„Der läuft so komisch“

A walk in the park...with style

Da war wieder jemand schneller – siehe die anhängende Pressemitteilung des BVKJ. Scheinbar geht es nicht nur mir so, dass Eltern um den zweiten Geburtstags die Frage nach den Laufwegen ihres Kindes stellen. Dabei ist das alles normal.

In aller Regel beginnen die Kinder mit O-Beinen zu laufen, die dann während des Lauflernalters zu recht auffälligen X-Beinen mutieren. Das richtige „Geradelaufen“ sieht man erst im Schulalter. In all diesen Phasen haben „Lauflernschuhe“, medizinische Einlagen oder Krankengymnastik nichts zu suchen. Den wohlmeinenden Hinweisen von Schuhverkäufern oder Kinderturnbetreuern dürfen Eltern mit Blick auf die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen antworten: „Das checkt der Kinder- und Jugendarzt regelmäßig.“ „Verpassen“ wird man sowieso nichts. Das Einzige, was nicht verpasst werden sollte, ist die vorgeschriebene Hüftuntersuchung per Ultraschall im Rahmen der frühen U3-Untersuchung. Hier kann eine angeborene Fehlstellung der Hüfte ausgeschlossen werden.


 

Die Pressemitteilung des BVKJ:

„Einwärtsgehen“ bei Kindern selten bedenklich

Schon als Säugling können die Füße einwärtsgedreht sein, aber auch, wenn Kinder zu laufen beginnen, drehen viele beim Gehen ihre Füße nach innen, sie gehen einwärts. Das kann unter Umständen bis in das Grundschulalter andauern.

Kleine Kinder zeigen häufig einen Einwärtsgang, der bei manchen Kinder bis zum Grundschulalter anhält. In den allermeisten Fällen korrigiert sich diese Gangart von selbst und erfordert keine Behandlung. Bemerken Eltern aber, dass ihr Kind Schwierigkeiten beim Gehen hat, häufig stolpert oder hinfällt, sollten sie ihr Kind beim Kinder- und Jugendarzt vorstellen, aber auf keinen Fall ohne ärztlich Anweisung ihren Kindern Korrekturschuhe oder Ähnliches zumuten. „Wenn sich der Einwärtsgang verschlimmert oder das Kind sogar hinkt oder Schmerzen angibt, sollten Eltern unverzüglich den Kinder- und Jugendarzt aufsuchen“, rät Dr. Ulrich Fegeler, Kinder- und Jugendarzt sowie Mitglied des Expertengremiums des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Ob sich die Gangart verändert, können Eltern, wenn sie unsicher sind, mit Hilfe von kurzen Videoaufnahmen im Abstand von einem Jahr erkennen. Dabei sollten sie ihr Kind beim Gehen von vorne und von hinten aufnehmen.

Die Einwärtsdrehung der Füße kann auf unterschiedlichen Ursachen beruhen. Säuglinge können eine Einwärtsdrehung des Vorfußes zeigen, die sich in der Regel schnell korrigiert. Beginnen Kinder zu laufen und die Füße einwärts zu drehen, kann gerade im frühen Kleinkindalter eine knöcherne Einwärtsdrehung des Schienbeines (Tibia) der Grund sein. Auch das „korrigieren“ die Zeit und das Wachstum. Am häufigsten und durchaus bis zum 9. Lebensjahr reichend besteht die Ursache in einer Innenrotation des Oberschenkelknochens (Femur) in den Hüftgelenken. Mit zunehmendem Wachstum richtet sich das Becken auf und durch die damit verbundenen statischen Veränderungen ändert sich auch die Rotation des Femurs im Hüftgelenk. „Betroffene Kinder bevorzugen u.a. auch den Zwischenfersensitz („Najadensitz“), d.h., das Gesäß befindet sich beim Sitzen zwischen beiden nach außen gewinkelten Beinen. Nur in ganz seltenen Ausnahmefällen sind operative Korrekturen notwendig“, erklärt Dr. Fegeler.

Ob eine Fehlbildung der Hüftgelenke vorliegt, kann der Kinder- und Jugendarzt durch eine Ultraschalluntersuchung der Hüfte beim Baby feststellen, die er routinemäßig bereits im Rahmen der U3 zwischen der 4. und 5. Lebenswoche durchführt. Auch, wenn der Innenrotationsgang noch jenseits des 9. Geburtstages auffällt, ist ein Besuch beim Kinder- und Jugendarzt angeraten. Bei besonderen Auffälligkeiten ist die Überweisung zum Kinderorthopäden notwendig.

Quellen: AAP, MMW Fortschr Med, J Peds


Dies ist eine Pressemitteilung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte BVKJ.

(c) Foto bei Flickr/Jeff Power (Lizenz Creative Commons)

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13 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Nebsler
    Feb 17, 2017 @ 16:52:20

    Der läuft so komisch … hat eingekackt

    Antwort

  2. duese
    Feb 17, 2017 @ 20:27:40

    Danke dafür, der Artikel kommt mir sehr gelegen.👍
    Unser Nachbar, seineszeichen Lehrer mit unfassbar scharfer Kombinationsgabe, guckte sich nämlich unser Babymädchen, zu dem Zeitpunkt 13 Monate alt und O-Beinig durch den Garten stacksend an und fragte: „Hat sie was mit der Hüfte? Das ist doch nicht normal!‘
    Schuster bleib bei Deinen Leisten… 😉

    Antwort

  3. Abcdef
    Feb 18, 2017 @ 07:13:48

    Nur zum Verständnis:
    Der Zwischenfersensitz, soll der ein Indiz dafür sein, dass das ehemals obeinige Kind nun xbeinig wird?

    Ich versuche diese Position (aua, das tut doch weh) meine Kinder nicht sitzen zu lassen (die Knie sind etwas knubbelig an der Innenseite).
    Also Unfug und das xbeinige ist idR normal?

    Antwort

    • kinderdok
      Feb 18, 2017 @ 12:19:13

      Ja, x-beinig ist normal bis ins Schulalter. Trotzdem sollten Kinder nicht übermäßig lange im Najadensitz verbringen (auch wenn sie es besser können als wir Erwachsene), weil das eben auf Dauer den Hüftkopf stark eindreht.

      Antwort

  4. rayne
    Feb 18, 2017 @ 11:31:00

    Nun… ich selbst gehörte zu der Kathegorie: Wenn das Kind Schwierigkeiten beim Gehen hat, häufig stolpert oder hinfällt… Zu diesem Zeitpunkt war ich 4, meine Knie waren wohl niemals mal irgendwie abgeheilt (aber halt wirklich auffällig niemals). Ging dann zum Kinderarzt, Kinderorthopäden und dann zur Physiotherapie. Ich hab eine auffällige Einwärtsdrehung in der rechten Tibia. Die Physiotherapie hat ziemlich gut funktioniert. Heute (so etwa ein Vierteljahrhundert später) hab ich immer noch eine geringe Einwärtsdrehung der rechten Tibia, welche nur bei starker Müdigkeit zu einer sichtbaren Gangbildveränderung führt (rechter Fuß dreht sich ein) und zu einer auffälligen Abnutzung der Schuhe. Ersteres bemerke ich nicht (keine Probleme). Ach… und ich sitze bis heute im Zwischenfersensitz (aber das hielt ich bis grade eben für normal).

    Antwort

  5. Yvonne Kaleja
    Feb 19, 2017 @ 12:13:56

    Es gibt aber auch die anderen Fälle: meine Tochter rotierte mit dem rechten Fuß nach innen, fuhr sich mit dem Laufrad hin und wieder sogar über den Fuß. Auch nach mehrmaligem Nachfragen war unser Kinderdoc der Meinung, ich sei zu kritisch mit meinem Kind und das Ganze verwachse sich bis ins Schulalter. Ich blieb beharrlich und wollte mich nicht als übervorsichtige Mutter abstempeln lassen…Ergebnis der Untersuchung in der Uniklinik mit drei Jahren: Hemiparese nach vorgeburtlichem Schlaganfall……

    Antwort

  6. Anonymous
    Feb 19, 2017 @ 15:42:41

    Ich lief auch „so komisch“. Grund: Hüftluxation beidseitig. Hatte damals natürlich keiner routinemäßig untersucht.

    Antwort

  7. Pinky
    Feb 23, 2017 @ 13:19:49

    Puh, bin ich froh, dass man bei mir rechtzeitig (!) hingesehen hat und kein „och das arme Frühchen, das wird schon noch“ rausgehauen hat.
    Dank meines aufmerksamen Kinderarztes, der mich sofort nach der Krankenhausentlassung zur Physio schickte und drei großen Operationen, bin ich überhaupt in der Lage zu laufen.
    Meine Hemiparese ist zwar nicht weg und das wird sie nie sein aber dadurch hat man meine Gehfähigkeit gerettet.
    Ach und zum Thema „jeder-muss-seinen-Senf-dazugeben“: Nein, ich habe kein MS (Gerüchte sind was schönes), ich bin nicht vom Wickeltisch gefallen (Zitat einer Kinderkrankenschwester an meine Mutter) und ich habe nix an der Hüfte (hätte eine Strichliste anfangen sollen) 🙂
    Frage mich aber heute noch, wie ich es geschafft habe, mit meinen eineinhalb Jährchen und extremen rechten Spitzfuß überhaupt zu laufen 🙂

    Fazit: Hinschauen ja. Und rechtzeitig intervenieren.

    Antwort

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