waaahnsinnig dringend

mutter: “ja es geht um die augen, die sind schon seit einer woche so rot und jucken ihn.”
ich: “alles klar, und wenn´s seit einer woche so ist, was ist heute nachmittag um fünf uhr so besonders anders?”

wir befinden uns im notdienst, sonntagsnachmittags. ich decke mit einem kollegen den ganzen landkreis ab – die patienten “seit einer woche” sind einem immer die liebsten.

mutter: “äh … naja. die kinderärztin ist ja im urlaub und … “
ich: “ok. aber die hat doch bestimmt eine vertretung.”
mutter: “schon. aber ich dachte, es wird besser, aber es ist immer noch nicht besser seit 1 woche.”
ich: “ok. schon gut. das ist wahrscheinlich heuschnupfen. schauense, dort – ganz rot und die nase läuft dazu und die augenpartie hier, das ist ganz typisch für heuschnupfen.”
mutter: “ahja. ja, das hab ich mir auch gedacht. deshalb bin ich auch noch nicht gekommen.”
ich: “alles klar. aber machen muss man trotzdem was gegen den heuschnupfen. und eigentlich auch schon die ganze woche. ich schreib ihnen mal diese at.opik.odil augentropfen auf. dann wird das schon.”

alles klar. alle glücklich.

beim rausgehen:
vater zu mutter: “jetzt frag doch noch schnell, welche apotheke heut notdienst hat, dann können wir gleich die tropfen holen.”
mutter: “achwas, das ist doch heut nachmittag egal. die hol ich morgen bei uns um die ecke.”

neulich nachts

mal wieder nachts um drei. das handy brummt, dann ist es an mir, vor dem dritten brummen und dem einsetzenden lülülü ranzugehen, bevor die beste ehefrau von allen neben mir ebenfalls aus den gegönnten träumen fällt.

ich: “kinderdok, hallo.”
vater: “ja, guten abend, entschuldigen sie die späte störung, aber … — toch— … jetzt … — seit … — tern abend.” ohweh, immer dieses funkloch auf der treppe zwischen erstem stock (schlafzimmer) und erdgeschoss (wohnzimmer).
ich: “äh, entschuldigen sie, aber jetzt müssen sie das nochmal kurz wiederholen, ich habe sie gerade nicht richtig verstanden.”
vater: “achso. ähja, guten abend, entschuldigen sie die späte störung, aber meine tochter spuckt jetzt seit gestern abend.”
ich: “ohje. ok. wie alt ist denn ihre tochter?”
vater: “drei´nhalb. hat jetzt seit abends so vier oder fünfmal gespuckt.”
ich: “alles klar. trinkt sie denn ein bisschen was?”
vater: “ja schon, wenns zuviel ist, spuckt sie eben. fieber hat sie aber keins. die ist nur müde.”
ich: “kann ich verstehen. jetzt machen sie sich mal keine sorgen. in dem alter passiert durchs spucken ja nichts. geben sie ihr immer mal paar schlücke wasser oder tee, wenn sie will. muss aber nicht sein.”
vater: “und wenn sie weiter spuckt?”
ich: “sie können ihr auch v.oma.cur zäpfchen in der apotheke besorgen, das nimmt ein wenig den spuckreiz. oder sie warten einfach ab. meist hörts von alleine auf. ist die nacht allerdings unruhiger.”
vater: “ok. vielen dank. da haben sie mich jetzt beruhigt. also: abwarten, ab und zu was trinken lassen, oder ich hole die zäpfchen in der apotheke.”
ich: “genau.”
vater: “gut. danke. gute nacht. und entschuldigen sie nochmal die störung.”
ich: “kein problem. gute nacht.”

langweilig? ja. vielleicht. aber so kann es auch sein, wenn man nachts einen anruf bekommt. und da schlafe ich dann auch besser wieder ein. gibt fürs bloggen natürlich nicht soviel her – aber es gibt eben doch auch einen sinn der telefonischen bereitschaft: beruhigung.

doctorhopping

doch, frau kasulzke, ich darf sehr wohl fragen, warum sie mit ihrer zweijährigen tochter bei jeder vorsorge und impfung bei einem anderen kinderarzt waren. auch wenn sie das vielleicht jetzt stört. und ist es sehr wohl für mich naheliegend, dass auch ich hier nur eine zwischenstation bin. klar gibt es immer gründe, den arzt zu wechseln, aber wenn man in der summe in zwei jahren bereits fünf kinderärzte in der näheren umgebung verschlissen hat, muss sich dann doch wohl fragen, ob entweder ihre ansprüche zu hoch sind oder ihre vertrauensfähigkeit zu gering.

alles umsonst bei der aok

dies folgende ist eigentlich die kopie meines postings vom 26.10.2009 – nun hat die aok auch noch die u11 mit 9/10 lebensjahr und die j2 (mit 16/17) in ihren hausarztvertrag impletiert – d.h. da machen ärzte vorsorgeuntersuchungen
- die sie noch nie gemacht haben
- welche bisher von der aok als “überflüssig” abgetan wurden
- für umsonst, denn mehr geld erhält der hausarzt dafür auch nicht.

es wird mehr arbeit für die gleiche pauschale angeboten – als hausarzt käme ich mir vergackeiert vor. das kann dann nur funktionieren, wenn man möglichst viele patienten in den vertrag einschreibt und durchschleust, damit ist das hamsterrad wieder vollends in gang. das ist doch eine reine werbeveranstaltung. die aok musste nachziehen, was andere kassen schon lange vorher vorbildlich umgesetzt haben: nämlich die vorsorgelücke zwischen fünf und zwölf zu schließen.

im detail (wie gesagt, eine kopie des postings mit anderen platzhaltern):

schon mehrmals war hier thema die so genannten hausarztzentrierten verträge, die die politik schon lange den krankenkassen und den niedergelassenen ärzten verordnet hatte – verträge, die die steuerungsfunktion des hausarztes, den so genannten “gate-keeper”, absichern sollen, damit dieser entscheidet, ob der patient und zu welchem facharzt überwiesen wird.

dies hatte vor allem im süden der republik zu den grossen hausarztverträgen zwischen der aok und den hausarztverbänden geführt, die als bonbon für die kollegen eine deutlich vereinfachte abrechnung über pauschalen – und ohne kassenärztliche vereinigung – brachte. uns kinder- und jugendärzte stiessen diese verträge stets sauer auf, da sie keine hinreichende qualifikation für die behandlung von kindern und jugendlichen vorsah. der patient konnte ab geburt beim hausarzt eingeschrieben werden, ob dieser dafür qualifiziert war oder nicht. nicht einmal eine säuglingswaage musste vorhanden sein.
die bayern hatten es dann geschafft, parallel zum hausarzzentrierten einen pädiatriezentrierten vertrag ins leben zu rufen – die aok bayern zeigte sich kinderfreundlich – im nachbarland schwaben-württemberg war dies nicht möglich: hier mauert die aok und möchte ihre blutsbruderschaft mit dem hausärzteverband und der standesorganisation medi nicht aufgeben, um ein paar wenige kinder- und jugendärzte (immerhin über neunhundert im ländle) zu gewinnen.
dies führte zu so schönen begebenheiten, dass ein kinderpatient, der in bayern wohnt, aber seinen kinderarzt in ulm und damit bawü hat, beispielsweise nur die klassischen vorsorgen u1-u9 bezahlt bekommt, wie vorher auch, die u10 und u11 aber, die die bayrischen aok-patienten (wie übrigens auch die der bkk und anderer ersatzkassen) inzwischen erhalten, wollte die aok bawü nicht bezahlen. es sei kein erkenntnisgewinn aus diesen vorsorgen zu ziehen, es sei nicht erwiesen, dass diese vorsorgen wissenschaftlich evaluiert und sinnvoll seien.

dann jetzt der neueste coup der aok baden-württemberg: still und heimlich aber sehr konsequent, wurden die u11 und die j2 mit einem mal in den hausarztzentrierten vertrag integriert -

wohlgemerkt nur für die hausärzte, die dort auch eingeschrieben sind! möchte ein aok-patient die u11 und die j2 bei einem kinder- und jugendarzt durchführen lassen, der diesem vertrag nicht angehört (und 97% der kinder- und jugendärzte in baden-württemberg sind das nicht!) – erstattet die aok bw die kosten nicht.

denn: die u11 und die j2 wurden in den vertrag integriert, ohne in irgendeiner weise die pauschale, die der arzt erhält zu ändern – also alles gratis! man könnte auch sagen kostenlos, oder umsonst – umsonst vor allem auch für den patienten, der diese u11 und die j2 bei einem hausarzt durchführen lässt, der dies bis dato noch nie gemacht hat. denn die u11 und die j2 waren bis zu diesem moment ein reines gewächs der kinder- und jugendärzte (schon seit jahren). also alles beim alten: qualität kostet geld, und schlechte qualität kostet nichts.

wohlgemerkt: wenn´s ins kalkül passt, ist mit einem mal alles recht, wenn man damit nur werbung machen kann.

nein, herr krause

nein, es ist nicht förderlich, wenn sie meine arzthelferin über die theke hinweg anschreien und mit arztwechsel drohen, weil sie diese oder jene verordnung nicht bekommen, ohne ihr kind vorzustellen – es ist vor allem nicht förderlich, weil ich bereits der dritte kinderarzt in der behandlung ihrer tochter bin, und das einzige konstante im leben ihres kindes der kontakt zum jugendamt und der frau von der familienhilfe zu sein scheint. nein, herr krause, fürsorge für ein kind bedeutet auch, dieses regelmäßig beim kinderarzt vorzustellen, insbesondere wenn es diese zahlreichen rosa, grünen und blauen zettelchen braucht, die sie weiter oben so vehement einfordern. doch, ich nehme sie schon ernst, aber vor allem auch meinen beruf.

u10 gratis für alle

schon mehrmals war hier thema die so genannten hausarztzentrierten verträge, die die politik schon lange den krankenkassen und den niedergelassenen ärzten verordnet hatte – verträge, die die steuerungsfunktion des hausarztes, den so genannten “gate-keeper”, absichern sollen, damit dieser entscheidet, ob der patient und zu welchem facharzt überwiesen wird.

dies hatte vor allem im süden der republik zu den grossen hausarztverträgen zwischen der aok und den hausarztverbänden geführt, die als bonbon für die kollegen eine deutlich vereinfachte abrechnung über pauschalen – und ohne kassenärztliche vereinigung – brachte. uns kinder- und jugendärzte stiessen diese verträge stets sauer auf, da sie keine hinreichende qualifikation für die behandlung von kindern und jugendlichen vorsah. der patient konnte ab geburt beim hausarzt eingeschrieben werden, ob dieser dafür qualifiziert war oder nicht. nicht einmal eine säuglingswaage musste vorhanden sein.
die bayern hatten es dann geschafft, parallel zum hausarzzentrierten einen pädiatriezentrierten vertrag ins leben zu rufen – die aok bayern zeigte sich kinderfreundlich – im nachbarland schwaben-württemberg war dies nicht möglich: hier mauert die aok und möchte ihre blutsbruderschaft mit dem hausärzteverband und der standesorganisation medi nicht aufgeben, um ein paar wenige kinder- und jugendärzte (immerhin über neunhundert im ländle) zu gewinnen.
dies führte zu so schönen begebenheiten, dass ein kinderpatient, der in bayern wohnt, aber seinen kinderarzt in ulm und damit bawü hat, beispielsweise nur die klassischen vorsorgen u1-u9 bezahlt bekommt, wie vorher auch, die u10 und u11 aber, die die bayrischen aok-patienten (wie übrigens auch die der bkk und anderer ersatzkassen) inzwischen erhalten, wollte die aok bawü nicht bezahlen. es sei kein erkenntnisgewinn aus diesen vorsorgen zu ziehen, es sei nicht erwiesen, dass diese vorsorgen wissenschaftlich evaluiert und sinnvoll seien.

dann jetzt der neueste coup der aok baden-württemberg: still und heimlich aber sehr konsequent, wurde die u10 mit einem mal in den hausarztzentrierten vertrag integriert -

wohlgemerkt nur für die hausärzte, die dort auch eingeschrieben sind! möchte ein aok-patient diese u10 bei einem kinder- und jugendarzt durchführen lassen, der diesem vertrag nicht angehört (und 97% der kinder- und jugendärzte in baden-württemberg sind das nicht!) – erstattet die aok bw die kosten nicht.

denn: die u10 wurde in den vertrag integriert, ohne in irgendeiner weise die pauschale, die der arzt erhält zu ändern – also alles gratis! man könnte auch sagen kostenlos, oder umsonst – umsonst vor allem auch für den patienten, der diese u10 bei einem hausarzt durchführen lässt, der dies bis dato noch nie gemacht hat. denn die u10 war bis zu diesem moment ein reines gewächs der kinder- und jugendärzte (schon seit jahren). also alles beim alten: qualität kostet geld, und schlechte qualität kostet nichts.

… und besonders frech: die u10 wird als eigene erfindung verkauft – zitat hausärzte: “wir haben mit der u10 einen zusätzlichen baustein im bereich der kinder- und jugendmedizin etabliert” (aus der allgemeinarzt 17/2009) – diese unverfrorenheit kam bereits vor einem jahr zum tragen, als die u7a (vorsorgeuntersuchung für dreijährige) regelleistung der krankenkassen wurde. beide vorsorgen (wie auch die vorsorgen u11 und j2) empfehlen die kinder- und jugendärzte schon lange – und sind bisher bei den kassen und der politik auf taube ohren gestossen. wohlgemerkt: wenn´s ins kalkül passt, ist mit einem mal alles recht, wenn man damit nur werbung machen kann.

Vorherige ältere Einträge

Gesundheitsblog 2009 - 2.Platz
Bundesland
Ausgewählte Webseiten zum Thema:
Kinderärzte
%d Bloggern gefällt das: