filofax eltern II

sie waren mal wieder da, meine filofax-eltern, auch wenn dieser begriff inzwischen nicht mehr stimmt, denn papa speichert alles im kopf ab. das wiederum macht er sehr souverän, fragt jede information zweimal nach, was bekanntlich ein gutes mittel ist, das gedächtnis zu schärfen. die mutter fragt weiter sehr auf der emotionalen ebene, aber weiter merklich kopflastig überlagert – der instinkt möchte sich immer wieder bahn brechen, aber schließlich fragt immer der kopf.

inzwischen ist mäuschen schon ein jahr alt, die eltern sind sicherer geworden in den alltäglichkeiten, der filofax eintrag vom anfang mit den dünnen stillstühlen und dem seltsamen süßlichen geruch wird sicher nicht mehr nachgelesen und auch die verschiedenen rötungen und pickelchen eines säuglings können die zwei nicht mehr beeindrucken. dafür sind es jetzt zahnen, beifüttern, schlafen im eigenen bettchen und vor allem das thema erziehung, was filo und fax umtreiben.

am liebsten wäre ihnen ein rezept für jede erziehungssituation, die sich ergibt. das kind macht dies, dann mache ich das, und wenn es dann wieder das macht, mache ich dies, und alles wird gelingen. es gibt viele eltern, die so erziehen, und das mal gar nicht schlecht, denn die kinder stellen sich auf diese routinen auch ein. nichts irritiert kinder ja mehr, als wenn mama und papa stets anders reagieren, als erwartet. aber in dieser routine sind die zwei noch nicht angekommen: zu wenig erfahrung bisher mit neuen situationen. also diskutieren wir minutenlang, ob das aufziehen von schubladen nun sozial und global akzeptabel ist oder nicht.

und die kleine maus? sie wird geprägt. sie demonstriert bei u6 alle register einer fremdelnden jährigen – erwartungsgemäß mehr als andere kinder. sie klebt schier an der mama, klettert an ihr hoch und möchte am liebsten am rücken wieder runter. erst als ich der mama sage, sie soll ihr nur schutz geben, wenn sie meint, das kind braucht schutz, entspannt sich die situation und wird nicht die ganze zeit von „alles nicht so schlimm“, „alles wird gut“, „der doktor ist ganz lieb“ überlagert. unsicherheit bedeutet auch unsicherheit beim kind – und nur der nüchterne halt der eltern hält die kinder in der bahn.

tochter wird sicher alle bandbreiten des trotzens durchlaufen, auch die zweijahresuntersuchung wird noch eine freude für den doktor werden, dann ist meist das schlimmste vorbei. vielleicht kommt dann ja ein zweites kind (auch wenn die eltern schon älter sind), sicher wäre das ein segen für no.1. , denn dann hätten die eltern nicht mehr die zeit, sich komplett um einen orbit zu bewegen. ich werde berichten.

 

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8 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. meisenkaiser
    Jan 24, 2011 @ 09:48:39

    Grins. Die Familie kenne ich noch vom letzten Jahr. Spannend, wie es hier weitergeht. Bitte halte uns auf dem Laufenden. Sehr genau beobachtet.

    Antwort

  2. huehnervilla
    Jan 24, 2011 @ 18:24:50

    Solche Eltern kenne ich auch. Ich denke, die Unsicherheit ist beim ersten Kind am größten, alles ist so neu, man hat Angst etwas falsch zu machen.

    Als mein Ältester das erste aufgeschrammte Knie hatte, habe ich noch fast mitgeheult. Kinder 3 und 4 ( Zwillinge ) holten sich schon mit 2,5 Jahren das Kühlkissen allein aus dem Kühlschrank. ;o)))

    Lieben Gruß
    hühnervilla

    Antwort

  3. Isabella
    Jan 25, 2011 @ 14:44:48

    Mit 2 Jahren ist das schlimmste vorbei? Ich freu mich, nur noch 6 Monate!

    Antwort

  4. HoldesWeib
    Jan 26, 2011 @ 09:57:45

    Beim zweiten wird alles einfacher? Hm, ich kann gerade die Theorie nicht so ganz bestätigen, bei den verschiedenen Wehwehchen ja – aber bei der Erziehung: Nein. Wir dachten immer unser Großer hätte Pfeffer im Popo, aber die Kleine (16 Monate) übertrifft ihn um Längen. Gerade hat sie entdeckt, dass nicht alle immer der gleichen Meinung wie sie sind. Boah, anstrengend, eben beim Frühstück musste sie unbedingt allein die Milch aus dem Becher trinken. Ergebnis: 250 ml Milch in der Küche und auf dem wie wahnsinnig brüllendem Kind – Mutter schon um 7.30 Uhr fertig mit den Nerven… Puh, aber auch diese Zeit geht vorbei…

    Antwort

  5. WellnessDame
    Jan 26, 2011 @ 22:37:16

    Wow… ich kenne solche Filofax Eltern auch sehr gut. Mittlerweile haben wir uns schon seit etwa zwei Jahren nicht mehr gesehen, aber der letzte Stand der Dinge war, dass das Kind (damals 2 Jahre alt) auch extrem gefremdelt hat und die Unsicherheit der Eltern sehr stark gespürt hat. So richtig schlimm finde ich das ganze aber erst dann, wenn die Eltern sich keine Mühe geben wollen, den richtigen Umgang zu finden, sondern trotz Unsicherheit einfach alles mal so belassen und die Erziehung überhaupt zur Gänze abgeben. Damals war ein Kindermädchen zur Stelle. Und jetzt? Jetzt ist Kind No.2 im Anmarsch… Ich hoffe, das geht gut aus! 🙂
    Viele Grüße, Martina

    Antwort

  6. docadenz
    Feb 09, 2011 @ 19:16:05

    Und was ist jetzt die Essenz des ganzen? „Macht euch keine sorgen, passt scho, Kinder sind robust und was falsch machen kann man bei der Erziehung auch nicht“ ? Klingt bei diesem (und noch mehr beim letzten) Artikel zu den Filofax-Eltern so.

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  7. Trackback: filofax-eltern III « kids and me

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