthday cake

(c) Bild bei Flickr/normanack

Getrennt lebende Eltern müssen sich einigen bei der Impfentscheidung. Für die Kinder.

Die Entscheidung, sein Kind impfen zu lassen, fällt vielen Eltern schwer. Darüber habe ich hier schon ausgiebig berichtet und zu Diskussionen Anlass gegeben. Viele Einflüsse wirken auf die Eltern: Die Omas und Opas, die gutmeinende Nachbarin, die Hebamme, das Internet, die Heilpraktikanten und nicht zuletzt auch wir Kinder- und Jugendärzte, Experten des Impfens und doch immer die vermeintlichen Strohmänner der Pharmaindustrie. Gut, wenn Eltern sich untereinander einig sind, was das Impfen angeht. Ich kenne auch Paare, wo das zu einem existentiellen Streitthema wurde, ähnlich der Frage, ob man politisch rechts oder links steht oder Fleisch isst oder nicht.Impfen

Richtig problematisch ist es für getrennt lebende Eltern, denen beide das Sorgerecht zugesprochen wurde – sie müssen gemeinsam entscheiden, ob ihre Kinder geimpft werden und wieviel. Dies hat jüngst das Oberlandesgericht Frankfurt a. M. so verfügt. Nach Ansicht des Gerichtes liegt im Fall der Impfentscheidung eine „Entscheidung von erheblicher Bedeutung“ vor – was ein Elternteil alleine nicht entscheiden darf. Denn: „Einerseits ist die Impfung mit gesundheitlichen Risiken und Komplikationen verbunden. Andererseits führt die Nichtimpfung zur Gefahr der Ansteckung mit den jeweiligen Krankheiten, die für die Kinder weitere Folgen mit sich bringt,“ so die Begründung auf anwalt.de (OLG Frankfurt a. M., Beschluss v. 04.09.2015, Az.: 6 UF 150/15).

Zuvor sah das Amtsgericht Darmstadt die Lage etwas anders: Impfungen seien eine „Entscheidung des alltäglichen Lebens“, in all ihrer Wertigkeit, denn das alltägliche Leben kann durch eine ablehnende Haltung zu Impfungen erheblich eingeschränkt werden. Stimme das Elternteil, welches mit den Kindern zum Arzt geht, den Impfungen zu – dürfe es alleine entscheiden, denn (wieder anwalt.de): „Als Teil der U-Vorsorgeuntersuchungen gehört die Durchführung der Impfungen zur Alltagssorge. […] Werden die Kinder z. B. nicht gegen Tetanus geimpft, könne die Mutter sie im Freien nicht in allen Gebieten spielen lassen. Deshalb fällt die Entscheidung für die Impfung in den Bereich der Alltagssorge, […]“ Stimme man jedoch gegen eine Impfung, so sei die Einverständnis des anderen Elternteils gefragt, denn „die Folgen des Nichtimpfens können so gravierend sein, dass es sich nicht mehr um eine alltägliche Entscheidung handelt, sondern die Angelegenheit erhebliche Bedeutung erlangen kann.“ (AG Darmstadt, Beschluss vom 11.6.2015, 50 F 39/15 SO)

Eigentlich eine ursprünglich weise Entscheidung des AG Darmstadt, die aber durch das OLG gekippt wurde. Für den Schutz der Kinder wird es dadurch jedoch nicht einfacher – da die konträre Impfentscheidungsdiskussion der Eltern nun vermutlich nicht nur rein sachlich-wissenschaftlich geführt wird, sondern auch noch emotional-partnerkritisch. Noch ein Teil mehr im Korb der schmutzigen Wäsche.

Außerdem ist die Entscheidung des OLG für uns Kinderärzte von Bedeutung: Wenn wir darüber wissen, dass Eltern getrennt leben und ein Elternteil den Impfungen kritisch gegenüber steht, sollten wir nicht impfen.

EDIT: Interview mit mir zu dem Thema bei Mama-arbeitet

(c) Bild bei Flickr/Dirk Vorderstraße

(Danke an @HansZauner für den Linktipp)

Fragen an Kinderärzte aus dieser Welt III

Zum Dritten – Kollegin Cornelia Strecker hat auf meinen Aufruf reagiert und die zwanzig Fragen an „die echten Kinderärzte dieser Welt“ beantwortet. Vielen Dank dafür.cropped-logo_klein-jpg

Frau Strecker arbeitet mit ihrer Kollegin in einer Gemeinschaftspraxis im thüringschen Apolda – ein Foto habe ich von ihr leider nicht gefunden😉

 

20 Fragen an die Kinderärztin:

1) Warum Kinderarzt und nicht Urologe?

Das war nie die Frage. Schon alleine, weil man da operieren muss.

2) Ihr Prüfungsthema in der Facharztprüfung?

Kindesmisshandlung, Morbus Crohn, Fieberkrampf, OTC-Mangel beim Neugeborenen (bzw. eher die gesamten Differentialdiagnosen bei einem Kind, das am 2. LT „verfällt“), Neugeborenenkrämpfe, Obstipation

3) Was, wenn nicht Kinderarzt?

Keine Ahnung. Fürs Studium habe ich zwischen Medizin und Biologie geschwankt. Aber auch eine Hebammenausbildung (allerdings ohne allzu viel darüber zu wissen, wie ich später merkte) war in den Überlegungen. Im Studium kam Innere und Neurologie noch in Betracht. Aber nach der ersten Famulatur auf der Neuropädiatrie war die Wahl gefallen. Ich kann mir nichts vorstellen, bei dem ich so zufrieden wäre.

4) Wie lange werden Sie diese Woche in der Praxis arbeiten?

Mit Nachbereitung ca. 35 h.

5) Einzelkämpfer oder Teamplayer?

Teamplayer!

6) Gibt es etwas, was Sie an der heutigen Medizin ärgert?

Vieles an Bürokratie.

7) Was möchten Sie jungen Eltern auf den Weg geben?

Mehr auf das eigene Gefühl und das Kind vertrauen, nicht dauernd zu vergleichen und dabei die schöne Zeit zu verpassen. Sie sollten nicht Zahlen hinterherjagen, sondern das Kind im Blick haben, z.B. „wir behandeln kein Thermometer, sondern ein Kind“.

8) Gibt es ein Buch oder eine Website, das/die Sie Eltern ans Herz legen?

Mein Kind will nicht essen von Gonzales, Schlafen statt Schreien von Pantley

9) Beruf ist Berufung oder Pflicht?

Berufung

10) Welches Kind werden Sie aus Ihrer Arbeit niemals vergessen?

Am meisten in Erinnerung geblieben sind mir die Kinder von der Psychosomatik (mit inhaltlich nahtlosem Übergang zur KJP, aber zugehörig zur Pädiatrie). Die Hintergrundgeschichten der Familien, die Arbeit mit den Eltern und das Leid der Kinder mit diesen hat mich oft sehr betroffen gemacht. Vermutlich könnte ich diese Arbeit auch nicht auf Dauer schaffen. Da habe ich viele Kinder abends in Gedanken mit nach Hause genommen und morgens wieder mit zur Arbeit gebracht. Insbesondere ein 12jähriges Mädchen ist mir in Erinnerung, die ich erstmalig im Dienst mit 1,8 Promille von der Polizei gebracht bekam und später in der Psychosomatik erleben durfte. Sie wirkte bereits jugendlich vom Äußeren, verhielt sich oft sehr schwierig, aber wünschte sich täglich und durchgehend über die ganzen Monate des Aufenthaltes eine Pflegefamilie mit einer Pflegemutter. Sie wollte in keine Mädchen-WG, in kein Jugendwohnen oder Heim, sie wollte unbedingt eine Mutter. Die eigene Mutter war zwar körperlich anwesend, aber nicht emotional und aus diesem Mädchen schrie alles nach einer Mama.

11) Die ewige Frage: Behandeln Sie die Kinder in der Praxis genauso wie Ihre eigenen Kinder?

Ich versuche es, aber habe damit nicht immer Erfolg. Meine beiden Kinder halten viel „wait and see“ aus, die Eltern meiner Patienten (noch?) nicht so viel.

12) Kaffee oder Tee?

Hauptsächlich Tee, aber immer gerne zwischendurch auch mal Espresso.

13) Fahrrad, Laufen oder Auto?

Am liebsten Fahrrad, aber leider auch viel Auto wegen des Arbeitsweges, Laufen auch gerne.

14) Rock´n´Roll oder Klassik? Beatles oder Stones?

Hauptsächlich elektronische Musik.

15) Computer oder Karteikarte?

PC ausschließlich

16) Globuli oder Abwarten?

Abwarten, aber manchmal helfen die Globuli beim Abwarten.

17) Impfen oder Abhärten?

Impfen

18) Ihre aktuelle Verfassung?

Gut, wenn nur die langweilige Fortbildung am Wochenende nicht wäre. (Stichwort 04356)

19) Ihr Motto für den Praxisalltag?

Hm, fällt mir keins ein.

20) Wichtige unbeantwortete Frage?

Auch da fällt mir nichts ein.


ok, über die Globuli müssen wir noch reden … Danke für die Antworten!

Gelesen im Mai

Nur zwei „richtige“ Bücher gelesen diesen Monat, dafür zwei echte Wälzer, über sechshundert Seiten stark. Ich tue mich im Alter etwas schwer mit diesen dicken Dingern, schon zuviele habe ich nach einem Viertel einfach beiseite gelegt, weil sie mich nicht mitgenommen haben.

Kapital von John Lanchester
(Übersetzt von Dorothee Merkel)
„Kapital“ wollte ich eine Chance geben, ich fand das Konzept des Romans (die Geschichte einer Straße und seiner Anwohner in London) interessant, jedes Kapitel springt zum nächsten Protagonisten und erzählt die jeweilige Story fort. Der rote Faden ist die Straße, mysteriöse Postsendungen und Vandalismus. Manche Charakter haben mich gefesselt, manche nicht so sehr, ich hatte den Eindruck, Lanchester habe das Buch zu sehr „geplant“ und dann die Kapitel auf seinem Corkboard hin- und hergeschoben, bis es stimmig war. Die Auflösung der Kriminalgeschichte war etwas öde, die Sujets (Wirtschaftskrise, Alte Leute, Ausländer, Dschihad, Liebe) ein wenig zuviel des Guten. Dennoch: Ein Leseerlebnis, kann man empfehlen. (4/5)

Unterleuten von Juli Zeh
Ein Lieblingsbuch der Deutschen in diesem Frühjahr. Die intelligente Juli Zeh bringt einen neuen Roman raus, manche ihrer Bücher waren mir zu seicht oder zu konstruiert, das hier ist ein Hammer, sicher ihr bestes Werk bisher. Erzählt wird das Leben in einem ostdeutschen Dorf, in dem Windkrafträder aufgestellt werden sollen. Dass das beim Öko-Zugezogenen, beim Ex-Stasi, beim alt eingesessenen Bauern und dem Neu-Kapitalisten, außerdem beim ganz normalen Volk zu Wirrungen führt, kann man sich denken. Exemplarisch vielleicht für Vorgänge in vielen anderen Dörfern destilliert Juli Zeh jeden einzelnen Charakter auf seine dunklen und hellen Seiten. Die Zustände und Meinungen wechseln während des Buches, die Winkelzüge der Kommunalpolitiker und Dorfältesten sind raffiniert, die Klischees der Zugezogenen treffsicher beschrieben. Dazu noch eine süffige runde Sprache. Lesen!
Ganz lustig übrigens: Ich habe das Buch als ebook gelesen, und die erwähnten Hyperlinks im Buch lassen sich tatsächlich anklicken und führen den Leser auf (konstruierte?) Websites zu Windkraftanlagen oder Pferdezüchtern. Witzig. (5/5)

Nachruf auf den Mond von Nathan Filer
(Übersetzt von Eva Bonné, Hörbuch von Hanno Kofler)
Ok. Der Mond ist der große Bruder Simon des Erzählenden. Der Bruder stirbt, der kleine Bruder ist schizophren, der Tod ein Auslöser für eine handfeste Lebenskrise. Die Geschichte dümpelt so vor sich hin, eigentlich ist alles absehbar, das Ende nicht überraschend, dennoch gibt es schöne Stellen, vor allem die erzählten Rückblenden der Momente zwischen den Brüdern. Der Vorleser Hanno Kofler ist jetzt nicht so mein Topkandidat, aber seine jugendliche Stimme musste wohl passen. (3/5)

Die Sache mit Sorge: Stalins Spion in Tokio von Isabel Kreitz
Eine Graphic Novel über den Topspion Stalins in Japan während des zweiten Weltkrieges. Sorge warnte Stalin vor dem Überfall Hitlers auf die Sowjetunion – ihm wurde nicht geglaubt. Das Buch ist aufgebaut wie ein Dokumentarfilm, eine interessante Lehrstunde aus einer anderen Ecke der Welt während des Dritten Reiches, über das wir in Europa nicht so viel wissen. Ich hatte etwas Probleme mit den vielen Personen😉 – das war mir nicht interessant genug akzentuiert. Sonst ganz nett. (2/5)

Daytripper von Fábio Moon und Gabriel Bá
Hingegen hier ein Supercomic – Die Geschichte eines Todes, der „Daytripper“, der in jedem Kapitel neu lebt und doch wieder stirbt – schwierig zu erklären, aber toll erzählt und fantastisch gezeichnet. „Daytripper“ taucht immer wieder auf den Toplisten der besten Graphic Novels auf – zu Recht. (5/5)

Aufzeichnungen aus Birma von Guy Delisle
Guy Delisle folgt seiner Frau, wenn diese für die Médicins sans frontiéres um die Welt reist, es gibt bereits einen Band aus Pjönjang und Jerusalem, hier folgen wir der Familie in das diktatorische Birma. In kurzen Sequenzen, teils nur seitenlang, erzählt Delisle sein Leben in Rangun, seine Frau als Ärztin, er als Hausmann. Sehr lustig, sehr informativ, sehr empfehlenswert. Nur: Kann der Mann keine Schuhe zeichnen? (5/5)

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