Etwas zu Allein-, Haus- und Klinikgeburten

shock

Entbindung am Feldweg

Letztens las ich in einem Vorsorgeheft bei der U1 den interessanten Eintrag „Externe Entbindung“, auf Nachfragen bei den Eltern bei U3 die stolze Aussage des Vaters: „Ich habe das Kind auf dem Rücksitz des Wagens entbunden.“
Tolle Sache, oder? Es ist das erste Kind, und die Eltern dachten, wie das ja auch meist ist, beim ersten Kind hätten sie ausreichend Zeit, um mit den ersten Wehen die Entbindungsklinik zu erreichen. Leider war das nicht so.

Trotz einer Fahrt von wenigen Minuten (die Klinik war nur fünfzehn Kilometer entfernt), musste das Paar an einem Feldweg neben der Bundesstraße anhalten, das Neugeborene wollte kommen. Als der Rettungswagen vorbildlich nach zehn Minuten eintraf, war das Kind schon geschlüpft.
Ich habe den Eltern versichert, dass ich, trotz beruflicher Erfahrung, glücklich bin, dass unsere Kinder diesen Akutweg nicht genommen haben. Während der Vater erzählte, schwang Stolz mit, in beiden Blicken der Eltern, aber auch Erleichterung, dass nichts Schlimmes passiert ist.

Hausgeburten?

Ich habe Respekt vor Eltern und Hebammen, die den Weg einer Hausgeburt wählen. Für meine Frau kam das nicht infrage, für mich sowieso nicht, dazu habe ich genug erlebt, was auch unter optimalen Bedingungen in der Klinik schief gehen kann und wie Hausgeburten enden können.
Sehr bedenklich finde ich dabei, dass Hausgeburten als „natürlich“, als „unbelastet“ und „frei“ interpretiert werden, ohne sie im gleichen Atemzug „riskant“ zu nennen. Es mag sein, dass bei Mehrfachgebärenden eine Entbindung zuhause zügig und unproblematisch vonstatten geht. Es mag auch sein, dass Mütter sich in der heimischen Umgebung wohler fühlen – geschenkt, das ist klar, wer ist schon gerne im Krankenhaus? – , und die Betreuung einer erfahrenen Hebamme bei der Hausgeburt ist immer vorausgesetzt. Dennoch kann ich in der heutigen Zeit in der Abwägung aller Umstände kein Übergewicht für eine Hausgeburt sehen.

Es gibt genug Kompromißlösungen: Ambulante Geburten (bei denen die Mutter nach wenigen Stunden wieder nachhause geht), Entbindungen in modernen Mutter-Kind-Zentren (mit Couch, warmen Farben, Wassergeburten usw.), Geburtshäuser mit kinderärztlicher Betreuung oder einer Gynäkologie über die Straße. Warum also die Entbindung im Wohnzimmer?

Genug radikale Meinungen zu dem Thema gibt es ja, ausreichend Vorurteile werden bedient: Die Unpersönlichkeit des Krankenhauses, das „Hinarbeiten“ auf den Kaiserschnitt, vielleicht auch die Angst um Infektionen. Erschreckend, dass die Angst vor „Kind vertauscht“, „Mißbrauch der DNA“ oder „emotionalem Mißbrauch“ ebenso dazu gehören. Sie vernebeln besorgten jungen Eltern den Blick auf die Risiken einer Hausgeburt: Plötzliche Überforderung der entbindenden Hebamme; Herauszögern einer Entscheidung, die Hausgeburt bei Problemen abzubrechen; Depression des Neugeborenen ohne ausreichende pädiatrische Versorgung.

Informationen von Experten

Selbstverständlich muß jedes Paar die Entscheidung, wo das Kind zur Welt kommt, selbst treffen (ja, das ist eine Entscheidung beider, und Väter sollten sich nicht aus der Verantwortung stehlen). Glücklicherweise gibt es inzwischen genug Möglichkeiten, die näheren Entbindungskliniken in „Geburtsabenden“ oder „Tagen der offenen Tür“ genauer in Augenschein zu nehmen. Viel wichtiger halte ich aber das Sammeln von Informationen durch Experten: Durch erfahrene Hebammen, die schon einmal eine riskante Hausgeburt betreut haben, wo nicht alles so glatt lief, von Kinderärzten, die zu Hausgeburten gerufen wurden oder schildern können, was dem Neugeborenen passieren kann und auch die Sicht der Entbindungskliniken, die ja versuchen, die Vorurteile und Sorgen der Eltern abzubauen.
Geburt ist ein natürlicher Vorgang. Dennoch gibt es nicht umsonst in der heutigen Zeit ein medizinisches Netz, um dem Neugeborenen einen sicheren Start zu ermöglichen. Anekdoten in diese oder jene Richtung helfen jungen Eltern nicht.

Das Paar vom Anfang hatte sich klar für eine Geburt in der Klinik entschieden. Auf meine saloppe Bemerkung, beim nächsten Kind stünde dann ja einer Hausgeburt nichts im Wege, der Vater habe doch ausreichend geübt, kam jedoch von beiden die überzeugte Aussage „den Stress einer unsicheren Geburt geben wir uns nicht noch einmal.“

Aus Spiegel online zum Thema Hausgeburt vs. Klinkgeburt

Studie aus dem British Medical Journal, vielfach zitiert, die keinen Nachteil einer Hausgeburt ausmacht – sieht aber den Benefit vor allem bei Mehrfachgebärenden.

(c) Bild bei Flickr/cindy lee photography (CC Lizenz)

„Der läuft so komisch“

A walk in the park...with style

Da war wieder jemand schneller – siehe die anhängende Pressemitteilung des BVKJ. Scheinbar geht es nicht nur mir so, dass Eltern um den zweiten Geburtstags die Frage nach den Laufwegen ihres Kindes stellen. Dabei ist das alles normal.

In aller Regel beginnen die Kinder mit O-Beinen zu laufen, die dann während des Lauflernalters zu recht auffälligen X-Beinen mutieren. Das richtige „Geradelaufen“ sieht man erst im Schulalter. In all diesen Phasen haben „Lauflernschuhe“, medizinische Einlagen oder Krankengymnastik nichts zu suchen. Den wohlmeinenden Hinweisen von Schuhverkäufern oder Kinderturnbetreuern dürfen Eltern mit Blick auf die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen antworten: „Das checkt der Kinder- und Jugendarzt regelmäßig.“ „Verpassen“ wird man sowieso nichts. Das Einzige, was nicht verpasst werden sollte, ist die vorgeschriebene Hüftuntersuchung per Ultraschall im Rahmen der frühen U3-Untersuchung. Hier kann eine angeborene Fehlstellung der Hüfte ausgeschlossen werden.


 

Die Pressemitteilung des BVKJ:

„Einwärtsgehen“ bei Kindern selten bedenklich

Schon als Säugling können die Füße einwärtsgedreht sein, aber auch, wenn Kinder zu laufen beginnen, drehen viele beim Gehen ihre Füße nach innen, sie gehen einwärts. Das kann unter Umständen bis in das Grundschulalter andauern.

Kleine Kinder zeigen häufig einen Einwärtsgang, der bei manchen Kinder bis zum Grundschulalter anhält. In den allermeisten Fällen korrigiert sich diese Gangart von selbst und erfordert keine Behandlung. Bemerken Eltern aber, dass ihr Kind Schwierigkeiten beim Gehen hat, häufig stolpert oder hinfällt, sollten sie ihr Kind beim Kinder- und Jugendarzt vorstellen, aber auf keinen Fall ohne ärztlich Anweisung ihren Kindern Korrekturschuhe oder Ähnliches zumuten. „Wenn sich der Einwärtsgang verschlimmert oder das Kind sogar hinkt oder Schmerzen angibt, sollten Eltern unverzüglich den Kinder- und Jugendarzt aufsuchen“, rät Dr. Ulrich Fegeler, Kinder- und Jugendarzt sowie Mitglied des Expertengremiums des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Ob sich die Gangart verändert, können Eltern, wenn sie unsicher sind, mit Hilfe von kurzen Videoaufnahmen im Abstand von einem Jahr erkennen. Dabei sollten sie ihr Kind beim Gehen von vorne und von hinten aufnehmen.

Die Einwärtsdrehung der Füße kann auf unterschiedlichen Ursachen beruhen. Säuglinge können eine Einwärtsdrehung des Vorfußes zeigen, die sich in der Regel schnell korrigiert. Beginnen Kinder zu laufen und die Füße einwärts zu drehen, kann gerade im frühen Kleinkindalter eine knöcherne Einwärtsdrehung des Schienbeines (Tibia) der Grund sein. Auch das „korrigieren“ die Zeit und das Wachstum. Am häufigsten und durchaus bis zum 9. Lebensjahr reichend besteht die Ursache in einer Innenrotation des Oberschenkelknochens (Femur) in den Hüftgelenken. Mit zunehmendem Wachstum richtet sich das Becken auf und durch die damit verbundenen statischen Veränderungen ändert sich auch die Rotation des Femurs im Hüftgelenk. „Betroffene Kinder bevorzugen u.a. auch den Zwischenfersensitz („Najadensitz“), d.h., das Gesäß befindet sich beim Sitzen zwischen beiden nach außen gewinkelten Beinen. Nur in ganz seltenen Ausnahmefällen sind operative Korrekturen notwendig“, erklärt Dr. Fegeler.

Ob eine Fehlbildung der Hüftgelenke vorliegt, kann der Kinder- und Jugendarzt durch eine Ultraschalluntersuchung der Hüfte beim Baby feststellen, die er routinemäßig bereits im Rahmen der U3 zwischen der 4. und 5. Lebenswoche durchführt. Auch, wenn der Innenrotationsgang noch jenseits des 9. Geburtstages auffällt, ist ein Besuch beim Kinder- und Jugendarzt angeraten. Bei besonderen Auffälligkeiten ist die Überweisung zum Kinderorthopäden notwendig.

Quellen: AAP, MMW Fortschr Med, J Peds


Dies ist eine Pressemitteilung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte BVKJ.

(c) Foto bei Flickr/Jeff Power (Lizenz Creative Commons)

Chantalismus

Teil der Vorurteile: Seltsame Vornamen sind den sozialen Notschichten zueigen. Die Kevins, Justins und Marvins, die Chantals, Bonnys und Tschakkelines dieser Gesellschaft werden es später schwer haben, der Name sei Programm. So geht die Meinung. Bei den Promis sieht es da bekanntermaßen anders aus – da werden nicht Neoanglismen bemüht oder die Vokale mit „y“ vertauscht, hier findet sich die Nomifizierung von Substantiven, Blumen oder ganzen Ländern.

Warum allerdings die zukünftigen Starköche den Namen ihrer Restaurants bereits bei Geburt mitbekommen haben, ist mir schleierhaft:

jamie

… eigentlich bin ich Jamie-Fan.

Versprechen an alle Eltern in der Erkältungszeit

Shaking hands

Liebe leidgeprüfte Eltern,

auch wenn Euer Kind das vierte Mal in zwei Wochen Fieber hat oder Ohrenweh oder einen bösen Husten, der Euch nicht schlafen lässt, auch wenn Ihr denkt, Ihr seid die einzigen, die so oft in der Praxis vorbeischauen, auch wenn der Große den Mittleren und dann die Kleine ansteckt und Ihr dazwischen im Kreuzfeuer der Viren bestehen müsst, auch wenn die Erzieherinnen oder die Omma oder die Nachbarn meinen, Ihr solltet mal abklären lassen, warum´s Bobele immer und ständig krank ist:

Seid sicher:
Ihr seid nicht alleine.
Der Großseufzer der Grippewelle hallt durch alle Allgemein-, Internisten- und Kinder- und Jugendarztpraxen der Republik, von den Notfallambulanzen ganz zu schweigen. Aber es gibt ein Licht am Ende des Tunnels. Der Frühling.
Lasst Euch bitte nicht kirre machen von Eurem eigenen schlechten Gewissen, wieder mal die Telefonnummer unserer Praxis zu wählen, um einen Termin zu vereinbaren.

Seid sicher:
Andere rufen noch viel häufiger an.
Wegen Banalitäten. Zum dritten Mal wegen der vierten Warze am zweiten Zeh, die nach fünf Monaten noch immer nicht weg ist. Wegen des Hauch eines Ausschlags im unteren Quadranten der linken Gesäßbacke. Oder weil die Bauchweh des verstopftem Stammhalters wieder da sind. Nur weil das empfohlene Medikament nicht gegeben wurde.

Seid sicher:
Niemand wird hier die Augen verdrehen, auch nicht in Gedanken. Wir sind Kinderärzte, wir sind fMFA, wir nehmen Eure Sorgen ernst, egal wie oft Ihr kommt, egal, mit wievielen Kindern, egal, wie krank oder weniger krank. Unser Job ist, Euch (hoffentlich) zu beruhigen und die Wogen der Sorge auf ein erträgliches Maß zu reduzieren.

Seid sicher:
Es kommen wieder ruhigere Zeiten des Sommers, des Spielplatzes, des Freibads, der Schulzeit und der Jugend, in denen Marie-Jolyne und Connor-Justin nicht mehr zum Arzt müssen, weil sie alle Infekte endlich gehabt haben. Ich erinnere Euch dann daran, wie ich dieses Posting geschrieben habe.

Seid sicher:
„Herr Doktor, wir haben uns ja schon lange nicht mehr gesehen.“
Der Tag kommt.

(c) Bild bei Flickr/Chris-Håvard Berge (CC Lizenz)

Lesepotpourri Dezember/Januar

Und wieder ist einige Zeit ins Land gegangen seit des letzten Leserückblicks, aber die Tradition setze ich trotzdem fort, auch wenn keine Zeit für einzelne Rezensionen übrig bleibt. Wer Fragen hat, darf fragen.

Hier also der Lesestoff der letzten zwei Monate:

Ich war viel im Netz unterwegs, habe viele Blogs gelesen und recherchiert, außerdem habe ich mir zu Weihnachten ein Abo der ZEIT als Digitaldownload gegönnt. Das Leben besteht tatsächlich aus Lesen, oder? Ich kann gar nicht verstehen, wie es anderen ganz anders geht.

Absolute Lesehighlights aus dem obigen Potpourri:

Die Raumpatrouillevon Matthias Brandt – der Hype über dieses kleine Buch überrascht ein wenig, leider fragte ich mich ständig beim Lesen, ob dieser Erfolg auch gekommen wäre, wenn Matthias Brandt nicht Schauspieler und nicht berühmter Sohn wäre. Dennoch schöne Schreibe- und damit Lesekunst.

Außerdem, als Fan, die Biographie von Bruce Springsteen, klar, mit viel Neugier gelesen und klar überrascht, wie interessant der Mann auch neben seinen Songs schreiben kann. Viele Gedanken neben profanem Fanwissen, viel Poesie neben bescheidenem gerechtfertigtem Pathos.

Geheimtipp: Butcher’s Crossing von John Williams. Der Schriftsteller wird gerade auf der ganzen Welt wiederentdeckt, er hat nur drei Romane geschrieben, auf meinem Schreibtisch liegt schon sein berühmtestes Werk Augustus. „Butcher´s Crossing“ ist ein Roman wie ein Donnerschlag, so episch-wuchtig wie Jack London, so prosaisch wie Cormac McCarthy, so unterhaltsam wie ein Western von Quentin Tarantino. Lesen!

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Einmal tief durchatmen

Ich wollte noch von dem Vertretungskind erzählen, dass still japsend (Giemen und Brummen, die Insider wissen) auf meinem Untersuchungstisch lag, neunmonatig, ein wenig subfebril seit ein paar Tagen, trinke gut, esse Breichen und erbreche nicht. Die Nächte seien erträglich, aber der Husten, Herr Doktor, der Husten, hört und hört nicht auf.

Wenn ich die Kinder nicht kenne, kenne ich auch die Therapie nicht, jede/r Kollege/in hat da ein anderes Regime. Das Bobele hier kommt von jot-we-de, die Vertretung der Vertretung der Vertretung, also nun die Frage: „Was kriegt er denn an Medikamenten?“

„Da haben wir das.“ Die Mutter präsentiert mir ein Röhrchen Bryonia C5. Ich muss erst einmal mit Lesebrille lesen, so klein war das geschrieben.

„Ok, noch etwas?“ – „Ja, da ist dann noch dies.“ Noch ein Röhrchen, hier die Beschriftung „Bei zusätzlichem Erbrechen.“ Sanguinaria canadensis – diesmal in C200. „Die sollen wir aber nur geben, wenn´s gaanz schlimm ist. Und nur ein Kügelchen.“

Ich staune. „Haben Sie das denn gegeben?“, frage ich. Nein, haben sie nicht, so schlimm war es dann nicht. Aber besser wurde es genauso wenig, deshalb sind sie dann hier zu mir. „Haben Sie das direkt vom Kollegen bekommen?“ – „Ja, die hat er aus seinem Schrank mitgegeben. Aber von der Apotheke haben wir noch das hier gekriegt.“ Die Mutter reicht mir noch eine Schachtel …na klar, ohja, das beliebte viel umworbene Komplexpräparat der Firma He.el.

„Und das ist, was Sie Ihrem Sohn jetzt geben sollen?“, frage ich. Ist denn nichts wirklich Wirksames dabei?
„Achso,“ sagt die Mutter. „Doch, das hier noch.“ Sie holt aus dem Medikamentenbeutel ein Dosieraerosol hervor nebst einer Inhalationshilfe. „Das benutzen wir auch noch ein paar mal täglich, wenn´s gar nicht wird.“
„Da bin ich aber froh,“ rutscht es mir heraus.

Der kleine Held konnte schließlich besser durchatmen, nachdem wir ihn in der Praxis mit Salbutamol inhalieren liessen. Wir besprachen, die Inhalationen zu intensivieren, sich wieder zu melden, wenn Fieber auftritt und ihn in ein paar Tagen nochmals abzuhören.
„Dann sind Sie wohl nicht so begeistert von den Globuli, was?“, fragt mich die Mutter beim Verabschieden. Ob das so offensichtlich war? „Und was halten Sie davon? Das hat uns unser Hausarzt noch zu alledem dazu gegeben. Das löse den Schleim am besten, sagt er.“ Sie greift noch einmal in den Beutel und zieht eine Schachtel Ambro.x.ol hervor.

Himmel hilf. Das gute alte überflüssige Ambro.x.ol dürfte bei einem Kind mit Bronchitis eher zu einer Verschlimmerung des Befundes führen, schließlich kämpft der Organismus da schon genug mit Schleim in den engen Luftwegen. Ganz abgesehen davon finde ich jedoch das Riesenarsenal an Mittelchen höchst problematisch. Geht es nicht auch einfacher? Dass ich von der Nichtwirksamkeit von Glaubuli überzeugt bin, dürfte inzwischen bekannt sein, geschenkt.

Kollegenbashing ist verpönt. Das tut man nicht, ich auch nicht (außer hier). Ich habe daher auch lediglich bemerkt, dass ich das inhalieren für die sinnvollste Variante all dieser Medikamentenoptionen halte.

Papagei

Shy girl

Setting: Fünfjährige Tochter, Mutter, Kinderdok. Untersuchung.
Ich: „Oh prima, Unterhemd ist schon ausgezogen, dann höre ich dich mal ab.“
Mutter: „Jetzt hört der Onkel Dich mal ab.“
Ich: „So, dann schaue ich noch in die Ohren.“
Mutter: „Nur kurz Ohren schauen, nicht schlimm.“
Ich: „Alles klar, und noch den Mund auf.“
Mutter: „Komm, mach schön den Mund auf.“
Ich: „Legst du Dich mal hin, dann taste ich noch Deinen Bauch ab.“
Mutter: „Legst dich schön hin, passiert nichts.“
Ich: „Also wunderbar, dann setz Dich mal wieder.“
Mutter: „Setz Dich mal wieder.“
Ich: „Wie alt bist Du denn schon?“
Mutter: „Komm sag, wie alt bist Du?“
Tochter: „…“
Mutter: „Bist du vier oder fünf?“
Tochter: „…“
Ich: „Kannst mirs auch mit den Fingern zeigen.“
Mutter: „Bist Du fünf?“
Tochter nickt. Lässt die Hand wieder sinken.
Ich: „Hast Du denn arge Halsweh? Oder gehts mit dem Essen und Trinken?“
Tochters Mund öffnet sich.
Mutter: „Essen geht schon. Gell, Marlies-Susann?“
Tochter nickt.
Ich, erstmals zur Mutter: „Also, sie hat einen leichten Racheninfekt, ist nicht so schlimm, ein wenig rot, nichts eitriges. Da darf sie was lutschen, viel trinken. Das wird schon.“
Mutter: „Siehst, Marlies-Susann, alles nicht so schlimm beim Onkel Dokter.“
Ich: „Also Tschüss, Marlies-Susann.“ Reiche ihr die Hand.
Tochter versteckt sich hinter der Mutter.
Mutter: „Naja, das macht sie nicht so gern, sie ist immer sooo schüchtern.“

(Von diesen Konstellationen gibt es mehr, als ich denken kann, gerade am Freitag war wieder eine Kandidatin mit ihrer… Tochter da. Da war mir, das muss ich nicht bloggen, das gabs sicher schon im Blog. Und siehe da. Tatsächlich. Hier also die wenig recyclete Variante von vor 8 Jahren.)

(c) Foto bei Flickr/Andy (CC Lizenz BY-ND 2.0)

Aus aktuellem Anlass


Ich weiss schon, Demokratie und so, und „vor Reagan haben auch alle gewarnt“ (zu Recht?), und, „was hat das mit Deinem Blog zu tun“, aber dieser Tag heute lässt mich nicht los. Also hier ein kleiner Gruss aus der Mittagspause in die USA. Es lesen ja ein paar mit.

Kinder müssen vor Blutabnahmen nicht nüchtern sein

So, die Titelzeile hat ausreichend als clickbait gewirkt, nun etwas differenzierter. Das Feedback auf meinen obigen Tweet, dass Kinder zur Blutabnahme nicht nüchtern sein müssen, veranlasste mich zu folgendem Blogpost:

Grundsätzlich kann man sagen, dass ein Patient zu einer Blutabnahme nicht nüchtern sein muss. Dies gilt besonders für Kinder. Kinder sind unausgeglichen und unzufrieden, wenn sie nichts gegessen haben. Welche Eltern wissen das nicht? Jugendliche, die morgens wenig frühstücken, sind noch wackeliger auf den Beinen, so dass es nach einer Blutabnahme zu einer Synkope kommen kann. Das muss nicht sein.

Nüchtern sein bedeutet, kein Essen, keine Medikamente und möglichst auch nichts zu Trinken zu sich genommen zu haben. Daraus folgert, dass das Nüchtern sein zur Blutabnahme nur dann notwendig ist, wenn:

– … Medikamentenspiegel bestimmt werden (dann das entsprechende Medikament erst nach der Blutabnahme einnehmen, z.B. Antiepileptika) oder eine Verträglichkeit geprüft wird (hier geht es oft um Leber und Nierenwerte, die nach dem Essen schon einmal verändert sein können),

– … der Blutzucker von Interesse ist (klar, bei Verdacht auf Diabetes, aber auch zum Beispiel nach einer Kreislaufsynkope),

– … die Cholesterine bestimmt werden soll. Das ist bei Kindern und Jugendlichen eher selten, bei dicken Kindern ist es aber schon mal nötig. Dabei sollten wir nicht vergessen, dass die Wertigkeit des Cholesterinsspiegels in den letzten Jahren immer mehr infrage gestellt wurde.

Wann weiß ich nun, wann ich nüchtern sein muss, und wann nicht, bzw., ob ich meinem Kind etwas zu essen geben darf? Einfache Antwort: Die fMFA fragen bei der Terminvereinbarung. Falls dann eine Antwort kommt wie, „Sie müssen bei unsimmer nüchtern sein vor einer Blutabnahme!“, ruhig genauer nachfragen: Was soll sich am berühmten „kleinen Blutbild“ schon verändern, wenn das Kind morgens ein Marmeladenbrot isst? Vielleicht ändert sich dann auch was in den Praxen, die das immer fordern.

Und die Kinder sind entspannter.

Ich bin raus… (bei Facebook)

Thumb down

Unlängst bekam ich per Twitter die freundliche Mitteilung, dass mein kinderdok-Account bei Facebook nicht mehr erreichbar sei. Das ist tatsächlich so – ich komme nicht mehr rein, und meine Follower finden meine Timeline nicht mehr. Warum?

Facebooks Statuten sehen vor, dass hinter jedem Account eine reale Person steht. Dies lässt sich die Firma durch die Übersendung eines Ausweisdokumentes bestätigen. Das finde ich prinzipiell richtig. Auch bei Twitter gibt schon genug Fake-Accounts, dass Du gar nicht mehr weißt, ob das der Real McCoy ist oder nur die B-Ware. Blöd ist, wenn Du Dich, wie ich, für die Anonymität entschieden hast, im Blog, bei Twitter, Instagram und eben bei Facebook. Das wird aber bei letzteren nicht akzeptiert.

Ich bin also raus. Bin ich darüber betrübt? Nicht wirklich. Ich habe Facebook vor allem als Kontaktmöglichkeit für die Leser des Blogs genutzt, die die Nachricht über ein neues Blogpost gerne dort erhalten wollten und nicht über den Newsfeed per e-mail oder via Twitter. Dass ich dann ab und zu in der Facebook-Timeline lustige Katzenvideos geteilt habe, ja, ein nettes Nebenprodukt.

Etwas schade ist, dass ich nun nicht mehr den zahlreichen Gruppen folgen kann. „Dinge, die Heilpraktiker sagen“, „Dinge, die Impfgegner sagen“, diverse Pro-Impfgruppen oder dem „Netzwerk Homöopathie“. Muß ich eben andere Wege finden. Da aber alle beispielsweise Twitter-Accounts pflegen, werde ich wohl nicht so viel verpassen. Denn andererseits, ganz ehrlich: Wenn irgendwann die FB-Seite nur noch voll war von reproduzierten grausigen Schwurbelergüssen aus diversen Elternforen, ach nö, da lese ich lieber gezielter über meine Feedly-, Pocket- und/oder Flipboard-App.

Wer also bisher über Facebook auf meine Blogposts aufmerksam wurde oder jemanden kennt, der das so macht: Bitte weitergeben – nutzt die e-mail Funktion rechts oben oder den Twitter-Zugang. Oder schaut einfach immer mal rein.

Facebook? Good bye. Ich hätte mich gerne freundlich verabschiedet, aber nicht mal das lassen sie mir ;-(

(c) Foto bei Flickr/Vu Tran (CC Lizenz BY-NC 2.0)

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