Gelesen im August

Vor ihren Augen sahen sie Gott von Zora Neale Hurston
(Übersetzt von Hans-Ulrich Möhring)
Schöne altmodische Liebesgeschichte, im Milieu der Schwarzen der Zwanziger Jahre in den USA angesiedelt, sanft fließend erzählt mit himmlisch poetischen Bildern des “alten” Florida umrahmt. Es ist die Geschichte von Janie, die viele Wege mit Männern und durch Abhängigkeiten gehen muß, bevor sie die Liebe ihres Lebens findet. Aber auch diese endet tragisch. “Ein 250-Seiten-Blues-Song”, so der WDR. Die Sprache kommt etwas altbacken daher, trotz einer Neuübersetzung 2011. Manche Sätze sind unübersetzbar und wurden im Original belassen. In den USA gilt das Buch als Klassiker der “native literature”. (3/5)

Kindheit ist keine Krankheitvon Michael Hauch
Hierüber habe ich schon geschrieben – empfehlenswert! (5/5)

Schöne Töchter von Flix
Für Fans ein Muß, für Neueinsteiger in den Flix-Kosmos ideal – der Comicstrip aus dem Berliner “Tagesspiegel”. Es soll Menschen geben, die sich sonntags nur wegen des Strips den Tagesspiegel gekauft haben. Ein wunderschönes großformatiges Buch: Die Comics sind leider nur auf der rechten Seite zu sehen, dafür in Hochglanz und Farbe. Der verschwenderisch leere Platz auf der linken Seite (nur durch ein paar kleine Skizzen durchsetzt) gibt der Ausgabe etwas Edles. Über die Geschichten gibt es nichts zu streiten – ich habe mich sofort festgelesen im Buchladen, die Zeit verflog, und trotzdem gekauft, denn das sind die Bücher, die man später im Schrank haben muß, Elektronik-Lesen hin oder her. (5/5)

Pu der Bär von A.A. Milne
(Übersetzt von Harry Rowohlt, gelesen von demselben)
Ich habe mir das Hörbuch bei Audible gegönnt, zu Ehren von Harry Rowohlt, der vor kurzem verstorben ist. Wer den Text kennt, ihn selbst schon (vor)gelesen hat – hier entdeckst Du ihn neu. Rowohlt zelebriert jede Geschichte, jedes Tier, jede Nuance der Vorlage und entwickelt damit das ideale Buch für den eigenen schelmischen Charakter. Meine Lieblings-Synchron-Stimme: Ferkel. Nochmal hören, und nochmal und nochmal und nochmal. (5/5)

The Wire Staffel 1-5
Auweia. Binge-Watching à la kinderdok. Ich las letztens im “Wired” einen tollen Artikel des Netflix-Gründers, dass sich das Fernsehen in den USA bereits bei 3/4 der Zuschauer geändert hat – nur noch Stream und DVD, kein klassisches “Live”-Fernsehen mehr, in Deutschland bewegt man sich noch bei 7%. Für den Monat August kann ich das unterstreichen.
“The Wire” wird als beste Fernsehserie der Welt gehandelt und wechselt sich da gerne mal mit “Breaking Bad”, “Mad Men” oder “Games of Thrones” ab. “The Wire” ist in jedem Fall anders. Meine Frau hat die erste Staffel halb schlafend überlebt, dann schlug die Faszination zu. Langsam erzählt, sehr realistisch, mit groooßem Spannungsbogen, zig Charakteren, zwiespältigen Protagonisten bei den Guten, wie bei den Bösen, wenig Effekthascherei und wenig Cliffhanger. Klingt zäh? Ist es auch. Aber wer sich drauf einlässt, erlebt … “die beste Fernsehserie der Welt.” (5/5)

[Dieser Text enthält so genannte Affiliate Links – siehe Impressum]

Lieber Kollege Hauch …

… vielen Dank für dieses Buch.

Es wäre einfach zu schreiben, Sie haben genau das Buch geschrieben, das wir Kinderärzte im stillen Kämmerlein alle einmal schreiben wollten, aber, beim Heiligen “Laurence-Moon-Bardet-Biedl”: Es ist die Wahrheit.

Sie formulieren exakt die Erfahrungen in der Kinderarztpraxis, die Fallbeispiele, die Vorgänge in den Elternhäusern, den Kindergärten, den Grundschulen, bei Therapeuten, den Zeitgeist. Sie beschreiben, wie unsere Kinder und ihre Eltern ab Geburt unter ständigem Leistungsdruck stehen, wie jeder von ihnen stets nur Erfolge und Funktionieren erwarten und wie alle nur nach den Defiziten stieren. Sie beschreiben die Veränderungen in der Arztpraxis der letzten Jahre, weg von den Kinderkrankheiten, hin zu den sozialpädiatrischen Problemen, wir lesen von den Schwierigkeiten, die gerade Jungen haben, von den Tests, den Beobachtungen, die über die Kinder hineinbrechen, über die Meilensteine der Entwicklung, die eigentlich keine sind und über die Unfähigkeit aller Beteiligten, damit umzugehen.

Die Kapitelüberschriften (eine Auswahl) illustrieren den Rundumschlag Ihres Buches: “Von Masern zu Neuen Morbidiäten/Warum es schwerer geworden ist, Eltern zu sein/Das muss Ihr Kind können – muss es wirklich?/ADHS ist Dimensions- und Definitionssache/Warum es so schwer ist, nein zu Therapien zu sagen” usw. usf. Ein wenig Redundanz muß bei einer Empörungsschrift, wie Sie sie geschrieben haben, sein, denn man kann es nicht oft wiederholen: Therapien schaden. Sie zitieren Largo, Renz-Polster, Juul und Schlack, alles ehrenwerte Brüder im Geiste, die unsere Kinder so sehen, wie sie sind, nämlich – (CAVE: Banalität!) – Kinder und keine Versuchsobjekte von Erzieherinnen, Therapeuten oder, ja Eltern.

Ich rechne Ihnen hoch an, dass die Eltern so gut wegkommen, da greife ich mir an die eigene Nase, so gut gelingt mir das in meinem Buch und Blog nicht, zu sehr musste ich da ventilieren. Die Eltern können auch gar nicht anders – der Instinkt, die Natürlichkeit und Gelassenheit im Umgang mit den Kindern muß in der heutigen Zeit auf der Strecke bleiben. Zuviel “es muß”, “es soll”, “es wird erwartet” und “wenn nicht jetzt, dann…” vernebelt ihnen den Blick auf den spontanen Entwicklungsweg jedes einzelnen Kindes.

“Kinder haben ein Recht darauf, nicht ständig ans Morgen zu denken. Kindheit ist nicht die kurze Zeitspanne, in der der Mensch optimiert werden muss um das Rattenrennen um die besten Jobs und die besten Plätze in der Gesellschaft, Kindheit ist keine Krankheit, sondern Lebenszeit. Die wichtigste!”

Ich werde einen Karton mit fünfzig Exemplaren Ihres Buches ordern, um es jedem Kindergarten der Umgebung zu schenken und jedem mit überflüssigen Anfragen nach Therapien als Antwort zu schicken.

Kindheit ist keine Krankheit: Wie wir unsere Kinder mit Tests und Therapien zu Patienten machen von Michael Hauch, Regine Hauch – FISCHER Taschenbuch ISBN-10: 359603230X

“Lasst die Kinder in Ruhe!”, Michael Hauchs Artikel in der FAZ vom Februar letzten Jahres, der zu diesem Buch führte.

[Dieser Text enthält so genannte Affiliate Links – siehe Impressum]

Ein Pieks weniger

Breaking News:

Die Ständige Impfkommission STIKO hat in ihrem neuesten Bulletin, das stets im August erscheint, ein ganz kleines Bisschen an den Impfempfehlungen gedreht: So wechselt sie bei den Pneumokokken-Impfungen vom 3+1 Schema zum 2+1 Schema, d.h. es wird nur noch zweimal im ersten halben Jahr geimpft und ein drittes Mal im zweiten Lebensjahr. Bisher wurde die Pneumokokkenimpfung an die Sechsfachimpfung gekoppelt. Letztere verbleibt übrigens beim 3+1 Schema, obwohl dies in manchen Ländern anders gehandhabt wird.

Übrigens: Die von vielen erwartete Empfehlung zur Menigokokken B Impfung blieb im aktuellen Bulletin aus, zu unsicher sei noch die Studienlage. Das halte ich persönlich für eine mutige Entscheidung, denn eine Meningitis B ist für uns alle ein Horror sondergleichen.

SPON zu den Empfehlungen

Das neueste Bulletin als pdf.

Achtung! Retinoblastom – Was ist das?

“Weißliche Augenfarbe auf Blitzlichtfoto abklären lassenRetinoblastoma

Weist ein kleines Kind eine weißliche oder auch gelbliche Augenfarbe statt eines roten Auges auf einem Blitzlichtfoto auf, sollten Eltern dies abklären lassen.

Denn die Verfärbung kann durch ein Retinoblastom verursacht sein. Auch bei hellen Lichtverhältnissen kann dieser Effekt sichtbar sein. „Ein Retinoblastom ist der häufigste Tumor im Auge bei kleinen Kindern, der sich vor allem im Alter zwischen zwei und fünf Jahren entwickelt. Er ist relativ leicht mit bloßem Auge zu erkennen. Frühzeitig behandelt, kann das betroffene Auge gerettet und das Kind von umfangreichen und beschwerlichen Therapien, wie z.B. Chemotherapie, bewahrt werden“, erläutert Dr. Monika Niehaus, Kinder- und Jugendärztin aus Weimar.

Bei einem Verdacht sollten Eltern aus ca. vier Metern Entfernung ein Foto des Kindes von vorne mit Blitz anfertigen. Die automatische Beseitigung des Rote-Augen-Effekts sollte ausgeschaltet sein. Reflektiert die Pupille eines Auges oder beider Augen nicht rötlich, sondern weißlich, kann – muss aber nicht – dies ein Hinweis sein, den sie mit einem Facharzt besprechen sollten. „Auch ein gerötetes und schmerzendes Auge, Schielen und erweiterte Pupillen bei einem oder bei beiden Augen oder farbliche Veränderungen der Iris (Ring um die Pupille) können Begleiterscheinungen des Tumors sein und sollten untersucht werden“, ergänzt Dr. Niehaus. Darüber, wie ein betroffenes Auge aussehen kann, können sich Eltern auf der Seite http://www.kinderaugenkrebsstiftung.de informieren.
Pro Jahr erkranken in Deutschland etwa 40 Kinder. Bei etwa der Hälfte der Kinder besteht eine Veranlagung für die Erkrankung, d.h., auch ein Familienmitglied ist davon betroffen gewesen. Die Mehrheit der Kinder mit Retinoblastom kann nach der Behandlung ein normales Leben führen.

Quellen: kinderaugenkrebsstiftung.de, Ophthalmologe, Kidshealth.org

—————–

Dies ist eine Pressemitteilung des BVKJ.

(C) Foto bei Flickr / Jennifer Miller

Parallelen – TK berichtet über die Gesundheit von Kinderärzten?

Die Techniker Krankenkasse veröffentlichte dieser Tage die Krankheitsstatistik einer mit jungen Menschen beschäftigten Berufsgruppe.

Diese werde überdurchschnittlich häufig krankgeschrieben. Am Freitag stellte die TK ihre Zahlen vor: So sind die Mitglieder dieses Berufszweiges “im vorigen Jahr mit 18,9 Tagen vier Tage länger krankgeschrieben als der Bundesdurchschnitt. Den größten Anteil hatten dabei psychische Störungen (4,1 Tage) und Krankheiten des Atmungssystems (3,3 Tage)”.

Die TK-Präventionsexpertin Gudrun Ahlers sieht insbesondere “einen hohen Lärmpegel, immer komplexer werdende Aufgabenbereiche und zuletzt auch Auseinandersetzungen mit den Eltern” als Ursache für den hohen Krankenstand. Die genannten Erkältungskrankheiten verwundern Frau Ahlers ebenso wenig: Bei der Arbeit mit Kindern bewegt man sich schließlich immer in einem “Sammelbecken für Viren und Bakterien“.

Nein. Es ging in der Statistik selbstredend nicht um Kinderärzte. Aber Parallelen, zumindest was die zitierten Arbeitsbelastungen angeht, lassen sich finden, oder?

Wir Ärzte haben wenigstens ein gutes Mittel gegen unsere “Sammelbecken für Viren und Bakterien”: Händewaschen, Händewaschen und Desinfizieren. Und Händewaschen. Das wirkt manchmal Wunder.

washing hands

(c) Foto via flickr bei Ruth

Woanders 

Gefunden hier und da, auch freundlich zugesandt durch Leser, Follower und Tweeter, in jedem Fall spannend zu lesen. Viel Spaß:

Die Süddeutsche setzt sich mit den Risiken auseinander, die eine naturheilkundlich-alternative Behandlung von Kindern mit sich bringen kann. Wir Kinderärzte fürchten auch den alltäglichen Mißbrauch, das Kinder erfahren, wegen jedem Wehwechen ein Glaubulili bekommen zu müssen.

Immer mehr Krankenkassen setzen auf den Marktvorteil “Homöopathie” und verpulvert Geld für eine unwirksame Heilmethode. Panorama berichtet, was das für Ärzte bedeutet: Sie werden für Gespräche fürstlich entlohnt, wenn diese als homöopathische Anamnesen erhoben werden. Die sprechende Medizin fernab der Globuli bleibt außenvor.

Incidental Comics beschäftigt sich gerne mit dem Kampf um die richtigen Worte, das Bücherschreiben, die Literatur. Hier wieder ein wundervolles Beispiel für den nächtlichen Schreibanfall.

Was kann man Eltern umstimmen, die ihre Kinder nicht impfen wollen? Es ist immer noch die Darstellung der impfpräventablen Krankheiten an sich.

Ein wunderbarer Artikel aus der Zeit über den Mythos des Kellers, der mich daran erinnerte, dass der unsrige auch mal wieder eine Generalmobilmachung braucht. Online ist der Artikel im Stil des Scrollytelling erzählt, eine Erzählform, die ich erst durch Buddenbohms Linkliste kennenlernte. Tollstes Beispiel dazu.

Hat Euer Kind auch eine Zahnspange? Vielleicht ohne echten medizinischen Nutzen. Ein Sakrileg unter Kieferorthopäden. Auch ein lustiges Thema: Die Seilschaften zwischen den “Kiefis”, den Orthopäden und – wieder mal – den Osteopathen. Wäre auch mal was für Medizinjournalisten.

Während ich das hier schreibe, läuft im Hintergrund Paris, Texas von Wim Wenders. Zuletzt habe ich den Film in unserem Kommunalen Kino gesehen, da bin ich noch zur Schule gegangen, der Film war gerade ein Jahr alt. Wir saßen im ersten Stock unserer Ortsbibliothek, der Film kam von der Rolle (mit Pause), und wir saßen auf knarzenden Plastikstühlen. Ich bin sicher, ich habe ihn danach nie wieder gesehen. Trotzdem erkenne ich jede Szene wieder. Ganz großes deutsches Kino.

Gelesen im Juli

Wie auch im Juni – der Owen Meany. Da im englischen Original, hat es etwas länger gedauert, ihn zu lesen, dennoch war es, als lese ich den Roman ganz neu, das erste Mal.

A Prayer for Owen Meany von John Irving
Was kann ich noch über das Buch sagen, nachdem ich es nun zum zigsten Mal (aber erstmals im Original) gelesen habe? Vielleicht habe ich es tatsächlich neu entdeckt. Die Religiösität, die dem Buch entspringt, war mir nie so bewußt, obwohl man es in jeder Seite um die Ohren gehauen bekommt. Zu stark empfand ich immer den Charakter von Owen Meany selbst. Noch mehr verstand ich diesmal die vielen Metaphern und Symbole, und auch die Bezüge zur Gegenwart (1987, als das Buch erschien) verstehe ich jetzt besser als früher. Absolut bewundernswert: Irvings Komposition des Romans, seine Rück-, Vor- und Einblendungen, ohne je die Twists des Romanes vorher zu verraten.

In der englischen Kindle-Ausgabe gibt es noch ein schönes Interview mit John Irving, für Fans natürlich lesenswert. Amazon bietet zudem noch einen Guide für Lehrer an. Owen Meany ist in den USA inzwischen Schullektüre, die Aufgaben im A Teacher’s Guide sind sehr interessant, manche Fragen beleuchten Figuren und Ideen, über die ich mir (bisher) keine Gedanken gemacht habe. Wen es interessiert, also die verkappten Englischlehrer unter uns – angucken. Übrigens kostenlos. (5/5)

Die letzte Drachentöterin von Jasper Fforde
(übersetzt von Isabel Bogdan)
Hinein ins Vergnügen. So ab und zu lese ich gerne mal so genannte Jugendbücher, meist heute als “no-ager” oder “crossover” bezeichnet, also geschrieben für ein junges Publikum, aber eigentlich auch für uns Große hübsch lesbar, siehe Harry Potter oder John Green. Im “Drachentöterin” gehts um Jennifer Strange, mal wieder um Magie im Alltag, einer seltsamen Welt zwischen dem heutigen Großbritannien und einer Fabelvision davon, dem letzten Drachen in derselben und wer ihn töten soll. Herrlich lustige Verwicklungen, schnelle Handlungswechsel und ein Schluß, der Lust macht auf mehr (ist nur der Einstieg in eine Reihe von Büchern rund um Jennifer Strange). Fforde schreibt gerne Fortsetzungsbücher, mit Thursday Next bin ich nicht so warm geworden, die Reihe “Grau” hingegen scheint er leider nicht fortzusetzen, deren Debütroman fand ich wirklich gut. “Drachentöterin” jedenfalls — das kann noch sehr lustig werden.
Respekt vor Isabel Bogdan für die Übersetzung – was ist schwerer, als den englischen Humor ins Deutsche zu verpflanzen? So gut! (5/5)

Um Leben und Tod von Henry Marsh
(übersetzt von Katrin Behringer)
Der Kollege Neurochirurg schreibt ein Buch. Das hat mich interessiert und das habe ich auch bekommen: Kapitel für Kapitel ein Bericht aus dem OP-Saal, jeweils betitelt mit Erkrankungen (meist Tumoren) des Gehirns, Innenansichten des bekanntesten Neurochirurgen Englands, inzwischen im Ruhestand. Bei vielen Geschichten musste ich schlucken, verstand die Sicht des Arztes, aber bei keiner so sehr, als Marsh selbst zum Patienten wird.
Dennoch: Das Buch wirkt ein wenig zusammengestückelt, als habe ein Lektor (oder Verleger) ihn aufgefordert, “Mr Marsh, schreibens´e doch mal ein Buch. Tolle Idee: Sie nehmen sich immer einen Patienten und seinen speziellen Tumor und erzählen ein bisschen aus ihrem Leben, na, wäre das was?” Das Buch wird gelobt für die Eigenkritik des Arztes, für die Eingeständnisse der Fehler, die er in seiner Karriere begangen hat, und die jeden Mediziner verfolgen. Diese Passagen sind wichtig und schenken paradoxerweise noch mehr Vertrauen in einen solch erfahrenen Chirurgen. Der Rest sind Geschichten. Mehr nicht. Aber sicher bin ich auch die falsche Zielgruppe. (3/5)

Die Schneekönigin von Michael Cunningham
(übersetzt von Eva Bonné)
Naja. Na gut. Nicht mein Buch. Nicht mein Stil. Die Bilder und Gedanken zu verschwurbelt, die Charaktere für mich zumindest zu wenig identifizabel (urgs…). Irgendwie geht´s um zwei Brüder, die Freundin des einen ist an Krebs erkrankt, spielt in New York, prima. Der eine ist schwul, der andere ein verkappter Rockmusiker. Soviel zum Klischee der New Yorker. Ich bin einfach nicht reingekommen. Da “nur” ausgeliehen hier per Onleihe, zum Glück in der Anschaffung verzeihbar. Lektüre abgebrochen. (1/5)

[Dieser Text enthält so genannte Affiliate Links – siehe Impressum]

Herr Doktor, ´s Bobele hat so´n Pickele – Blogrecycling

Dermatitis solaris (Synonyma Dermatitis caloris, Hitzepickel, Hitzefriesel, Schwitzbläschen, Sudamina, Hidroa, Hippelchen, Schweisspusteln, Juckbläschen, Miliaria), in der Regel Hitzepickel genannter Ausschlag, der meist nach übermässiger Wärmezufuhr, z.b. während Hitzewellen, aber auch in der Sauna oder einer Säuglingswindel entstehen kann.
Feinfleckiger bis konfluierender Ausschlag im bereich der ekkrinen Schweißdrüsen, also Achseln, Dekolleté, Rücken, Genitalbereich, aber auch ubiquitär vorkommend, meist mit mildem bis starkem Juckreiz einhergehend, verstärkt durch Cremes, Salben, auch Sonnenschutzmitteln, oder wenig Wasserkontakt (siehe Badewannenallergie).

Häufiger Vorstellungsgrund kleiner Kinder im Sommer in der betreuenden Kinderarztpraxis, dann mit weitläufigen Diagnoseverdachtsmomenten wie Pocken, Windpocken, Sonnenallergie (was´n das?), Neurodermitis, Röteln, Ringelröteln, Zecken (!), Nahrungsmittelallergien. Meist harmloser Befund mit massivem Verdacht auf gesundem Kind, regelmäßig durch gutes Zureden, klarem Wasser und kühlem Kopf behandelbar. Kein Grund für Kindergarten- oder Schulkarenz, geschweige denn “Bezug von Krankengeld bei Erkrankung des Kindes” (siehe Formblatt Muster 21 – 10.2014).

————————–
… das mußte aus aktuellem Anlass sein. Ich Schelm, jetzt recycle ich schon meine eigenen Artikel. Mir fällt eben nichts mehr ein. ;-P

Blähungen und Plattfüße

– Kaiserschnittgeburt
– Saugglockengeburt
– Natürliche Geburt
– Tränengangsenge
– Blähungen
– Lagebedingter Plagiozephalus
– Schreikind
– Spuckkind
– Zahnungsbeschwerden
– Schiefes Kind
– “Saugverwirrung”
– Nächtliche Schreiphasen
– Zu schnelle motorische Entwicklung
– Verzögerte motorische Entwicklung
– Schnullerbiss
– Dauerschnupfen
– Häufige Infekte
– Allergie
– Sprachentwicklungsstörung
– Unklare Bauchweh
– Senk/Plattfüße
– Enuresis
– ADHS
– Wachstumsschmerzen
– Kopfschmerzen
– Allgemeine Konzentrationsschwäche
– Schulstress

Eine nicht abschließende Aufzählung von Diagnosen, warum Kinder angeblich eine osteopathische Behandlung benötigen, nicht wahllos, sondern aus meiner Praxis, gesammelt im letzten halben Jahr! “Indiziert” wurde die Therapie jeweils von den Hebammen, den Erzieherinnen im Kindergarten oder den Osteopathen selbst (die tatsächlich durch die Kindergärten pilgern – Infoabend nennt sich das dann). Immer, wenn eine Therapie für alles herhalten kann, ist sie schon suspekt (Neue Indikationen schaffen ist der beste Weg zur Geldvermehrung, man kann es auch künstliche Bedürfnisweckung nennen).
Wer würde sein Kind nicht in dieser Liste wiederfinden?
Und natürlich haben viele den Zeitlauf erkannt, eine osteopathische Praxis nach der anderen eröffnet. Mystische Therapien, die schön sanft ablaufen und anekdotische Erfolge erzielen, sind stets beliebt. Und wer würde sich nicht weiterbilden, um den Wettbewerbsvorteil zu nutzen. Jedem sein Stück vom Alternativmedizinkuchen.

Ich weise die Therapie nicht völlig von mir, manch ein unruhiges Kind, manch ein “asymmetrischer” Säugling kann vielleicht von einer manuellen Therapie eines gut ausgebildeten Kinderarztes (auch die gibt es) profitieren. Aber ehrlich: Das kommt vielleicht viermal im Jahr vor. Mit einer erfahrenen Physiotherapeutin, die mit Kindern “turnen” kann, lassen sich aber auch diese Kinder heilen.

Aber sind wir beruhigt: Die Osteopathie ist ja schon längst nicht mehr Therapie en vogue.

Artikel zu dem Thema:
Stellungnahme des BVKJ zur Osteopathie
Kurzer Aufreger
Ich klage an.
Edzard Ernst: Osteopathy is based on excellent evidence. (Not…)
Osteopathie bei Psiram

Die Vorsorgeuntersuchungen – U6

Hurra, das Bobele ist ein Jahr alt! Einer der wichtigsten Geburtstage für die Eltern, dem Kinde ist es völlig egal – außer, es gibt genug Geschenkpapier, mit dem es spielen kann. Die Verwandtschaft versammelt sich, alle singen, das Kind ist verblüfft über so viel Aufmerksamkeit und gibt sich ganz dem Fremdeln hin – und dem Trotzen, weil der normale Tagesrhythmus flöten geht.

Beim Kinderarzt beginnen mit der U6 die fremdkritischen Vorsorgeuntersuchungen: Wer das Fremdeln bei der U5 noch nicht kannte, jetzt gehts ab. Was ist denn das für ein Typ, der mit meinen Eltern redet, was macht denn die Frau da, die wird mich doch wohl nicht messen…. Wäääh! …. wiegen …. Wääääh!, Mama, rette mich. Was denn, was denn, nackt muß ich auch noch sein, ich kenne die doch alle gar nicht… Ja, eine Untersuchung in fremder Umgebung mit fremden Menschen in fremden Licht kann das Bobele ganz schön aus dem Takt bringen.

Aber mißverstehen wir bitte diese Emotion nicht: Die Kinder haben keine Angst, warum auch? Woher sollen sie Angst kennen? Das Weinen ist eher ein Ausdruck der Unzufriedenheit, des Frustes. “Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden”, möchte der Patient sagen. Denn dieses Alter ist der Übergang aus dem Fremdeln zum Trotzen, und letzteres (bescheuertes deutsches Wort) bedeutet die Unleidigkeit darüber, dass nicht mehr alles so geht, wie sich der kleine Mensch das so vorstellt. Und was nun anderes tun als Weinen, denn darauf haben Mama und Papa doch bisher immer so gut reagiert? Dazu kommt das Nahetreten in den Intimbereich des Kindes: Viele akzeptieren es, wenn Herr oder Frau Doktor mit den Eltern auf Abstand spricht, sogar, wenn wir auf gewisse Entfernung Augen- oder Ohrenuntersuchungen machen. Aber entsteht Kontakt durch die Hände, das Stethoskop oder vielleicht auch nur ein Blickkontakt, ist das ein Eindringen in den Nahbereich, das ist unangenehm, es wird gemotzt. Uns Kinderärzte stört das nicht, also bleibt entspannt, liebe Eltern, die meisten Kinder reagieren so.

Die Untersuchung passt sich dieser Abwehrhaltung an: Viel kann man nicht untersuchen. Hörcheck, Sehcheck, Brücknertest, Abhören, Genitale, zügig und schnell, ehe Madame oder Monsieur der Situation gewahr werden und protestieren. Gut funktioniert die U6 immer auf dem Schoß der Mutter oder des Vaters. Alleine mit dem Doc am Wickeltisch? Vergiß es.

Das Kind bewegt sich jetzt frei fort – wie es das will, robbend, krabbelnd, am Tisch entlang oder bereits laufend. Aber merke: Freies Laufen beginnt erst jetzt und darf mit achtzehn Monaten erreicht sein. Also nicht zu ehrgeizig sein. ´s Bobele greift gezielt mit der Hand, aus dem Zangengriff wird jetzt ein Pinzettengriff, es spricht deutliche Worte wie Mama Papa Gaga da da du du Gigi BoBo Ubu und versteht so einige kleinere Aufforderungen wie “kuck einmal“ oder “wo ist die Omma” und kann so nette Spielchen wie “Ich versteck mich und du findest mich”. Idealerweise ißt Schatzi jetzt komplett am Tisch mit und nuckelt nicht mehr an der Flasche. Klappt natürlich nicht immer. Aber vor allem zeigt der liebe Säugling, dass er jetzt ganz schön groß ist – und die Familie gut im Griff hat. Stimmt’s?

Achja: Mit einem Jahr wird weiter geimpft, es folgen die Lebendimpfungen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken, außerdem die Meningokokken C Impfungen und danach die erste Wiederholungsimpfung der Säuglingsimpfungen. Ausnahmen sind die kleinen Helden, die bereits mit 12 Monaten in einer Tageseinrichtung oder bei der Tagesmutter sind, sie sollten bereits vorher, z.B. mit 10 Monaten ihre Masernimpfung erhalten. Wenn’s ansonsten gut läuft und nicht die ersten Erkältungen alles verschieben, ist das Kind mit 15 Monaten komplett geimpft. Ist doch gut, oder?

Und dann ist Pause beim Kinderarzt: Mit zwei Jahren geht es erst weiter, mit der U7.

Aus dieser Reihe:
Die Vorsorgeuntersuchungen – U1
Die Vorsorgeuntersuchungen – U2
Die Vorsorgeuntersuchungen – U3
Die Vorsorgeuntersuchungen – U4
Die Vorsorgeuntersuchungen – U5

Vorherige ältere Einträge

1. Platz in Kategorie Baby und Kinder bei den Hitmeister Superblogs 2012
%d Bloggern gefällt das: