Good vibrations

Es gibt so Tage. Vielleicht zu spät ins Bett gegangen, vielleicht zu früh aufgestanden, also wie jeden Tag, das Auto nicht gefunden, zuviele Berufspendler unterwegs, zuviele rote Ampeln, zuviel Schnee, zu wenig Schnee, Sonne, die blendet, Stress mit Frau oder den Kindern, Du kennst das.

Und dann auffe Arbeit, die ersten Arbeiten, Blutabnahmen meist, gehen in die Hose. Nicht gezielt, nicht getroffen. Nun ist es nicht so einfach, einem Kind Blut abzunehmen, schon klar, aber es gibt schließlich Tage, wo das reibungslos klappt. Aber ich kenne mich schon: Gelingt die erste BA nicht, dann wird’s auch mit der zweiten und dritten nichts, dann hält die fMFA nicht richtig fest, die Mutter jammert zuviel daneben, das Kind kann am wenigsten dazu, das steht fest.

Dann die Untersuchungen. Kommst Du durch die Tür, greint das Kind schon, bevor Du überhaupt etwas sagen konntest. Schüttelt die Mutter schon mit dem Kopf, bevor Du fertig gesprochen hast, beschwert sie sich, obwohl du noch gar nicht gesagt hast, dass es kein Rezept braucht. Dein Kaffee wird kalt sein, wenn Du um 10.30 Uhr das erste Mal dazu kommen solltest, von ihm zu nippen, und die Kekse auf dem Personaltisch sind noch vom letzten Weihnachtsfest.
Du kannst sicher sein, dass das ein Tag ist, an dem die Impfungen falsch aufgezogen werden, an dem die Leute ihre Termine verpassen, oder zumindest zu spät kommen und am Abend die letzten Gespräche sich länger ziehen als sonst. Arzthelferinnen, die Dir genau heute verkünden, dass sie nächste Woche drei Tage zur Generalüberholung ins Krankenhaus müssen, obwohl der MFA-Personalstand sowieso bereits dezimitiert ist. Fehlt nur noch die Kassenärztliche Vereinigung, die genau heute anruft, um Dir zu verkünden, dass die Regressforderung vom letzten Quartal rechtens war. Wer rechnet auch schon Blutzuckerstreifen über Praxisbedarf ab? Ganz zu schweigen vom 150 Euro teuren Adrenalin-Pen, den Du nie benutzen wirst und der nach einem Jahr bereits verfällt. Anderes Thema.
Es gibt so Tage.

Und es gibt solche, an denen immer die Sonne scheint, im Radio hintereinander Deine Lieblingslieder gesungen werden, jedes Kind Dich als lieben Onkel betrachtet und nicht als “der Mann” (wie Dich die Eltern an den schlechten Tagen immer nennen) und alle Vorsorgen so durchrutschen, wie sich das die Lehrbücher vorstellen, oder die Testzentrale, die ihre Tests mit zwanzig Minuten angeben, nie einberechnet, wie renitent manche Prüflinge sein können.
Heute ist ein guter Tag, good vibrations: Hineinkommen, utzidutzi mit dem Probanden machen, ein Lachen abgreifen, den nächsten Scherz auf den Lippen, Mütter und Väter, die Dir stille lauschen und mit denen du gemeinsam eine Lösung findest. Keine Diskussionen über Impfungen oder Glaubuli, weil Du die Sorgen der Eltern ernst nimmst und sie Dir als informierten Experten vertrauen.

Es sind die Kinder. “Herr Doktor, Du bist mein Doktor.” Bilder, jeden Tag zehn, die Du geschenkt bekommst. Tage, an denen aus dem Malen ein Kunstwerk wird, aus dem Sprachtest ein Dialog, das Impfen mit zwar verkniffenem Gesicht und versteckter Träne akzeptiert wird. “Danke, Doktor. Mama sagt, Du musst das machen mit dem Pieks, damit ich gesund bleibe. Danke.”
Wegen der Kinder tun mir meine schlechten Tage leid. Da präferiere ich die zweite Kategorie, wer würde das nicht tun?
Es gibt so Tage.

Ich glaube an die Macht der vibrations, der Verbindung zwischen Arzt und Patient, irgendetwas da zwischen Vernunft und Verstand. Empathie oder Connection, ein unsichtbarer Link oder eine Fangschnur, ein Einsammeln der Emotion, eine Schnittmenge zwischen Deinem und meinem Gemütszustand. Das sind schließlich die Tage, an denen Heilung gelingt, Zufriedenheit mit der Arbeit des Arztes.

Jeden Morgen auf der Fahrt bete ich, es möge einer der guten Tage sein. Bis zum Stau gegenüber der Markthalle.

Frischluft ist gut für die Schule

Photogenic Trees

Der Achtjährige rotzt und hustet, dass es eine Freude ist.

Vater: “Aber wenn der so krank ist, bleiben wir wohl besser zuhause?”
Ich: “In die Schule? Ja, da sollte er jetzt mal nicht hingehen. Aber an die frische Luft? Jederzeit!”
Vater: “Auch, wenn es so schweinekalt ist, wie grade?”
Tom-Eric: “Papa, warum sind so Schweine kalt?”
Vater: “… jetzt nicht, Tom-Eric.”
Ich: “Ja klar, immer rausgehen – Sauerstoff ist gut für die Genesung.”
Tom-Eric: “Papa, muß ich wirklich rausgehen?”
Vater: “Ja, hat doch der Onkel Doktor gesagt.”
Tom-Eric: “Wegen der Schule?”
Vater: “Nee, zur Schule nicht, einfach so, spazierengehen.”
Tom-Eric: “Ja, aber wegen der Schuu.hu.lee?”
Vater: “Hä? Ich verstehe Dich nicht.”
Tom-Eric: “Damit ich schlauer werde?”
Vater: “Wie?”
Tom-Eric: “Na, wegen dem schlauer Stoff…”

(c) Foto bei Flickr/Christian Reimer

Impfstoffe werden knapp – nicht nur bei der Grippeimpfung. Der BVKJ schlägt Alarm.

Kinder- und Jugendärzte fordern: Politik muss Versorgung mit Impfstoffen sicherstellen

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) ist in großer Sorge. Niedergelassene Kinder- und Jugendärzte überall in Deutschland melden, dass sie in den Gemeinschaftsunterkünften und in ihren Praxen zahlreiche unbegleitete minderjährige Flüchtlinge ohne Impfdokumente sehen, die unbedingt geimpft werden müssen. Viele von ihnen sind noch nicht in den ihnen zugewiesenen Kommunen und haben noch keinen Vormund. Ohne Vormund aber auch keine Impfung für Minderjährige. Auch bei den vielen Kindern, die mit ihren Eltern aus den Krisengebieten zu uns kommen, gibt es große Impflücken.

„Viel schlimmer aber als der fehlende Vormund ist der Mangel an Impfstoffen”, so BVKJ-Präsident Dr. Wolfram Hartmann in Köln. Bis zum Jahresende werden wir bestimmte Impfstoffe nicht bekommen, etwa den Impfstoff gegen Diphtherie, Keuchhusten, Kinderlähmung und Tetanus. Auch nicht als Reimport über eine europäische Apotheke. Auch beim Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken sowie beim nasalen Grippeimpfstoff für Kinder zwischen zwei und sieben Jahren gibt es große Lieferengpässe.

Mit anderen Worten: wir können die Bevölkerung, einheimische Kinder und Flüchtlinge gleichermaßen, nicht mit den Basisimpfstoffen versorgen. Der Impfstoffmangel, den die Pharmafirmen verantworten, muss jetzt dringend Chefsache des Gesundheitsministers werden! Kinder haben ein Recht auf die vom RKI empfohlenen Impfungen, vor allem für chronisch kranke Kinder sind rechtzeitige Impfungen auch gegen Grippe, insbesondere, wenn sie in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht sind, lebenswichtig.

Die Bundesregierung muss jetzt dringend handeln und das Recht der Kinder auf Impfschutz durchsetzen. Die Impfstoffversorgung ist ebenso eine nationale Aufgabe wie die Versorgung mit Ärztinnen und Ärzten”

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Dies ist eine Pressemitteilung des BVKJ.
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Bei uns in der Praxis sieht es momentan noch sehr gut aus, da wir einen großen Patientenstamm versorgen, lagern wir einen ausreichenden Puffer an Impfstoffen ein (was auch ein Risiko darstellt – so bleiben wir auf den Kosten sitzen, wenn unser Kühlschrank mal schlappmacht). Dennoch wird es diesen Winter wohl einige Probleme geben.

Ähnlich ist es bereits jetzt mit dem Grippeimpfstoff – insbesondere beim o.g. nasalen Impfstoff. Dieser wird nur in Zehnergebinden von der Firma abgegeben, eine unverständliche Verschiebung des Kostenrisikos auf die einzelne Praxis (zumal der nasale Impfstoff in den meisten Bundesländern außerhalb der Rabattverträge über den Namen des zu impfenden Kindes besorgt werden muß). Völlig daneben für ein Land, das großspurig mit dem Solidargedanken der gesetzlichen Krankenversicherungen hausieren geht.

Als mir das Herz aufging.

Und dann ist da dieser skeptische Einjährige zur U6, die stets die erste Masernimpfung mit sich bringt. Die Kleinen sind bedingt interessiert, eher verunsichert, mittendrin im Fremdelalter, im Übergang zum Trotzen, zum selbstbestimmten Egoentwickeln, verständlich, dass er mich erst einmal genau beäugt, was ich denn von ihm und seiner Schmusemama wolle. Nackig ist er, frisch gewogen (sehr seltsam! Noch jemand Fremdes, eine andere Frau mit kalten Händen), immer auf der Hut.

Es folgt das Interview mit der Mutter, das Vertrauenschaffen durch Beobachtung des jungen Kandidaten, viel erfahren bereits durch Berichte der Mama. Was er schon macht, was er schon kann, was er ist, wie er sich fortbewegt, nachmacht, Verstecken spielt, greift, lautiert, MamaPapaDadaBibabutzemann.
Untersuchung, ganz ok, ein bisschen Otoskopgeleuchte hier, Fingergeschnippse da, Telefonspielen mit dem Stethoskop, KilleKille am Bauch und Fahrradfahren mit den Beinen, immer in fröhlicher Stimmung, ohne großartig Blickkontakt, aber mit viel Lachen meinerseits, Gebrabbelgebabbel, was ich so tue und was Du so kannst. Der Blick im Mund schön zum Schluß, weil besonders unangenehm.

Dann das Impfen: Der Mutter alles erklärt, Vorzüge, Nebenwirkungen, Fieber in der ersten Woche, Impfmasern, Lymphknoten, Fieberkrämpfe, Risiken des Nichtimpfens, für die Frau hier gar keine Frage, soll der Keksgesichtheld noch diesen Monat in die Kindertagesstätte zu den anderen Virenschleudern. Dann die Spritze geschnappt, dem Skeptiker gezeigt, der Mutter auf den Arm gegeben, sie darf ihn kitzeln, darf ihn halsknutschen, und zappzerapp, guckstduschon in die “Außenseite des Oberarmes, distal-lateral, subcutan, Aspiration nicht nötig” gespritzt, dass er gar nicht merkt, was passiert, dochdochdoch, da guckst Du schnell, was der da macht, aus der Skepsis wird ein Flunschemund, das Grübchen am Kinn verzieht sich zu einem feinschlägigen Zucken.

Mutter ist entspannt, kitzelt weiter, alles prima, ich genauso, mache den Schritt zurück, wedele mit den Armen, mache meine Mätzchen, Lippenblubbern, Augenzwinkern, was man so tut.

Das Grübchen entspannt sich, die Flunsch flutscht zurück, die Augenwinkel lächeln, er dreht sich zu mir und … streckt mir die Arme entgegen. Und auch auf meinem Arm lacht er, mit wachen klaren freudigen Augen, zehn Sekunden nur, dann ist er lieber wieder bei Kuschelmama.

… was meinen Arbeitsalltag erleichtert.

Der Kollege und der Arbeitsschutz

Lieber Kollege der Allgemeinmedizin,
ich führe gerne, wie viele meiner kinderärztlichen Kollegen, die Arbeitsschutzuntersuchungen für die Jugendlichen durch, bevor diese mit ihren Ausbildungen beginnen. Das ist gesetzlich vorgeschrieben und wird fürstlich (ca. zwanzig Euro) entlohnt. Oft sind auch Untersuchungen junger Frauen dabei, die in einer Arztpraxis als Medizinische Fachangestellte lernen möchten.

Berücksichtigen muß ich dabei die Infektionsgefahr im gesundheitlichen Bereich, nehme eventuell Blut ab, um durchgemachte Erkrankungen zu checken (z.B. Zytomegalie oder Parvovirus), die sich Angestellte in Arztpraxen gerne mal “holen” und überprüfe immer den Impfstatus der angehenden Auszubildenden. Klassisch empfohlene Impfungen (neben der üblichen STIKO-Empfehlung) sind dabei Hepatitis A und B, letztere in der Regel Teil des Impfschemas beim ehemaligen Säugling (jetzt angehender Azubi), erstere nur Empfehlung bei Reisen oder eben bei Kontakt mit Patienten.

Jetzt geht´s also um Melanie, bei der ich die Jugendarbeitsschutzuntersuchung gemacht habe. Ihre Blutwerte ergaben einen guten Schutz gegen alle möglichen Erkrankungen und ihr Impfschutz ist komplett (kein Wunder, ich kenne Melanie seit der Geburt). Was fehlt, ist die Hepatitis-A-Impfung, ein Titer ist auch nicht zufällig vorhanden.

Achja, da fällt mir nochwas ein, aber das wissen Sie bestimmt: Die Hepatitis-A-Impfung Ihrer Mitarbeiter, also auch Ihrer zukünftigen Auszubildenden, ist Sache des Arbeitgebers. Nicht Sache der Jugendlichen, nicht Sache des betreuenden Arztes und schon gar nicht Sache der Krankenkasse. Ihre Auszubildende, Ihre Verantwortung, Ihre Impfung, Ihre Spritze, Ihr Geld! Hepatitis A muß man übrigens zweimal impfen, um einen guten Schutz zu erreichen – das kostet Sie einen guten Hunderter aus der Portokasse, das sollte Ihnen der Schutz Ihrer Auszubildenden wert sein.

Nun zu Ihrem Anliegen: Nein, tut mir leid, ich kann das nicht auf Krankenkassenkarte abrechnen und damit die Gesetzliche Krankenkasse belasten, denn das schließt die KBV grundsätzlich aus. Sie meinen, ich könne ja so tun, als ob Melanie einen Urlaub in Südostasien plane? Naja. Ganz abgesehen davon, dass das gar nicht wahr ist, wäre es eine Reiseimpfung, die dann die Patientin selbst tragen muß. Die Krankenkasse würde das dann ja vielleicht aus Kulanzgründen ersetzen? Mag sein. Trotzdem Betrug.
Hübsch auch Ihr Vorschlag, wir könnten doch einfach Tw.in.rix impfen, also die Kombi aus Hepatitis A und Hepatitis B. Das wird ja in manchen Bundesländern (so auch unserem) von den Krankenkassen bezahlt…
Sie hatten aber schon gesehen, dass Melanie bereits gegen Hepatitis B geimpft ist? Ja? Macht nichts? Viel hilft viel? Naja, nochmal: Ich bin ja ein fleißiger Impfer, aber etwas zu impfen, was bereits geimpft wurde und einen Antikörpertiter von fetten 1000 IE/L produziert hat … Och nö.

Ich fürchte, das müssen Sie wohl selbst berappen.
Das finden Sie jetzt unkollegial? So sehr, dass Sie den Hörer auflegen?
Hallo? Halloo?

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (siehe Punkt 5.)

“Impfungen nach den Vorschriften des Arbeitsschutzes fallen in die Zuständigkeit des Arbeitgebers.” (Statement beispielhaft der Barmer GEK)

Hoppeldihopp

Ich: “Und, was hat Ihr Sohn?”
Mutter: “Rückenschmerzen.”
Ich zu ihm: “Seit wann hast Du Rückenschmerzen?”
Marvyn: “Seit heute.”
Ich: “Zeig mal, wo.”
Marvyn: “Hier, ganzer Rücken.”
Ich: “Und, was hast Du gestern gemacht? Trampolin, Fussball?”
Marvyn: “Wir waren im Hoppeldihopp*, Trampolin springen.”
Ich: “Echt? Wie lange?”
Mutter: “Der ist gar nicht mehr runter. Zwei Stunden?”

Kurze Untersuchung. Alles ok.

Ich: “Alles klar. Kommt sicher vom Hoppeldihopp. Muskelkater. Überlastung.”
Mutter: “Hab ich doch gleich gesagt.” Zu Marvyn: “Hab ich das nicht gleich gesagt?”
Marvyn: “Ja.”
Mutter: “Hab ich gleich gesagt.”
Ich: “Ist ja auch naheliegend.”
Mutter: “Ich wäre auch gar nicht gekommen. Aber der hat solange rumkommandiert, bis wir den Termin bei Ihnen gemacht haben.”
Ich: “Aha. Sie wären nicht gekommen? Interessant. Warum dann?”
Mutter: “So isser eben. Bis er das kriegt, was er will. Hat das ganze Haus zusammengebrüllt, dasser zum Doktor kommt.”

So ein Siebenjähriger kann ganz schön hartnäckig sein. Mache ich mir jetzt Gedanken über die Beziehung zwischen Mutter und Sohn, Interaktionen, Familienaufstellung, Sinn und Unsinn einer derartigen Vorstellung? Wieso setzt sich Mama zuhause nicht durch? Wie kann sie sich so instrumentalisieren lassen? Schnell zum Arzt, der wird schon was entsprechendes sagen? Konfliktvermeidung?
… oder lehne ich mich zurück, schmunzele und plane den nächsten Blogeintrag für heute abend?

*lokaler Indoor-Spielplatz

Meine Kinder – Deine Kinder

Wenn mich Eltern fragen, ob ich bei meinen eigenen Kindern auch
– diese Impfung gebe
– dieses Antibiotikum einsetze
– diesen Erziehungstipp beherzige
– diesen fachärztlichen Kollegen besuche
– diese Diagnostik veranlasste
antworte ich stets:
“Ja. Denn meine Kinder sind meine Kinder, und ich bin ihr Vater. Entscheidungen für meine Kinder treffe ich nach eigenem Gewissen, wie Sie auch, aber mit Ratschlag des Mediziners in mir, das ist für mich ein Glücksfall. Warum sollte dieser Ratschlag bei Ihrem Kind anders ausfallen? Schließlich sind wir unseren Patienten zur besten Behandlung nach bestem Wissen und Gewissen verpflichtet.”

Mit der Umsetzung haperts dann mitunter (siehe Erziehung). Aber das steht auf einem anderen Blatt.

Sommerurlaub

Freitag nachmittag. Neulich.

“Und? Haben Sie auch Urlaub?”
“Ja, nächste Woche.”
“Achja? Das müssen Sie aber auch aushängen.”
“Haben wir. Hängt vorne an der Eingangstür und im Wartezimmer.”
“So? Und wer vertritt Sie da? Wieder nur der Kinderarzt in Z-hausen? Das ist immer so weit.”
“Wir haben drei drauf geschrieben, jeder wohnt woanders, die Patienten ja auch.”
“Und wer ist das?”
“Steht auf dem Zettel.”
“Und auf dem Anrufbeantworter?”
“Wird´s auch aufgesprochen.”
“Und die Homepage? Ändern Sie die auch? Immer mehr Leute schauen ja ins Netz.”
“Ja.”
“Nicht, dass man wieder vor der Tür steht wie damals, Ostern 2010, da waren Sie auch einfach nicht da.”
“Wir machen das eigentlich immer so mit den Aushängen und dem AaBe…”
“So? Aha. … und wann sind Sie dann wieder da?”
“In drei Wochen. Steht auch auf dem Zettel.”
“Auch auf dem Anrufbeantworter?”
“Ja.”
“Und der Homepage?”
“Ja.”
“Na dann… Wir sind bestimmt wieder krank, wenn Sie nicht da sind. War bisher immer so.”
“Wirklich? Dann mal gleich gute Besserung!”
“Wie? Achso… Ja. Schönen Urlaub erstmal.”
“Danke, Ihnen auch schönen Urlaub!”
“… nicht, wenn wir krank werden.”

Manchmal fühle ich mich wie in einem Loriot-Sketch.

Statistik

Die Top-Diagnosen des ablaufenden Monats:

Z00.1 Gesundheitsvorsorgeuntersuchung eines Kindes 171x
J98.8 Luftwegsinfektion 81x
B34.9 Virusinfektion, nicht näher bezeichnet 50x
N39.0 Harnwegsinfektion 32x
K52.9 Gastroenteritis 30x
H92.0 Ohrenschmerzen 18x
H10.9 Konjunktivitis 18x
J40 Bronchitis 17x
J06.9 Fieberhafter Infekt der oberen Luftwege 17x
H66.9 Otitis 14x
T14.00 Insektenstich 13x
J30.1 Pollinose 12x
R10.4 Bauchschmerzen 12x
R05 Husten 11x
L30.9 Dermatitis 10x
J02.9 Pharyngitis 9x
B07 Verrucae 9x
K59.0 Obstipation 9x
T14.1 Platzwunde 8x
R21 Exanthem 7x
H11.9 Konjunktivareizung 7x
R11 Erbrechen 7x
B37.2 Windelsoor 6x
R59.9 Lymphknotenschwellung 6x
N48.1 Balanitis 5x
L30.9 Ekzem o.n.A. 5x
J02.0 Streptokokken-Pharyngitis 5x
R51 Kopfschmerzen 5x
J03.9 Tonsillitis 5x
L01.0 Impetigo contagiosa 4x
B80 Oxyuren-Befall 4x
(Sonstige und Doppeldiagnosen 272x)

Ich würde sagen, wir sind ausgesprochen präventiv unterwegs in diesem Monat. Ein typisches Bild der Sommermonate: Ein paar Infekte, viele Vorsorgeuntersuchungen. Wenn ich jetzt noch die Impfungen (524x) dazu packe, heisst es wieder, die Kinderärzte verdienen sich daran die goldene Nase. Deshalb lasse ich die besser weg.

Tipps für eine heiße Praxis – für Ärzte

– Rechnen Sie damit, dass (vor allem die kleinen) Patienten lieber ins Freibad gehen, als bei Ihnen eine Vorsorgeuntersuchung oder eine Impfung durchführen zu lassen.
– Kalkulieren Sie dabei ein, dass Telefone bei über 35 Grad im Schatten nicht mehr funktionieren (um evtl. obige Termine abzusagen).
– Nehmen Sie in Ihre Impfaufklärung den Hinweis “Hitze macht bei der Impfung kein erhöhtes Nebenwirkungsrisiko” ebenso auf, wie den Hinweis, dass “die Impfung auch bei hohen Außentemperaturen im Körper nicht denaturiert”.
– Verzichten Sie auf das Händeschütteln. Das war schon immer unhygienisch. Jetzt klebt es auch noch.
– Motivieren Sie Ihre Mitarbeiter zum Trinken (ein kostenloser Wasserkasten alle zwei Stunden erhöht die Arbeitsmoral ungemein) und sind Sie mal großzügig, wenn auch die Patienten und ihre Eltern hin und wieder zur Flasche greifen.
– Fenster sind von Arbeitsbeginn bis 9 Uhr offen zu halten, außerdem von 19 Uhr bis Arbeitsschluss.
– Da Ihnen Ihr Vermieter keine Klimaanlage bei Vertragsabschluß spendiert hat, dürfen seine Enkel kostenlos behandelt werden – aber nur in den Sommermonaten.
– Stören Sie sich nicht an Bienen, Fliegen, Wespen oder Stechmücken – diese erkunden nur das Terrain und verlassen in aller Regel die Räume wieder ohne Einwirken auf das Geschehen. Bei anstehenden Blutabnahmen ist ein Moskitonetz vorzuhalten.
– Lassen Sie ausnahmsweise die Zimmertüren offen, das schafft Vertrauen für den nächsten Impfling und kühlt die Gemüter. Weinende Kinder hinter verschlossenen Türen sind sowieso suspekt für die Wartenden.
– Ein Wasserspender wird zwar in diesen Tagen gerne gefordert, rentiert sich aber wegen der Sturzgefahr durch Wasserflecken nicht.
– Scherzen Sie am meisten mit den Kindern namens Annelie, Clara und Bigi. Die mit den seltsamen Namen stapeln tiefer.
– Begrüßen Sie die gutgemeinten Mitbringsel der Eltern (Eis, Eis am Stiel, Eis in der Waffel, Eiskonfekt, Becher Eis…) und ärgern Sie sich nicht, auf das Gefrierfach im Kühlschrank verzichtet zu haben.
– Danken Sie dem Weitblick Ihres Praxisausstatters, den Impfstoffkühlschrank im Server-Raum platziert zu haben, das Mehr an Energieverbrauch wird durch das Ausbleiben eines akuten Shutdowns der Computeranlage wettgemacht.
– Vergessen Sie die Pflaster. Platzwunden lassen sich eh besser tackern.
– Tragen Sie kurze Hosen. Ihre Seriösität wird darunter nicht leiden.
– Freuen Sie sich über ruhigen Arbeitstage – der nächste Coxsackie-Virus kommt bestimmt.

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