MedMen2017

Das Portal DocCheck hatte zu den MedMen2017 geladen und einige sind gekommen: Irgendwie die Industrie, irgendwie Journalisten, irgendwie sonstwie Interessierte und irgendwie dann auch „wir“, die Blogger. Das ganze diente wohl der Zusammenarbeit, dem Kennenlernen und Austauschen der medialen Player rund um den Medizinerzirkus. Gebe ich das so richtig wieder? 

Location? Einmal richtig hipp im Speicher/Industrie-Stil am Ufer des Rheins, das Googlen der Zimmerpreise in diesem Hotel spare ich mir hätte ich besser unterlassen sollen. Und wenn dann noch zwischen C-, B- und A-Klasse-Zimmern unterschieden wird. Wie auch immer, das Flair hat gestimmt, die Klimaanlage funktionierte, was wollen wir mehr?

Das Programm war üppig: Nach einer Keynote über die Plattform „I Had Cancer“ (internationales Flair, aber auch hochinteressant) und einem Roundtable zum Thema Hater in der Medizin (den wir halbverhungerten Blogger lieber dem Thai-Essen in unserem „Zimmer“ opferten), verteilten sich die Besucher auf die verschiedenen „Tracks“ auf verschiedene Hotelgemächer des „Speicher 7“. Unsere Runde war eben den Bloggern gewidmet, so konnte der geneigte Beobachter dem Medizynicus, den Jungs vom PsychCast, Karin von „Kind und Kittel“ (mit funkelnagelneuem Blog) und meinereiner lauschen. Ein toller Austausch, in dem wir sich unsere Vorträge wie von Zauberhand ergänzten.

Am Abend dann ein Get together zur Verleihung des Health Share Awards und ein Ausklingen bei angesagter DJ-Mucke und kleinen Häppchen. Da gab es noch mehr Blogger kennenzulernen – PTAchen und HNOler!

Es hat großen Spaß gemacht, Danke an die Organisation rund um DocCheck, insbesondere Isabell und Mira, aber vor allem den Bloggerkollegen: Ihr wart alle fantastisch, das große Medizinerbloggertreffen irgendwo in einer großen Stadt wird kommen. Ganz sicher. Bis dahin lese ich mal wieder ein paar Blogs und lausche den Podcasts.

(c) der Bilder bei mir. Die Füße bleiben Eure.

Deine Mutter als Hebamme


Neulich bei der U2.

Ich: „haben Sie denn eine Hebamme für die Nachsorge?“
Vater: „Nöö, brauchen wir nicht. Meine Mutter ist im Haus.“
Ich: „Und die ist Hebamme?“
Vater: „Nein, aber die hatte auch drei Kinder.“
Ich: „Ok. Ich bin auch schon zehn Autos gefahren und würde trotzdem keines reparieren.“
Vater: „Ja, aber eins fahren.“
Mist, er hat die Lücken in meinem Vergleich durchschaut.
Ich: „Ich würde es Ihnen trotzdem raten, ist immerhin das erste Kind bei Ihnen.“
Mutter: „Siehst Du Schatz, habe ich doch gleich gesagt. Hebamme ist besser.“
Ich: „Das zahlt auch die Krankenkasse.“
Vater: „Wirklich? Na dann auf jeden Fall. Wenn’s nichts kostet.“
Mutter: „Und nach einem Monat dürfen wir dann mal spazieren gehen, oder?“
Ich: „Ach was. Gleich vom ersten Tag an. Immer raus an die frische Luft mit den Kleinen.“
Mutter: „Seine Mutter sagt, die ersten vierzig Tage nicht.“
Ich lächele mein bestes „Siehste“-Lächeln zum Vater und träume einen kurzen Tagtraum meines ersten Autos.

Nur nochmal zur Info: Jede Familie hat das Recht auf Nachsorge durch eine Hebamme nach der Entbindung. Kostenlos. Auch wenn es momentan überall schwieriger wird, diese Hebammen zu bekommen, leider gibt es nun einmal eine echte Hebammenknappheit, bringt das nur Vorteile: Beruhigung in den ersten Tagen, Beobachtung des Säuglings, Hilfe beim Stillen oder Füttern, der Pflege und während der Hormonkrisen. Und die Hebammen beraten zu allen wichtigen Fragen, seien sie auch sonst so klein und vermeintlich unwichtig. Frischluft zum Beispiel.

(c) Bild bei Flickr / Amarpreet Kaur (Lizenz BY NC ND 2.0)

Durchmarsch


 

Bei Durchfallerkrankungen dürfen Säuglinge und Kleinkinder unter zwei Jahren auf keinen Fall sog. Motilitätshemmer erhalten, auch wenn sie auf Reisen sind.

„Motilitätshemmer lähmen die bei Durchfallerkrankungen häufig erhöhte Darmmotorik und senken dadurch die Stuhlhäufigkeit bei Erwachsenen, was insbesondere auf Reisen hilfreich sein kann. Doch bei kleinen Kindern wird dadurch die Fähigkeit des Darms, sich selbst zu reinigen, unterbunden. So können z.B. bakterielle Keime unter Umständen länger im Körper bleiben, sich vermehren und schlimmstenfalls in die Blutbahn übertreten. Darüber hinaus binden solche Motilitätshemmer nicht nur an die Opioid-Rezeptoren der Darmschleimhaut, sondern auch an die des Hirnes, wenn die sog. Blut-Hirn-Schranke noch offen ist. Dies ist bei Säuglingen und Kleinkindern bis zum Alter von zwei Jahren der Fall. Sie können hier schwere und gefährliche Atemdepressionen verursachen. Auch Heranwachsenden bis zu zwölf Jahren dürfen Eltern solche Mittel nur auf Anordnung eines Arztes verabreichen“, warnt Dr. Ulrich Fegeler, Kinder- und Jugendarzt sowie Mitglied des Expertengremiums des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Am besten sollten Eltern sich rechtzeitig vor einer Reise von ihrem Kinder- und Jugendarzt eine Reiseapotheke empfehlen lassen und mit ihm besprechen, was im Falle eines Durchfalls zu tun ist. Vielleicht rät er – abhängig vom Alter des Kindes – zu einer Elektrolytmischung, die selbst nach seinen Angaben zusammengemischt werden kann oder in der Apotheke als Fertigpräparat zu besorgen ist.

Bei Fieber, Blut oder Schleim im Stuhl, häufigem Erbrechen, starken Schmerzen, Kreislaufproblemen oder bei starkem Durchfall, der länger anhält, müssen Eltern in jedem Fall einen Arzt aufsuchen. Bei Babys gilt dies bei mehr als vier wässrigen Stühlen innerhalb von 24 Stunden, bei Kleinkindern bei mehr als sechs wässrigen Stühlen innerhalb dieser Zeit und bei Schulkindern bei mehr als acht bis zehn wässrigen Stühlen innerhalb von 24 Stunden. “Je kleiner die Kinder sind, desto eher droht ein gefährlicher Flüssigkeits- und Elektrolytverlust. Neben Wasser verliert der Körper wichtige Mineralstoffe. Ein trockener Mund, weiße Haut ohne Spannung und Schläfrigkeit sind Alarmzeichen einer Austrocknung“, warnt Dr. Fegeler.


Dies ist eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V.

—> Da das in der PM nicht so deutlich drin steht, wir sprechen hier von so Mitteln wie Loperamid, besser bekannt auch als I.mo.di.um – ein Medikament, das wirklich kaum jemand braucht, außer vielleicht der Typ, der letztens mit dem Fesselballon wohin fliegen wollte:

 

Eltern sind uneins – BGH entscheidet pro Impfungen

(Ein Blogpost ohne das Bild einer überdimensionierte Impfspritze)

Vor einem knappen Jahr musste ich hier bloggen, dass bei getrennt lebenden Eltern die Einverständnis beider Eltern vonnöten sei, um ein Kind impfen zu lassen. Dies hatte auch Auswirkungen auf die Praxis in der Praxis: Wir Ärzte können nicht stillschweigend davon ausgehen, dass das nicht anwesende Elternteil mit der Impfentscheidung einverstanden ist.

Nun gab es ein neues Urteil in ähnlicher Sache – aber von höchster Instanz, dem Bundesgerichtshof (Beschluss vom 3. Mai 2017 – XII ZB 157/16 ). Hier wurde einem Vater die (Pro-)Impfentscheidung zugesprochen, die Klage der Mutter gegen die Impfungen abgewiesen. Bereits ein Oberlandesgericht hatte für die Impfungen entschieden, die Beschwerde der Mutter hatte keinen Erfolg.

Zunächst wurde die Schwere der Impfentscheidung herausgestellt und aus den Entscheidungen des alltäglichen Lebens herausgelöst (welche stets das Elternteil fällen darf, bei dem das Kind lebt): „Sowohl das durch eine Impfung vermeidbare und mit möglichen Komplikationen verbundene Infektionsrisiko als auch das Risiko einer Impfschädigung belegen die erhebliche Bedeutung.“ — und daher soll die Entscheidung im Streitfall nicht bei einem Elternteil belassen werden, sondern kann vor einem Familiengericht entschieden werden. Dieses wiederum kann „auf Antrag eines Elternteils die Entscheidung einem Elternteil übertragen. Die Entscheidungskompetenz ist dem Elternteil zu übertragen, dessen Lösungsvorschlag dem Wohl des Kindes besser gerecht wird.“ Und hier entschied das Gericht für den Vater.

… und weiter: „Die von der Mutter erhobenen Vorbehalte, die aus ihrer Befürchtung einer „unheilvollen Lobbyarbeit von Pharmaindustrie und der Ärzteschaft“ resultieren, musste das Oberlandesgericht dagegen nicht zum Anlass für die Einholung eines gesonderten Sachverständigengutachtens über allgemeine Impfrisiken nehmen.“ Anders: Die Sinnhaftigheit von Impfungen hat das BGH in seiner Urteilsbegründung als gegeben und medizinischen Standard angesehen, hierüber musste gar nicht diskutiert werden.

Ein guter Schritt für den Impfgedanken.

Pressemitteilung des BGH und der Originaltext der Urteilsbegründung (Sehr lesenswert im Detail!)

Alleine Pipi gehen

Potty time
Letzte Woche war irgendwie „Mein Kind ist noch nicht trocken“-Woche. Liegt vielleicht am kommenden Sommer oder vielleicht sind grade die Windelpreise angestiegen, was weiß denn ich?
Jedenfalls hier eine kurze Runde von Fragen in der Praxis:

– „Herr Doktor, die Lisa-Belle ist noch nicht trocken, das ist doch nicht normal, oder?“ (Alter des Kindes? 16 Monate)
– „Herr Doktor, der Henry-James will schon auf dem Klo sitzen, ja, auf dem Rich-ti-gen Klo! Soll ich ihn lassen?“ (Alter des Kindes? 14 Monate)
– „Herr Doktor, der Carlheinrich (ja, doch…) macht seinen Stinker in die Ecke, aber nur mit Unterhose, ohne Windel. Pissen“ (ja…) „nur im Stehen. Nur.“ (Alter des Kindes? 4 Jahre)
– „Herr Doktor, ich habe gehört, die Fertigwindeln sind gar nicht so gut, da soll eine amerikanische Untersuchung krebserregende Stoffe gefunden haben.“
– „Herr Doktor, die Stoffwindeln haben wir wieder umgetauscht,“ (jawoll!) „da ist Mary-Rosie immer wieder rausgerutscht. Den Klett kriegt sie nicht auf.“ (Alter des Kindes? 18 Monate)
– „Herr Doktor, wie soll ich den denn trocken kriegen, wenn die Erzieherinnen nicht mitziehen?“ (Alter des Kindes? 21 Monate)
– „Herr Doktor, ich möchte den Willi nicht psychisch belasten, aber die Erzieherinnen sagen, wir probieren es jetzt mal ohne.“ (Alter des Kindes? 58 Monate)

Ein paar Aussagen sind überspitzt formuliert und ergaben sich im Gespräch, ein oder zwei habe ich auch aus anderen Zeiten entlehnt, aber eins zeigen sie alle:

Kinder werden nicht trocken, wenn Eltern das steuern wollen oder es erwarten. Kinder werden trocken, wenn sie selbst soweit sind.
Und da ist es egal, ob sie vierzehn Monate alt sind (sehr unwahrscheinlich) oder acht Jahre. Das Durchschnittsalter liegt zwischen Zwoeinhalb und Vier. Und hier sprechen wir nur über das Tagesgeschäft. Nachts kann es ganz anders aussehen.

Also, wie vorgehen?

– Auf Signale des Kindes achten: Unruhe, „Trippeln“, „Pippi“-Rufe – dann aber auch bittschön mit dem Kind aufs Klo gehen und nicht auf die Windel verweisen.
– Aufs Klo gehen macht erst Sinn, wenn das Kind sitzen kann laufen kann. Banal, aber wichtig.
– Auf dem Örtchen sitze man bitte bequem – mit Fussbänkchen oder niedrigem Klositz, gerne auch auf dem Töpfchen (ist für die Physiologie des „Machens“ sowieso die bessere Position).
Vorbild sein: Eltern „machen“ bitte nicht hinter verschlossenen Türen. Kinder dürfen da gerne zuschauen. Wie soll ein Kind sonst verstehen, dass „es“ auch anders geht als nur mit Windel?
Routine und Rituale etablieren: Immer mal morgens, immer mal abends, immer mal vor dem Spazierengehen oder danach einen Klogang planen. Ohne Druck, ohne „Dauersitzung“, ohne Tadel oder übertriebenen Lob.
Keine Fragen fragen: „Musst Du mal Pipi?“ – könnt Ihr später machen, beim Trockenwerden kollidiert die Frage eventuell mit dem Trotzalter, und Ihr bekommt immer ein „Nein!“ zu hören. Außerdem braucht es länger, rechtzeitig den Harn- oder Stuhldrang zu spüren, als bewußt die Schließmuskel zu öffnen.
– Moderne Windeln sind superdupersaugfähig. Kinder spüren meist gar nicht, dass sie „was drin“ haben. Wenn es also die Jahreszeit erlaubt (Sommer, wenig Klamotten) und nicht gerade eine Familienfeier ansteht, ruhig mal die Windel weglassen. Bei zuviel Stress, Frust oder Ekel auf allen Seiten – irgendwann mal wieder probieren. Der Sommer ist sowieso perfekt: In der freien Natur pinkeln ist Event.
– Gute Zeitpunkte fürs Geschäft: Direkt morgens oder nach den Mahlzeiten.
– Und nochmal: Das Alter spielt keine Rolle.

So, das ist der Beginn.
Demnächst hier:
– Wie geht das mit nachts?
– Wenn Kinder „wieder“ einnässen.

(c) Foto bei Flickr/Leonid Mamchenkov (Unter CC-BY-2.0-Lizenz)

Maria im Netz

Katja Reim hat eine Tochter Maria, die sie durch die digitale Welt zu begleiten versucht. Das macht sie nun auch in einem Buch, nachdem ihre Leserschaft das bereits auf ihrem Blog Mein Computerkind verfolgen konnte. Ich kannte ihren Blog bisher nicht – Asche auf mein Haupt – , aber nun gibt es ja das Buch.

Wir erfahren von ersten Kontakten mit Bildschirmen, von digitalen Kümmerspielen und dass auch Mädchen Minecraft spielen können, wir erfahren nebenbei viel über Datenschutz und Privatsphäre, den Risiken von Fotos im Internet, wie Werbung uns ködert, dass virtuelles Geld keines zum Greifen ist und dass Wikipedia-Wissen kein Garant auf Wahrheit ist. Soweit, so bekannt. Aber in den Geschichten des Buches bekommen die Dinge eine neue, weil kindbezogene Perspektive. Das hat mich beeindruckt. Und Erkenntnisse sind das Wichtigste, was wir uns von Büchern wünschen.

Ergänzt werden die Kapitel mit hübschen Sketchnotes von Diana Meier-Soriat, die man auch auf Katja Reims Homepage bewundern kann. Sie unterstreichen den Ratgeberanspruch des Buches. Die blauen Vignetten in Spruchblasenform, die wichtige Merksätze wiederholen, habe ich meist überlesen – aber sie gehören wohl zum Konzept der Verlage, wenn wir einen längeren Fließtext vor uns haben. Schließlich finden sich Unmengen von Linktipps zu allen Themen des Buches. Alleine diese komprimiert in einem Buch zu finden, lohnt bereits die Anschaffung.

Storytelling ist der Schlüssel zur Wissensvermittlung, das sieht auch der Verlag Kösel so, und Katja Reim lässt ihre eigenen Erfahrungen und Gedanken rund um Handy, PC, Pad, Cyperspace und deren Gefahren (denn es sind immer die Gefahren, die uns diese Bücher und Blogs lesen lassen) einfliessen. In jedem Kapitel findet sich „Bei Maria haben wir…“, „Als Maria dann dies und jenes entdeckte….“, „…habe ich Maria versucht zu erklären“. Das ist sympathisch, wir lesende Eltern identifizieren uns sofort mit der besorgten Mutter und bewundern sie für ihr Engagement und Ideenreichtum.

Auch ich habe, wie Katja Reim, meinen Manfred Spitzer gelesen und das „Netzgemüse“ von Tanja und Johnny Häusler, und mir meine Gedanken gemacht, wie unsere Kinder die digitale Welt erfahren sollen. „Stimmt, so hätte ich das auch meinen Kinder vermitteln können“, denke ich mir nicht nur einmal während der Lektüre des Buches „Ab ins Netz?!“ und habe es doch nicht getan. Vielleicht waren wir als Eltern naiver, vielleicht auch weniger informiert, denn schließlich sind Häuslers und Frau Reim durch ihre journalistische Herkunft ganz anders sozialisiert als (wir) die medizinisch geprägten Haushalte.

Und hier sehe ich das Problem des Buches: Es vermittelt Erfahrungswissen, schildert Trial und Error bei Mama Reim und Maria. Die Frage ist nur, lässt sich das nun auf die Kinder der Leserschaft übertragen? Natürlich nicht. Diesen Anspruch wird die Autorin auch nicht haben, schildert sie doch nur exemplarisch ihr eigenes Erleben. Aber ist das Buch dann ein Ratgeber oder (nur) ein Erfahrungsbericht? Lässt sich aus „so haben wir das gemacht“ immer ableiten, dass es beim eigenen Kind genauso klappt? Da kommt das Buch an seine Grenzen. „Wie Kinder sicher in der digitalen Welt ankommen und Eltern dabei entspannt bleiben“, verspricht der Untertitel. Das kann ein Buch in dieser Form nicht erfüllen.

Dass Bildschirme zu unserer Welt dazu gehören, und wir heute noch gar nicht absehen können, was bereits in fünf Jahren auf unsere Kinder und uns einströmt: Geschenkt. Gemeinsames Erleben und Heranführen an die digitale Welt, ohne kategorische Verbote, das kann nur der einzige Weg sein, mit den Kindern die Risiken des Internets auszuloten. So war das aber auch schon beim bösen Fernsehen oder den Comics. Kinder und Jugendliche, die unbegleitet diese Welt erleben, gibt es jedoch in *Massen*, kein Wort von diesen im Buch. Spiel-, Handy-, Internet-Sucht sind in jeder zweiten Jugendvorsorgeuntersuchung ein relevantes Thema. Für reflektierte Eltern, die sich Gedanken um die Digitaliserung ihrer Kinder machen, ist das Buch ein tolle Fundgrube von eigenen Erfahrungen und Tipps. Sehr empfehlenswert.

Für die anderen braucht es manchmal eben dann doch den mahnenden Zeigefinger eines Manfred Spitzer.

Ab ins Netz?!: Wie Kinder sicher in der digitalen Welt ankommen und Eltern dabei entspannt bleiben von Katja Reim, erschienen 2017 im Kösel-Verlag.

 


(Affiliate Link zu Amazon)

Link zum Kösel-Verlag/Random House

(Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt, ich rezensiere aber nur Bücher, die ich mich interessieren und die ich mir selbst kaufen würde. Meine Beurteilung wird dadurch nicht beeinträchtigt)

[Dieser Text enthält so genannte Affiliate Links – siehe Impressum]

Kurze Beruhigungen für junge Eltern

Erstlingseltern, also solche, die noch keinen Stall voll Kinder daheim haben, sorgen sich ab der ersten Minute um ihr Kind, das liegt in der Natur der Sache. Hier ein paar kurze Hinweise, was alles bei einem Frischling normal ist (aber gerne gefragt wird):

– Der Flaum auf den Schulter fällt noch aus (übrigens auch die restlichen Haare).
– Pickelchen, Rötungen und spröde Haut gehen von alleine weg.
– Neugeborene atmen sehr laut.
– Die Ohren entfalten sich noch, auch der restliche Schädel.
– Wenn ein Kind noch viel schläft: Keine Sorge, das ändert sich.
– Der Stuhlgang wird grüner, gelber, flüssiger. Er klebt dann nicht mehr so sehr. Ekelig bleibt es.
– Die Augen sind bald nicht mehr verklebt. Wasser und ein weicher Waschlappen reicht meist aus.
– Der Nabel tut nicht weh. Puder ist verboten. Desinfektion ist ok. Macht die Hebamme.
– Der Po ist oft rot. Cremen ist in Ordnung. Urin macht nichts, Stuhlgang schon.
– Das Zeug in den Falten nennt man Käseschmiere. Gut für die Haut, muß man nicht saubermachen.
– Den roten Fleck über der Nase nennt man Engelskuss, den roten Fleck im Nacken Storchenbiss.
– Lange Fingernägel sind häufig, vor allem, wenn das Kind etwas verspätet zur Welt kam. Ja, man darf sie – vorsichtig! – kürzen.
– Kleine weisse Punkte auf der Nase nennt man Milien. Sie trocknen ein.
– Milien im Mund nennt man Epstein Perlen. Auch sie trocknen ein.
– Tief schlafende Babys sind tief schlafende Babys. Ein Atemstillstand sieht anders aus. (Danke an ´ne mama)
– Pickelchen im Gesicht nennt man Babyakne,verschwindet nach einiger Zeit von ganz alleine und muss nicht behandelt werden. (Danke an @cHHrissi)
– Das rote Pulver in der Windel ist Ziegelmehl…, weil es eben so aussieht. Das ist kein Blut, sondern das sind Urinkristalle. Harmlos. (Danke an Danielle)

To be completed. Anyone? Weitere Tipps für die Neugeborenenzeit, die über das „Sichtbare“ nach Geburt hinausgehen außerdem weiter unten in den Kommentaren.

Just for the record (offtopic)

Buchtipp „Der Mensch“


Holt Euch dieses Buch, verschenkt es, liebt es, blättert es. Eigentlich konzipiert für Kinder ist das Buch „Der Mensch oder Das Wunder unseres Körpers und seiner Billionen Bewohner“ auch ein Augenschmaus für den interessierten Erwachsenen. Nebenbei wird auch noch was erklärt.

Jan Paul Schutten (Text) und Floor Rieder (Illustrationen) haben bereits ein ähnliches Buch zur Evolution vorgelegt, nun also das Buch zum Menschen (Übersetzung Verena Kiefer). Warum, warum, warum wird gefragt, und dabei bewegen wir uns durch den menschlichen Körper – die Zellen, das Gehirn, der HNO-Bereich, die Lunge, Bauch, Haut und Haar und schließlich Vermischtes in Bewegung und in Fortpflanzung. Dabei werden so spannende Fragen gestellt, warum „du dir im Staubsauger begegnest“, warum „du einfacher gestrickt bist als eine Reispflanze“ oder warum „tot sein nicht so schlimm ist“. Man sieht: Ungewöhnlich. Oder wie wäre es mit „Warum ein Hochdruckgebiet über Skandinavien einen Krieg auslösen kann“? Was das mit dem menschlichen Körper zu tun hat? Spoiler: Es geht um Hormone.

Schöne Bilder gibt es zu sehen, sympathisch einfach, dennoch eingängig und haftend. Kleine Scherze sind eingearbeitet, keine Hemmungen gibt es zu überwinden, wir lesen ein Buch aus den Niederlanden. Das alles in warmen Rot, Grün und Golden. Der Schnitt ist rot gefasst, ein edles Buch. Und wieder möchte der Leser das Buch nicht als e-book verschlissen sehen. Da kann es nicht wirken.

Jan-Paul Schutten, Floor Rieder – Der Mensch oder Das Wunder unseres Körpers und seiner Billionen Bewohner“, bei Gerstenberg, 2016, übersetzt von Verena Kiefer, fest gebunden, 160 Seiten, mit viel Liebe gemacht.

Link zu Gerstenberg

Affiliate Link zu Amazon 

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Über Zahnärzte

"Dad, You Are So Weird"

An meinen ersten Zahnarztbesuch kann ich mich gar nicht erinnern. Vielleicht habe ich das auch komplett verdrängt, vielleicht war ich schlicht zu jung, so dass die Erinnerung in der Kindheit verhaftet blieb, ich weiß es nicht. Ich fürchte jedoch, dass meine Eltern mit mir das erste Mal bei einem Zahnarzt waren, als ich das erste Mal so richtig Zahnschmerzen hatte. Ich hatte nämlich richtig schlechte Zähne.

An den Zahnarzt, an den ich mich dann erinnern kann, möchte ich mich nicht gerne erinnern. Er war nicht nett, hatte kalte Hände (keine Handschuhe), schlechten Mundgeruch und keine Geschenke für kleine Kinder. Aber er hat viel gebohrt. Ohne Betäubung. Das war zu der Zeit wohl noch uncool oder zu teuer oder nicht in oder einfach nur gemein. Jedenfalls hat er meinen Umgang mit Zahnärzten offiziell verbockt.

Die nächsten waren nicht besser. Unsere Familie ist ein paar Mal während meiner Schulzeit umgezogen, und ich kann nicht behaupten, dass die anderen Zahnärzte dem ersten irgendwie in Doofheit und mangelndem Einfühlungsvermögen für Kinder nachstanden. Ich kann mich an nackte Wartezimmer mit harten Stühlen erinnern, an laute Bohrer, dem Satz „das geht so schnell, das merkst Du gar nicht“ (äh, doch!) und dass ich wiederholt hingehen musste, weil – so die offizielle Begründung meiner Mutter – die Zahnschmerzen noch schlimmer wurden, weil der Zahnarzt „Luft unter der Füllung eingeschlossen“ habe.

Nachdem ich auf eigenen Füßen stand, dachte ich, ich finde bessere Zahnärzte. Ich fragte meine Freunde, Kommilitonen an der Uni, ob es in der Stadt einen guten Zahnarzt gebe, denn schließlich hatte ich nun keine Mutti mehr, die mich einmal pro Jahr für ein Bonusheft zum Klempner schleifte. Naja. Die Empfehlungen waren auch eher mäßig. Aber ich gestehe: Dank meiner Kindeserfahrung zögerte ich die nun selbstbestimmten Besuche beim Zahnarzt sehr lange heraus. Meist gabs dann was zu tun.

Erst mit Ende Zwanzig, ich war schon auf dem Weg zum eigenen Facharzt, erbarmte sich einer und gab mir vor der Behandlung eine Spritze! Es war ein Segen. Seither verlange ich immer danach, ich kann nicht verstehen, dass das keiner früher gemacht hat. Inspektion einmal, zweimal jährlich ok, Zahnreinigung, alles machbar – aber sobald der Bohrer ausgepackt wird, gibt es bei mir eine Spritze vorneweg. Sabbern und lustige Sprache im Anschluss inbegriffen, was soll´s.

Bitte erspart Euren Kindern diese Erfahrung.

– Denkt ab dem ersten Geburtstag an den ersten Zahnarztbesuch (die Zahnärzte empfehlen „ab dem ersten Zahn“).
– Lasst die Kinder an Euren Besuchen teilhaben, führt sie spielerisch an die Zahnarztpraxis heran. Erzählt keine Horrorstories, aber verheimlicht auch nicht, dass es beim Zahnarzt mal wehtun kann.
– Ihr braucht keinen so genannten Kinderzahnarzt – es tut auch jemand nettes, der gut mit Kindern kann. „Kinderzahnheilkunde“ ist kein Teil der Weiterbildungsordnung der Zahnärzte, aber Zahnärzte können sich über Curricula oder Zusatzqualifikationen spezialisieren. Geschützt ist der Begriff nicht. Verbände der Kinderzahnärzte achten jedoch auf die Sicherung der Qualität.
– Testet den Zahnarzt – die Chemie zwischen Arzt und Kind muss stimmen. Ideal ist der Zahnarzt für die ganze Familie, das stärkt das Vertrauen des Kindes. Viele echte Kinderzahnarztpraxen sprießen aus dem Boden – die behandeln dann aber keine Erwachsene. Dafür sind die Räume schön bunt, die Stühle kindgerecht und die ZMFAs (hoffentlich) kindgeschult.
– Geht regelmäßig. Am Anfang zum Gucken, zum Instrumente-, Licht- und Gerüchekennenlernen und dann zur steten Kontrolle. Der erste Zahnbesuch mit dem ersten Loch ist nicht gut.

Inzwischen habe ich eine Zahnärztin, der ich blind vertraue. Meine Kinder auch. Jetzt gehe ich zweimal im Jahr ohne Angst. Das Bohren ist auch seltener geworden. Und wenn, dann immer nur mit Betäubung.

(c) Bild bei Flickr/Patrick (Creative Commons License)

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