Verflixt verstopft

„Verstopfung bzw. Obstipation ist weltweit eines der häufigsten Probleme bei Kindern. Von Verstopfung spricht man, wenn u.a. weniger als 1-2 Stühle pro Woche entleert werden, die Stühle selber hart und fest sind oder die Stuhlentleerung schmerzhaft ist und gelegentlich ein Kotschmieren in der Unterhose beobachtet wird.

Bei Kleinkindern bis zum Alter von 4 Jahren muss diese Störung wenigstens einen Monat angehalten haben, bei älteren Kindern wenigstens 2 Monate, um von einer chronischen Obstipation zu reden. „In der Regel ist die zugrunde liegende Störung einer Verstopfung funktionell, d.h., es liegt keine organische Ursache im Sinne einer Fehlanlage oder Fehlfunktion des Darmes vor. Obstipation ist in der Regel eine Folge von u.a. falscher Ernährung und von zu wenig Bewegung“, erklärt Dr. Ulrich Fegeler, Kinder- und Jugendarzt sowie Mitglied des Expertengremiums des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). „Nur bei Säuglingen bis zu einem Alter von 6 Monaten ist besondere Aufmerksamkeit notwendig, da hier organische Störungen häufig sind.“  Fegeler empfiehlt, dass Kinder mit Verstopfung früh genug dem Kinder- und Jugendarzt vorgestellt werden, damit dieser über die Erfragung der Ernährungsgewohnheiten, der Anzahl der Stuhlentleerungen und der Stuhlkonsistenz Rückschlüsse auf die Ursache ziehen und eine Chronifizierung der Verstopfung verhindern kann. Sehr häufig liegen Ernährungsfehler vor, wobei meist eine zu schlackenarme Ernährung angeboten wird. „Reichlich Obst und Gemüse sowie Vollkornprodukte in der Ernährung sorgen für genügend Ballaststoffzufuhr und können einer Verstopfung vorbeugen. Auch ausreichend Flüssigkeit ist wichtig, um eine Darmentleerung zu fördern. Darüber hinaus ist Pflaumen-, Birnen-, Ananas- und Apfelsaft, die alle einen hohen Sorbitgehalt haben, empfehlenswert“, rät der Kinder- und Jugendarzt.

Doch liegt bereits eine Verstopfung vor, muss zunächst der in den untersten Darmanteilen verfestigte Stuhl entleert werden. Hierzu bieten sich Medikamente an, die im Darm verbleiben und nicht resorbiert werden. Sie binden Wasser und weichen dadurch den Stuhl auf. Hierzu zählen Polyethylenglykol (Macrogol) und Sorbit. Bei gleichzeitiger Ernährungsumstellung auf ballastreiche Ernährung sollte es zu einer guten und schmerzfreien Stuhlentleerung kommen. „Allein nur Ballaststoffe bei einer bereits vorliegenden Verstopfung zu geben, ohne diese zunächst zu entfernen, ist nicht empfehlenswert“, erläutert Fegeler. „Ein solches Vorgehen verursacht eher starke Blähungen.“

Mit etwa 1 Jahr, wenn feste Nahrung eingeführt wird, während des Toilettentrainings und bei Kindern im schulpflichtigen Alter, die während des Unterrichts auf den Toilettengang verzichten, sind „typische“ Phasen für die Entwicklung einer Verstopfung. Bauchschmerzen, Krämpfe oder Übelkeit, Kotspuren in der Unterwäsche, schlechter Appetit können Anzeichen dafür sein. Neben einer Ernährungsumstellung und mehr Bewegung können regelmäßige Toilettengänge zu einem bestimmten Zeitpunkt den Stuhlgang wieder normalisieren. „Bei Anzeichen einer Verstopfung sollten Eltern immer den Kinder- und Jugendarzt zurate ziehen. Liegt keine andere Krankheit vor, muss ein Teufelskreis verhindert werden. Denn je länger der Stuhl im unteren Darmtrakt bleibt, desto größer, fester und trockener wird er. Dann wird die Entleerung immer schwieriger und schmerzhafter. Das Kind hält den Stuhl aus Angst vor Schmerzen immer mehr zurück“, warnt Dr. Fegeler.

Mit zunehmendem Alter nimmt die „normale“ Stuhlhäufigkeit ab. Säuglinge machen beispielsweise bis zu fünf Mal am Tag die Windel voll, Erstklässler gehen durchschnittlich ein- bis zweimal am Tag auf die Toilette. “

Quelle: AAP, Healio – Infectious Diseases in Children, Paediatr Paedolog
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Dies ist eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V.

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Durchblick

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Ich: „Und seit wann hast Du die Kopfschmerzen?“
Erik-James: „Jetzt am Wochenende und am Ende der Schule.“
Ich (nach zahlreichen neurologischen Anamnesefragen und entsprechender Untersuchung): „Dann solltest Du mal zum Augenarzt gehen, vielleicht brauchst Du eine Brille.“
Vater: „Oh, eine Brille hat er.“
Ich: „Achso?“
Vater: „Ja, schon seit einem halben Jahr.“
Ich: „Aber Du hast sie jetzt nicht dabei.“
Erik-James: „Soll ich nur in der Schule tragen oder bei den Hausaufgaben.“
Ich: „Warst Du denn heute in der Schule?“
Erik-James: „Ja.“
Ich: „Und jetzt hast Du wieder Kopfweh?“
Erik-James: „Ja, seit der sechsten Stunde.“
Ich: „Brille nicht getragen?“
Erik-James: „Nee.“
Ich: „Ok. Letzte Frage. Ich glaube, ich kenne schon die Antwort.“
Vater: „Ja?“
Erik-James: „Ja?“
Ich: „Warum hast Du denn Deine Brille vor einem halben Jahr bekommen?“
Erik-James: „Ich hatte immer so Kopfweh…“

(c) Bild bei Pixabay/RondellMelling (Creative Commons)

Warum ich blogge.

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Das ist alles erstunken und erlogen, die Sache mit dem Tagebuch, dem Loslassen vom Alltag, dem Ventilieren von Patienten in den Blogposts oder dem alleinigen Informieren von interessierten Patienten oder Eltern auf anderen Ebenen als in einem Gespräch oder einem großspurigen Ratgeberbuch. Ich will auch nicht unterhalten oder den Leser zum Schmunzeln, Lachen, Fremdschämen oder Ärgern anregen. Geld verdienen liegt nicht in meinem Interesse, nicht das Ablenken von den Prokastinationen des Alltags oder dem räudigen Haushalt. All das liegt mir fern. All das erzähle ich nur in Interviews, wenn die Frage kommt, “Warum bloggst Du?”
Ich blogge, um zu kommunizieren.

Bloggen ist all das wie oben geschreiben und alles das nicht.
Letztendlich geht es um ein Mitteilungsbedürfnis. Das setzt zwei Personen voraus, den Blogger und den Leser. Das Bedürfnis zur Mitteilung hat der Blogger, der Leser die Neugier, was der Schreiber auszuplaudern hat. Gibt es Geheimnisse oder Leaks in der Medizin, in der Juristerei, im Taxigewerbe oder im Familienleben? Dann her damit, schreibt davon, Ihr Blogger, und lest darin, Ihr Leser.

Begonnen hat alles ganz klein mit wenigen Sätzen, mit grossen Pausen, mit unspektakulären, gelangweilten Posts, die lediglich den empty space füllen sollten. Du schreibst am Anfang ins Leere hinein, ins Blaue, ins Nirwana, in die graue Materie des Internets. Du kannst nicht erwarten, dass Dein Blog jemand liest, also können Deine Motive nicht die obigen sein. Denn Ziele sind, jedenfalls die hoch- und weitgesteckten, nicht erreichbar. Also vergiss es einfach.
Und an diesem Punkt enden dann die meisten Blogger. Vielleicht hätte ich auch irgendwann aufgegeben, wenn nicht tatsächlich nach ein paar Wochen (na, es waren eher Monate) eine erster einzelner Leser geantwortet hätte. Denn nichts anderes ist der Kommentar, eine Antwort auf die Frage des Blogposts “Liest das hier jemand”?

Bloggen ist Kommunikation
Nur das, und all das. Sonst könnten wir alle in unser analoges oder digitales Tagebuch schreiben, ins Moleskine, in irgendeine Evernote- oder OneDay-App. Bloggen kann nicht nur bloße Information sein, dann wäre ein Buch das Richtige oder eine Ratgeber-Homepage, wer ohne Kommentarfunktion bloggt, der bloggt nicht, der passiviert. Und all die zahlreichen “Blogs”, die als Ableger von Verkaufsseiten installiert werden, weil man das eben heute so macht, sind nur Werbemanöver ohne Kommunikation.

So ehrlich musst Du als Blogger sein: Du lässt Dich gerne lesen. Du freust Dich über ein freundliches Wort in der Kommentarfunktion, über ein wenig Senf, über Schärfe, über Kritik, denn Polarisieren heißt, besprochen zu werden, antworten zu können (wenn es die Zeit zulässt). Der Leser darf passiver agieren, er muss nicht kommentieren. Aber gerne machen es manche schon, denn auch sie möchten gerne quatschen, um dem Gegenüber näher zu sein, näher, als man sonst einer Familienmutter, einem Taxifahrer oder Rettungssanitäter kommen kann. Trolle gibt es auch, ja, aber die werden wir alle ignorieren.

Also denn, Ihr Blogbeginner:
– Schreibt, was Ihr schreiben möchtet, erzählt von Eurem Leben, Eurem Beruf, Eurer Leidenschaft.
– Habt einen langen Atem, wenn Ihr gelesen werden wollt. Der Eisberg beginnt am Boden, die Wasseroberfläche erreicht man erst langsam.
– Erwartet zunächst keine Kommentare, aber begrüßt sie mit offenen Armen.
– Seid selber Blogleser und -kommentatoren, das ist die beste Werbung für die eigene Arbeit. Besser als der versteckte Link zum eigenen Schaffen.
– Schreibt stetig und regelmäßig, das erhält die Freundschaft.
– Vergesst SEO, Tipps zur perfekten Überschrift oder die beste Hookline – Ihr seid das Blog, nicht die Klickzahlen.
– Verbiegt Euch nicht. Alle sprechen über Authentizität, also bleibt wahrhaftig. Falsche Versprechungen oder versteckte Werbung sind bäh. Und sucht nicht nach Eurer Zielgruppe, und was sie lesen mag: Sie findet Euch.

Und Ihr Leser:
– Seid freundlich und interessiert.
– Auch wenn ein Blog ein öffentliches Medium ist, seid Ihr im Blog Gast, also seid entsprechend.
– Erwartet keine (schnellen) Reaktionen, Blogger sind selten hauptberuflich Blogger. Da gibt es noch ein Leben daneben. Es gibt immer viele Leser im Blog, aber nur einen Blogger. Die Perspektive ist eine andere.
– Wenn Euch ein Blog nicht gefällt, sucht weiter, es gibt genug davon. Trolle werden ignoriert.

Aber vor allem: Habt alle Spaß.
Stay tuned, Euer kinderdok.

Gesucht Gefunden

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Ok, Ihr habt gesucht und meinen Blog via Google gefunden – aber vielleicht nicht die passende Antwort. Hier ein paar Versuche Eurerseits und meinerseits, nicht ganz ernst gemeint:

infektionsgefahr baby ubahn – Dürfte eher gering sein, außer: Das Baby hustet die anderen an. Säuglingsviren sind echt fies für Erwachsene.
engelwurzbalsam vierjährige auch nachts – nicht mal nachts, weil auch dann ohne Wirkung. Riechen tuts gut, ja.
kostenübernahme cremes neurodermitis – Pflegecremes, also die der normalen Grundpflege, sind immer selbst zu bezahlen. Sind allerdings therapeutische Inhaltsstoffe drin, z.B. Cortison oder Harnstoff, kann das rezeptiert werden. Nach Entscheidung des Docs.
ausscheitung von heller flüssigkeit jungen aus dem penis kleinkind – Nunja. Urin? Also, wenns gelb ist. Ansonsten wäre noch an Urin zu denken. Oder Urin.
sohn fummelt mir inmer im ausschnitt – Dazu schreibe ich lieber nichts, da habe ich mir schon mal die Finger verbrannt.
fiebersaft schlafendem kind geben – Nicht. Nicht. Nicht nötig. Weil: Das Kind schläft. Und schlafende fiebernde Kinder müssen nicht ihr Fieber senken. Weil: Sie schlafen.
säugling wo wird geimpft bein oder hand – An der Hand nie, auch nicht beim Erwachsenen. Beim Säugling immer in den Vastus lateralis, also den grossen Oberschenkelmuskel, vorne seitlich, im 45-Grad-Winkel.
bei grippenimpfung aspirieren – Nein. Aspiriert wird bei Impfungen schon lange nicht mehr: Tut weh und ist unwichtig und verlängert den Impfvorgang unnötig.
osteopathischer plattfuss – Ja, der würde mich jetzt auch interessieren. Dann hätten wir mal was den ersten Kunstfehler.
was zur u3 mitnehmen – Das Kind, das Vorsorgeheft, ein wenig Zeit, etwas zum Unterlegen, eine Liste mit Fragen, eine oder zwei oder drei Wechselwindeln, die Versichertenkarte oder einen entsprechenden Nachweis.
klamotten wechseln nach arztbesuch – Ja, das macht Sinn. Genauso, wie nach dem Kindergarten, dem Einkaufen oder dem Besuch beim Opa.

Herbstzeit ist Verbrennungszeit

 

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Ich hätte nicht gedacht, dass ich dieses Blogpost mal in der Herbst- oder Winterzeit schreiben muss, weil: Verbrennungen kommen vor allem im Sommer vor. Beim Grillen nämlich, beim unbeobachteten Umgang mit Spiritus oder anderen Grillanzündern, ganzjährig beim Umgang mit heißem Wasser zum Tee- oder Kaffeekochen. Ganz doof auch: Das früher geübte Inhalieren über der heissen Wasserschüssel, mit Kamille oder irgendwelchen ätherischen Ölen. Don´t do that.

Verbrennungsquellen im Herbst und Winter? Klar, Heizungen und Öfen. Alleine in den letzten zwei Wochen haben wir in der Praxis sechs Kleinkinder versorgt, die mit ihren Fingern an freistehende Öfen gefasst haben, eines hatte sich am Auflaufrohr einer Heizung verbrannt. Für alle Familien überraschend und ein schreckliches Ereignis.

Deshalb ist Vorbeugung so wichtig:
– Zunächst bewusst machen, wo Gefahrenquellen lauern, also mit offenen Augen (und auf den Knien) durch die Wohnung oder das Haus gehen und *hinsehen*.
– Regulierbare Heizapparate gar nicht erst zu heiß stellen (macht sowieso zu trockene Luft – schlecht für die Atemwege)
– Heiße Rohre abisolieren (spart außerdem Energie)
– Öfen und Kamine weiträumig sichern: Anlaufgitter aufstellen, offene Feuerstellen (ja, die gibt es immer noch) mit Funkenschutzgittern versehen
– Kindern die Kamine und Öfen als absolute Tabubereiche vermitteln, genau wie Steckdosen, hier richtig streng sein und keine Kompromisse eingehen („da ist er noch nie dran gegangen“) – das Tabu muss stärker sein als die Neugier

Meist geht das Verbrennen an Heizungen recht glimpflich ab: Nur die Finger oder Handflächen berühren die heißen Platten, Glasabdeckungen oder Rohre, die Kinder schrecken hoffentlich dank des eingebauten Schutzreflexes schnell zurück (funktioniert bei unter Einjährigen oft nicht so gut), so dass die Hitze sofort weg ist von der Haut. Anders ist das bei Flüssigkeiten oder Brennspiritus.

Daher haben die Kinder „nur“ verbrühte Fingerkuppen oder Handflächen. Schlimm genug, denn Hände sind für uns Menschen Inbegriff des Erfassens und Erfahrens, wer ein Kleinkind mit Gips oder Handverbänden erlebt hat, weiß, wie schlimm das für das tägliche haptische Erleben ist.

Ist es nun doch passiert, bewahrt bitte einen kühlen Kopf. Die Hände oder andere verbrannte Körperregionen werden vorsichtig gekühlt, am besten unter fließend handwarmen Wasser oder mit einem Kühlpäckchen (dieses aber in einem Handtuch verpackt, um nicht noch Frostbeulen zu provozieren). Kühlen wenigstens zwanzig bis dreissig Minuten aufrechterhalten, dann könnt Ihr zum Arzt oder ins Krankenhaus fahren, um die verbrannten Flächen verbinden zu lassen.
Wir versorgen dann nach Verbrennungsgrad. Leichte Rötungen können offen belassen werden oder mit Panthenol versorgt werden, blasige Verbrennungen werden gesäubert und steril abgedeckt und verbunden, in aller Regel mit einem Gitterverband und einer Wundcreme. Blasen an Fingern und Handflächen werden nicht künstlich eröffnet, außer sie stünden unter starker Spannung durch darunter entstandener Wundflüssigkeit, dann wird diese abgelassen, das Blasendach erhalten wir aber, es ist der beste Schutz für Infektionen. Verbandswechsel führen wir alle zwei Tage durch, bis eine gute Granulierung der Wunde eingesetzt hat, meist erkennbar am Ablösen des alten Blasendaches. Das dauert ungefähr zehn Tage.

Erspart den Kindern aber diese Prozedur – beugt vor! Und sagte es allen weiter: Winterzeit ist auch Verbrennungszeit – also Finger weg von Öfen und Heizungen.

Tag des Brandverletzten Kindes mit weiteren Tipps

Einfache Verbrühungsregel

Eine Frage der Haltung

Teens

Seitdem wir vermehrt in letzten Jahren die neuen Vorsorgen U10 und U11 mit 7/8 Jahren bzw. 9/10 Jahren durchführen, haben wir auch größeres Augenmerk auf die Körperhaltung der Kinder. Frühertm sahen wir viele unserer Patienten im Grundschulalter seltener, zur Vorsorgeuntersuchung sogar erst wieder im Jugendalter mit der J1 (ca. 12/13 Jahre).
Dabei ist das spätere Grundschulalter mit teils beginnender Pubertät und dem damit verbundenen Wachstumsschub eine sehr filigrane Zeit, die an der Wirbelsäule einiges kaputt machen kann, wenn die Kinder, die Eltern und letztendlich wir nicht aufpassen.

„Haltung“ ist ein unschätzbares Gut. Auch wir Eltern haben das von unseren Eltern gehört: „Sitz gerade, halte Dich gerade, Dein Rücken wird krumm, wie lümmelst Du schon wieder rum?!“ und dergleichen. Das hat seine medizinische Berechtigung, auch wenn unsere Eltern vielleicht eine anderes Motiv für ihre Forderungen hatten. Wer rumlümmelt, hat schließlich auch eine schwache Haltung dem Leben gegenüber. Naja.

Bereits Anfang dieses Jahrtausends beschäftigten sich Orthopäden und Pädiater mit dem Einfluss von Medien auf die Haltung der Kinder, da waren Handys noch gar nicht so verbreitet – weitere Studien hierzu werden nicht lange auf sich warten lassen.
Was auf jeden Fall bei den o.g. Vorsorgeuntersuchungen offensichtlich wird: Wer Sport treibt, hat die deutlich bessere Körperhaltung, egal, ob es sich um eine Fußballerin dreht oder einen Ballettänzer. Frage ich immer: „Was machst Du sonst in Deiner Freizeit? Sport? Musik?“ Schade, wenn dann als Antwort kommt, man habe keine Zeit für so etwas. Diese Kinder und Jugendlichen sind meist nicht nur dicker als andere, sie sind vor allem unbeweglicher, haben einen schlechteren (Einbein-/Zehen-)Stand und versagen in einfachsten Koordinationsübungen (Hampelmann, Seitsprung oder Balancestand). Die Rückenmuskulatur ist schwach ausgebildet, dadurch die Führung der darunterliegenden Wirbelsäule eingeschränkt, kommt nun noch eine wenig beachtete Grundhaltung dazu (bei Hausaufgaben, in der Schule, Tragen einer Schultertasche), entstehen Haltungsschäden, die sich bei J1 in Skoliosen oder Rundrücken zeigen.

Achtet mal auf Eure heranwachsenden Kids, insbesondere beim Übergang ins zweite Lebensjahrzehnt, wenn der erste Wachstumsschub kommt, sich die ersten sekundären Geschlechtsmerkmale zeigen: Viele Jugendliche halten sich an sich selbst fest, d.h. sie verschränken die Arme, sie stützen sich mit einer Hand in der Hüfte ab, sie schieben die Hände in die Hosentaschen (vorne oder hinten, oder wie letztens gesehen, eine vorne, eine hinten). Das mag zunächst wie Schüchternheit wirken, wie Unzufriedenheit oder Unsicherheit mit dem eigenen Körper, vielfach ist es aber eine schwach ausgebildete muskuläre Grundhaltung. Sportler, insbesondere Kampfsportler, aber auch Tänzer- und Tänzerinnen oder Chorsänger stehen ganz anders da, weil ihre Betätigung das so fordert.

Brust raus, Nase hoch, Schultern ein wenig zurück (ohne gleich ins Hohlkreuz zu verfallen) sind einfache Ausrichtungen, um den Kindern eine gute Körperhaltung zu demonstrieren. Wer sich sonst schwer tut, stellt sich in einen guten Stand, nimmt die Arme gerade nach oben und hält sie dann waagerecht nach rechts und links. Nach einer kurzen Ausrichtung lässt man jetzt die Arme langsam zu beiden Seiten des Körpers herabsinken, ohne die Schultern nach vorne zu verschieben – et voilà, das ist eine gerade Grundhaltung. Probiert es mal aus.

Haltung hat natürlich etwas mit Haltung zu tun, mit Selbstvertrauen, mit eigener Meinung und eigener Haltung zu den Dingen. Präsenz in einer Gruppe geht mit Körperhaltung einher, nicht mit Hochnäsigkeit, sondern mit Standfestigkeit, mit einem guten sicheren Blick auf die Welt. Als Eltern sollten wir das vorleben, nicht mit verbalen Ermahnungen, nicht so rumzulümmeln, sondern mit einer eigenen Geradlinigkeit und Rückgrat.

(c) Bild bei Flickr/Leslie Duss (unter CC Lizenz)

Tolle Spritze

thumbs up

Mutter, Kinderdok, Bobele (knapp sechs Jahre alt) – Letzterer strahlt mich an, als er durch die Türe kommt.

Bobele: „Oh, das ist aber alles schön bunt hier.“
Ich: „Äh … ja, danke!“
Mutter: „Ja, er ist grad auf dem Loben-Trip. Alles ist toll und schön.“
Bobele: „Wow, das ist aber eine tolle Liege.“
Mutter: „Sehen sie?“
Ich: „Spitze. Mensch, Bobele, du bist aber nett zu den Leuten.“
Bobele grinst sich eins.
Ich: „Ok. Trotzdem gibts heute eine Impfung. Weißt du ja.“
Bobele: „Klar. Kein Problem.“
Ich: „Ok, also, Achtung. Eins – zwei – drei. … fertig.“
Bobele verklemmt sich eine Träne: „Aua. Das hat aber jetzt … “
Kurzes Schlucken.
Bobele: „Das hat gar nicht weh getan.“
Ich: „Siehste. Du warst richtig tapfer.“
Bobele: „Mmh. Ja. Das war eine gaaanz tolle Spritze.“

Schon recht, Bobele, jedes Loben darf mal ein Ende haben.

(c) Bild bei Flickr/Anthony Kelly (CC Lizenz)

Wenn Kinder Bauchweh haben, wird alles wichtig

Chronische Bauchschmerzen: Wichtige Beobachtungen für die Sprechstunde notieren

Chronische Bauchschmerzen haben meistens eine nicht-organische Ursache, doch ist es wichtig, dass der Kinder- und Jugendarzt die Beschwerden abklärt. Von chronischen Bauchschmerzen sprechen Experten, wenn diese seit mehr als zwei Monaten bestehen und die Bauchschmerzen mindestens viermal pro Monat auftreten.

Bei der Diagnose der Bauchschmerzen sind Beobachtungen der Eltern und die Auskunft der Kinder hilfreich. Kann Ihr Kind den Ort des Schmerzes nennen bzw. strahlt dieser aus? In welchen Zeiträumen treten die Beschwerden auf, und häufen sie sich zu bestimmten Tageszeiten oder nach dem Essen? Leidet das Kind unter Erbrechen? Wie ist der Stuhlgang – leidet Ihr Kind unter Durchfall, Verstopfung, ist Schleim oder Blut beigemengt? Wichtig sind auch die Ernährungsgewohnheiten: Trinkt Ihr Kind viel Milch oder Fruchtsäfte, isst es viel Früchte oder konsumiert es evtl. viel Süßstoff – z.B. über Getränke? Hat Ihr Kind Schluckbeschwerden? Oder quälen Ihr Kind irgendwelche Probleme? „Um dem Kinder- und Jugendarzt bei der Suche zu helfen, können sich Eltern zu diesen Punkten vor der Sprechstunde Notizen machen bzw. ein Protokoll führen. Darüber hinaus ist ein Protokoll der Ernährungsgewohnheiten sinnvoll, wenn eine Nahrungsmittelallergie vermutet wird“, empfiehlt Dr. Ulrich Fegeler, Kinder- und Jugendarzt sowie Mitglied des wissenschaftlichen Beirats beim Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Ohne eine medizinische Bestätigung sollten Eltern auf keinen Fall ihrem Kind eine Diät auferlegen. Denn dadurch können Mangelerscheinungen begünstigt werden.

Sind in der Familie chronische Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Zöliakie bekannt, muss der Kinder- und Jugendarzt ebenso davon wissen. „Sind körperliche Ursachen unwahrscheinlich bzw. ausgeschlossen, handelt es sich bei den chronischen Bauchschmerzen um sogenannte funktionelle Bauchschmerzen. Ursache sind Stress (z.B. Ängste unterschiedlicher Art, Schlaflosigkeit, zu viel Bildschirmkonsum, familiäre Spannungen etc.). Dann ist es wichtig, die Ursachen aufzuarbeiten, damit das Kind lernt, damit umzugehen bzw. andere Auslöser zu vermeiden“, beschreibt Dr. Fegeler das Vorgehen.

Funktionelle Bauchschmerzen nehmen mit zunehmendem Alter ab. Ist bei den 3- bis 6-Jährigen noch fast jedes vierte Kind davon betroffen, leidet weniger als jeder fünfte Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren darunter.

Quelle: MMW Fortschritte der Medizin

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Dies ist eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V.

Die Prinzessin mit dem Bart [irgendwie Werbung]

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Heute lest Ihr einen Gastbeitrag von Elisabeth, sie hat mir geschrieben und mich auf ein Crowdfundingprojekt hingewiesen, das ich hiermit gerne unterstützen möchte:

„Lieber Kinderdok,

es geht um ein Crowdfunding-Projekt des Kinderbuchautors Martin Auer, in das ich nicht involviert bin (wiewohl ich den Autor von ein paar Lesungen kenne und auch Freunde habe, die ihn wirklich gut kennen und entsprechend schätzen), das ich aber für ein sehr wichtiges und unterstützenswertes halte.

Dieses Buch WÄRE sein dreißigstes, seine bisherigen sind in renommierten Verlagen erschienen und er hat auch bereits einige Preise dafür bekommen, dieses Buch aber wollen die Verlage nicht herausbringen, weil angeblich die Zeit dafür noch nicht reif ist.

Das Buch, „Die Prinzessin mit dem Bart“, ist nämlich insofern anders, als der Prinz nicht die Prinzessin heiratet, sondern einen anderen Prinzen.

Daher versucht Martin Auer nun, es per Crowdfunding herauszubringen.

Mehr dazu vom Autor persönlich hier: https://www.startnext.com/prinzessin-mit-dem-bart oder das Video direkt auf Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=WvS5cGsSkC4&t=43s

Seine Mittel, die Idee öffentlich zu machen, sind sehr begrenzt, und er hat jetzt etwa 75% dank des Crowdfundings beisammen. Die Crowdfunding-Aktion läuft noch bis Mitte November, und es wäre schön, wenn er es noch schaffen könnte bis dahin, denn dann kann das Buch in den Druck gehen.

Ich habe mit dem Projekt nichts zu tun, er hat mich auch nicht darum gebeten, aber ich mache das aus Überzeugung.

Mit freundlichen Grüßen

Elisabeth“

Die Rettung allen Lebens

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Schon mal von dem Phänomen des „Großen Blutbildes“ gehört? Ärzte lieben es und treffen es tagtäglich in der Praxis an.

Wann immer ein Kind zweimal in vierzehn Tagen krank war, wann immer es ein wenig blässlich um die Nase wirkt, wann immer es zu dick, zu dünn, zu aufgedreht, zu ruhig ist, kommt die Frage nach einer Blutabnahme, nach dem erkenntnis- und heilbringenden Stich. „Ich glaube, sie hat was an der Schildrüse“, „vielleicht ist er ja allergisch“ und „Diabetes gibt es in der Familie“. Die Krönung des ganzen ist dann „Machen Sie doch mal ´Ein großes Blutbild`, wir haben noch nie Blut abgenommen, das kann es doch nicht sein!“

Doch, kann es. Ich hatte einen Oberarzt in der Facharztausbildung der die prägende Regel aufstellte „Untersuche nur das, was nötig ist und kreuze nur an, was Du später erklären kannst“. Anders gesagt: Blut abgenommen wird nur, wenn sich daraus ein Erkenntnisgewinn ergibt. Bin ich im Unklaren, ob es sich um eine virale oder bakterielle Infektion handelt? Habe ich Sorge, dass eine leukämische Reaktion der Grund für die tatsächlich offensichtliche Blässe des Kindes ist? Liegt vielleicht eine Thalassämie vor oder eine andere Anämie? Dann weist mich die klinische Untersuchung des Kindes in die entsprechende Richtung. Denn das kann „Das Große Blutbild“: Das Ergebnis der blutbildenden Organe aufzeigen – rote und weiße Blutkörperchen, deren Größe und Verteilung, die Blutplättchen. Keine Aussage zu anderen Organen, weder Leber, noch Niere, noch Schilddrüse.

Aber woher kommt die Vorstellung, dass das „Große Blutbild“ die Rettung allen Lebens sei? Ich kann mich erinnern, dass bereits meine Mutter vom Arzt kam mit den Worten „der hat ein großes Blutbild gemacht, alles ist gut“. In einigen Ländern ist eine regelmäßige Blutabnahme scheinbar tradiert, in Russland, in Polen wohl auch, keine Ahnung, ob das wirklich so ist, Familien von dort fordern das überdurchschnittlich häufig. Die Italiener suchen gerne nach Anämien, in arabischen Staaten sucht man nach Vitaminmängeln (die man nicht im „Großen Blutbild“ findet“).  (Kennt Ihr übrigens die Brüder im Geiste des „Großen Blutbildes“? – das sind „Die Blutsenkung“ und „Die Blutgruppe“.)

Vielleicht ist es in vielen Praxen wie mit den Rosa Rezepten – wer damit aus der Tür geht, wurde gut behandelt, wer nur ein paar warme Worte bekam und den Hinweis auf frische Luft und Hustentee, kann nicht gesund werden. Um Diskussionen zu verkürzen, macht der friedensliebende Doc eben „g´schwind ´n klaans Blutbuid“. Wenn der Kinderdok hingegen beim Kinde noch nie Blut abgenommen hat, scheint er wohl seine Arbeit nicht ernst zu nehmen.

Blutabnehmen kann traumatisierend für Kinder sein. Impfungen sind es schon genug. Warum soll ich also kleine Löcher in kleine Kinder bohren, womöglich unter Hilfe einer Arzthelferin, nur damit die Eltern zufrieden sind? Nichts anderes ist manchmal eine Blutabnahme: Schmerzen für das Kind, Beruhigung der Eltern. Ein kurativer Aderlaß. Aber ein unnötiger, wenn so inflationär durchgeführt, wie von Eltern gefordert. Bitte überlasst es uns, wann es nötig ist, „Das Große Blutbild“.

(c) Bild bei Flickr/PAHO (unter CC-Lizenz)

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