Kinderärzte aus einer anderen Welt IX

Tara Knowles (re)Sie begrüßen wir als Frau besonders gerne in dieser ehrenwerten Runde, denn die Herren sind etwas überrepräsentiert bei den medialen Kinderärzten. Dabei habe ich soeben auf dem Kinder- und Jugendärztekongress gehört, dass die Frauen zumindest bei den Kinderärzten in Deutschland klar in der Übermacht sind.

Dr. Tara Knowles (gespielt von Maggie Siff) ist die Gute in der Serie “Sons of Anarchy”, die Geschichte rund um den us-amerikanischen Motorradklub. Sie ist Ärztin, sie arbeitet mit Kindern (Pediatric resident ist ihre offizielle Bezeichnung, jedenfalls auf englischen Seiten), flickt die Mitglieder der Sons zusammen und erinnert den Helden der Serie Jax, ihren Lover, an seine Ideale und das Gute in ihm. Trotzdem ist sie eine Rockerbraut – “old lady” – , und die Dramaturgie der Serie verlangt, dass sie auch Illegales tut. Sehr Illegales. Weiter wird hier nicht gespoilert, auch wenn sie bei dem Illegalen eigentlich nur in Notwehr … ach, lassen wir das.

Die Serie beruft sich auf griechische Sagen, auf den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse, klar, auf Hamlet auch und das Aufbegehren der Jungen gegen die Alten. Also ist Taras direkte Gegenspielerin die Mutter von Jax, Gemma Teller, die wiederum die Old Lady des Club-Präsidenten der Sons ist. Dieser wird damit zum Stiefvater von Jax, und er soll seinerzeit Jax´ Vater … ach, lassen wir das. So kompliziert ist das alles auch gar nicht.

Ums Medizinische geht´s in der Serie – logisch – überhaupt nicht, auch wenn Tara ab und an ihr Stethoskop in Inkubatoren halten oder Kugeln aus Rockern pulen darf. Amerikanische Ärzte können das alles.

Die letzten Folgen dieser Serie:
David Norris
Sam Sweeney
Cooper Freedman
Alex Karev
Arizona Robbins
Hannes Fröhlich
Daniel Holbein
Doug Ross

Work Life Balance

Der Vater stemmt die Hände in die Hüften: “Ja, gestern abend, da waren Sie nicht mehr erreichbar.”
Ich: “Es gibt doch dann den Notdienst im Krankenhaus, da können Sie jederzeit hinfahren.”
Vater: “Ja, genau, und da setze ich mich hin und warte stundenlang.”
Ich: “Tagsüber können Sie uns gut erreichen. Hatte Ihre Tochter das Fieber nicht schon übers Wochenende?”
Vater: “Mmh. Wir sind dann zu Ihrem Kollegen in die Stadt gefahren. Der war immerhin um 20 Uhr 30 noch in seiner Praxis und hat gearbeitet. Da hatten Sie”, er zeigt mit dem Zeigefinger auf mich. “schon Ihren segensreichen Feierabend.”

Das Helfersyndrom habe ich in der Klinik abgelegt. Dafür hat es ein paar Therapiestunden gebraucht, aber ich war erfolgreich. Außerdem habe ich eine Familie zuhause, die mich auch gerne mal außerhalb des Wochenendes sieht.

Mindmapping

Jetzt sind es schon lange keine aktuellen Nachrichten mehr, aber die Gewinner des diesjährigen Medizin-Nobelpreises sind der amerikanische Neurologe John O’Keefe und das norwegische Ehepaar May-Britt und Edvard Moser. Normalerweise habe ich keine Ahnung von den Dingen, die in den nobelpreisgeehrten Laboratorien so abgeht (Chemie und Physik kapiere ich schon gar nicht) – aber diesmal hatte ich tatsächlich schon einmal von der Arbeit der drei gehört.

In diesem schönen Artikel aus der NY Times von 2013 wird ihre Arbeit ganz gut beschrieben. Spannend die Geschichte der Familie Moser, die aus dem hohen Norden Norwegens stammen, bereits die gleiche weiterführende Schule besuchten und später trotz ihres wissenschaftlichen Erfolges zwei Töchter großziehen. “Most couples manage to cooperate on child raising — for us, our brain project is our third child, so nothing different, really.”

Hoch lebe das norwegische Bildungssystem, möchte man rufen, und hoch lebe das gleichberechtigte Arbeiten von Frau und Mann in dieser Gesellschaft. Ob das woanders auch so möglich gewesen wäre?

Aussagekräftig

Kollege in der Notfallambulanz des Klinikums schreibt seinen Befund, auf offiziellem Briefpapier mit allem drum und dran. Ich liebe diese Briefe:

“Sehr geehrter Kollege, gerne berichte ich Ihnen über die Vorstellung ihres Patienten ABCD,
Anamnese: Mutter berichtet von einem Zeckenstich am rechten Ohr. Man solle das Tier entfernen.
Befund: Keine Zecke zu sehen. Keine Stichstelle.
Therapie: Keine. Spontanremission.
Empfehlung: Keine Wiedervorstellung vereinbart.
Mit freundlichen kollegialen Grüßen, Dr. XYZ.”

Ich denke mal, die Empfehlung ist ein Textbaustein. Oder doch nicht?

Claus Ast lässt niesen

Herr Ast hat mal wieder etwas zum Thema Medizin veröffentlicht, ich möchte das nicht unkopiert lassen:

Sehr schön auch die Selfies der letzten Zeit und der Wicht.

Ist das mal dringend!

fMFA: “Herr Doktor, da ist ein Kollege am Telefon. Möchte Sie dringendst sprechen.”
Ich: “Wer denn?”
fMFA: “Ein Dr. Meissner aus Obersterzen, er würde sie kennen.”
Nie gehört.
Ich: “Nie gehört. Na, geben Sie mal her.”

Ich: “Hallo, Kinderdok hier.”
Meissner: “Grüß Gott, Herr Kollege, es gibt was Dringendes.”
Ich: “Grüß Gott, ja, was denn?”
Meissner: “Mein Sohn ist ja bei Ihnen in Behandlung.”
Meissner? Meissner? Ich hacke schnell auf der Tastatur rum. Gibt´s nicht. “Achja?”, frage ich.
Meissner: “Ja. Der hat den Namen meiner Ex, Pletzikowski.”
Jetzt finde ich ihn. Acht Jahre, einmal jemals bei mir gewesen, vor vier Jahren. Damals Schnupfen.
Ich: “Und was gibt´s?”
Meissner: “Ich wollte nur sagen, der kommt jetzt vorbei. Der hat Nasenbluten. Kommt aus der Schule. Meine Frau …, also Ex…, holt ihn grade ab. Sind sicher schon zu Ihnen auf dem Weg. Muß man was machen.”
Ich: “Äh. Ok, alles klar. Dann lassen wir ihn mal kommen.”
Meissner: “Robert heißt der.”
Ich: “Prima.”
Meissner: “Ich dachte, ich ruf mal an.”
Ich: “Mmmh.”
Meissner: “Damit er auch gleich dran kommt.”
Ich: “Aha.”
Meissner: “Ist ja was Dringendes.”
Ich: “Ja?”
Meissner: “Gut.” Pause. “Dann mache ich mal hier weiter.” Pause. “Noch viel zu tun.” Pause. “Auf Wiederhören, Herr Kollege.”
Ich: “Wiederhören, Herr Meissner.”

Es vergehen keine zehn Minuten, da drängt sich eine hochgewachsene Frau auf Stöckelschuhen an den anderen Wartenden an der Anmeldung vorbei und meldet ihren Sohn als “dringenden Notfall” an. Die fMFA waren vorgewarnt und setzen Robert ins Untersuchungszimmer. Sie wissen, was bei Nasenbluten zu tun ist.
Da die anderen Patienten teilweise Termine haben, manch andere Ohren-, Hals- oder Bauchweh, und Nasenbluten sowieso seine Zeit braucht, lasse ich mir selbige.

Als ich gerade von einem Zimmer ins nächste wechsele, stürzt die Mutter aus dem Zimmer: “Herr Doktor Kinderdok, gut, dass Sie jetzt kommen!”
Ich: “Ich wollte eigentlich vorher noch…” … zu dem anderen Patienten, wollte ich sagen, denke aber, wir wollen die Sache nicht unnötig ausreizen und folge ihr.
Mutter: “Das ist wirklich dringend, dringend, dringend. Hat denn mein Mann…, also mein Ex…, also Dr. Meissner nicht angerufen?”
Ich: “Dochdoch, hat er gemacht.”
Mutter: “Sehen Sie, sehen Sie, wie dringend das ist?”

Was soll ich sagen? Robert sitzt brav auf der Untersuchungsliege, das angebotene Papierhandtuch zum Auffangen der letalen Blutmenge ist …. unbenutzt. Die Nasengänge noch etwas vertrocknet. Er grinst mich in seiner allwissenden Weisheit eines Sohnes an.
Mutter, deutet auf ihren Sohn: “Sehen Sie, sehen Sie?”
Robert: “Ach, Mama…”

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