Kinderrechte ins Grundgesetz

“Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte begrüßt die Forderung der beiden SPD-Abgeordneten Sönke Rix und Frank Schwabe, die Kinderrechte ins Grundgesetz aufzunehmen. Sönke Rix, Sprecher der Arbeitsgruppe Familie, Senioren, Frauen und Jugend, und Frank Schwabe, menschenrechtspolitischer Sprecher hatten anlässlich des Kinderrechtetages in Berlin diese Forderung erhoben.

BVKJ-Präsident Dr. Wolfram Hartmann: “Wir brauchen die Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz dringend. Es kann nicht sein, dass Tiere und die Umwelt den besonderen Schutz der Verfassung genießen, Kindern dieser besondere Schutz aber verwehrt bleibt. Auch wenn es den meisten Kindern in Deutschland gut geht, werden jeden Tag Kinderrechte gebrochen. 2,5 Millionen Kinder in Deutschland leben von staatlichen Transferleistungen, sie werden oft von ihren Eltern schlechter gefördert als ihre Altersgenossen aus gutbürgerlichen Familien, ihre Bildungschancen sind geringer, die Gefahr, ohne Ausbildung in eine Armutsspirale zu geraten und von gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen zu sein, ist groß.

Flüchtlingskinder erleben in unserem Land jeden Tag die Verletzung ihrer ureigenen Rechte. In vielen Bundesländern dürfen sie nicht zur Schule gehen, der Staat gewährt ihnen nicht die gleiche medizinische Versorgung wie anderen Kindern.

Alle Kinder in diesem Land – ob arm, ob reich – erleben hier, wie der Staat ihr Recht auf Bildung einschränkt. Gerade erst hat eine Umfrage ergeben, dass Deutschlands Schulen allenfalls Mittelmaß sind bei der Ausstattung mit modernen Lehrmitteln wie Computern. Für ein reiches Land wie Deutschland, dessen Politiker in Sonntagsreden so gerne den “Bildungsstandort Deutschland” beschwören, ist das eine Schande.

Es ist also höchste Zeit für den längst überfälligen Grundrechtsschutz der Kinderrechte. Daher unterstützen wir das Anliegen der SPD mit ganzer Kraft – und fragen uns, wo die CDU in dieser Debatte bleibt. Die Partei, die sonst so gerne als Hüterin der Familien auftritt, versteckt sich beim Thema Kinderrechte.”
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Eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V.

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Mir gefällt in diesem Zusammenhang natürlich vor allem der Artikel 24 der Kinderrechte: “Jedes Kind hat das Recht auf ein Höchstmaß an Gesundheit, auf Gesundheitsvorsorge und medizinische Betreuung.”
Das wäre doch auch mal ein Schritt in die richtige Richtung, was das Recht auf Impfungen angeht. Sieht auch der BVKJ so. Anders formuliert: Impfungen sind ein Höchstmaß an Gesundheitsvorsorge. Sollten die Kinderrechte mal im Grundgesetz verankert sein, dürfte es Eltern schwerer fallen, ihren Kindern Impfschutz zu verweigern.

Hanisauland und die Kinderrechte
Impfung auch gegen Elternwille?

Die Bildzeitung fordert die Impfpflicht – Aliana und die Masern

Das hätte ich mir auch nie zu träumen gewagt, aber ich verlinke hier tatsächlich auf eine Seite der BILD-Zeitung und parallel zur nächsten Springer-Presse “Die Welt” und die RTL-Nachrichten aus Hessen. Aber: Dies ist ein Fall, der an die Öffentlichkeit gehört, vielleicht kann mein Blog zum Streuen beitragen.

Aliana ist im Säuglingsalter an Masern erkrankt, ihre Mutter war leider ungeimpft, daher hatte die Säugling keinen Nestschutz (der bestehende Nestschutz bei den meisten Müttern ist der Grund, warum man erst spät gegen Masern impft). Bei ihr war nur eine Bindehautentzündung auffällig, die eigentlichen Morbilli wurden erst im Nachhinein im Blut nachgewiesen. Nach normaler Ausheilung und Entwicklung kam es zur Spätfolge der Maserninfektion im 4. Lebensjahr, die Subakute sklerosierende Panenzephalitis, kurz SSPE, welche zum schnellen Verfall der Kinder führt. Aliana wird daran sterben.

Die Erkrankung ist nicht häufig, sie tritt nicht regelhaft nach Masern im Kindesalter auf – Gott sei Dank – aber mit erhöhter Wahrscheinlichkeit, wenn kleineres Säuglinge an Masern erkranken, vielleicht weil sie dann nicht ausreichend Antikörper entwickeln, um das Virus vollständig abzutöten, das weiß man nicht genau. Das Risiko einer SSPE liegt bei 1:3300 Masernfällen.

*** Die BILD zur aktuellen Maserndiskussion – sie fordert eine Impfpflicht, populistisch, aber zu diskutieren. (Ergänzung zum Artikel: Hier wird nur die 2. Masernimpfung hervorgehoben. Die 1.Masernimpfung wird natürlich ab dem 12. Lebensmonat empfohlen. Kinder, die früh in eine Kita kommen, können bereits ab 10. Lebensmonat geimpft werden).
*** “Die Welt” schildert das nochmal etwas entspannter und illustriert die schlechten Impfquoten.
*** Video der RTL Hessen über die Alianas Familie.

Wer Alinas Familie unterstützen möchten, kann hier spenden:
Hilfe für Aliana e.V
KTO: 62828
BLZ: 532 500 00
Zweck: Spende für Aliana
IBAN: DE67 5325 0000 0000 0628 28
BIC-/SWIFT-COD : HELADEF1HER

Facebook “Aliana kämpft um ihr Leben”
Max war auch an SSPE erkrankt. Er ist im Frühjahr gestorben.

Schluckimpfung ist süß, Google ist süßer

Gestern jährte sich zum hundertsten Mal der Geburtstag von Jonas Salk, dem Entwickler der Impfung gegen die Kinderlähmung (Poliomyelitis). In der oralen Verabreichung (Erdacht von Albert Sabin) konnte die Impfung weltweit eingesetzt werden. Aus diesem Anlass änderte Google sogar sein Doodle und ehrte damit den Wissenschaftler:

salk

Artikel von Google über das Doodle
Aktuelle Zahlen des RKI zur Kinderlähmung: “Als noch nicht Polio-freie Länder gelten laut WHO aktuell neben den drei Endemieländern Pakistan, Afghanistan und Nigeria noch sieben weitere Staaten: Syrien, Irak, Kamerun, Äquatorial Guinea, Äthiopien, Somalia und Israel. In diesem Jahr wurden bislang insgesamt 243 Poliofälle gemeldet, davon 224 in den Endemieländern, 206 Fälle (85 %) allein in Pakistan (Stand: 14. Oktober 2014). Das ist die höchste Zahl an Neuerkrankungen in Pakistan seit dem Jahr 2000.”
NY-Times Bericht über die heutigen Polio-Risikogebiete
Über die irrsinnigen Bedingungen beim Impfen in Pakistan

Während Salk für die US-Amerikaner (und eigentlich alle Mediziner dieser Welt) ein Held ist, gibt es immer noch Leute, die sich über die Forschung am Polio-Virus lustig machen

Fakten zum nasalen Grippeimpfstoff für Kinder – Update 2014

Zur Grippesaison 2014/2015 habe ich diesen Artikel nochmal hochgeholt, schließlich gibt es für Kinder einen deutlich besseren Grippeimpfstoff als die bisherigen:

- Zugelassen ab 2 bis 18 Lebensjahre (18. Geburtstag!)
– von der STIKO als Impfstoff der Wahl für 2- bis 6-jährige Risikopatienten (Asthmatiker usw.) empfohlen
– Gut verträglich und gleichwertig dem klassischen Spritzen-Impfstoff, Update: Er ist besser, Studien zeigen eine bessere Antikörperentwicklung, vermutlich wegen der besseren Immunogenität via Schleimhäute und weil es sich um einen Lebendimpfstoff handelt und nicht um einen Totimpfstoff (wie die klassische Influenzaimpfung)
– Schnellere Schutzwirkung (meist schon nach wenigen Tagen)
– Nebenwirkungen u.a.: Naselaufen, Kopfweh, Nasenbluten, ansonsten das Übliche bei Impfungen, also Fieber, Unwohlsein etc.
– Keine Zulassung bei schwerem Asthma oder nachgewiesener Immunschwäche (weil Lebendimpfstoff)
– Eine Dosis pro Nasenloch
– nennt sich Fl.u.enz
– Kosten: 23€ (üblicher Grippeimpfstoff 20-30€)

- Keine grundsätzliche Erstattung durch die Krankenkassen
– Unterschiede auch der Erstattungsfähigkeit in einzelnen Bundesländern
– bei manchen Kassen enorme bürokratische Hürden (Kostenerstattung nach Privatrec hnung, Bestätigung der Zweckmäßigkeit usw)
– Rabattverträge mit Impfstoffen (Bestimmte Krankenkassen bevorzugen bestimmte Impfstoffe in bestimmten Regionen – kein Ausweichen auf Alternativimpfstoff möglich) schließen den nasalen Impfstoff nicht ein
– Gibt es inzwischen auch als Einzelgebinde, vor einem Jahr mussten wir immer Zehnerpackungen verteilen.

Pressemitteilung des BVKJ zum Nasalen Grippeimpfstoff

Für mich bedeutet das für meine eigene Praxis: Ich kläre über den nasalen Impfstoff auf, stelle die Vorteile wie oben hervor und überlasse die Entscheidung den Eltern. Es gibt interessanterweise Vorbehalte gegen die nasale Applikation, Impfungen müssen wohl gespritzt werden – so sehen das vielleicht manche. Die Nase ist Atmungsorgan und für Nasentropfen, nicht für eine Impfung. Auch die Schluckimpfung gegen Rotaviren wird von einigen Eltern mit “Und das soll wirken?” kommentiert.

Dann beginnt die Suche nach der Erstattungsmöglichkeit:

Fernsehtipp

Heute abend auf ARTE 21.45 Uhr gibts (wieder einmal) eine Doku- und Infosendung zum Thema Impfungen “Impfen, Risiko mit Methode” – und es bleibt zu hoffen, dass diese nicht die Klischeezielgruppe der ARTE-Zuschauer (Lehrer und Waldorfabsolventen, böses Vorurteil) anvisiert und Impfungen zu kritisch sieht. Der Onlinetext lässt hoffen:

“Sind Schutzimpfungen wirklich sinnvoll? Was spricht dagegen, was dafür? Die australische Autorin Sonya Pemberton geht diesen Fragen an ausgewählten Beispielen nach und zeigt, wie schwer eine eindeutige Antwort darauf fällt.

Ihre Dokumentation macht anhand „klassischer“ Kinderkrankheiten wie Masern, Keuchhusten und Kinderlähmung das Pro und Kontra frühkindlicher Immunisierung deutlich und blickt zurück in die Geschichte – denn schon die Antike kannte frühe Formen des Impfens.

In der Frage frühkindlicher Immunisierung stehen sich Impfgegner und -befürworter meist unversöhnlich gegenüber. Wenige Themen sind emotional so aufgeladen. Dabei könnte ein sachlicher Umgang nicht schaden. Und die vielzitierte Impfmüdigkeit verschärft das Dilemma noch. Mediziner gehen davon aus, dass eine Impfrate von 95% notwendig ist, um eine Gesellschaft dauerhaft, beispielsweise vor Masernepidemien, zu schützen. Fällt diese Rate um nur ein paar Punkte, kann dies dramatische Konsequenzen haben. Und lebenslange Folgen für ein erkranktes Kind.”

Auf der ARTE-Seite gibts dazu – wie üblich – noch mehr Informationen.

[Edit] — Die hervorragende Sendung lässt sich zeitlich begrenzt via ARTE Mediathek HIER anschauen.

Ein wenig Statistik

Das hat mich mal interessiert und bin selbst beeindruckt über den Rückgang der Windpockenerkrankungen in meiner Praxis nach Einführung der Impfung (Pfeil). Nebenbei: Von den verbleibenden Infektionen der letzten Jahre kann ich mich nur an ein einziges Kind erinnern, das trotz der Windpockenimpfung dieselben bekam:

 

Windpocken-Erkrankungen in meiner Praxis

Windpocken-Erkrankungen in meiner Praxis

(Außerdem macht Numbers so schöne Grafiken)

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