Gelesen im November

Ich stecke momentan noch mitten im ausführlichen Knausgardschen Lieben, deshalb war der letzte Monat etwas hör-, sach- und bilderbuchlastig. Das hat mich beschäftigt im November:

Schreiben dicht am Leben: Notieren und Skizzieren
von Hanns-Josef Ortheil
Ortheil hat eine ganze Reihe von Büchern für Schreiber herausgegeben – es folgt gleich noch ein zweites. Sie sind alle teils lesenswert, teils, naja, ganz ok. Dieses hier beschäftigt sich mit Notizen des Alltags, die verschiedenen Formen des Notierens, verschiedenen Spielarten. Jedes Kapitel endet mit einer Übung, um das Gelernte zu vertiefen. Recht motivierendes Buch, ich wollte sofort zu Stift und Papier greifen, die Übungen sind wichtig für Vorarbeiten für größere Schreibaufgaben. Manche Übung hat mich nicht erreicht. (3/5)

Schreiben unter Strom: Experimentieren mit Twitter, Blogs, Facebook & Co
von Stephan Borombka
Aus der gleichen Reihe, den Inhalt vermittelt der Titel. Ich hatte mir mehr Empfehlungen gewünscht, *wie* man in den neuen Medien schreibt, leider beschränkt sich der Autor eher auf kunstvolles Experiementieren mit diesen. Außerdem merkt man dem Buch schnell an, was drei Jahre nach Erscheinen in der jetzigen Social-Media-Welt ausmachen – vieles ist einfach überholt. Twitter? Neu? (3/5)

Akim rennt
von Claude K. Dubois (Übersetzt von Tobias Scheffel)
Ein sehr schönes und kurzes Bilderbuch über ein Flüchtlingskind. Sehr wenig Text, wunderbar zurückgenommene Bleistiftzeichnungen, die in ihrer Struktur die Unwirklichkeit einer Flucht widerspiegeln. Alles wirkt dahinfließend, ungreifbar, die Welt aus der Sicht des Kindes. Meine pubertierende Tochter war beeindruckt. Aber für welches Alter ist dieses Buch wirklich? (5/5)

Ich mag Regen: Traurige Liebesgeschichten aus meinem Leben
von Marvin Ruppert
Der Poetry-Slammer Ruppert versammelt hier seine besten Texte. Sie lesen sich wie seine Auftritte: Lustig, mit viel Sinn für die deutsche Sprache und dem sezierenden Blick auf Alltagssituationen. Man muß sich ein wenig auf den Slammerhumor einlassen, damit er sich von Standyup-Comedians unterscheidet. Dann ist die Lektüre ein Vergnügen. Sonst bleibt es etwas flach. (4/5)

Ins Freie
von Joshua Ferris (Übersetzt von Marcus Ingendaay, Hörbuch gelesen von Matthias Brandt)
Ein Roman über den Zwang, weglaufen zu müssen. Tim Farnsworth kann nicht anders, als aufzustehen und zu gehen, auch wenn es draußen Minusgrade hat. Das bringt ihn immer wieder in große Gefahren. Seine Ehe zerbricht, seine Karriere geht den Bach runter. Nichts kann ihm helfen.
Das Buch gibt keine Antworten: Warum das so ist, was ihm helfen kann, aber schildert sehr bedrückend die Psyche einer Zwangserkrankung. Unbedingt lesenswert. In die Stimme von Matthias Brandt muß man sich hineinhören, aber sie passt zu der ganzen Geschichte. Ich höre meine Hörbücher im Auto auf dem Weg zur Praxis und zurück. Diesmal bin ich Umwege gefahren, um „dranzubleiben“, und zehn Minuten in der Garage sitzen geblieben, um das Kapitel zu Ende zu hören. (5/5)

Der Ozean am Ende der Straße
von Neil Gaiman (Übersetzt von Hannes Riffel, Hörbuch gelesen von Hannes Jaennicke)
Der Roman ist schön geschrieben, versetzt uns in die Kindheit des Protagonisten, als er – ganz typisch Neil Gaiman – wie selbstverständlich mit der mystischen Zauberwelt seiner Nachbarn konfrontiert wird. Wofür steht das? Die Phantasiewelt eines Kindes? Die Bornierheit der Erwachsenen, Parallelwelten nicht sehen zu können? Sind die Eltern und die böse Frau eine Metapher für die Übergriffe und Ignoranz der Großen? Oder ist es eine simple Märchengeschichte? Den überschwänglichen Lobeshymnen auf Amazon kann ich mich nicht anschließen. Das Buch ist ganz ok, aber Gaiman hat schon Besseres geschrieben.
Achtung: Hannes Jaennicke mag zwar ein guter Schauspieler sein mit sonorer Stimme, als Hörbuchleser taugt man aber nicht, wenn die Buchstaben /ICH/, /ISCH/ oder /IG/ alle gleich klingen. Grauselig genuschelt. (3/5, als Hörbuch 1/5)

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