über arztbewertungsportale

sie waren vor einiger zeit mal in aller munde, zumindest in (ohje, stimmt diese grammatikalische spreizung?) derer es betrifft  – die ärzte: die arztbewertungsportale. anfangs sind sie auch wie die pilze geschossen, jeder wollte von der tollen kuchenidee was abhaben, also bekamen sie die üblichen it-phantasienamen wie jameda, esando, docinsider, topmedic usw., ganz aktuell zieht die aok im verein mit der barmer-gek nach und nennt das ganze profan arzt-navi oder weisse liste (in anlehnung an die rote liste für medikamente oder die schwarze liste für … naja).

viele der kollegen haben mit den schultern gezuckt, was das denn schon soll, der arztzulauf wird doch eh per pedes entschieden, über mund-zu-mund-propaganda oder die empfehlung über den gartenzaun. aber weit gefehlt: wir befinden uns schließlich im 21.jahrhundert, und wenn schon viele ihre einkäufe übers internet tätigen und auf die dortigen bewertungen bei amazon und ciao für bücher, cds und damenbinden setzen, warum nicht auch die patienten auf der suche nach einem arzt?

schließlich haben diese arztportale den nebeneffekt, kleine telefonbücher zu sein, in denen die ärzte immerhin auch mit fachgebiet, adresse und sprechzeiten gelistet sind. aber hier beginnt bereits das problem: die programmierer der meisten portale stützen sich auf recherchen bei den kassenärztlichen vereinigungen oder schlicht des telefonbuches – das heißt, die angaben sind in der regel veraltet. wenn ich mir meine gemeinde anschaue, finde ich fünf ärzte, die a) inzwischen aufgehört haben zu praktizieren oder b) umgezogen sind oder c) eine falsche adresse abgebildet haben. einschließlich meiner eigenen. das update dieser informationen ist so träge wie ein elefant im treibsand.

aber was ist überhaupt von arztbeurteilungen zu halten? schließlich gab es auch schon immer die focus-listen? nun gut. imho sind wir wirklich im 21.jahrhundert und können uns diesem trend nicht entziehen, aber: ärzte sind nun mal wirklich keine cd´s oder damenbinden, auch keine dienstleister, wie andere auch, sondern haben doch immer noch eine vertrauensposition, ein empathische komponente, es geht nicht nur um handwerk oder wartezeiten, sondern auch um menschliche befähigungen, wie soll man die in einer bewertung abbilden? die focus-listen haben immerhin nur die besten der besten der besten gelistet. sehr positiv also, denn

bei den aktuellen portalen kommt hinzu, dass – wie üblich – schlechte bewertungen beim leser mehr wiegen  als gute. dass eher schlechte bewertungen abgegeben werden als gute. dass ein zufriedener „üblicher“ patient sich nicht hinsetzen wird und über seinen doc schreiben wird, sondern eher der verärgerte, schlecht behandelte oder auch nur subjektiv unzufriedene. das liegt in der natur der bewertungsseiten. man wischt lieber aus, als das man lobt. und – sind wir alle ehrlich: ein handy, welches zwei rattenschlechte bewertungen neben zehn guten bekommen hat, werde ich nicht so schnell kaufen, wie eines, was nur vier gute bewertungen bekam und sonst keine.

und es gibt auch einen nachahmereffekt – wer bei einem arzt bereits eine negativbewertung gefunden hat, wird – wenn er eine entsprechende erfahrung gemacht hat – auch eine schlechte bewertung abgeben. wird das ein zufriedener patient im gegenzug auch tun, wenn er „seinen“ arzt schlecht beurteilt sieht? diesen nachahmereffekt will zumindest die aok mit ihrem portal ausschließen, indem sie erst veröffentlichungen „bringt“, wenn bereits zehn bewertungen pro arzt zusammen sind. führt leider dazu, dass es auf deren portal noch wenig veröffentlichte bewertungen überhaupt gibt.

leider können ärzte in vielen portalen keine kommentare zu bewertungen abgeben, wie dass zb bei manchen hotel-bewertungen möglich ist. würden wir das tun? oder verbietet das das wettbewerbsverbot unter ärzten? außerdem gibt es eben die diskrepanz zwischen anonymer abstrafung durch den patienten und der persönlichen kommentarfunktion des arztes  an unbekannt.

gibts auch patientenbewertungsportale? an privatpatienten, die ihren rechnungen nicht nachkommen? an eltern, die ein arztringwechsel veranstalten, um an das nächste rezept zu kommen, das bereits von zwei kollegen zuvor abgelehnt wurde? an patienten, die mit simulierten schmerzen an betäubungsmittel kommen wollen? an patienten, die den notdienst für routineuntersuchungen mißbrauchen „weil´s da halt schneller geht“?

oder gibts auch krankenkassenbewertungsportale? an kassen, die dem chronisch kranken kind die nötige unterstützung versagen, aber dem fußvolk homöopathika und heilpraktikerbehandlungen finanzieren? an privatkassen, die nur gesunde aufnehmen, weil man bei kranken nur draufzahlt? an krankenkassen, die geld verpulvern für bonuszahlungen bei vollem stempelheft, kindern aber weitere vorsorgeuntersuchungen versagen?

wir motzen gerne, wir bewerten gerne. das internet macht es uns leichter. zu leicht?

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43 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Pe.Ka
    Jan 04, 2012 @ 19:33:42

    Ja, ich kaufe gerne per Internet, aber keine Ärzte. Daher ist die nette „Aufforderung“ meiner Krankenkasse, mich an entsprechenden Bewertungen zu beteiligen, auch sofort ins Altpapier gewandert. (Allerdings muss ich auch sagen, in den letzten 12 Monaten = Bewertungszeitraum, war ich nur wegen einer heftigen Erkältung beim Allgemeinarzt, der mich einige Tage krank geschrieben hat. Was soll ich da groß bewerten?)

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  2. notizbuchfragmente
    Jan 04, 2012 @ 19:56:21

    Also ich kann die Sorgen und vor allem den Ärger, der aus solchen Portalen resultiert, gut nachvollziehen.
    Wenn ich bisher einen neuen Arzt suchen musste, hab ich mich im Familien und Bekanntenkreis umgehört und außerdem nach den Adressen geguckt, denn so gern ich auch Griechisch mag – auf eine Odyssee hab ich nicht so richtig Bock. 😉 Auf Internetmeinungen gebe ich genau aus den Gründen nichts, die Sie im Artikel genannt haben: Die Leute echauffieren sich zwar gerne, loben ist aber anstrengend. 😉

    Und ich glaube sofort, dass man als Arzt hier und da auch mal ganz gerne die Krankenkassen bewerten würde … Oder, noch besser, die Patienten … 😉

    Antwort

  3. Knoetchen
    Jan 04, 2012 @ 20:02:19

    Bei mir entscheidet nur die Mund-zu-Mund-Propaganda im Bekanntenkreis und die Entfernung zum Arzt. Ja, ich habe auch schon die einschlägigen Portale besucht und gelesen aber die sollte man immer mit einem gewissen Abstand lesen. Nur weil A, B und C finden, der Arzt sei irgendwie „doof“, muss ich das noch lange nicht… zumal – und da bin ich voll Kassenpatient – der einzelne Arztbesuch kostet mich (noch) nichts, da kann man es ruhig mal „versuchen“.
    Überhaupt werden Meinungsportale für derartige Dienstleistungen chronisch überbewertet. Das vergeht..

    Antwort

  4. regenrot
    Jan 04, 2012 @ 20:12:58

    Hier läuft das viel pragmatischer. Mund-zu-Mund-Propaganda oder gar Internetportale bringen einem einfach nicht viel, wenn die meisten Ärzte so voll sind, dass sie einen ablehnen, bevor man auch nur seinen Namen nennen kann. Da ist man froh, wenn’s überhaupt einen gibt, der noch Kapazitäten hat.

    Antwort

  5. chefarzt
    Jan 04, 2012 @ 20:19:24

    Apropos Krankenkassen bewerten, klar gibts das.
    http://www.monsterdoc.de/2009/krankenkassenbewertung/
    Ansonsten Bälle flachhalten und negative Bewertungen einfach löschen lassen. Ist kein Problem bei den meisten Portalen …

    Antwort

    • McCloud
      Jan 05, 2012 @ 04:29:16

      Das mit dem „einfachen Löschenlassen“ negativer Bewertungen bei Arztportalen lässt sich wohl ganz einfach erklären. Während sich bei einer Hotelbewertung auf Holidaycheck.de beispielsweise der Zustand des Zimmers objektiv nachweisen lässt, kann man einem Arzt beispielsweise einen Behandlungsfehler nur anhand des Einzelfalls nachweisen, was halt nur durch Offenlegung der eigenen Daten geht. Und da das auf diesen Portalen nicht passiert, ist jede schlechte Bewertung per se abmahnfähig.
      Im Grunde darf man eigentlich nur reinschreiben, ob man seinen Arzt mag oder nicht, das ist freie Meinungsäußerung. Alle anderen Behauptungen müsste man belegen können.

      Antwort

  6. Anne
    Jan 04, 2012 @ 21:06:53

    Tja, jetzt geht es den Ärzten wie den Lehrern, qualifizierte Bewertung durch die „Nutzer“ 😉
    fi..äh…spickmich ist zum Glück mangels (Schüler-)Interesse ziemlich eingeschlafen.

    Antwort

  7. evasbuecherkiste
    Jan 04, 2012 @ 22:02:00

    Bewertungsportale sind natürlich immer von zwei Seiten zu betrachten. Die eine Seite haben Sie schön dargestellt. Die andere Seite ist jedoch die folgende:
    Man ist neu in einer Stadt, kennt keinen Menschen und Mundpropaganda gibt es daher für den Neuankömmling nicht.
    Ich bin dann eher der Mensch, der zuerst schaut, welcher Arzt in der Nähe ist und dann den erst besten anruft.
    Da ich jedoch gewöhnlich per Internet suche, stoße ich schnell auf Bewertungsportale. Da es häufig der Fall ist, dass diese noch nicht sonderlich oft frequentiert worden sind, reicht es nicht, eine wirklich fundierte Meinung über den Arzt zu bekommen. Dennoch – hat ein Arzt von mehrern (!) Patienten in einer Kategorie die mir wichtig ist – eine schlechte Bewertung, schaue ich noch mal weiter. Dabei ist es allerdings so, dass mich nur die Bewertungen interessieren, die auch einen Text besitzen. Denn – so kann man feststellen – meistens sind nur diese aussagekräftig. Wenn jemand im Wartezimmer wegen eines Notfalls 30 Minuten länger warten muss und deshalb schlechte Bewertungen verteilt, dann ist das natürlich Blödsinn. Wenn aber jemand schlechte Bewertungen bekommt, weil er einen schlechten Umgang mit Patienten an den Tag legt oder wenn es ein Arzt schafft, mehrfach Fehldiagnosen zu stellen, dann überlege ich mir zweimal ob ich hingehe. Genau wie bei Mundpropaganda.
    Wenn man dann einige Zeit in der betreffenden Stadt lebt, dann verbreiten sich die meisten guten Ärzte wieder über Mundpropaganda. Aber das dauert.

    Wie gesagt: man muss immer wissen, dass Bewertungsportale ein zweischneidiges Schwert ist und dass es immer eine Menge Deppen gibt. Das Problem ist aber nicht das Tool an sich, dass gerade Neuankömmlingen helfen kann – und sie vor Odyseen bewahrt (wie ich sie mit meinem HNO hatte), sondern viel eher die Leute – die genau wie bei Amazon – „falsch“ bewerten.

    Antwort

  8. NK
    Jan 04, 2012 @ 22:04:23

    Es gibt Dinge, bei denen ich Bewertungen aus dem Internet traue. Ärzte gehören nicht dazu.

    Antwort

  9. Susan
    Jan 04, 2012 @ 22:36:35

    Naja, aber auf der anderen Seite: wenn man irgendwo neu in der Stadt ist und noch keinen kennt, dann sind die doch ganz nützlich. Ich habe da übrigens auch mal bei guten bewertungen voll ins Klo gegriffen, da die empfohlene Kinderärztin der Kinderschreck schlechthin war. Bei meiner Hausärztin wars auch nicht besser, aber da bin ich ohnehin selten. Wenn man sonst so gar keine orientierung hat, sind die immer noch besser als von Arzt zu Arzt zu hüpfen und hoffen, dass man jemanden findet, der einigermaßen kompetent ist – ich habe da ein paar recht schlechte Erfahrungen mit Ärzten gemacht und derart Schwierigkeiten mit einigen Wehwechen, dass ich da keinen Stümper mehr ranlassen will. Und dafür finde ich diese Bewertungsportale ganz nützlich.

    Antwort

  10. Karl
    Jan 04, 2012 @ 22:54:03

    Ich bin da etwas gespalten. An den meisten Punkten KÖNNTE was dran sein, ich würde es aber nicht ganz so dramatisch sehen.

    Und auch das gibt’s: ICH habe die Ärzte, bei denen ich mich gut aufgehoben fühlte, in mehreren Portalen auch gut bewertet und mich über die, bei denen ich nicht so zufrieden war, eher ausgeschwiegen.

    Insgesamt halte ich den Patientennutzen dieser Art von Portalen eher für gering. Die Bewertungen sind nicht objektiver als Mund-Zu-Mund-Propaganda und letztere ist auch nicht schwieriger zu bekommen.

    Was ausgesprochene Spezialfälle und die Frage nach entsprechenden Qualifikationen anbetrifft, ist man als Patient bei Selbsthilfeorganisationen in der Regel besser aufgehoben, obwohl natürlich auch dort Empfehlungen durchaus persönlich gefärbt sein können.

    Antwort

  11. McCloud
    Jan 05, 2012 @ 04:09:44

    Ich würde den Arztbewertungen eher weniger trauen. Der ganz einfache Grund: Jeder Arzt, der halbwegs intelligent ist, wird Freunde, Verwandte und Studienkollegen bitten, mal eben ein paar vernünftige Bewertungen einzustellen. Das verzerrt das Bild schon mal ungemein zum positiven. Notfalls eröffnet man halt mal selbst ein paar Accounts und schreibt sich die Bewertungen selbst.

    Ich möchte mich selbst outen, dass ich für Studienkollegen mit eigener Apotheke selbst schon Apothekenbewertungen auf dooyoo und Co. als „Kunde“ verfasst habe, obwohl ich in diesen Apotheken niemals selbst war.
    Geh einfach mal auf Google, gib den Namen einer x-beliebigen Apotheke ein, in den ersten 20 Treffern findest Du ca. 4 Bewertungsportale, normalerweise mit etwa 3 Treffern und jeweils voller Punktzahl. Warum wohl? 🙂

    Mir wird wohl kein Arzt erzählen wollen, dass er das nicht machen würde, weil unethisch, oder? 🙂

    Antwort

  12. Katarina
    Jan 05, 2012 @ 07:00:27

    Als Arzt wirst Du das sicherlich nicht gerne hören, aber…. desto älter ich werde, desto mehr wird mir klar dass der Idiotenprozentsatz unter den Ärzten nicht merklich geringer ist als in der restlichen Bevölkerung. Die Anzahl der Kollegen in meinem Job, die ich in den vergangenen 20 Jahren hatte, die ihre Arbeit lustlos nach Vorschrift abreissen, ist ziemlich hoch.
    Das Märchen das Arzt ein edler Beruf ist der aus edlen Motiven heraus voller Motivation erfüllt wird… na, das ist ein Märchen. Bei Ärzten gibt es nun mal genauso viele Leute die ihre Arbeit lustlos und von Kenntnissen eher unbefleckt dahinfummeln.
    Mein Hausarzt, den ich hier fast zehn Jahre hatte, gehört definitiv dazu. Ich gehöre auch zu der „wer ist am nächsten“ Fraktion. Der Mensch verschreibt mir seit fast zehn Jahren dreimal im Jahr Antibiotika gegen eine Hautkrankheit. Seit fast zehn Jahren helfen dagegen keine Antibiotika. Den Namen der Krankheit (Akne Inversa) hab ich von ihm zum ersten Mal gehört, nachdem ich schon drei Jahre vorher übers Internet zur Erkenntnis kam, dass es das sein müsste. -Ja man soll sich nicht selbst diagsnostizieren, ich weiss 😀 – Ich erspar Dir die weiteren Horrorgeschichten, das wär wohl eher langweilig zu lesen, aber ich bin da jedenfalls hin für Krankschreibungen wenn ich schlimme Schmerzen hatte und wenn ich was ernstes hatte, hab ich mir eine Überweisung geben lassen. Nachdem ich mich dann doch mal aufgerafft hatte den Hausarzt zu wechseln, ist meine neue Hausärztin ob meines Blutdrucks (dessen Höhe dem alten Arzt durchaus bekannt war) ziemlich fassungslos gewesen. Der war wohl kurz davor das Messgerät zu sprengen.
    Und gleich der zweite Widerspruch: weder für den, noch für einen der anderen mir eher unfähig erscheinenden Ärzte die ich in den letzen Jahren so ertragen habe, hab ich jemals eine Bewertung abgegeben. Die einzige Bewertung, die ich je geschrieben habe, ist für meinen Zahnarzt. Und DER ist so gut, dass eine meiner Überlegungen, als ich einen Job im Ausland in Betracht gezogen habe, tatsächlich die war, dass ich dann zweimal im Jahr hierher jetten muss, weil ich keinesfalls je wieder zu einem anderen Zahnarzt möchte 😉

    Antwort

  13. lavender
    Jan 05, 2012 @ 10:34:58

    Sehr interessanter Artikel, vor allem das mit dem nachahmereffekt. Ich bin auch So ein Web 2.0 Mensch und entscheide viel über Online Bewertungen.

    Antwort

  14. Blüte
    Jan 05, 2012 @ 10:40:27

    Naja, alles schön und gut, lieber Kinderdoc. Bewertungsportale haben ihre Tücken und sicher auch Vorteile, alles bekannt.

    Was mir jetzt aber gar nicht einleuchtet, ist das vermeintliche Alleinstellungsmerkmal der Ärzte. Ja, Ärzte sind keine Damenbinden und CDs und somit keine „Ware“, kein „Produkt“, aber Ärzte sind, auch wenn Sie es wiederholt nicht hören wollen, auch „nur“ menschliche Dienstleister mit guten und schlechten Eigenschaften. Vertrauensposition hin oder her, die sollten Lehrer, Erzieher, Rechtsanwälte und alle Menschen, die mit Menschen arbeiten, auch haben. Da unterscheidet sich der Arzt für mich überhaupt nicht von anderen Dienstleistern, bei denen eine menschliche Komponente notwendig ist.

    Antwort

    • notizbuchfragmente
      Jan 05, 2012 @ 16:48:39

      Also ich finde, ein Arzt ist ja erstmal kein Dienstleister. Er KANN Dienstleister SEIN, ja, aber prinzipiell hängt das (zumindest meiner Ansicht nach) sehr davon ab, was gerade gemacht wird.

      Wenn es um eine Schönheits-OP geht, kann ich da voll und ganz zustimmen, das ist eine Dienstleistung. Aber wenn ich krank bin, und ich brauche jemanden, der mich wieder gesund macht (oder eine Therapie für mich entwickelt, etc.) … das ist für mich keine Dienstleistung.

      Lehrer zähle ich übrigens auch nicht dazu. 😉

      Antwort

  15. Republikflüchtling
    Jan 05, 2012 @ 11:44:19

    Lieber Kinderdoc,
    ich schliesse mich Deinen Ausführungen an. Leider sind das so Auswirkungen der zunehmenden Mess- und Regulierungswut. Das Arzt-Patienten-Verhältnis ist halt schon speziell und unterliegt nicht nur objektiven und messbaren Dingen. Die Chemie muss halt schon auch stimmen (sonst könnte man ja genausogut Heiraten mittels riesiger Datenbanken arrangieren).
    Nur so am Rande: Hast Du nicht Mund-zu-Mund-Beatmung und Mundpropaganda etwas verquirlt (das schlägt ja dem Fass die Krone ins Gesicht…)?
    Siehe auch hier: http://www.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/0,1518,314590,00.html

    Antwort

  16. Nessy
    Jan 05, 2012 @ 12:00:25

    Je individueller die Sache ist, die bewertet werden soll, und je geringer die Kompetenz der Bewertenden in dieser Sache, desto schwieriger wird’s – und desto unnützer sind die Bewertungen.

    Bei Hotels ist klar, was zählt: Lage, Zustand der Anlage, das Angebot, Sauberkeit, Freundlichkeit. Jeder Kunde hat in etwa die gleichen Ansprüche und Vorstellungen und besitzt ausreichend Kompetenz, die Sache zu bewerten. Er hat bereits mehrere Reisen gemacht und kann zwischen Hotelanlagen vergleichen.

    Beim Arzt ist es anders: Der Patient kommt sowohl mit unterschiedlichen Krankheiten als auch mit unterschiedlichen Ansprüchen an eine Arztbehandlung und verfügen nicht (immer) über ausreichend Kompetenz, die eigentliche Sache, d.h. die Behandlung, zu bewerten. Zudem hat er keinen Vergleich: Jede Erkrankung ist individuell oder sie tritt ggf. zum ersten Mal aus.

    Deshalb sind Arztbewertungen unnütz, wenn sie sich auf mehr als Lage der Praxis, Parkplätze, Sauberkeit und Freundlichkeit beziehen.

    Antwort

    • evasbuecherkiste
      Jan 05, 2012 @ 17:37:18

      Es ist wohl war, dass bei Ärzten noch andere Dinge hineinspielen, als bei Hotelbewertungen. Aber im Endeffekt ist es auch bei Hotelbewertungen so:
      Die 60-jährigte Omi regt sich über die Nähe zur Partymeile auf, die jüngere Generation begrüßt die nahe Lage zur Innenstadt hin.
      Die einen finden Sauberkeit ist, wenn das Bad ordentlich aussieht, die Betten frisch bezogen und der Boden gereinigt ist, andere müssen undbedingt auch die Türrahmen und Lichtschalter (oben drauf), sowie die Garderobenstangen im Schrank blitzeblank haben. Den einen reicht ein Buffet mit vier unterschiedlichen Speißen (eine vegetarisch), anderen ist das zu wenig.

      Deshalb: Man muss immer auch darauf achten, was die Leute schreiben. Andere Bewertungen sollte man nicht berücksichtigen, da sie keine Auskunft darüber geben, was tatsächlich kritisiert wurde (siehe auch negative Amazon-Bewertungen). So viel anders ist es da bei Ärzten auch nicht, gerade nicht in Großstädten, wo eine dauernde Fluktuation bei Arzt und Patient vorliegt.

      Ich habe noch nie einen meiner Ärzte bewertet, dass muss ich sagen. Aber wenn in Bewertungen mehrfach (!) steht, dass ein Arzt lange Wartezeiten hat, aber nur wenig Zeit nimmt, für Patienten, dass er die Patienten für dumm verkauft (gibts leider auch) und bei allem und jedem Antibiotika verschreibt, dann sind das für mich Gründe, nachzudenken. Es kann sein, dass ich mich bei dem Arzt total wohl fühle, aber es muss nicht. Gerade, wenn die viel gelobte Mundpropaganda noch nicht funktioniert, weil man keinen kennt. Man kann auf gut Glück zu einem Arzt gehen. Aber das funktioniert auch nicht immer.

      Meine alten Kinderarzt hat meine Mutter durch Mundpropaganda kennen gelernt, viele andere Ärzte kennt sie von berufswegen. Aber wenn man in einer fremden Stadt einen Arzt sucht, dann wirds wirklich schwer.

      Antwort

  17. Pauline
    Jan 05, 2012 @ 16:39:47

    Ich mach mir nichts aus Ärztebewertungsportalen, sondern suche mir meine Ärzte nach Sympathie und persönlicher Empfehlung von Familie und Freunden.
    Obwohl ich bei manchen Ärzten, die sich unmöglich benehmen, schon gern eine Warnung an andere Leute ins Netz stellen würde.
    Ich glaube allerdings nicht, daß das ganze Phänomen sich so stark auswirkt, wie oft vermutet. Die meisten Menschen gehen normal zum Arzt und wenn alles ok war, war es das.

    Antwort

  18. GG
    Jan 05, 2012 @ 17:20:06

    „die angaben sind in der regel veraltet“ – das sind die Ärzte mit den guten Bewertungen? Wie der (ich glaube, auf Egon Friedell zurückgehende) Patient, der tote Seelen sehen konnte und bei den Ärzten im Wartezimmer immer die vielen Toten sah und zurückzuckte, bis er einen Arzt fand, dessen Wartezimmer (von „Untoten“) leer war. Als er drankam, sprach er ihn drauf an und der Arzt sagte: „ich habe erst gestern meine Praxis eröffnet“. Wie bei den Hotelbewertungen, bei denen es ja noch recht einfach ist: die haben höchstens fünf Dienstleistungen: Buchung, Zimmerqualität, Service … wird das in die Hose gehen und sich totlaufen – es sei denn, ein Anbieter bietet das gesamte ICD, kombiniert mit den Patientengruppen (alt, jung, multimorbid etc.) an und jeder Patient muss sich dort vorher verorten, bevor er eine Bewertung abgibt.

    Antwort

  19. Ich
    Jan 05, 2012 @ 20:44:03

    Also ich hab meinen Frauenarzt hier auch uebers Internet gefunden. Erst gegoogelt wo ueberall welche sind und dann standen da direkt bewertungen daneben, die ueberwiegend positiv waren, also bin ich da hin und ich bin zufrieden. Wieso sollte ich auf gut glueck versuchen nen arzt zu finden, wenn ich so zumindest schon mal einen eindruck gewinnen konnte? wenn da 2 mal was gutes steht und 5 mal das ist ein arschloch-arzt find ich schon, dass das ziemlich aussagekraeftig ist und vermutlich stimmt.. und mundpropaganda ist halt auch nicht fuer jeden was, die einzige, die ich hier (bzw. im umkreis von 700 kilometern ;)) kannte war meine vermieterin, der rest meiner bekanntschaften ist auch grade erst zum studium hergezogen. und sorry, meine vermieterin werd ich nicht fragen zu welchem frauenarzt sie geht..
    nur meinen hausarzt hab ich gefunden, weil er direkt im haus nebenan ist, aber wenn ich das naechste mal krank bin (was ich eh nicht oft bin ^^), werd ich mir wahrscheinlich auch nen anderen suchen..
    also ich find diese portale gut! klar sollte man nicht alles ernst nehmen und man sollte sich auch selbst ein bild machen und gucken, wie die bewertungen geschrieben sind, aber alles in allem, warum nicht?

    Antwort

  20. cara
    Jan 05, 2012 @ 20:46:51

    Bewertungsportale sind nichts anderes als die Mundpropaganda des digitalen Zeitalters, wenn man so will. Und genau so sollte man sie auch gewichten – abzüglich eines Faktors x, wobei x die Unterschiede umfasst, die es natürlich gibt: Im Internet sind viele Menschen offener (d.h. vor allem: unverschämter) in ihren Bewertungen, und im Internet kann ich den Bewerter und damit seine Haltung, seine Beweggründe etc. nicht einschätzen.

    Kurz: Das Ganze könnte in sehr begrenztem Rahmen durchaus hilfreich sein. Gerade bei längeren Textkommentaren lässt sich x minimieren. Aber es hat klare Grenzen, eine wie auch immer geartete „Objektivität“ kann so auf keinen Fall erreicht werden.

    Für mich selbst ist das alles eh graue Theorie. Ich habe mal gesurft: Meine Ärzte sind alle (naja, so viele sind es nicht) nahezu unbewertet.

    Antwort

  21. Anonymous
    Jan 06, 2012 @ 07:52:08

    Also ich habe nach meinem Umzug auch den nächstliegenden Arzt genommen wegen der Entfernung. Inzwischen bin ich zu der Meinung gekommen, dass er fachlich wie auch menschlich eher negativ zu bewerten ist.
    Bei der neuen Arztsuche habe ich auch festgestellt, dass die Ärzte gar kein Interesse haben, neue Patienten aufzunehmen. Das liegt sicher an der Vergütung durch die Krankenkassen bei zu viel Patienten.
    Zuerst wird man gefragt, warum man den Arzt wechseln will – allgemeine Antwort. Dann wo man wohnt, der Arzt nimmt nur nahewohnende Patienten auf, falls mal ein Notfall ist. Welche Medikamente man nimmt, es könnte ja teuer werden, so meine Einschätzung hinterher.
    Der Patient hat also gar keine Chance, von wegen freie Arztwahl. Und ich gehe deshalb nur im Notfall zum Arzt. Sicher politisch so gewollt, das verringert ja die Lebenserwartung und somit die Rentenkosten.
    Die Arztbewertungen nutzen also gar nichts – wie ein schönes Schaufenster, aber kaufen kann man mit zu geringen Mitteln ja sowieso nichts.

    Antwort

  22. Sisi
    Jan 06, 2012 @ 10:49:46

    Tja ich hangel mich schon seit Jahren mit irgendwelchen Bewertungsplattformen durch. Ja ich arbeite im Reisebüro.
    Glaub mir, es macht keinen Unterschied für die Kunden. Ob ich nun ganz höchstpersönlich im Hotel war und erzähle wie es dort war (ob nun gut oder auch wirklich schlecht) ist den Kunden egal. Sie wollen Bewertungen von anderen. Das es mittlerweile Gang und Gäbe ist Leute dafür zu bezahlen, dass sie Bewertungen über ein Hotel hinterlassen (ob nun gut oder schlecht lasse ich mal Außen vor) sollte sogar ins Bewusstsein des dümmsten Kunden vorgedrungen sein. RTL berichtet schließlich auch darüber. Aber ändert das was? NEIN!
    Warum sollten nur andere arbeitende Menschen Beurteilt werden? Ärzte können sich ihre Patienten in den meisten Fällen nicht aussuchen, genau so wenig wie ich mir meine Kunden aussuchen kann.
    Irgendwann sind wir soweit das wirklich ALLES im Internet bewertet wird, vom Schuh über den Arzt bis zum Nachbarn.

    Antwort

  23. Susanne
    Jan 06, 2012 @ 13:53:21

    Ich denke, Patienten tendieren eher dazu Ärzte nicht so schlecht zu bewerten bzw. lassen sich einiges gefallen zu lassen bevor sie zu einer schlechten Arztbewertung schreiten. Das hängt m.E. mit der Natur des asymmetrischen Abhängigkeitsverhältnis zwischen Arzt und Patient zusammen.
    Meine kleine persönliche Feldstunde: Ein Hausarzt wird im meinem Bezirk durch Mundpropaganda als unfähig erachtet, hat aber im Internet drei positive Bewertungen.

    Antwort

  24. Blogolade
    Jan 07, 2012 @ 11:16:27

    Arztbewertungen im Internet würde ich überhaupt nicht trauen. Da kommt einer hin der was verschrieben haben will und sonst nix. Nu kriegt er das Medikament nicht weil der Arzt sagt, dass es nicht nötig sei oder gar Kontraindiziiert. Also bewertet der Patient den Arzt schlecht.
    Andersrum gibts sicher auch ein paar Leute, die bisher nur wegen Schnupfen und Krankschreibungen beim Arzt waren und den Arzt supertoll bewerten obwohl für die Diagnose eine Schnupfens und das Ausstellen eines gelben Scheins wohl kein Medizinstudium nötig gewesen wäre.

    Meinen Hausarzt habe ich ausgewählt, weil er der nächste ist. Dass er einer der besten in der Umgebung ist, habe ich erst danach festgestellt. Wenn er mich zu einem anderen Arzt weiterschickt, frage ich ihn, welchen Kollegen er empfiehlt. Damit bin ich sehr gut gefahren.

    Antwort

  25. docadenz
    Jan 07, 2012 @ 13:22:36

    Hier sollte eigentlich noch ein anderes Thema zur Sprache kommen, bezüglich Sprechzeiten, Adressen usw: Wo finde ich den Arzt denn überhaupt? Telefonbuch ist veraltet, eigene Websites haben nur die allerwenigsten Ärzte.
    Sagen wir, ich suche jetzt einen Hausarzt der keinen Hokus-Pokus anbietet, oder einen Kniespezialisten, oder oder… wo finde ich den? Rumlaufen und Leute darauf ansprechen möchte ich nicht.

    Was sein sollte wäre eine geordnete Auflistung. Mit aktueller Adresse, Sprechzeiten evt. Spezialisierungen oder Schwerpunkte usw. Und das verpflichtend.

    Antwort

    • McCloud
      Jan 08, 2012 @ 14:21:01

      Bin gerade spontan auf die Seite der Bundesärztekammer gesurft. Dort gibt es so etwas. Je nach Bundesland kann man auch nach Arztbezeichnung und/oder Spezialisierung suchen.
      Telefonbuch ist zwar veraltet, eine Suche über gelbe-seiten.de oder dasoertliche.de führt trotzdem immer noch zu allen Treffern.

      Was die eigene Homepage angeht: Natürlich sollte im Jahr 2012 jeder Arzt eine eigene Homepage haben, alleine schon zur Kundenwerbung. Aber das dürfte hier ähnlich wie bei Hotels/Pensionen sein. Während ein 30jähriger Pensionsbesitzer (oder Arzt) selbstverständlich im Netz präsent ist, tut sich ein 60jähriger Pensionsbesitzer (oder Arzt) da schwer mit der neuen Technik.
      Wenn ich selbst einen neuen Arzt aufgrund eines Umzugs suchen müsste, würde ich mir zuerst die Homepage ansehen und es da wie bei Hotels halten: Was nicht im Internet präsent ist, existiert nicht. Spontan gehe ich einfach davon aus, dass bei einer Nichtpräsenz im Netz auch die restliche Ausstattung ähnlich antiquiert ist. Eine moderne Arztpraxis sollte einfach im Jahr 2012 im Netz präsent sein.

      Antwort

  26. Elias
    Jan 08, 2012 @ 10:30:02

    Endlich mal ein qualifizierter Beitrag zu dem Thema! Viele meiner Freunde und Verwandte sind Ärzte und sind komplett auf deiner Wellenlänge!

    Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen: Viele der Patienten, die auf den sich auf diesen Portalen so auskotzen, gehen doch mit der Erwartung zum Doc, er solle sie gefälligst mal „gesund machen“. Das mag ja vielleicht bei ner Bindehautentzündung, nem einfachen Bruch oder Salmonellen noch relativ gut funktionieren, aber sobald der Patient selbst gefordert ist, siehts düster aus… Wie, sie können meine Hypertonie (bei starker Adiposität) nicht weghexen? Ich bewege mich doch! (vom Bett bis zur Couch)? Wie, sie sagen, ich bin erkältet, und sagen, ich soll mich nur ins Bett legen? Können sie mir nicht was aufschreiben? Ich könnte kotzen…

    Ich bin inzwischen dafür, Medizin & Gesundheitswesen zumindest in einfachster Form als Pflichtfach in der Schule zu behandeln, um euch unnötige Termine zu ersparen und die Erwartungen, was Ärzte in welcher Situation leisten können, etwas an die Realität anzupassen…

    Antwort

  27. Klaus
    Jan 09, 2012 @ 13:24:39

    Ich muss dem Tenor des Artikels völlig recht geben. Ich finde solche Portale wie Doctoralia, die quasi nur Info- und Suchportale sind durchaus berechtigt. Jeder braucht die Information über offene Sprechstunden und den Ort des Arztes. Aber ich möchte mir doch meine Meinung dann schon selbst bilden. Das Einfügen der Kommentarfunktion ist ebenso sinnlos wie die Kommentare und irgendwelchen Spiegel.de Artikeln. Ich suche in der Regel keine Diskussion wenn ich Nachrichten lese. Genauso geht es mir beim Arztbesuch um meine Gesundheit. Deshalb brauche ich aber nicht über die kleinen Wehwechen andere Leute informiert zu werden oder deren persönlichen Geschmäcker kennen zu lernen.

    Eigentlich beschreiben solche Portale die völlig überzogenen Erwartungshaltung einiger weniger „Kunden“. Da kann ich Elias nur recht geben, eine sinnvolle Grundaufklärung würde hier einiges mehr bringen.

    Antwort

  28. Kristin
    Jan 09, 2012 @ 16:56:27

    Ich bewerte vor allem meine Ärzte, mit denen ich zufrieden bin.

    Antwort

    • Kristin
      Jan 09, 2012 @ 18:02:34

      Ach, und ich war neu in der Stadt und ich brauchte einen neuen Arzt, da es sich nicht anbot monatlich und später zweiwöchentlich in meine Heimatstadt zu düsen. Ich bin da im Internet, zumindest was die Praxis anging, fündig geworden. Den Arzt hab ich auf Xing angeschrieben, er hat geantwortet, ich hab nen Termin gemacht. Und da der einfach wirklich total klasse was Kompetenz und Umgang angeht ist, hab ich ihn natürlich bewertet. So detailliert wie möglich, weil ich auch anhand des Geschriebenen mir ein Bild mache.

      Beim Kinderarzt war das ebenso. Ich hab geschaut, der KiA hatte gute Bewertungen, ist auch wirklich ein sehr netter – bin nun aber doch bei einem anderen, den ich schon für die Große hatte, weil mir die Praxis per se zu hektisch war. Aber alle waren nett, er ist als Neonataloge kompetent und alles ok … aber ich würde ihn/die Praxis deswegen nicht schlecht bewerten, nur weil mein einmaliger Einblick diesbezüglich nicht so war, wie ich es erwarten würde.

      In meiner Heimatstadt war es so, daß KiÄ die reinen Vorsorgeuntersuchungen etc auf Mi-Morgens gelegt haben, wo man keinen Kontakt zu erkrankten Kindern hat. Das finde ich prima – davon habe ich hier in meiner Umgebung aber keinen. Und zur U3 mit vielen kranken Kindern Mi-Morgen in einem Wartezimmer zu sitzen, von der Telefonassistenz gesagt zu bekommen, daß man Masernkinder nicht separieren würde etc pp … naja, das fand ich halt nicht so toll. Nun bin ich doch wieder beim anderen, dessen Frau Heilpraktikerin und Homöopathin ist. Watt sollz. Immerhin bekommt man einen Termin, bei dem man alleine ist und anstelle erst zur U4 zu impfen, hab ich schon gleich zum 3. LM einen Impftermin für uns alle bekommen.

      Antwort

  29. Julia
    Jan 10, 2012 @ 04:43:55

    Des einen Leid, des andern Freud … ich habe unsere Kinderärztin aufgrund einer Netz-Bewertung gewählt – und zwar aufgrund einer schlechten. Da stand in etwa: „Frau R. behandelt wie am Fließband und beharrt stur auf der Schulmedizin.“

    Ich habe gefunden, was ich erhofft habe: Eine zügig arbeitende und erfahrene Ärztin, die ihren Praxisablauf straff durchorganisiert, nicht mal bei Grippewellen überbordende Wartezeiten produziert und sich auch in Sachen Diagnose und Medikation nicht ablenken lässt. Top.

    Und ja, ich sollte mal herausfinden, auf welcher dieser Seiten ich das obige gelesen habe und noch was Nettes dort anfügen.

    Antwort

  30. Simone
    Jan 10, 2012 @ 14:30:09

    Ich habe einfach mal den Selbstcheck (also ich bin keine Ärztin, habe aber nach den Ärzten gesucht, bei denen ich in Behandlung bin) und konnte eine deiner Aussagen bestätigen, eine andere überraschenderweise nicht:

    Ich habe auf 4 Ärztbewertungs-Portalen jeweils folgende Ärzte gesucht:

    – Mein Zahnarzt, bei dem ich schon mein ganzes Leben (26 Jahre) bin und auf den ich absolut nichts kommen lasse.
    -> keinerlei Bewertungen gefunden

    – Mein Hausarzt, mit dem ich sehr zufrieden bin und der mir schon in vielen Dingen geholfen hat, bei denen mein alter Hausarzt keinen Rat wusste.
    -> insgesamt 4 Bewertungen gefunden, davon alle (!) positiv.

    – Mein HNO-Arzt, der mir kürzlich die Nase operiert hat (Begradigung Nasenscheidewand und Verkleinerung Nasenmuscheln) und mit dem ich sehr zufrieden bin und lediglich die teilweise extrem langen Wartezeiten (teilweise mehr als eine Stunde) zu bemängeln habe.
    -> Insgesamt 2 Bewertungen gefunden. Eine mit Note 1, eine mit Note 5. Beide ohne Begründung. Ich finde es unmöglich, dass das überhaupt geht. Wenn ich schon jemandem eine 5 gebe, dann sollte ich das wenigstens begründen.

    – Mein Gynäkologe. Auch hier bin ich vollauf zufrieden. Auch hier teilweise sehr lange Wartezeiten. Das liegt aber daran, dass er sich sehr viel Zeit für Fragen, vorallem von Erstgebärenden nimmt. Das weiß ich von mir selbt und einigen Freundinnen, die auch bei ihm sind.
    -> Insgesamt eine Bewertung gefunden, die Bewertung war positiv.

    Ich kann also bestätigen, dass diese Portale absolut nicht aussaugekräftig sind. Und ich lebe nicht in der Provinz, sondern in einer Großstadt. Ich würde mir nie auf Grund der Bewertungen auf so einem Portal einen Arzt suchen. Was ich aber nicht bestätigen kann ist, dass hauptsächlich negative Bewertungen abgegeben werden. Im Fall von meinen Ärzten ist es sogar umgekehrt und ich fand fast ausschließlich positive Bewertungen.

    Antwort

    • regenrot
      Jan 12, 2012 @ 14:26:37

      Nach eigener Erfahrung mit den Portalen würde ich aber auch das als fraglich sehen. habe vor ein paar Monaten mal sehr ausführlich meine Ärzte bewertet. Alle Regeln des Portals eingehalten. Und dennoch bekam ich tags darauf eine Mail, das u.a. eine recht positive nicht freigeschaltet werden würde. Ohne Begründung.

      Antwort

  31. Jakob.Kr
    Jan 10, 2012 @ 16:38:54

    Ganz einfacher Vorschlag: Bewerten gerne, aber nur unter Klarnamen. Warum auch nicht? Der Arzt muss es sich ja auch gefallen lassen, dass sein Klarname genannt wird.
    Natuerlich duerfte sich damit die Zahl der Bewertungen fuer Psychologen/Proktologen und Kollegen mit aehnlich gelagertem Aktionsfeld empfindlich einschraenken. Aber fuer alle anderen sollte es ein durchaus akzeptabler Kompromiss sein und zugleich fuer die wuetenden eine natuerliche Hemmschwelle. Denn dann wuerde auffallen, dass 4 von 5 schlechten Bewertungen dem gleichen, sich schlecht behandelt fuehlenden Patienten mit dem eingebildeten Rueckenschmerz aber der echten Schmerzmittelvorliebe zu verdanken sind. Zugegeben — Re-Kommentare waeren dann wohl kaum mit der Schweigepflicht zu vereinen.

    Antwort

    • Krischan
      Feb 07, 2012 @ 06:56:23

      Ach, ein Freund der Klarnamen. Wenn ich also bei dem Arzt in Behandlung bin und ihn kritisch bewerte soll ich darauf vertrauen, dass er schön objektiv bleibt?

      Lieber Jakob, bist du zufällig der getarnte HP Friedrich?

      Antwort

  32. Krischan
    Feb 07, 2012 @ 07:06:48

    Da gibt es so ein paar Punkte, die mich am Artikel stören.

    Ein Arzt mag ja keine CD sein, aber gerade die Art wie er seine Arbeit ausführt, Empathie inbegriffen, ist klar bewertbar. Wie andere schon ausführte: das Netz ist die Mund-Propaganda von heute.

    Ich find es ja auch schade, dass sich nicht – wie bei Amazon – ein Dienstleister mit vielen kommentierbaren Bewertungen durchgesetzt hat. Das ist nämlich der eigentlich tragische Fall: es gibt hunderterlei Seiten und keine funktioniert so richtig ordentlich.

    Anekdoten über Ärzte habe ich natürlich auch parat. Ich habe negative Bewertungen über die mangelnde Aufmerksamkeit und Gründlichkeit eines Chirurgen auf Portalen hinterlassen. Ganz objektiv hat seine Stellvertretung bei einem der häufigen Termine Missstände erkannt, die der eigentlich Arzt mangels Interesse an der Besichtigung nicht erkennen konnte. Ich habe auch einen Freund vor diesem – räumlich nahe liegenden – Arzt gewarnt. Er hat nichts auf die Mund-Propaganda gegeben und war kurz darauf wegen ziemlich ähnlicher Vorkomnisse enttäuscht.
    Wieso nochmal sollen Ärzte die eine große Ausnahme der Bewertbarkeit sein?

    … und was zum Teufel hat deine Ärger über andere, bewertbare Dinge diesen Lebens damit zu tun, dass es (zu viele) Bewertungslisten für Ärzte gibt? Ist das so eine Art „aber Susi hat auch was Böses gemacht“-Reaktion?

    Antwort

    • Anonymous
      Feb 07, 2012 @ 11:56:38

      Gerade Sachen, wie Empathie sind nicht bewertbar, oder zumindest nicht für jeden gleich. Wenn ich z.B. zum Arzt gehe, will ich dass der wie ein Mechaniker arbeitet; freundlich aber auch nach Schema (Evidenz basierte Guidelines), ich will nicht nach meinem Seelenleben gefragt werden, wenn ich einfach nur eine Impfung brauche (ist mir schonmal passiert). Andere sind vielleicht tief enttäuscht wenn es so überhaupt nicht „touchy-feely“ zugeht, während mich das rasend macht.

      Antwort

      • Krischan
        Feb 07, 2012 @ 16:55:44

        … und damit hast du gerade in einem nicht allzu langen Kommentar gezeigt, wie gut man eine Nichtpräferenz für einen emphatischen Arzt ausdrücken kann. Herzlichen Dank für das Mitspielen 😉

        Sehr viel anders als Geschmacksurteile über Bücher bei Amazon ist das auch nicht. Damit ich eine Idee habe, ob ich dem Kommentar dort einen eigenen Wert zumessen kann, muss der Kommentator schon schreiben wieso er etwas gut oder schlecht findet.

        Antwort

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