Gelesen im April

Selbstporträt mit Flusspferd von Arno Geiger
In der Reihe der Bücher über junge männliche Protagonisten vom Übergang des Schüler- oder Studentendaseins zum Erwachsenenwerden mit allen Irrungen und Wirrungen dieser Zeit, erster echter Liebe, erstem Sex, der Auseinandersetzung mit den Autoritäten dieser Welt, den Freunden, die sich jetzt wie die Spreu vom Weizen trennen, viel Musik und viel Selbstzweifel – ist dies auch eines. Die Sprache von Arno Geiger ist viel gerühmt, die Metapher des Flusspferdes taugt für viele Interpretationen in Lesezirkeln und Deutsch-Grundkursen, eine echte nachhaltige Botschaft konnte ich dem Buch nicht entnehmen. Abgehakt unter „Arno Geiger gelesen“. (3/5)

Unsere Kinder: Was sie für die Zukunft wirklich stark macht von Reimer Gronemeyer und Michaela Fink
Die Autoren nehmen sich unglaublich viel vor: Krisen der Zukunft, Bildung, Sicherheit, Toleranz, Empathie, Information, Gesundheit und Stärke, schließlich den Sprung in die Zukunft – so die Kapiteltitel. Dabei kommen sie pro Kapitel, quatsch, pro Absatz vom Hundertsten zum Tausendsten, wilde Assoziationen von der Familie hin zur Ausbeutung der Welt, vom Handykonsum zum Schicksal von afrikanischen Kindern. Schreibt man ein Sachbuch, dann mag man vielleicht mit einem Brainstorming beginnen, einer Mind-Map, dabei kommen unglaublich schlaue Gedanken heraus, keine Frage, aber ihnen fehlt der rote Faden. Als ob die Basis-Mind-Map in Sätze verwandelt wurde. Bei jedem zweiten oder dritten Absatz fragte ich mich: Wo ist hier der Lektor, der die Kapitel straffte, strukturierte, auf den Punkt brachte?
Und zuletzt – Wer die Devise anpeilt „Was unsere Kinder für die Zukunft wirklich stark macht“, sollte sich immer wieder auf diese Frage besinnen und hinarbeiten.
Man verstehe mich nicht falsch: Das Buch ist sehr interessant und es gibt viele Ansätze zum Grübeln, ein Rundumschlag der Gesellschaftskritik.
Mir war´s am Ende zu chaotisch. (2/5)

Der Araber von morgen, Band 2: Eine Kindheit im Nahen Osten (1984 – 1985) von von Riad Sattouf
(Deutsch von Andreas Platthaus)
Der Zweite Teil der Autobiographie von Riad Sattouf ist kompakter als der erste Teil, geschuldet sicher dem besseren Erinnern der Zeit, als der kleine Riad nun in die Schule kommt. Noch mehr spielt Sattouf mit den Farben, dem blaßen Rosa in der Geschichte, dem feurigen Rot bei Gefahr, dem Blaßblau in den Szenen in Frankreich. Wie schon beim ersten Teil fasziniert die naive Sicht des Jungen auf die Gegebenheiten im patriachalischen Islam, das Nichtverstehen des Judenhasses und der Diktatur, die Schilderungen des seltsamen Essens und der Lebenskultur. Man fürchtet die „Lebensphilospophie“ zu spüren, die Menschen zu Islamisten machen. Sattouf hat später sein Vaterland verlassen, und ist in seinem Mutterland zu einem berühmten Zeichner gereift (der auch in „Charlie Hebdo“ veröffentlichte). — Ganz gespannt auf den nächsten Teil. (5/5)

Sophia, der Tod und ich von Thees Uhlmann
Sänger schreiben Bücher. Na dann. Und dann lesen sie auch noch das eigene Buch als Hörbuch ein. Ohje. Ob das wird?
Und ob. Selten habe ich ein Hörbuch so gerne konsumiert, wartete jeden Morgen im Auto gespannt auf die Fortsetzung. Der Gedanke, der Tod steht vor der Tür, wie knapse ich ihm ein paar Zeit ab – genial umgesetzt, sehr lustig formuliert, sehr herzerwärmend. Ich habe teils laut losgelacht, am Ende geheult. Und das Thees Uhlmann das Buch selbst liest, versüßt den Genuß – seine norddeutsche Schnodderschnauze passt hervorragend. Da wird sogar der Tod sympathisch. (5/5)

Fieber am Morgen von Péter Gárdos (Hörbuch gelesen von Axel Wostry, übersetzt von Timea Tankó)
Im Literarischen Quartett kam das Buch so leidlich gut weg, ich habe es mir ausgesucht, weil ich mal wieder einen historischen Stoff lesen wollte. Péter Gárdos Vater schreibt im Nachkriegsexil in Schweden hunderte von Briefen an ungarische Frauen, und verliebt sich in eine. Eine romantische Geschichte mit viel Hoffnung nach dem großen Leid. Der Zauber entsteht tatsächlich aus der Authentizität. Die Schrecken des Dritten Reiches ertönen in wenigen Sätzen, „über die sie nie sprachen“ – und sind dafür umso eindringlicher.
Vielleicht hätte ich den Atem für die Lektüre nicht gehabt, als Hörbuch war es ein interssantes Erlebnis. (4/5)

… und geguckt:
Bosch – Staffel 2
Better Call Saul – 2
Fargo – Season 2

[Dieser Text enthält so genannte Affiliate Links – siehe Impressum]

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5 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. ratschkatl
    Mai 01, 2016 @ 01:11:28

    Thees Uhlmann habe ich bei der Lit.cologne gesehen und gehört. Das hat schon Lust auf das Buch gemacht.

    Antwort

  2. henriette
    Mai 01, 2016 @ 09:33:35

    danke für tipps, das nilpferd hatte ich schon im blick, bleibt dann im geschäft und ich werfe noch als ampfehlung unterleuten von juli zeh in den ring, habs zwar noch nicht zu ende, aber das erste drittel ist sehr, sehr vielsversprechend!

    Antwort

  3. henriette
    Mai 05, 2016 @ 19:58:35

    habe unterleuten fertig, lohnt sich. wirklich!

    Antwort

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