Deine blauen Augen

„Ja, hallo, ich wollte mal meine Tochter anschauen lassen, weil, die hat jetzt seit zehn Tagen eine Bindehautentzündung.“
„Aaahja…“, ich wende mich Joelle-Mary zu, die mich aus strahlend blauen – und völlig gesunden – Augen anstrahlt, „aber im Moment ist alles gut?“
„Jaja“, die Mutter hält mir ein Fläschchen der LieblingsFirma aller Mütter W*el*eda unter die Nase. „Das habe ich ihr jeden Tag in die Augen gemacht.“
„Euphrasia…“, lese ich. „D3. OK, dann ist ja noch ein Tausendstel Wirkstoff drin enthalten. Augentrost ist ein gutes Pflanzenmittel. Haben schon die Altvorderen angepflanzt.“
„Sehen Sie, hat was gebracht.“
„Wie sah denn die Bindehautentzündung aus?“
„Das war richtig dick und rot und eitrig, beide Augen, fett verklebt, ich habe es mit Wasser gesäubert und nach ein paar Tagen hat mir der Apotheker das da verkauft.“
„Und dann war es besser.“
„Genau.“
„Und was kann ich jetzt noch tun?“, ich frage ganz unschuldig.
„Zum einen kriege ich ein Rezept dafür“, sie schwenkt das W*el*eda-Fläschchen, „zum anderen will der Kindergarten eine Bescheinigung, dass sie weiter in den Kindergarten darf.“
Ich nicke. „Verstehe. Das Problem ist, nachträglich dürfen wir keine Rezepte aufschreiben, schon gar nicht für Medikamente, die nur zweifelhafte Wirkung haben.“
Sie zeigt auf Joelle-Mary: „Hat doch gewirkt.“
„Sagen Sie. Immerhin haben Sie auch die Augen regelmäßig gesäubert. Die meisten Bindehautentzündungen sind durch einen Virus ausgelöst, die braucht man nicht zu behandeln. Auch nicht mit Augentrost in tausendfacher Verdünnung.“
„Aber fett eitrig war es ja auch, der Apotheker hat gesagt, es war bestimmt baktarial.“
„Wenn es bakteriell war, dann wäre es ohne antibiotikahaltige Augentropfen nicht besser geworden.“
„Aha. Und der Kindergarten?“
„Eine virale Bindehautentzündung ist nicht ansteckender als ein Schnupfen. Damit darf man schon in den Kindergarten.“ (auch wenn das die Erzieherinnen oft anders sehen) „Bei einer bakteriellen wartet man ein oder zwei Tage nach Behandlung ab.“
„Haben wir auch, solange ich nur gesäubert habe, dann ist sie wieder in den Kindi und die Erzieherinnen haben sie wieder heimgeschickt, ich solle mir das da“, wieder schwenkt sie das Fläschchen, „in der Apotheke holen, dann darf sie wieder in den Kindergarten. Aber nur mit Bescheinigung.“

Die ich trotzdem nicht schreibe. Dann muss ich irgendwann alle Kindergartenkinder nach Schnupfen „gesundschreiben“, viel Spaß auch. Nochmal zum Mitschreiben: Die meisten Bindehautentzündungen sind viralen oder mechanischen („Zug“) Ursprungs und brauchen außer Säubern keine spezielle Therapie und sind auch nicht ansteckender als die viralen Schnupfens (Ausnahme: Adenoviren, anderes Thema). Bestes Vorgehen: Zuhause bleiben, säubern, wenn´s nach zwei Tagen nicht besser wird, eher von einer bakteriellen Konjunktivitis ausgehen, Arzt aufsuchen, topisches Antibiotikum für die Augen verordnen lassen.
Realität oft: Wie oben, wo alles durcheinander geht, oder: das Kind muss schnell schnell wieder funktionsfähig sein, bekommt bereits ab dem ersten Tag (auf Druck der Erzieherinnen) Antibiotika-Augentropfen, „weil man das so macht“. Da werden 80% überflüssigerweise behandelt.

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51 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Wortschätzchen
    Nov 27, 2012 @ 19:57:47

    Realität auch oft: der Kiarzt verschreibt immer und sofort Antibiotika-Augentropfen bei Bindehautentzündung. Kein Abstrich, keine weitere Info. Nüscht. Als Neumama dachte ich erst, das muss so, mittlerweile hake ich nach.

    Antwort

  2. Blogolade
    Nov 27, 2012 @ 20:00:48

    Mit Euphrasia habe ich auch sehr gute Erfahrungen gemacht. Sonst glaube ich ja nicht so an das homöopathische Zeugs aber bei Euphrasiatropfen und Arnikasalbe ist das mittlerweile was anderes.

    Wenns erstmal eitrig ist, helfen die aber nicht mehr. Und wenns eine mechanische Ursache hat wie beim Sohn (zugewachsene Tränenkanäle) dann nützt das alles nur kurz.

    Antwort

    • kinderdok
      Nov 27, 2012 @ 20:05:36

      in Arnika-Salbe ist auch Arnika drin – ein gutes Phytotherapeutikum. in Arnica-Glaubuli aber nicht. Arnika-Salbe gibts übrigens auch als Handcreme (und genauso wirksam), dann steht leider nicht W*el*eda drauf, ist aber deutlich günstiger.
      Euphrasia … naja. Das spült auch schön das Auge. Geht auch mit klarem Wasser.

      Antwort

      • Blogolade
        Nov 27, 2012 @ 20:14:37

        Das Euphrasia lindert aber auch gut den Juckreiz wenns mal losgeht mit der viralen Geschichte. Falls es dich mal trifft, probiers mal aus. Oder bekommst du davon keine Pröbchen? Ich hab da übrigens eine größere Flasche für weniger Geld. Steht auch nicht Wel*eda drauf sondern Den*ti*nox aber tuts absolut.

        Antwort

        • Schlappohr
          Nov 27, 2012 @ 21:38:56

          ???
          Habe ich da die Ironie überlesen?
          Logo wirkt Den*ti*nox juckreizstillend – hat ja auch nix mit Euphrasia zu tun sondern ist Kamille mit einem tüchtigem Schuß Oberflächenanästhetikum. Ins Auge würde ich mir das nicht tun.
          Bitte solche Beiträge deutlicher kennzeichnen, es gibt immer Leute, die das ausprobieren, womöglich an ihren Kindern…

        • Blogolade
          Nov 27, 2012 @ 21:41:44

          Denti*nox ist die Firma. Das Zeug für die Augen von dieser Firma heißt Ne*ne-Dr*op (nur ohne die Sternchen)

      • nania
        Nov 27, 2012 @ 22:34:30

        Tut auch gut bei verspannten Muskeln, da gehen aber auch billigere Produkte als die der oben oftmals genannten Marke.

        Was ich We*le*da allerdings zugestehen muss: Einige der Cremes (Handcremes, Lotionen) sowie Duschzeug riechen total gut – und besser als viele andere Produkte, die man im Supermarkt bekommt.
        Diese Produkte gehören m.E. aber nicht zwangsläufig in eine Apotheke und zur „Medizin“, sondern sind für mich Teile einer sehr ausufernden Anzahl von Drogerieartikeln – bei denen dann jeder selbst entscheiden kann, ob er den entsprechenden Preis dafür zahlt.

        Antwort

  3. frlstreberlin
    Nov 27, 2012 @ 20:01:30

    hat sich die Mutter denn dann überzeugen lassen? Oder hat das Wort der Apothekerin/Erzieherin/Internet sie mehr überzeugt, als der Mediziner?

    Antwort

  4. IO
    Nov 27, 2012 @ 20:34:17

    Bei wirklichen Notfällen kann man auch die homöopathische Notaufnahme aufsuchen.

    Antwort

  5. sakasiru
    Nov 27, 2012 @ 20:40:19

    Ich hab ja Verständnis für deine Weigerung, Kinder „gesundzuschreiben“. Aber mir tun jedesmal die Mütter leid, die dann zwischen den Fraktionen stehen. Kannst du nicht wenigstens einen Schrieb für den Kindergarten ausdrucken, auf dem steht, dass du sowas nicht machst? Wird ja anscheinend häufiger nachgefragt, vielleicht wäre da auch mal eine Verständigung mit dem Kindergarten direkt sinnvoll. Bei uns war z.B. vor kurzem ein extra Elternabend mit einer Ärztin, die den Eltern verklickert hat dass man Kinder mit Durchfall etc. nicht in den KiGa schicken soll. Da kann man vielleicht gleich auch mal mit den Erzieherinnen ein Wörtchen reden 😉

    Antwort

    • Schlappohr
      Nov 27, 2012 @ 21:44:39

      Hier wird der schwarze Peter mal wieder den (Kinder-)Ärzten zugeschoben. Wenn ich mich nicht irre, fallen solche Bescheinigungen unter die Gebührenordnung, sind also kostenpflichtig. Der Arzt handelt standeswidrig und kann (finanziell) belangt werden, wenn er diese Bescheinigung umsonst raus gibt. Dann lieber die Mütter zurückschicken, damit KiGa und Schule es kapieren, denn es exitieren klare und eindeutige Vorschriften, wann Bescheinigungen vorgelegt werden müssen. Das ist zwar für die betreffenden Mütter ärgerlich, hat aber bei konsequenter Durchführung (vielleicht) Auswirkungen auf ganze Generationen nachfolgender Mütter.

      Antwort

    • kinderdok
      Nov 27, 2012 @ 23:33:43

      Ist hier im Ort klar geregelt, aber es gibt immer wieder Erzieherinnen, die noch nie etwas von dieser Vereinbarung gehört haben wollen

      Antwort

  6. rotschopfstories
    Nov 27, 2012 @ 21:12:04

    Die Erzieherinnen üben gerne Druck aus und
    fordern die Bescheinigung vom Kia. Ich hatte
    schon so manche Diskussion über die Unsinnigkeit dieser Regelung, die kennen da aber kein Pardon.
    Beispiel: Kind hat sich vormittags 1x übergeben, danach war nichts mehr. Kind ist munter, fröhlich und gesund. Trotzdem muss man am nächsten Tag zum Kia und kommt sich total blöd vor. Für alle ist das Zeitverschwendung.

    Antwort

  7. sternenzauber
    Nov 27, 2012 @ 21:36:55

    Umgedreht gibt es in den Einrichtungen immer wieder Eltern, die ihre ansteckend Kranken Kinder bringen und keinen Ton darüber verlieren.

    Schon mal erlebt, wenn eine Einrichtung wegen sowas geschlossen werden muss, weil im nu so ein z.B. Magen-Darm oder anderes Zeug rum geht und nicht nur die Kinder sondern auch Erzieher/-innen erwischt?
    Ich schon…
    Das ist nicht lustig.

    Daher bin ich schon dafür, wenigstens nen Schrieb, daß nichts ausgestellt wird mitgeben.
    Kann man vorgedruckt schon liegen haben, Stempel, Datum, Unterschrift fertig.
    Noch besser evtl. ein Infoblatt für die jew. Einrichtung einmalig.

    Man sollte immer beide Seiten sehen.

    Antwort

  8. Ines (@mitgebloggt)
    Nov 27, 2012 @ 22:55:42

    Hmm. Meine Zwillinge hatten auch gerade Bindehautentzündung, Kinderärztin hat sofort Antibiotische Tropfen verschrieben. Ich wusste bis eben garnicht, dass es virale und bakterielle Bindehautentzündungen gibt. Die Krippe will von uns auch einen Wisch vom Arzt, dasses vorbei is. Die Frage, die ich mir gerade stelle: woran erkenne ich als Laie denn, obs eine virale oder bakterielle is (und somit die Gesundschreibung notwendig)??

    Antwort

  9. schroemu
    Nov 27, 2012 @ 23:05:31

    Aaalso, ich hatte neulich auch Euphrasia Augentropfen wegen Gerstenkörner. Die waren von der gleichen Firma, die auch die homäopatische, unter „Anwendung rhythmischer Prozesse“ Calendula Tinktur, die ich zum Spülen meines Dammschnittes bekommen habe, herstellt, was so toll geholfen hat, dass dieser nach fast 9 Wochen endlich heilt – wir sehen, ES WIRKT DOCH!!!
    Meine Schwiegermutter ist der Meinung, dass es ja nicht schaden kann, weil es nicht schadet, aber es schadet eben Menschen, die daran glauben und der Meinung sind, dass homäopatische Medikamente tatsächlich eine Therapie sind und die zu behandelden Wehwehchen tatsächlich Krankheiten, bzw. Behandlungsbedürftig. Nach dem Motto: Ich nehm ja Medis, also muss ich auch krank sein. Das Krankheitsempfinden ist bei der Einnahme von Medikamenten oft stärker, vor allem bei Angehörigen.
    Was ich viel schlimmer finde ist die Tatsache, dass man in Apotheken heute ohne Nachfragen erstmal was homäopatisches bekommt, im Gegensatz zu früher, wo man explizit danach fragen musste.
    Ich persönlich finde, dass dieses gnaze „nimm doch Glaubulis“ einen ähnlichen Effekt hat wie „Du hast AUA? Hier hast du ein Stück Scholkolade“.
    Ob meine rhythmisch geschwungenen Augentropfen geholfen haben? Das Gerstenkorn ist noch da, aber das Nacl in den Tropfen tut gut, wäre ohne Euprasia nur deutlich günstiger. Schwenken kann ich die dann auch selbst.

    Antwort

  10. Britta
    Nov 27, 2012 @ 23:06:37

    Guten Abend,

    nun habe ich tatsächlich auf meine alten Muttertage noch was gelernt!

    Ansonsten bin ich bei Wortschätzchen und stelle fest, dass ich lediglich bei Euphrasia gelandet bin, weil -mein- Kinderdoc seinerzeit innerhalb von wenigen Wochen mehrmals antibiotische Augentropfen für meinen Säugling verordnet hat.

    Mich daran erinnernd, dass ich selbst früher öfter mal Bindehautentzündung hatte, aber ganz sicher nie antibiotische Augentropfen dagegen, begab ich mich auf Alternativsuche… wenigstens habe ich Kamille gemieden 🙂

    Tjaja, so war das.

    Viele Grüße,

    Bridd

    Antwort

  11. Jola
    Nov 28, 2012 @ 09:47:35

    Unsere KiÄ verschreibt, ohne mit der Wimper zu zucken, antibiotische Augentropfen, wenn nötig, aber Euphrasia u.ä. homöopathische Mittel bisweilen eben auch. Beides übrigens auf Rezept.
    Es scheint also nun drei Ärzte-Fraktionen zu geben: Die reinen Schulmediziner, die Voll-Homöopathen und diejenigen, die sowohl schulmedizinisch als auch homöopathisch arbeiten. Wobei ich mich bei letzteren frage, ob man da nicht auf Dauer schizophren wird.
    Ich stehe der alternativen Medizin ja auch eher skeptisch gegenüber, habe aber die seltsame Erfahrung gemacht, dass mir Akupunktur einmal wunderbar geholfen hat, obwohl ich sie für nutzlos hielt. Da zieht das Placebo-Argument mal so gar nicht. Und so halte ich es mit einer Uniklinik-Ärztin, die dereinst sagte: „Wer heilt, hat Recht.“

    Antwort

  12. Lena
    Nov 28, 2012 @ 10:14:13

    Jola, Akupunktur ist aber wissenschaftlich nachweisbar bei manchen Beschwerden wirksam. Das ist tatsächlich ein Fall, bei dem man die Wirkungsweise zwar nicht versteht, man aber die Wirkung trotzdem belegen kann. Lustigerweise wird ja von H.-Befürwortern den Normalo-Ärzten immer vorgeworfen, dass sie einfach nicht verstehen können, wie H. funktioniert und es deshalb ablehnen. Soweit mir bekannt ist, weiß man übrigens auch bei der allergrößten Mehrheit der „chemischen“ Medikamente nicht wie sie wirken, sondern nur dass sie wirken und dass die Nebenwirkungen überschaubar sind.

    Antwort

    • Wolf
      Nov 28, 2012 @ 16:19:10

      „Das ist tatsächlich ein Fall, bei dem man die Wirkungsweise zwar nicht versteht, man aber die Wirkung trotzdem belegen kann. “

      Das ist aber so mal gar nicht richtig. Man kann sehr genau sagen was wann warum passiert (Endorphine und so; ganz doof ist die Evolution nämlich nicht, Wesen ohne ein effektives Schmerzunterdrückungssystem auf den Markt zu schmeißen 😉 ). Man kann auch nachweisen, dass es völlig Wumpe ist, ob denn wirklich mit einer Nadel gestochen wird, oder ob nur ein stumpfer Metallstab gegen die Haut gedrückt wird. Völliger Humbug sind Chakren und Meridiane, die gibt es nämlich nicht.

      Antwort

    • gedankenknick
      Nov 29, 2012 @ 14:04:41

      Bei den meisten „chemischen“ Medikamenten, die durchaus oft von „natürlichen (Pflanzen- oder Tier-)Inhaltstoffen“ abgeleitet sind, weiß man tatsächlich, wie sie wo warum wirken. Im Verhältbis sind die Wirkstoffe, bei denen man es nicht (genau) weiß, viel weniger als die, bei denen man es weiß. Das liegt auch daran, dass man neue Wirkstoffe heutzutage oft „rückwärts“ entwickelt: Ich sehe mir an, was der Wirkstoff machen soll; suche mir danach einen Zielpunkt für den Wirkstoff; entwickle einen Wirkstoff, der möglichst spezifisch diesen Zielpunkt „trifft“; und schaue dann nach den Nebenwirkungen (was macht der Wirkstoff denn noch so im Körper abseits von meinem Zielpunkt).

      „Metamizol“ als Wirkstoff, von dem man nicht so genau weiß, wie er denn genau funktioniert, ist tatsächlich eher die Ausnahme.

      Antwort

  13. aucheinemama
    Nov 28, 2012 @ 10:27:32

    Mir wurden die Euphrasia-Tropfen für den Kleinen vom Kinderarzt „verschrieben“ (sprich ich bin tatsächlich mit Rezept in die Apotheke gelaufen) und habe erst danach gelesen, dass das Zeug homöopathisch ist. Wovon ich persönlich nichts halte. Wer Wasser schütteln will, kann das gerne tun, aber bitte nicht hinterher Geld von mir dafür verlangen. Ob es geholfen hat? Keine Ahnung, klar wurde die leichte Entzündung nach ein paar Tagen besser, aber ich vermute, das wäre sie ohnehin geworden.
    Bin bisher davon ausgegangen, dass mein Arzt weiß, was er tut und hoffe, es bleibt bei diesem einen geschüttelten Medikament. Lieber gehe ich mit leeren Händen beim Arzt weg (plus gerne ein paar Tipps, wie Augen auswaschen. Mit Wasser.) als mit irgendwelchen Unsinnsrezepten.
    Die Pflegeprodukte der genannten Firma mit „W“ vertrage ich übrigens mit meiner leichten Neurodermitis sehr gut. Geht aber jedem anders. Und ich finde auch, dass sie gut riechen. Aber ob das Wasser darin geschüttelt oder vom Papst gesegnet wurde ist mir schnurz! 🙂
    „Wer heilt hat recht“ ist mir eine zu gefährliche Devise, denn wer einmal „geheilt“ hat, weil z.B. die Zeit/der eigene Körper/die Umstände für eine Linderung gesorgt haben, kann das nächste Mal echt schwer daneben liegen und schaden verursachen, weil nicht rechtzeitig „richtig“ behandelt wurde, z.B. wenn ein Antibiotikum viel zu spät gegeben wird!

    Antwort

  14. gedankenknick
    Nov 28, 2012 @ 18:35:33

    Also nun gebe ich auch mal meinen Senf dazu, weil ich es für angebracht halte. Ich sortier den aber mal durch (nach Senfkornfarben, sozusagen):

    1) Apotheker(innen) erzählen viel, wenn der Tag lang ist. Meist sogar fundiertes, oft kostenlos – und oft leider auch völlig umsonst (siehe 2).
    2) Patient(in)en hören leider bei weiten nicht so oft richtig zu, wie Apotheker(innen) erzählen. Dann wird nur teilweise zugehört (selektive Wahrnehmung – bevorzugt dass, was mir gefällt), oder halt gar nicht.
    2a) Was (gegebenenfalls teilweise und/oder falsch) gehört wird, wird leider ab und an (unbeabsichtig oder manchmal auch beabsichtigt) noch verfremdeter wiedergegeben und weitergereicht – an Ärzte, Bekannte, und auch an andere Apotheker(innen).
    3) Euphrasia Augentropfen (und auch alle anderen Lösungen, die zur Anwendung am Auge zugelassen sind) haben zwei dramatische Vorteile gegenüber „Selbstbausachen“. Einerseits sind sie steril und pyrogenfrei. Andererseits müssen sie der sehr regiden Forderung nach (Schwebe-)Teilchenfreiheit genügen.
    3a) Klares frisches (!) Leitungswasser ist zum Augenausspülen ziemlich gut geeignet. Es sollte aber „frisch aus der Wandquelle sprudelnd“ genommen werden. Steht es (unkonservierter Weise) 12 Stunden bei Raumtemperatur rum, wachsen da drinnen schon die ersten Bakterienkolonien – diese sind allerdings nicht mit dem Auge zu entdecken.
    3b) EinzelDOsen-Systeme („EDO“) nach Anwendung bitte verwerfen, nicht den Rest für später aufheben! Begründung siehe 3a). Und mit dem Öffnen schwimmen da die ersten Bakterien aus der Luft und/oder aus dem infizierten Auge drin rum.
    4) Selbst gebalstete Teeauszüge zur Anwendung am Auge sind bedenklich und NICHT empfehlenswert!
    4a) Sie sind nicht (achwebe-)teilchenfrei. Dabei geht es um Teilchen <5µm Größe, diese kann man mit dem normalen Auge kaum oder nicht sehen. Rein technisch bewerkstelligt wird sowas mit einem speziellen Filter, der dramatisch "dicht" ist.
    4b) Sie sind eventuell nicht bakterienfrei.
    4c) Extrakte aus Ätherische-Öl-Drogen sind zur Augenbehandlung gar nicht geeignet, da die ätherischen Öle die Augenschlaumhaut zusätzlich reizen können/werden.
    4d) Bitte bitte NIEMALS selbst gebrühten Kamillentee ins Auge – auch wenn er schon abgekühlt und durch ein Tuch geseiht wurde. Eine Allergenisierung (also das Auslösen einer Allergie) durch Kamille würde ich jetzt nicht unterstellen, eine Schleimhautreizung reicht da aber völlig. Bisabolol ist zwar durchaus antibakteriell wirksam, aber hier treibt man den Teufel mit dem Belzebub aus.
    5) Die antibiotische Behandlung einer (bakteriellen) Augenentzündung setzt normalerweise eine korrekte Diagnose dieser Entzündung voraus. Dies geling eventuell mit "Anfärbe-Techniken" – wie sie an mir (und an meinem entzündeten Auge) auch schon durchgeführt wurden.
    6) Eine "Gesund"-Bescheinigung wurde von uns erst 1x beigebracht – nachdem unser Kind mit ca. 3 Jahren erst einen Bilnddarmdurchbruch hatte, und anschließend (nach längerem Krankenhausaufenthalt gerade entlassen) mit einem Darminfekt nochmals 1 Woche ins Krankenhaus kam. Dieser Schein wurde aber nicht von uns "verlangt" sondern uns von vornherein mitgegeben, wenn ich mich da korrekt erinnere.

    7) Wer vor dem Schlucken das Schütteln des Wassers vergessen hat, schicke das Kind für 30min auf ein Trampolin! 😉

    Antwort

  15. frische Prinzessin
    Nov 28, 2012 @ 20:21:16

    Ohje, das leidliche Thema „Bescheinigung vom Arzt“. Am bestehn Eltern sagen dem Kindergarten gar nicht erst was das Kind hat. 😉 Was machen denn die Eltern, wenn sie vom Kinderarzt keine Gesundschreibung bekommen? Wie kommt das Kind denn dann wieder in den Kindergarten? Wenn sowohl die einen als auch die anderen „stur“ sind? Ich sehe ja aber, dass die Bescheinigungen noch viel mehr Erzieherinnen verlangen. Nicht nur wir. 😆 Da stellt sich doch die Frage, ob eine Klärung stattfinden sollte. Bis jetzt kamen unsere Eltern immer mit einer Bescheinigung. Also muss es ja doch irgendwie gehen. Ich denke, dass es die Erzieherinnen einfach nur richtig machen wollen, auch wenn jetzt gesagt wird so wie es im Infektionsschutzgesetz steht ist es richtig.

    Antwort

    • suma
      Nov 29, 2012 @ 08:47:27

      Unser Kinderarzt „erzieht“ die umliegenden Kindergärten und Krippen. Er verweigert konsequent alle Gesundschreibungen für Krankheiten, die nicht im Infektionsschutzgesetz aufgeführt sind. Dafür telefoniert er mit den Kitas und begründet dort auch, warum er das nicht ausstellt und dass die Kinder trotzdem in den Kindergarten kommen dürfen. Ich hatte das mal in der Krippe, nachdem die Leitung gewechselt hatte. Da sollte ich auch nach einer eindeutig „mechanischen“ Bindehautentzündung eine Gesundschreibung bringen. Die neue Krippenleiterin war auch sofort einsichtig und meinte nur, sie habe die Gesundschreibung nur verlangt, weil das in ihrem früheren Kindergarten so üblich war.

      Antwort

  16. Gunslinger
    Nov 28, 2012 @ 21:23:18

    „… das Kind muss schnell schnell wieder funktionsfähig sein …“
    Genau das ist das Hauptproblem heutzutage. Kinder müssen „funktionieren“. Krank sein geht gar nicht. Und wenn beide Eltern arbeiten, verschärft sich das Problem: Wohin mit dem kranken Kind. Der Schul-Druck, und das geht spätestens in der 4.Klasse Grundschule los, ist enorm. Heutzutage hat man keine Zeit mehr, eine Krankheit richtig auszukurieren. Aber „gottseidank“ gibt es genug Mittelchen um ein krankes Kind schnell wieder fit zu machen. Es lebe der medizinische Fortschritt.

    Antwort

    • gwendolynkucharsky
      Nov 29, 2012 @ 09:11:11

      Ach ja, früher war doch alles besser…

      Besonders zu einer Zeit, in der beispielsweise Scharlach noch eine lebensgefährliche Krankheit war, deren Heilung mehrere Wochen in Anspruch nahm (zuzüglich eines Jahres Nachkur auf Amrum ;-)). Heute ist das dank der schrecklichen Antibiotika ja leider nicht mehr so.

      Antwort

    • Viertelgott
      Nov 29, 2012 @ 11:31:31

      Man ich find den medizinischen Fortschritt auch kacke. Sportunterricht war immer so doof, hätte ich mal Polio gehabt, dann hätte ich sicher nicht mitmachen müssen! Oder noch besser ohne die Entdeckung der Antibiotika wären vielleicht meine Eltern gestorben bevor es mich gab dann hätte ich überhaupt nicht in diese leistungsorientierte Schule gemusst!

      Antwort

  17. Helmut
    Nov 29, 2012 @ 10:58:10

    Ich habe als Kind fast ein ganzes Kidnergartenjahr geschwänzt weil es mir nicht gut ging… mir hat nichts gefehlt 🙂

    Antwort

  18. Gunslinger
    Nov 29, 2012 @ 14:56:32

    Stelle gerade fest, dass ich mich hier in einem erlauchten Kreis von Vertel- und Halbgöttern befinde 🙂
    Natürlich war früher nicht alles besser – es war nur anders.
    Und natürlich bekenne auch ich mich zum medizinischen Fortschritt 🙂

    Meinen letzten Satz „…es lebe der med. Fortschritt …“ bitte ich zu streichen.
    Ich bin einfach manchmal zu impulsiv / emotional. Gibt’s da ne Pille dafür (oder dagegen?)?

    Aber ist es nicht so, dass häufige oder unnötige Antibiotika-Verordnungen zu einer Resistenzbildung führen können – mit der möglichen Folge, dass Antibiotika dann nicht mehr wirken, wenn sie tatsächlich gebraucht werden?
    Ich weiß schon, dass es sehr besorgte Eltern gibt. Und als Arzt hat man es wohl schwer, sich dagegen zu wehren. Das nennt sich dann „Verschreibungsdruck“.

    Hat jemand Interesse an 10 Flaschen Capval-Saft, bzw. 10 Flaschen Ambroxol? Natürlich alle verfallen 😉

    Antwort

    • kinderdok
      Nov 29, 2012 @ 15:59:59

      also ich nicht, weil ich das Zeug nicht verschreibe.
      Ich frage mich nur, warum Du soviele Flaschen davon zu Hause hast, oder gehörst Du zu den Patienten, die Rezepte mal so mitnehmen, die Medis aus der Apotheke holen (und damit Kosten produzieren), sie aber dann nicht einnehmen? Warum sagt ihr das nicht den Ärzten?

      Antwort

      • Gunslinger
        Nov 30, 2012 @ 00:28:17

        Es geht hier nicht um mich.Ich bin selten Patient. Es geht um die lieben Kleinen und um den Verschreibungsdruck den manche Mütter erzeugen.

        Antwort

        • sakasiru
          Nov 30, 2012 @ 12:54:51

          Ja, und? Bleibt immer noch die Frage warum du das Rezept nimmst und einlöst, wenn du das Medikament deinem Kind nicht geben willst. Daran, dass du nicht vernünftig mit deinem Arzt darüber reden kannst sind gewiss nicht irgendwelche anderen Mütter schuld.

  19. schroemu
    Nov 29, 2012 @ 15:50:59

    Das Problem an der Sache ist, dass nicht jeder einen geilen Kinderdoc hat und sich mit dem Besten zufrieden geben muss, was sich vor Ort finden lässt. Ich han gestern noch gelacht und war heute morgen mit meinem 8 Wochen alten Baby beim Arzt. Diagnose Bindehautentzündung. Floxaltropfen bekommen. Ich streube mich dagegen meinem Baby Antibiotika zu geben, aber wenn der Engel mich mit diesem dicken, roten, gelbtriefendem Auge angrinst, würde ich es ihr auslecken wenn es helfen würde. Als Neumama mit erstem Kind ist man schon sehr alleine. Meine Hebamme sagt, ich soll sie ihr geben, von ihr hab ich aber die tolle Homäopatische nicht-wirkende Tinktur. Wäre das meins, würde das Auge nur Spülen und gucken ob das reicht, hab aber Schiss, dass ich es bei ihr schlimmer mache. Man will für sein Kind eben nur perfekt handeln. (Trotzdem stell ich nicht selbst ne Diagnose, geb was dagegen und gehe zumArzt wenns weg ist. Die Reihenvolge ist irgendwie falsch)

    Antwort

  20. Utta
    Dez 02, 2012 @ 00:25:51

    Also ich muß zugeben, dass mich dieser Blogeintrag doch sehr verwirrt hat. Ich hatte gerade ein sehr rasant dick werdendes, schmerzendes, eiterndes Auge. Der Augenarzt sagte „virale Konjunktivitis epidemica“ und schrieb mich eine ganze Woche krank, weil ich keinen Kontakt zu meinen Kollegen haben sollte. Am Ende der Woche sah ich dann gerötete Augen bei meinem Zwerg. -> Ab zum Kinderarzt. Der verschrieb nach einem Blick Antibiotische Augentropfen. Ich diskutierte noch hin und her – aber seine Meinung: Naja, wenns eitert ists bakteriell und bei mir hat sich eben auch ein Bakterium draufgesetzt. Und der Zwerg würde das nun auch bekommen.
    – Und nun lese ich diesen Beitrag und bin restlos verwirrt.

    Antwort

  21. Trackback: Deine blauen Augen II « kids and me
  22. Moritz
    Feb 26, 2015 @ 17:17:06

    Ich bin seit ein paar Tagen – seit meine (sonst vernünftige) Kinderärztin meinem Kind Euphrasia D2 Augentropfen verschrieb – auf der Suche nach objektiven Informationen zur Wirksamkeit der Tropfen.

    Auf der könnte funktionieren Liste steht bei mir:
    Immerhin steht nicht drauf homöophatisch. Und Euphrasia kann durch die Inhaltsstoffe der Pflanze theoretisch tatsächlich Entzündungen des Auges lindern. Und D2 meint ja 1:100 Verdünnung, also noch mit genügend nachweisbarem Wirkstoff.

    Auf der wirkt eher nicht Seite habe ich:
    Ist antroposophisch. Von einem Hersteller, der gerne Wasser schüttelt und dann verkauft. Ich musste es in der Apotheke selber bezahlen. Ich fand keine Studien zu Euphrasia.

    Mein gefährliches Halbwissen bringt mich also nicht weiter.

    Kann denn Euphrasia 1:100 verdünnt in einem Augentropfen (laut Dosierung) überhaupt eine medizinische Wirkung haben?

    Antwort

    • kinderdok
      Mrz 13, 2015 @ 23:51:56

      Also ich verordne kein Euphrasia. 1:100 hast Du zwar Wirkstoff nachweisbar, aber effektiv ist das nicht. Alle Konjunktivitiden in den letzten Jahren ohne das Zeugs in den Griff bekommen.

      Antwort

  23. Moritz
    Mrz 18, 2015 @ 14:49:44

    Vielen dank, das half 😉

    Antwort

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