Dürfen Ärzte Patienten ablehnen?

Erste Antwort: Eigentlich Nein.

Aber so einfach wollen wir es uns hier nicht machen. Ärzte haben grundsätzlich eine Behandlungsverpflichtung, das besagt das Strafrecht (unterlassene Hilfeleistung) und ist ein ethischer Grundsatz allen medizinischen Handelns: Dem Hilfesuchenden wird geholfen. Im reinen Berufsrecht „steht es wiederum auch Ärztinnen und Ärzte frei, eine Behandlung abzulehnen.“ Dies wird jedoch eingeschränkt durch „besondere rechtliche Verpflichtungen“ – und diese beziehen sich auf das so genannte Vertragsarztrecht. Die meisten Ärzte sind Vertragsärzte in Verpflichtung der Kassenärztlichen Vereinigung und müssen hier uneingeschränkt an der Versorgung teilnehmen.

Dies ist der juristische Aspekt und entspricht wie üblich nicht der Realität: Lange Wartezeiten auf Termine, komplettes Ablehnen von Patienten, weil die Praxis „voll“ sei oder das „Budget erschöpft“ oder „nur Private behandelt werden“.

Unterschiede gibt es sicher in der Notfallbehandlung und bei geplanten Untersuchungen. Eine Notfallbehandlung darf niemals abgelehnt werden (außer, der Arzt begibt sich selbst in Gefahr – Autounfälle, Brände, Stromunfälle, aber das gilt bei der Ersten Hilfe im Allgemeinen). Das wiederum bedeutet für Ärzte in Notfallambulanzen und im Krankenhaus, aber auch „Versorgerpraxen“, die eine Sprechstunde anbieten, dass sie ungesehen des Alters, des Geschlechtes, des Aussehens, der Religion oder des Verhaltens des Patienten eine Versorgung übernehmen müssen. Ist der Arzt fachlich nicht befähigt (z.B. ein Kind zu entbinden, einen Infarkt zu behandeln, einen Chaissagnac einzurenken oder eine Wunde zu nähen), so wird er das in seinem Fach Mögliche tun und den Patienten weiterverweisen. Banal.

Geplante Untersuchungen wie Operationen, Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen usw. lassen sich „schieben“, hier gibt es nur bestimmte Kapazitäten, die ein Arzt, eine Praxis schaffen kann. Beispiel bei uns: Auf einen Termin für eine Jugenduntersuchung muss man bei uns im Moment fünf Monate warten, diese „Luft“ haben alle aber auch. Das Fenster für die „jüngeren“ Vorsorgen ist viel kleiner (die U3 muss zwischen dritter und sechster Woche stattfinden, die U7 zwischen 20. und 24. Monat usw.), da wird es schon schwieriger in der Planung. Ähnliche Probleme haben sicher Chirurgen oder Augenärzte – geplante Untersuchungen sind schließlich zeitaufwändiger, nehmen mehr Platz im Terminkalender ein. Irgendwann ist der voll und was soll dann das Team schon machen, als Patienten auf andere Praxen zu verweisen oder ganz abzulehnen? Schließlich wollen wir nicht vergessen: Welcher Patient möchte schon einen Termin in ein paar Monaten oder frühmorgens/spätabends oder in der Praxis stundenlang warten?

Was bedeutet das für den Kinder- und Jugendarzt? Vielleicht mal aus der Praxis geschildert: Wir sind mit der Versorgung, wie viele andere in der Region, am Limit. In der Konsequenz können wir aktuell nur Neugeborene „aufnehmen“, sowie Neuzugezogene. Wie soll man auch sonst jungen Eltern vermitteln, dass sie mit ihrem Neugeborenen nicht willkommen sind? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass mit diesem Regime eine ausreichende Fluktuation zwischen Neuzugängen und Weggehern stattfindet. Unsere Praxis arbeitet mit überproportional vielen Patienten im Vergleich zur Fachgruppe, aber so haben die Patienten ein gutes Gefühl bei moderater Wartezeit auf Termine, kurzer Wartezeit in der Praxis und einen entspannten Arzt. Denn das wiederum wollen ja alle haben.

Denn was viele Eltern oft nicht sehen: Konzentrieren sich die Patienten auf einzelne Praxen, während andere noch Kapazitäten haben, leidet irgendwann auch die Qualität der jetzt übervollen Praxen. Ich habe das erlebt: Als Jungniedergelassener wechseln alle zu Dir in die Praxis, zum „Ausprobieren“, zum „Neuen Besen“, und weil die etablierten Praxen voll waren. Das geht eine Zeit gut, bis die eigene Praxis aus allen Nähten platzt, dann beginnt wieder das Wechselkarussell in die nächste Praxis. Es beschwerten sich Eltern über längere Wartezeiten, „weil wir ja jetzt soviele Patienten annehmen würden“, die waren vor nicht langer Zeit zu uns gewechselt.

Und dann das Argument mit den Privaten – die dürfen ja immer und bekommen auch schnell und immer einen Termin. Das stimmt oft. Das liegt an unserem Bezahlsystem: Privatpatienten generieren den Praxen immer gesichertes Honorar (wenn die Bonität und Zahlungsmoral stimmt), bei gesetzlich Versicherten warten wir bekanntermaßen über zwei Quartale auf das Honorar, ohne vorher zu wissen, wie hoch es ausfällt. Überschreitet das bei der Kassenärztlichen Vereinigung angeforderte Honorar den Vergleich zum Jahresvorquartal, droht sogar das komplette Abschneiden des Überschusses, d.h. der Doc hat x Patienten effektiv kostenlos behandelt. Ich kann jeden Arzt in diesem System verstehen, der am Ende des Quartals sagt, er nehme keine Patienten mehr an, die er nicht bezahlt bekommt. Handwerker dürfen auch Aufträge ablehnen, wenn die Arbeitskapazität erschöpft ist, über Aufträge, die sie annehmen müssten, sie aber nicht bezahlt bekommen, würden sie nur müde lächeln.

Ich denke, in Versorgerpraxen wie Haus- oder Kinderärzten kann das System gut funktionieren: Notfallpatienten müssen behandelt werden, ganze neue Patienten (durch Zuzug oder Geburt) werden aufgenommen. Das reicht. Ich mache die Erfahrung, dass die Hälfte der Wechselpatienten irgendwann weiterwechseln. Ganz ablehnen würde ich Gängeleien wie „Bewerbung schreiben“, um eine Praxis aufsuchen zu dürfen (ja, das gibt es!), oder seitens der Patienten das Einklagen einer Behandlung, hier dürfte das Vertrauensverhältnis bereits vor Behandlungsbeginn zerrüttet sein.

Denn auch das kann ein Grund sein, Patienten abzulehnen: Wenn sie sich ungebührlich verhalten (so habe ich eine Familie vor der die Tür gesetzt, bei der der Vater eine Mutter im Kopftuch beleidigt hat; aber es gibt auch Fälle von lautstarkem Gezeter über den Doc im Wartezimmer oder aber schlichtes x-maliges Versäumen von Terminen) oder kein Vertrauen zwischen Patienten und behandeldem Arzt herrscht. Eltern, die wiederholt Medikamente nicht geben, die vier- oder fünfmal eine zweite Meinung einholen, die sich mal in dieser Praxis, mal in jener behandeln lassen. In ein ähnliches Feld fallen die Impfgegner – auch diese finden sicher durch einen anderen Arzt eine bessere Unterstützung als mich.

 

Quellen:
(Muster-)Berufsordnung für Ärzte (siehe vor allem §7, Abs. 3)
Bundesmantelvertrag der Ärzte (d.i. Vertragsrecht, siehe vor allem §13)
Sozialgesetzbuch  (Teilnahme an der vertragsärztlichen Versorgung)
Blogartikel zu den juristischen Hintergründen

Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte wehrt sich gegen die pauschale Verurteilung des Gesundheitswesens

„Dina Michels, Korruptionsbeauftragte der Kaufmännischen Krankenkasse, hat im Interview mit der Frankfurter Rundschau das Gesundheitswesen als korrupten Sumpf bezeichnet. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte wehrt sich gegen die pauschale Verurteilung.

BVKJ-Präsident Dr. Thomas Fischbach: „Frau Michels wirft vor allem uns Ärzten vor, korrupt zu sein, Verordnungen gegen Geld oder Benefits auszustellen. Das Arztgeheimnis begünstige dies, die Justiz sei unfähig, dies zu erkennen und zu verfolgen, mächtige Netzwerke hielten ihre schützende Hand über die Ärzte. Frau Michels Einlassungen mit ihrem Mischmasch aus Unterstellungen und Verschwörungstheorien sind pauschal, böswillig und verleumderisch. Als Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte prüfen wir, Klage dagegen zu erheben.

Über 15.000 Kinder- und Jugendärzte versorgen über 14 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland vom ersten Lebenstag an bis zum 18 Geburtstag. Wir stehen jeden Tag in unseren Praxen und sorgen für die bestmögliche medizinische Betreuung unserer Patienten durch Vorsorgen, Impfungen, Heilung von Infekten, Elternberatung, wir verordnen auch Logopädie, Physiotherapie und Ergotherapie, wenn es uns notwendig für die gesunde Entwicklung der uns anvertrauten Kinder erscheint. Wir sind Anwälte unserer Patienten und unsere Entscheidungen fallen unter das Arztgeheimnis, und das ist gut so. So wird verhindert, dass zum Beispiel die Kassen Leistungen verweigern, weil sie ihnen zu teuer erscheinen oder weil sie der Meinung sind, dass chronisch kranke oder behinderte Kinder Therapien nicht brauchen. Hier von Intransparenz zu sprechen, halten wir für zutiefst bedenklich, ebenso wie der Justiz Inkompetenz vorzuwerfen. An mächtige Netzwerke zu glauben, die irgendwelche Machenschaften decken, zeugt unseres Erachtens von zu reichlichem Konsum von Mafiafilmen. Und anzunehmen, dass Therapeuten uns bezahlen, wenn wir Patienten an sie überweisen, ist angesichts der mickrigen Honorare, die diese von den Kassen bekommen, geradezu absurd. (Physiotherapeuten bekommen im Durchschnitt 19 Euro pro Behandlung von der GKV). Die Wahrheit sieht schlichter aus. Auch in unseren Reihen gibt es mit einiger Sicherheit schwarze Schafe, die die Kassen und damit die Allgemeinheit betrügen. Diese gehören bestraft und werden auch in der Regel bestraft durch unsere gut funktionierende Justiz. Wer anderes behauptet und Ärzte und Ärztinnen unter Generalverdacht stellt, zerstört das jeden Tag millionenfach gelebte Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient und schadet damit vor allem denen, um die es geht: unseren Patienten.“

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Dies ist eine Pressemitteilung des BVKJ.

Dem ist imgrunde nichts hinzuzufügen. Das Interview mit Frau Michels steht in Tradition eines Ärztebashings, das in den letzten Jahren zugenommen zu haben scheint. Vielleicht liegt das aber auch an der selektiven Wahrnehmung des eigenen Berufsstandes. Ähnliches können bestimmt auch Polizisten oder Politiker von sich selbst behaupten.

Und jetzt muß ich mit Luigi sprechen. Er und seine zwei Kleiderschränke haben um einen Termin gebeten. Wahrscheinlich gehts mal wieder um die monatlichen Zahlungen. Dabei habe ich doch letztens Don Marcos Cousine pro bono behandelt.

 

Die neuen Kinderrichtlinien brauchen ihre Zeit

Eigentlich sind sie nun offiziell in Kraft, die neuen Kinderrichtlinien bei den Vorsorgeuntersuchungen durch die Kinder- und Jugendärzte. Sie sollten bereits zum 1.7. kommen, wurden aber wegen Datenschutzproblemen (übertragen der mütterlichen Daten ins Kinderuntersuchungsheft? Seeehr problematisch?!) verschoben. Der erste September war der Stichtag. Trotzdem darf niemand erwarten, dass die neuen Inhalte sofort und komplett in den Praxen umgesetzt werden. Warum?kinderuntersuchungsheft

Zum einen kreißte der Gemeinsame Bundesausschuß sehr lange um das Thema, Inhalte wurden verändert, gestrichen, verschoben, sie bleiben teilweise umstritten, in der Summe werten sie jedoch die Kindervorsorgeuntersuchungen auf. Dies hat aber viel Unsicherheiten bei den Kollegen geschürt, so dass die endgültige Fassung sehr kurzfristig an die erbringenden Praxen gereicht wurde. Zum anderen ist die Bezahlung überhaupt nicht geregelt.

Im Fachdeutsch heisst das, die Finanzierung der aufgepimpten Vorsorgen ist noch nicht in den „Einheitlichen Bewertungsmaßstab“ EBM, das Instrument zur Abrechnung durch die Ärzte, implementiert worden. Ein Schelm, der Böses dabei denkt: Man bringt neue Inhalte auf den Markt, zeigt sie auch den Eltern in der Presse, regelt die Bezahlung aber später. Aktuell erhalten wir im Schnitt gute dreißig Euro pro Vorsorge, in den Zusatzverträgen zur U10 und U11 mit den Krankenkassen werden mindestens 50 Euro berechnet. Ähnliches erwartet der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte auch für die neu erweiterten U1 bis U9. Zitat der KBV: „Bis zur EBM-Anpassung erfolgt die Versorgung weiterhin nach den derzeit gültigen Regelungen.“ Diese Anpassung wird nicht vor Februar erwartet.

Bis die Bezahlung geregelt ist, dürfen Eltern also davon ausgehen, dass ihr Kinderarzt keine Begeisterung zeigt, fürs Gleiche deutlich mehr zu leisten (die Richtlinien setzen auch Neuinvestitionen in Hör- oder Sehtestgeräte voraus, auch die müssen von den Praxen finanziert werden). Wir lassen uns also Zeit, werden peu à peu die neuen Inhalte einüben, bis alles in trockenen Tüchern ist.

Was ändert sich nun konkret? Hier die wichtigsten, für Eltern relevanten Punkte:

– Es gibt ein neues „Gelbes Heft“. Dieses wird ab sofort (? wenn bereits geliefert) an alle Neugeborenen abgegeben. Für ältere Kinder gibt es Einlageblätter in das alte Heft (Hüstel: Bei uns ist noch nichts angekommen, weder Hefte noch Einlageblätter).

Teilnahmekarte für erfolgte Vorsorgeuntersuchungen, diese kann herausgetrennt werden und damit unabhängig vom eigentlichen Gelben Heften an Behörden übergeben werden.

– Neue Augenuntersuchungen: Von U4-U7 wird der so genannte „Brückner-Test“ durchgeführt, er erhöht die Diagnose von Amblyopien (… und beschert den Praxen die eventuelle Neuanschaffung eines oder mehrerer Ophthalmoskope)

– Verpflichtender Hörtest über mehrere Frequenzen bei 4-jährigen (… neues Gerät für die Praxis) – ob das bei allen gelingt?

– Screening auf Mukoviszidose, Abfrage der Stuhlfarbe bei U2-U4 (… übrigens mit Vergleich auf einer Stuhlfarbenkarte – dies dient dem Screening auf Störungen der Gallenwege)

– Deutliches Verweisen auf eine zahnärztliche Vorsorge

– Beobachtung der Interaktion zwischen Kind und Eltern, Angebot von Beratungsmöglichkeiten in der Region, eine Menge an Elterninformationen zu Beginn jedes Kapitels der Vorsorgen.

Gerne hätten die Kinderärzte noch gesehen, dass ein verpflichtendes Sprachscreening stattfinden sollte oder eine stärkere Impfverfügung eingesetzt wird. Außerdem: Warum wurden die Vorsorgen U10-U11, J1 und J2 nicht in das neue Heft aufgenommen? Sie sind zwar nicht Teil der Regelleistung, werden aber inzwischen von der Mehrzahl der Krankenkassen (und sowieso durch alle Privatkassen) erstattet und sind sicher in spätestens fünf Jahren tatsächlich Regelleistung. Dann gibt es eben wieder ein neues Heft.

Antibiotikagabe mit Sachverstand und McIsaac

Mutter: „Die Kleine hat so Halsweh.“Tongue!
Ich: „Fieber auch?“
Mutter: „Nein, sonst gehts ihr gut. Die springt auch rum.“
Ich: „Ich sehe einen roten Rachen. Und Husten hat sie auch.“
Mutter: „Ja, so war das bei meinem Mann und mir auch.“
Ich: „Ok, sie hat auch keine Lymphknotenvergrößerung.“
Mutter: „Das hat sie bestimmt von uns.“
Ich: „Ja, solche Viren gehen schnell rum in der Familie.“
Mutter: „Mein Mann und ich bekommen jetzt schon mal ein Antibiotikum. Supermycin.“

Keine seltene Konversation in der Praxis.
Unser aller Gesundheitsminister möchte die Antibiotika-Gaben in Deutschland einschränken, und macht sich so seine Gedanken. Die G7-Präsidentschaft der Bundesrepublik soll dabei für ein internationales Strategieprogramm genutzt werden. Dabei steht die Hygiene in den Kliniken und die Verordnung von Antibiotika durch Ärzte im Vordergrund. Dass er sich dabei ausgerechnet die Kinder- und Jugendärzte rauspickt, lässt verwundern. So haben Studien und Umfragen immer wieder ergeben, dass die Verschreibung in den Fachgruppen höchst unterschiedlich ausfällt, die Kinderärzte kommen dabei aber stets vernünftig und leitlinienbezogen weg.

Im obigen Fall bedeutet das:
– Bei fehlendem Fieber
– Begleitendem Husten oder Schnupfen
– Wenig oder keinen tastbaren Halslymphknoten und
– Nur rotem Rachen ohne Beläge
kann der behandelnde Arzt von einer viralen Erkrankung ausgehen (McIsaac-Kriterien oder Centor-Score – diese gilt auch für Allgemeinärzte und Erwachsene) – eine weitere Diagnostik wie Blutabnahmen oder Abstriche sind nicht notwendig, und schon gar keine „Schon-mal“- oder „zur Sicherheit“-Antibiotika-Gabe.

Ach ja – sollte man sich dann doch zu einer Antibiotika-Gabe hinreißen lassen, da man eine bakterielle Infektion vermutet, ist das Mittel der ersten Wahl immer noch ein einfaches Penicillin (ja, und Allergien dagegen sind seltener als man denkt), denn in den allermeisten Fällen sind die so genannten betahämolysierenden Streptokokken (GAS) die Ursache der bakteriellen Angina. Da wirkt das Penicillin stets gut, Mittel aus anderen Antibiotikagruppen („Breitband“) sind Ausnahmen vorbehalten, der zu hohe Einsatz dieser Reservemedikamente erschaffen Resistenzen. Trotzdem werden diese häufig verordnet „falls es doch was anderes ist“, oder „damit es nicht schlimmer wird“. Diese Strategie gilt leider oftmals für junge Kollegen in den Nachtambulanzen – trotz positiven Streptokokkenabstrichs und eindeutiger Diagnostik wird zum Cephalosporin der zweiten oder dritten Generation gegriffen – obwohl das Penicillin den Job genauso getan hätte.

(c) Bild bei Flickr/Evan Long

Fragen an Kinderärzte aus dieser Welt III

Zum Dritten – Kollegin Cornelia Strecker hat auf meinen Aufruf reagiert und die zwanzig Fragen an „die echten Kinderärzte dieser Welt“ beantwortet. Vielen Dank dafür.cropped-logo_klein-jpg

Frau Strecker arbeitet mit ihrer Kollegin in einer Gemeinschaftspraxis im thüringschen Apolda – ein Foto habe ich von ihr leider nicht gefunden😉

 

20 Fragen an die Kinderärztin:

1) Warum Kinderarzt und nicht Urologe?

Das war nie die Frage. Schon alleine, weil man da operieren muss.

2) Ihr Prüfungsthema in der Facharztprüfung?

Kindesmisshandlung, Morbus Crohn, Fieberkrampf, OTC-Mangel beim Neugeborenen (bzw. eher die gesamten Differentialdiagnosen bei einem Kind, das am 2. LT „verfällt“), Neugeborenenkrämpfe, Obstipation

3) Was, wenn nicht Kinderarzt?

Keine Ahnung. Fürs Studium habe ich zwischen Medizin und Biologie geschwankt. Aber auch eine Hebammenausbildung (allerdings ohne allzu viel darüber zu wissen, wie ich später merkte) war in den Überlegungen. Im Studium kam Innere und Neurologie noch in Betracht. Aber nach der ersten Famulatur auf der Neuropädiatrie war die Wahl gefallen. Ich kann mir nichts vorstellen, bei dem ich so zufrieden wäre.

4) Wie lange werden Sie diese Woche in der Praxis arbeiten?

Mit Nachbereitung ca. 35 h.

5) Einzelkämpfer oder Teamplayer?

Teamplayer!

6) Gibt es etwas, was Sie an der heutigen Medizin ärgert?

Vieles an Bürokratie.

7) Was möchten Sie jungen Eltern auf den Weg geben?

Mehr auf das eigene Gefühl und das Kind vertrauen, nicht dauernd zu vergleichen und dabei die schöne Zeit zu verpassen. Sie sollten nicht Zahlen hinterherjagen, sondern das Kind im Blick haben, z.B. „wir behandeln kein Thermometer, sondern ein Kind“.

8) Gibt es ein Buch oder eine Website, das/die Sie Eltern ans Herz legen?

Mein Kind will nicht essen von Gonzales, Schlafen statt Schreien von Pantley

9) Beruf ist Berufung oder Pflicht?

Berufung

10) Welches Kind werden Sie aus Ihrer Arbeit niemals vergessen?

Am meisten in Erinnerung geblieben sind mir die Kinder von der Psychosomatik (mit inhaltlich nahtlosem Übergang zur KJP, aber zugehörig zur Pädiatrie). Die Hintergrundgeschichten der Familien, die Arbeit mit den Eltern und das Leid der Kinder mit diesen hat mich oft sehr betroffen gemacht. Vermutlich könnte ich diese Arbeit auch nicht auf Dauer schaffen. Da habe ich viele Kinder abends in Gedanken mit nach Hause genommen und morgens wieder mit zur Arbeit gebracht. Insbesondere ein 12jähriges Mädchen ist mir in Erinnerung, die ich erstmalig im Dienst mit 1,8 Promille von der Polizei gebracht bekam und später in der Psychosomatik erleben durfte. Sie wirkte bereits jugendlich vom Äußeren, verhielt sich oft sehr schwierig, aber wünschte sich täglich und durchgehend über die ganzen Monate des Aufenthaltes eine Pflegefamilie mit einer Pflegemutter. Sie wollte in keine Mädchen-WG, in kein Jugendwohnen oder Heim, sie wollte unbedingt eine Mutter. Die eigene Mutter war zwar körperlich anwesend, aber nicht emotional und aus diesem Mädchen schrie alles nach einer Mama.

11) Die ewige Frage: Behandeln Sie die Kinder in der Praxis genauso wie Ihre eigenen Kinder?

Ich versuche es, aber habe damit nicht immer Erfolg. Meine beiden Kinder halten viel „wait and see“ aus, die Eltern meiner Patienten (noch?) nicht so viel.

12) Kaffee oder Tee?

Hauptsächlich Tee, aber immer gerne zwischendurch auch mal Espresso.

13) Fahrrad, Laufen oder Auto?

Am liebsten Fahrrad, aber leider auch viel Auto wegen des Arbeitsweges, Laufen auch gerne.

14) Rock´n´Roll oder Klassik? Beatles oder Stones?

Hauptsächlich elektronische Musik.

15) Computer oder Karteikarte?

PC ausschließlich

16) Globuli oder Abwarten?

Abwarten, aber manchmal helfen die Globuli beim Abwarten.

17) Impfen oder Abhärten?

Impfen

18) Ihre aktuelle Verfassung?

Gut, wenn nur die langweilige Fortbildung am Wochenende nicht wäre. (Stichwort 04356)

19) Ihr Motto für den Praxisalltag?

Hm, fällt mir keins ein.

20) Wichtige unbeantwortete Frage?

Auch da fällt mir nichts ein.


ok, über die Globuli müssen wir noch reden … Danke für die Antworten!

Die Millionen und ein paar Kugelschreiber – über die Pharmagelder an die Ärzte

Spiegel Online und die Rechercheplattform Correctiv haben erstmals für Deutschland eine Landkarte und eine damit verbundene Datenbank veröffentlicht, die finanzielle Zuwendungen von Pharmafirmen an Ärzte offenlegen.

So weit, so wenig aussagefähig.

Natürlich bedeutet das einen Quantensprung in der Transparenz dieser bekannten Verknüpfung: Bisher gab es nur Mutmaßungen darüber, wieviel Geld in diesen Kanälen fließt, welche Pharmafirmen (vermutlich alle) und welche Ärzte (vermutlich weniger als man denkt) beteiligt sind. So finden sich in der Datenbank Spitzenzuwendungen an einen einzelnen Arzt von 200000 Euro, während das Gros nur  Kleinbeträge kassierte.Pens

Aber: Nur ein Drittel der befragten Ärzte hat sich bereit erklärt, den eigenen Namen zu veröffentlichen, und auch nicht alle Pharmafirmen (aber immerhin 3/4) haben sich beteiligt. Dass dies zudem eine Schieflage bedeutet, liegt auf der Hand: Für Firmen ist es nicht anrüchig, Gelder zu verteilen, Werbeetats sind in der freien Markwirtschaft legitim, der einzelne Arzt versucht dies jedoch nicht öffentlich zu machen, um nicht bestechlich zu wirken.

Jeder kann nun also seine Ärzte in der Umgebung kritisch würdigen und diese oder jene oder keine Konsequenz daraus ziehen. Doch Vorsicht: Hier funktioniert nur das Richtig-Positiv-Prinzip: Der Arzt, den man findet, hat auch Geld bekommen. Falsch-Negativ geht aber auch: Nur weil der gesuchte Name nicht findbar ist, bedeutet das nicht automatisch, er habe kein Geld bekommen, sondern vielleicht nur, dass er der Veröffentlichung nicht zugestimmt hat – unterstellen wir ruhig, dass man der Veröffentlichung ungerner zustimmt, je höher der Geldbetrag ist.

Ich bin übrigens auch auf der Landkarte zu finden, mit einem überschaubaren niedrigdreistelligen Betrag. Lustig – ich konnte mich gar nicht daran erinnern, mein Einverständnis gegeben zu haben. Aber es handelte sich damals um eine Fortbildung, und Bahnfahrt, sowie „Fortbildungsgebühren“ und Verpflegung wurden von der Firma übernommen. Geschenke für meine Kinder konnte ich danach keine kaufen, und ein neues Stethoskop für die Praxis war auch nicht drin. Aber, ganz ehrlich: Die Zeiten liegen für den kleinen niedergelassenen Arzt schon zwei Jahrzehnte in der Vergangenheit.

Nun könnte ich mich noch über das fortgesetzte Ärztebashing der Medien echauffieren, wozu die Berichterstattung wieder gut dient – man sehe nur den Geldkopf der „Correctiv“-Seite -, was leider das Berufsbild des Arztes für viele junge Leute immer unattraktiver macht. Dann gibt es sicher keine Berufsgruppe, in der die Industrie keinen Einfluss nimmt, und Lobbyismus ist nun einmal Teil einer kapitalistischen Gesellschaft, aber – man soll auch nicht auf andere zeigen. Also bleibt der eigentliche Gewinn: Dank der Verabschiedung des Antikorruptionsgesetzes dürfen wir uns unsere Kugelschreiber endlich wieder selbst aussuchen. Und das ist doch allemal ein Vorteil.

(c) Foto bei Flickr/Steven Lilley

How to creme

Da wir momentan täglich (!) Kinder mit Sonnenbrand sehen – sie werden nur nicht deswegen vorgestellt, aber dem wissenden Blick des Docs entgeht nichts – hier ein aktueller Hinweis unseres Berufsverbandes:

 

„Eltern sollten bei ihren Kindern Sonnenschutzmittel reichlich und mehrmals anwenden, d.h. alle zwei Stunden oder nachdem die Kinder im Wasser waren oder nachdem sie geschwitzt haben. Sonnenschutzmittel (Lichtschutzfaktor >30) sollte dick aufgetragen und etwas eingerieben werden. Dabei sollten diejenigen Hautareale erreicht werden, die nicht durch Kleidung geschützt werden können.

„Denken Sie daran, die Creme gleichmäßig zu verteilen. Vergessen Sie nicht die Ohren, Hände, Füße, Schultern und den Nacken sowie die Lippen. Schützende Kleidung, wie ein Sonnenhut mit Krempe, eine Sonnenbrille und das Vermeiden der Sonne in der Zeit ihrer höchsten Einstrahlung, etwa zwischen 11.00 und 16.00 Uhr, sind ebenso wichtig“, mahnt Dr. Ulrich Fegeler, Kinder- und Jugendarzt sowie Mitglied des Expertengremiums des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) bei http://www.kinderaerzte-im-netz.de. Die Verwendung von Sonnenschutzmittel dürfe nicht dazu führen, den Aufenthalt in der Sonne zu verlängern, da sie nur bedingt wirksam seien, warnt Dr. Fegeler. Sie senkten das Melanomrisiko nicht, sondern erhöhten es möglicherweise aufgrund eines falschen Sicherheitsgefühls. Säuglinge sollten überhaupt nicht der direkten Sonne ausgesetzt sein.

„Lassen Sie Kinder nicht zu lange im Wasser bleiben. Zum einen reflektiert das Wasser die Sonnenstrahlen und zum anderen halten auch wasserfeste Mittel nicht unbegrenzt. Die Bezeichnung ‚wasserfester Sonnenschutz‘ beschreibt nur, dass der Sonnenschutz im Wasser nicht ganz verloren geht. Nach etwa 40 Minuten im Pool haben diese Cremes etwa die Hälfte ihrer Wirksamkeit eingebüßt“, warnt Dr. Fegeler. Viele schätzen auch den Effekt des Lichtschutzfaktors falsch ein: Ein doppelter Lichtschutzfaktor (Lichtschutzfaktor = LSF; englisch: sun protection factor = SPF) bedeutet nicht, dass Kinder doppelt so lange in der Sonne bleiben dürfen. SPF 10 lässt noch etwa 10% der UV-Strahlung durch, SPF 30 etwa 3% und SPF 50 etwa 2%. Umfragen in Süddeutschland haben zudem ergeben, dass Eltern glauben, bei bedecktem Himmel bestünde keine Gefahr. Doch selbst bei Wolken können noch 50 bis 80% der UV-Strahlung auf die Erde gelangen.“

Quellen: Pediatric Dermatology, Stanford University School of Medicine, CME

*** Dies ist eine Pressemitteilung des Berufsverbandes für Kinder- und Jugendmedizin BVKJ


 

Ähnliches – Früheres:
Sonnenbrand
Sommersonnensinn
Der Sommer ist da

Zum Kugeln – das INH und der DZVhÄ

Über das Informationsnetzwerk Homöopathie hatte ich bereits berichtet – Kollegen, Wissenschaftler und grundsätzlich Interessierte hatten sich organisiert und bereits wiederholt getroffen, um mehr Transparenz und Öffentlichkeit in die Kritik an der homöopathischen Heilslehre in Deutschland zu bringen. Inzwischen sind Twitter, Facebook und Eigene Plattformen entstanden, die zum Beitreten und Schmökern animieren.

Der andere Big Player in der Diskussion, der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte DZVhÄ, hat dankbar auf die so genannte Freiburger Erklärung des Informationsnetzwerkes reagiert – mit wissenschaftlicher Unterfütterung durch die WissHom, der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Homöopathie –
sie veröffentlichten einen „Reader“, der so wohlfeile Aussagen trifft wie

„Eine zusammenfassende Betrachtung klinischer Forschungsdaten belegt hinreichend einen therapeutischen Nutzen der homöopathischen Behandlung. Die Ergebnisse zahlreicher placebokontrollierter Studien sowie Experimente aus der Grundlagenforschung sprechen darüber hinaus für eine spezifische Wirkung potenzierter Arzneimittel.“, um dennoch festzustellen „Während die konventionelle Entwicklung von Medikamenten auf Forschung beruht, die sich dann der medizinischen Praxis stellen muss, ist die Homöopathie in erster Linie eine erfolgreiche medizinische Praxis, die sich der wissenschaftlichen Forschung stellen muss.“

Aber die Replik des Informationsnetzwerkes lässt nicht lange auf sich warten – „Der Reader enthält prinzipiell überhaupt keine neuen Informationen. Es handelt sich um teils seit Jahren bekannte Studien, Erhebungen und Gedanken. Wir fragen uns, warum also eine neue und so groß beworbene Veröffentlichung nötig ist.“ – und weiter: „Der Forschungsstand wird für homöopathische Verhältnisse zwar recht treffend beschrieben, aber wieso dieser nun plötzlich ausreichend Beleg sein sollte für eine spezifische Wirkung der homöopathischen Arzneimittel, ist nicht nachvollziehbar.“, denn „Es gibt keine Grundlagenforschung zur Wirkung homöopathischer Arzneimittel, die nachvollziehbar wissenschaftliche Evidenz aufweist. Es bleibt bei den bekannten Ergebnissen, die entweder als wissenschaftliche Unredlichkeit oder als nicht reproduzierbare Pseudoergebnisse erwiesen sind bzw. als Inanspruchnahmen nicht- oder halbverstandener Forschungsergebnisse aus fachfremden Forschungsbereichen.“

Die Homöopathen reagieren säuerlich – Unredlichkeit lässt man sich ungern attestieren. Im weiteren wird der o.g. Reader nochmals zusammenfassend dargestellt und gehuldigt, man möchte die Versorgungsforschung dem Wirksamkeitsnachweis vorziehen – was dem wissenschaftlichen Denken zuwiderläuft. Es wird bemerkt: „Fakt ist, dass die Verschreibung von Arzneimitteln in der Homöopathie individualisiert erfolgt. Prinzipiell (und nur etwas vereinfacht) kommt also jedes Mittel für jede Indikation in Frage.“, und Studiennachweise zu Einzelpräparaten seien so kostspielig, dass sie nicht durchführbar seien. Aber das sei ja auch nicht nötig, denn „in diesem Kontext wird verständlicherweise für registrierte homöopathische Arzneimittel kein Wirksamkeitsnachweis gefordert. Durch die Registrierung als Arzneimittel sind Herstellungsqualität und Unbedenklichkeit gesichert.“ Was nichts anderes heißt als: Unsere Mittel benötigen keinen Nachweis der Wirksamkeit, der Gesetzgeber hat sie durchgewunken, also dürfen wir sie an Patienten ausprobieren.

Es folgt die Replik der Replik – jetzt wieder das INH: „Nun sind wir vom Informationsnetzwerk Homöopathie (INH) zwar nicht der Meinung, dass man neue Studien (RCTs) benötigt, um den Glaubenskrieg um die Homöopathie endlos weiterzuführen. Die Schlacht ist geschlagen, seit 200 Jahren, zuletzt noch einmal umfassend im Jahr 2015, als die australische Gesundheitsbehörde ihre mehrere Hundert Seiten starke, aber von der WissHom ignorierte Analyse der Nachweislage vorgelegt hat. Dort sind, ebenso wenig wie in irgendeiner anderen der von der WissHom angeführten Übersichtsarbeiten, keinerlei hinreichende Belege gefunden worden, die eine Anwendung der Homöopathie für irgendeine Indikation rechtfertigen würden.“ Unredlichkeit sei ein Urteil, dass jeder für sich selbst treffen muß – das Netzwerk möchte aufklären.


So ist der aktuelle Stand der Diskussion – wir dürfen beiden Seiten Gelassenheit attestieren – und ausreichend Aufmerksamkeit in der entsprechenden Anhängerschaft.

Der DZVhÄ bleibt seinem Standpunkt treu, dass die Füße der Patienten entscheiden und der vertrauensvoll-naive Glaube in die „Heiler“. Währenddessen setzt das Netzwerk Homöopathie auf Aufklärung, auf das nüchterne Betrachten wissenschaftlicher Fakten – und auf eine Neubewertung der Homöopathie z.B. durch eine politische Entscheidung, die Glaubuli aus dem Sonderstatus der „besonderen Therapierichtung“ in der Medikamentenforschung in Deutschland herauszunehmen – um einen Nachweis zu erwirken. Oder eben nicht.

Gelesen im Juni

6 Uhr 41 von Jean-Philippe Blondel
(Übersetzt von Anne Braun)
Ein Roman über die Begegnung zweier ehemals Liierten in einem Personenzug, sie setzen nebeneinander, der eine wagt nicht, den anderen erkannt zu haben und umgekehrt, es gibt Rückblenden beider Leben und am Ende gehen sie doch haarscharf aneinander vorbei. Stylistisch hübsch geschrieben, auch die Idee ist nett – aber ganz ehrlich: Am Ende blieb nur heiße Luft. (2/5)

Der Ruf des Kuckucks von Robert Galbraith (d.i. J.K.Rowling)
(Übersetzt von Wulf Bergner, Christoph Göhler und Kristof Kurz)
Ich kann die Kritiker verstehen. Wir alle wollen ein Buch im Harry-Potter-Style lesen, eine Pageturner, mit viel Fantasie und literarischer Magie. Der „Kuckuck“ ist der Pseudonymroman von JK Rowling und eine nette Fingerübung der Erfolgsautorin. Ein solider „Whodunit“-Krimi in klassisch englischer Manier mit einem interessanten Charakterkopf als Detektiv und seiner neuen Assistentin. Viele Dinge wirkten vorhersehbar, vor allem die Beziehung der zwei Protagonisten, die Auflösung des Falles war irgendwann klar, entsprechend lasch war der Spannungsbogen gehalten. (3/5)

Unheilpraktiker: Wie Heilpraktiker mit unserer Gesundheit spielenvon Anousch Müller
Hierüber habe ich schon geschrieben. (5/5)

Der goldene Handschuh von Heinz Strunck
(Hörbuch, gelesen von ihm selbst)
Eklig, richtig eklig das Buch. Ich bin ja als Arzt hartgesotten und mache auch vor Splatterfilmen nicht halt, ertrage vielleicht auch die Fantasien von Massenmördern, aber dieses Buch ist … eklig. Wahrscheinlich zieht das Buch seine Faszination jedoch aus der Wirklichkeit, aus der Zeitlosigkeit, daraus, dass die ganze Geschichte des Frauenmörders aus Hamburg auch in der heutigen Zeit stattfinden könnte. Brilliant die Balance zwischen Abschreckung und Sympathie für den gefallenen Mann, wunderbar gelesen vom Autor selbst – wieder ein Hamburger, der sein Buch selbst liest. Das kann schief gehen, weil unfreiwillig komisch, hier aber macht es einen guten Teil der Spannung aus. Trotzdem eklig. (4/5)

Der Pfau von Isabel Bogdan
(Hörbuch gelesen von Christoph Maria Herbst)
Frau Bogdan schrub ein Buch – viel besser als JK Rowling in ihrem Metier umschreibt sie die Klischees eines Herrenhauses in den Schottischen Highlands, dem schrulligen Hausherrn, seiner resoluten Frau, dem kompetenten Gärtnerfaktotum, der hilfsbedürftigen Haushaltshilfe. Dazu die versnobbten Banker aus London, die ein Teambuildingwochenende im Herrenhaus abhalten, geführt von der gestrengen Frau Chefin. Dass am Ende alle ein bißchen anders wurden, weil alles ein bißchen anders lief als gedacht, das macht den Gag des Buches aus. Schöne Urlaubslektüre in Schottland. Den Vorleser CM Herbst muß man nicht erwähnen, er bringt diesem Hörbuch den fünften Stern. (5/5)
Ach, und dann ist da noch der Pfau. Der arme Pfau.

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Kostenübernahme für Neurodermitismedikamente jetzt!

„Die Neurodermitis (Atopisches Ekzem) ist die häufigste chronische Hauterkrankung im Kindes- und Jugendalter. Sie setzt sich in vielen Fällen aber auch im Erwachsenenalter fort und wird begleitet von einer Reihe von Komorbiditäten wie Asthma bronchiale, Heuschnupfen, Nahrungsmittelallergien, z.T. aber auch Depressionen und Hyperaktivitätssyndrom.

Die Lebensqualität der Betroffenen wird dadurch erheblich beeinträchtigt. Direkte und indirekte Belastungen und damit nicht zuletzt auch Kosten sind dadurch hoch.

Ursache der Erkrankung ist sehr häufig eine Störung der Hautdurchlässigkeit (Barrierestörung). Durch diese ist die Abwehrfunktion der Haut gegenüber Allergenen und Umwelteinflüssen verschlechtert. Dieses Problem lässt sich therapeutisch durch eine nebenwirkungsfreie Basistherapie mit wirkstoff- und konservierungsstofffreien Cremes/Salben deutlich verbessern. Auf Grund der hohen Kosten wird diese aber in Deutschland nur mangelhaft umgesetzt.
Unverständlicherweise werden die Kosten für die oft teurere und mit Nebenwirkungen behaftete Therapie mit Medikamenten problemlos von den Kassen übernommen, während sich die Kostenträger bzgl. der Basistherapie auf den falschen Standpunkt zurückziehen, es handele sich hier um eine reine Hautpflege.

In einer kürzlich online gestellten Leitlinie zur Neurodermitistherapie, an der die mit der Neurodermitis beschäftigten Fachgesellschaften mitgearbeitet haben, werden alle wesentlichen Behandlungsmöglichkeiten bewertet. Die für den Patienten kostenintensive Basispflege entspricht auch nach dieser Einschätzung eindeutig einer kausalen Basistherapie. Daher ist zu fordern, dass eine gesetzliche Regelung zur Kostenübernahme durch die Krankenkassen geschaffen wird. Bisher werden die Kosten für die wichtige Basistherapie zur Wiederherstellung der Hautbarriere Jugendlichen ab 12 Jahren und Erwachsenen nicht von den Krankenkassen erstattet.“


Eine Pressemitteilung der Gesellschaft Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin
Leitlinie Neurodermitis-Therapie

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Ein ähnliches Problem gibt es auch bei den Antiallergika bei Heuschnupfen und allergischer Konjunktivitis – die entsprechenden Medikamente sind i.d.R. frei verkäuflich, teuer, und sie werden eben nicht von den Krankenkassen bei über 12jährigen übernommen, wie alle OTC(over-the-counter)-Präparate.

Die Folge ist: Die Medikamente werden gar nicht gekauft, oder aber sehr sparsam eingesetzt, was bei Heuschnupfen und Neurodermitis eher zu Folgeproblemen führt: Bei letzterer ist die Basishautpflege essentiell. Unterbleibt sie, müssen die Betroffenen häufiger zu Akuttherapeutika wie Cortisonen oder Immunmodulatoren greifen, die wiederum rezeptpflichtig, aber auch teurer sind, die dann die Kassen wieder übernehmen. Das tägliche Brot, das tägliche Krankenkassenärgernis: Präventive Medizin wird verhindert, weil nicht bezahlt, so daß Folgeprobleme entstehen, die langfristig die Solidargemeinschaft viel teurer zu stehen kommen.

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