Oleee ole ole oleee

Meine Tochter hat sich lautstark beschwert, als wir ihren Kuschelcouchschlaf in der 113. Minute jäh unterbrachen. Wir sind aufgesprungen, in der Wohnung herumgetanzt, haben die Balkontür aufgerissen und einfach so unsere Begeisterung in die Nacht gebrüllt. Kurz gelauscht, wer alles in der Nachbarschaft mitbrüllt (alle) und erstaunt, wer noch Böller von Silvester übrig hat (ein paar). Tom Bartels hat imho zu oft den Begriff der Erlösung bemüht, aber das Gefühl stellte sich wirklich ein (nach dem kurzen Erleichterungsgefühl, kein Tor in der 90.Minute zu fangen).

Der Rest war Glück und Müdigkeit, Sackenlassen der Tatsache, jetzt Weltmeister zu sein, Freude über die vielen Spielerkinder, die nach dem Spiel über den Rasen tanzten und auch etwas Genugtuung für uns Jogi.

Meine Highlights der WM:
- Die vielen Tore, jedenfalls in der Vorrunde und dank der deutschen Mannschaft
- Manuel Neuer
- Mein Kicker-Abo, just eine Woche vor der WM gewonnen 😀
- Oliver Welke statt KMH, am besten aber Mehmet Scholl
- Das schönste WM-Siegestor seit langem

… und auch das, was mir nicht so gefiel:
- Der Untergang der Italiener und Spanier, von den Engländern reden wir schon seit Jahren nicht mehr
- Der fehlende “Auftritt” der Messis und Chr. Ronaldos
- Die schwache Leistung der Schiris. Nach der Kartenflut der letzten WM jetzt viel zu wenige – Ursache für die Gewalteskalation mancher Partie
- Das Geheule von David Luiz
- Leute, die sagen, man dürfe nicht sagen, “wir” seien Weltmeister

Achja, und das war auch nett:

So. Und bald gibts auch wieder was on topic aus der Praxis. Versprochen.

Heißgucken

Alles steht unter Einfluss dieser Fussball-WM: Die Kinder kommen alle in Dress, mit Tattoos auf Wangen und Armen, die Väter aller Nationalitäten weinen, gratulieren und wünschen Glück, die fMFA sind im Wettfieber (ohne Chance gegen den Chef) und haben sogar ein bisschen die Praxis mit Tor und zwei oder drei Fussbällen geschmückt. Wir haben es immerhin geschafft, die Termine für die Patienten nach den Spielzeiten auszurichten (war ja auch nicht so schwer bei 18 Uhr und 22 Uhr Spielbeginn), trotzdem habe ich einen Notdienst während der WM abbekommen. Es war ein Pokerspiel – Deutschland wurde Erster seiner Gruppe, dadurch ins erste Halbfinale – und ich habe nur das spannende Spiel der Argentinier gegen die Niederlande verpasst …

Meine Lesegenuß reduziert sich auch deutlich – gerade mal die Morgenzeitung und die zehn Minuten vor dem Einschlafen. Letzteres ging schnell, jedenfalls wenn die Spieler in Verlängerung und Elfmeter gingen. Und die beste Ehefrau aller Zeiten hat sich schließlich ausgebeten, vor dem 22 Uhr Spiel jeweils wenigstens zwei “Breaking Bad”-Folgen zu sehen, mit Freude, versteht sich. Also genießen wir die Geldprobleme eines Meth-Koches und wenden uns dann den Geldproblemen Brasiliens zu, die David Luiz nach dem Halbfinale so beweint hat.

Diese Mal auch kein Public Viewing für mich, ganz abgesehen davon, dass Dtschl immer verliert, wenn ich auf öffentlichem Platze die Spiele genieße (die letzten Halbfinals und auch das Finale 2006), ist der Sohn nun in dem Alter, wo er ein wenig fussballerische Historie gelehrt bekommt. Wir haben heute schon Grönemeyer auf Youtube gesehen, daraus leiteten sich die Videos zum Tor des Jahrhunderts, der Hand Gottes und selbstredend dem Finale 1990 ab. Dann gönnten wir uns noch das Elfmeterdrama 2006 (gegen Argentinien, mit Lahm und Mertesacker im Bild, die kennt er schon) – und sind nun ausreichend vorbereitet für heute abend. Heißgucken nennt man das wohl. Problem nur: Wenn der Sohn FIFA 14 auf dem iPad zockt, ist er Messi und gewinnt stets 6:0 (im Amateurmodus). Er gewinnt eben gerne.

Dann flaggen wir mal noch:

Jogis Jungs – jetzt gilt´s

Egal, wie das Spiel ausgeht – zur Einstimmung oder zum Runterkommen und gerne immer wieder zeigen für mich das schönste Video zum Fussball – mit den ganzen alten Haudegen incl. Der Hand Gottes, dem Tor des Jahrhunderts und Andy Brehmes Elfmeter…


Kurzer Aufreger für zwischendrin

Inzwischen bietet die Lobby der Osteopathen einen schönen Service, welche Krankenkassen das Handauflegen problemlos bezahlen – hier ein kleiner Überblick. Erkenntnis: Alle großen Kassen springen auf den Marketing-Zug auf und übernehmen die Kosten zwischen 100 und 400 (!) Euro im Jahr. Zum bekannten Vergleich – Flatlinebetreuung eines Kindes in Deutschland beim Kinder- und Jugendarzt: ca. 160-200 Euro/Jahr.

Glücklicherweise scheint ein Bewußtsein zu entstehen, dass hier mit Alternativmedizin richtig fett Kohle gemacht wird, siehe Pressemitteilung des NDR vom Anfang diesen Monats: Verdreifachung der Mitgliederzahlen in den osteopathischen “Fach”gesellschaften, Verdreifachung der Kosten innerhalb eines Jahres (34 auf 110 Millionen).
Lustig sind da die Stellungnahmen der Osteopathie-Gesellschaften: “So kritisiert der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Manuelle Medizin, Matthias Psczolla, die fehlende Qualitätssicherung: “Man fordert einfach Ärzte auf, die gar nicht osteopathisch ausgebildet sind, ein Rezept auszustellen. Und damit geht man dann zum Osteopathen, der auch keine qualitätsgesicherte Ausbildung haben muss.” Gabi Prediger von der Bundesarbeitsgemeinschaft Osteopathie begrüßt zwar den durch die Kassen ausgelösten “Aufschwung” der Osteopathie, bemängelte jedoch ebenfalls, dass es keine einheitlichen Richtlinien für die Ausbildung von osteopathischen Behandlern gebe. Das sei “eine Gefahr für die Patienten”.

Falsch daran ist, dass ein Rezept für die Osteopathische Behandlung notwendig sei. Meines Wissens verlangt nur die TKK und die AOK in Baden-Württemberg eine Art “Delegation” eines Arztes. Er muß nicht einmal eine echte Indikation stellen. Ansonsten behandeln doch Osteopathen in der Regel einfach mal so, oder weil die Hebamme oder die freundliche Nachbarin das empfohlen hat. Wer schon einmal vom Osteopathen ohne Behandlung nachhause geschickt wurde, möge das doch bitte in den Kommentaren posten.

Erkenntnis des Aufregers: Es gibt schwarze Schafe unter den Osteopathen (nein nein, *Dein* Osteopath, lieber Leser, wird schon nicht dazugehören) und die Behandlungsmaßnahmen der letzten Jahre übersteigen bei Weitem die zu erwartenden Indikationen. Oder hat sich in den Lebensumständen der Menschen in Deutschland in den letzten drei Jahren soviel getan, dass alle plötzlich Osteopathie benötigen?

Hier wird ein Boom bedient. Nichts anderes. Falsche Indikationen (Allergien bei Kindern? Hallo? Einnässen? Bitte? Dauerschnupfen? Wtf?), Angst vor verpassten Chancen (“das machen doch jetzt alle” – “um das Geburtstrauma zu regulieren”), sowie “alternative Seilschaften” zwischen Physiotherapeuten, Hebammen und Osteopathen erhöhen die Nachfrage. Die Krankenkassen decken das aus Marketinggründen ab und schaffen einen Anreiz für noch mehr Osteopathen, diesem Goldrausch zu folgen, die dann noch mehr falsche Indikationen in die Welt setzen. Keine Wunder, dass da die Qualität leidet.

Wichtiger Tag

Wir wollen doch über all das Französisch-deutsche, das uns alle heute abend verbindet, nicht die armen Amerikaner vergessen, die heute ihren Nationalfeiertag mit einem Viertelfinalspiel hätten krönen können sollen.

 

“Forcin’ a light into all those stoned-out faces left stranded on this Fourth of July…”

U-Bahn-Medizin

“Wo issen meine Cola, menno.” Sie kramt in ihrer überdimensionierten Umhängetasche. Ihre Freundin sitzt ihr gegenüber in der U-Bahn.
“Seit wann trinksten Du Cola?”
“Hab ich immer wieder so Magenschmerzen, da so.” Sie hält sich die rechte Seite.
“Echt?”
“Ja, Omma sagt, Pfeffa-Tee oder Cola. Dann aber Cola.”
“Und was haste da?”
“Keine Ahnung, brutale Schmerzen. Wie’d Sau, echt. Morgens schon, auch mal wieder weg. Aber dann wieder brutal, sach ich Dir.”
“Hammer…”
“Ja, wirklich. Wie’d Sau. Muss ich mal Arzt.”
“Warste noch nicht?”
“Nee, geht ja erst zwei Wochen oder so. Brutal, sag ich Dir, das fängt immer da an, … da,” sie krabbelt mit der Hand zwischen den Brüsten hin und her, “und dann zieht das so hoch. Ganz sauer kommt’s mir dann.”
“Sagt’n der Arzt?”
“War ich noch nicht, sag ich doch. Hab’ ich angerufen, gestern, weisste, hab’ ich gesagt, brauch’ ich Termin, also heute, hab’ ich gesagt, kann ich erst zwölf… Weisste, was die da gesagt hat?” Sie flötet: “Zwischen acht und zehn…, sonst geht’s nicht, hat sie gesagt. Wie sie das gesagt hat. Zwischen acht und zehn! Soll ich denn das machen, he? Ist doch B’rufsschule, kann ich erst zwölf.”
“Aber echt…”
“Zwischen acht und zehn… Geh’ ich gar nicht, nach’m Mittag treffe ich doch noch de’ Mätze, kann ich auch nicht. Pff! Geh’ ich abends Notfallambulanz, kannst Du glauben. Machen die siebzehn Uhr auf, geh’ ich hin. Müssen die mich untersuchen, oder?”
“Kann sein…”
“Klar, müssen die. Ist Doktor auch nicht mehr da, um siebzehn Uhr, können die mich gar nicht wegschicken.”
“Ja, klar, bei den Bauchweh.”
“Brutal, sag’ ich Dir, das tut weh wie’d Sau. Geh’ ich morgen Notfallambulanz, wirste sehen. Zwischen acht und zehn, hat sie gesagt, tss! Tussi!”
Sie kramt wieder in der Umhängetasche. “Issen jetzt die Scheiß-Cola?”

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