Schreien stärkt die Lunge

Manchmal liest man Bücher und denkt, „Mensch, das hättest Du auch schreiben sollen“, weniger „Mensch, das hättest Du auch schreiben können“, denn das ist wohl ein ganz anderes Thema. Ich erinnere noch gut eine Unterhaltung mit der Lektorin von Eichborn, man müsse mal ein Buch rausbringen, das mit all den Gerüchten und Halbwahrheiten aufräumt, die jeden Tag auf die armen Eltern mittels Google, Nachbarin, Schwiegermutter und dem Herrn hinter der Metzgertheke („Das ist aber ein lustiges Bobele, aber: ist der nicht ein bisschen blass? Hier, Bubele, hast ein Rädle…“) einprasseln.

Und dann gibt es ein solches schon. Und dazu schon ganz lange, nämlich seit letztem Jahr.
„Schreien stärkt die Lunge und 99 andere Elternirrtümer – aufgeklärt vom Kinderarzt“ ist der lange Titel des Buches des Kinder- und Jugendarztkollegen Martin Beck aus Meckenheim (das ist bei Bonn) – und auch ihm muss es gegangen sein, wie vielen kinderärztlichen Kollegen: Wieder erzählst Du der Mama, dass man Ohrenschmalz nicht entfernen muß, und dem nächsten Papa, dass Hustensäfte bei Husten nicht viel helfen und Mützen nicht vor Ohrenentzündung schützen. Wieder überlegst Du Dir, dass Du endlich mal den Flyer zum Thema „Lauflernhilfen/Gehfreis“ zu Ende bringen wolltest und wieder möchtest Du den nächsten Eltern entgegenschleudern: „NEI-HEIN, Ihr Kind hat nur rote Augen, aber keine Bindehautentzündung, denn das weiße da ist die Bindehaut – und die ist nicht rot.“

Es ist erstaunlich, wie sich die Fragen wiederholen, die Eltern so stellen. Endlich findet man sie hier mal alle versammelt. Ob es ums Impfen geht oder ADHS, Förder- und Erziehungsprobleme oder das Schlafen des Säuglings, Martin Beck hat sie kurz und knapp mit frischen freundlichen und humorvollen Worten zusammengefasst, auch schon mal mit erhobenem Zeigefinger, aber das ist ok, denn wir Kinder- und Jugendärzte sind die Experten zum Thema Kindesgesundheit und die Eltern erwarten von uns ein klares Statement.

Erschienen ist das nette Buch im GU-Verlag, den ich früher für seine prägnanten alltagstauglichen Ratgeber sehr geschätzt habe, der sich aber mehr und mehr dem Mainstream ergeben hat, und so finden sich leider bei GU auch diverse Bachblüten- , Schusselsalze- und Aroma-Breviers, ganz zu schweigen von Globuli for DIY – naja…, das Buch von Martin Beck ist jedenfalls eine Perle. Am besten natürlich das Kapitel „Vertrauen Sie Ihrem Kinderarzt.“ 😉

Gut zum Selberlesen, gut zum Verschenken. Für mich die Elternbuchempfehlungsentdeckung dieses Jahres: 5 Stethoskope (von 5).

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50 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Jeb
    Jul 15, 2013 @ 18:34:09

    Och nö, jetzt muß ich das ja kaufen! Am besten gleich im 10er-Pack zum verschenken an: nette ältere Dame neben uns, Schwiegermutter, 2-3 Freunde, Frau im Lotto-Laden und diverse Fremde, die ich wie der Name schon sagt nicht kenne, die mir aber trotzdem ungefragt Ratschläge geben….. Danke für den Tipp!

    Antwort

  2. hummelchen84
    Jul 15, 2013 @ 19:30:50

    Wow, davon ab dass ichs mir selbst grad aufs Kindle geschickt hab – ich glaub das ist ein wirklich tolles Geschenk für Erstlingseltern! Gleich mal reinlesen….
    Danke für den Kauftipp!

    Antwort

  3. Die Wüste & Ich
    Jul 15, 2013 @ 19:46:12

    War klar, so ein Buch gibt es, NACHDEM meine Kinder aus dem Gröbsten raus sind….

    Antwort

    • Cerise
      Jul 15, 2013 @ 22:24:01

      Das hab ich auch grad gedacht! Menno, Jahre zu spät!
      Das Buch hätte ich dutzendfach den Leuten ins Gesicht klatschen können die mich ungefragt überall angelabert haben. In der S-Bahn, beim Einkaufen, auf dem Weg zum Arzt und sonstwohin. Immer mit der Hand Richtung Kind. „Na aber das dürfen sie nicht so festhalten, junge Frau und *hier Standardweisheit A bis X einfügen*“ während ich mein Kind an mich presste um es vor den Drecksflossen, dem Rauchgestank oder der Triefnase des Gegenübers zu schützen.

      Aber immerhin, auch heute noch kenne ich Leute mit Babys und Kleinkindern, das Buch wird also gelesen und bei Gefallen an alle verschenkt die es nötog haben. (Und bei der Masse an „Oma weiß das aber besser“ Leuten sind das viele bedürftige Eltern!)

      Antwort

  4. Tanja
    Jul 15, 2013 @ 19:56:29

    ein interessanter Tip! Ich werds mir überlegen….
    Übrigens: mir stellts alles Haare auf bei der Behauptung mit dem „schreien stärkt die Lungen“…. das hör ich heute noch (jetzt halt beim zweiten Kind) immer vom Opa…. der würd schauen, wenn ich ihn mal alleine lasse mit dem ach so selbstheilenden Kind 🙂

    Antwort

  5. k.
    Jul 15, 2013 @ 20:16:57

    pflichtlektüre für alle werdenden großeltern – man könnte auch ein curriculum dazu erstellen, schulungen und auffrschkurse anbieten 😉

    Antwort

  6. Lina
    Jul 15, 2013 @ 20:17:13

    Mein Lieblingssatz der Schwiegroma war immer: “ Schmier dem Kind gute Butter aufs Brot….ist gut für die Lunge!“
    (1. Gibt es auch schlechte Butter? 2. Warum?????)

    Der war auf jeden Fall originell! 😉

    LG
    Lina

    Antwort

    • Kim - queerimpressions
      Jul 15, 2013 @ 22:00:44

      @Lina,
      ranzige Butter? Die möchte ich garantiert nicht auf dem Brot haben…..

      Antwort

    • Elli
      Jul 16, 2013 @ 10:13:53

      Die gute Butter ist wie die gute Milch oder die gute Sahne diejenige, die mehr Fett enthält. Hier auf dem Land gilt es bei den lieben Ommas und Oppas noch immer als überhaus unhöflich beim Kaffeetrinken normale oder besonders schlimm fettarme Milch auf den Tisch zu stellen, das muss immer die Kaffeemilch mit extra viel Fett sein, egal welches Volumen die Herrschaften ansonsten in den Jahren voller „guter“ Milchprodukte angesammelt haben… Und das gilt, meine ich, für alle Milchprodukte: gut = nicht gestreckt und mit viel Fett

      Antwort

    • sakasiru
      Jul 16, 2013 @ 12:18:38

      Vielleicht schmiert es die Atemwege besser?

      Antwort

    • Filinchen
      Jul 16, 2013 @ 13:11:47

      Der Ausdruck Gute Butter stammt aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. „Gute“ (gemeint ist echte) Butter war für viele Menschen kaum erschwinglich und in Kriegs- und Krisenzeiten kaum erhältlich. Während man normalerweise auf einfache Margarine oder Ersatzfettkombinationen zurückgriff, war die Verwendung von Guter Butter besonderen Gelegenheiten vorbehalten.

      Auszug aus Wkipedia

      Antwort

  7. k.
    Jul 15, 2013 @ 21:15:34

    „gute“ butter bestimmt aus dem grund, weil für viele ja die schmierfett-margarine auch unter „butter“ läuft.
    ja, es gibt also schlechte butter 😉

    aber was die mit der lunge zu tun hat, weiß bestimmt der doc.

    Antwort

    • FrauB
      Jul 16, 2013 @ 13:10:34

      In den Zeiten, als Tuberkulose noch nicht medikamentös behandelt werden konnte, wurde gegen diese Krankheit vor allem der Aufenthalt in einer Lungenheilanstalt als Heilmittel verordnet. Dort waren die wichtigsten Behandlungsstrategien das Erlernen hygienischen Verhaltens (um die Ansteckung zu verhindern), Liegekuren und eine reichhaltige Ernährung, um den Körper zu stärken (Tuberkulose wurde auch „Schwindsucht“ oder „Auszehrung“ genannt). Sichtbares Zeichen der reichhaltigen Ernährung war Butter, die sonst gerade in den Arbeiterschichten als Luxus galt. Was nun wirklich geholfen hat, ist unklar, aber der Mensch, der aus der Lungenheilstätte gesund wiederkehrte, erzählte sicher von der „guten Butter“, die er dort so oft zu essen bekam. Also musste sie doch auch geholfen haben…
      Gruß
      FrauB

      Antwort

  8. Aleonor (@AleonorAqui)
    Jul 15, 2013 @ 21:42:58

    Die Sache mit „stärkt die Lungen“ und weitere gruselige Sachen sind übrigends noch Überbleibsel aus den Erziehungsratgebern des Dritten Reiches. Standardlektüre war da ja „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“.
    Bloß nicht verhätscheln … man muss ja zeitig mit dem abhärten anfangen damit die auch was reissen können

    Antwort

  9. jukefrosch
    Jul 16, 2013 @ 09:21:13

    Kommt direkt auf meinen Wunschzettel. Vielen Dank für den Tipp!
    Ich bin nämlich schon schwer gespannt, was meine Schwiegermutter und ihr deutlich älterer Lebensgefährt für „Weisheiten“ an den Tag legen werden.

    Antwort

  10. Rabaukenmama
    Jul 16, 2013 @ 09:41:03

    Ich find die Ansicht schlimm, dass man ein Kind jeden Abend baden muss- bis ich das den Schwiegereltern klar gemacht hatte.

    Antwort

    • gwendolynkucharsky
      Jul 16, 2013 @ 10:19:05

      Ich Idiotin habe dieses tägliche Baden beim ersten Kind auch noch ungefragt übernommen. War das immer ein Stress! Hat ihm jetzt ja nicht geschadet, aber es ist doch wirklich zum Teil hanebüchener Unsinn, der einem da von früheren Generationen unreflektiert geraten wird. Von daher: Guter Buchtipp! Grade für verunsicherte Jungmütter.

      Antwort

      • sakasiru
        Jul 16, 2013 @ 12:22:32

        Hah! ja, und man kommt sich gleich wieder wie ne Rabenmutter vor wenn mans nicht tut.
        Bekannter: Badet ihr die Kinder auch jeden Abend?
        Ich: *rotwerd* Nein, äh, wir…
        mein Mann: Wir meißeln nur regelmäßig den Schmutz ab, wenn die Schicht zu dick wird.
        Danke, Schatz!

        Antwort

      • Rabaukenmama
        Jul 16, 2013 @ 12:34:37

        Wobei ich in der Leseprobe auch Blödsinn gefunden hab. Ich würde dad Buch nicht unbedingt empfehlen.

        Antwort

        • gwendolynkucharsky
          Jul 16, 2013 @ 12:48:18

          Die Überschriften klingen schon mal ganz gut. Aber seit wann ist „Die Temperatur misst man im Ohr“ ein großmütterlicher Rat? Müssten die nicht eher zum Po-Messen raten? Und wenn ICH auf kaltem Boden sitze, krieg‘ ich sofort eine Blasenentzündung ;-).

        • Rabaukenmama
          Jul 16, 2013 @ 13:38:58

          Er hat ein Kapitel überTragehilfen geschrieben und verteufelt sie förmlich. Das hatte ich in einer Leseprobe gelesen. Deshalb ist auch dieses Buch mit Vorsicht zu genießen. Ich bin ja immer noch der Meinung: am besten gar keine Ratgeber!

        • gwendolynkucharsky
          Jul 16, 2013 @ 13:50:29

          Vielleicht verteufelt er ja nur BabyBjörns? Das wär‘ ja gerechtfertigt. Ich hab’s aber nicht gelesen.

        • gwendolynkucharsky
          Jul 16, 2013 @ 14:18:31

          Hab‘ die Leseprobe gefunden. Er verteufelt doch Tragehilfen gar nicht, sondern nur das permanente Tragen eines Babys auch dann, wenn es an sich wach und zufrieden ist und auch schön mal auf ’ner Decke rumkullern könnte. Ich würde ihm da recht geben.

        • Neeva
          Jul 16, 2013 @ 12:59:24

          Welcher Blödsinn war denn das? Ich bin jetzt mal neugierig.

  11. Jane
    Jul 16, 2013 @ 13:53:25

    Hat dies auf kinderundwerbung rebloggt und kommentierte:
    Buchempfehlung – „Schreien stärkt die Lunge und 99 andere Elternirrtümer – aufgeklärt vom Kinderarzt“

    Antwort

  12. Pinguin
    Jul 16, 2013 @ 15:49:33

    Viele Überschriften klingen für mich gut. Aber das mit dem Tragen erscheint mir auch etwas wenig informiert. ich halte ein Kind in einer -guten!- Tragehilfe für besser gestützt als auf dem Arm (ja, auch den Kopf). Und warum es besser ist, die ganze Zeit Papa oder Mama angucken zu lassen, als mit Papa oder Mama im Tragetuch zu kuscheln, erschließt sich mir auch nicht so ganz. Und drittens: warum das Tragen auf einem Arm rückenschonender ist als in einer Tragehilfe, ist mir auch nicht klar; die Gewichtsverteilung ist doch viel gleichmäßiger. Klar ist es auch wichtig, die Kinder strampeln zu lassen und sie Drehen und Losrobben üben zu lassen. Ich vermute aber stark, dass sie das in einem Kinderwagen auch nicht tun (und wenn doch, durch einen Gurt gehindert werden) und auch überzeugte Trageeltern froh sind, wenn sie ihre Kinder auch ablegen können. Wird nämlich auf Dauer ganz schön warm, sowas. 😉

    Antwort

    • Rabaukenmama
      Jul 16, 2013 @ 16:22:37

      Ja genau, ich hab von Tragen auf dem Arm Sehnenscheidentzündung bekommen. Auch nicht besser und das nen Kind aufwacht wenn nan es aus der Trage holt, ist auch Blödsinn. Ich hab da den Gegenbeweis daheim, welcher auch motorisch sehr schnell ind der Entwicklung war 🙂

      Antwort

      • kinderdok
        Jul 16, 2013 @ 18:06:26

        Ich verstehe die Diskussion nicht ganz, Beck spricht doch nur vom übermässigen Tragen – er „verteufelt“ die Tragesysteme überhaupt nicht. Ganz abgesehen davon: Vorsicht vor den anekdoten-orientierten Eigenbeobachtungen, nur weil das einzelnen Kindern nichts macht, bedeutet das noch lange nicht, dass alle damit zurecht kommen – die Summe aller Kinder aller Eltern aller Tragesysteme machts:
        und da gebe ich Martin Beck recht: man kann´s immer übertreiben.

        Kinder sollten ihren Bewegungsdrang ausleben, das können sie bei 24/7-BabybjörnManducaTragetuch nicht.

        Privatanekdote bei kinderdoks: 1.Kind öfters im Tragetuch (Schlafnase), 2.Kind praktisch nie (fand es blöd) – beide Kinder FahrradSchwimmenSkifahrenWaveboardInliner usw. usw.

        Antwort

        • Pinguin
          Jul 16, 2013 @ 19:09:12

          Ich habe auch nicht gesagt, dass ich herauslese, dass er das Tragen verteufelt. 😉 Ich habe nur geschrieben, dass ich den Eindruck habe, dass er nicht so richtig gut informiert ist, weil ich einige Argumente seinerseits nicht verstehe. (Wobei ich betone, dass ich nur die verlinkte Leseprobe gelesen habe, vielleicht wird es auf den Folgeseiten ja deutlicher, das kann ich natürlich nicht beurteilen!)
          1. Pfeil: „Babys sehen unterwegs am liebsten Mamas oder Papas Gesicht“: Babys haben eben noch andere Sinne als nur den Sehsinn. Das Tragen am Körper setzt eben taktile Reize – die sind nun mal nicht schlechter (auch nicht besser 😉 ) als das Sehen. (Von der Entwicklung des Gleichgewichtssinnes mal ganz zu schweigen.)
          2. Pfeil: “ Sobald die Hände der Eltern das Kind nicht mehr berühren und stützen, ist das Tragen nicht mehr so achtsam.“ : Hm. Klingt nicht so, als hätte er jemals ein Kind getragen – man vergisst doch nicht, dass man gerade sein Kind trägt?
          3. Pfeil: „..hat zuwenig Halt“: Stimmt eben in einer guten Tragehilfe für Neugeborene (die den Kopf ja noch nicht halten können) ebenfalls nicht; dort wird der Kopf immer gestützt
          4. Pfeil: “ Das Kind wird an seiner freien Bewegungsentfaltung gehindert.“: Nun ja… stimmt schon. Allerdings (ok, da kommt wieder persönliche Erfahrung durch 😉 ) merkt man allerdeutlichst, wenn ein Kind raus möchte, weil es sich bewegen will; ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand sein Kind zwangsfesselt. (Falls jetzt das Wort „Pucken“ in irgendeinem Hinterkopf herumschwebt: Tragen sorgt im Gegensatz zum Pucken weder für einen abgeplatteten Hinterkopf noch für eine Hüftreifungsstörung, ist also mit dem „Zwangsfesseln“ des Puckens nicht vergleichbar. Zu den Konsequenzen, die er sieht („Ein Kind kann sich dann nicht optimal entwickeln“), gibt es durchaus unterschiedliche Meinungen von Kinderärzten (z.B. http://kinderverstehen.de/images/Tragen_Renz-Polster.pdf).
          5. Pfeil: “ Manche Kinder protestieren auch, wenn Mutter oder Vater mit ihm mal stehen bleiben. Sie haben sich an die ständige Bewegung gewöhnt und fangen nun an, lauthals zu brüllen – eine maximale nervliche Belastung für den Tragenden.“ Ja, ein schreiendes Kind im Tragetuch nervt. Aber wo ist der Unterschied zu einem Kinderwagen? Wie viele Kinder fangen an, zu brüllen, weil der Kinderwagen stehenbleibt oder nicht mehr geschuckelt wird? Oder wenn man es wagt, beim Autofahren an einer roten Ampel stehenzubleiben? Das ist kein Problem, das durchs Tragen verursacht wird, sondern ein allgemeines Problem mit Babys. 😉
          6. Pfeil: “ In der Tragehilfe eingeschlafene Kinder wachen beim »Auspacken« oder im Bett gerne wieder auf und beschweren sich dann lautstark.“ : Ja. Und? Das tun sie auch, wenn man sie aus dem Kinderwagen oder der Krabbeldecke oder dem Arm ins Bett umpackt. Ich sehe da kein Problem. *kopfkratz*
          7. Pfeil: “ Auch bei bester Bindeweise wird der Rücken des Erwachsenen belastet.“: Stimmt eben definitiv nicht. Wer schon kurz nach der Geburt anfängt, zu tragen, dessen Muskulatur baut sich langsam in dem Maße auf, in dem das Kind schwerer wird. Davon abgesehen hält man sich automatisch gerader, wenn man ein Kind trägt – also auch besser für den Rücken. Bei einer guten Tragehilfe hängt das Kind ja auch nicht in den Schulterschlaufen, sondern „klebt“ vor einem, das Gewicht ist also ganz anders verteilt (z.B. auch über die Hüften).
          Letztes Zitat: “ Ich empfehle das Tragen des Kindes auf dem Arm. Es ist ACHTSAMER UND SCHÖNER für Eltern und Kind.“: „Schöner“ ist natürlich relativ. 😉 Aber achtsamer? Es führt zu einer ungleichmäßigen Belastung des Rückens (und des Armes – s. Post von Rabaukenmama) des Tragenden.

          Es gibt natürlich solche und solche Tragehilfen. Wenn es um schlechte Tragehilfen (schmaler Steg, verstärktes/festes Rückenteil, Kind wird vor dem Bauch nach vorne guckend getragen) und schlecht gebundene Tragetücher (zu locker oder schief gebunden) geht, stimme ich Ihrem Kollegen vollkommen zu: Dann sollte man das Kind wirklich besser auf dem Arm tragen. Aber es gibt eben wahnsinnig viele Tragehilfen, in denen das nicht so ist. Und da bin ich eben zu 100% bei Ihrem oben verlinkten Kollegen Dr. Renz-Polster. 😉

          Sorry… ist jetzt lang geworden. Und vermutlich völlig unpassend, weil es vermutlich viele Dinge in dem Buch gibt, die hervorragend sind und kinderärztlich fundiert (und in denen ich Kinderärzte auch als kompetente Fachleute sehe, denen ich vertraue!). Bei diesem Punkt kommt es mir nur einfach nicht so vor, weil Tragen ein Thema ist, mit dem ich mich nun mal genauer beschäftigt habe. Es ist ja nun kein „Muss“, sich mit allem auszukennen. Aber wenn ich mich mit etwas nicht zu 100% auskenne, schreibe ich auch nicht drüber. 😉 Das war eigentlich das einzige, was ich schreiben wollte. Verständlich? *rotwerd*

        • Rabaukenmama
          Jul 16, 2013 @ 20:08:42

          Ich hatte das mit dem „Verteufeln“ geschrieben und der Post vom Kinderdoc galt wahrscheinlich mir. Danke für die Ausführungen, auch wenn sie lang waren. Genau so kam es bei mir rüber, wie du es erklärt hast.

  13. Aleonor (@AleonorAqui)
    Jul 16, 2013 @ 19:37:09

    Ich hab mal, total untrainiert, ein 1,5 jähriges krankes Kind an der Backe gehabt das nur dann nicht geweint hat wenn es getragen wurde. Auf dem Arm ging nach einem halben Tag nicht mehr, weil der abfiel … ich war selten für etwas so dankbar wie für das Tragetuch ^^

    Antwort

  14. Jeb
    Jul 16, 2013 @ 23:32:07

    ….. Und ich frage mich immernoch, wie die das in anderen Kulturen/Ländern schaffen, sich das Baby auf den Rücken zu schnallen? Ehrlich, so ein Vertrauen in die Wickel-/Whatever-Technik hätt ich nie, stattdessen ständig Angst, dass das Baby da irgendwie rausplumpst……
    Aber Baby-Björns sind wirklich praktisch zwischendurch; blöd nur, dass es sich damit so schlecht spülen und putzen lässt…. da wäre das auf dem Rücken schon praktischer 😀
    Hat wer damit Erfahrung?

    Antwort

    • Aleonor (@AleonorAqui)
      Jul 17, 2013 @ 07:50:36

      Es gibt Trageberatungen und auch noch andere Tragesysteme als den Björn. ^^ Einfach mal googlen.

      Antwort

    • Pinguin
      Jul 17, 2013 @ 12:02:59

      Der Babybjörn entspricht eh in vielem einer nicht guten Tragehilfe, den würde ich sowieso nicht empfehlen. 😉 Tragen auf dem Rücken in der Manduca (zum Beispiel) ist wahnsinnig einfach. Manduca umschnallen und nach hinten schieben. Kind auf die Hüfte nehmen und mit einem Arm wie beim Kraulen über das Kind gehen, mit der entsprechenden Hand das Kind nach hinten schieben, Manduca hochwerfen, Arme durch die Gurte, fertig. Ist schwer zu erklären – bei einer Trageberatung bekommst du das in Ruhe gezeigt. Oder frag Youtube. 😉 Viel Spaß beim Spülen! 😀

      Antwort

    • sakasiru
      Jul 17, 2013 @ 12:37:32

      Das ist einfach eine Sache der Übung. Ich hab beide Kinder viel im Ergo rumgetragen. Da kann nix rausfallen, und das anziehen/reinsetzen ist einfach eine Übungsfrage. Mir wollte immer Leute zu Hilfe eilen, aber am meisten hilft es wenn sie das Kind nicht verwirren 😉 Das lernt das nämlich auch ganz schnell; in dem Alter, ab dem man sie auf dem Rücken tragen kann kapieren sie auch bald schon was da geht und helfen mit.

      Antwort

  15. k.
    Jul 17, 2013 @ 11:04:14

    anti-rausfall-mechanismen hat nur der beco butterfly. der ist für bauch- und rückentrage geeignet.

    kostet sogar weniger als ein baby björn, ist schonender für kind und tragende person und sieht sogar noch toll aus 😉

    Antwort

    • sakasiru
      Jul 17, 2013 @ 12:39:43

      Wieso nur der? Ich wüsste nicht, dass ein Baby aus einem Ergo oder einer Manduca rausfallen kann. Die sind doch alle ähnlich aufgebaut. Bei einem Tuch muss man richtig wickeln können, aber dann ist es auch sicher.

      Antwort

      • Anonymous
        Jul 18, 2013 @ 06:46:03

        der beco hat einen einsatz, in den das kind vorm umschnallen rein kommt.
        so kann man den mitsamt kind sogar an jemand anderen weiter reichen.

        und der ist nicht nur für neugeborene so wie bei der manduca.

        Antwort

    • Elawen
      Jul 17, 2013 @ 22:09:04

      och.. meine Große ist aus der Manduca auch nicht rausgefallen, weder in Bauch- noch in Rückentrage. 🙂 Und sie war quasi ab Tag daheim immer wieder drin. Sie fand es toll, ich fand es überaus praktisch mit Kind in Trage einkaufen zu gehen/Haushalt zu machen etc.pp. Man ist wesentlich flexibler als mit Kiwa 🙂 Mit den Zwillingen wird es jetzt etwas komplizierter 😉

      Antwort

  16. Katharina
    Jul 18, 2013 @ 16:02:50

    Hat dies auf Mama hat jetzt keine Zeit… rebloggt und kommentierte:
    Eine Buchempfehlung, die ich gerne an meine Leserschaft weiter gebe.

    Antwort

  17. Flocke
    Jul 20, 2013 @ 22:21:38

    Ich hab mir das Buch auch schon vor längerem gekauft. Leider streite ich trotzdem mit meiner Schwiegermutter, die der festen Überzeugung ist das man ein Kind auch ruhig 1-2 Stunden zum einschlafen schreien lassen kann. Ich hab schon vor dem Buchkauf immer dagegen gewettert und habe in der Zeit lieber mit meinem Hasen gekuschelt 🙂

    Antwort

  18. Trackback: Woanders – diesmal mit einem Buch für Eltern, der igs und der Zuversicht | Herzdamengeschichten
  19. zwillingswelten (@zwillingswelten)
    Jul 26, 2013 @ 11:29:19

    gekauft und nach dem Selbstlesen werde ich es gerne verleihen. Es ist nie zu spät.

    Antwort

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