Keine Pseudomedizin durch Krankenkassen?

Endlich mal eine gute Nachricht für alle vernunftbegabten Eltern und Ärzte: In einer Pressekonferenz hat Bundesgesundheitsminister Gröhe am Wochenende seine Absicht bekundet, den Krankenkassen zu “empfehlen, nur noch evidenzbasierte Medizin in ihren Leistungskatalogen zu führen.” Dies dürfte die Homöopathie betreffen, aber sicher auch Dinge wie Osteopathie oder Akupunktur. Klingt nach einer klassisch butterweichen Politikeraussage, aber immerhin.image

Ein sehr mutiger Ansatz, und da dürfte ihm ordentlich der Wind ins Gesicht blasen. So mutig waren Rösler oder Bahr nicht. Wir können gespannt sein, was da noch kommt. Vielleicht STIKO-Impfungen als Voraussetzung für die Aufnahme in Kindergärten oder Schulen? Ach, ich träume.

Man fragt sich nur, warum er diese Aussage ausgerechnet beim Männergesundheitskongress in Berlin gemacht hat. Naja, vielleicht waren keine Krankenkassenvertreter anwesend. :-)

Offizieller Pressetext beim BGM (durchklicken über die PDF auf der rechten Seite)

Bärli Pupsi Globli

Liebe Firma He.el,
ich weiss nicht, was das nun wieder soll, aber Deine neue Reihe “Kinderarznei” ist ja nun werbetechnisch ganz unterste Schublade. Wir sprechen noch nicht einmal vom Inhalt der Schachteln (deren medizinische Wertigkeit gegen Null tendiert, aber das wurde schon an anderer Stelle ausreichend beschrieben), sondern von Aufmachung und Wortwahl.20140209-183332.jpg

“Kinderarznei”. Ok, das klingt zuerst einmal nach Wilhelm Busch oder nach einem Mittelchen, was der gute Onkel Doktor in Lindgrenschen Büchern verabreicht. Ist eine solch putzige Sprache jetzt ein geschickter Schachzug, oder triffst Du da auf die Bestimmungen der Pharmaindustrie, irgendwelche unbedeutenden Substanzen nicht als Medikamente bezeichnen zu dürfen?

Und dann die Einzelmittel: “Flatulini”, “Cutacalmi”, “Lunafini” und “Bronchobini“.20140209-183410.jpg
Ja, Himmel, geht’s noch? Da wären Pupsi, Skinni, Schlummerli und Schnauferli wesentlich einleuchtender gewesen, ne’ wahr? Dieses Einmischen von Pseudolatein ist nun wirklich einer Weltfirma von Rang nicht würdig. Das könnt Ihr doch besser! Außerdem: Wo bleibt denn da der schöne Firmenname, den Du sonst so geschickt einbaust? Früher gab’s doch so Sachen wie “Angin-He.el” oder “Traum.eel”. Viel einleuchtender, much more sophisticated, das Zeug klang allerliebst nach “heal”, wenn’s auch sonst nicht half.

Und dann dieses Bärli. Ein roter Fuß, ein grüner Fuß, ein Stethoskop, fertig ist der Gesundmachbär. Was ich bloß nicht verstehe: Warum trägt der Bär einen Koffer aus der Schweiz mit sich herum und trägt eine Eismann-Mütze? Oder ist das die Assoziation Bambini -> Italien -> Eis? Erklärungen bitte.

Aus dem Kleingedruckten zitiere ich noch schnell, darf ich? Ja? Danke.
“Zur Anwendung bei Kindern unter 6 Jahren liegen keine ausreichend dok. Erfahrungen vor. Es soll deshalb bei Kindern unter 6 Jahren nur nach Rücksprache mit einem Arzt angewendet werden.” Das liest sich recht optimistisch, dafür, dass der Erklärbär behauptet, die “Kinderarznei” sei zugelassen ab 0 bzw. 6 Monaten.

Hiermit erfolge also die Rücksprache mit dem kinderdok:
Finger weg von dem Zeug, spart Euch das Geld und die Möglichkeit einer Aspiration von unnützen und unwirksamen “Streukügelchen”! (Ist eigentlich der Begriff Glaubuli durch die DHU geschützt worden oder ist er inzwischen sooo negativ besetzt?)

[Nein, ich habe weißgott keine Sponsorenverträge mit He.el]

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Spucke im Rhein und Bernsteinkettchen

Ein Gastbeitrag von Julitschka. Danke dafür:
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“Eine Bekannte von mir hat vor kurzem ihr Kind zur Welt gebracht. Schon während ihrer Schwangerschaft schimpfte sie über mich, im Scherz. Sie war, dank meiner Warnung vor Pseudomedizin, sehr aufmerksam bei der Wahl ihrer Hebamme und auch später bei ihrem Kinderarzt. Dass sie dahingehend sensibilisiert war, machte ihre Suche natürlich aufwändiger. Ihre Hebamme beschrieb sie als knallharte “wurstige” ältere Frau, die ihre Bitte nach Vermeidung von Hokuspokus nur mit einem Nicken quittierte, als wäre dass das selbstverständlichste auf der Welt. Wer regelmäßig mit Hebammen zu tun hat, weiß, dass diese Haltung eher ungewöhnlich ist.

Ihr Kinderarzt ist auch eher einer der Skeptischen. Als sie ihn auf Homöopathie ansprach, sagte er nur trocken:
“Homöopathie ist, wenn sie in der Schweiz in den Rhein spucken und das in Köln nachweisen wollen.”

Das brachte uns natürlich zum Lachen, aber im gleichen Atemzug verschrieb er ihr Vib.urcol, welches er trotzdem
als wirksam bezeichnete. Es handelt sich um Zäpfchen für Säuglinge gegen “krankheitsbedingte Unruhe”. Diese sollte sie ihrem Kleinen gegen die Nebenwirkungen der Impfungen geben. Einige Inhaltsstoffe sind gegenüber der “Urtinktur”* nur 1:10 verdünnt. Sie sind uns auch aus der evidenzbasierten Medizin bekannt. Beispielsweise enthält die Tollkirsche zwei Stoffe, die zur Behandlung von Erregungszuständen benutzt wurde. Breitwegerich wirkt angeblich entzündungshemmend und Kamille ist krampflösend und entzündungshemmend. Simile-Prinzip? Wohl eher nicht.
Allerdings täuscht die niedrige Verdünnung, da wir nicht wissen wie konzentriert die “Urtinktur” war. Gerade bei der Tollkirsche würde mich das sehr interessieren.

Das Fazit meiner Bekannten fiel daraufhin sehr nüchtern aus. Ihrem Kleinen haben die Zäpfchen nicht geschadet und irgendwas hat funktioniert. Ihrem Arzt verzeiht sie zwar, sie wird aber in Zukunft noch kritischer hinterfragen.

Sie erlebt auch während anderer Aktivitäten mit ihrem Kleinen obskure Dinge. So schrieb sie mir vor ein paar Tagen:
“[..] Es gibt echt viel Hokuspokus in der Kinderheilkunde. Bin echt gespannt, wie viele Kinder es in der Krabbelgruppe mit Bernsteinkettchen geben wird. Bisher ist nur eines dabei, ein anderes hat ‚ne Veilchenwurzel um den Hals, auf der es jederzeit rumbeißen kann…(hilft beides ganz wunderbar gegen Zahnungsprobleme, hab ich gehört)
Und am Samstag im Babybecken des Schwimmbades B. hatten alle 3 Knirpse einer dort badenden Familie Bernsteinkettchen um, 2 weitere, mit verschiedenen Eltern auch – nur Max und ein anderes Kind hatten keine Kettchen – wahrscheinlich weil sie noch zu klein fürs Zahnen sind. Das wird’s sein. Endlich weiß ich, was mein Kleiner zu Weihnachten bekommt: Bernsteinkettchen und Veilchenwurzel. ;-)”

Auf meine Frage hin, was das denn für Eltern seien, sagte sie mir, dass sie ganz normal wirkten. Keine Besonderheiten, die auf fanatischen Esowahn hinweisen würden. Irgendwie wäre mir das zwar lieber, aber ich kann nur hoffen, dass sie es bei solch harmlos erscheinenden Accessoires belassen.

* Die sogenannte Urtinktur ist die Anfangslösung, die die Homöopathen ansetzen, um dann ihren Verdünnungsritus abzuspulen. Diese Urtinktur kann alles Mögliche sein, z. B. ein Zwiebelsud oder ein wässriger Kamillenextrakt.”
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Vielen Dank für diesen schönen Einblick von der Basis. Zum Thema Bernsteinkettchen könnte ich auch noch einiges schreiben.

Von führenden Kinderärzten empfohlen?

Beim Bummeln durch die Einkaufspassagen der grossen Stadt bin ich heute – klar – auch im Buchladen gewesen. Ich gucke nach dem eigenen Machwerk, hoffe, es stets gut platziert zu finden, sehe es am Ende bei den Ratgebern, wo es auch der Verlag einsortiert hat und richte die Buchrücken ordentlich aus, damit man es gut finden kann. Kann sein, dass ich dabei zwei Exemplare aus dem Regal genommen habe und sie gestapelt davor neben die anderen Buchstapel gestapelt habe – tut mir leid, Herr und Frau BuchhändlerIn.

Dabei schweifen meine Blicke über die Neuerscheinungen und Klassiker der modernen Elternberatungsliteratur. Der Klassiker vom Renz-Polsterliegt da rum, den empfehle ich gerne, auch “meinen Eltern” in der Praxis, ich blättere durch die restlichen “Was-Sie-schon-immer-über-die-Gesundheit-Ihres-Kindes-wissen-wollten”, prüfe die Bücher gerne auf Impfsicherheit und Homöopathie-Kritik oder -abstinenz. Letzteres lässt sich scheints nur schwer verkaufen, denn kaum ein Gesundheitsbuch kann Globuli aus seinen Beratungen verbannen. Dass einige der Gesundheitsbücher für Kinderheilkunde zudem noch von Allgemeinärzten oder Heilpraktiker oder “einfach-mal-Muttern” verfasst sind (“Der Trotzphasen-Survival-Guide” – mit Glaubuli gegen das Trotzen, ohjee), lässt mich Zähne knirschen, aber das kenne ich schon.Foto

Ich stolpere schließlich über “Kinderkrankheiten: Das Standardwerk für Kinder von 0 bis 16 Jahren”, geschrieben vom Kollegen Nase. “Standardwerk”, denke ich, klingt ja toll, Erscheinungsjahr immerhin 2013 … früher ist dieses Buch bei Oberstebrink verlegt worden, inzwischen beim Ratgeberverlag schlechthin Gräfe und Unzer, kurz GU. Nase ist Kinder- und Jugendarzt, ist ja schon mal gut, aber dann sehe ich das Enblem “empfohlen vom BVKJ”, also dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. Gut, denke ich, mein eigener Verband empfiehlt das Nase-Buch und nicht das Polster-Buch – dann prüfen wir doch mal auf Impf- und EBM*-Sicherheit. Die Impfungen werden besprochen, der Autor nimmt sich glorreiche 3/4 Seiten Zeit, allgemeines dazu zu äußern, mit dem Resumée, man finde doch mit seinem Kinderarzt eine gemeinsame Entscheidung, welche Impfungen nun gemacht werden sollen. Als sei dies eine à-la-carte-Veranstaltung. Wenigstens möge man die Entscheidung “zum Wohle des Kindes” treffen.
Und dann die Kügelchen, sie werden zu diesen und jenen Krankheitsbildern empfohlen, und wieder gilt der Eso-Zucker als sanfte Medizin zur blabla-Stützung der Selbstheilung. Auch die Bachblüten erhalten eine freundliche Erwähnung. Als ginge es nie ohne.

Das ist schade. Und wirklich bedauerlich ist, dass mein Berufsverband das Werk empfiehlt.
Lieber Kollege Nase, Sie sind ein ehrenwerter und erfahrener Kollege, ganz sicher, nichts gegen ihre persönliche Ausbildung und Einstellung, das können Sie schreiben, wie Sie mögen. Trotzdem hätte ich mir mehr Kritik an zweifelhaften Methoden gewünscht.
Aber lieber BVKJ: Das geht nicht. Du äußerst Dich gerne und immer wieder in Deinem offiziellen Blatt und auch im Pädinform (unserem Kinderärzteintranet), Du könntest Dich wissenschaftlich nicht positionieren, das sei doch Sache der forschenden Kollegen – wie der DGKJ (Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin) – aber hier … hallo? Klar gibt es genug Kollegen, die Homöopathie betreiben, aus Überzeugung und um sich am Markt zwecks Nachfrage behaupten zu können. Aber die Mehrheit der Kinder- und Jugendärzte steht den Glaubuli doch kritisch gegenüber.
Sobald Du aber Deinen Namen zur Empfehlung an ein Buch gibst, dass unkritisch mit unbewiesenen Therapieoptionen aus dem Bereich der Paramedizin und Esoterik umgeht, implizierst Du den lesenden Eltern, dass dies auch die Empfehlungen aller Kinderärzte sei. Und das ist nicht so.

“Von führenden Zahnärzten” empfohlen, fällt mir dabei ein. So warb die Zahnpasta-Industrie. Lieber BVKJ – hast Du das nötig, so billige Werbung?

* evidence based medicine

Politiker zu Glaubuli

Vor einer Bundestagswahl ist es Usus, die Parteien nach ihrer Meinung zu diesen und jenen allgemeinen wie auch speziellen Sachfragen zu beleuchten. Hier werden Finger in Wunden gelegt, die vielleicht in der Öffentlichkeit nicht so bekannt sind und Themen angerissen, die über die klassischen “Umwelt – Bildung – Außenpolitik” hinausgehen. Viele Lobbyisten nutzen die Ergebnisse, um ihren eigenen Standpunkt klarzumachen – entsprechend gefärbt sind dann auch die Fragen.

Im Netz finden sich zum Thema Homöopathie/Esoterik gerade zwei interessante Versionen des Fragens – einmal einen Fragenkatalog des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte, welcher an die verschiedenen Gesundheitspolitischen Sprecher versandt wurde, zum anderen ein “Globuli”-Check der Website “die ruhrbarone” an die Gesundheitsbeauftragten “der Länder” (zuerst Hamburg, dann Baden-Württemberg, Rest folgt). Die Fragestellungen implizieren ein wenig die Antworten – aber in der Summe enttäuscht das Politikergesäusel sehr.

Ich hatte mir – gar nicht mal nur zu diesem Thema – klare Standpunkte erhofft. Wie sollen Politiker zu Vorbildern werden, wenn sie sich in ihren Antworten alle Hintertüren auflassen? Die Antworter bewegen sich zwischen den Standpunkten so schwammig hin und her, dass aus ihnen eine einzige grau weiche wabernde Masse wird, aus der das Couleur nicht mehr zu identifizieren ist.

Dass ich meine Position zu Globuli habe, ist hinreichend bekannt. Lese ich die Antworten dieser beiden Umfragen, kann ich mich bei keiner Partei heimisch fühlen – was diesen Diskussionspunkt angeht. Ein zukünftiger Gesundheitsminister hat keinen leichten Stand, es ist ein unbeliebtes “Loser”-Ressort, aber in letzter Konsequenz muss er Geld verteilen – und ist verpflichtet, der evidence-based-medicine zu folgen. Wie hätten die Befragten wohl geantwortet, wenn statt Globuli nach Schamanismus oder Pendeln gefragt würde? Die “Doppelblind-Studien-”Datenlage im Vergleich zur Homöopathie dürfte nicht viel schlechter sein.

Ein paar wenige Beispiele:
- DZVhÄ: “Evidence based Medicine (EbM) spielt in der konventionellen Arztpraxis eine nur untergeordnete Rolle. Warum werden Ihrer Meinung nach aber EbM-Regeln als Maßstab für die ärztliche Homöopathie herangezogen?” – Arbeiten niedergelassenen Ärzte fernab der wissenschaftlich anerkannte Medizin? Was soll das? Selbstredend arbeiten wir EbM-konform. Zudem unterstellt die Frage, dass die EbM nicht dem Therapiestandard entspricht.
- “(…)dem EbM-Ansatz geht es nicht darum, ein Studiendesign allen Fragestellungen überzustülpen, sondern das für die Fragestellung bestmögliche Untersuchungsdesign anzuwenden.” – Heisst das, man muss nur lange genug nach einer Untersuchungsmethode suchen, dann wird auch die Homöopathie positive Ergebnisse bringen? Naja. Mit einer doppelblind randomisierten Studie hat man doch schon ein ziemlich genaues Studiendesign.
- “Dabei wollen wir die sprechende Medizin stärken, was gerade auch komplementärmedizinisch arbeitenden ÄrztInnen zugute käme.” – dreist. Gibt es doch jetzt schon für den sprechenden Homöopathen ordentlich Kohle, der sprechende Normalmediziner wird mit einem warmen Händedruck belohnt.

Bei den Interviews der ruhrbarone war zumindest die klare Ansage beider Gesundheitsministerinnen Pro-Impfungen sehr beeindruckend – das ist gut. Wie antworten eigentlich die Piraten? Hier übrigens die Stellungnahme aus Sicht der Piraten, die ursprünglich nicht befragt wurden.

Danke an Julitschka @mundauf für den DZvhÄ-Link.

Tobak für Haile

Und dann war da der zwoeinhalbjährige türkische Junge, der am Donnerstagnachmittag – sein eigener Kinderarzt hatte freien Nachmittag – in meiner Praxis auf der Liege saß und japste wie Haile Gebrselassie am Ende der zehntausend Meter, nur nicht ganz so entspannt. Auch ohne mein Stethoskop zu bemühen war ihm die weitreichende Obstruktion der Bronchien anzusehen und anzuhören. Vom echten Atemgeräusch gab es nicht mehr viel, alles nur noch ein einziges Giemen, Brummen und Quietschen. Sauerstoffsättigung immerhin noch bei 92%.

Die Mutter zeigte sich überrascht über meine Diagnose einer Bronchitis, schließlich war die Vorgeschichte mit “der hustet schon zwei Wochen, kann man da nichts machen?” erstaunlich unaufgeregt. Meiner Gegenfrage, ob sie denn schon bei ihrem eigenen Kinderarzt war, erwiderte sie mit “logisch, paar Mal” und einem Griff in die Lidltüte, aus der sie diverse Medikamentenschachteln mit – sic! – dem berühmten roten Streifen auf weißem Grund hervorzog.
Der Kollege sah ein “bisschen Erkältung mit Husten”, so die Mutter, und vielleicht war das so auch die letzten zwei Wochen so gewesen, aber irgendwann kippt das System.
Auch wenn die Mutter sagte, so “pfeifen” würde der Held schon seit Montag. Und da war sie noch beim Kollegen zum Abhören gewesen.

Sie hatte einen Kochsalzvernebler zu Hause und inhalierte darüber: Nicotiana comp. und Cuprum aceticum comp., außerdem darf der Junge noch Petasites comp. einwerfen. Und das allerliebste Umckaloabo fehlte auch nicht. Auch wenn ich nun wirklich kein ausgewiesener Homöopath bin, so bin ich des Lateinischen sehr wohl mächtig, und rechnen kann ich auch. Hier verdampfte also eine D9-Verdünnung (1:1000000000) Tabak mit Kupferacetat und Rinderniere. Und als Zückerli gab es noch Weisstanne, Spitzwegerich und Pestwurz.

Ich weiß nicht, was mich hier am meisten stört:
- dass der Kollege tatsächlich denkt, Medikamente, die sehr wohl gegen Husten eingesetzt werden (Spitzwegerich und Kamille), in dieser Verdünnung etwas bewirken. Ganz abgesehen davon, dass er damit dem Prinzip Hahnemanns entgegensteuert, dass man um ein Übel zu bekämpfen, das Übel in hoher Verdünnung geben muss, und nicht das Therapeutikum.
- dass die Mutter nicht aufgeklärt wird über die Krankheit oder die fehlenden Eigenschaften bzw. Wirksamkeit der Therapie
- dass dem Kind die nötige Therapie vorenthalten wird.

Ich überflog die Inhaltsstoffe der Präparate, während der Junge die nötige Inhalation bekam (und prompt entspannter durchatmete) und erläuterte der Mutter die Mittelchen. Sie hatte keine Ahnung, um was es sich da handelte. Das einzig wichtige, was ich noch erfuhr, war, dass ihr Mann “gar nicht zu Hause rauche”, sondern nur auf dem Balkon.

Insofern war der Tabak in der Inhalationslösung im Hahnemannschen Sinne die richtige Wahl: Gleiches mit Gleichem bekämpfen. Ob das der Globulikollege auch so gesehen hat?

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