Dienst-Potpourri

„ich wollte heute nochmal mit der Mady-Jane kommen, weil gestern bei dem anderen Arzt, der hat ja gar nichts verschrieben. Da komm ich doch heute glatt nochmal.“

„jaja, der Husten geht ja jetzt schon sechs Wochen beim Luys, weiß ich genau, da wars noch beinahe Sommer. Und Montag wegen Heiligabend ging´s ja nicht, gestern war Omma-Besuch, dann dachte ich, geh ich mal gleich am zweiten Feiertag.“

„nö, sonst bin ich bei meinem Hausarzt, aber im Notdienst ist mir das zu stressig bei den Allgemeinärzten, und wenns doch einen Kinderarzt-Notdienst gibt… Die Vorsorgeuntersuchungen? Das ist doch egal, wer die macht. Mein Jääimiii kann doch eh alles.“

„Doch, jaja, gestern waren wir auch schon bei der Ärztin mit der Cilla-Marie. Jaja, die hat auch gesagt, unsere Kleine hat eine Ohrenentzündung. Wir wollten nur mal heute gucken lassen, ob´s wirklich stimmt oder schon besser ist.“

„Seit einer Stunde. Ja, immerhin bis achtunddreißigfünf. Das muß man jetzt angucken. Wer weiß, was morgen ist.“

„Ach, Zahnarzt sind Sie nicht?“

„Ist doch egal, ob der Robin schon neunzehn ist, oder? Schließlich wohnt er noch bei mir. Und beim Allgemeinärztlichen Notdienst sitzen immer nur so alte Leute.“

„Sie trinken Kaffee? Na, Sie haben aber die Ruhe weg. Ich warte jetzt schon eine Viertelstunde.“

Nach hundertfünfundvierzig Kindern in vierzehneinhalb Stunden – wir haben teils zu zweit gearbeitet – , Zwischenreinsnacks in Form von Plätzchen und Apfelkuchen, immerhin keiner Krankenhauseinweisung und einem geschätzten Anteil von zwanzig Prozent wirklich kranker Kinder (der Rest war eher „weil doch Weihnachten ist“ oder „morgen ist der eigene Kinderarzt auch im Urlaub“), war ungelogen die letzte Bemerkung des letzten Vaters um 21.30 Uhr:
„bei Ihnen ist es heute aber ruhig, ist ja gar keiner da.“

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37 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Max Kuckucksvater
    Dez 27, 2012 @ 08:31:38

    Nichts ist doch schöner, als die reine Unterhaltung am zweiten Weihnachtstag, oder?

    PS: Schön, dass sie genügend Humor haben, die Sprüche anders aufzunehmen, mancher Arzt wäre wie Dr. Houser schnell davon gelaufen…. mit einem zynischem Komentar, selbstverständlich

    Antwort

  2. chasolu
    Dez 27, 2012 @ 09:28:51

    Das erinnert mich an meine Notdienstzeiten, irgendwann Anfang der 90er Jahre. Als Arzthelferin ist man ja immer erste Anlaufstelle. Meine Kollegin und ich haben uns über solche Kommentare später auch amüsiert. In dem Moment nicht immer wirklich. Aber schön zu lesen, dass sich doch noch nicht alles geändert hat 😉

    Antwort

  3. Mattina (@MlleMistral)
    Dez 27, 2012 @ 10:06:57

    Und wieviele Schokonikoläuse sind heute noch übrig?? 😉 Was mache ich nur falsch, dass unsere Kinderärztin die Kinder quasi nur zum Impfen und für Us sieht???

    Antwort

  4. Judi
    Dez 27, 2012 @ 10:40:48

    Ist mir ja immer völlig schleierhaft, warum Leute an den Feiertagen quasi „hobbymäßig“ zum Arzt gehen, nur „weil der eh da“ ist. Glück für die, die wirklich krank sind / ein krankes Kind haben, wenn sie dabei an einen geraten, der trotzdem die Ruhe behält und nen guten Job macht!

    Ich gebe zu, ich war gestern auch in der Feiertagssprechstunde, wenn auch beim Tierarzt. Ein akutes Glaukom ist auch beim Kaninchen nichts zum Abwarten…
    Und auch bei dem saß ich im Wartezimmer zwischen „frisst seit Samstag nicht“ (Katze) und „muss geimpft werden“ (Hund). Es waren aber auch noch andere echte Notfälle da

    Antwort

    • Bluete
      Dez 27, 2012 @ 12:59:23

      Judi, so geht es mir auch, ich frag mich immer wieso man an Sonn- oder Feiretagen zum Arzt gehen MÖCHTE. Und gerade beim Kinderarzt überlege ich mir im Normalfall ja schon, ob es notwendig ist, denn da holt man sich ja auch gerne neue Krankheiten und dann erst in einem Notdienst *grusel*.

      Antwort

    • sakasiru
      Dez 27, 2012 @ 13:21:08

      Ich kann mir zumindest bei der Hundeimpfung vorstellen, dass der Besitzer eben den freien Tag dafür nutzen wollte, weil er sonst Urlaub dafür nehmen müsste. Ansonsten ist es vielleicht Fluchtverhalten, nachdem man sich zwei Tage lang familiär auf der Pelle sitzt und die Kinder langsam einen Zuckerrappel haben? Weiß nicht. Ich bin froh, dass wir heute einfach mal einen Tag ohne irgendwelche Verabredungen haben, und da fahr ich bestimmt nicht zum Arzt, sondern baue Lego und Playmobil mit meinen Kindern 😉

      Antwort

      • Klabund
        Dez 27, 2012 @ 23:27:04

        Naja, als „alleinerziehender Hundebesitzer“ kann man sowieso keinen normalen „NineToFive-Job“ haben, ist mir sowieso unerklärlich wie so viele Leute mit den Viechern rumrennen können. Meistens aber junge Damen, denen ich abnehme, dass die nicht für ihren Unterhalt selbst arbeiten müssen.

        Antwort

    • nania
      Dez 27, 2012 @ 19:39:04

      „Frisst seit Samstag nicht“ – wenn bereits Mittwoch ist, halte ich bei einer Katze durchaus für etwas, was man dringend abklären sollte. Gerade bei Katzen gibt es viele lebensbedrohliche Sachen, die sich durch das Ablehnen von Futter über mehrere Tage (und Sa, So, Mo, Di, sind schon vier) äußern, ansonsten aber wenige Symptome haben. Katzen können das verdammt gut verbergen.

      Und da halte ich das doch genauso für einen Notfall, wie Ihr Kaninchen. Was den Hund angeht, da würde ich natürlich einen Extratermin für machen, dass kann im Zweifelsfall warten.

      Antwort

      • nania
        Dez 27, 2012 @ 19:40:14

        sorry, sollte an Julie 😉

        Antwort

        • Judi
          Dez 28, 2012 @ 14:04:55

          @nania: Ich hätte „frisst seit Samstag nicht“ bereits am Montagvormittag in der regulären Sprachstunde abklären lassen und nicht gewartet, ob es vielleicht an den Feiertagen besser wird. Insofern war die Katze zwar ein Notfall, hätte aber keiner werden müssen.
          Was Impfungen betrifft – mein TA hat wochentags sowohl morgens um 9 als auch abends bis 19.30 Uhr Sprechstunde. Da kann auch ein berufstätiger Mensch hin ohne Urlaub zu nehmen.
          Ist ja auch egal. Mir ging es mehr um die Gedankenlosigkeit der Leute, die man in vielen Wartezimmern so trifft…

        • nania
          Dez 28, 2012 @ 17:36:17

          Hängt von der Katze oder dem Kater ab. Und ja, ich wäre auch früher beim Arzt gewesen – wenn er denn (das kann ich von hier nicht sagen) Heiligabend überhaupt geöffnet hatte. Das haben zwar viele Geschäfte, aber lange nicht alle Arztpraxen. Darüber hinaus kann es natürlich sein, dass die Katze häufiger schon mal ein paar Tage nichts gefressen hat.
          Es hätte kein Notfall werden müssen – aber nicht nur die wirklich augenscheinlich akuten Sachen sind Notfälle.
          Ein Klassenkamerad von mir ist lange mit Schmerzen in der Brust herumgelaufen und erst kurz vor knapp an einem WE dann doch mal zum Arzt: Lungenentzündung. Eine ziemlich heftige. Was ich damit sagen möchte: Nur weil man aus X-Gründen nicht früher zum Arzt geht, heißt das nicht, dass man nicht genauso behandelt werden kann, wie ein akuter Fall. Manche Sachen werden auch erst mit der Zeit akut.

  5. gwendolynkucharsky
    Dez 27, 2012 @ 10:53:01

    Das ist ja wohl auch ’ne haarsträubende Unverschämtheit, mal einen Schluck Kaffee zu trinken, wenn das Wartezimmer rammelvoll mit Notfällen (mäßiges Fieber seit einer Stunde, bereits diagnostizierte Ohrenentzündung, Husten seit Monaten) ist!

    Jungejunge. Der Wahnsinn.

    Antwort

    • Ich
      Dez 29, 2012 @ 18:30:58

      ich finde es selbst bei wirklich vollem wartezimmer (auch in der notaufnahme) nicht schlimm, wenn der arzt zwischendurch nen kaffe trinkt und ne stulle mit brot isst. der arzt kann halt auch deutlich besser helfen, wenn sein blutzuckerwert stimmt.

      Antwort

  6. MiA
    Dez 27, 2012 @ 12:17:49

    Hut ab. Ich weiß nicht, ob ich da immer so ruhig bleiben könnte…

    Antwort

  7. Themama
    Dez 27, 2012 @ 14:00:17

    Kaum zu glauben, was sich manche Leute dabei denken…
    Der mit dem Zahnarzt ist auch gut, keine Lust gehabt mal einen Zahn zu ziehen 😉

    Antwort

  8. sayhas
    Dez 27, 2012 @ 14:16:09

    Bei den Viechern dasselbe…

    Antwort

  9. Anonymous
    Dez 27, 2012 @ 14:55:05

    irgendwie scheinen wir in der klinik ja richtig glimpflich davon zukommen, 145 hab ich noch nie an einem tag anschauen müssen…wobei nixitis fulminas auch bei uns die häufigste diagnose ist 😉

    Antwort

    • Utta
      Dez 28, 2012 @ 13:43:19

      Ja die nixitis – die vorher immer als Geist aus der Flasche rumschwirrt und einem das Denken vernebelt.
      – Ich hab mich hinterher auch schon mal geschämt, weil das was mir echt kritisch vorkam, doch im nachhinein einfach mit hinwarten hätte gelöst werden können. – Andererseits hatte ich schon den Fall, dass ich fast hingewartet hätte, dann doch am Sonntag früh noch hin bin, weil ich dachte, da ist nicht ganz so viel los. Und dann wurde mir mit dem Richter („in-Obhutnahme“ hieß das, glaube ich) gedroht, dass ich mein Kind nicht dalassen wollte!

      Antwort

  10. UK
    Dez 27, 2012 @ 16:39:53

    Haha, so was kenne ich sonst nur von meiner http://jana.cc ausm Tierklinik-Notdienst.

    Antwort

  11. psychiatrietogo
    Dez 27, 2012 @ 16:49:40

    Schön ist auch immer: „Ich hab extra bis jetzt gewartet (22:45), weil vorher ist hier immer so viel los und morgen muss ich ja arbeiten…“

    Antwort

  12. kleiner_Geist
    Dez 27, 2012 @ 17:05:33

    Es gibt Tage da wünscht man sich die Majafehlinterpretationen hätten recht gehabt, nicht?

    Antwort

  13. evajoachimsen
    Dez 27, 2012 @ 19:14:17

    Warum sitze ich eigentlich immer brav zu normalen Sprechstundenzeiten im Wartezimmer?

    Antwort

  14. Annette
    Dez 27, 2012 @ 19:43:46

    Öh…wieso eigentlich zum Notdienst ? Wieso nicht gleich ins Krankenhaus – am besten mit dem Rettungswagen !?
    *sarkastisch-ironische Grüße von Annette*

    Antwort

  15. nadineswelt
    Dez 27, 2012 @ 21:45:05

    Also, ich hätte am Feiertag was besseres zu tun als zum Arzt zu rennen… Aber ich muss nicht alles verstehen.

    Antwort

  16. traumatisiert
    Dez 28, 2012 @ 00:12:23

    Gott… Cilla?! 😉

    Antwort

  17. Fledi
    Dez 28, 2012 @ 07:51:21

    Da hattest Du aber echt einen doofen Dienst.
    Ich krieg Deine Patienten bzw Ihre Eltern dann ca 2 Std später an der Notdienstklappe- denn es hat ja sooo lange gedauert beim Arzt und jetzt mußten sie erstmal was essen- wo sie sich dann beschweren, dass ich evtl austauschen muß und mich anbrüllen, wenn ich das Medikament, dass Kewin-Lois schon seit 3 Wochen braucht, zufällig nicht da habe…
    Und überhaupt, man kann ja sowieso erst nach 0 Uhr kommen, „Sie sind ja eh die ganze Nacht da“

    Antwort

  18. Alltagsheldin
    Dez 28, 2012 @ 08:51:07

    Ohweh, sowas müssen Sie sich anhören und antun?! Na was ein „Spaß“. Sie dürfen doch aber Kommentare mit ironisch-sarkastischem Hintergrund abgeben, oder? Bitte sagen Sie, dass Sie das dürfen! 🙂

    Antwort

    • kinderdok
      Dez 28, 2012 @ 10:28:51

      Die mangelnde Aufnahmefähigkeit der Eltern für Ironie und Sarkasmus verhält sich umgekehrt proportional zur Indikation der Vorstellung ihres Kindes.

      Antwort

  19. inneres Stimmchen
    Dez 28, 2012 @ 13:24:20

    Ooooh autsch! (Für beide Seiten …)

    Antwort

  20. Trackback: Auch mal Dienst-Potpurri… | Josephine Im Chaos
  21. seniora.rossi
    Dez 28, 2012 @ 19:25:17

    Ich war gestern mit meiner acht Monate alten Kleinen beim kinderärztlichen Notdienst, weil es ihr wirklich schlecht ging. Das war nicht schön, könnt ihr mir glauben. Als wir ankamen, waren 40 (!) Patienten vor uns dran, die von zwei tapferen Ärzten dann innerhalb von zwei Stunden abgearbeitet waren. Wer sich das ohne guten Grund antut, hat nicht mehr alle Latten am Zaun.

    Antwort

  22. Julia
    Jan 08, 2013 @ 02:33:12

    Lieber Kinderdok, ich habe an Sie gedacht, als ich den gesamten Heiligabend-Nachmittag im kinderärztlichen Notdienst verbrachte … es ist zwar nicht ganz einfach, in so einem kollabierenden Wartezimmer in einer Großstadt mit offenbar ebenfalls kollabierender Kinderarzt-Notdienstversorgung über den 5-Feiertage-Marathon noch ein anekdotisches Moment zu finden, aber zum Glück gab es ihn. Was nur die Erwachsenen trösten kann, für die kranken Kinder ist diese Warterei über Stunden eine unglaubliche Tortur – eins ist umgekippt, viele haben nicht mehr aufgehört zu weinen. Dort war bestimmt keiner mehr freiwillig oder mit Lappalien. Man hörte es auch den Eltern an, die über die Stunden argwöhnisch die Sitznachbarn beäugten und sich schließlich nach Höhe des Fiebers und anderen Symptomen erkundigten, immer mit dem Unterton: Muss das wirklich sein, dass Sie hier auch noch vor uns dran sind…

    Antwort

  23. iscribo
    Jan 16, 2013 @ 13:09:54

    Ich warte heute noch auf ein Dankschreiben sämtlicher Haus- und Kinderärzte in der Umgebung dafür, dass ich nie einen Wochenend- oder Notfalldienst in Anspruch genommen habe (den es außerdem in Ö überhaupt nicht gibt, da muss man in die Spitalsambulanz). Nicht mal Hausbesuche habe ich in Anspruch genommen, dafür durfte ich einmal bei einem praktischen Arzt mit 2 Kleinkindern trotz telefonischer Terminvereinbarung 2h warten für eine 1 Minuten Prozedur, die er außerdem so stümperhaft erledigte, dass das Kind danach blutete (Naht entfernen).

    Antwort

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