kinderdok in Berlin IV

Heute ein Zitat aus einer Vorlesung, das Leitmotiv des Kongresses sind ja Familien mit Migrationshintergrund, also beschäftigen wir uns mit Mehrsprachigkeit:

Hannah: “Mami, heute habe ich ein Bild in der Kita gemalt.”
Mutter: “And did they say ‘Well done, good Hannah!’ ?”
Hannah: “Nein, ‘liebe Hannah’, cause it’s German!”
(c) Rosemary Tracy

Was noch?
- doch, es gibt Mikrofone im Publikum, auch am dritten Tag, da muss die Frau Kollegin nicht von ganz hinten rechts nach vorne rufen
- ein Laserpointer soll Punkte setzen, und taugt nicht für Lichtspiele auf PowerPoint Folien. Da beschleicht mich eine Vertigo.
- hallo: es haben sich 800 MFAs zum parallelen Arzthelferinnenkongress angemeldet, da ist man doch froh, dass es noch Leute in der Medizin gibt, die etwas lernen wollen. Nur knapp 250 Kinderärzte hier.
- ab 17 Uhr ist allen der “Sonne an der Spree: jetzt!”-Blick anzusehen

Berlinbericht Ende.

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Wir sind gerade etwas unterwegs, und dank meiner neuen Kollegin darf die Praxis weiterlaufen, was die Sache doch sehr angenehm macht. Sonst hatte ich als Einzelkämpfer oft die irrationalen Gedanken, mir würden die Patienten weglaufen, wenn ich zuviel Urlaub machte. So ein Quatsch.
Jetzt kann die Kollegin wenigstens die akuten Sachen versorgen, Impfungen machen und ganz allgemein die Stellung halten.

Mich beschäftigt aktuell am meisten das bisher aktiv Unausgesprochene. Man hat mir nahegelegt, hier nicht zuviel offizielle Werbung zu machen, wegen des fehlendem offenen Impressums, der Anonymität und dergleichen. Deshalb gab’s im vorletzten Blogeintrag auch nur ein Bild zu sehen :-)

Ein bisschen anders wurd ich schon durch die Veröffentlichung: früher hat mich jeder Buchladen angezogen wie eine Sumse ans Licht, jetzt entspricht es eher einem Elektromagneten. Ich lasse die Bestseller links liegen, überspringe auch die geliebte Krimiabteilung und stiebe zielgezogen in die Gesundheitsabteilung, die ich sonst beruflich eher vermied. Aber nein, ich finde es dann doch wieder in der Ratgeber-für-junge-MütterEltern-Abteilung. Muss wohl so sein, wir waren uns von vorneherein im Klaren, dass die Zielgruppe neben den Blogfans die Eltern sind.

Richtig Schadenwehmut bekomme ich, wenn ich es gar nicht in dem Laden finde. Dann träume ich davon, dass bereits alle Exemplare verkauft sind, weiß aber doch, dass viele Buchläden wenig einkaufen oder erst dann, wenn sich ein Erfolg abzeichnet oder ein Buch bereits besprochen wurde.

Und manchmal sortiere ich auch:
Vorher

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Nachher -

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Man verzeihe mir. Das gibt sich bestimmt noch. Bin eben Anfänger.

Tobak für Haile

Und dann war da der zwoeinhalbjährige türkische Junge, der am Donnerstagnachmittag – sein eigener Kinderarzt hatte freien Nachmittag – in meiner Praxis auf der Liege saß und japste wie Haile Gebrselassie am Ende der zehntausend Meter, nur nicht ganz so entspannt. Auch ohne mein Stethoskop zu bemühen war ihm die weitreichende Obstruktion der Bronchien anzusehen und anzuhören. Vom echten Atemgeräusch gab es nicht mehr viel, alles nur noch ein einziges Giemen, Brummen und Quietschen. Sauerstoffsättigung immerhin noch bei 92%.

Die Mutter zeigte sich überrascht über meine Diagnose einer Bronchitis, schließlich war die Vorgeschichte mit “der hustet schon zwei Wochen, kann man da nichts machen?” erstaunlich unaufgeregt. Meiner Gegenfrage, ob sie denn schon bei ihrem eigenen Kinderarzt war, erwiderte sie mit “logisch, paar Mal” und einem Griff in die Lidltüte, aus der sie diverse Medikamentenschachteln mit – sic! – dem berühmten roten Streifen auf weißem Grund hervorzog.
Der Kollege sah ein “bisschen Erkältung mit Husten”, so die Mutter, und vielleicht war das so auch die letzten zwei Wochen so gewesen, aber irgendwann kippt das System.
Auch wenn die Mutter sagte, so “pfeifen” würde der Held schon seit Montag. Und da war sie noch beim Kollegen zum Abhören gewesen.

Sie hatte einen Kochsalzvernebler zu Hause und inhalierte darüber: Nicotiana comp. und Cuprum aceticum comp., außerdem darf der Junge noch Petasites comp. einwerfen. Und das allerliebste Umckaloabo fehlte auch nicht. Auch wenn ich nun wirklich kein ausgewiesener Homöopath bin, so bin ich des Lateinischen sehr wohl mächtig, und rechnen kann ich auch. Hier verdampfte also eine D9-Verdünnung (1:1000000000) Tabak mit Kupferacetat und Rinderniere. Und als Zückerli gab es noch Weisstanne, Spitzwegerich und Pestwurz.

Ich weiß nicht, was mich hier am meisten stört:
- dass der Kollege tatsächlich denkt, Medikamente, die sehr wohl gegen Husten eingesetzt werden (Spitzwegerich und Kamille), in dieser Verdünnung etwas bewirken. Ganz abgesehen davon, dass er damit dem Prinzip Hahnemanns entgegensteuert, dass man um ein Übel zu bekämpfen, das Übel in hoher Verdünnung geben muss, und nicht das Therapeutikum.
- dass die Mutter nicht aufgeklärt wird über die Krankheit oder die fehlenden Eigenschaften bzw. Wirksamkeit der Therapie
- dass dem Kind die nötige Therapie vorenthalten wird.

Ich überflog die Inhaltsstoffe der Präparate, während der Junge die nötige Inhalation bekam (und prompt entspannter durchatmete) und erläuterte der Mutter die Mittelchen. Sie hatte keine Ahnung, um was es sich da handelte. Das einzig wichtige, was ich noch erfuhr, war, dass ihr Mann “gar nicht zu Hause rauche”, sondern nur auf dem Balkon.

Insofern war der Tabak in der Inhalationslösung im Hahnemannschen Sinne die richtige Wahl: Gleiches mit Gleichem bekämpfen. Ob das der Globulikollege auch so gesehen hat?

Neulich im Buchladen

Neulich im Buchladen

Bild

Ist sie nicht toll?

Schreib doch mal was Persönliches, hat Frau Kinderdok letztens gesagt. Nicht ständig diese Postings aus Deinem Newsletteraccount oder dieses langweilige Vorsorgeinformationsgeschreibsel, das man in jedem Elternberatungsbuch nachlesen kann. Außerdem muss es ja nicht immer so lang sein.

Die Weisung meiner Frau sei mir Befehl. Hier also ganz persönlich – mein aktueller Lieblingsfernsehwerbeclip:

Ich bin dann mal länger weg

Ich liebe Newsletter – heute in der Post:

Sehr geehrte Ärztin, sehr geehrter Arzt, Wir haben folgendes Angebot in Kuwait für Sie:
Eine bereits seit langem etablierte Klinik mit über 200 Betten möchte kurzfristig Angebote in weiteren Fachbereichen aufbauen. Hierzu werden Fachärzte/ärztinnen diverser Fachrichtungen benötigt.
Ihre Fachrichtung: Pädiatrie check
Gehalt: zwischen 8000 und 15000 Euro monatlich steuerfrei je nach Qualifikation check
Start: vorzugsweise im September  2013 oder nach Absprache check
Voraussetzungen bei Ihnen:
Ihr Facharztabschluss liegt mindestens 5 Jahre zurück check
Sie haben Ihre Ausbildung in Deutschland oder Westeuropa absolviert check
Sie sprechen und schreiben sehr gut Englisch check (gern auch Arabisch) lässt sich als Mediziner schnell auswendig lernen
Sie sind nicht älter als 55 Jahre (Grund hierfür sind die Registrierungsrichtlinien der kuwaitischen Behörden) check
Bereitschaft, an einem Termin zwischen Anfang und Mitte Juni zu einem persönlichen Bewerbungsgespräch in Frankfurt oder London anzureisen. doublecheck
Einzelheiten (in englischer Sprache):
indefinite contract
Attractive tax free salaries -  top of the range in the market.
30 working day annual vacation leave with family airfare.
Free medical/ hospitalization benefits
Conference leave
Personal Accident and Group Term Life Insurance check

Wunderbar – genau nach so etwas habe ich doch auf meine alten Tage gewartet – und ich kann sogar von dort aus mein Blog weiterführen. Denke ich mal. Denn im weiteren heisst es, dass es kaum weitere Informationen zur konkreten Tätigkeit in Kuwait gibt. Nachher bin ich bei einem Scheich angestellt und muss dessen Kinder versorgen. Und was soll ich da denn den lieben langen Tag bloggen? Aber spannend wär´s schon.

Ich habe mal alles eingereicht, einschließlich des Fotos vom Urlaub vor ´n paar Jahren, als wir in Hurghada auf dem Kamel geritten sind. Da hatte ich grade so einen schönen dunklen Teint und diesen fünfeinhalb Tages Schnauzer. Das muß einfach ziehen.

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