Antik Zitat des Tages

„Bei der Aufnahme älterer Kinder ins Krankenhaus ist ihnen zunächst ein Reinigungsbad zu verabfolgen. Dabei ist darauf Rücksicht zu nehmen, daß manche Kinder, namentlich solche vom Lande, noch nie in einer Badewanne gesessen haben und sich daher oft mit Händen und Füßen gegen das Bad sträuben.“
aus Birk, Walter: „Säuglings- und Kleinkinderpflege“, Enke-Verlag, Stuttgart, 1946, S. 134

sorry, es gibt keine Neuauflage.

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12 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. kaeks
    Nov 18, 2012 @ 11:17:53

    hihi sehr gut…. Das erinnerte mich an ein Projekt in der Schule – Quelle war unter anderem ein Buch aus den 70ern, gab nicht viel Literatur. Man wurde dann schon gut mit „Genosse“ angesprochen 😉

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  2. evajoachimsen
    Nov 18, 2012 @ 12:50:43

    Obwohl nicht ausgesprochen ländlich, gab es Zeiten, in denen sich meine Kinder auch gegen Baden oder Duschen sträubten.

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  3. inneres Stimmchen
    Nov 18, 2012 @ 14:45:17

    „namentlich solche vom Lande..:“ gröhl gabs damals noch keine Vornamen? ^^

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  4. Elawen
    Nov 18, 2012 @ 15:12:22

    *gg* Baden geht, sobald Kind in Wanne sitzt. Vorher nicht (rein) und nachher nicht (raus). Und Duschen ist schon mal per se ganz furchtbar. Jawohl. Was, das wussten Sie noch nicht? Na aber…Echt jetzt mal! Wirklich! Gaaaaaaaaaaanz furchtbar! *ggg*

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  5. Pu
    Nov 18, 2012 @ 16:03:10

    Noch nie in der „Volksbadewanne“ in der Waschküche gebadet (worden)? Für das Erhitzen des Badewassers gab es den „Badeofen“, der gleichzeitig das Badeetablissement auf erträgliche Temperaturen erwärmte. Das war auch nötig, denn die Waschküchen lagen vor allem bei Bauernhöfen oft übern Hof und waren saukalt. Der Rückweg vom Bad war im Winter echt kein Spaß. Kinder hatten, so lange sie klein waren und in die Plastikwanne passten, das Glück, samstags in der Küche gebadet zu werden. Mit Warmwasser vom Beistellherd. Leute, ihr wisst gar nicht, wie gut ihr’s heute habt!
    Ich kann mir schon vorstellen, dass manche (Land)Kinder im Krankenhaus die Panik bekamen, die hatten damals (das Buch ist von 1946) ein Badezimmer wirklich noch nie gesehen (wobei die Bäder im Krankenhaus ja auch heute noch gewöhnungsbedürftig sind).
    P.S.: In der o.g. Zinkwanne wurden am Schlachttag gern auch die Säue gebrüht…

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    • Corinna
      Nov 19, 2012 @ 21:19:43

      Doch. Ich erinnere mich noch undeutlich daran. Bei uns gab’s weit bis in die 80er Jahre einen Badeofen im Badezimmer und dieser war bereits fortschrittlich. Vor den 80ern badeten meine Eltern jeden Sonntag in unserer Waschküche in einer großen aber wenig komfortablen Zinkbadewanne, in der Samstags auch die Wäsche gewaschen wurde. Dazu wurde ein riesiger Waschkessel mit Holz und Kohle geheizt und das heiße Wasser danach in die Badewanne abgelassen, im Sommer auch gern mal mit Eimern zur Wanne nach draußen auf den Hof getragen.

      Ein Schwein konnte man in der Wanne allerdings nicht brühen, denn dazu war sie nicht lang genug. Die brachte der Schlachter extra mit, wenn er kam. 🙂

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  6. Pharmama
    Nov 18, 2012 @ 17:35:28

    „Verabfolgen“ – das hört sich ziemlich … hart an. Nach Zwang und Folter 🙂
    warum konnten die nicht schreiben: „die Kinder sind vorher zu baden“?

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  7. Ursel
    Nov 18, 2012 @ 19:39:59

    Ääääh, balneale Therapie???

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  8. Ursel
    Nov 19, 2012 @ 08:27:19

    Und wo war die Altersgrenze?? Ich meine: ab wann ist ein Kind *älter* ?

    Antwort

  9. gedankenknick
    Nov 19, 2012 @ 11:38:15

    @Pharmama: Das ist in Beamtendeutsch und – damals steckte das noch einfach so drin – im Befehlston geschrieben. Der rüde Ton ist eingebaut. Das können aber nicht mal deutsche Durchschnittsbürger verstehen.

    @Ursel: Älteres Kind = genug Haarwuchs, um als potentieller Wirt für Läuse dienen zu können. 😉 Und ne balneale Therapie bestand damals darin, den Schmuddel von der Haut abzubekommen, um die Erkrankung erst ein mal anschauen zu können. Das Buch stammt von 1946, ist also vermutlich im WW2 geschrieben/überarbeitet worden. Seife war für einfache Landbevölkerung damals wahrscheinlich ein größerer Luxus als der Zuber heißen Wassers am Familienwaschtag. Das kann man aus unserer (aus damaliger Sicht) geradezu dekadenten Lebens- und Denkweise nur schwer nachvollziehen. Ich habe meinen beiden Großmüttern, die beide Weltkriege erlebt haben, sehr aufmerksam zugehört, und mitbekommen was sie mir nicht erzählen wollten. Ich beneide niemanden um solche Lebenserfahrungen.

    @Thema: Das hört sich jetzt sehr zynisch an, ist aber leider (in Einzelfällen) noch immer ein Problem. Die Geschichte ist noch gar nicht soooo lange her, als auf Kinderstation ein kleiner Patient – von der Notaufnahme überwiesen – ankam. Kinderkrankenschwester: „Äh, das Kind hat aber Läuse..! Der ganze Kopf ist voll.“ – Mutter: „Na die muss sich der Kleine aber hier geholt haben! In der Notaufnahme eben hatte er die noch nicht!“ Wie gesagt: sicher ein Einzelfall, aber leider eine wahre Geschichte.

    Antwort

  10. oliver2punkt0
    Nov 19, 2012 @ 18:24:55

    Ich erinnere mich auch noch bei meiner Oma – eine Badewanne und direkt darüber der Heizkessel. 🙂 Allerdings konnten wir als Famlie eines Briefträgers die Wonnen einer Badeanstalt im Kellergeschoss des Hauptpostamtes geniessen. Männer natürlich zuerst in die Wanne. 🙂

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