Gelesen im Januar

Etwas verspätet – dennoch. Meine Lektüren im letzten Monat, diesmal etwas comiclastig:

Der begrabene Riese von Kazuo Ishiguro (übersetzt von Barbara Schaden)
Mein Buch des Januars, vielleicht des Jahres bereits. Ein Märchen aus der Zeit von König Artus, viel Traumphantasien, nebulösen Ideen, Rittern, Edelleuten und dem ganz normalen Volk. Vor allem aber eine Hommage an das Zusammenleben von Mann und Frau, damit der Familie, der Liebe, den Kindern. Ein Buch, das ein zweites Lesen zwingt, um es zu interpretieren, ein Buch für Lesezirkel, fürs Unterhalten darüber. Sensationell. Wenn man sich drauf einlässt. (5/5)

Florian Berg ist sterblich von Janko Marklein
Ja. Ganz nett. Der Typ ist ein Widerling, ich hätte ihm alles Blöde dieser Welt gewünscht, der Stil des Buches flockig, locker, das Setting: Studenten. Kann man lesen, ich wollte, ich hätt´s gelassen. (2/5)

Harold von einzlkind
Da schleicht ein wenig “Harold und Maude” durch die Seiten, bei dem Titel natürlich beabsichtigt, der titelgebende Harold ist genauso einer. Der wiederum trifft auf einen inselbegabten Jungen, beide reisen sie quer durch England auf der Suche nach dem Vater desselben. Da gabs ein paar Plotholes, das nicht überraschende Ende, dass der letzte in der Liste der Namen der Vater sei … oder auch nicht? Unglaubwürdige Geschichten mit allerdings zwei sympathischen Hauptfiguren (die man aber auch irgendwo schon mal gelesen hat). (3/5)

Revival von Tim Seeley und Mike Norton
Soll so was wie “Walking Dead” sein, nur dass hier die Toten wirklich wieder leben. Bisschen langweilig, zuviele Perspektivensprünge, die irritieren und ärgern, dazu etwas zu konventionell, also langweilig gemalt. Splatter alleine reicht nicht. (1/5)

Kinder der Hoffnung von Marc Levy und Alain Grand
Tolles graphic novel über die Resistance, nach einer wahren Geschichte, den Aufzeichnungen von Marc Levys Verwandten und seinen Mitrebellen in Frankreich. Erschreckend schöne Bilder, viel schlimmer die Visualisierung der Verschleppung der gefassten Resistancekämpfer ins KZ. Sehr beeindruckend. (5/5)

Weißer Schatten von Antoine Ozanam und Antoine Carrion
So, wie “Revival” das zweite “Walking Dead” sei, ist dies hier die Version für Arme von “Games of Thrones”. Die Bilder sind ganz schön gruselig und mystisch, die Story aber etwas zu dünn und durchsichtig. (1/5)

Irmina von Barbara Yelin
Und noch ein tolles graphic novel, wieder angesiedelt in der Zeit des Dritten Reiches. Irmina ist ein Mädchen, das kurz vor der Machtergreifung ein Auslandsjahr in London verbringt, sich dort in einen Schwarzen verliebt, zurückkehrt ins Hitlerdeutschland und am Ende einen SS-Offizier heiratet. Und dabei letztendlich ihr eigenes Leben verrät und verkauft an das angepasste Leben in Deutschland. Sehr traurig und ergreifend, immer wartend auf das große happy end, das zwar kommt, aber dann doch auch nicht. Schöne Bilder von London und – ja – auch Deutschland der damaligen Zeit. Viel Luft zum Nachdenken über die Zeit und, wie so oft bei diesen Büchern, darüber, wie man sich selbst verhalten hätte. Oder? (5/5)

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Kontra Pseudomedizin: Homöopathiekritiker tagten in Freiburg

Am letzten Wochenende tagte eine tolle Gesellschaft in Freiburg: Ärzte, Professoren und Wissenschaftler, aber auch Interessierte und die geladene Presse versammelte sich, um einen Anfang zu setzen in Sachen “Homöopathie-Kritik”, offiziell “Erstes Strategietreffen der Homöopathiekritiker“.

Wer war angereist? Beispielsweise (und auch federführend) Kollegin Dr. Natalie Grams (“Homöopathie – neu gedacht“) und der Ingenieur Dr. Norbert Aust (Blog “Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie“), dazu der Medizinjournalist Dr. Christian Weymayr (“Die Homöopathie-Lüge“), der Verbraucherschützer Guido Bockamp, Professor Rudolf Happle (“Marburger Erklärung zur Homöopathie“) oder der Vorsitzende des GWUP-Wissenschaftsrates Prof. Wolfgang Hell. Sie und die anderen verbindet das Interesse an der Aufklärung der Bevölkerung, die Kritik an den Glaubuli und das Heranbringen des “Umdenkens”, zurück zur Vernunft, weg von der Pseudomedizin, hin zur Medizin.

Die Ergebnisse der Strategieplanung können sich sehen lassen:

Gründung eines Netzwerkes Homöopathie (der Titel sei vorläufig – … das denke ich mir)

– Aufbau einer Informationsplattform für Patienten mit Informationen gegen die (üblichen) Argumentationen der Homöopathen, Aufzeigen der inneren Widersprüche der Homöoapthie und Sammlung belegbarer negativer Fallbeispiele

– Initiative, die homöopathischen Medikamente zukünftig mit ihren deutschen Namen zu bezeichnen anstatt mit lateinischen Begriffen

– Erstellung einer Referentenliste, in denen Fachleute genannt werden, die für Vorträge, als Ansprechpartner für Interviews oder Diskussionsteilnehmer zur Verfügung stehen.
– Einwirken auf Änderung der Sprachregelung: Statt des Begriffs ‘Alternativmedizin’ Verwendung der Bezeichnung ‘Pseudomedizin’, ‘Schulmedizin’ wird in Zukunft ‘Medizin’ heißen

Weitere Forderungen aus dem Netzwerk:

– Abschaffung der Apothekenpflicht für Homöopathische Mittel

– Entzug des Titels “Besondere Therapierichtung” (und der damit verbundenen Befreiung von Wirksamkeitsnachweisen)

– Keine akademischen Weihen (durch universitäre Fort- und Weiterbildungen)

– Stärkung der “Sprechenden Medizin”

Bedenklich bleiben außerdem die Finanzierung der Pseudomedizin durch Krankenkassen, die Förderung durch pluralistisch denkende Gesundheitspolitiker und die Darstellung der Homöopathie in Medien als “natürlich”, Anekdoten werden höher bewertet als gründliche Recherche.

Wohlgesteckte, wichtige Ziele. Alles Gute. Ich bin gerne dabei. Lasst wieder Vernunft einkehren. Tschakka!

Interview mit Norbert Aust
Deutsche Apotheker-Zeitung
GWUP dazu
… und sogar die F.A.Z.

Frostbeulen ohne Frost

breaking the ice

“Auch bei einigen Graden über den Gefrierpunkt können Kinder Kälteschäden erleiden. Kalter Wind bzw. Fahrtwind, Regen oder Schnee bzw. kalte Nässe erhöhen das Risiko.

„Kinder besitzen eine dünnere Haut als Erwachsene und verlieren dadurch schneller Körperwärme. Besonders empfindlich sind Babys, da ihre Körperoberfläche im Verhältnis zum Körpervolumen größer ist als bei Erwachsenen“, erklärt Dr. Ulrich Fegeler, Kinder- und Jugendarzt sowie Mitglied des Expertengremiums des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) bei http://www.kinderaerzte-im-netz.de. Kälteschäden sind zwar selten, doch sollten Eltern erste Warnzeichen erkennen: blasse, teilweise auch grau-weiß oder gelb-weiß verfärbte Hautstellen. Die Region kann brennen und dann taub werden.

Auch bei winterlichem Klima sollten Eltern darauf achten, dass ihr Kind genug trinkt. Denn: „Tobt ein Kind im Schnee herum, kühlen über die vermehrte Atemarbeit die Schleimhäute aus und geben viel Feuchtigkeit ab. Im Vergleich zu Erwachsenen haben Kinder geringere Wasserreserven“, erläutert Dr. Fegeler. Insgesamt sollten Kinder bei eisigen Temperaturen immer wieder Pausen zum Aufwärmen einlegen. Aber Vorsicht: Der ständige Wechsel zwischen warmem Innenraum und eisiger Kälte im Freien verlangt der Haut eine besondere Anpassungsleistung ab. Wichtig ist hier das Eincremen der ungeschützten Haut (Gesicht!) mit einer fettenden Creme. Auch der ausreichende Sonnenschutz muss beachtet werden: Sonnige Tage im Schnee bedeuten eine erhöhte UV-Belastung aufgrund der Streustrahlung. Bei etwa Minus 27 Grad Celsius bzw. gefühlten Temperaturen in diesem Bereich sollten Kinder nicht mehr draußen spielen.

Mehrere Kleidungsschichten („Zwiebelschalenprinzip“) sorgen dafür, dass wenig Körperwärme verloren geht. Fäustlinge eignen sich besser als Fingerhandschuhe, da sich die Finger gegenseitig warm halten können. Die Schuhe sollten wasserdicht sein und dürfen nicht zu eng anliegen, um die Blutzirkulation nicht zu behindern. Eine über die Ohren reichende Kopfbedeckung ist ein Muss, denn fast ein Drittel der Körperwärme geht über den Kopf verloren. Die Ohren können zudem leicht Kälteschäden erleiden, da sie nicht so gut durchblutet sind. Eine fette Hautcreme schützt das Gesicht vor Feuchtigkeitsverlust. Die Lippen dürfen Eltern nicht vergessen: Hier hilft ein Fettstift. Vaseline um die empfindlichen Naseneingänge verringert bei feuchten Nasen die Verdunstungskälte.

Quellen: CME, American Academy of Petiatrics, Canadian Pediatric Society”

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Eine Pressemitteilung des Berufsverbandes für Kinder- und Jugendärzte.

(c) Foto bei Flickr/Jessica Lucia

Online Petition zum Erhalt der Kinderkrankenpflege

Wie bereits berichtet, ist eine Umstukturierung der Ausbildung im Gesundheitswesen geplant, eine Vereinheitlichung i.S. einer Generalausbildung und späterer Spezialisierung. Insbesondere Altenpflege und die Kinderkrankenpflege werden dabei geopfert.

Wen dies genauso vor den Kopf stößt, wie uns Kinderärzte, darf ich bitten, an der Petition zum “Erhalt des eigenständigen Berufsbildes der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege” zu unterschreiben – hier der entsprechende Link. Stichtag ist bereits der 15. Januar, das Quorum liegt bei 50.000 Unterschriften – noch sind wir weit entfernt.

Die Kinderkrankenschwester wird abgeschafft

Text der Petition
Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass im neuen Pflegeberufegesetz das eigenständige Berufsbild der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege erhalten bleibt. Wenn die generalistische Pflegegrundausbildung stattfinden soll, dann muss im Gesetz eine ausreichende Spezialsierung bzw. Schwerpunktsetzung für die Gesundheits- und Kinderkrankenpflege festgelegt werden, die der aktuellen Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Berufe in der Krankenpflege (2003) entspricht.
Begründung
Im bisherigen Entwurf mit der generalistischen Pflegeausbildung wird nicht der Bedarf für die kompetente pflegerische Versorgung von Frühgeborenen bis Jugendlichen und ihren Familien für Deutschland gesichert. Der allgemeinen Pflegegrundausbildung müsste sich eine spezialisierte Weiterbildung anschließen, deren Kosten bisher nicht geklärt und voraussichtlich auch nicht gesichert ist. In Folge dessen würde z.B. für deutsche Kinderkliniken nicht mehr ausreichend qualifiziertes Personal zur Verfügung stehen. Eine Auszubildende in der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege muss genügend Gelegenheit haben, neben dem entsprechenden spezifischen Unterrichtsangebot ihre pflegerische Handlungskompetenz bei Kindern unterschiedlicher Altersstufen zu entwickeln. Der Gesetzgeber hat die Pflicht, Kinder als die Zukunft unserer Gesellschaft zu schützen. Der bisherige Beruf der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege leistet dazu einen wertvollen Beitrag, der auch für zukünftige Generationen erhalten bleiben sollte.
Der erhöhte Personalbedarf für die pflegerische Versorgung alter Menschen in unserer Gesellschaft ist gewiss auch mit Erhalt der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege zu sichern.

Lieblingsbücher 2015

Jaja, die Rückblicke zwischen den Jahren…
Seit einiger Zeit schreibe ich hier am Anfang des Monats, welche Bücher, Comics, Filme und Serien ich im Monat davor konsumiert habe, völlig off topic, denn dies ist schließlich ein Kinderarztblog, aber als Rückblick für mich zum Nachlesen ganz lustig. Nun heute also der Rückblick der Monatsrückblicke – meine Lieblingslektüren 2015, beschränkt auf zehn Bücher (ohne Ranking):

Das Glück der anderen von Stewart O´Nan (Übersetzt von Thomas Gunkel)
Altes Land von Dörte Hansen
Im Frühling sterben von Ralf Rothmann
Die Straße von Cormac MacCarthy (Deutsch von Nikolaus Stingl)
Kindheit ist keine Krankheit von Michael Hauch
Die letzte Drachentöterin von Jasper Fforde (übersetzt von Isabel Bogdan)
Nazis, Nadeln und Intrigen: Erinnerungen eines Skeptikers von Edzard Ernst
Kindeswohl von Ian McEwan (übersetzt von Werner Schmitz)
Schwimmen in der Nacht von Jessica Keener (übersetzt von Maria Hummitzsch)
ok, und natürlich: Avenue of Mysteries von John Irving

Mir fällt auf, dass es kein DAS Buch 2015 für mich gab. Das Jahr scheint für mich eher eine Durststrecke in Sachen guter Lektüre gewesen zu sein. Vielleicht war es aber auch nicht mein Jahr fürs Lesen, vielleicht waren die vibes andere, ich habe z.B. viele Serien geschaut (“The Wire”, “Fargo” z.B.), viel DIE ZEIT gelesen, da blieb nicht viel übrig für das tägliche Romane lesen. Das mag sich 2016 ändern.
Den “John Irving” habe ich daher oben hineingeschummelt, ich habe ihn noch gar nicht durch, aber das ist ein tolles Buch des Jahreswechsels.

Achja, und noch eines, bei dem ich gerade in den letzten Kapiteln liege:
Der begrabene Riese von Kazuo Ishiguro (übersetzt von Barbara Schaden)
Sehr empfehlenswert – dazu demnächst mehr beim “Gelesen im Januar”. So, jetzt sind es doch elf geworden.

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Kinder und die Homöopathie (Ein Gastbeitrag)

“Kinder kennen doch keinen Placebo-Effekt”

…deshalb ist das doch wohl der Beweis, dass Homöopathie funktioniert! Kinder können doch nicht denken: Ach so, ich bekomm jetzt Globuli, und deshalb soll es mir jetzt besser gehen. Kinder glauben doch noch nicht an die Homöopathie!
So oder ähnlich wird gerne gesprochen, wenn es darum geht, ob Homöopathie denn nun bei Kindern wirksam ist oder nicht.

Doch was bedeutet der Placbeo-Effekt eigentlich genau?

Ursprünglich bedeutet Placebo wörtlich so etwas wie “Ich werde gefallen”, etwas salopper übersetzt “Ich werde dir helfen”. Zum einen ist damit das Placebo gemeint, also das Scheinmedikament, das keinen Wirkstoff enthält, aber dennoch eine Reaktion im Patienten auslösen kann, da er meint Hilfe zu bekommen. Die Wirkung wird also nicht etwa durch einen pharmakologischen Inhaltsstoff möglich, sondern durch die Bedeutung, die der Tablette (dem Globulum) zugeschrieben wird. Dennoch kann diese Reaktion durchaus messbar und objektiv nachvollziehbar ausfallen.

Zum andern ist damit aber auch der Akt der Zuwendung gemeint. Jede Mutter vollbringt Placebo-Therapie, wenn sie ihrem Kind liebevoll auf ein “Aua” pustet, ein Trostpflaster aufklebt oder wenn sie es in den Armen wiegt. Tatsächlich “wirkt” eine solche Handlung nicht, praktisch weiß jeder, dass das Kind nach ein paar Minuten des Tröstens wieder munter davonspringt oder beruhigt einschläft (gut, nicht immer ;-) ). Es hat also geholfen.
Die Homöopathie ist nun besonders geschickt darin, diese beiden Mechanismen zu benutzen. Sie verabreicht einerseits wirkstofflose Tablettchen und sie verbindet dies oft mit einem Ritual an Zuwendung, Empathie und mit der Kraft guter Erfahrungen. Die Globuli tragen somit die Bedeutung “ich lasse Dir Hilfe zuteil werden, liebes Kind” und zwar ohne, dass dies unbedingt in Worte gefasst wird. Die Mutter strahlt aus, dass sie helfen kann, dass sie etwas tun kann, dass sie sich von den Globuli Hilfe verspricht, das Kind bekommt etwas, das ihm helfen soll, es nimmt wahr, dass es mit seinem Problem nicht allein gelassen wird. Das tut gut. Beiden. Die Mutter (der Vater) beruhigt sich, und auch das tut beiden gut. Und das müssen keine krassen Verhaltensänderungen sein, Kinder und Babys spüren intuitiv kleinste Veränderungen. Sie sind so abhängig von uns, dass sie mit feinsten Antennen ausgestattet sind.

Natürlich helfen auch andere Rituale (warmer Tee, Vorlesen, etc.), doch die ausdrücklich medizinische Ausrichtung der Homöopathie verstärkt den “Ich kann und werde dir helfen” Effekt sehr positiv. Man tut nicht irgendwas, sondern etwas, das (vermeintlich) medizinisch Sinn macht.

Auch das anschließende Warten auf die Genesung ist nun nicht mehr ein bloßes Ausharren, sondern ein “Lass uns schauen, wie die Globuli wirken”. Es besteht Hoffnung, dass sich etwas zum Positiven verändert – und siehe da, es verändert sich tatsächlich. Gefühlt auch schneller, also ohne die Möglichkeit, etwas Gutes getan zu haben. “Wirken” die ersten Globuli nicht, so schlagen wir noch einmal in unseren Repertorien nach, geben andere Globuli und das Abwarten fällt wiederum leichter. Schließlich aber heilt die Krankheit von alleine aus, vergehen die Beschwerden von selbst und wir sind überzeugt, die Globuli haben ein kleines Wunder vollbracht – und geben sie deshalb beim nächsten Mal mit neuer Überzeugung. Die Male, bei denen die Globuli nicht geholfen haben, vergessen wir rasch oder entschuldigen sie mit “da haben wir eben das richtige Mittel nicht rechtzeitig gefunden”.

Ein praktisches und hilfreiches System. Aber wir unterliegen da einem heimtückischen Bestätigungsfehler.

Problematisch wird es dann, wenn wir so sehr von der Homöopathie überzeugt sind, dass wir nicht mehr die obigen Erklärungen für die Wirkung verantwortlich machen, sondern eine Information oder Energie in den Globuli. Natürlich könnte man sagen, dass die Globuli tatsächlich eine Information beinhalten: die Information “Ich werde dir helfen”. Aber das ist ja nicht das, was die Homöopathen meinen. Die meinen eine nicht nachvollziehbare oder erklärbare Information, die sich weder bislang finden ließ noch in Zukunft gefunden werden kann. Problematisch wird es auch dann, wenn sich durch solche vermeintlich positiven Erfahrungen der Glaube an die Globuli etabliert und man denkt, auch schwer Erkrankungen könnten so “natürlich” behandelt werden. Nein, schwere Erkrankungen können schwere Folgen haben und diese lassen sich durch die genannten Effekte zwar vielleicht leichter ertragen, aber geheilt werden sie dadurch nicht. Und das, finde ich, dürfen wir unseren Kindern nicht zumuten.

Ich bin auch kein Fan davon, jedem Kind bei einem kleinen Schnupfen sofort ein Antibiotikum zu verschreiben und ich gebe auch zu, dass mir das Abwarten bei banalen viralen Infekten bis zur Besserung mit der Möglichkeit von homöopathischer “Therapie” leichter fiel bei meinen Kindern, aber es ist dennoch ein Glück, dass wir für schwere Fälle die normale Medizin und wirkliche Medikament haben. Für die leichteren Fälle dürfen es dann auch mal die “Zauberkügelchen” sein – wenn wir uns darüber im Klaren sind, dass wir damit eigentlich nur ein erweitertes “Heile, heile Segen” singen.

Zum Weiterlesen:
Placebo = Einbildung?
Was ist ein Placebo?
Kinderdok

(c) Natalie Grams


Ein Gastbeitrag von (… ja, und damit auch Werbung für) Frau Dr. med. Natalie Grams, einer Kollegin aus Heidelberg, die jahrelang Homöopathie in der Praxis praktizierte und nun den Glaubuli abschwor.
Über ihre Beweggründe und Überzeugung hat sie ein sehr lesenswertes Buch geschrieben.


Natalie Grams, Homöopathie neu gedacht: Was Patienten wirklich hilft, 225 Seiten, 2015, Springer Spektrum, ISBN 978-3-662-45336-0
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Die Kinderkrankenschwester wird abgeschafft

  • Schon mal mit einer Krankenschwester versucht, einem Säugling Blut abzunehmen?
  • Schon mal mit einem Pfleger versucht, bei einem Vierjährigen eine Lumbalpunktion durchzuführen?
  • Schon mal einen Kreißsaaleinsatz mit einer Krankenschwester gemeistert?
  • Schon mal mit einer Krankenpflegerin einen Diabetesplan für eine Achtjährige erarbeitet?
  • Schon mal einen Krankenpfleger gebeten, eine Braunüle bei einem Krabbelkind zu fixieren?
  • Schon mal versucht, ein verunsichertes Kleinkind zu beruhigen, ohne Hilfe einer erfahrenen Fachkraft?

Nein? Ich auch nicht. Und man bewahre uns davor. Es geht nicht um die Fähigkeiten eines/r examinierten Krankenpfleger/in, es geht um die demnächst fehlenden Fähigkeiten der ausgebildeten KinderkrankenpflegerInnen.

Hier:

“Berlin (ots) – Die Bundesregierung plant, die Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege in einer generalistischen Ausbildung zusammenzulegen.

Eine Generalisierung der Pflege zu einer Einheitspflege ignoriert die besondere und verletzliche Situation des kranken Kindes. Schwer kranke oder chronisch kranke Kinder werden die Verlierer einer Reform sein, die in erster Linie den Personalmangel in der Altenpflege bewältigen soll. Dagegen protestieren Eltern, Pflegende und Ärzte.

Gemeinsam mit Verbänden und Organisationen der Eltern-Selbsthilfe und der Kinder- und Jugendmedizin hat die Gesellschaft der Kinderkrankenhäuser und Kinderabteilungen (GKinD) einen Aufruf verfasst, der die Interessen des kranken Kindes ins Zentrum rückt (Text s. Anlage). Alle befürchten einen deutlichen Qualitätsverlust, sollten die Reformpläne tatsächlich umgesetzt werden.

“Wie sollen die Kinderkrankenhäuser und Kinderabteilungen zukünftig noch ihre qualitativ hochwertige pflegerische Versorgung der ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen sicherstellen, wenn man sie der Möglichkeit beraubt, dafür qualifizierte Kinderkrankenpflegerinnen und Kinderkrankenpfleger auszubilden?” Diese Frage stellt sich der GKinD-Vorsitzende, Andreas Wachtel, angesichts der Pläne der Bundesregierung.

Ob ein kaum 500 g leichtes Frühgeborenes, ein schwer kranker Säugling, ein Kleinkind oder ein/e pubertierende/r Jugendliche/r mit Gesundheitsproblemen – ohne die über mehrere Jahre fachspezifisch geschulten Kinderkrankenpflegerinnen und -pfleger verlieren sie alle immens wichtige Partner für ihre Genesung und Betreuung.

Die Unterzeichner des Aufrufs zum Erhalt der Kinderkrankenpflege in Deutschland werden sich weiterhin bei Politikern auf Landes- und auf Bundesebene intensiv dafür einsetzen, bei den Gesetzes- und Reformplänen im Gesundheitsbereich die spezifischen Bedürfnisse von Kindern im Krankenhaus entsprechend zu berücksichtigen. Die Pläne zur Pflegeausbildungs-Reform sind stillschweigend über etwas Grundlegendes hinweggegangen: Das Recht auf fachgerechte und qualitativ hochwertige Betreuung im Krankheitsfall gilt insbesondere auch für Kinder.”

Dies ist eine Pressemitteilung der Gesellschaft der Kinderkrankenhäuser und Kinderabteilungen in Deutschland e.V. (GKinD)

Aufruf zum Erhalt der Kinderkrankenpflege in Deutschland
Pressemitteilung des BVKJ
Gemeinsame Erklärung der Fachverbände

Tag des brandverletzten Kindes

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Am heutigen Tag des brandverletzten Kindes finden in vielen Praxen, bei Feuerwehren und auch im Netz Aktionen statt, um auf die Gefahren durch den Umgang mit Feuer und heißen Flüssigkeiten im Kindesalter aufzuklären.

Hauptorganisator ist hierbei “Paulinchen e.V.”, die Initiative für brandverletzte Kinder, die sich seit Jahren bereits um Aufklärung und Informationen bemüht. Leider braucht es das immer noch: Auch in unserer Kinder- und Jugendarztpraxis dürfte kein Monat vergehen, in dem wir kein Kind mit einem Verbrühungs- oder Verbrennungsunfall behandeln müssen. Klassiker sind immer noch die verschüttete Teetasse oder die Hand am heißen Herd. Problematisch stets die fehlende oder gut gemeinte Erste Hilfe.

🚑  Tipps von Paulinchen e.V.: 🚑

➡️ Kühlen Sie die verletzten Stellen 10 – 15 Minuten lang mit Wasser – nicht kälter als 20 ° C wegen Unterkühlungsgefahr!
➡️ Bei Stromverletzungen immer erst den Stromkreis abschalten.
➡️ Löschen sie brennende Kleidung des Verletzten mit Decken, durch Wälzen am Boden oder mit Wasser.
➡️ Bei Verbrühungen nasse Kleidung sofort ausziehen, bei Verbrennungen eingebrannte Kleidung nicht entfernen.
➡️ Geben Sie nie Hausmittelchen wie Mehl, Zahnpasta, Öl auf Brandwunden
➡️ Rufen Sie sofort den Notarzt: 112 oder suchen Sie bei kleineren Verletzungen den Kinderarzt auf.

➡️ Denken Sie daran, dass Ihr Kind unter Schock steht. Lassen Sie es nicht alleine, bis der Notarzt eintrifft.

➡️ Wann sollte ein Kind in eine Spezialklinik?
– wenn mehr als 10% der Körperoberfläche betroffen sind (das ist bereits der halbe Oberkörper oder ein Arm!)
– wenn Gesicht, Hände, Füße oder Genitalien verbrannt sind
– bei einer Stromverletzung oder Verätzung
– wenn eine Brandverletzung mit einem Inhalationstrauma vorliegt

➡️ Wichtig:
Kinder mit Verbrennungen und Verbrühungen sollten schmerzfrei behandelt werden!

—-

Wer gute oder schlechte Erfahrungen mit Verbrühungen und deren Behandlung beim Arzt oder in der Klinik gemacht hat, kann dies gerne unten posten.

Paulinchen e.V.
Tag des brandverletzten Kindes
Achtung in der Weihnachtszeit
Aktion der BAG “Mehr Sicherheit für Kinder e.V.”

Hilfe, mein Kind hustet II.2 – Verlosung

Herzlichen Glückwunsch an die Gewinner des versprochenen Braun Fieberthermometers –

die glücklichen Gewinner sind
kelef
Charlotte und
Jenny

Ich habe Euch bereits per e-mail benachrichtigt. Viel Spaß beim Fiebermessen! ;-)

Wenn da nicht der Titel wäre

@dasnuf a.k.a. Patricia Cammarata schickte mir ein Rezensionsexemplar ihres Buches “Sehr gerne, Mama, Du Arschbombe”, das mal gleich zum Anfang – ganz in ihrem Sinne, ein solches als solches zu kennzeichnen.

Da ich Doktor bin, habe ich mir zunächst die Geschichte beim Kinderarzt rausgepickt, die mit der U8, viel Fremdschämen für die Kollegin dabei, viel “geht ja gar nicht”. Hoffentlich mache ich das aus der Sicht der Eltern ein wenig feinfühliger. Auch wenn ich Patricia Cammaratas Sarkasmus und dramatische Übertreibung abziehe, bleibt genug übrig, um sich zu schütteln. Respekt für “Kind 3”.

 Dann habe ich von vorne gelesen, wie sich das gehört. Muß man aber bei dem Buch gar nicht, schließlich gibt es keinen Plot, keinen Zusammenhang, die Kapiteleinteilungen dienen nur der groben Orientierung, mehr brauchts nicht, den dies ist das Best-of ihres Blogs “das nuf advanced“. Das spricht die Nicht-so-Blogaffinen an, das macht Sinn, schließlich sollte jederfrau/mann an Frau Cammaratas trockenem Humor, den überraschenden Wendungen und entwaffnenden Einsichten der Geschichten teilhaben. Das Nuf ist ein Urgestein des (weiblichen) Bloggens, Frau Nessy hat das schön dargestellt, hier also das Buch zum Blog, das Blogbuch, das Print zum Screen. Ein wilde Sammlungen an den Alltäglichkeiten, die wir Eltern so kennen, das Anziehen, das Zubettbringen, das Essen, der Kindergarten, die Pekipgruppe, huch, die Erziehung. Lesen kann das jede/r, der/die Kinder großzieht oder sich gerne über Kinder und ihre Eltern echauffiert. Der Wiedererkennungsfaktor ist hoch.

Über Frau Cammaratas Stil schreibe ich nur soviel: Göttlich. Weil lustig. Und pointenreich. Also Blog anlesen, oder via Kindle Leseprobe oder schlicht mir vertrauen und kaufen. Achja: Der Beetlebum hat illustriert, was die Sache noch cooler macht.

Jetzt kommt das mit dem Titel (was da oben im Titel steht). Wenn ich das “das nuf” nicht via Blog gekannt hätte und nur ein einsamer Familienvater auf der Suche nach etwas Zerstreuung in einem Buchladen wäre – dieses Buch hätte ich mir nicht gekauft. Warum stets Fäkaliensprache? Warum “Arschbombe”, “Kinderkacke“, “Fuck” oder “Elternschiss“? Wieso meinen Verlage, dass sich Bücher so besser verkaufen? Weil Eltern sich gerne mit Ausscheidungen und Gossensprache beschäftigen, oder Kinder sich gerne wider besseren Wissens in der Wortwahl vergreifen? Oh, wie lustig. Sex and Puke sells. Na, danke auch.

Patricia Cammarata, “Sehr gerne, Mama, Du Arschbombe – Tiefenentspannt durch die Kinderjahre”, Bastei Lübbe, 8,99 €

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