filter

achja genau, heute wieder: wie man schlauer wird in der schule…. doch, auch darum geht es in der kinderarztpraxis.

„musst halt besser aufpassen“, sagt die omma. oder „schwätz nicht so viel“, sagt meist die frau an der tafel. und mutter und vater haben nur den standardspruch auf lager: „also zu unserer zeit, da habe ich schon…“ man setze ein: „… goethe rezitiert…“, „… die siebtewurzelauszwölfhundertvierundsechzig gezogen…“ oder „… sämtliche römischen kaiser einschließlich ihrer lebenszeiten auswendig beherrscht…“

aber darum geht es heute ja schon lange nicht mehr. heut gehts nur noch um aufmerksamkeit. um konzentration. „der justin-hinnerk guckt ständig aus´m fenster, egal wo er sitzt in der klasse, wir haben jetzt schon alle plätze durch.“ oder „der kann immer noch nicht seinen namen tanzen, vielleicht hat er die aufgabe nicht ganz verstanden. die lehrerin sagt aber, er könne den sinn nicht so ganz filtern.“ auweia.

dann kommt der reflex medikamente. und der reflex ernährung. und der reflex ärgertherapie. nicht zwingend in dieser reihenfolge. meist fängts mit letzterer an, denn „da kann er mal lernen, seinen tagesablauf zu strukturieren“. andererseits „wissense herr dokter, wir haben ja auch schon verschiedene nahrungsmittel durch, die algenpräparate zum beispiel und das andere fischzeug, und sogar den zucker lassen wir nun komplett weg, bringt aber nix, der holt sich immer die stückle vom bäcker, dann ist alles für die katz.“ und am ende dann der ruf nach „… rrrr-idalin, herr dokter, der maavin von nebenan kriecht das auch von seinem dokter, und seitdem isses alles ville besser.“

auweh. es ist mai. es ist die zeit der entwicklungsgespräche im kindergarten und der versetzungsgespräche in der schule. und wenn da gar nichts mehr geht, dann muss der doktor her. und ich bin dann der filter. ich muß hören, fragen, sprechen, erfassen, einschätzen, testen. ich darf die spreu vom weizen trennen, das medizinische vom pädagogischen, das pathologische vom normalen, das dimensionale vom eigentlichen. es ist schade, dass dies beim arzt geschieht, oder?

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41 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. verhaltensoriginell
    Mai 18, 2012 @ 21:07:53

    Tut mir leid lieber Kinderdoc, aber der Zeitartikel ist total daneben. Ich als diagnostizierte ADHSlerin, mit zwei Kindern die das haben fühle mich hier ziemlich getreten…..

    Antwort

    • kinderdok
      Mai 18, 2012 @ 21:20:39

      ja, schon recht. aber ganz daneben auch nicht. methylphenidat gehört genau abgewogen. und bei den explosiven raten der verschreibung der letzten jahre wird das sicher nicht immer getan. da darf man auch einen solchen artikel aushalten.
      nicht persönlich nehmen. ich verschreib das schon auch.

      Antwort

      • verhaltensoriginell
        Mai 18, 2012 @ 21:59:21

        oho… können sie diese Gefühlte „Überverschreibung“ denn auch belegen? Dafür gibt es nämlich Gründe, die sie als Arzt kennen müssten, vor allem wenn sie auch verschreiben!

        Antwort

      • heinz
        Mai 19, 2012 @ 09:38:02

        Ritalin verschreiben dürfen doch nur noch speziell fortgebildete Kinderpsychiater!?

        Antwort

        • kinderdok
          Mai 19, 2012 @ 10:26:55

          nein. das darf jeder kinder- und jugendarzt. teil unserer facharztausbildung. geändert hat sich, dass allgemeinärzte mph verordnen dürfen. denen ist das entzogen worden.

    • hummelchen84
      Mai 18, 2012 @ 21:31:51

      Genau da seh ich als Psychologin das Problem: durch die extreme Popularität von diversen AD(H)S Diagnosen, und der verständlichen und dringend notwendigen „ist-kein“ Haltung, die allmählich auch durchsickert (in vielen Berufsgruppen viel zu langsam), gehen die „echte Fälle“ unter, oder können kaum noch richtig diagnostiziert werden weil der Volksmund unter dem Krankheitsbild was völlig anderes versteht (vgl Schizophrenie).
      Grundsätzlich Respekt für die Geduld bei den Diagnosen, mir würden (/haben) sich die Zehennägel spätestens nachm 3. „ADHS“Kind aufrollen..

      Antwort

  2. Suanne Suder
    Mai 18, 2012 @ 21:27:38

    Danke für das Posting. Ich krieg als Grundschullehrerin auch den Horror, wenn ständig alle Kinder zum Arzt geschleift werden, weil sie irgendein „Rad ab“ haben sollen.

    Antwort

  3. Pharmama
    Mai 18, 2012 @ 21:33:55

    Wenn es nur ums aus dem Fenster gucken ginge … entweder das oder das zeichnen – ich glaube eins von beiden habe ich auch meist gemacht in der Schulstunde. Erstaunlicherweise wusste ich trotzdem meist, worum es ging und die Noten waren … ich sag mal ausreichend, weil ich eher der Minimalist war und nicht wirklich viel zuhause gelernt habe. Bis zu dem Moment, wo ich dann musste, weil es darum ging, in welche nächste Stufe ich kommen sollte.
    Schwierig das von aussen abzuschätzen. Schwierig für die Lehrer, die mich häufig abgelenkt sahen, schwierig für die Eltern, die nicht wussten, wie ich mich in der Schule verhalte und sehr schwierig für einen Kinderarzt, der einen nur wenige Male pro Jahr sieht.
    Im Endeffekt hat mir eine Übergangsklasse geholfen – ein Kompromiss, wo ich zeigen konnte, was ich konnte.
    Ich denke, die Extremfälle kannst Du als Arzt wohl erkennen, aber … hmmm.
    Kann man die Kinder nicht auch selber fragen? Bei mir hat das geholfen 🙂
    (Gut, das war später als der Kindergarten ….)

    Antwort

  4. Daniel
    Mai 18, 2012 @ 22:51:46

    Ich finde den Zeit-Artikel wirklich extrem intressant und gut geschrieben!

    @verhaltensoriginell
    Man muss auch kritische Punkte ansprechen dürfen ohne dass gleich unreflektiert auf alles geschimpft wird.

    Ritalin ist ein hochpotentes Medikament, dass auch zahlreiche Nebenwirkungen mit sich bringt und dass keinesfalls leichtfertig verschrieben werden sollte. Wenn die Indikation dazu besteht kann es natürlich wirklich helfen!

    Das Problem ist doch, dass die Eltern dann mit einer gewissen Erwartungshaltung zum Arzt gehen und oftmals ganz klar wissen, dass sie jetzt möchten, dass ihr Kind jetzt Ritalin bekommt, obwohl sie die Folgen dieser Medikation nichteinmal im entferntesten beurteilen können. Der Weg Medikament A beseitigt Problem A, ist nunmal leider zu kurz gedacht, und dass muss man den Leuten klarmachen.

    Antwort

    • verhaltensoriginell
      Mai 19, 2012 @ 05:17:52

      <<Man muss auch kritische Punkte ansprechen dürfen ohne dass gleich unreflektiert auf alles geschimpft wird.<<

      Ich bin da sehr reflektiert, und genau deshalb auch so böse: Nicht umsonst habe ich nach Belegen für die gefühlte Überversorgung des Herrn Kinderdoc gefragt!

      Und zu dem Zeitartikel, ihr wisst schon alle wer Hüther ist?

      Antwort

  5. n.n.
    Mai 18, 2012 @ 23:52:56

    „da seh ich als Psychologin das Problem“ und dann hummelchen84 als Name? LOL. Dr. Freud, übernehmen Sie!

    Antwort

  6. Petra
    Mai 19, 2012 @ 09:19:44

    @verhaltensoriginell

    http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2011-05/adhs-medikamente-verschreibung

    Dieser Artikel der Zeit wird Dir sicherlich besser gefallen, weil neutraler und das Problem von außen beschreibend.
    Gibt man bei Zeit online den Begriff „Ritalin“ ein, so bekommt man 7 Seiten mit Lesevorschlägen. Das Thema ist also ständig im Fokus.
    Der Link vom KinderDoc beschreibt sehr gut den inneren Zustand nach der Einnahme von Ritalin, aber da es sich um einen Philosophie-Studenten handelt, der Artikel in der Abteilung „Studium“ gelistet ist und es sich um eine sehr persönliche philosophische Betrachtung des Themas Doping handelt, ist der Artikel nicht so ganz exemplarisch für das Problem „Zuviel Ritalin“. Da hast Du wieder Recht.
    Als Jungs-Mutter mit zwei Kindern jeweils vom Ende der Skala – einem quatschenden Hibbelfritzen und einem maulfaulen Träumerle, musste ich mir ständig in Kindergarten und Schule anhören, dass das eine oder andere Kind nicht in den „Betrieb“ passt.
    Kinder, besonders Jungen, fallen gerade in weiterführenden Schulen oft durch alle Raster, weil sie eben zu unbequem, weil sie zappelig sind oder sie gehen unter, werden gemobbt, weil zu still.
    Aber wir wohnen auf dem Land, wo man die Kinder rausjagen kann an die frische Luft und auf die Bäume, inklusive aufgeschrundener Kniee, Beulen am Kopf und gebrochener Gliedmaßen.
    Ritalin hat nur einer der Jungs in der Klasse meines Kleinen bekommen. Und der hat in der Pubertät mächtig rebelliert, weil er unter „Droge“ nicht Schlagzeug spielen konnte.
    @pharmama
    Ich kritzele auch heute noch, hauptsächlich in langweiligen Besprechungen ;o))

    Antwort

    • verhaltensoriginell
      Mai 19, 2012 @ 21:32:18

      <<Der Link vom KinderDoc beschreibt sehr gut den inneren Zustand nach der Einnahme von Ritalin,<<

      MPH wirkt bei ADHSlern paradox. Ein Nichtbetroffener der dieses Medikament einfach nimmt kann da gar nicht mitreden…

      <<<<Aber wir wohnen auf dem Land, wo man die Kinder rausjagen kann an die frische Luft und auf die Bäume, inklusive aufgeschrundener Kniee, Beulen am Kopf und gebrochener Gliedmaßen.<<<

      Wenn das hilft ist es kein ADHS….

      <<<Ritalin hat nur einer der Jungs in der Klasse meines Kleinen bekommen. Und der hat in der Pubertät mächtig rebelliert, weil er unter “Droge” nicht Schlagzeug spielen konnte.<<

      Aha… na ja hier haben viele viel Meinung aber keine Ahnung….

      Antwort

      • Petra
        Mai 20, 2012 @ 09:45:28

        Ich gebe natürlich MEINE Meinung wieder…
        Aber der Post vom KinderDoc geht m.E. nicht um die „echten“ ADHS-Kinder, sondern um die Eltern, die jede Abweichung von der Norm leichter ertragen können, wenn das Etikett „Krank“ am Kind klebt.
        Und den meisten Kindern bekommt es eben besser sich auszutoben, als Tabletten zu bekommen.
        Und beängstigend ist es doch, wenn die Ritalin-Verschreibung in so kurzen Jahren derartig signifikant ansteigt. Ich will und kann einfach nicht glauben, dass plötzlich sehr viel mehr Kinder erkrankt sein sollen.
        ich mache jetzt seit 18 Jahren Elternarbeit und durchs Fotografieren komme ich ein bisschen herum, wo sich Kinder „gehäuft“ anfinden – Schule, Sportclub, Jugendfeuerwehr, Dorfereignisse wie Osterfeuer und Hähnekrähen (steht in meinem Blog). Das Verhalten der Kinder hier hat sich in den letzten Jahren nicht verändert, immer hat man eine fröhliche Meute kleinerer Kinder oder pubertierender Jugendlicher um sich herum.

        Antwort

        • verhaltensoriginell
          Mai 20, 2012 @ 11:44:03

          Es gibt Gründe dafür dass die Verschreibungen so zugenommen habe, es gab (und gibt) immer noch viele unbehandelte ADHSler, man ist sensibler geworden, es wird eher geschaut und den kindern damit viel Leid erspart. Zu dem gibt es seit einiger Zeit die Zulassung für Erwachsene (die lange überfällig war) was ich in den Zahlen auch niederschlägt. Ich hatte den Kinderdoc nach Belegen für eine Überverschreibung gebeten, die kann er nicht erbringen, weil es die nämlich nicht gibt. Das hängt aber daran, dass es noch keine vereinheitlichten Diagnosekriterien gibt, wir warten alle gespannt auf den nächsten DSM! So ein Blog wie vom Kinderdoch ist für Betroffene schädlich, wir müssen uns schon genug der Kritik stellen (man lese nur mal die unmöglichen Zeitungsartikel die hier verlinkt sind) Objektiv ist echt was anderes. ADHS ist ein neurobiologisches Problem, eine Störung der Neurotransmitter nichts anderes.

      • Wolfram
        Mai 25, 2012 @ 15:11:39

        Aha… na ja hier haben viele viel Meinung aber keine Ahnung….

        Du scheinst nicht nur „verhaltensoriginell“ zu sein, sondern auch noch ziemlich überheblich.
        Als Betroffene oder vielleicht auch Mutter von Betroffenen, so genau habe ich deine Einlassungen nicht analysiert, hältst du dich für kompetenter als den Kinderdoc, der anders als du nicht nur angelesenes Halb- und Boulevardwissen vorweisen kann, sondern eine solide medizinische Ausbildung, die er mit einem Facharztdiplom abgeschlossen hat, zu dessen Erlangung es u.a. gehört, mehr über ADS und ADHS zu wissen als ein ZEIT-Redakteur oder du.

        In deiner Arbeit in der Schule solltest du jedenfalls mehr Zurückhaltung zum Thema üben als hier im Blog; Leute, die aus einer eigenen Betroffenheit heraus andere zu Leidensgenossen „diagnostizieren“, richten immer großen Schaden an. Unter anderem solchen wie vom Kinderdoc beschrieben, daß jedes Kind, das mal mit den Fingern auf dem Tisch trommelt, gleich mit ADHS-Verdacht zum Arzt geschleppt wird.

        Antwort

  7. Blüte
    Mai 19, 2012 @ 09:25:59

    Wieso ist es schade, dass die Trennung des Pathologischen vom Normalen beim Arzt geschieht? Ist der Kinderarzt nicht gerade auch da Ansprechpartner der Eltern, um Entwicklungen und Verhaltensweisen einordnen zu helfen, wenn diese als problematisch empfunden werden? Ist es nicht gerade der Kinderarzt, der mit seiner besonderen Kenntnis der Norm und des Pathologischen, sowie mit der Kenntnis des individuellen Kindes und seiner Entwicklung die richtige Einordnung vornehmen kann? An wen sollen sich Eltern mit diesen Fragen denn wenden, wenn nicht an den Kinderarzt? In unseren Kindergärten und Schulen werden mitunter haarsträubende Einschätzungen von Kindern vorgenommen, da scheint mir ein Gespräch mit dem Kinderarzt durchaus die richtige Reaktion der Eltern zu sein.

    Antwort

    • kinderdok
      Mai 19, 2012 @ 10:31:16

      schon richtig.
      schade daran ist genau der letzte punkt: anscheinend haben viele erzieherinnen (nicht alle! nicht gleich schimpfen!) verlernt, kinder richtig einzuschätzen.
      da existiert auch viel zu viel halbwissen, was aus unsicherheit ständig zu vorstellungen beim kinderarzt führt.

      ich frage immer die eltern: denken sie, dass ihr kind krank ist? nö, sagen die meisten.
      adhs ist aber eine krankheit. und nur die sollen eigentlich zum doc, oder?

      ganz abgesehen davon ist adhs natürlich ein phänomen, das jeder in sich trägt. deshalb dimension: man hat nicht adhs oder man hat es nicht (wie läuse oder röteln), sondern man hat es eventuell viel oder wenig (wie bluthochdruck).

      Antwort

      • Kleeblatt
        Mai 19, 2012 @ 12:54:52

        Ich sitze gerade im letzten Abschnitt meiner Lehrerausbildung. Da wird uns aktuell beigebracht, dass wir für jedes Kindelein Tausend Beobachtungs- und Förderbögen ausfüllen sollen. Die Schule ist verpflichtet für jedes Kind einen Förderplan zu führen. Das ist sicher ein gut gemeinter Ansatz, doch gut gemeint ist nicht gut gemacht…
        Bisher habe ich meine Rasselbande als ganzes und jeden Schülern einzeln betrachtet. Schnell hatte ich ein Bild von den einzelnen Schülern, manchmal konnte ich dieses Bild korrigieren, aber insgesamt denke ich, dass ich im Überblick habe, wer ordentlich arbeitet, wer eher träumt als mitdenkt und wem es gut tut während einer Arbeitsphase mal kurz zum Mülleimer zu gehen. Das heißt, ich weiß, wer von meinen 29 Kids noch ein mal eine Ermahnung, ein aufmunterndes Wort und vor allem einen Kontrollblick braucht. Ich weiß, wer viel Zuwendung braucht und ich weiß, wer lieber für sich arbeitet. Jeder ist eben anders. Aber das können sowohl ich als Lehrkraft als auch die Mitschüler als Gruppe respektieren. Wenn man diese Einsicht des Verschiedenseins hat, muss man auch nicht wegen jeder minimalen Abnormalität eine Diagnose stellen. Außerdem bekommt man so auch mit, wenn es wirklich ein gravierendes Problem gibt. Doch da sind wir Lehrer leider sehr sehr sehr oft komplett auf uns gestellt. Da fehlt uns selbst ein kompetenter Ansprechpartner. Egal ob es um die Verwahrlosung von Kindern geht, um den Verdacht, dass es häusliche Gewalt gibt, oder eben bei Überlegungen zu Entwicklungsstörungen oder Krankheiten. Das einzige was man uns rät, ist mit den Eltern zu sprechen, mehr können wir oft nicht tun. Aber Eltern und Lehrer reden leider viel zu oft aneinander vorbei… Außerdem fühlen sich beide Seite (Eltern und Lehrer) leider schnell angegriffen und beschweren sich übereinander. Verlierer ist dann immer das Kind. Und ich denke auch unser Kinderdoc. Rufe ich bei einer Mutter an, um mich zu erkundigen, was das Kind aktuell vielleicht mehr beschäftigt als die Schule, weil es im Moment abgelenkt und schlecht drauf wird, laufen viele Mütter leider gleich zum Arzt und sagen, der Lehrer sagt, das Kind hat Konzentrationsschwäche. Dabei findet das Kind es vielleicht nur doof, dass es nun das Zimmer zu Hause mit einer Schwester teilen muss oder ähnliches… Auf der anderen Seite nehmen aber auch Lehrer die Ängste vieler Eltern nicht ernst genug… sehr schade… vor allem für die Kinder, die dabei immer das Opfer sind.

        Antwort

  8. hajo
    Mai 19, 2012 @ 11:18:39

    Kinderdok, ich habe die Erfahrung gemacht (zuletzt bei der „Kindern der zweiten Generation“), dass einige der Erzieherinnen (es gibt ja auch die männliche Form, aber an die bin ich bisher noch nicht geraten) ganz offensichtlich noch NIE gelernt hatten, Kinder überhaupt einzuschätzen. Was die in einem Kindergarten zu suchen haben, frage ich mich nicht mehr.
    Zu AHDS habe ich – wie auch zu anderen „neuen“ Erkrankungen – eine eigene Meinung, die meinen Beobachtungen entspringt, jedoch keinen Anspruch auf „die“ Wahrheit erhebt: Wenn ein – wie auch immer geartetes – Symptom auftritt, für das es keine „klassische“ Einordnung gibt, wird einfach eine neue Diagnose kreiert, das ist einfach und beruhigt insbesondere die Eltern, weil: keine Diagnose ist beinahe einem Todesurteil gleichzusetzen, aber eine vorhandene Diagnose – gleichgültig ob man sie wirklich versteht – bedeutet so in etwa (unter Zuhilfenahme von Medikamenten) „Gefahr erkannt, Gefahr benannt, Gefahr gebannt“.
    Übrigens sind derartige Diagnosen für die wirklich Erkrankten (oder die, bei denen die Folgen erkennbar sind) m.E. kontraproduktiv, denn sie wirken eher verschleiernd und helfen nicht wirklich bei der Erforschung der notwendigen Therapie.

    Antwort

  9. Die Wunderbare Welt des Wissens
    Mai 19, 2012 @ 11:40:03

    Ob AHDS oder nicht… die Erwartungen, die an Kinder gestellt werden, sind schon ganz schön absurd, oder? Den Tag strukturieren, den Sinn filtern… ich kenne Erwachsene, die das nicht können (ja, das ist schlimm!), und finde das ganz schön viel verlangt.

    Antwort

  10. Klabund
    Mai 19, 2012 @ 12:04:12

    Früher gingen Kinder, die nicht so recht zum Lernen zu begeistern waren zur Volksschule, haben dort wohl so viel gelernt wie heute bis in die 5. Klasse beigebracht wird und haben dann „einfachere“ Berufe ausgeübt (Handwerker, Landwirt).
    Heute bekommen die meisten „Kinder“ bis 21 oder noch länger täglich 6 – 8 Stunden Wissen eingetrichtert. Kein Wunder, das da der ein oder andere durchdreht.

    Antwort

  11. Robin Urban
    Mai 19, 2012 @ 13:04:12

    Ich bin bei diesem Thema zwiegespalten. Ich hatte ein sehr gutes Pädagogik-Seminar mit einer überaus reflektierten Dozentin (Psychologin), die mir ein bisschen meiner kompletten Antihaltung genommen hat. Sie war ebenfalls der Meinung, dass Ritalin oder ähnliches viel zu oft und viel zu schnell verschrieben wird, aber die, die es nun mal wirklich brauchen, hilft es sehr. Diese Kinder kommen sich selbst auch nicht ferngesteuert vor, sondern geordnet.

    Ich halte es aber für einen Fehler, dass Kinderärzte und nicht nur Psychologen/Neurologen das verschreiben dürfen (ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen).
    Vor ein paar Monaten habe ich den Hausarzt gewechselt und brachte dem meinen Befund von der nuklearmedizinischen Abteilung des örtlichen Krankenhauses mit, die mir bescheinigte, eine ganz leichte Schilddrüsenunterfunktion zu haben. Er sah sich das Rezept an. „25 Mikrogramm L-Thyrox, das ist ja gar nichts!“ tönte er dabei. „Machen wir doch lieber 75, ne?“
    Ich saß da wie vom Donner gerüht. Einfach so mal meine Dosis verdreifachen? Watt? „Ähm, nee, ich glaube nicht,“ brachte ich dann irgendwann raus. Ich denke, bei nem Fachmann wär das nicht passiert.

    Was ich in oben genannten Seminar noch besonders interessant fand: Meine Dozentin, die selbst solche ADHS-Tests durchführt, erzählte etwas über die Zusammensetzung des Klientels und dabei kam heraus, dass tatsächlich weniger Mädchen zu diesen Tests geschleppt werden, von diesen Mädchen aber auch nur ein sehr viel geringerer Prozentsatz dann tatsächlich ADHS hat als bei den angeschleppten Jungs. Das beweist für mich, dass normales, kindliches (und damit manchmal lautes, nerviges) Verhalten bei Mädchen immer noch mehr stigmatisiert wird als bei Jungs.

    Antwort

    • kinderdok
      Mai 19, 2012 @ 15:19:03

      sie treten mir nicht zu nahe – aaaber:
      psychologen und neurologen haben hier gaaar nichts zu suchen, denn adhs ist kein psychologisches (also neurotisches) und auch kein alleinig neurologisches (also primär nervales, wie eine halbseitenlähmung) krankheitsbild, sondern ein „multimodales“ und vor allem psychiatrisches krankheitsbild – ein riesenunterschied.

      Antwort

      • Sechstelgott
        Mai 19, 2012 @ 15:35:54

        Psychologen dürfen doch auch gar nichts verschreiben. Die können allenfalls dem behandelnden Arzt eine Empfehlung geben, dachte ich?

        Antwort

      • Robin Urban
        Mai 19, 2012 @ 15:48:12

        Aber wären dann für die Diagnose nicht (Kinder- und Jugend-)Psychologen und Neurologen besser geeignet als ein Pädiater? Oder am besten jemand, der beides studiert hat?
        Ich finde, grade wenn es um eine so schwere Entscheidung geht (Medikamente oder nicht), darf da niemand ran, der nicht die entsprechenden Kompetenzen erworben hat. Ist denn ADHS ein Bestandteil des Studiums oder lernt man da erst in Fortbildungen was drüber?

        Antwort

  12. geoinfant
    Mai 19, 2012 @ 14:53:40

    Zum Thema ADHS:

    http://www.sueddeutsche.de/wissen/gefaehrliches-pflanzenschutzmittel-pestizid-schaedigt-das-gehirn-ungeborener-1.1346393

    Ich war bisher der Meinung, dass die stark zunehmenden Diagnosen solcher Störungen überwiegend der veränderten Wahrnehmung gleichbleibender kindlicher Verhaltensmuster geschuldet sind. Nach der Lektüre dieses Artikels bin ich mir nicht mehr so sicher.

    Zum Thema des Beitrags:

    Ich glaube, Eltern fehlt es in einer kinderarmen Welt an Vergleichsmöglichkeit. Woher wissen, ob mein Kind „normal“ ist, wenn es doch das einzige ist, mit dem ich näher zu tun habe? Gleichzeitig führt die Logik einer kinderarmen Welt dazu, dass auf dem einzelnen Kind viel mehr Blicke ruhen als „früher“, und diese Vielen auch genauer hinsehen. Zwangsläufig fällt dann auch mehr auf.

    Und in dieser Welt bist Du, kinderdoc, der Lotse. Denn Du siehst hunderte Kinder und alle aus einer gleichmäßig un-betroffenen Perspektive. Das trifft wohl auf fast keinen Kinder-Beruf so sehr zu wie auf Deinen.

    Antwort

    • Mara
      Mai 19, 2012 @ 15:48:30

      und vielleicht kommt noch hinzu, dass an jedes kind so hohe erwartungen gestellt werden,denn wenn man nur ein kind hat, will man es optimal fördern und es soll sich auch optimal entfalten und eben das beste erreichen. was auch immer das dann ist.

      mich persönlich stresst schon das wahnsinnige angebot für die kinder unter sechs jahren – weil es mir irgendwie impliziert: wenn du diese förderung nicht annimmst für dein kind, dann verpasst es was.

      der kindergarten hat uns übrigens auch schon dreimal eine förderung empfohlen. und hier bin ich froh über unseren kinderarzt, der erstmal gelassen reagiert und tatsächlich haben sich die meisten probleme von alleine oder mit der zeit gelöst.

      Antwort

      • gwendolynkucharsky
        Mai 20, 2012 @ 10:02:05

        Mach dich von diesem Stress frei! Ich bin schon ganz lange der Ansicht, dass die Hauptaufgabe und die allerbeste allumfassende „Förderung“ für Kinder – mindestens bis zum Schulalter – schlicht und ergreifend Spielen heißt. Und genau das tun und taten meine Kinder exzessiv. Spielen, spielen, spielen, am besten ohne permanenten Elternüberwachung (was mir dank meiner Faulheit nicht schwer fällt :mrgreen:). Das Gegenteil davon habe ich gerade am Freitag wieder auf dem Spielplatz beobachtet. Da stehen permanent Eltern neben Rutsche, Sandkasten oder Wippe, schubsen ihre mindestens Vierjährigen ewig lang auf der Schaukel an und loben dann noch „Toll machst du das, Anouk! Und der Gabriel hält sich ja sooo toll an der Wippe fest!“ 🙄 …

        Antwort

    • Klabund
      Mai 20, 2012 @ 07:42:50

      Das hat nichts mit Erbsenzählen zu tun. Das sind zwei vollkommen unterschiedliche Berufe. Psychologen machen Gesprächstherapie / Verhaltenstherapie etc. und mehr nicht.

      Antwort

      • Alba
        Mai 21, 2012 @ 14:37:15

        Wenn schon Erbsenzählen, dann bitte richtig -.-
        Psychologen machen keine Therapie. Dafür musst du Psychotherapeut sein (Psychologiestudium + Therapeutenausbildung).
        Psychologen arbeiten in so vielen Bereichen, das kann ich hier gar nicht aufzählen.

        Und auch wenn einige Ärzte (anscheinend auch kinderdoc) das anders sehen: Ich als Neuropsychologin, spezialisiert auf Kinder und Jugendliche, habe in der ADHS-Diagnostik so einiges zu suchen, finde ich ;). Es gibt keinen einfachen Test für ADHS, aber es gibt Testbatterien, die verschiedenste kognitive Leistungen erfassen. Damit bekommt man ein gutes Bild, woher eventuelle Probleme kommen (im Sinn von: aus welcher Verarbeitungsphase im Gehirn), und, genauso wichtig, wo man mit Interventionen ansetzen kann. Und wie was auf das alltägliche Funktionieren wirkt. Wir Psychologen evaluieren ja alles gerne.
        Studien zeigen dass bei ADHS die Kombination von Medikamenten und Interventionen dauerhaft erfolgsversprechender bleibt als irgendeine Monotherapie. Wieso sich so dagegen sperren?

        Antwort

  13. Stephan
    Mai 20, 2012 @ 01:52:00

    Fördern hier, fördern da ich glauber das führt dan zum überfordern! Natü+rlich ist eine Förderung im Einzelfall sinnvoll aber ich habe immer mehr das Gefühl, hier geht es um die Eltern. Die möchten gerne „gut da stehen“ bekommen es aber mit den eigenen „Fördermitteln“ nicht hin – schade! Aber vielleicht sollte man als Eltern öfter mal in den Spiegel schauen und überlegen ob es um das eigenen Kind oder die Gesellschaft geht!?

    Antwort

  14. 'ne mama
    Mai 20, 2012 @ 09:56:26

    Solange mein Kind hochkonzentriert ist, wenn es um Magnetismus und das Sozialverhalten der Schnecken geht, macht es mir keine Sorgen, dass er im Unterricht träumt. Mir fiel es auch immer schwer, in fremdbestimmten Situationen aufmerksam zu bleiben – geht mir z.B. in langen Meetings immer noch so. Ich halte das nicht für pathologisch, sondern für eine gesunde Selbstschutzmaßnahme. Als ich ein Berufsziel hatte und wusste, dass dessen Erlangung durch einen Numerus clausus führt, war ich in der Schule schlagartig aufmerksam. Und habe dann auch den in Klassen 1-8 verpennten Stoff nachgeholt.
    Ich unterscheide bei meinen Kindern, ob sie Dinge grundsätzlich können oder nicht können. Wenn sie etwas grundsätzlich können (z.B. sie können sich konzentrieren, wenn sie ein Stoff interessiert), dann ist ein zeitweises nicht-Tun jedenfalls nichts, womit ich zum Kinderarzt gehen würde.

    Antwort

  15. kinderdok
    Mai 20, 2012 @ 19:23:06

    ich habe mal ein paar links zusammengestellt:
    anzahl verordneter tagesdosen methylphenidat
    anzahl kinder in deutschland
    prävalenz adhs
    studie überversorgung? 2003
    kann sich jeder sein eigenes bild machen. die erhebung gehen sehr auseinander. die studie aus 2003 ergibt keine überversorgung.

    geht man von einer prävalenz von 5% aller kinder aus, sind wir bei knapp 500 000 kinder mit adhs in deutschland, bricht man die tagesdosen ritalin auf einen tag runter, liegen wir hier bei 150 000 (2009) — ok, damit haben wir keine überversorgung *aller* adhs-kinder. rechne ich da was falsch?
    aber die explosivität der verordnungen ist schon sehr beeindruckend. vielleicht wird aber auch mehr diagnostiziert.

    ich korrigiere mich also. aber: ich bin schon überrascht, wieviele kinder die diagnose angeheftet bekommen, ohne wirklich adhs zu haben. man kann sie mit wenigen *red-flag* fragen aussortieren.

    Antwort

  16. verhaltensoriginell
    Mai 20, 2012 @ 20:44:33

    Ich kenne die Zahlen, und ich behaupte auch nicht dass es keine Fehldiagnosen gibt, wie bei jeder anderen Krankheit eben auch. Aber, ich reagiere mittlerweile sehr allergische auf solche Blogeintrage und Zeitungsartikel. Einmal im Monat mindestens wird in irgendeiner Tageszeitung eine Sau im Zusammenhang mit ADHS durchs Dorf getrieben. *nie* geht es dabei konstruktiv zu, immer wird irgendeine Überversorgung behauptet. Was wir aber wirklich brauchen, nämlich einheitliche Diagnosekriterien um handfeste Zahlen erheben zu können, kein Wort…. Damit wäre allen und am meisten den wirklich Betroffenen geholfen. Das einzige was solche Artikel nämlich bewirken ist, dass Eltern von ordentlich diagnostizierten Kindern, die sehr gut mit MPH eingestellt sind verunsichern. Ich habe sogar schon erlebt dass diese dann eigenständig das Medikament abgesetzt haben. (Ich arbeite an einer Schule)… Ein Trauerspiel am meisten für das betroffene Kind.

    Antwort

  17. verhaltensoriginell
    Mai 20, 2012 @ 21:04:40

    Diese Red flag Fragen, wie lauten die denn?

    Antwort

  18. 'ne mama
    Mai 21, 2012 @ 16:36:13

    Den gestrigen Abend habe ich mit einem 60 Jahre alten Buch verbracht. Arnold Gesell, Das Kind von fünf bis zehn, Leihgabe einer pensionierten Lehrerin. Da fand ich zu meinem Erstaunen 80% der Defizite meiner Kinder, die mir bei Elterngesprächen in Kita und Schule vorgehalten wurden/werden unter der normalen kindlichen Entwicklung aufgeführt. Das 5jährige Kind kann in der Regel noch nicht längere Zeit wirklich mit einem anderen Kind spielen. Das 6jährige Kind tut sich sehr schwer mit Entscheidungen, auch mit einfachen. Das 6jährige Kind kann bei Spielen sehr schwer verlieren, kann aber die Spielregeln während des Spiels zu seinen Gunsten ändern. Das 7jährige Kind kann an seinem Pult arbeiten oder der Lehrerin an der Tafel folgen, aber nicht im Wechsel; es kann nur sehr schwer von der Tafel abschreiben. Etc, etc.
    Ist es wirklich so, dass die Anforderungen an das „normalentwickelte Kind“ so sehr gestiegen sind? Dass das, was vor 60 Jahren als normale Entwicklung galt, heutzutage als therapiebedürftig gilt? Oder aber (der Gedanke kommt mir hier beim Lesen immer mal) – für etliche Lehrer, Erzieher, Therapeuten als therapiebedürftig gilt, nicht aber für die Kinderärzte?

    Antwort

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