Wenn mal wieder die Nase juckt…


… ist Heuschnupfenzeit.

Und wenn ich aus dem Fenster schaue, dann wird es nicht mehr lange dauern, bis die ersten Kinder in der Praxis aufschlagen, um sich ihre bitter nötigen Medikamente zur Linderung der Beschwerden abzuholen. Wir sprechen von Heuschnupfen, professioneller von „Pollinosis“, also der allergischen Reaktion auf Pflanzenpollen, insbesondere Gräser- und Baumpollen.

Betroffene Patienten haben ab Beginn des Frühlings jährlich wiederkehrende Beschwerden, dabei reagieren Nasen- und Augenschleimhäute allergisch auf die feinen Pollen in der Luft. Zu allem Übel kann es ganzjährig zu so genannten Kreuzallergien kommen, d.h. Pollenallergiker reagieren oft auch auf Nahrungsmittel.

Was tun?

Den Auslöser definieren:
– Also z.B. einen Allergiekalender führen, indem der Patient oder die Eltern die Beschwerdetage eintragen, diesen abgleichen mit Pollenflugkalendern im Internet oder oldfashioned zum Arzt mitbringen.
– Einen Allergietest druchführen lassen: z.B. einen Prick-Hauttest oder (bei kleineren Kindern) einen RAST-Test.

Das Allergen meiden: Leichter gesagt als getan, fliegen doch die Pflanzenpollen mitunter kilometerweit. Dennoch kann man bestimmte Dinge tun, um die Pollenbelastung zu minimieren:
– Urlaub in pollenarmen Regionen: Meeresklima oder Hochgebirgsklima, auch Städteurlaub kann Linderung versprechen.
– Am Abend die Fenster geschlossen lassen und nicht die ganze Zeit lüften.
– Kleider, die am Tage getragen wurden, außerhalb des Schlafzimmers lassen, oder gleich in die Wäsche geben.
– Haare täglich abends ausspülen.
– Die Pollenbelastung ist auf dem Land eher morgens am höchsten, in der Stadt abends. Entsprechend sollte man das Lüftungsverhalten in der Wohnung anpassen.

Medikamente geben:
– Lokaltherapeutika wie Nasen- und Augentropfen
– Antiallergika in Form von Säften, Tropfen oder Tabletten.
– Letztere nimmt man vor allem dann ein, wenn die Allergie bereits Symptome zeigt. Nasen und Augentropfen kann man und sollte man besser prophylaktisch einsetzen, zum Beispiel am Morgen, bevor man überhaupt das Haus verlässt.
– Zurückhaltung mit diesen Medikamenten ist nicht empfehlenswert, da dies sonst den so genannten Allergiemarsch in die Bronchien (Asthma) fördert.

Allergieimpfung:
Ein umgangssprachlicher Ausdruck, der die so genannte Hyposensibilisierung beschreibt. Ähnlich einer Impfung werden die auslösenden Substanzen (Pollen) in hoher Verdünnung über Spritzen oder Tabletten über einen längeren Zeitraum hin verabreicht, so dass sich der Körper an die Allergene gewöhnen kann. In der tatsächlichen Pollensaison ist dann die Reaktion deutlich geringer oder bleibt komplett aus. Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen ist eine Hyposensibilisierung sehr erfolgsversprechend.

Rund um Allergien kreisen viele Gerüchte und Anekdoten. So können viele Allergien über die Jahre spontan besser, aber auch schlechter werden, viele Allergiker berichten von Spontanheilungen in der Pubertät oder sonst im Laufe ihres Lebens. Gerade bei Pollenallergikern ist das Ausmaß Allergie vom Klima abhängig. Jedes Jahr kann man spätestens im Mai beurteilen, ob ein starkes Allergiejahr ist.

Daher zur Ergänzung: Spontane Besserungen und Jahresschwankungen machen Pollenallergien zu dankbaren Aufgaben für die Alternativmedizin und Heilpraktiker: Zuckerkügelchen lassen die Beschwerden verschwinden oder sie verstärken sich (Erstverschlimmerung!), am Ende des Sommers sei alles wieder gut. Und wenn’s nicht geholfen hat, nimmt der HP ein anderes Mittelchen in anderer Verdünnung, über die Jahre werde es dann schon besser. Bei Kindern und Jugendlichen keine gute Idee: Jedes Jahr, indem die Pollinose nicht „gescheit“ behandelt wird, lässt die Chance auf ein allergisches Asthma steigen, ganz zu schweigen von den alljährlichen Akutbeschwerden, die die Kinder in der Konzentration und im Sport in Schule und Verein und der Freizeit leiden lassen.

Susannchen braucht keine Globuli

Übersicht Heuschnupfenallergie BVKJ und des Deutschen Allergie- und Asthmabundes

Volkskrankheit Allergien (Posting von 2015)

(c) Bild Susannchen beim Informationsnetzwerk Homöopathie

Offener Brief der AAP an Donald Trump

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Die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten wirft auch Schatten auf das Gesundheitssystem in den USA. Nicht nur, dass die Trumpsche Regierung das ambitionierte „Obamacare“ zumindest in Teilen wieder abschaffen will, besorgte Stimmen erinnern an Donald Trumps Einstellung zu Impfungen. So – as usual – twitterte er, Kinder bekämen zuviele Impfungen auf einmal über zu kurze Zeit und äußerte wiederholt den Verdacht auf Verbindungen zwischen Impfungen und Autismus. Autismus sei „epidemisch“, so Trump.

Im Januar kam es zu einem Treffen des da noch nicht vereidigten President-elect und dem Impfgegner Robert Kennedy jr., was das Gerücht nährte, dieser werde eine Kommission anführen, die den derzeitigen US-Impfplan infrage stelle. Der neue US-Gesundheitsminister Tom Price wiederum war bis 2016 Mitglied einer ultrakonservativen Impfgegnervereinigung von Ärzten (ganz zu schweigen von dessen  Einstellung gegen Abtreibung).

Die American Academy of Pediatrics AAP sah sich daher gezwungen, einen offenen Brief an dem amerikanischen Presidenten zu veröffentlichen, unterschrieben von zahlreichen Organisationen.

Hier die deutsche Übersetzung:


7. Februar 2017

President Donald J. Trump
The White House
1600 Pennsylvania Avenue NW
Washington, DC 20500

Sehr geehrter Mr President,

Im Auftrag von Organisationen, die Familien, Medizinanbieter, Forscher, Patienten und Verbraucher vertreten, schreiben wir [Ihnen], um unsere unmissverständliche Unterstützung für die Sicherheit von Impfstoffen auszudrücken. Impfstoffe schützen die Gesundheit von Kindern und Erwachsenen und retten Leben. Sie verhindern lebensbedrohliche Krankheiten, einschließlich Formen von Krebs. Impfstoffe sind seit Jahrzehnten Teil des [Lebens] in unserer Gesellschaft und gehören zu den bedeutendsten medizinischen Innovationen unserer Zeit.

Aufgrund der Einführung von Massenimpfungen wurden 1977 die Pocken in der Welt als ausgerottet erklärt. Polio, eine Krankheit, von der – vor Verfügbarkeit des Impfstoffes – regelmäßig 13000 bis 20.000 Amerikaner pro Jahr betroffen waren, wurde 1991 offiziell aus der westlichen Hemisphäre eliminiert. Weltweit verhindern Impfstoffe den Tod von etwa 2,5 Millionen Kindern pro Jahr (1). Und die Daten zeigen, dass gerade bei Kindern, die in den Vereinigten Staaten im Jahr 2009 geboren wurden, routinemäßige Impfungen ca. 42.000 frühe Todesfälle und 20 Millionen Krankheitsfälle verhindern werden, bei einem Einsparpotential von mehr als 82 Milliarden Dollar an gesellschaftlichen [Folge]Kosten (2).

Obwohl Impfstoffe die sicherste und kostengünstigste Art sind, Krankheiten, Behinderungen und Todesfälle zu verhindern, erlebt dieses Land immer noch Ausbrüche von impfpräventablen Krankheiten, wie der Masernausbruch in Disneyland im Jahr 2014 zeigte. Im Jahr 2012 wurden 48.277 Fälle von Pertussis (Keuchhusten) an das Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention (CDC) gemeldet, darunter 20 pertussisbedingte Todesfälle (3). Dies war die [höchste Rate an] Pertussisfällen seit 1955. Darüber hinaus werden jedes Jahr mehr als 200.000 Einzelpersonen ins Krankenhaus eingeliefert, und es finden sich 3.000-49.000 Todesfälle, aufgrund Grippe/Influenza bezogenen Komplikationen (4).

Behauptungen, dass Impfungen unsicher seien, wenn sie nach Expertenempfehlungen veabreicht werden, wurden durch eine solide Menge an medizinischer Literatur widerlegt, einschließlich einer gründlichen Überprüfung durch die Nationale Akademie für Medizin (früher Institut für Medizin). Angehängt an diesen Brief findet sich eine unerschöpfliche Liste von Studien, die die Sicherheit von Impfungen demonstrieren. Das Verzögern von Impfungen stürzt die Bürger unserer Nation nur in ein Krankheitsrisiko, insbesondere die Kinder. Als Nation sollten wir unsere Bemühungen verdoppeln, um notwendige Investitionen in die Patienten-und Familienerziehung der Bedeutung von Impfstoffen zu tätigen, damit die Rate der Impfungen unter allen Populationen erhöht wird.

Einfach ausgedrückt: Impfstoffe sind sicher. Impfstoffe sind wirksam. Impfstoffe retten Leben. Unsere Organisationen begrüßen die Möglichkeit eines Treffens mit Ihnen, um mit Ihnen die soliden [Fakten], umfangreichen wissenschaftlichen Beweise der Impfstoffsicherheit und Wirksamkeit zu teilen.

Mit freundlichen Grüßen,

[die] Nationale Organisationen


Es folgen acht (8!) Seiten von medizinischen Organisationen des gesamten Landes, insgesamt 350 verschiedene Abteilungen, die diesen offenen Brief unterstützen. Eine beeindruckende Übersicht, die man im Original gesehen haben muss.

Aber damit nicht genug: Auf den weiteren 17 Seiten findet sich eine schöne Zusammenfassung der AAP hinsichtlich Impfungen und unterstellten neurologischen Auffälligkeiten, Stoffwechselerkrankungen, Fieberkrämpfen und immer wieder Autismus, Autismus, Autismus. Keinerlei Verbindungsnachweis in den Studien.

Übersichten zu Quecksilber/Thiomersal in Impfstoffen und eine Reportage zum Fall „Wakefield“ runden das Bild ab.

Soviel politisches Statement wünscht man sich auch in Deutschland zu Impfungen durch unsere verschiedenen Standesorganisationen aus Medizin, Wohlfahrt und Kinderschutz. Über eine Antwort des POTUS ist übrigens bisher nichts bekannt geworden.

Offener Brief der AAP im englischen Original

„Der läuft so komisch“

A walk in the park...with style

Da war wieder jemand schneller – siehe die anhängende Pressemitteilung des BVKJ. Scheinbar geht es nicht nur mir so, dass Eltern um den zweiten Geburtstags die Frage nach den Laufwegen ihres Kindes stellen. Dabei ist das alles normal.

In aller Regel beginnen die Kinder mit O-Beinen zu laufen, die dann während des Lauflernalters zu recht auffälligen X-Beinen mutieren. Das richtige „Geradelaufen“ sieht man erst im Schulalter. In all diesen Phasen haben „Lauflernschuhe“, medizinische Einlagen oder Krankengymnastik nichts zu suchen. Den wohlmeinenden Hinweisen von Schuhverkäufern oder Kinderturnbetreuern dürfen Eltern mit Blick auf die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen antworten: „Das checkt der Kinder- und Jugendarzt regelmäßig.“ „Verpassen“ wird man sowieso nichts. Das Einzige, was nicht verpasst werden sollte, ist die vorgeschriebene Hüftuntersuchung per Ultraschall im Rahmen der frühen U3-Untersuchung. Hier kann eine angeborene Fehlstellung der Hüfte ausgeschlossen werden.


 

Die Pressemitteilung des BVKJ:

„Einwärtsgehen“ bei Kindern selten bedenklich

Schon als Säugling können die Füße einwärtsgedreht sein, aber auch, wenn Kinder zu laufen beginnen, drehen viele beim Gehen ihre Füße nach innen, sie gehen einwärts. Das kann unter Umständen bis in das Grundschulalter andauern.

Kleine Kinder zeigen häufig einen Einwärtsgang, der bei manchen Kinder bis zum Grundschulalter anhält. In den allermeisten Fällen korrigiert sich diese Gangart von selbst und erfordert keine Behandlung. Bemerken Eltern aber, dass ihr Kind Schwierigkeiten beim Gehen hat, häufig stolpert oder hinfällt, sollten sie ihr Kind beim Kinder- und Jugendarzt vorstellen, aber auf keinen Fall ohne ärztlich Anweisung ihren Kindern Korrekturschuhe oder Ähnliches zumuten. „Wenn sich der Einwärtsgang verschlimmert oder das Kind sogar hinkt oder Schmerzen angibt, sollten Eltern unverzüglich den Kinder- und Jugendarzt aufsuchen“, rät Dr. Ulrich Fegeler, Kinder- und Jugendarzt sowie Mitglied des Expertengremiums des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Ob sich die Gangart verändert, können Eltern, wenn sie unsicher sind, mit Hilfe von kurzen Videoaufnahmen im Abstand von einem Jahr erkennen. Dabei sollten sie ihr Kind beim Gehen von vorne und von hinten aufnehmen.

Die Einwärtsdrehung der Füße kann auf unterschiedlichen Ursachen beruhen. Säuglinge können eine Einwärtsdrehung des Vorfußes zeigen, die sich in der Regel schnell korrigiert. Beginnen Kinder zu laufen und die Füße einwärts zu drehen, kann gerade im frühen Kleinkindalter eine knöcherne Einwärtsdrehung des Schienbeines (Tibia) der Grund sein. Auch das „korrigieren“ die Zeit und das Wachstum. Am häufigsten und durchaus bis zum 9. Lebensjahr reichend besteht die Ursache in einer Innenrotation des Oberschenkelknochens (Femur) in den Hüftgelenken. Mit zunehmendem Wachstum richtet sich das Becken auf und durch die damit verbundenen statischen Veränderungen ändert sich auch die Rotation des Femurs im Hüftgelenk. „Betroffene Kinder bevorzugen u.a. auch den Zwischenfersensitz („Najadensitz“), d.h., das Gesäß befindet sich beim Sitzen zwischen beiden nach außen gewinkelten Beinen. Nur in ganz seltenen Ausnahmefällen sind operative Korrekturen notwendig“, erklärt Dr. Fegeler.

Ob eine Fehlbildung der Hüftgelenke vorliegt, kann der Kinder- und Jugendarzt durch eine Ultraschalluntersuchung der Hüfte beim Baby feststellen, die er routinemäßig bereits im Rahmen der U3 zwischen der 4. und 5. Lebenswoche durchführt. Auch, wenn der Innenrotationsgang noch jenseits des 9. Geburtstages auffällt, ist ein Besuch beim Kinder- und Jugendarzt angeraten. Bei besonderen Auffälligkeiten ist die Überweisung zum Kinderorthopäden notwendig.

Quellen: AAP, MMW Fortschr Med, J Peds


Dies ist eine Pressemitteilung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte BVKJ.

(c) Foto bei Flickr/Jeff Power (Lizenz Creative Commons)

Chantalismus

Teil der Vorurteile: Seltsame Vornamen sind den sozialen Notschichten zueigen. Die Kevins, Justins und Marvins, die Chantals, Bonnys und Tschakkelines dieser Gesellschaft werden es später schwer haben, der Name sei Programm. So geht die Meinung. Bei den Promis sieht es da bekanntermaßen anders aus – da werden nicht Neoanglismen bemüht oder die Vokale mit „y“ vertauscht, hier findet sich die Nomifizierung von Substantiven, Blumen oder ganzen Ländern.

Warum allerdings die zukünftigen Starköche den Namen ihrer Restaurants bereits bei Geburt mitbekommen haben, ist mir schleierhaft:

jamie

… eigentlich bin ich Jamie-Fan.

Lesepotpourri Dezember/Januar

Und wieder ist einige Zeit ins Land gegangen seit des letzten Leserückblicks, aber die Tradition setze ich trotzdem fort, auch wenn keine Zeit für einzelne Rezensionen übrig bleibt. Wer Fragen hat, darf fragen.

Hier also der Lesestoff der letzten zwei Monate:

Ich war viel im Netz unterwegs, habe viele Blogs gelesen und recherchiert, außerdem habe ich mir zu Weihnachten ein Abo der ZEIT als Digitaldownload gegönnt. Das Leben besteht tatsächlich aus Lesen, oder? Ich kann gar nicht verstehen, wie es anderen ganz anders geht.

Absolute Lesehighlights aus dem obigen Potpourri:

Die Raumpatrouillevon Matthias Brandt – der Hype über dieses kleine Buch überrascht ein wenig, leider fragte ich mich ständig beim Lesen, ob dieser Erfolg auch gekommen wäre, wenn Matthias Brandt nicht Schauspieler und nicht berühmter Sohn wäre. Dennoch schöne Schreibe- und damit Lesekunst.

Außerdem, als Fan, die Biographie von Bruce Springsteen, klar, mit viel Neugier gelesen und klar überrascht, wie interessant der Mann auch neben seinen Songs schreiben kann. Viele Gedanken neben profanem Fanwissen, viel Poesie neben bescheidenem gerechtfertigtem Pathos.

Geheimtipp: Butcher’s Crossing von John Williams. Der Schriftsteller wird gerade auf der ganzen Welt wiederentdeckt, er hat nur drei Romane geschrieben, auf meinem Schreibtisch liegt schon sein berühmtestes Werk Augustus. „Butcher´s Crossing“ ist ein Roman wie ein Donnerschlag, so episch-wuchtig wie Jack London, so prosaisch wie Cormac McCarthy, so unterhaltsam wie ein Western von Quentin Tarantino. Lesen!

[Dieser Text enthält so genannte Affiliate Links – siehe Impressum]

Kinder müssen vor Blutabnahmen nicht nüchtern sein

So, die Titelzeile hat ausreichend als clickbait gewirkt, nun etwas differenzierter. Das Feedback auf meinen obigen Tweet, dass Kinder zur Blutabnahme nicht nüchtern sein müssen, veranlasste mich zu folgendem Blogpost:

Grundsätzlich kann man sagen, dass ein Patient zu einer Blutabnahme nicht nüchtern sein muss. Dies gilt besonders für Kinder. Kinder sind unausgeglichen und unzufrieden, wenn sie nichts gegessen haben. Welche Eltern wissen das nicht? Jugendliche, die morgens wenig frühstücken, sind noch wackeliger auf den Beinen, so dass es nach einer Blutabnahme zu einer Synkope kommen kann. Das muss nicht sein.

Nüchtern sein bedeutet, kein Essen, keine Medikamente und möglichst auch nichts zu Trinken zu sich genommen zu haben. Daraus folgert, dass das Nüchtern sein zur Blutabnahme nur dann notwendig ist, wenn:

– … Medikamentenspiegel bestimmt werden (dann das entsprechende Medikament erst nach der Blutabnahme einnehmen, z.B. Antiepileptika) oder eine Verträglichkeit geprüft wird (hier geht es oft um Leber und Nierenwerte, die nach dem Essen schon einmal verändert sein können),

– … der Blutzucker von Interesse ist (klar, bei Verdacht auf Diabetes, aber auch zum Beispiel nach einer Kreislaufsynkope),

– … die Cholesterine bestimmt werden soll. Das ist bei Kindern und Jugendlichen eher selten, bei dicken Kindern ist es aber schon mal nötig. Dabei sollten wir nicht vergessen, dass die Wertigkeit des Cholesterinsspiegels in den letzten Jahren immer mehr infrage gestellt wurde.

Wann weiß ich nun, wann ich nüchtern sein muss, und wann nicht, bzw., ob ich meinem Kind etwas zu essen geben darf? Einfache Antwort: Die fMFA fragen bei der Terminvereinbarung. Falls dann eine Antwort kommt wie, „Sie müssen bei unsimmer nüchtern sein vor einer Blutabnahme!“, ruhig genauer nachfragen: Was soll sich am berühmten „kleinen Blutbild“ schon verändern, wenn das Kind morgens ein Marmeladenbrot isst? Vielleicht ändert sich dann auch was in den Praxen, die das immer fordern.

Und die Kinder sind entspannter.

Auch elektrisch paffen Kinder mit

„E-Zigaretten nicht in Gegenwart von Kindern rauchen

Da der Dampf von E-Zigaretten gesundheitsschädliche Stoffe enthält, sollten Eltern nicht in Gegenwart ihrer Kinder rauchen und vermeiden, dass Kinder auch durch andere Menschen diesen Schadstoffen ausgesetzt werden.

E-Zigaretten sollten nicht in Gegenwart von Kindern geraucht werden, da Kinder durch den Dampf ebenso Nikotin ausgesetzt werden und sich dieses auf Oberflächen ablagert. Auch andere Stoffe, die als potenziell krebsauslösend und schädlich für die Atemwege gelten, sind im Dampf enthalten. „Eltern sollten deshalb weder im Auto noch zuhause E-Zigaretten verwenden“, rät Dr. Hermann Josef Kahl, Bundespressesprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Beispielswiese verbreiten E-Zigaretten Acetaldehyd sowie Acrolein. Beide Substanzen wirken reizend auf Haut und Schleimhäute und schaden dem Flimmerepithel in den Atemwegen. Sie stehen auch im Verdacht, Krebs auslösen zu können. Für das gesundheitsschädliche Chrom und Nickel wurden im E-Zigaretten-Dampf sogar höhere Werte als im Tabakrauch gemessen.

Da sich E-Zigaretten-Nebel aus ultrafeinen Flüssigkeitspartikeln zusammensetzt, können die Schadstoffe besonders tief in die Atemwege gelangen und sich dort vermehrt ablagern. „Wie sich das längerfristig auf die Gesundheit und die Atemwege von Heranwachsenden auswirkt, ist derzeit noch nicht abzuschätzen“, gibt Dr. Kahl zu bedenken. Einer aktuellen amerikanischen Umfrage zufolge sind nicht einmal jedem vierten Erwachsenen die Gesundheitsrisiken des „passiven Dampfens“ bewusst.“

Quellen: AAP, Kardiologe, Public Health Res Pract.“
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Dies ist eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V.


 

In diesem Zusammenhang fordern wir Kinder- und Jugendärzte schon lange das Rauchen im Auto, wenn Kinder mitfahren, zu verbieten. Die Schotten sind da schon weiter. Trotz Brexit.

Wann immer Eltern sagen, sie rauchten ja nicht in der Gegenwart des Kindes, sehe ich die Kippe in der Hand meines autofahrenden Vaters. Der hätte das mit Sicherheit auch gesagt. Schließlich ist das Fenster offen, und es qualmt hinaus. Und die Balkone der Nachbarschaft sind bevölkert mit rauchenden Eltern, die sich im Anschluß Pullover, T-Shirt und Hose vom Leibe reißen, um sich neu einzukleiden. Ja, klar.

Schlafe stille…

n-tv und dpa berichten über ihre Online-Medien, dass „immer mehr Eltern“ ihren Kindern Schlafmittel geben würden. Valide Zahlen gibt es hierzu nicht, aber die Berichte zitieren die bayrische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) und den BVKJ in einer entsprechenden Stellungnahme. Dass dieser „Trend“ bedenklich sei, geschenkt. Wer würde dies schon gutheißen? Entsprechende Medikamente sind nicht ungefährlich, können zu Atemdepression und/oder -stillständen führen, ganz abgesehen von dem ethisch-sozialen Aspekt.

Sein Kind ruhig zu stellen, um „bloß mal wieder“ selbst schlafen zu können? Alle heben in Entrüstung die Hände, um sie kopfschüttelnd vors Gesicht zu schlagen. Eltern werden jetzt schnell verdammt, so etwas überhaupt in Erwägung zu ziehen. Aber der Leidensdruck ist oftmals sehr hoch. Durchwachte Nächte voll Ängste, was dem Kind fehle, fehlender Schlaf der – in der Regel – Mutter, Psychologie der Unzulänglichkeit und Ohnmacht der Handlungsversuche.

Aber natürlich ist es mit der zitierten Empfehlung des BVKJ-Sprechers Hermann-Josef Kahl, „wir empfehlen in der Regel den gnadenlosen Einsatz der Verwandtschaft“ statt Pharmaka nicht sehr weit her – wenn es so einfach wäre, das weinende Kind einfach der Oma oder wenigstens dem Vater in die Hand zu drücken, und alle seien dann zufrieden, na prima. Aber das greift doch sehr kurz.

Mehr Sinn macht da ein aufklärendes Gespräch über die Physiologie nebst Anamnese des Schlafrhythmus des Säuglings oder Kleinkindes und der ganzen Familie. Wann sind Ruhephasen, wann Aktivphasen, wie erkenne ich sie? Muß ich immer springen, wenn das Kind sich bewegt, sollte ich es vielleicht doch immer tun, denn Kind zeigen ihre Bedürfnisse im Weinen? Ganze Bücher werden darüber geschrieben, ganze Ambulanzen beschäftigen sich mit den „Schreikindern“ in entsprechenden „Schlaf-“ oder „Schreisprechstunden“.

Klar kennen wir Ärzte Substanzen, die beruhigen, naturheilkundliche, frei verkäufliche, bis hin zu rezeptpflichtigen, eine Wiedergabe würde den zitierten Trend unterstützen, also lasse ich das. Riskanter ist sowieso der Austausch darüber in Elternforen zu konkreten Medikamenten oder – natürlich immer dabei – passenden Glaubuli. Letzteres pharmakologisch weniger bedenklich, in der Interaktion aber ebenbürtig.

Die Dunkelziffer der „Behandelten“ dürfte nicht einschätzbar sein, wie üblich bei tabuisierten Themen. Anekdoten vom Oberarzt, der seine eigenen Kinder auf der Nordseeautofahrt ruhigstellt, oder der Vater, die stolz verkündet, er habe Mittel XYZ nachts um Drei verabreicht, weil „unerwünschte Nebenwirkungen auch mal erwünscht“ sein können, gibt es zu erzählen. Aber gibt es wirklich einen „Trend“ oder nur einen Sturm im Wasserglas? Eins ist sicher: Zur Sensibilisierung für das Thema ist eine Meldung dieser Art legitim. Oder ist die entsprechende Pressemitteilung des bayrischen Gesundheitsministeriums nur Aufhänger für das „neu aufgelegte Faltblatt ‚Hilfe für Eltern mit Schreibabys'“des Ministeriums?

Mein Kind schläft nicht – Infobroschüre der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin

10 Fakten zu… Scharlach

1) Eine Halsentzündung ist kein Scharlach.
80% der Halsentzündungen sind viral bedingt.

2) Eine Entzündung der Gaumenmandeln mit Streptokokken ist eine Streptokokken-Tonsillopharyngitis (früher -angina).
Kein Scharlach.

3) Der Nachweis von Streptokokken im Rachen ist eine Streptokokken-Besiedelung.
Dies ist keine Krankheit und kommt mitunter bei 25% der Bevölkerung vor.

4) Eine Streptokokken-Angina mit Hautausschlag in typischem Muster nennt man Scharlach.

5) Streptokokkeninfektionen werden mit einem einfachen Penicillin behandelt.
Es gibt keine Resistenzen.

6) Eine behandelte Streptokokken-Infektion ist noch ca. 24-48 Stunden infektiös.
Eine unbehandelte bis zu 2 Wochen.

7) Kriterien für eine Diagnosefindung und Behandlung finden sich bei McIsaac.
Gab´s hier schon einmal.

8) Streptokokken bieten keinen dauerhaften Immunschutz, man kann sich häufiger infizieren.

9) Streptokokken sind leider nicht impfpräventabel.
Das wäre mal was.

10) Die meisten „Wir haben Scharlach“-Fälle im Kindergarten sind vermutlich keine.
Siehe 1)-4)

Wer mehr wissen will.

Kein Tattoo vor Volljährigkeit

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte fordert:

„Junge Menschen sollten sich nicht vor ihrer Volljährigkeit tätowieren lassen

Wenn Minderjährige ein Tattoo wollen, brauchen sie für einen Vertrag mit dem Tattoo-Studio die Einwilligung der Eltern. Vor dem Gesetz gilt das Tätowieren von unter 18-Jährigen als eine Körperverletzung, die aber nicht bestraft wird, wenn die Eltern einwilligen, umfassend über die Risiken aufgeklärt wurden und der Jugendliche einsichts- und urteilsfähig ist.Mom Anchor

„Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) und die European Society of Tattoo and Pigment Research (ESTP) vertreten die Auffassung, dass sich junge Menschen nicht vor ihrer Volljährigkeit tätowieren lassen sollten. Denn es sind viele gesundheitliche, soziale und ästhetische Risiken zu bedenken“, warnt Dr. Ulrich Fegeler, Kinder- und Jugendarzt sowie Mitglied des wissenschaftlichen Beirats beim BVKJ. Wer in Deutschland ein Tattoo-Studio eröffnen will, braucht bisher noch keinen speziellen Befähigungsnachweis vorlegen. Tattoo-Farben müssen zudem nicht amtlich zugelassen werden. „Bei Hautkrankheiten wie Neurodermitis oder Schuppenflechte, bei Diabetes, bei Abwehrschwäche, bei Herzfehlern und bei Blutungsneigung (z.B. durch gerinnungshemmende Medikamente) raten wir generell von einer Tätowierung ab, da das Risiko für Komplikationen zu groß ist“, so Dr. Fegeler.

Interessieren sich Heranwachsende für Tattoos, sollten sie sich umfassend über die Risiken informieren, z.B. auf der Seite „Safer Tattoo“ (www.safer-tattoo.de/risiken.html) des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Bei Bedarf können sie sich auch von ihrem Jugendarzt aufklären lassen. Zwar ist in Deutschland das Risiko für die Übertragung von schweren Erkrankungen, wie infektiösen Lebererkrankungen (Hepatitis B und C) und HIV, selten, aber auch andere häufigere Virusinfektionen können über unsaubere Instrumente und Farben erworben werden. So können sich Warzen und Herpes nach einer Tätowierung ausbreiten. Bakterielle Infektionen können Abszesse entstehen lassen und im schlimmsten Fall auch zu einer Blutvergiftung führen.

In einer Übersichtsstudie an 3.411 tätowierten Personen klagten 6% über dauerhafte Beschwerden. Neben Narbenbildungen wurden auftretende Schwellungen, Papeln und anhaltender Juckreiz angegeben. Allergien gegen Farbbestandteile bzw. Konservierungsmittel können ebenso zum Problem werden. Die Behandlung solcher Unverträglichkeitsreaktionen, wie Ausschläge mit starkem Jucken, hat sich als schwierig erwiesen. Oft ist dann die Entfernung des gesamten Tattoos erforderlich.

Geschmack verändert sich im Laufe des Lebens

Befinden sich Teenager noch im Wachstum, so ändert das Tattoo später auch sein Aussehen, wenn es in die Länge und die Breite gedehnt wird. Dies gilt in jedem Fall, wenn die Faltenbildung einsetzt. Laut einer amerikanischen Umfrage bedauert jeder vierte Tätowierte zwischen 18 und 35 Jahren, dass er Tinte unter der Haut trägt. Als häufigste Gründe dafür wurde angegeben,

  • dass sie/er zu jung war, als sie/er ihr/sein Tattoo bekam,
  • dass sie/er sich verändert hat und das Tattoo nicht mehr zum gegenwärtigem Lebensstil passt,
  • dass das Tattoo im Zusammenhang mit einer Person steht, mit der man nicht mehr zusammen ist und/ oder
  • dass das Tattoo nicht professionell aussieht.

In Deutschland sind schätzungsweise acht bis zehn Millionen Menschen tätowiert.

Quellen: European Society of Tattoo and Pigment Research, The Harris Poll, Hautarzt

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Dies ist eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V.

(c) Bild bei Mez Love/Flickr (Lizenz Creative Commons)

Ich wusste gar nicht, dass das ein so relevantes Problem ist unter Jugendlichen, wenngleich mir die Trend- und Modelinie gegenwärtig ist. Ein anderes Thema ist das Piercing. Insbesondere Nabelpiercings sind sehr verbreitet unter den jungen Mädchen, das Ohrenpiercen ist normal und gesellschaftlich anerkannt. Zahnschmerzen bekomme ich nur bei den Säuglingen, die bereits schier im Wochenbett gestochen werden.

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