Zweitmeinungen und Kollegialität

Ich möchte mich hier ausdrücklich bei allen Kolleginnen und Kollegen entschuldigen, denen ich in meiner Laufbahn bisher Inkompetenz angedichtet habe, sei es dem Unfallchirurgen, der beim Platzwundenähen vergessen hat, den Tetanusschutz des Patienten aufzufrischen, sei es dem Assistenten in der Kinderklinik, der das Extremfrühgeborene am Freitag abend nach Hause entlässt, sei es dem niedergelassenen Hausarzt, der dem Dreijährigen Cef.uro.xim-Tabletten verordnete. Nur so als Beispiele.

Es gibt immer Gründe dafür, wie man handelt. Sei es Stress am Arbeitsplatz, Stress durch den Vorgesetzten, Stress durch den Patienten oder Stress durch (in unserem Fall sehr oft) Angehörige. Jeder kann seine Kompetenzen überschreiten, ein gutes Fehlermanagement gehört zum Arztberuf dazu wie Rezepteschreiben. Nur lernen muß man aus ihnen.

Ich schicke genug Patienten auf die Reise, am Wochenende, im Notdienst, in Vertretung, deren weiteren Krankheitsverlauf ich nicht mehr im Auge haben kann, da sie in der Regel woanders betreut werden. Fehler mache ich genauso. Wie schön, wenn dann eine freundliche und kompetent sachliche Rückmeldung käme, was nicht so optimal lief.

Deshalb schicke ich auch Patienten, die beim Facharzt versorgt werden (bei uns vor allem Pulmologen, Hautärzte, Chirurgen) zurück, wenn die verordnete Therapie nicht richtig fruchtet („der hat mir dies und das aufgeschrieben, aber. Das. Bringt. Ja. Gar. Nichts.). Wie soll der Kollege korrigierend eingreifen, wenn er den Erfolg (oder Misserfolg) seiner Bemühungen nicht wiedersehen darf? Ein zweite Meinung mag für den Patienten zwar eine zweite Chance sein, für den Erstbehandler ist sie es nicht. Im besten Fall bekommst Du eine ähnliche Diagnose, eine andere Therapie bekommst Du immer, denn die „Zweite Meinung“ hat den Vorteil des Nachbehandelns.

Ich werde mitunter auch um eine Zweitmeinung gebeten. Das begeistert mich nicht, weil ich zwar das Recht des Patienten dazu sehe, mich aber stets als Kontrollinstanz überhöht fühle. Ich greife nur selten in das vorgeschlagene Regime des Kollegen ein, sondern plädiere, wenn ich die Sachlage anders einschätze, das Gespräch mit dem Vorbehandler zu suchen.

Je weiter die Diagnostik- und Therapiekette dann gediehen ist, und es gibt Patienten, die Arzt nach Arzt und Heilpraktiker nach Heilpraktiker „durcharbeiten“, desto höher die Wahrscheinlichkeit, das allumfassende Heilmittel zu finden. Auf nichts anderem bauen ja viele Alternativverfahren auf. Die Zeit heilt vieles. Und der Homöopath darf ausprobieren, das ist Teil des Konzeptes. Aber ich schweife ab.

Fehler sind ok, Fehler sollten nicht wiederholt werden. Aus Fehlern kann jeder lernen. Also gestehen wir sie jedem zu. Was aber gar nicht geht: Über den Kollegen oder die Kollegin schlecht reden. „Das hätte Doktor Soundso aber anders behandeln müssen“ oder „sehen müssen“, „Was, das hat sie nicht erkannt?“ oder „Ich schreibe Ihnen mal was auf, was wirklich hilft.“ Ein absolutes NoGo. Wir sollten als Ärzte soviel Ehrgefühl und Kollegialität unserem Stand entgegenbringen, dass wir rhetorisch nicht entgleisen, sondern besonnen und nüchtern formulieren. Die Patienten werden es uns und dem Ärztestand danken.

Entschuldigung Kolleginnen und Kollegen für die bösen Gedanken, die ich Euch manchmal hinterher sende. Die Patienten haben davon nichts gehört.

Euer kinderdok

(c) bei flickr/sergio santos (unter CC Lizenz), Credit: http://nursingschoolsnearme.com

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29 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. X.Schneekönigin.X
    Okt 06, 2017 @ 18:23:39

    Kenne ich aus unserem Berufsalltag auch.
    „Was, wieso haben die DAS denn gemacht, ist ja alles total fürchterlich gebucht…“.
    Und das voreilig, ohne dann auch mal auf den Mandanten zu gucken, der vor einem steht und zu beobachten, ob die Fehlerquelle nicht evtl direkt vor einem steht.
    Oft genug ist nämlich genau das der Fall.

    Antwort

  2. mrsdoc
    Okt 06, 2017 @ 18:35:22

    Absolut einverstanden, dass es schon die gute Kinderstube gebietet, sich dem Patienten gegenüber nicht negativ über die Therapie des Kollegen zu äussern. Würde ich auch nie tun, selbst wenn ich von den Künsten des Kollegen nicht viel halte.
    Ein wenig anders sehe ich das mit der Zweitmeinung. Ich glaube, der Patient würde keine einholen wollen, wäre er mit der Therapieempfehlung des ersten durchweg zufrieden. Irgendetwas lässt ihn zweifeln. Also möchte er erneut Rat einholen. Was ich häufig erlebe: ich bestätige die Erstmeinung, und doch wechselt der Patient dann für die Therapie zu mir. Das ist, ganz ehrlich, nicht mein Ziel. Aber ich glaube, dass es oft nicht der Therapievorschlag an sich ist, der nicht überzeugt, sondern etwas Zwischenmenschliches. Die Therapie mag ja richtig sein, aber der Doc nimmt einen nicht wirklich ernst. Hat zu wenig Zeit. Spürt zu wenig die Bedürfnisse des Patienten. Bei so einem Doc, und wenn er noch so fachlich kompetent sein mag, fühlt sich nicht jeder in guten Händen. Und sucht eine Zweitmeinung. In Wirklichkeit aber einen empathischen Arzt.

    Antwort

  3. Nougatcornflake
    Okt 06, 2017 @ 19:18:47

    Du würdest aber schon was sagen, wenn ein Patient ganz offensichtlich auf einen inkompetenten Stümper gestoßen ist? Ich hab mir mal die Weisheitszähne ziehen lassen, ohne Narkose, und es woanders nachbehandeln lassen, weil es sich entzündet hat und… Naja, ganz eklige Geschichte, und da sagte der neue Arzt auch, dass der offensichtlich relativ brutal vorgegangen ist (Mundwinkel eingerissen) und die Technik auch veraltet und überholt war… Da war ich schon dankbar, zu wissen, dass ich offenbar keine Mimose bin, sondern echt ins Klo gegriffen hab. Ps: zu einem Arzt „du“ sagen find ich immer noch komisch, aber wir sind hier ja beim Bloggen 😉

    Antwort

  4. Anonym
    Okt 06, 2017 @ 20:25:05

    Ja, der Spruch mit der Krähe….
    Und ja, in anderen Berufszweigen macht man es ähnlich, man verkauft keinen Kollegen gegenüber dem Geschäftspartner/Kunden.

    Ehrlich gesagt finde ich es auch ok, wenn der Folgearzt den vorherigen nicht vor dem Patienten schlecht dastehen lässt, denn der Patient hat oder hatte ja ein Vertrauensverhältnis gegenüber dem bisherigen Arzt – oder zumindest sollte er sein Vertrauen der Ärzteschaft generell gegenüber nicht verlieren.

    Was ich aber gut und wichtig fände, wäre, dass ein Arzt, wenn er einen üblen Fehler des Kollegen aufdeckt – diesen auch dem Kollegen gegenüber anspricht. Vor allem, wenn absehbar ist, dass der Kollege diesen Fehler weiterhin an anderen Patienten durchführt.
    Eben “Fehlermanagement“. Das bedeutet aber nicht einfach Fehler decken und irgendwie wieder gerade biegen.

    Schwierig… ich würde mich vermutlich auch nicht sofort trauen, einem (v.a. älteren) Kollegen gegenüber zu sagen, dass er hier ständig denselben Mist baut.

    Aber wenn es um die Gesundheit von Menschen geht ist es doch nochmal etwas anderes.

    Antwort

  5. Cinerea
    Okt 06, 2017 @ 20:42:46

    Der Gedanke, dass Ärzte immer alles richtig machen, steckt leider immer noch in vielen Köpfen fest. Und wenn dann doch ein Fehler erkannt wird, ist das Geschrei groß. Unsere Gesellschaft vergisst gerne, dass Ärzte auch nur Menschen sind. Persönlich habe ich viel Respekt vor Ärzten, die dem Patienten gegenüber die Grenzen ihres Wissens und sogar Fehler eingestehen. Das kann mein Vertrauen in sie sogar stärken.

    Manche Ärzte wollen aber das Halbgott-in-Weiß-Image mit aller Gewalt halten. Ich habe immer wieder erlebt, dass Ärzte auf eine kritische, fachlich fundierte Nachfrage geradezu aggressiv, ja teilweise beleidigend reagieren. Einer der besten Sprüche war, was mir denn einfallen würde, medizinische Fachliteratur zu lesen. Einfache Antwort: Ich unterrichte den Stoff.

    Wenn ein Arzt so reagiert oder ich ernsthafte Zweifel an seiner Diagnose oder Behandlung habe, suche ich als Patient eine zweite Meinung und möchte dann auch eine ehrliche Antwort. Ich erwarte nicht, dass ein Arzt sich abwertend über einen Kollegen äußert. Die Meinung des ersten Arztes zu bestätigen, nur um ihn nicht schlecht dastehen zu lassen, ist falsch verstandene Kollegialität und unethisch. Aber man kann den Widerspruch ja diplomatisch verpacken. Und gerade bei großen Sachen tut es einem Patienten auch gut, die Meinung des ersten Arztes bestätigt zu bekommen. Wenn es um die eigene Gesundheit geht, sind die Ängste oft groß. Liebe Ärzte, nehmt den Wunsch auf eine zweite Meinung nicht persönlich. Oft brauchen Patienten die Beruhigung, dass alles auf dem richtigen Weg ist.

    Antwort

    • fräuleindoktor
      Okt 09, 2017 @ 14:28:11

      @ Zum Glück passieren die richtig schlimmen Fehler äußerst selten. Manchmal gibt es auch kein schwarz und weiß sondern eine unterschiedliche Herangehensweise. Also zur Beruhigung und zur nochmaligen Erklärung ist die Zweitmeinung okay und berechtigt. Selten muss etwas nachjustiert werden. Zur medizinische Fachliteratur ist zu sagen, dass diese Jedem offen steht, aber erfahrungsgemäß können nicht alle Leute gut und sinnvoll damit umgehen und das Lesen verursacht dann eher noch mehr Ängste.

      Antwort

      • Cinerea
        Okt 09, 2017 @ 20:06:11

        Der Einwand mit der medizinischen Fachliteratur stimmt. Viele Leute verstehen nicht, was da geschrieben steht, und bekommen Angst. Wobei mir noch lieber ist, sie lesen Fachliteratur als eine der unzähligen Pseudo-Info-Seiten zu Gesundheit. Doch genauso wie bei der Art, wie man eine Zweitmeinung kommuniziert gilt hier, dass der Ton die Musik macht. Wenn jemand aufgrund von Gelesenem besorgt ist, muß man das diskutieren, auch wenn’s nervt. Einen Patienten, der ruhig und fundiert ein reales Risiko anspricht, sofort anzufahren, ist unprofessionell. Ebenso die Wortwahl „Was fällt Ihnen ein!“. Und es macht immer Sinn, nachzufragen, welches Vorwissen der Patient hat. Nicht nur Ärzte haben medizinisches Wissen und auch wenn ich meinen Ärzten grundsätzlich vertraue, schalte ich bei einem Besuch nicht mein Gehirn ab. Das war oft gut so und ein guter Arzt verkraftet eine höfliche, fundierte Nachfrage, selbst, wenn er einen Fehler gemacht hat.

        Antwort

        • fräuleindoktor
          Okt 09, 2017 @ 20:40:15

          Auf alle Fälle verkraftet das ein guter Arzt. Eine besondere Herausforderung sind Patienten die aufgrund von Halbwissen oder falschen Informationen sinnvolle Schritte anzweifeln und sich damit letztlich auch selber im Weg stehen, weil es vor lauter Angst dann nicht vor und nicht zurück geht.

  6. Opapapa
    Okt 06, 2017 @ 21:15:33

    Hatte ich mal vor einigen Jahren erlebt das man über einen Kollegen in Gegenwart des Patienten,mich, nicht gut spricht.
    Ich hatte starke Leibschmerzen und meine Frau nutzte meine Hilflosigkeit aus und rief den Ärztlichen Notdienst an,es kam ein sehr alter Zausel,geschätzte 70 Jahre alt,die Hose wurde nur auf einer Seite vom Hosenträger gehalten,er machte einen leicht verwirrten Eindruck.
    Einmal fragen,einmal auf den Bauch drücken,das ist der Blinddarm der muss raus,Krankenwagen rufen.Meine Frau rief also den Krankenwagen,die Sanis sahen den Doc und verdrehten leicht die Augen,ich rein in den Wagen und ab ins KH.Die Ärztin im KH untersuchte mich kurz,bekam gesagt wer mich schickte und sagte dann gedehnt“Ach Gott der“,drückte mir das Thermometer in die Hand und sagte dann solle ich mir das mal hinten reinschieben und warten bis es Piept,sprach kurz mit der Schwester auch über den Doc der mich schickte und weg war sie.Dann wurde ich zur Beobachtung dabehalten.Nachts wurde ein frisch Operierter in mein Zimmer gebracht,dem hatten sie den Blinddarm entfernt,ich durfte damit bis zum Mittag warten weil man ja von einem Arzt geschickt wurde der scheinbar immer falsche Diagnosen stellte.

    Antwort

  7. fanvondiotima
    Okt 07, 2017 @ 06:59:54

    Ich habe einige Erfahrung als Zweitmeinungs-Geberin (jahrelang Hochschulambulanz), und ich finde, dass es meistens machbar ist, gegenüber dem Erstmeinungs-Kollegen fair und kollegial zu sein, auch wenn man die Sache ein bisschen anders einschätzt. Man hat ja auch mehr Infos und kann das so sagen.

    Es gibt aber eine Situation, wo ich schon kurz und deutlich gesagt habe, dass ich das nicht gut finde: wenn der Patient mit der Ansage „Ihnen kann man nicht mehr helfen“ nach Hause geschickt wird (also nicht an ein spezialisiertes Zentrum überwiesen, wo jemand vielleicht noch eine Behandlungs-Idee hat). Und damit meine ich nicht Patienten im erwartbaren Krankheits-Endstadium (da sollte man sich so aber auch nicht ausdrücken), sondern mit einer neuen Diagnose.

    Antwort

  8. Anonymous
    Okt 07, 2017 @ 11:17:53

    Leider gibt es die Scharlatane aber gar nicht so selten. Ich habe es dreimal erlebt (1x bei mir und 2x bei meinen Kindern), dass eine völlig unnötige und gesundheitlich belastende Behandlung oder ein Diagnoseverfahren verordnet wurde, das/die aber völlig unnötig war. Beim ersten Mal habe ich das selbst unterbunden, bei den beiden anderen Vorfällen habe ich eine Zweitmeinung eingeholt, die jeweils meinen Verdacht bestätigten und mir zum glatten Gegenteil rieten.
    1. Fall, Kind 1: Verdacht auf Shwachman-Diamond-Syndrom bei meinem 2 Monate alten Kind, Probe für die Genanalyse war gerade abgeschickt worden, da verordnet die Assistentärztin in der Unikinderklinik eine Röntgen-Aufnahme der Handknochen „um ganz sicher zu gehen“. Ich: „Ist eine Genanalyse aber nicht eigentlich 100% klar?“ Sie: „Doch, doch, aber um ganz sicher zu gehen …“ Ich: „Aber 100% ist doch identisch mit „ganz sicher“. Sie: „Ja, äh doch, schon.“ Ich: „Dann warten wir das Ergebnis ab, bevor wir mein Kind der Strahlung aussetzen.“ Sie: „Äh, ja, das muss ich dann erst einmal mit meinem Chef besprechen.“
    2. Fall, Kind 2: Verdacht auf Wasserbruch bei meinem 3 Monate alten Kind, da Hodensack immer wieder unterschiedlich dick. Kinderärztin überweist in die Kinderklinik zum Ultraschall. Ich trage Kind im Ergo dahin, Chefarzt packt Kind aus. Natürlich nix zu sehen, da Wasser durchs Tragen weggedrückt. Er: „Alles klar, muss man operieren, das wächst sich keinesfalls aus.“ Und macht einen OP-Termin mit mir klar. Ich fahre nach Hause, und auf der Fahrt fällt mir auf, dass der Arzt gar nicht geschallt hat, aber auch gar nichts gesehen hat. Ich hole mir eine Zweitmeinung bei einem niedergelassenen Kinderchirurgen. Der untersucht sehr gründlich und sagt: „Das operieren? In dem Alter? Mach ich auf keinen Fall! Erstens ist die Narkose für ein so kleines Kind viel zu risikoreich. Zum anderen ist die Chance, dass sich das auswächst so hoch, da kann man abwarten und beobachten.“ Ich: ??!! Und siehe da: Es hat sich ausgewachsen. Inzwischen ist der Kerl 8 Jahre alt, und das Problem ist nie wieder aufgetaucht.
    In meinem eigenen dritten Fall (Schilddrüsenproblem) wurde mir vom Zweitgutachter tatsächlich klipp und klar mitgeteilt, dass ich an das schwarze Schaf der Branche geraten sei, dem man dringend längst die Zulassung hätte entziehen müssen. (!!) Für die Information war ich sehr dankbar, weil ich so wusste, dass ich nicht paranoid war, weil ich diesem Arzt so überhaupts nichts glauben mochte, und auch die Flut von Präparaten, die er mir verschrieben hatte, nicht zu nehmen bereit war.
    Meine Bitte an alle seriösen Ärzte: Bitte redet Klartext mit Euren Patienten, wenn Ihr bemerkt, dass ein Kollege unverantwortlich handelt. Da ist Kollegenschutz ethisch nicht angebracht! Es geht hier doch nicht um eine Autoreparatur, sondern um die Gesundheit und das Leben von Menschen!

    Antwort

  9. Sylana
    Okt 08, 2017 @ 07:50:50

    Und als Patient steht man dann gerne mal da, und hat von drei Ärzten vier verschiedene Meinungen. (Achtung, das war sarkastisch!)

    Warum keine Zweitmeinung einholen, wenn mehrere Behandlungsoptionen vorliegen? Wenn ich eine Versicherung abschließe, Kredit aufnehme, Möbel kaufe, dann mach ich das im Prinzip ja auch!

    Am eigenen Leib erlebt: Treppenstufe verpasst, Knie verdreht, hingestürzt, Bewegung kaum noch möglich, zum niedergelassenen Chirurgen, Röntgen usw., Schiene ran, ins Krankenhaus , das wird ne OP. Aber gehen Sie erst Montag hin, übers Wochenende machen die jetzt sowieso nichts.
    Zwei Tage später in der Aufnahme: Schiene ab, Beweglichkeit überprüft, siehe da, schon wesentlich besser als Freitag. Der Orthopäde wurde hinzuzitiert, alles noch mal überprüft: „Nee also, das ist jetzt in den zwei Tagen schon wieder soviel besser geworden, also da grätschen wir jetzt nicht unbedingt mit einer OP zwischen, sie haben ja auch nicht vor demnächst einen Marathon zu laufen, oder?
    Es sei denn – ich würde jetzt unbedingt eine OP wollen. Dann könnt man das machen.
    Empfehlung: Erst mal konservativ behandeln, operieren könne man auch in ein paar Wochen noch, wenn sich keine weitere Besserung einstellt. Ich ruf gleich mal wieder ihren Chirurgen an, das ich sie zurückschicke, sonst fragt der sich, was das soll.
    Gesagt, getan, ich zurück zum Chirurgen: Der ob der zurückerlangten Beweglichkeit Bauklötze gestaunt, und gemeint, das hätte er jetzt nicht gedacht, aber unter der Voraussetzung ist die OP jetzt doch nicht die erste Wahl, und wir setzen erst mal die Empfehlung des Kollegen um. (KG etc.).
    Fragliches Knie ist immer noch unoperiert. Und geländetauglich.

    Antwort

  10. DLA
    Okt 08, 2017 @ 14:00:12

    Naja, wenn etwas Schwachsinn ist, darf ein zweiter Arzt das auch gerne sagen…
    Ich war mal im Bereitschafts-Notdienst wegen starker Halsschmerzen. Diagnose: Virale Seitenstrangangina. Keine Medikamente (ich solle auch keine Schmerzmittel nehmen). Empfehlung: Ruhe, Bett, Tee trinken und FASTEN!!
    Dazu muss man wissen, dass ich mit meinen 1,75m immer so ein bisschen an der Grenze zum Untergewicht krazte bzw. es teilweise habe. Ich hielt die Empfehlung zu fasten für Schwachsinn in meiner Situation. Kurz später war ich bei meiner normalen Hausärztin und habe dort den Schein vom Bereitschaftsarzt für die Unterlagen abgegeben und ihr davon erzählt. Auch sie fand das mit dem Fasten für mich sehr bedenklich-schwachsinnig. Das hat sie nicht wortwörtlich gesagt, aber sie hat zum Ausdruck gebracht, wie unangebracht das bei mir wäre.

    Antwort

    • fräuleindoktor
      Okt 09, 2017 @ 14:35:15

      Naja, jeder hat ja einen Kopf zum denken und einen Mund zum reden und wenn ich merke, dass ein an sich vermutlich sinnvoller Ratschlag (Zucker kann wirklich manche Halsentzündung verschlimmern) nun gerade bei MIR unpassend ist dann darf ich das auch sagen und so handeln. Ein Arztbesuch ist doch keine Eintrittskarte in ein rundum-sorglos- Paradies. Man bleibt schon noch für sich verantwortlich.

      Antwort

  11. Christian
    Okt 08, 2017 @ 16:50:38

    Genau das, Kollegen schlechtreden, tust du aber sehr oft!
    Bestimmt in jedem zweiten Post, wie auch dem heutigen.
    Und sind es die Kollegen nicht, dann sind es die Hebammen, Erzieherinnen oder auch sehr gerne die
    Heilpraktiker.
    Vielleicht manchmal zu recht, aber definitiv zu oft und oft ungerechtfertigt.
    Also, erst mal an die eigene Nase fassen, du bist nicht unfehlbar!

    Antwort

  12. HKT
    Okt 12, 2017 @ 15:50:31

    „Ein absolutes NoGo. Wir sollten als Ärzte soviel Ehrgefühl und Kollegialität unserem Stand entgegenbringen, dass wir rhetorisch nicht entgleisen, sondern besonnen und nüchtern formulieren. Die Patienten werden es uns und dem Ärztestand danken.“ .- Nein. Deine erste Pflicht ist nicht gegenüber deinem Stand oder deinen Kollegen, sondern gegenüber deinem Patienten.
    Ich sehe z.B. die anderen Ärzte im Land auch nicht als „Kollegen“ meines Hausarztes an. Mein Arzt muß für mich das Beste tun. Kollegialität und Ehrgefühl interessieren mich nicht und bringen mir auch nichts.
    Wenn Kollegialität und Ehrgefühl bei der Fehlerminimierung helfen- bitteschön. Anderenfalls mußt du es dir verkneifen und auch mal ganz unkollegial und ehrlos agieren.

    Antwort

    • fräuleindoktor
      Okt 12, 2017 @ 20:29:59

      Naja das sind dann die ganz schlauen, die hinter jeder Praxistür Fehler und Geldgier wittern. Und nochmal: die schlimmen Fehler sind zum Glück ganz selten- nicht umsonst hat jeder niedergelassene Arzt eine mindestens 12 jährige Ausbildungszeit hinter sich und muss sich weiterbilden- bitte welche andere Berufsgruppe hat das auch? Die von Patienten häufig angeprangerten Fehler, das sind doch oft kleine Nuancen, mal ein falscher Zungenschlag, vielleicht eine etwas zügige Behandlung (Wohlfühlsprechstunde geht leider nicht immer)- aber dafür einen Kollegen schlecht machen- Nee, das geht absolut nicht.

      Antwort

      • Anonym
        Okt 13, 2017 @ 14:05:31

        Leider gibts auch gravierende Fehler, die von Ärzten begangen werden….

        Wenn sich die medizinischen Erkenntnisse weiterentwickelt haben z.B. oder der Arzt sein Können überschätzt und zu einem Facharzt hätte weiter verweisen müssen.

        Und wenn man dann nach langer Zeit des Zögerns – da man “seinem“ Arzt ja erst mal vertrauen möchte- doch mal zu einem Kollegen wechselt, dieser dann die Therapie “richtig“ macht, aber sich zu der bisherigen grottenschlechten Therapie nur ausschweigt …. und fast schon trotzig reagiert, wie man denn auf die Idee kommt, seine Anweisungen zu hinterfragen… dann ist man als Patient erst mal verunsichert und vertraut keinem mehr. Da wäre ein offenes Gespräch mit dem Patient bzw. den Eltern besser und auch ein Gespräch unter Kollegen, damit solche Fehler bei anderen Kindern nicht weiterhin passieren.

        Antwort

      • cara
        Okt 13, 2017 @ 15:45:25

        Diese Einschätzung finde ich zu optimistisch.

        Natürlich sind Ärzte sehr gut ausgebildet, das ist gut so. Allerdings ist eine lange Ausbildungsdauer keine Garantie dafür, dass der Einzelne auch alles mitnimmt, was er könnte. Studien zeigen ja z.B., dass der Nutzen von Therapien und Vorsorgeuntersuchungen von vielen Ärzten enorm überschätzt wird, weil sie sich zu wenig mit Statistik auskennen.
        Was die Fortbildungen angeht, wird es noch schwieriger. Denn es gibt ja keine Pflicht, sich rundum auf dem laufenden Stand zu halten. Mit zunehmender Spezialisierung entstehen deswegen auch zunehmend Wissenslücken auf anderen Gebieten, und die muss man erkennen und im Zweifelsfall ehrlich zu sich selbst sein. Ich kenne diverse Ärzte, die das tun – problematisch sind die, die ihre Grenzen nicht sehen (und solche gibt es auch zur Genüge).

        Deswegen finde ich eine Fehlerkultur so wichtig, und dazu gehören auch Rückmeldungen (ggf. nicht in jedem Fall an den Patienten, aber an den entsprechenden Kollegen).
        Und zu einer Fehlerkultur gehört wiederum auch der Mut zu sagen, dass Fehler geschehen – jeden Tag, bei bei jedem, viele kleine, zum Glück wenige schwerwiegende. Das gilt für alle Berufe, ich nehme meinen eigenen explizit nicht aus.

        Antwort

        • fräuleindoktor
          Okt 16, 2017 @ 16:08:26

          Klar können Fehler passieren, aber die wirklich schlimmen eben wirklich ganz selten. Der Laie nimmt es doch schon als Fehler wahr wenn der Arzt etwas hektisch war oder er nicht verstanden hat was der Arzt meint. Zweitmeinung und Nachfrage- alles okay, aber deshalb werde ich Kollegen nicht schlecht machen. Fachärzte sind durch die Ärztekammern zur Fortbildung verpflichtet- Stichwort Fortbildungspunkte. Spezialisierung und Wissenslücken auf anderen Gebieten- das kommt vor und ich denke die meisten kennen ihre Grenzen auch und sind manchmal sogar froh Patienten abgeben zu können. Ich kenne jedenfalls keinen HNO Arzt der den Blinddarm operieren würde oder ähnliches.

  13. AuchPharmazeutin
    Okt 13, 2017 @ 08:39:10

    Ich sehe das so wie Fräuleindoktor… auch in der Apotheke wird oft noch die Meinung zur Therapie von den Patienten abgefragt. Auch wenn ich persönlich durchaus das ein oder andere bei meinem Arzt hinterfrage, werde ich einen Teufel tun, und den Therapieansatz des Arztes vor dem Patienten in der Apotheke in Frage stellen. Es sei denn, mir fällt ein grober Dosierungsfehler oder massive Wechselwirkungen mit bereits bestehenden Medikamenten auf. Aber auch da bitte ich den Kunden um ein bißchen Geduld und halte Rücksprache mit dem verschreibenden Arzt. Wie überall gilt auch hier: „Der Ton macht die Musik“.

    Antwort

  14. mmmmr
    Okt 14, 2017 @ 15:13:14

    Mir wurde beim Bereitschafts/Notdienst von einem Arzt COPD diagnostiziert. Husten ohne Ende, wenig Luft zum Atmen und schließlich rauche ich (damals schon 5 Jahre nicht mehr, aber das hat keinen Einfluss).
    „Antibiotikum und demnächst mal zum Lungenfacharzt gehen“, aber damit müsste ich jetzt leben. Ich bin am Montag morgen direkt „panisch“ zu meinem Hausarzt und der sagte mir nach ausgiebiger Untersuchung, dass diese Diagnose völliger Quatsch ist. Es was eine heftige Bronchitis, aber auf keinen Fall COPD. Dieser Kollege dramatisiere häufiger mal. Ich war dankbar für die klären Worte. Seitdem rufe ich vorher beim Notdienst an (wenn wir es denn mal wieder in Anspruch nehmen müssen) und frage nach dem behandelnden Arzt. Wenn es diese Doktor ist, fahre ich freiwillig zum anderen Notdienst…

    Antwort

    • fräuleindoktor
      Okt 16, 2017 @ 16:02:22

      …Antibiotikum bei Husten ist sowieso Quatsch, da dieser meist viral ist. Als Bereitschaftsarzt sehe ich meine Aufgabe darin akute Krankheiten zu behandeln, deshalb kommt der Patient ja abends oder am Wochenende. Falls nötig gibts den Hinweis später nochmal zum Hausarzt/Facharzt für weitere Diagnostik zu gehen. Da mische ich mich aber nicht ein wenn es Zeit hat.

      Antwort

      • fräuleindoktor
        Okt 16, 2017 @ 16:09:42

        ….und COPD ist eine chronische Krankheit, das muss im Notdienst überhaupt nicht geklärt werden sondern nur die Beschwerden wie Fieber, Luftnot etc.

        Antwort

  15. hausdoc
    Okt 18, 2017 @ 19:38:03

    Was aber machen, wenn eine ganze Familie offensichtlich falsch behandelt wurde? Dem Papa Valsartan bei Tachykardien und nahezu normalem Blutdruck. Beide Kinder zu den Vorsorgeuntersuchungen gesehen, bei beiden Kindern „altersgerechter Impfstatus“ angekreuzt, den Eltern erzählt es sei alles geimpft und vollständig… und dann zu mir als Hausarzt gewechselt, weil sie „ein komisches Gefühl dabei“ hatten. Es fehlten nun wirklich allerhand Impfungen… bei beiden Kindern. Die Eltern versichern, dass sie nie eine Impfung abgelehnt haben und auch nie etwas verschoben werden musste. Nach Wechsel auf einen Betablocker war dann auch der Papa zufrieden.

    Was soll ich da bei der Nachfrage, ob das so in Ordnung sei, sagen?!

    Antwort

    • rosakind
      Okt 18, 2017 @ 20:00:13

      Dann sagt man, dass es einfach verschiedene Herangehensweisen gibt, vielleicht auch ein Generationenproblem. Und die fehlenden Impfungen-mal ehrlich da gibt es in Deutschland schon große regionale Unterschiede und auch unterschiedliche Impfkommisionen (z.B. in Sachsen). Im Zweifel kann man den Kollegen auch mal anrufen, auf alle Fälle aber diplomatische Worte finden

      Antwort

  16. Esme
    Okt 19, 2017 @ 21:45:48

    zwischen Schlechtmachen und Ehrlichkeit liegen aber auch noch ein paar professionelle Welten, oder?

    Wenn ich um eine Zweitmeinung bitte oder die Behandlung woanders fortsetzen möchte, dann möchte ich schon erklärt haben, warum so behandelt wird und warum das die bessere Option ist. Und je nachdem um was es geht, ist es auch wichtig meine Seele zu tätscheln, dass man versteht, warum man sich diese Zweitmeinung einholen will.
    Das kann man alles immer noch respektvoll machen ohne den Anderen als Stümper dastehen zu lassen.

    ich finde wegen der „Kollegenehre“ genauso ätzend wie „Kollegenschelte“ um selber besser da zu stehen.

    Wenn ich eine zweite Meinung suche, dann läuft irgendwas nicht rund, ich bin unsicher vllt. auch verzweifelt … an dem Punkt brauch ich Verständnis und Ehrlichkeit und kein falsches kollegiales Ehrgefühl, aber auch keine Selbsterhöhung durch Schlechtreden.

    Und was das „Fehler“management oder die Selbsteinschätzung betrifft – da ist nach meiner Erfahrung noch verdammt viel Luft nach oben.
    Ich weiß das es ein komplexes Thema ist und die Definition für Fehler recht eng ist, aber am Ende bleibt die offenen Frage – wie würde es dem Kind heute gehen, wenn man nicht 6 Jahre gebraucht hätte um von den Pferden und Zebras zum Kolibri zu kommen … und man nicht weitere 6 Jahre brauchte um zu akzeptieren, dass es nicht nur einen Floh-Kolibri war sondern auch noch ein Läuse-Kolibri gibt…

    Antwort

  17. rosakind
    Okt 20, 2017 @ 13:59:23

    Ich denke es liegt daran, dass den meisten Ärzten Kollegen doch etwas näher stehen als fremde Patienten die man im Fall Zweitmeinung zum ersten mal sieht. Und da sehe ich mich doch eher als Dolmetscher des Kollegen denn als Richter. Aber unterschiedliche Meinungen zu diesem Thema werden wohl bleiben.

    Antwort

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