Kranke Kassen empfehlen Impfungen… oder auch nicht

Ich: “Wir hatten ja bei der U3 über die Impfungen gesprochen, die empfohlen werden, gibt es denn da noch Fragen?”
Vater: “Nein, eigentlich nicht. Wir werden aber erst ab einem halben Jahr impfen, und dann auch nicht alles, nur dieses Tetanus und Diphterie und Polio, weil…” (das Immunsystem noch so empfindlich ist, weil die Nervenzellen angegriffen werden können, weil die Kinder dann mehr Impfschäden bekommen, weil es die Erkrankungen ja alle gar nicht mehr gibt, und das auch nur, weil die Hygiene heute besser ist als früher, und das hat gar nichts mit den Impfungen zu tun, und soooviel Impfungen auf einmal sind gar nicht gut, und außerdem sind Krankheiten ja auch wichtig für die Entwicklung eines Kindes, und weil der Hirte das so schreibt, und die Pharmaindustrie sowieso daran verdienen will, usw. usf.), “… und außerdem haben wir das mit der Krankenkasse besprochen, und die finden das auch gut.”

Na dann.

Lesch und das Impfen

Gestern abend/nacht kurz vor 23 Uhr gab´s eine schöne Sendung von Harald Lesch zum Impfen. In seiner unvergleichlichen Art – deutlich und klar.

Enjoy (Bild anklicken):

LeschÜbrigens: Wem das Video zu lange dauert, darf auch gerne bei 28:20 einsteigen – da gibts übrigens ein “Übrigens” von Herrn Lesch.

Leschs Kosmos – Die Impflüge – wie die Natur uns austrickst

 

 

 

Plötzlich und unerwartet

Vorbeugende Maßnahmen gegen den plötzlichen Kindstod

“Um das Baby vor plötzlichem Kindstod zu schützen, können Eltern vorbeugende Maßnahmen ergreifen. „Dazu gehört an erster Stelle das Schlafen auf dem Rücken in einem passenden Schlafsack. Eltern dürfen kein Kissen, Bettzeug oder große weiche Spielsachen in das Kinderbett legen, da dies die Erstickungsgefahr im Schlaf erhöht“, zählt Prof. Nentwich , ehemaliges Vorstandsmitglied des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) mit langjähriger Klinikerfahrung (Leitung der Kinderklinik in Zwickau), die ersten beiden wichtigsten Maßnahmen auf. Ein weiterer vermeidbarer Risikofaktor für den plötzlichen Kindstod ist das Rauchen während der Schwangerschaft und später dann in der Umgebung des Babys.

Schläft das Baby zusammen mit der Mutter oder einem anderen Kind in einem Bett, in einem Sessel oder auf dem Sofa, so kann dies ebenso die Gefahr für den plötzlichen Kindstod erhöhen. „Um das Baby zu beruhigen oder zu stillen, können Mütter es kurz mit in ihr Bett nehmen, aber dann sollte es wieder in sein Bettchen, das unbedingt im Elternschafzimmer steht, denn die Mutter reagiert in der Regel auch im Schlaf sofort auf gesundheitliche Veränderungen des Babys“, rät Prof. Nentwich. Empfehlung Nummer fünf und sechs lautet: „Stillen Sie möglichst lange, und lassen Sie Ihren Säugling entsprechend den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission impfen“. Warum Stillen vorbeugend wirkt, ist bisher noch nicht geklärt. Auch der Gebrauch eines Schnullers hat einen positiven Einfluss, obwohl die Gründe dafür nicht bekannt sind. Und schließlich sollte das Baby vor Überhitzung bewahrt werden. Die Schlafzimmertemperatur sollte deshalb nicht über 18 °C-20 °C liegen.”

(Eine Pressemitteilung des BVKJ)

Infos zum Co-Sleeping
Weiteres zum Thema Sudden Infant Death Syndrome
_______________________

Glücklicherweise muß ich schon lange keinen Fall mehr des SIDS aus meiner Praxis beklagen. Ich habe aber den Eindruck, dass die bekannten Empfehlungen, wie sie auch oben vom BVKJ jüngst wieder einmal veröffentlicht wurden, in der Realität aufzuweichen scheinen. Wir predigen sie weiterhin.

Ok, das Rauchen in manchen Familien, da hat man als Kinderarzt so gut wie keine Chance. Schulterzucken ist noch die mildeste Form der Antwort, wenn man Familien darauf anspricht. Aber vor allem das Bewußtsein über das Co-Sleeping und die Bauchlage (“mal kurz nach dem Stillen in der Nacht … bin dann aber zum Glück aufgewacht, als das Mäuselchen zwischen mir und meinem Mann lag”) scheinen zu schwinden. Über das Pucken ist schon viel geschrieben worden. Auch hier sollte man vorsichtig sein.

Regelmäßig jedoch sind die Überwärmung durch Kleidung (das unleidige Mützchengetrage auch im Bett zuhause) und die überwärmten Wohnungen. Ich frage immer: Sommers wie winters sagen die Hälfte aller Eltern bei der U3, sie würden zuhause mehr heizen, seitdem das Baby da sei. Ob das dann die gleichen 50% sind, die mit einem Monat noch kaum vor der Tür waren, weiß ich nicht.

Die Rate der Plötzlich Verstorbenen Kinder ist durch die vielen Aufklärungskampagnen gut zurückgegangen, aber jedes Kind, das durch ein vermeidbares Risiko zu Tode kommt (der tatsächliche Mechanismus des SIDS ist immer noch ungeklärt), ist eines zuviel.
Also bitte: Hört auf die Experten!

Wenn die Katze beisst

“Wird ein Kind von einer Katze gebissen, sollten Eltern mit ihm zu ihrem Kinder- und Jugendarzt, damit er die Wunde professionell reinigen kann. „Katzen besitzen sehr spitze Zähne, die tief eindringen und mit dem Speichel Keime weit in das Gewebe bringen – auch wenn die Haut wenig verletzt scheint. Insbesondere Bisse in die Hand bergen ein hohes Infektionsrisiko“, warnt Prof. Hans-Jürgen Nentwich, ehemaliges Vorstandsmitglied des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) mit langjähriger Klinikerfahrung (Leitung der Kinderklinik in Zwickau).

Eltern sollten die Bisswunde unter lauwarmem, laufendem Wasser säubern und anschließend mit einer sterilen Mullkompresse abdecken.

Die Hauskatze

 

Den Impfpass nehmen sie am besten beim Arztbesuch mit, damit der Kinder- und Jugendarzt überprüfen kann, ob eine Tetanus-Impfung sinnvoll ist. „Kinder sollten früh den respektvollen Umgang mit Tieren lernen. Einer Katze sollten sie sich behutsam nähern. Sicherer ist es, nicht zu versuchen, fremde Katzen zu streicheln“, so Nentwich.

Rötet sich die Region um den Biss oder schwillt an, sind dies Warnzeichen für eine Infektion. Katzenbisse gehören nach Hundebissen zu den häufigsten Bissverletzungen. Entzünden sich etwa 4% der Hundebisse, so trifft dies für bis zu 40% der Katzenbisse zu.”

Quelle: Pressemitteilung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V.

 

Erinnert mich an die nette Familie mit den drei Kindern und dem Impfproblem. Bis zum zweiten Lebensjahr keinerlei Impfungen gewollt – das belaste das Immunsystem so sehr usw. – aber mit der Kleinsten kurz nach dem ersten Geburtstag kommen, weil der böse böse Hauskater zweimal zugebissen hat. Allerdings bereits vor vier Tagen. Entsprechend sah die Wunde aus. Für eine Tetanusinfektion wäre es zu spät gewesen.

Es ist schön, wenn sich Impfverweigerer wenigstens der alltäglichen Risiken bewußt sind …

Miau

(c) Cat Content by Claus Ast

HPV-Impfung mit freundlicherem Impfschema

Die Impfung gegen das Humane Papilloma Virus bei jungen Mädchen ist seit 2007 in Deutschland für alle 12jährigen (und Ältere) empfohlen. Bisher wurde diese dreimal verabreicht – In den Monaten 0, 2 und 6. Eine gute Zusammenfassung der Impfung bietet wie üblich Wikipedia.

Neu ist seit diesem Jahr: Beide zur Verfügung stehende Impfstoffe können nun
a) bereits ab 9 Jahren geimpft werden und
b) dann auch nur als Zwei-Dosis-Impfung (Monat 0 und Monat 6).
Dies gilt für alle begonnene Impfungen zwischen dem 9. und 14. Lebensjahr. Jugendliche ab 15.Geburtstag werden weiterhin mit dem Drei-Dosis-Schema geimpft.

Aber Achtung: Die Krankenkassen bezahlen die Impfung nur, wenn die Jugendliche 12 Jahre alt ist, d.h. Die Impfung unter 12 Jahren ist zwar nett, aber die Eltern bleiben vermutlich auf den Kosten sitzen. Welchen Sinn das macht, erschließt sich mir nicht, die Praxis lehrt, dass dann niemand die Impfung durchführen lässt.
Bester Zeitpunkt also: Zwischen 12. und 15.Geburtstag mit der 1. Impfung beginnen, die zweite folgt ein halbes Jahr später, die Kasse zahlt – wunderbar.

Mal wieder Masern

Da wählen die Münchner einen SPD-Bürgermeister und schon eine Woche später verkündet die Presse wieder eine Masernwelle in der bayrischen Landeshauptstadt. Was das miteinander zu tun hat? Gar nichts. Aber irgendwie muß man ein Posting ja beginnen.

Seit Anfang diesen Jahres sind in München 20 Masernfälle gemeldet worden (Morbilli sind meldepflichtig – auch deren Verdacht), mit einem deutlichen Anstieg im Monat März – was noch mehr Fälle erwarten lässt, der Peak ist sicher noch nicht überschritten. Die offizielle Pressemitteilung des “Referates für Gesundheit und Umwelt” listet entsprechend die Empfehlungen zur Eindämmung und zur Masernimpfung auf:

- Nichtgeimpfte Kontaktpersonen dürfen 14 Tage keine Gemeinschaftseinrichtungen besuchen (Kita, Schule, Ausbildung, Beruf)
– Frühzeitige Masernimpfung *vor* Aufnahme in eine Kindertageseinrichtung oder Tagesmütterbetreuung (ab 10. Lebensmonat möglich) – richtigerweise weist das RGU auf das erhöhte Krankheitsrisiko durch die frühzeitige Betreuung in Kindertagesstätten hin.
– Impfung aller nach 1970 geborenen Erwachsenen, die noch nicht geimpft wurden

Ungewöhnlich scharf und (unfreiwillig?) ironisch wird auf eine Ablehnung der Impfung eingegangen: “Gelassenheit oder gar der elterliche Wunsch nach einer natürlichen Masernerkrankung sind fahrlässig, …” Was das Referat nicht sagen darf: München kommt immer wieder in die Schlagzeilen, weil die Gelassenheit geschürt wird durch impfkritische Ärzte wie (Privat)Arzt Martin Hirte (unweit des Viktualienmarktes).

Pressemitteilung des RGU (Seite 9)
Keks dazu: Wie Stefan Lanka seine Thesen vor Gericht verteidigen muß
… und Dessert: Über die wirtschaftlichen Defizite durchs Nichtimpfen

Vorherige ältere Einträge

Gesundheitsblog 2009 - 2.Platz
Wir geben 8 aufs Wort - Banner
1. Platz in Kategorie Baby und Kinder bei den Hitmeister Superblogs 2012
%d Bloggern gefällt das: