Mindmapping

Jetzt sind es schon lange keine aktuellen Nachrichten mehr, aber die Gewinner des diesjährigen Medizin-Nobelpreises sind der amerikanische Neurologe John O’Keefe und das norwegische Ehepaar May-Britt und Edvard Moser. Normalerweise habe ich keine Ahnung von den Dingen, die in den nobelpreisgeehrten Laboratorien so abgeht (Chemie und Physik kapiere ich schon gar nicht) – aber diesmal hatte ich tatsächlich schon einmal von der Arbeit der drei gehört.

In diesem schönen Artikel aus der NY Times von 2013 wird ihre Arbeit ganz gut beschrieben. Spannend die Geschichte der Familie Moser, die aus dem hohen Norden Norwegens stammen, bereits die gleiche weiterführende Schule besuchten und später trotz ihres wissenschaftlichen Erfolges zwei Töchter großziehen. „Most couples manage to cooperate on child raising — for us, our brain project is our third child, so nothing different, really.“

Hoch lebe das norwegische Bildungssystem, möchte man rufen, und hoch lebe das gleichberechtigte Arbeiten von Frau und Mann in dieser Gesellschaft. Ob das woanders auch so möglich gewesen wäre?

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12 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Klabund
    Okt 06, 2014 @ 18:05:30

    Ich finde das norwegische System gut, das deutsche aber auch.
    Der Trend geht hier doch auch zu Ganztagsbetreuung und dahin, dafür arbeiten zu gehen um andere dafür zu bezahlen dass sie die Kinder großziehen. Die meisten Forscherinnen die halbtags arbeiten werden in den 4 Stunden täglich wohl nicht so bahnbrechende Erfolge erzielen, vermute ich jetzt einfach mal ganz frech. Warum sollte das also nicht auch in Deutschland möglich sein. Wir sind doch sowieso recht gut aufgestellt was Patente und Innovationen angeht.

    Antwort

    • fraeuleinfiete
      Okt 06, 2014 @ 21:58:44

      Du hast Recht, wir haben es hier in Deutschland gar nicht so schlecht, wie wir immer tun. Die Betreuungssituation ist zwar nicht optimal, aber könnte bei Weitem schlechter sein.
      Der große Unterschied zu Skandinavien ist jedoch, dass Frauen in Deutschland schief angesehen werden, wenn sie das Betreuungsangebot wahrnehmen und ihr wenige Monate altes Kind in die Krippe geben oder ihr Kleinkind erst um 18 oder 19 Uhr abends wieder abholen. Solche Frauen gelten bei uns als Rabenmütter, die Karriere vor Kind stellen. Anstatt ihnen Respekt zu zollen, dass sie sich der Doppelbelastung stellen und hohe Ansprüche an ihre Arbeitsleistung haben, macht unsere Gesellschaft ihnen das Leben schwer und setzt sie enormem Druck aus. Sicher sind nicht alle Deutschen dieser Meinung, aber ein Großteil unserer Gesellschaft denkt offenbar so. Insbesondere innerhalb der Bildungsinstitutionen wurde ich mit diesen Vorurteilen konfrontiert – seltsamerweise häufig von studierten und arbeitenden Frauen, die sich doch eigentlich am besten in diese Situation hineinversetzen sollten.
      Solange wir nicht an unserer Einstellung arbeiten, brauchen wir über Gleichberechtigung überhaupt nicht reden. Ich persönlich glaube, dass am Frauen-, Mütter- und Familienbild in unserem Land dringend etwas verändert werden sollte, denn keine Frau (Apropos Gleichberechtigung: Natürlich auch kein Mann) sollte sich zwischen Familie und Karriere entscheiden müssen oder sich dem Unmut seiner/ihrer Mitmenschen aussetzen müssen. Wir alle sollten mal einen Blick in den Norden werfen, dort oben haben wir tolle Vorbilder, wie uns der liebe Herr Kinderdok in seinem Beitrag mal wieder ganz aktuell vor Augen führt 😉
      Liebste Grüße, Fräulein Fiete

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      • aucheinemama
        Okt 07, 2014 @ 13:57:53

        Mit den schiefen Blicken der Nachbarn könnte/kann ich leben. Mit der zum Teil wirklich miesen Betreuungssituation eher weniger. Die Kinder sollen trotz meiner Berufstätigkeit gut aufgehoben sein und das ist dank des in vielen deutschen Einrichtungen üblichen Betreuungsschlüssels oft nicht gegeben. Für den einen habe ich jetzt eine gute Lösung (privat) gefunden, nach laaaangem Suchen. Beim anderen bin ich eher unglücklich und nicht bereit, ihn dort jeden Tag bis 17:00 Uhr oder gar länger zu lassen. Bei 1 1/2 Betreuern für bis zu 23 Kinder. Yeah! Und die Einrichtung ist schon mit Bedacht ausgewählt. In meiner Gegend liegt der Bedarf nunmal deutlich höher als die eigentlich vorhandenen Plätze. Darunter leiden dann die KInder. Also arbeite ich eben weniger. Wie so viele andere, die ich kenne. Denn nur mit einem Platz in einer Einrichtung allein ist es nicht getan. Die Qualität muss auch stimmen!
        Dass ich mit zwei Kindern nicht mehr 45+ Stunden pro Woche arbeiten will, steht auf einem anderen Blatt und ist meine persönliche Entscheidung. Aber aus den oben genannten Gründen, ginge das auch kaum. Oder für einen zu hohen Preis.

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  2. anneinsideoffice
    Okt 06, 2014 @ 19:25:45

    Auf jeden Falll soll sich die Arbeit auch lohnen! Bei uns in der Schweiz brauchen gut verdienende Doppelverdiener fast das ganze zusätzliche Gehalt um die Krippenplätze, die höheren Steuern etc zu bezahlen. Das darf nicht sein!

    Antwort

  3. Neresi
    Okt 06, 2014 @ 20:46:12

    Möglich ist es bestimmt, wir leben es auch so (allerdings kein Forscherpaar, sondern schnöde IT-ler ;)), nur leider extrem exotisch und ungewöhnlich, besonders hier in Bayern.

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  4. Sam
    Okt 06, 2014 @ 21:38:26

    Als Ost-Kind kann ich nur sagen: Hatten wir schon. 😉
    Nein, ehrlich: Dass Kinder nicht in den Kindergarten gehen oder auch in der 4. Klasse mittags noch von der Schule abgeholt werden sehe ich hier im Ruhrpott das erste mal. Dafür hätten meine Eltern und auch die Eltern meiner Freunde keine Zeit gehabt, weil sie arbeiten waren. Und wir konnten den ganzen Tag mit unseren Freunden rumtigern. Am Wochenende und in den Ferien gab es dann halt Programm als Familie. Aber erst ab Freitagabend, vorher hat mein Papa die Wohnung geputzt. 😀

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    • henriette
      Okt 07, 2014 @ 07:04:51

      hmmm, ohne die unterstuetzung bei den hausaufgaben ist aber auch die grundschule nicht zur realisieren, denn den kindern wird nicht beigebracht WIE sie zu ueben haben, das ist sache der eltern. explizit.

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  5. Nessy
    Okt 06, 2014 @ 22:23:25

    Das ist in Deutschland schon allein deshalb nicht möglich, weil es niemals zwei Partner gleichberechtigt schaffen, auf prekären, hochgradig befristeten Wissenschaftlerstellen ihr Auskommen zu finden.

    Antwort

    • Panagrellus
      Okt 07, 2014 @ 09:15:21

      Ganz genau. Siehe das Interview in der FAZ gestern mit der neuen Nobelpreisträgerin:
      Sie sagt „Ein halbes Jahr nach der Promotion [!] haben wir beide [!] eine Stelle [!] hier in Trondheim [!] bekommen“.
      Heute quasi undenkbar in der deutschen Grundlagenforschung. Feste Stellen gibt’s sehr wenige, und die erst nach jahrelangem Herumvagabundieren, ca. Anfang 40, und dann sicher nicht für zwei Leute mit gleichem Thema am selben Ort.

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  6. cassa
    Okt 07, 2014 @ 16:09:58

    Meine Meinung:

    Kinderbetreuung innerhalb der Familie und außerhäusliche Erwerbstätigkeit sollten sich nicht gegenseitig ausschließen. Idealerweise sind alle drei denkbaren Modelle möglich:
    1. beide Vollzeit, Kinder in Vollbetreuung
    2. Einer Vollzeit, einer Kinderbetreuung
    3 Mischformen mit Teilzeit auf beiden Seiten und evtl. teilweiser Fremdbetreuung

    Jede Familie sollte das für sich passende Modell wählen können.
    Passend zu den Bedürfnissen der Kinder UND der Eltern.
    Ohne schief angeguckt zu werden.

    Für viele (inklusive dem Staat!) scheint nur Option 1 oder 2 zu existieren.
    Entsprechende Grabenkämpfe tun sich auf.
    Dabei täte Nr. 3 wahrscheinlich den meisten Familien deutlich besser…

    Antwort

  7. cassa
    Okt 07, 2014 @ 20:15:46

    In dem Zusammenhang finde ich folgende Sendung super spannend:

    Wenn Norwegen tatsächlich ein Land ist, dass besonders stolz auf seine „Frauenarbeitsquote“ ist…. macht das im Interview gezeigte doch deutlich:

    Den Gedanken zuzulassen, dass Menschen diese Art von „Gleichmachung“ (auch Frauen zu 50% in Männerjobs u.s.w.) überhaupt nicht wollen, ist extrem angsteinflößend für so manchen….

    Antwort

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