Wenn mal wieder die Nase juckt…


… ist Heuschnupfenzeit.

Und wenn ich aus dem Fenster schaue, dann wird es nicht mehr lange dauern, bis die ersten Kinder in der Praxis aufschlagen, um sich ihre bitter nötigen Medikamente zur Linderung der Beschwerden abzuholen. Wir sprechen von Heuschnupfen, professioneller von „Pollinosis“, also der allergischen Reaktion auf Pflanzenpollen, insbesondere Gräser- und Baumpollen.

Betroffene Patienten haben ab Beginn des Frühlings jährlich wiederkehrende Beschwerden, dabei reagieren Nasen- und Augenschleimhäute allergisch auf die feinen Pollen in der Luft. Zu allem Übel kann es ganzjährig zu so genannten Kreuzallergien kommen, d.h. Pollenallergiker reagieren oft auch auf Nahrungsmittel.

Was tun?

Den Auslöser definieren:
– Also z.B. einen Allergiekalender führen, indem der Patient oder die Eltern die Beschwerdetage eintragen, diesen abgleichen mit Pollenflugkalendern im Internet oder oldfashioned zum Arzt mitbringen.
– Einen Allergietest druchführen lassen: z.B. einen Prick-Hauttest oder (bei kleineren Kindern) einen RAST-Test.

Das Allergen meiden: Leichter gesagt als getan, fliegen doch die Pflanzenpollen mitunter kilometerweit. Dennoch kann man bestimmte Dinge tun, um die Pollenbelastung zu minimieren:
– Urlaub in pollenarmen Regionen: Meeresklima oder Hochgebirgsklima, auch Städteurlaub kann Linderung versprechen.
– Am Abend die Fenster geschlossen lassen und nicht die ganze Zeit lüften.
– Kleider, die am Tage getragen wurden, außerhalb des Schlafzimmers lassen, oder gleich in die Wäsche geben.
– Haare täglich abends ausspülen.
– Die Pollenbelastung ist auf dem Land eher morgens am höchsten, in der Stadt abends. Entsprechend sollte man das Lüftungsverhalten in der Wohnung anpassen.

Medikamente geben:
– Lokaltherapeutika wie Nasen- und Augentropfen
– Antiallergika in Form von Säften, Tropfen oder Tabletten.
– Letztere nimmt man vor allem dann ein, wenn die Allergie bereits Symptome zeigt. Nasen und Augentropfen kann man und sollte man besser prophylaktisch einsetzen, zum Beispiel am Morgen, bevor man überhaupt das Haus verlässt.
– Zurückhaltung mit diesen Medikamenten ist nicht empfehlenswert, da dies sonst den so genannten Allergiemarsch in die Bronchien (Asthma) fördert.

Allergieimpfung:
Ein umgangssprachlicher Ausdruck, der die so genannte Hyposensibilisierung beschreibt. Ähnlich einer Impfung werden die auslösenden Substanzen (Pollen) in hoher Verdünnung über Spritzen oder Tabletten über einen längeren Zeitraum hin verabreicht, so dass sich der Körper an die Allergene gewöhnen kann. In der tatsächlichen Pollensaison ist dann die Reaktion deutlich geringer oder bleibt komplett aus. Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen ist eine Hyposensibilisierung sehr erfolgsversprechend.

Rund um Allergien kreisen viele Gerüchte und Anekdoten. So können viele Allergien über die Jahre spontan besser, aber auch schlechter werden, viele Allergiker berichten von Spontanheilungen in der Pubertät oder sonst im Laufe ihres Lebens. Gerade bei Pollenallergikern ist das Ausmaß Allergie vom Klima abhängig. Jedes Jahr kann man spätestens im Mai beurteilen, ob ein starkes Allergiejahr ist.

Daher zur Ergänzung: Spontane Besserungen und Jahresschwankungen machen Pollenallergien zu dankbaren Aufgaben für die Alternativmedizin und Heilpraktiker: Zuckerkügelchen lassen die Beschwerden verschwinden oder sie verstärken sich (Erstverschlimmerung!), am Ende des Sommers sei alles wieder gut. Und wenn’s nicht geholfen hat, nimmt der HP ein anderes Mittelchen in anderer Verdünnung, über die Jahre werde es dann schon besser. Bei Kindern und Jugendlichen keine gute Idee: Jedes Jahr, indem die Pollinose nicht „gescheit“ behandelt wird, lässt die Chance auf ein allergisches Asthma steigen, ganz zu schweigen von den alljährlichen Akutbeschwerden, die die Kinder in der Konzentration und im Sport in Schule und Verein und der Freizeit leiden lassen.

Susannchen braucht keine Globuli

Übersicht Heuschnupfenallergie BVKJ und des Deutschen Allergie- und Asthmabundes

Volkskrankheit Allergien (Posting von 2015)

(c) Bild Susannchen beim Informationsnetzwerk Homöopathie

Offener Brief der AAP an Donald Trump

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Die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten wirft auch Schatten auf das Gesundheitssystem in den USA. Nicht nur, dass die Trumpsche Regierung das ambitionierte „Obamacare“ zumindest in Teilen wieder abschaffen will, besorgte Stimmen erinnern an Donald Trumps Einstellung zu Impfungen. So – as usual – twitterte er, Kinder bekämen zuviele Impfungen auf einmal über zu kurze Zeit und äußerte wiederholt den Verdacht auf Verbindungen zwischen Impfungen und Autismus. Autismus sei „epidemisch“, so Trump.

Im Januar kam es zu einem Treffen des da noch nicht vereidigten President-elect und dem Impfgegner Robert Kennedy jr., was das Gerücht nährte, dieser werde eine Kommission anführen, die den derzeitigen US-Impfplan infrage stelle. Der neue US-Gesundheitsminister Tom Price wiederum war bis 2016 Mitglied einer ultrakonservativen Impfgegnervereinigung von Ärzten (ganz zu schweigen von dessen  Einstellung gegen Abtreibung).

Die American Academy of Pediatrics AAP sah sich daher gezwungen, einen offenen Brief an dem amerikanischen Presidenten zu veröffentlichen, unterschrieben von zahlreichen Organisationen.

Hier die deutsche Übersetzung:


7. Februar 2017

President Donald J. Trump
The White House
1600 Pennsylvania Avenue NW
Washington, DC 20500

Sehr geehrter Mr President,

Im Auftrag von Organisationen, die Familien, Medizinanbieter, Forscher, Patienten und Verbraucher vertreten, schreiben wir [Ihnen], um unsere unmissverständliche Unterstützung für die Sicherheit von Impfstoffen auszudrücken. Impfstoffe schützen die Gesundheit von Kindern und Erwachsenen und retten Leben. Sie verhindern lebensbedrohliche Krankheiten, einschließlich Formen von Krebs. Impfstoffe sind seit Jahrzehnten Teil des [Lebens] in unserer Gesellschaft und gehören zu den bedeutendsten medizinischen Innovationen unserer Zeit.

Aufgrund der Einführung von Massenimpfungen wurden 1977 die Pocken in der Welt als ausgerottet erklärt. Polio, eine Krankheit, von der – vor Verfügbarkeit des Impfstoffes – regelmäßig 13000 bis 20.000 Amerikaner pro Jahr betroffen waren, wurde 1991 offiziell aus der westlichen Hemisphäre eliminiert. Weltweit verhindern Impfstoffe den Tod von etwa 2,5 Millionen Kindern pro Jahr (1). Und die Daten zeigen, dass gerade bei Kindern, die in den Vereinigten Staaten im Jahr 2009 geboren wurden, routinemäßige Impfungen ca. 42.000 frühe Todesfälle und 20 Millionen Krankheitsfälle verhindern werden, bei einem Einsparpotential von mehr als 82 Milliarden Dollar an gesellschaftlichen [Folge]Kosten (2).

Obwohl Impfstoffe die sicherste und kostengünstigste Art sind, Krankheiten, Behinderungen und Todesfälle zu verhindern, erlebt dieses Land immer noch Ausbrüche von impfpräventablen Krankheiten, wie der Masernausbruch in Disneyland im Jahr 2014 zeigte. Im Jahr 2012 wurden 48.277 Fälle von Pertussis (Keuchhusten) an das Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention (CDC) gemeldet, darunter 20 pertussisbedingte Todesfälle (3). Dies war die [höchste Rate an] Pertussisfällen seit 1955. Darüber hinaus werden jedes Jahr mehr als 200.000 Einzelpersonen ins Krankenhaus eingeliefert, und es finden sich 3.000-49.000 Todesfälle, aufgrund Grippe/Influenza bezogenen Komplikationen (4).

Behauptungen, dass Impfungen unsicher seien, wenn sie nach Expertenempfehlungen veabreicht werden, wurden durch eine solide Menge an medizinischer Literatur widerlegt, einschließlich einer gründlichen Überprüfung durch die Nationale Akademie für Medizin (früher Institut für Medizin). Angehängt an diesen Brief findet sich eine unerschöpfliche Liste von Studien, die die Sicherheit von Impfungen demonstrieren. Das Verzögern von Impfungen stürzt die Bürger unserer Nation nur in ein Krankheitsrisiko, insbesondere die Kinder. Als Nation sollten wir unsere Bemühungen verdoppeln, um notwendige Investitionen in die Patienten-und Familienerziehung der Bedeutung von Impfstoffen zu tätigen, damit die Rate der Impfungen unter allen Populationen erhöht wird.

Einfach ausgedrückt: Impfstoffe sind sicher. Impfstoffe sind wirksam. Impfstoffe retten Leben. Unsere Organisationen begrüßen die Möglichkeit eines Treffens mit Ihnen, um mit Ihnen die soliden [Fakten], umfangreichen wissenschaftlichen Beweise der Impfstoffsicherheit und Wirksamkeit zu teilen.

Mit freundlichen Grüßen,

[die] Nationale Organisationen


Es folgen acht (8!) Seiten von medizinischen Organisationen des gesamten Landes, insgesamt 350 verschiedene Abteilungen, die diesen offenen Brief unterstützen. Eine beeindruckende Übersicht, die man im Original gesehen haben muss.

Aber damit nicht genug: Auf den weiteren 17 Seiten findet sich eine schöne Zusammenfassung der AAP hinsichtlich Impfungen und unterstellten neurologischen Auffälligkeiten, Stoffwechselerkrankungen, Fieberkrämpfen und immer wieder Autismus, Autismus, Autismus. Keinerlei Verbindungsnachweis in den Studien.

Übersichten zu Quecksilber/Thiomersal in Impfstoffen und eine Reportage zum Fall „Wakefield“ runden das Bild ab.

Soviel politisches Statement wünscht man sich auch in Deutschland zu Impfungen durch unsere verschiedenen Standesorganisationen aus Medizin, Wohlfahrt und Kinderschutz. Über eine Antwort des POTUS ist übrigens bisher nichts bekannt geworden.

Offener Brief der AAP im englischen Original

Etwas zu Allein-, Haus- und Klinikgeburten

shock

Entbindung am Feldweg

Letztens las ich in einem Vorsorgeheft bei der U1 den interessanten Eintrag „Externe Entbindung“, auf Nachfragen bei den Eltern bei U3 die stolze Aussage des Vaters: „Ich habe das Kind auf dem Rücksitz des Wagens entbunden.“
Tolle Sache, oder? Es ist das erste Kind, und die Eltern dachten, wie das ja auch meist ist, beim ersten Kind hätten sie ausreichend Zeit, um mit den ersten Wehen die Entbindungsklinik zu erreichen. Leider war das nicht so.

Trotz einer Fahrt von wenigen Minuten (die Klinik war nur fünfzehn Kilometer entfernt), musste das Paar an einem Feldweg neben der Bundesstraße anhalten, das Neugeborene wollte kommen. Als der Rettungswagen vorbildlich nach zehn Minuten eintraf, war das Kind schon geschlüpft.
Ich habe den Eltern versichert, dass ich, trotz beruflicher Erfahrung, glücklich bin, dass unsere Kinder diesen Akutweg nicht genommen haben. Während der Vater erzählte, schwang Stolz mit, in beiden Blicken der Eltern, aber auch Erleichterung, dass nichts Schlimmes passiert ist.

Hausgeburten?

Ich habe Respekt vor Eltern und Hebammen, die den Weg einer Hausgeburt wählen. Für meine Frau kam das nicht infrage, für mich sowieso nicht, dazu habe ich genug erlebt, was auch unter optimalen Bedingungen in der Klinik schief gehen kann und wie Hausgeburten enden können.
Sehr bedenklich finde ich dabei, dass Hausgeburten als „natürlich“, als „unbelastet“ und „frei“ interpretiert werden, ohne sie im gleichen Atemzug „riskant“ zu nennen. Es mag sein, dass bei Mehrfachgebärenden eine Entbindung zuhause zügig und unproblematisch vonstatten geht. Es mag auch sein, dass Mütter sich in der heimischen Umgebung wohler fühlen – geschenkt, das ist klar, wer ist schon gerne im Krankenhaus? – , und die Betreuung einer erfahrenen Hebamme bei der Hausgeburt ist immer vorausgesetzt. Dennoch kann ich in der heutigen Zeit in der Abwägung aller Umstände kein Übergewicht für eine Hausgeburt sehen.

Es gibt genug Kompromißlösungen: Ambulante Geburten (bei denen die Mutter nach wenigen Stunden wieder nachhause geht), Entbindungen in modernen Mutter-Kind-Zentren (mit Couch, warmen Farben, Wassergeburten usw.), Geburtshäuser mit kinderärztlicher Betreuung oder einer Gynäkologie über die Straße. Warum also die Entbindung im Wohnzimmer?

Genug radikale Meinungen zu dem Thema gibt es ja, ausreichend Vorurteile werden bedient: Die Unpersönlichkeit des Krankenhauses, das „Hinarbeiten“ auf den Kaiserschnitt, vielleicht auch die Angst um Infektionen. Erschreckend, dass die Angst vor „Kind vertauscht“, „Mißbrauch der DNA“ oder „emotionalem Mißbrauch“ ebenso dazu gehören. Sie vernebeln besorgten jungen Eltern den Blick auf die Risiken einer Hausgeburt: Plötzliche Überforderung der entbindenden Hebamme; Herauszögern einer Entscheidung, die Hausgeburt bei Problemen abzubrechen; Depression des Neugeborenen ohne ausreichende pädiatrische Versorgung.

Informationen von Experten

Selbstverständlich muß jedes Paar die Entscheidung, wo das Kind zur Welt kommt, selbst treffen (ja, das ist eine Entscheidung beider, und Väter sollten sich nicht aus der Verantwortung stehlen). Glücklicherweise gibt es inzwischen genug Möglichkeiten, die näheren Entbindungskliniken in „Geburtsabenden“ oder „Tagen der offenen Tür“ genauer in Augenschein zu nehmen. Viel wichtiger halte ich aber das Sammeln von Informationen durch Experten: Durch erfahrene Hebammen, die schon einmal eine riskante Hausgeburt betreut haben, wo nicht alles so glatt lief, von Kinderärzten, die zu Hausgeburten gerufen wurden oder schildern können, was dem Neugeborenen passieren kann und auch die Sicht der Entbindungskliniken, die ja versuchen, die Vorurteile und Sorgen der Eltern abzubauen.
Geburt ist ein natürlicher Vorgang. Dennoch gibt es nicht umsonst in der heutigen Zeit ein medizinisches Netz, um dem Neugeborenen einen sicheren Start zu ermöglichen. Anekdoten in diese oder jene Richtung helfen jungen Eltern nicht.

Das Paar vom Anfang hatte sich klar für eine Geburt in der Klinik entschieden. Auf meine saloppe Bemerkung, beim nächsten Kind stünde dann ja einer Hausgeburt nichts im Wege, der Vater habe doch ausreichend geübt, kam jedoch von beiden die überzeugte Aussage „den Stress einer unsicheren Geburt geben wir uns nicht noch einmal.“

Aus Spiegel online zum Thema Hausgeburt vs. Klinkgeburt

Studie aus dem British Medical Journal, vielfach zitiert, die keinen Nachteil einer Hausgeburt ausmacht – sieht aber den Benefit vor allem bei Mehrfachgebärenden.

(c) Bild bei Flickr/cindy lee photography (CC Lizenz)

„Der läuft so komisch“

A walk in the park...with style

Da war wieder jemand schneller – siehe die anhängende Pressemitteilung des BVKJ. Scheinbar geht es nicht nur mir so, dass Eltern um den zweiten Geburtstags die Frage nach den Laufwegen ihres Kindes stellen. Dabei ist das alles normal.

In aller Regel beginnen die Kinder mit O-Beinen zu laufen, die dann während des Lauflernalters zu recht auffälligen X-Beinen mutieren. Das richtige „Geradelaufen“ sieht man erst im Schulalter. In all diesen Phasen haben „Lauflernschuhe“, medizinische Einlagen oder Krankengymnastik nichts zu suchen. Den wohlmeinenden Hinweisen von Schuhverkäufern oder Kinderturnbetreuern dürfen Eltern mit Blick auf die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen antworten: „Das checkt der Kinder- und Jugendarzt regelmäßig.“ „Verpassen“ wird man sowieso nichts. Das Einzige, was nicht verpasst werden sollte, ist die vorgeschriebene Hüftuntersuchung per Ultraschall im Rahmen der frühen U3-Untersuchung. Hier kann eine angeborene Fehlstellung der Hüfte ausgeschlossen werden.


 

Die Pressemitteilung des BVKJ:

„Einwärtsgehen“ bei Kindern selten bedenklich

Schon als Säugling können die Füße einwärtsgedreht sein, aber auch, wenn Kinder zu laufen beginnen, drehen viele beim Gehen ihre Füße nach innen, sie gehen einwärts. Das kann unter Umständen bis in das Grundschulalter andauern.

Kleine Kinder zeigen häufig einen Einwärtsgang, der bei manchen Kinder bis zum Grundschulalter anhält. In den allermeisten Fällen korrigiert sich diese Gangart von selbst und erfordert keine Behandlung. Bemerken Eltern aber, dass ihr Kind Schwierigkeiten beim Gehen hat, häufig stolpert oder hinfällt, sollten sie ihr Kind beim Kinder- und Jugendarzt vorstellen, aber auf keinen Fall ohne ärztlich Anweisung ihren Kindern Korrekturschuhe oder Ähnliches zumuten. „Wenn sich der Einwärtsgang verschlimmert oder das Kind sogar hinkt oder Schmerzen angibt, sollten Eltern unverzüglich den Kinder- und Jugendarzt aufsuchen“, rät Dr. Ulrich Fegeler, Kinder- und Jugendarzt sowie Mitglied des Expertengremiums des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Ob sich die Gangart verändert, können Eltern, wenn sie unsicher sind, mit Hilfe von kurzen Videoaufnahmen im Abstand von einem Jahr erkennen. Dabei sollten sie ihr Kind beim Gehen von vorne und von hinten aufnehmen.

Die Einwärtsdrehung der Füße kann auf unterschiedlichen Ursachen beruhen. Säuglinge können eine Einwärtsdrehung des Vorfußes zeigen, die sich in der Regel schnell korrigiert. Beginnen Kinder zu laufen und die Füße einwärts zu drehen, kann gerade im frühen Kleinkindalter eine knöcherne Einwärtsdrehung des Schienbeines (Tibia) der Grund sein. Auch das „korrigieren“ die Zeit und das Wachstum. Am häufigsten und durchaus bis zum 9. Lebensjahr reichend besteht die Ursache in einer Innenrotation des Oberschenkelknochens (Femur) in den Hüftgelenken. Mit zunehmendem Wachstum richtet sich das Becken auf und durch die damit verbundenen statischen Veränderungen ändert sich auch die Rotation des Femurs im Hüftgelenk. „Betroffene Kinder bevorzugen u.a. auch den Zwischenfersensitz („Najadensitz“), d.h., das Gesäß befindet sich beim Sitzen zwischen beiden nach außen gewinkelten Beinen. Nur in ganz seltenen Ausnahmefällen sind operative Korrekturen notwendig“, erklärt Dr. Fegeler.

Ob eine Fehlbildung der Hüftgelenke vorliegt, kann der Kinder- und Jugendarzt durch eine Ultraschalluntersuchung der Hüfte beim Baby feststellen, die er routinemäßig bereits im Rahmen der U3 zwischen der 4. und 5. Lebenswoche durchführt. Auch, wenn der Innenrotationsgang noch jenseits des 9. Geburtstages auffällt, ist ein Besuch beim Kinder- und Jugendarzt angeraten. Bei besonderen Auffälligkeiten ist die Überweisung zum Kinderorthopäden notwendig.

Quellen: AAP, MMW Fortschr Med, J Peds


Dies ist eine Pressemitteilung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte BVKJ.

(c) Foto bei Flickr/Jeff Power (Lizenz Creative Commons)

Chantalismus

Teil der Vorurteile: Seltsame Vornamen sind den sozialen Notschichten zueigen. Die Kevins, Justins und Marvins, die Chantals, Bonnys und Tschakkelines dieser Gesellschaft werden es später schwer haben, der Name sei Programm. So geht die Meinung. Bei den Promis sieht es da bekanntermaßen anders aus – da werden nicht Neoanglismen bemüht oder die Vokale mit „y“ vertauscht, hier findet sich die Nomifizierung von Substantiven, Blumen oder ganzen Ländern.

Warum allerdings die zukünftigen Starköche den Namen ihrer Restaurants bereits bei Geburt mitbekommen haben, ist mir schleierhaft:

jamie

… eigentlich bin ich Jamie-Fan.

Versprechen an alle Eltern in der Erkältungszeit

Shaking hands

Liebe leidgeprüfte Eltern,

auch wenn Euer Kind das vierte Mal in zwei Wochen Fieber hat oder Ohrenweh oder einen bösen Husten, der Euch nicht schlafen lässt, auch wenn Ihr denkt, Ihr seid die einzigen, die so oft in der Praxis vorbeischauen, auch wenn der Große den Mittleren und dann die Kleine ansteckt und Ihr dazwischen im Kreuzfeuer der Viren bestehen müsst, auch wenn die Erzieherinnen oder die Omma oder die Nachbarn meinen, Ihr solltet mal abklären lassen, warum´s Bobele immer und ständig krank ist:

Seid sicher:
Ihr seid nicht alleine.
Der Großseufzer der Grippewelle hallt durch alle Allgemein-, Internisten- und Kinder- und Jugendarztpraxen der Republik, von den Notfallambulanzen ganz zu schweigen. Aber es gibt ein Licht am Ende des Tunnels. Der Frühling.
Lasst Euch bitte nicht kirre machen von Eurem eigenen schlechten Gewissen, wieder mal die Telefonnummer unserer Praxis zu wählen, um einen Termin zu vereinbaren.

Seid sicher:
Andere rufen noch viel häufiger an.
Wegen Banalitäten. Zum dritten Mal wegen der vierten Warze am zweiten Zeh, die nach fünf Monaten noch immer nicht weg ist. Wegen des Hauch eines Ausschlags im unteren Quadranten der linken Gesäßbacke. Oder weil die Bauchweh des verstopftem Stammhalters wieder da sind. Nur weil das empfohlene Medikament nicht gegeben wurde.

Seid sicher:
Niemand wird hier die Augen verdrehen, auch nicht in Gedanken. Wir sind Kinderärzte, wir sind fMFA, wir nehmen Eure Sorgen ernst, egal wie oft Ihr kommt, egal, mit wievielen Kindern, egal, wie krank oder weniger krank. Unser Job ist, Euch (hoffentlich) zu beruhigen und die Wogen der Sorge auf ein erträgliches Maß zu reduzieren.

Seid sicher:
Es kommen wieder ruhigere Zeiten des Sommers, des Spielplatzes, des Freibads, der Schulzeit und der Jugend, in denen Marie-Jolyne und Connor-Justin nicht mehr zum Arzt müssen, weil sie alle Infekte endlich gehabt haben. Ich erinnere Euch dann daran, wie ich dieses Posting geschrieben habe.

Seid sicher:
„Herr Doktor, wir haben uns ja schon lange nicht mehr gesehen.“
Der Tag kommt.

(c) Bild bei Flickr/Chris-Håvard Berge (CC Lizenz)

Lesepotpourri Dezember/Januar

Und wieder ist einige Zeit ins Land gegangen seit des letzten Leserückblicks, aber die Tradition setze ich trotzdem fort, auch wenn keine Zeit für einzelne Rezensionen übrig bleibt. Wer Fragen hat, darf fragen.

Hier also der Lesestoff der letzten zwei Monate:

Ich war viel im Netz unterwegs, habe viele Blogs gelesen und recherchiert, außerdem habe ich mir zu Weihnachten ein Abo der ZEIT als Digitaldownload gegönnt. Das Leben besteht tatsächlich aus Lesen, oder? Ich kann gar nicht verstehen, wie es anderen ganz anders geht.

Absolute Lesehighlights aus dem obigen Potpourri:

Die Raumpatrouillevon Matthias Brandt – der Hype über dieses kleine Buch überrascht ein wenig, leider fragte ich mich ständig beim Lesen, ob dieser Erfolg auch gekommen wäre, wenn Matthias Brandt nicht Schauspieler und nicht berühmter Sohn wäre. Dennoch schöne Schreibe- und damit Lesekunst.

Außerdem, als Fan, die Biographie von Bruce Springsteen, klar, mit viel Neugier gelesen und klar überrascht, wie interessant der Mann auch neben seinen Songs schreiben kann. Viele Gedanken neben profanem Fanwissen, viel Poesie neben bescheidenem gerechtfertigtem Pathos.

Geheimtipp: Butcher’s Crossing von John Williams. Der Schriftsteller wird gerade auf der ganzen Welt wiederentdeckt, er hat nur drei Romane geschrieben, auf meinem Schreibtisch liegt schon sein berühmtestes Werk Augustus. „Butcher´s Crossing“ ist ein Roman wie ein Donnerschlag, so episch-wuchtig wie Jack London, so prosaisch wie Cormac McCarthy, so unterhaltsam wie ein Western von Quentin Tarantino. Lesen!

[Dieser Text enthält so genannte Affiliate Links – siehe Impressum]

Einmal tief durchatmen

Ich wollte noch von dem Vertretungskind erzählen, dass still japsend (Giemen und Brummen, die Insider wissen) auf meinem Untersuchungstisch lag, neunmonatig, ein wenig subfebril seit ein paar Tagen, trinke gut, esse Breichen und erbreche nicht. Die Nächte seien erträglich, aber der Husten, Herr Doktor, der Husten, hört und hört nicht auf.

Wenn ich die Kinder nicht kenne, kenne ich auch die Therapie nicht, jede/r Kollege/in hat da ein anderes Regime. Das Bobele hier kommt von jot-we-de, die Vertretung der Vertretung der Vertretung, also nun die Frage: „Was kriegt er denn an Medikamenten?“

„Da haben wir das.“ Die Mutter präsentiert mir ein Röhrchen Bryonia C5. Ich muss erst einmal mit Lesebrille lesen, so klein war das geschrieben.

„Ok, noch etwas?“ – „Ja, da ist dann noch dies.“ Noch ein Röhrchen, hier die Beschriftung „Bei zusätzlichem Erbrechen.“ Sanguinaria canadensis – diesmal in C200. „Die sollen wir aber nur geben, wenn´s gaanz schlimm ist. Und nur ein Kügelchen.“

Ich staune. „Haben Sie das denn gegeben?“, frage ich. Nein, haben sie nicht, so schlimm war es dann nicht. Aber besser wurde es genauso wenig, deshalb sind sie dann hier zu mir. „Haben Sie das direkt vom Kollegen bekommen?“ – „Ja, die hat er aus seinem Schrank mitgegeben. Aber von der Apotheke haben wir noch das hier gekriegt.“ Die Mutter reicht mir noch eine Schachtel …na klar, ohja, das beliebte viel umworbene Komplexpräparat der Firma He.el.

„Und das ist, was Sie Ihrem Sohn jetzt geben sollen?“, frage ich. Ist denn nichts wirklich Wirksames dabei?
„Achso,“ sagt die Mutter. „Doch, das hier noch.“ Sie holt aus dem Medikamentenbeutel ein Dosieraerosol hervor nebst einer Inhalationshilfe. „Das benutzen wir auch noch ein paar mal täglich, wenn´s gar nicht wird.“
„Da bin ich aber froh,“ rutscht es mir heraus.

Der kleine Held konnte schließlich besser durchatmen, nachdem wir ihn in der Praxis mit Salbutamol inhalieren liessen. Wir besprachen, die Inhalationen zu intensivieren, sich wieder zu melden, wenn Fieber auftritt und ihn in ein paar Tagen nochmals abzuhören.
„Dann sind Sie wohl nicht so begeistert von den Globuli, was?“, fragt mich die Mutter beim Verabschieden. Ob das so offensichtlich war? „Und was halten Sie davon? Das hat uns unser Hausarzt noch zu alledem dazu gegeben. Das löse den Schleim am besten, sagt er.“ Sie greift noch einmal in den Beutel und zieht eine Schachtel Ambro.x.ol hervor.

Himmel hilf. Das gute alte überflüssige Ambro.x.ol dürfte bei einem Kind mit Bronchitis eher zu einer Verschlimmerung des Befundes führen, schließlich kämpft der Organismus da schon genug mit Schleim in den engen Luftwegen. Ganz abgesehen davon finde ich jedoch das Riesenarsenal an Mittelchen höchst problematisch. Geht es nicht auch einfacher? Dass ich von der Nichtwirksamkeit von Glaubuli überzeugt bin, dürfte inzwischen bekannt sein, geschenkt.

Kollegenbashing ist verpönt. Das tut man nicht, ich auch nicht (außer hier). Ich habe daher auch lediglich bemerkt, dass ich das inhalieren für die sinnvollste Variante all dieser Medikamentenoptionen halte.

Papagei

Shy girl

Setting: Fünfjährige Tochter, Mutter, Kinderdok. Untersuchung.
Ich: „Oh prima, Unterhemd ist schon ausgezogen, dann höre ich dich mal ab.“
Mutter: „Jetzt hört der Onkel Dich mal ab.“
Ich: „So, dann schaue ich noch in die Ohren.“
Mutter: „Nur kurz Ohren schauen, nicht schlimm.“
Ich: „Alles klar, und noch den Mund auf.“
Mutter: „Komm, mach schön den Mund auf.“
Ich: „Legst du Dich mal hin, dann taste ich noch Deinen Bauch ab.“
Mutter: „Legst dich schön hin, passiert nichts.“
Ich: „Also wunderbar, dann setz Dich mal wieder.“
Mutter: „Setz Dich mal wieder.“
Ich: „Wie alt bist Du denn schon?“
Mutter: „Komm sag, wie alt bist Du?“
Tochter: „…“
Mutter: „Bist du vier oder fünf?“
Tochter: „…“
Ich: „Kannst mirs auch mit den Fingern zeigen.“
Mutter: „Bist Du fünf?“
Tochter nickt. Lässt die Hand wieder sinken.
Ich: „Hast Du denn arge Halsweh? Oder gehts mit dem Essen und Trinken?“
Tochters Mund öffnet sich.
Mutter: „Essen geht schon. Gell, Marlies-Susann?“
Tochter nickt.
Ich, erstmals zur Mutter: „Also, sie hat einen leichten Racheninfekt, ist nicht so schlimm, ein wenig rot, nichts eitriges. Da darf sie was lutschen, viel trinken. Das wird schon.“
Mutter: „Siehst, Marlies-Susann, alles nicht so schlimm beim Onkel Dokter.“
Ich: „Also Tschüss, Marlies-Susann.“ Reiche ihr die Hand.
Tochter versteckt sich hinter der Mutter.
Mutter: „Naja, das macht sie nicht so gern, sie ist immer sooo schüchtern.“

(Von diesen Konstellationen gibt es mehr, als ich denken kann, gerade am Freitag war wieder eine Kandidatin mit ihrer… Tochter da. Da war mir, das muss ich nicht bloggen, das gabs sicher schon im Blog. Und siehe da. Tatsächlich. Hier also die wenig recyclete Variante von vor 8 Jahren.)

(c) Foto bei Flickr/Andy (CC Lizenz BY-ND 2.0)

Aus aktuellem Anlass


Ich weiss schon, Demokratie und so, und „vor Reagan haben auch alle gewarnt“ (zu Recht?), und, „was hat das mit Deinem Blog zu tun“, aber dieser Tag heute lässt mich nicht los. Also hier ein kleiner Gruss aus der Mittagspause in die USA. Es lesen ja ein paar mit.

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