Schluckimpfung ist süß, Google ist süßer

Gestern jährte sich zum hundertsten Mal der Geburtstag von Jonas Salk, dem Entwickler der Impfung gegen die Kinderlähmung (Poliomyelitis). In der oralen Verabreichung (Erdacht von Albert Sabin) konnte die Impfung weltweit eingesetzt werden. Aus diesem Anlass änderte Google sogar sein Doodle und ehrte damit den Wissenschaftler:

salk

Artikel von Google über das Doodle
Aktuelle Zahlen des RKI zur Kinderlähmung: “Als noch nicht Polio-freie Länder gelten laut WHO aktuell neben den drei Endemieländern Pakistan, Afghanistan und Nigeria noch sieben weitere Staaten: Syrien, Irak, Kamerun, Äquatorial Guinea, Äthiopien, Somalia und Israel. In diesem Jahr wurden bislang insgesamt 243 Poliofälle gemeldet, davon 224 in den Endemieländern, 206 Fälle (85 %) allein in Pakistan (Stand: 14. Oktober 2014). Das ist die höchste Zahl an Neuerkrankungen in Pakistan seit dem Jahr 2000.”
NY-Times Bericht über die heutigen Polio-Risikogebiete
Über die irrsinnigen Bedingungen beim Impfen in Pakistan

Während Salk für die US-Amerikaner (und eigentlich alle Mediziner dieser Welt) ein Held ist, gibt es immer noch Leute, die sich über die Forschung am Polio-Virus lustig machen

Brain Specialist

Viele Sketche mit Ärzten gibt es bei Monty Python ja nicht, aber zum heutigen letzten der letzten Konzerte der Reunion darf es nochmals Mister Gumby beim Brain Specialist sein:

(Meine Favoriten, Palin und Cleese)

Heute 20.7., 20 Uhr, gibt es the last concert of the Pythons – weltweit auch in den Kinos zu sehen, oder bei Arte Concert via Stream.   Und am 30.7., 21.30 auf arte im Fernsehen.

Don´t miss it!

Echter Fan

Nach den bedröppelten italienischen und spanischen Kindern ziehen jetzt die griechischen ein langes Gesicht. Verständlich. Die kleinen Fans hadern dazu mit der Zeitverschiebung der Spiele.
Wassilios (10) geht´s auch so:

Ich: “Na, bist Du traurig, dass Griechenland draußen ist?”
Wassilios: “Klar. Ich durfte sogar nur die erste Halbzeit gucken, dann mußte ich ins Bett.”
Ich: “Ging ja auch ganz schön lange, bis kurz vor eins. Da bin sogar ich beinahe eingeschlafen.”
Wassilios, fassungslos: “Was? Voll uncool. Wenn wir spielen?”
Ich: “Naja, weißt Du, ich bin ja kein Grieche. Ich habe mir das Spiel so aus Interesse angeguckt, zum Ende war´s dann auch spannend, mit Elfmeterschießen und so.”
Wassilios: “Ja, hat mein Vater auch gesagt.” Jetzt schaut er wieder traurig.
Ich, müder Versuch des seelischen Aufbaus: “Und, für wen bist Du denn jetzt? Drückst Du jetzt den Deutschen die Daumen heute abend?”
Wassilios: “Nö. Ganz sicher nicht. Da schlafe ich.”

Paco in der Sonne

Mal wieder hören, seit heute nur noch aus der Konserve:


Hasta luego, Paco!

Verzögerungserklärung

Als ich letztens im Notdienst den Vater fragte, warum er seine vierjährige Tochter erst jetzt um 21 Uhr in die Notfallambulanz bringt, obwohl sie nach seinen Aussagen schon seit morgens um zehn Uhr Ohrenschmerzen und Fieber habe:

“Wissense, das war ja ers’ma gar nicht so schlimm, und dann war sie auch noch im Kindergarten, und dann hatte meine Frau heute morgen auch kein Auto, und außerdem wollte sie ja noch zu ihrer Freundin spielen…,” – die Tochter – “und später dann hatte der Kinderarzt keine Sprechstunde mehr, also um sieben abends, und außerdem wollte sie dann doch nicht schlafen, und weil doch heute aber Freitag ist, und ich am Wochenende nicht zu irgendeinem wildfremden Doktor gehen will…,” – der ich nun aber auch bin -
“deswegen sind wir hier…”

“Ah, ok… und, haben Sie denn was gegen die Ohrenweh gegeben?”
“Nein, wieso?”

Max am Abend

Ich komme an Max nicht ran.

Er sitzt hier zur J1, wir überstehen die übliche Vorgeplänkelgesprächsrunde, um uns dem Messen, Wiegen und Untersuchen zu widmen. Ich plappere vor mich hin, während der Untersuchung, texte, um die Stille zu überbrücken, wie ich es manchmal bei Säuglingen mache, um sie zu beruhigen. Die Fragen nach seinem Lieblingssport, dem Hockey, verpuffen in der stickigen Luft des Untersuchungszimmers. Frotzeleien, Witzchen und ernsthaftes Nachfragen vergehen zwischen uns. Max ist still, nicht maulfaul wie sonst Pubertierende, die sagen oft genauso wenig, erwarten aber, dass man sie hört. Max sagt nichts, weil ihn etwas bedrückt.

Seine Eltern haben sich vor zwei Jahren getrennt, mehr zerstritten als geeinigt, der Vater ist ausgezogen, die Mutter blieb mit Max daheim. Eine schwierige Zeit, die für den betreuenden Arzt mit Gesprächen über Bauch- und Kopfweh und Schulattesten erfüllt war. Die erwünschte Begleitung durch ProFamilia im Ort und dem Verein Alleinerziehender lehnte Max heroisch ab. Er spielte lieber Hockey.

Max ist fit, er ist gesund, er steht im Saft, mit vierzehn ein Oberkörper wie ein Olympiaschwimmer, aber sein Blick sieht im Moment kein Ziel vor Augen. Denn sein Vater, der ausgezogen war, und zu dem er gerade wieder Kontakt gefunden hatte, ist vor einem halben Jahr mit dem Auto verunglückt. Die Mutter, die zweimal ihren Partner verliert, kann Max in dieser Zeit keine Hilfe sein. Die Großeltern sind alt, die Freunde mit sich selbst beschäftigt, das Hockeyspielen schafft Erfolge für ein Wochenende, es reicht nicht für die Woche.

Ich komme nicht an ihn ran. Ich kreise um *das* Thema, ich biege immer wieder zur Weggabelung ein, bei der er sich öffnen kann oder auch nicht. Ich komme nicht bis dorthin. “Passt schon”, sagt er irgendwann am Ende der Untersuchung. Ich nicke nur.

Nach der Untersuchung, Max ist fertig angezogen, kommt seine Mutter mit dazu. Auch sie hat andere Dinge im Kopf als die Jugenduntersuchung ihres Sohnes, trotzdem flüchten wir uns zu dritt in die Erläuterung des Befundes. Es geht ihm gut, der Sport ist gut, die Schule auch, wir besprechen die fehlende Impfung, wir erledigen das Geschäftliche. Am Ende kommen die ersten Verabschiedungsfloskeln, die den Termin beenden, kleine Pausen, die mit Schlußfragen schließbar wären, dann nur von mir ein “Gibt´s denn noch etwas sonst, irgendetwas zu besprechen?”, das von Max´ Mutter mit einem freundlichen Kopfschütteln verneint wird. Sie stehen beide auf. “Also dann.”

Die Mutter holt ihren Mantel von der Garderobe, geht zur Praxistür und hält sie auf. Max ist ihr gefolgt, dann bleibt er aber stehen, zögert und kommt zu mir zurück.
“Danke, Doktor”, sagt er, “bis bald.”

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