Gelesen im Februar

Der Februar war naturgemäß etwas kürzer, die Arbeitszeit dafür umso länger, ich bin im Rückblick überrascht, wieviele Seiten Bücher dann doch zusammen kamen.

Das größere Wunder – von Thomas Glavinic
Eine Geschichte, die den Berg erklimmt, im wahrsten Sinne des Wortes. Jonas ersteigt den Mount Everest, man weiß am Anfang nicht viel von ihm – auch wenn es das alter ego von Glavinic ist und in vielen seiner Bücher vorkommt – , auf mysteriöse Weise reich, seltsam welterfahren und ein echter Naturbursche. Eine Parallelhandlung erzählt davon, wie er groß wird, in mafiöse Strukturen verstrickt und der Liebe seines Lebens nachsteigt. Ich musste mich ein wenig einlesen und dranbleiben an dieser Geschichte, das grösste Wunder dürfte sein, der Auflösung entgegenzufiebern, die am Ende etwas banal ausfällt. Sagen wir, drei von fünf Punkten. 3/5
(warum müssen so viele Personen in deutschen Romanen Jonas oder Marie heißen?)

F – von Daniel Kehlmann
Ein ganz anderer Sprachästhet ist uns aller Kehlmann – auch in diesem Buch. Die Sprache liest sich wie Butter, umschmeichelt das innere Ohr wie Samt und verblüfft wie ein Zauberkünstler. Die Geschichte erzähle ich hier nicht, zu schnell wäre ein Spoiler durchgerutscht. Auch dies – nur so viel – eine Familiengeschichte. Kehlmann ist der Star in Deutschland, ohne Frage, beim nächsten Buch muss er beweisen, dass er einen „drauf setzen“ kann, sonst wird sein Stern sinken. Das dürfte ihm aber egal sein. Auch dieses Buch verspricht einen Big Bang zu Ende – auch hier wurde ich etwas enttäuscht. 4/5

Brixton Hill – von Zoe Beck
Zoe Beck lebt in Berlin und schreibt über London. Das macht sie gut, die Athmosphäre ist da, das ganue Sujet hätte man auch nach Berlin verlegen können, aber so ist es wohl plus chic. Ich musste etwas in die Geschichte hineinkommen, ein wenig nervt, dass der Leser mehr vermutet als die Heldin, man möchte ihr gerne zurufen „Sachma, kapierst Du´s nicht??“ – ein netter stilistischer Kniff, in diesem Buch aber  überstrapaziert. Es geht um Spekulationen und Machenschaften in der Immobilienbranche, es wird viel ge-twitter-t und ge-facebook-t, sehr hipp, sehr frisch. Für meinen Geschmack in der Summe zu indifferent, vielleicht drei von fünf Punkten? 3/5

1Q84 (Buch 3) – von Haruki Murakami
(Übersetzt von Ursula Gräfe, gelesen von David Nathan)
War im letzten Monat schon dran, jetzt bin ich durch die Trilogie durch, per Hörbuch weiterhin. Der dritte Band ist das Sahnehäubchen, Kritiken, dass Marukami in diesem Teil nur die Kasse bedienen wollte, verstehe ich nicht. Er führt die Fäden kongenial zusammen, alles rundet, alles schließt sich. Nochmal: Mein Romanerlebnis der letzten Monate, und Danke an David Nathan fürs Vorlesen. 6/5

Drei Schatten – von Cydril Pedrosa
(Übersetzt von Annette von der Weppen)
Eine graphic novel, die leihe ich mir stets in den Bibliotheken der Umgebung aus, sonst sind sie mir zu teuer. Die „Drei Schatten“ gruseln den kleinen Joachim sehr und verwirren das Leben der kleinen Bauernfamilie. Der Vater muss in die Welt ziehen, um der Sache auf den Grund zu gehen. Ein unvermeidlicher Sog. Ein Comic wie ein Film, mit zeichnerisch brillianten Überblendungen, close-ups und Traumsequenzen, nur in schwarz-weiß gezogen, aber höchst unterhaltsam. 5/5

Der Alltägliche Kampf – von Manu Larcenet
(Übersetzt von Kai Wilksen und Barbara Hartmann)
Und noch ein Comic. Diesmal aus Frankreich und in Farbe, über den Fotografen Marco, ein Mann, der trotz seiner fotografischen Begabung traurig-depressiv in die Welt blickt, nur mit Medikamenten seine Panikattacken beherrschen kann und seinen Kampf des Alltags bestreitet. Langsam, in vielen try-and-error-Episoden findet er schließlich, naja, den Sinn oder die Lust am Leben. Sein Bruder, seine Eltern, eine Werft, aber vor allem Émilie spielen eine wichtige Rolle. Und der Kater Adolf. Das Ende war mir etwas zu französisch/politisch, da hätte mir der ursprünglich persönliche Tenor des Anfangs besser gefallen – war trotzdem schön. 4/5



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4 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. turtle of doom
    Feb 28, 2014 @ 10:41:55

    Daniel Kehlmann.

    Wenn der einen Literaturnobelpreis gewinnt, ruht er sich auf dem Preisgeld aus und wird nie mehr ein Buch schreiben.

    Ich weiss, ich bin da ein Sadist. =)

    „Die Vermessung der Welt“ hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Und ich wage es fast nicht, das Buch nochmals zu lesen, um nicht meine jetztigen Eindrücke zu zerstören.

    Antwort

  2. henriette
    Feb 28, 2014 @ 10:48:45

    ich fand f super, allein die ganzen geschichten zum kunstmarkt…

    Antwort

  3. Anika
    Mrz 03, 2014 @ 18:38:23

    Oh das ist alles harte Kost im Gegensatz zu dem was ich mir gerade hab vorlesen lassen. Meine Empfehlung, wenn es nicht schon gelesen wurde: Ein ganzes halbes Jahr von Jojo Moyes

    Liebe Grüße

    Anika

    Antwort

  4. Trackback: Gelesen im September |

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