Kurzes Bonmot in Vertretung

fMFA: “Wer ist denn der Kinderarzt sonst?”
Mutter mit Kind in Vertretung: “Der Herr Minnesang in Liedern.”
fMFA: “Aha. Das ist ja ein bisschen weiter weg, ist das ein Kinderarzt?”
Mutter: “Jaja, der untersucht auch Kinder. Hat auch selbst welche.”
fMFA: “Ich finde den jetzt gar nicht in meiner Liste, also richtiger Kinderarzt mit Ausbildung?”
Mutter: “Nee, ich glaub´ nicht, der ist nur Normalarzt.”

Da kriegt man was geboten

Mutter: “Ich… ich… wechsle sofort den Kinderarzt, wenn ich nicht jetzt sofort dran komme, das Medikament xy nicht kriege, nicht vom Kinderdok untersucht werde, sondern wieder nur von der Frau Vertretung, nicht das kriege, was ich will!”
Tülay (fMFA): “Also wenn Sie unzufrieden sind…”, dürfen Sie gerne gehen, Reisende soll man nicht aufhalten, “kann ich das gerne nochmal mit Herrn Kinderdok besprechen”, der wird aber auch nichts anderes sagen, im Gegenteil, auf Drohungen reagiert er eher trotzig.
Mutter (richtig laut): “Jetzt kommen Sie mir bloß nicht mit Ihrer geschulten KommunikationsSCHEISSE!” (Keine Auswahlen diesmal, so wortwörtlich gesprochen.)

Sagt’s und verlässt die Praxis. Nicht, ohne vorher schnell noch die anderen Eltern an der Anmeldung mit ihren Tiraden zu beglücken. Wir hören sie noch im Aufzug zetern.
Andere Mutter, ganz leise über die Anmeldung zu Tülay: “Machen Sie sich nichts draus, die kenne ich vom Elternabend meines Sohnes, da gibt sie auch immer so Vorstellungen.”

Und das Beste zum Schluss:
Fünf Minuten später kommt Mutter No.1 (die Laute) zurück in die Praxis, ignoriert die Anwesenden an der Anmeldung und geht direkt ins Wartezimmer, sie ruft: “Maddox, kommste jetzt vielleicht mal endlich, wir wollen gehen?”, und zerrt kurze Zeit später den kleinen fünfjährigen Patienten hinter sich her zur Praxistüre heraus.

Wenn ich dran bin, bin ich dran.

Die Mutter drängt sich nach vorne an der Anmeldung, während Moni sich mit einer anderen Patientenmutter unterhält und diese gerade bittet, ihr ins Untersuchungszimmer zu folgen.

Mutter: “Moooment… jetzt komme erstmal ich dran.” Sie stellt sich vor Mutter No.2 und Moni, das greinende Kleinkind im Schlepptau.
Moni: “Oh, Frau Reisig, hallo.”
Mutter: “Jaja, hallo, aber ich bin jetzt erstmal dran.”
Moni: “Haben Sie denn einen Termin?”
Mutter: “Ja, sicher, ich habe doch heute morgen angerufen, halb drei sollte ich kommen, jetzt isses schon halb vier, ich bin noch immer nicht dran, und jetzt habe ich grade mitbekommen, wie sie hier weiter die Patienten reinrufen, und ich warte im Wartezimmer bis ich doof bin, oder was oder wie?”
Moni: “Ach, und Sie sind schon länger da?”
Mutter: “Ja, sicher, schon über eine Stunde.”
Mutter No.2 weicht etwas zurück, ihren Säugling beruhigend in der Babyschale schwenkend. Hier kommt sie jetzt nicht zum Zug.
Moni: “Haben Sie sich denn vorhin auch vorne angemeldet?”
Mutter: “Nein, wieso das denn? Ich habe doch einen Termin, da wissen Sie doch, dass ich komme, und jetzt warte ich schon …, Mensch. Wenn ich dran bin, bin ich dran! Das müssen Sie doch wissen!”

Es war viel los. Keine Frage.
Die Mutter ging aber wirklich davon aus, dass sie sich mit “ihrem Termin” ins Wartezimmer setzt und dann aufgerufen wird. Die Frage ist nur, wie die fMFA wissen sollen, dass die Patienten überhaupt angekommen sind, wenn sie sich nicht an der Anmeldung … ja … anmelden?
Ob das bei anderen Ärzten anders läuft?

Pertussis per magna

Mutter: “Der hustet wie ein Keuchhusten.”
Kind hustet. Klingt nicht wie Keuchhusten.
Mutter: “Hörense? Keuchhusten!”
Ich: “Ein Husten bei Keuchhusten ist meist so ein ganz typischer …”
Mutter: “Jaja, weiß ich doch, steht auch so im Internet, genauso wie da beim Jamie-Ron. Hörense? Hörense?”
Kind hustet. Ich lausche. Klingt nicht wie Keuchhusten.
Ich: “… dann ist er ja auch geimpft.”
Mutter: “Schon. Habe ich auch gedacht. Kann er aber trotzdem kriegen. Steht im Internet.”
Ich: “Stimmt, ja, ist aber doch eher selten. Gab’s denn sicher Kontakt?”
Mutter: “Nein, da hustet sonst keiner. Geht auch erst seit vorgestern so. Aber heftig klingt’s schon. Wie bei Keuchhusten.”
Jamie-Ron hustet wieder. Nein, wirklich nicht.
Die Untersuchung ergab auch nichts Wegweisendes. Nach ein paar warmen Worten zum fehlenden Bedarf nach Schleimlösern oder Hustenstillern sind sie zufrieden wieder gegangen. Bei der Impfung zwei Wochen später kein Wort mehr von Husten.

Dann waren sie wieder da. Jamie-Ron sitzt auf der Untersuchungsliege und hustet. Nein, auch diesmal nicht.
Mutter: “Herr Doktor, Herr Doktor, jetzt hat er schon wieder diesen Keuchhusten, hören Sie das?”

… immer wie man sich fühlt.

Ich: “So, dann machen wir noch die beiden Impfungen. Das geht in die Oberschenkel.”
Mutter: “Wie? Nicht in den Popo? Man impft doch in den Popo!”
Ich: “Eigentlich nicht. Das wird schon seit langem nicht mehr empfohlen. Die Muskelmasse am Oberschenkel ist kompakter, die Nebenwirkungen geringer. Am Po gibt es zuviele tiefere Strukturen, die verletzt werden können. Außerdem ist die Aufnahme des Impfstoffes besser, weil man sicher den Muskel trifft.”
Mutter: “Achja? Also mein Hausarzt impft immer in den Po.”
Ich: “… ja. Das machen manche Kollegen noch. Also, naja … die Älteren.”
Mutter: “Die Älteren? Mein Hausarzt ist schon etwas älter, das stimmt, aber Sie … sind Sie nicht auch schon älter?”

Ja. Ja. Ja.
Ich hatte einen schlechten Tag, es war schon etwas später am Nachmittag, und am Abend zuvor habe ich zulange gelesen. Außerdem hatte ich etwas Kopfweh an dem Tag und ich bin morgens nicht dazugekommen, ein neues Hemd anzuziehen. Dann ist mein Haarschnitt schon ein wenig her, und der letzte Kaffee auch.

Aber nein. So alt fühle ich mich noch nicht.

Blindhusten

“Wissen Sie, Herr Dokter, das letzte Mal als Jodi-Marie dieses Husten hatte, ging’s über drei Wochen, dann hat’s nicht mehr aufgehört, bis Weihnachten, und dann kam Silvester. Und da waren wir dann bei der Oma, dann hat sie wieder Schnupfen gekriegt und noch mehr Husten, und schließlich wurde es gar nicht mehr besser, bis sie sogar eine Blinddarmentzündung hatte. Da musste sie operiert werden. Und sagen Sie mir jetzt nicht wieder, dass Sie mir keinen Hustensaft aufschreiben.”

Manche pathophysiologischen Zusammenhänge erschließen sich mir auch nicht nach achtzehn Jahren Berufserfahrung.

Vorherige ältere Einträge

Gesundheitsblog 2009 - 2.Platz
Wir geben 8 aufs Wort - Banner
1. Platz in Kategorie Baby und Kinder bei den Hitmeister Superblogs 2012
%d Bloggern gefällt das: