Kollegen bei der Arbeit

Ich trage die Kleine durch die Praxistür und behalte sie auch im Wartezimmer gut eingepackt auf dem Schoß, da fühlt sich einfach wohler. Zuvieles von außen, was sie ärgert. Sie jammert leise vor sich hin. Wer könnte es ihr verübeln? Immer diese Checks beim Doktor, und immer wieder die blöden Spritzen.
Leise rede ich mit ihr, dabei beruhigt sie sich auch etwas. Ich streichele sie ein wenig, das funktioniert immer, aus dem Jammern wird nur noch ein leises – tja, Piepsen? Nachher dreht sie wieder auf, kaum, dass wir hier durch die Tür und wieder zuhause sind. Das kenne ich schon. Flitzt sie wieder durch den Garten und spielt, als ob nichts gewesen wäre.

Wir werden aufgerufen. Als ob sie das merkt, geht das Jammern wieder los. Dabei geht es nachher im Untersuchungszimmer ganz schnell – der jährliche Checkup, das unvermeintliche Gepiekse, ok, da ist sie dann aber auch ganz tapfer, auch wenn sie nicht mehr bei mir auf dem Schoß sitzt. Der Doktor macht das alleine mit der Helferin. Da halte ich mich besser zurück, die beiden kriegen sie besser in den Griff.

Am Ende schaut sie mich an, als ob sie erwarte wir gingen jetzt jede Woche hierher. Ich kann sie beruhigen. Ein paar freundliche Worte von Herrn Doktor, dann sind wir entlassen. Wir gehen zur Anmeldung, hier wird immer gleich kassiert. Privat eben. EC-Karte. Ich bin stets geplättet, was hier Geldbeträge über den Tisch wandern, da kann ich in meiner Praxis nur von träumen.

Im Auto sitzt sie sicher auf dem Rücksitz. Zufrieden ist anders. Das kommt erst im Garten daheim.

Tststs… Sie wird heut wieder mal nichts zum Abendbrot essen. Da zeigt sie, wie beleidigt sie mit mir ist. Katzen beim Tierarzt …

Gelesen im Juli

Ohje, es war (noch) der Monat der Fussball-WM, darunter litt auch dieses Mal mein Leseverhalten. Am Abend haben die beste Ehefrau von allen und ich zudem den letzten Episoden von Breaking Bad gefrönt – noch weniger Lesen. Der August wird hoffentlich besser, da gibts auch noch etwas Urlaub. Hier die Lektüre vom Juli:

Der 13. Brief: Lila Zieglers erster Fall von Lucie Klassen
Gab´s als Sonderangebot für den kindle – habe ich mir das ebook geholt. Ein Krimi über die von zu Hause geflohene Lila Ziegler, die sich bei einem Privatdetektiv einquartiert und undercover in einer Schule ermittelt. Nette Idee, liest sich auch zügig, aber mir ging der abwertende schnoddrige Diktus der Heldin unglaublich auf den Keks (“Pickelfresse”, “Schlampe”, wenn es um Umschreibungen von Schülern und Lehrern ging), außerdem die gewollt unterschwellige Erotik. Vielleicht kam ich auch einfach nicht mit der ich-Perspektive zurecht. Ne, das war nichts. Abgebrochen. 1/5

Die Liebe der Väter von Thomas Hettche
Das Buch spielt auf Sylt. Das spürt man zwischen jeder Zeile durch (auch wenn ich selbst noch nie auf der Insel war) – Peter trifft auf seine dreizehnjährige Tochter, um mit ihr den Sommer zu verbringen. Die Eltern sind schon lange getrennt, trotzdem hält die Bande zwischen Vater und Tochter. Der Urlaub bedeutet eine Belastungsprobe, für Peter ist es auch eine Heimkehr zu seiner Kindheit. Im typischen Neu-Deutsch-Roman-Stil geschrieben, ich musste mich etwas einlesen, am Ende war´s aber ein angenehmes Lesevergnügen. Vielleicht weil ich Vater einer Tochter bin? 4/5

Die Einladung von Jim & Mermoux
Eine graphic novel. Raphael wird von seinem Kumpel Leo in der Nacht aus dem Bett geklingelt, er brauche Hilfe bei einer Autopanne. Zögernd und genervt fährt Raphael zum vereinbarten Treffpunkt und erlebt eine Überraschung. Die ich nicht verrate. Ein netter Comic über Freundschaften und Verpflichtungen – am Ende fand ich die Idee etwas zu sehr in die Länge präpariert, aber für zwischendurch mal gelesen völlig ok. 3/5

Paradise von Benoit Sokal und Brice Bingono
Noch ein Comic, diesmal irgendwo in Afrika (?) oder so spielend, mehr ein erfundenes Land. Ein Mädchen stürzt mit dem Flugzeug ab und gerät in den Strudel einer Rebellion gegen einen grausamen Monarchen. Viel Mystik und Symbolik, Anleihen bei Tomb Raider und Indiana Jones, wohl sei dieser Comic ein nachgemaltes Computerspiel. Ganz nett gezeichnet, nicht mein Geschmack. 2/5

Rumo – Hörbuch von Walter Moers, gelesen von Dirk Bach
Endlich geschafft. Ich höre “Rumo” ungefähr seit Weihnachten via Hörbuch und iphone auf dem Weg zur Arbeit, beim Joggen und Fahrradfahren. Doch, es ist ein dickes Buch. Wer nur eine Spur Interesse an Fantasy hat, sollte sich dieses Buch zulegen. Es stellt sogar den “Blaubär” in den Schatten. Nie war Dirk Bach so gut, so einfühlsam, so dramatisch, so lustig, so spannend. Ein Genuß. Das beste Hörbuch, das ich bisher gehört habe. 5/5

Breaking Bad” Staffeln 3-6
Wie oben schon verkündet, die beste Ehefrau von allen und ich haben uns neben der Fussball-WM den sonstigen Fernsehkonsum gespart und dröhnten uns mit den fehlenden Staffeln Breaking Bad zu – welch ein Rausch. Du fragst Dich wirklich von Staffel zu Staffel, ob sich die Spannung, die Einfälle, die Verwicklungen noch steigern können, aber: es geht. Bis zur letzten Folge der letzten Staffel hat man keine Ahnung, wie das alles endet, das finale furioso toppt alles. Die Ehefrau und ich haben uns zum Schluß nur stumm angesehen. Was soll jetzt noch Besseres gedreht werden? Das geseufzte “Jessie!” ist bei uns zum geflügelten Wort geworden. 5/5

P.S. Kurz vor dem Ende, aber noch nicht im Juli geschafft: Sterben von Karl-Ove Knausgard

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Brain Specialist

Viele Sketche mit Ärzten gibt es bei Monty Python ja nicht, aber zum heutigen letzten der letzten Konzerte der Reunion darf es nochmals Mister Gumby beim Brain Specialist sein:

(Meine Favoriten, Palin und Cleese)

Heute 20.7., 20 Uhr, gibt es the last concert of the Pythons – weltweit auch in den Kinos zu sehen, oder bei Arte Concert via Stream.   Und am 30.7., 21.30 auf arte im Fernsehen.

Don´t miss it!

Oleee ole ole oleee

Meine Tochter hat sich lautstark beschwert, als wir ihren Kuschelcouchschlaf in der 113. Minute jäh unterbrachen. Wir sind aufgesprungen, in der Wohnung herumgetanzt, haben die Balkontür aufgerissen und einfach so unsere Begeisterung in die Nacht gebrüllt. Kurz gelauscht, wer alles in der Nachbarschaft mitbrüllt (alle) und erstaunt, wer noch Böller von Silvester übrig hat (ein paar). Tom Bartels hat imho zu oft den Begriff der Erlösung bemüht, aber das Gefühl stellte sich wirklich ein (nach dem kurzen Erleichterungsgefühl, kein Tor in der 90.Minute zu fangen).

Der Rest war Glück und Müdigkeit, Sackenlassen der Tatsache, jetzt Weltmeister zu sein, Freude über die vielen Spielerkinder, die nach dem Spiel über den Rasen tanzten und auch etwas Genugtuung für uns Jogi.

Meine Highlights der WM:
– Die vielen Tore, jedenfalls in der Vorrunde und dank der deutschen Mannschaft
– Manuel Neuer
– Mein Kicker-Abo, just eine Woche vor der WM gewonnen 😀
– Oliver Welke statt KMH, am besten aber Mehmet Scholl
– Das schönste WM-Siegestor seit langem

… und auch das, was mir nicht so gefiel:
– Der Untergang der Italiener und Spanier, von den Engländern reden wir schon seit Jahren nicht mehr
– Der fehlende “Auftritt” der Messis und Chr. Ronaldos
– Die schwache Leistung der Schiris. Nach der Kartenflut der letzten WM jetzt viel zu wenige – Ursache für die Gewalteskalation mancher Partie
– Das Geheule von David Luiz
– Leute, die sagen, man dürfe nicht sagen, “wir” seien Weltmeister

Achja, und das war auch nett:

So. Und bald gibts auch wieder was on topic aus der Praxis. Versprochen.

Jogis Jungs – jetzt gilt´s

Egal, wie das Spiel ausgeht – zur Einstimmung oder zum Runterkommen und gerne immer wieder zeigen für mich das schönste Video zum Fussball – mit den ganzen alten Haudegen incl. Der Hand Gottes, dem Tor des Jahrhunderts und Andy Brehmes Elfmeter…


Wichtiger Tag

Wir wollen doch über all das Französisch-deutsche, das uns alle heute abend verbindet, nicht die armen Amerikaner vergessen, die heute ihren Nationalfeiertag mit einem Viertelfinalspiel hätten krönen können sollen.

 

“Forcin’ a light into all those stoned-out faces left stranded on this Fourth of July…”

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