Kollegen bei der Arbeit

Ich trage die Kleine durch die Praxistür und behalte sie auch im Wartezimmer gut eingepackt auf dem Schoß, da fühlt sich einfach wohler. Zuvieles von außen, was sie ärgert. Sie jammert leise vor sich hin. Wer könnte es ihr verübeln? Immer diese Checks beim Doktor, und immer wieder die blöden Spritzen.
Leise rede ich mit ihr, dabei beruhigt sie sich auch etwas. Ich streichele sie ein wenig, das funktioniert immer, aus dem Jammern wird nur noch ein leises – tja, Piepsen? Nachher dreht sie wieder auf, kaum, dass wir hier durch die Tür und wieder zuhause sind. Das kenne ich schon. Flitzt sie wieder durch den Garten und spielt, als ob nichts gewesen wäre.

Wir werden aufgerufen. Als ob sie das merkt, geht das Jammern wieder los. Dabei geht es nachher im Untersuchungszimmer ganz schnell – der jährliche Checkup, das unvermeintliche Gepiekse, ok, da ist sie dann aber auch ganz tapfer, auch wenn sie nicht mehr bei mir auf dem Schoß sitzt. Der Doktor macht das alleine mit der Helferin. Da halte ich mich besser zurück, die beiden kriegen sie besser in den Griff.

Am Ende schaut sie mich an, als ob sie erwarte wir gingen jetzt jede Woche hierher. Ich kann sie beruhigen. Ein paar freundliche Worte von Herrn Doktor, dann sind wir entlassen. Wir gehen zur Anmeldung, hier wird immer gleich kassiert. Privat eben. EC-Karte. Ich bin stets geplättet, was hier Geldbeträge über den Tisch wandern, da kann ich in meiner Praxis nur von träumen.

Im Auto sitzt sie sicher auf dem Rücksitz. Zufrieden ist anders. Das kommt erst im Garten daheim.

Tststs… Sie wird heut wieder mal nichts zum Abendbrot essen. Da zeigt sie, wie beleidigt sie mit mir ist. Katzen beim Tierarzt …

Liebe Patienten

++++ piep ++++
Guten Tag, hier ist nur die Ansage – unser Praxisteam befindet sich im wohlverdienten Sommerurlaub – bitte wenden Sie sich in dringenden Fällen an die Kollegen monsterdoc, Dr. Johannes oder die anderen medizinischen Blogs, auch Pharmama gibt gerne medizinische Auskünfte. Für die Freizeit dazwischen empfehle ich Nessy, Buddenbohm und all die anderen. Wir kommen irgendwann mal wieder, sagen wir Ende August oder so.
Keine Sorge, es gibt wöchentlich einen Blogpost, wordpress-Planung sei Dank, jeweils am Mittwoch, wie sich das für den Arztnachmittag gehört. Passt auf Euch auf — und kommentiert fleißig, vielleicht gelingt es dem Inhaber hier, hie und da einen Internetzugang zu bekommen.
++++ piep ++++

Gelesen im Juli

Ohje, es war (noch) der Monat der Fussball-WM, darunter litt auch dieses Mal mein Leseverhalten. Am Abend haben die beste Ehefrau von allen und ich zudem den letzten Episoden von Breaking Bad gefrönt – noch weniger Lesen. Der August wird hoffentlich besser, da gibts auch noch etwas Urlaub. Hier die Lektüre vom Juli:

Der 13. Brief: Lila Zieglers erster Fall von Lucie Klassen
Gab´s als Sonderangebot für den kindle – habe ich mir das ebook geholt. Ein Krimi über die von zu Hause geflohene Lila Ziegler, die sich bei einem Privatdetektiv einquartiert und undercover in einer Schule ermittelt. Nette Idee, liest sich auch zügig, aber mir ging der abwertende schnoddrige Diktus der Heldin unglaublich auf den Keks (“Pickelfresse”, “Schlampe”, wenn es um Umschreibungen von Schülern und Lehrern ging), außerdem die gewollt unterschwellige Erotik. Vielleicht kam ich auch einfach nicht mit der ich-Perspektive zurecht. Ne, das war nichts. Abgebrochen. 1/5

Die Liebe der Väter von Thomas Hettche
Das Buch spielt auf Sylt. Das spürt man zwischen jeder Zeile durch (auch wenn ich selbst noch nie auf der Insel war) – Peter trifft auf seine dreizehnjährige Tochter, um mit ihr den Sommer zu verbringen. Die Eltern sind schon lange getrennt, trotzdem hält die Bande zwischen Vater und Tochter. Der Urlaub bedeutet eine Belastungsprobe, für Peter ist es auch eine Heimkehr zu seiner Kindheit. Im typischen Neu-Deutsch-Roman-Stil geschrieben, ich musste mich etwas einlesen, am Ende war´s aber ein angenehmes Lesevergnügen. Vielleicht weil ich Vater einer Tochter bin? 4/5

Die Einladung von Jim & Mermoux
Eine graphic novel. Raphael wird von seinem Kumpel Leo in der Nacht aus dem Bett geklingelt, er brauche Hilfe bei einer Autopanne. Zögernd und genervt fährt Raphael zum vereinbarten Treffpunkt und erlebt eine Überraschung. Die ich nicht verrate. Ein netter Comic über Freundschaften und Verpflichtungen – am Ende fand ich die Idee etwas zu sehr in die Länge präpariert, aber für zwischendurch mal gelesen völlig ok. 3/5

Paradise von Benoit Sokal und Brice Bingono
Noch ein Comic, diesmal irgendwo in Afrika (?) oder so spielend, mehr ein erfundenes Land. Ein Mädchen stürzt mit dem Flugzeug ab und gerät in den Strudel einer Rebellion gegen einen grausamen Monarchen. Viel Mystik und Symbolik, Anleihen bei Tomb Raider und Indiana Jones, wohl sei dieser Comic ein nachgemaltes Computerspiel. Ganz nett gezeichnet, nicht mein Geschmack. 2/5

Rumo – Hörbuch von Walter Moers, gelesen von Dirk Bach
Endlich geschafft. Ich höre “Rumo” ungefähr seit Weihnachten via Hörbuch und iphone auf dem Weg zur Arbeit, beim Joggen und Fahrradfahren. Doch, es ist ein dickes Buch. Wer nur eine Spur Interesse an Fantasy hat, sollte sich dieses Buch zulegen. Es stellt sogar den “Blaubär” in den Schatten. Nie war Dirk Bach so gut, so einfühlsam, so dramatisch, so lustig, so spannend. Ein Genuß. Das beste Hörbuch, das ich bisher gehört habe. 5/5

Breaking Bad” Staffeln 3-6
Wie oben schon verkündet, die beste Ehefrau von allen und ich haben uns neben der Fussball-WM den sonstigen Fernsehkonsum gespart und dröhnten uns mit den fehlenden Staffeln Breaking Bad zu – welch ein Rausch. Du fragst Dich wirklich von Staffel zu Staffel, ob sich die Spannung, die Einfälle, die Verwicklungen noch steigern können, aber: es geht. Bis zur letzten Folge der letzten Staffel hat man keine Ahnung, wie das alles endet, das finale furioso toppt alles. Die Ehefrau und ich haben uns zum Schluß nur stumm angesehen. Was soll jetzt noch Besseres gedreht werden? Das geseufzte “Jessie!” ist bei uns zum geflügelten Wort geworden. 5/5

P.S. Kurz vor dem Ende, aber noch nicht im Juli geschafft: Sterben von Karl-Ove Knausgard

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Gesucht gefunden

Was die letzten Tage so per Suchanfragen auf meinem Blog landete – kurz kommentiert:

“ab wann wieder kindergarten hand fuß mund” – sobald es dem Kind wieder gut geht. HFM ist ewig vorher und ewig nachher infektiös, also gibt es keinen Grund, ein fittes Kind aus dem Kindergarten zu lassen.
Zusatz: “hand mund fußball krankheit” – Äh. Ja.
Zusatz: “wie lange krankschreibung bei hand-fuß-mund-krankheit” – siehe oben.

“impfung im po oder oberschenkel bei baby besser” - schon wiederholt angemerkt: Gluteus ist obsolet – bitte immer im Oberschenkel impfen lassen.

“hebt ihr eure kleinen mädchen hoch wenn sie mal draußen aufs klo muss wenn ja wie” – ja, doch. Als unsere noch so klein war, dass man sie hochheben mußte, haben wir das so gemacht. Also so.

“otovowen direkt ins ohr” – nein. In den Mund. Aber auch da wirkt es nicht.

“aspiration homöopathie” – was homöopathisch gegen Aspiration hilft? Oder ob man Glaubuli aspirieren kann? Antwort a: Nichts, nicht einmal Rescue Tropfen. Antwort b: Ja, dann siehe Antwort a.

“was verschreiben hautärzte gegen bronchitis” – Vermutlich Cortison… Insiderjoke.

“bindehautentzündung erzieherin” - Händewaschen, vielleicht Desinfizieren. Sonst problemlos.

“offenes konzept kita personal sparen” – Hui. Gefährliches Gedankengut. Da wird einem sofort die reaktionäre Pädagogikpeitsche um die Ohren gesemmelt.

“darf kinderarzt sein eigenes kind gesundschreiben” – Warum nicht? Da ist ein Kind, da ist ein Arzt – was spricht dagegen. Die Frage ist eher, warum gesundschreiben?

“sonnenblumenkerne verschluckt kind” – Macht nichts.

Und sonst:
“wir wollen mit unseren kindern umziehen nur die wollen nicht” ;-)
“mütter suv” – ja, das habe ich mich auch schon gefragt.
“fenster ausbuchtung fachwort altbau” – Butzenscheiben?
“public viewing einnaessen” – Ja, wenn man Angst hat, beim nächsten Toilettengang fallen die nächsten sieben Tore…

Oleee ole ole oleee

Meine Tochter hat sich lautstark beschwert, als wir ihren Kuschelcouchschlaf in der 113. Minute jäh unterbrachen. Wir sind aufgesprungen, in der Wohnung herumgetanzt, haben die Balkontür aufgerissen und einfach so unsere Begeisterung in die Nacht gebrüllt. Kurz gelauscht, wer alles in der Nachbarschaft mitbrüllt (alle) und erstaunt, wer noch Böller von Silvester übrig hat (ein paar). Tom Bartels hat imho zu oft den Begriff der Erlösung bemüht, aber das Gefühl stellte sich wirklich ein (nach dem kurzen Erleichterungsgefühl, kein Tor in der 90.Minute zu fangen).

Der Rest war Glück und Müdigkeit, Sackenlassen der Tatsache, jetzt Weltmeister zu sein, Freude über die vielen Spielerkinder, die nach dem Spiel über den Rasen tanzten und auch etwas Genugtuung für uns Jogi.

Meine Highlights der WM:
– Die vielen Tore, jedenfalls in der Vorrunde und dank der deutschen Mannschaft
– Manuel Neuer
– Mein Kicker-Abo, just eine Woche vor der WM gewonnen 😀
– Oliver Welke statt KMH, am besten aber Mehmet Scholl
– Das schönste WM-Siegestor seit langem

… und auch das, was mir nicht so gefiel:
– Der Untergang der Italiener und Spanier, von den Engländern reden wir schon seit Jahren nicht mehr
– Der fehlende “Auftritt” der Messis und Chr. Ronaldos
– Die schwache Leistung der Schiris. Nach der Kartenflut der letzten WM jetzt viel zu wenige – Ursache für die Gewalteskalation mancher Partie
– Das Geheule von David Luiz
– Leute, die sagen, man dürfe nicht sagen, “wir” seien Weltmeister

Achja, und das war auch nett:

So. Und bald gibts auch wieder was on topic aus der Praxis. Versprochen.

Heißgucken

Alles steht unter Einfluss dieser Fussball-WM: Die Kinder kommen alle in Dress, mit Tattoos auf Wangen und Armen, die Väter aller Nationalitäten weinen, gratulieren und wünschen Glück, die fMFA sind im Wettfieber (ohne Chance gegen den Chef) und haben sogar ein bisschen die Praxis mit Tor und zwei oder drei Fussbällen geschmückt. Wir haben es immerhin geschafft, die Termine für die Patienten nach den Spielzeiten auszurichten (war ja auch nicht so schwer bei 18 Uhr und 22 Uhr Spielbeginn), trotzdem habe ich einen Notdienst während der WM abbekommen. Es war ein Pokerspiel – Deutschland wurde Erster seiner Gruppe, dadurch ins erste Halbfinale – und ich habe nur das spannende Spiel der Argentinier gegen die Niederlande verpasst …

Meine Lesegenuß reduziert sich auch deutlich – gerade mal die Morgenzeitung und die zehn Minuten vor dem Einschlafen. Letzteres ging schnell, jedenfalls wenn die Spieler in Verlängerung und Elfmeter gingen. Und die beste Ehefrau aller Zeiten hat sich schließlich ausgebeten, vor dem 22 Uhr Spiel jeweils wenigstens zwei “Breaking Bad”-Folgen zu sehen, mit Freude, versteht sich. Also genießen wir die Geldprobleme eines Meth-Koches und wenden uns dann den Geldproblemen Brasiliens zu, die David Luiz nach dem Halbfinale so beweint hat.

Diese Mal auch kein Public Viewing für mich, ganz abgesehen davon, dass Dtschl immer verliert, wenn ich auf öffentlichem Platze die Spiele genieße (die letzten Halbfinals und auch das Finale 2006), ist der Sohn nun in dem Alter, wo er ein wenig fussballerische Historie gelehrt bekommt. Wir haben heute schon Grönemeyer auf Youtube gesehen, daraus leiteten sich die Videos zum Tor des Jahrhunderts, der Hand Gottes und selbstredend dem Finale 1990 ab. Dann gönnten wir uns noch das Elfmeterdrama 2006 (gegen Argentinien, mit Lahm und Mertesacker im Bild, die kennt er schon) – und sind nun ausreichend vorbereitet für heute abend. Heißgucken nennt man das wohl. Problem nur: Wenn der Sohn FIFA 14 auf dem iPad zockt, ist er Messi und gewinnt stets 6:0 (im Amateurmodus). Er gewinnt eben gerne.

Dann flaggen wir mal noch:

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