Ringelreihen

Ringelröteln hier, Ringelröteln da.

Es gibt wieder mal eine Welle von Parvovirus-Infektionen, auch Ringelröteln genannt, fifth disease der Kinderkrankheiten und wirklich harmlos. Was sollen wir noch machen, außer das allen Eltern zu sagen, die mit den typischen Pickelchen und Wangenrötungen kommen? Wir telefonieren schon mit den Kindergärten und geben die Info in das städtische Netzwerk: Ringelröteln sind nicht schlimm.

Und trotzdem, mindestens zwei oder dreimal pro Woche:

Panischer Anruf einer Mutter bzw. Dringende Vorstellung ohne Termin bzw. 22 Uhr Vorstellung im Notdienst:
„Mein Kind hat diesen Ausschlag, und im Kindergarten gehen die Ringelröteln rum – da muß man sofort was tun!“

Nein. Muß man nicht. Kann man auch nicht. Passiert auch nichts.

Nochmal von vorne und zum Mitschreiben und Weitersagen:
Ringelröteln werden durch einen Virus ausgelöst, haben eine Inkubationszeit von einer Woche (bis vierzehn Tage) und sind ansteckend, bevor der Ausschlag kommt. Bedeutet: Du weißt nicht, dass Du RiRö hast, bevor die Rötungen zu sehen sind, und wenn der Ausschlag da ist, bist Du nicht mehr ansteckend. Bedeutet wiederum für die Epidemiologie in Kindergärten: Pech gehabt, weil nicht vorhersehbar.

Typisch sind girlandenförmige Rötungen an Armen (auch Beinen) und ein kräftigere Rötung der Wangen. Husten, Schnupfen, Fieber, alles möglich. Der Ausschlag beweist die Erkrankung, kommt aber nur in einem Viertel der Fälle vor. Meist merkste nämlich von den RiRö gar nichts. Ringelröteln dürfte inzwischen (durch Impfung der anderen) die häufigste, aber auch harmloseste, gleichzeitig überschätzteste Kinderkrankheit aller sein. Panik ist aber nicht angeraten.

Gerne wird das Risiko für Schwangere (eher für das Ungeborene) genannt. Ja, das gibt es, und das darf man nicht unterschätzen – dennoch haben die meisten Frauen die Ringelröteln unwissentlich bereits durchgemacht und sind daher nicht anfällig. Und da man vorher nicht weiß, dass jemand ansteckend ist, kann man nun entweder den Kindergarten meiden oder gleich Ede.ka/al.di/Krabbelgruppe/Spielplatz usw. dazu.

Mit den Röteln hat’s übrigens nichts zu tun. Vielleicht kommt die Panik auch aus dieser doofen Namensgebung? In Ungarn heißen die Ringelröteln „Schmetterlingspocken“ und in Japan „Apfelkrankheit“ (da sind wohl alle Äpfel rot). Damit hätten wir in den Kindergärten wohl weniger Probleme.

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27 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. perlenmama
    Jun 05, 2014 @ 21:57:25

    Danke für diesen Beitrag, ich hätte wahrscheinlich genau so panisch bei ihnen angerufen. Wieder einmal was gelernt!

    Antwort

  2. Elawen
    Jun 05, 2014 @ 22:04:55

    hmm.. Was machen Ringelröteln auf Neurodermitis-Haut? Dass Windpocken einen extremen Schub auslösen können, weiß ich ja; deswegen bekommt Sohnemann dann auch die Impfung. Aber Ringelröteln? Ich bin froh, dass wir das soweit im Griff haben, nur durch die Zahnerei gibts grad immer mal wieder Ausschläge.

    Antwort

    • kinderdok
      Jun 05, 2014 @ 22:17:50

      Ja, das kann, wie jede Virusinfektion mit Hauterscheinungen, heftiger ausfallen als bei anderen. Das solltest Du aber mit einer „Schubbehandlung“ (Cortisonsalbe) gut in den Griff bekommen.

      Antwort

      • Elawen
        Jun 05, 2014 @ 23:01:14

        Danke 🙂 Dann muss ich die Kinderärztin dann wohl um die große Tube bitten 😉 ich drück uns jetzt einfach die Daumen, dass der Kelch an uns vorüber geht.

        Antwort

  3. unnamedinweiss
    Jun 05, 2014 @ 22:27:05

    In der Hausarztpraxis kommt es gar nicht so selten vor, dass junge Mütter sich mit Gelenkschmerzen und Gelenkentzündungen vorstellen. Manchmal sieht das aus wie eine beginnende rheumathoide Arthritis (chronisches Gelenkrheuma) mit geschwollenen Hand- und Fingergelenken. Da lohnt sich immer die Frage, ob bei den Kindern oder im Kindergarten Ringelröteln aufgetreten sind und man kann häufig eine Parvo B19-Virus Infektion nachweisen. Das ist vielleicht nicht ganz harmlos, aber vergeht in der Regel relativ schnell wieder und hat eine gute Prognose.

    Antwort

    • aucheinemama
      Jun 05, 2014 @ 22:57:19

      Ach! Sieh einer an! Meine Jungs hatten (kurz hintereinander) gerade die Ringelröteln und ich zeitnah leichte Grippesymptome und heftige Gelenkschmerzen. Einen Zusammenhang hatte ich nicht gesehen. Hatte mich einfach nur gewundert. Okay, war auch nicht beim Arzt, da die Schmerzen nach einigen Tagen von alleine verschwanden.
      Nachträglich ändert es nichts, ob es tatsächlich einen Zusammenhang gab oder nicht, trotzdem danke für den Tipp.

      Antwort

  4. dranna
    Jun 05, 2014 @ 23:04:07

    Tja, ich gehöre leider zu den Schwangeren, die noch keine Ringelröteln hatten und daher ist mir bei der aktuellen Welle (zum Glück bisher nicht in der Kita meines Sohnes aber in jenen von diversen anderen mir bekannten Kindern) zumindest etwas mulmig zumute…

    Antwort

    • C.D.
      Jun 06, 2014 @ 21:09:29

      Oje, da drück ich die Daumen, dass du dich nicht ansteckst.
      Ich hatte letztes Jahr das „Vergnügen“.
      Schwanger und nicht immun gegen Ringelröteln und dann gingen sie im Dorf um. Meine Tochter hat es – so wie 90% der anderen Schulkinder – auch erwischt. Ganz typisch und eindeutig – und wirklich völlig harmlos fürs Kind. Das war fit und fühlte sich gar nicht krank.
      Also bin ich brav alle 2 Wochen zum Blutabzapfen marschiert um zu kontrollieren ob ich mich angesteckt habe. Ist aber zum Glück nicht passiert und ich hab immer noch keinen Titer gegen Ringelröteln. Aber nun ist es mir auch egal, weil ich nicht vorhabe nochmal schwanger zu werden. 😉
      Meiner Tochter hab ich es immerhin gleich ganz dick in ihr Erinnerungsalbum geschrieben, dass sie Ringelröteln schon hatte und sich später in der Schwangerschaft darüber keinen Kopf machen muss. 🙂

      Antwort

  5. kuestenfrau
    Jun 05, 2014 @ 23:06:34

    Die Aufklärung der Kindergärten scheint aber wirklich nötig zu sein. Als unser Sohn damals an Ringelröteln erkrankte, musste ich sogar vom KiA ein Attest vorlegen, dass er wirklich nicht mehr ansteckend ist, bevor er wieder kommen durfte ;).

    Antwort

  6. Jeb
    Jun 05, 2014 @ 23:38:00

    Wie so oft auch hier wieder: Da hätte mir ein bisschen mehr Aufklärung bzw. schultechnische Bildung nicht geschadet!
    Ringelröteln im Kindergarten, groooßes Schild, und ich frage noch ganz naiv: „Ist das schlimm?“
    Antwort: „Ja, eigentlich nicht, aber da Sie schwanger sind…“
    Panisches recherchieren, Bluttest beim Arzt – eben weil die Krankheit so „harmlos“ ist, wusste keiner mehr, ob ich die schonmal hatte!
    Und bis zum Ergebnis meines Bluttests: Kind nicht mehr in den Kindergarten, Daumen drücken, dass es sich a) nicht angesteckt hat und/oder ich b) schon Ringelröteln gehabt hatte.
    Also: Warum nicht einfach mal eine schööööne Liste machen: Dies und das KANN schädlich sein für Kinder/Schwangere/Ungeborene, das hier nicht!
    … Oder – wie ich schon des Öfteren gesagt habe – einfach mal an den Schulen mehr medizinisches Wissen unterrichten, anstatt zB. die Fortpflanzungsmethoden von Biene, Schnecke und Farn.
    Ich habe Abitur und gehöre somit statistisch zu den gebildeteren Menschen im Land – aber von Ringelröteln hatte ich bis zu besagtem Zeitpunkt noch nie etwas gehört…
    Insofern mal wieder: Danke, lieber Kinderdok, für diesen Beitrag! 🙂

    Antwort

    • Murifex
      Jun 06, 2014 @ 13:05:08

      Medizinische Grundlagen in der Schule… das wär was. Macht sicher mehr Sinn, als zum xtausendsten Mal die Nazizeit durchzunehmen. Absolut dafür!

      Dann aber bitte unterrichtet von jemand der sich auskennt. Also zum Beispiel ein Arzt, kein Biolehrer, der eine ein-Wochenende-Fortbildung gemacht hat…

      Antwort

      • Anita
        Jun 06, 2014 @ 20:42:25

        Ein Arzt wäre hier sinnvoll, da einige Biolehrer auch nicht wissentschaftliche oder überholte Seiten aus dem Netz zur Bearbeitung anbieten.

        Und Geschichte, tja, wenn denn das Thema mal drankäme. Das es wichtig ist, zeigt u.a. die MMS Debatte und einige Kommentare aus diesem Milieu.

        Antwort

  7. Anonymous
    Jun 05, 2014 @ 23:52:31

    Oh ja, das hatten wir gerade durch. Und gleich Panik bei den Nachbarseltern, dass sich ihr Kind ansteckt bei gepunktetem Kind. Wobei der Ausschlag nicht nach Lehrbuch war und daher (zunächst) nicht eindeutig vom Arzt zugeordnet werden konnte.
    Und 4 Tage nach Abklingen der Symptome gleich die HandMundFußKrankheit hinterher. Auch untypisch vom Ausschlag her und deshalb unerkannt bei den übrigen infizierten Kindern, die meines ansteckten.
    Leider musste ich also jetzt also zweimal die Erfahrung machen: Kinderarzt erkennt keinen idealtypischen Verlauf -> also irgendein Virus mit Ausschlag. Beim ersten Mal musste mein Kind deshalb mit Ringelröteln in Quarantäne und beim zweiten Mal wurde es angesteckt, weil Kinder mit untypischer HandMundFußKrankheit in der Betreuung waren.

    Antwort

  8. gwendolynkucharsky
    Jun 06, 2014 @ 06:45:42

    Danke für die Aufklärung! Seit ich letzten Winter das Vergnügen mit schmerzenden Gelenken allüberall und einem juckenden Ausschlag an den Beinen hatte, konnte ich zwei Wochen später die Ringelröteln bei meinem Jüngsten (knallrote Wangen und ein Ausschlag, der sich nach und nach über den ganzen Körper ausbreitete) sogar schon selbst diagnostizieren ;). Und habe uns einen Arztbesuch gespart, machen kann man ja sowieso nix mehr…

    Antwort

  9. Anita
    Jun 06, 2014 @ 07:32:33

    Die Informationskette muss anscheinend wirklich dringend verbessert werden!!

    http://www.familie.de/gesundheit/ringelroeteln-541129.html

    denn auf solchen Seiten werden dann augenscheinlich FALSCHE Informationen verbreitet.

    Und welche Jung-Mutter würde bei den dort genanneten Infos nicht panisch werden!

    Für Menschen, die ganz neu in der Thematik „Kinderkrankheiten“ und deren Verbreitung unterwegs sind, sind dies doch oft die ersten Anlaufstellen, wo man Infos herbekommt und manche Kgas und Schulen scheinen keinen besseren Informationshintergrund zu haben.

    Antwort

  10. Anonymous
    Jun 06, 2014 @ 08:18:49

    Danke für den Beitrag!!
    Als ich Schwanger war hatte ich auch Ringelröteln. Gemerkt habe ich das nicht, aber das Blut hat es nachgewiesen. Ich mußte dann ständig zum Ultraschall, da dies in dem Zeitraum auftrat, wo es gefählich fürs Ungeborene sein könnte. Ist aber alles gut ausgegangen.
    Die Panikmache verstehe ich bis heute nicht bei der Krankheit, wenn man nicht gerade schwanger ist.

    Antwort

  11. Daniel Kuhn
    Jun 06, 2014 @ 08:47:25

    Du meinst ehtlich wenn das „Pocken“ statt „Röteln“ hiesse hättest Du weniger Probleme? 😉

    Antwort

  12. Wolfy
    Jun 06, 2014 @ 14:27:46

    Stimmt… bei uns (Allg. und Gyn.) rufen zur Zeit auch immer wieder etliche panische Mütter an. Wir machen dann auch immer brav die Blutuntersuchung und kontrollieren das Kind – also nicht WIR als MFAs… ihr wisst scho… – bisher hatten wir zum Glück keine infizierte Mutter dabei.
    Aber fast alle schimpfen danach auf „unsinnige“ Impfungen… kann ja nicht sein, dass man sich hat MMR impfen lassen* und dann trotzdem „Röteln“ bekäme.
    Das ist immer ein Akt, den Damen zu erklären, dass Ringelröteln NICHT Röteln sind.

    *= Geht dann manchmal auch in eine Impfdiskussion über… aber zum Glück sind die meisten Patienten bei uns vernünftig und kommen zu jeden Arztbesuch mit Büchlein („Können sie mal schauen, ob was ansteht?“ -> Recall-System bringt bei denen „leider“ auch nichts… aber besser so als andersrum 🙂 ).

    Antwort

  13. Tina
    Jun 06, 2014 @ 19:39:27

    Bei uns war es gerade umgekehrt: Arzt diagnostiziert bei unspezifischem Ausschlag mit etwas Fieber und gutem Allgemeinzustand Ringelröteln – war aber wohl Hand-Mund-Fuß. Einige andere Krippenkinder hatten die gleichen unspezifischen Symptome – und die Väter einige Tage später durch die Bank Hand-Mund-Fuß…

    Antwort

  14. Utta
    Jun 08, 2014 @ 11:34:56

    Mmmmh, leider kann vielleicht der Kinderarzt heute noch Ringelröteln diagnostizieren, leider aber nicht meine Hausärztin und deren Kollegin in der gleichen Praxis. Zu der bin ich mit sehr großflächigem Ausschlag hin.

    (Ehrlich gesagt hatte ich sogar vorher kurz darüber nachgedacht, ob ich nicht doch statt zu meiner Hausärztin zum Kinderarzt meiner Kinder gehe, aber dann doch nicht gemacht, da der arme schon überlaufen ist, Ausschläge ja auch immer mit besonders ferngehalten werden von den anderen und das ein großer Umstand ist und mich eh nicht abrechnen kann.)

    Panik: Masern??? Mmmmh, erstmal zu Hause bleiben und Ergebnis abwarten. Ergebnis: Viel Titer gegen Masern. Was dann??? Ratlosigkeit.

    Zwei Wochen später hatten dann meine Kinder den Ausschlag. Hin zum Kinderarzt, der brauchte nur einen kurzen Blick: Ringelröteln, alles klar.

    Nur leider hatte ich in der Zeit Kontakt zu Kindern schwangerer Mütter. Da wäre es schon hilfreich gewesen, das zu wissen….

    Antwort

  15. evajoachimsen
    Jun 08, 2014 @ 15:45:29

    Pocken, auch mit Schmetterling davor, klingt für mich noch abschreckender als Röteln (auch ohne Ringel).

    Antwort

  16. safasadjida
    Nov 15, 2016 @ 21:06:46

    Hat dies auf von John-Boy und Elisabeth rebloggt und kommentierte:
    Anruf aus klein E.’S Schule: Die ganze Klasse muss wenigstens morgens zuhause bleiben, weil vier Kinder in ihrer Klasse die Ringelröteln haben. Mit Inkubationszeit konnte die Lehrerin nichts anfangen und auch nicht mit der Tatsache, dass die Kinder sich schon in die bis zu drei Wochen vor Ausbruch der Krankheit fröhlich angesteckt haben und nur, weil da jetzt mal vier von mehreren hundert diesen Ausschlag haben, wird die befürchtete, mögliche Epidemie nicht verhindert- aber was rede ich? Ich bin ja nur eine Viel-Kind-Mutter, der das pädagogische Fachpersonal mal wieder freundlich anbietet, mir Praktikumsverträge näher zu erläutern, weil sie“in Beamtendeutsch“ geschrieben sind. Das nächste biete ich der pädagogischen Fachkraft an, ihr den Vertragsinhalt in Drei-Wort-Sätzen leicht verständlich zu machen, so dass sie ihre Bedenken bezüglich des inhaltlichen Verständnisses nicht mehr haben muss. Ringelröteln, Verträge und „Lehrers“ – da treffen doch irgendwie Welten aufeinander.

    Antwort

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