Amerikan Skin

Zu den wiederholten tödlichen Polizeischüssen in den USA der letzten Wochen:

41 shots, Lena gets her son ready for school
She says, “On these streets, Charles
You’ve got to understand the rules
If an officer stops you, promise me you’ll always be polite
And that you’ll never ever run away
Promise Mama you’ll keep your hands in sight”

Is it a gun, is it a knife
Is it a wallet, this is your life
It ain’t no secret
It ain’t no secret
No secret my friend
You can get killed just for living in your American skin

—————-

Und wer vor zwei Tagen die Doku bei Arte über den Waffenlobbyismus in den USA gesehen hat, versteht – naja – erkennt mehr die irrationale Angst der Amerikaner vor der Bewaffnung des anderen und das Anrecht auf Selbstverteidigung, die auch den Polizisten innewohnt. Kill Zone.

The dark side and the light (o.T.)

Ich kann nicht anders:

 

Irgendwie muß ich das loswerden (Ist das Benedict Cucumberbatch, derwoda spricht?).

Zu klein

Wir hatten viel Zeit mit der Kleinen verbracht, wir waren direkt bei ihr gewesen, als sie aus dem Bauch ihrer Mutter, viel zu früh, herauswollte. Eine Tüte Mehl, hat der Oberarzt gerne geunkt, die Schwestern und wir Jungassistenten waren hin- und hergerissen wegen des dunklen Humors oder der Abgebrühtheit, die aus dieser Betitelung sprach. Die Tüte Mehl bekam zwei Nabelkatheter, einen Peripherzugang, der zentrale sollte erst nach zwei oder drei Tagen kommen, bis der erste Stress vorüber war.

Warm hatte es die Kleine, in unseren Handschuhen stand der Schweiß, sobald wir unsere Arbeit machen mußten, das stete Klopfen der Monitore in den Ohren, der Geruch nach Gummi, Medikamenten und Ausdünstungen, auch wenn unsere Patienten noch so klein waren. Leises Flüstern von den anderen Inkubatoren, wenn glücklichere Eltern ihre schon größeren Kinder auf der Brust hielten und ihren Herzschlägen auf der Haut nachspürten und mit den grünen Linien auf dem Monitor verglichen. Immer der gleiche Blick nach oben, wenn der Alarm ging, die gleiche Hoffnung, dass es nicht das eigene Kind war, die schnelle Schritte der Schichtleitung, keine lauten Stimmen, kein Fluch, kein Weinen, kein Jauchzen. Das sparten sie sich auf, wenn gerade kein Extremfrühchen auf Station lag.

Es gab Hochs und Tiefs, doch nie soviele Aufwärtsbewegungen, dass wir den Kopf über Wasser halten konnten. Manche Schwestern behaupten, am Start sieht man die Sieger. Diese Kleine gehörte nicht dazu. Ihre Eltern klammerten sich an die wenigen guten Nachrichten (für ein paar Stunden weniger Sauerstoff, die Blutwerte waren stabil, aber nicht wirklich gut). Besuch kam sonst keiner. Wir hätten ihn sowieso nicht hineinlassen dürfen. Schweren Herzens verließen die Eltern jeden Abend die Station, am Morgen sah ich ihnen an, dass sie auch zuhause keinen erholsamen Schlaf zuhause hatten. Noch waren Scherze erlaubt, dass schlaflose Nächte für junge Eltern normal seien. Sie sollten doch erstmal warten, wenn Klein-Mia zuhause wäre. In der zweiten Woche hatten sich die Sprüche abgenutzt. Nichts hätten die Eltern mehr ersehnt, als Mia plärrend im Stubenwagen am Bett stehen zu haben.

Ab und zu wurde es hektisch. Am Anfang sowieso, aber da war es Routine, wenn erst einmal alle Technik anlag, war es ruhiger. Jeder Rückschritt in der Entwicklung brauchte schnelle Entscheidungen, oft auch schnelle Umsetzung. Die Beatmung war klar, die Katheter auch, die Standardbehandlung war automatisiert. Aber alles andere unberechenbar. Der Wunsch nach Standard lag über allem, aber Standard ist nur etwas für die Bücher. Wieviel Elektrolyte das Kind nun über die Infusion braucht, wie millimetergenau die Beatmung eingestellt ist, ob das Antibiotikum A nun durch C ersetzt werden sollte, das sind stets marginale Änderungen im Weg des Überlebens.

Die Nekrotisierende Enterokolitis, die unberechenbare und gefürchtete, die auf allen Frühchenstationen dieser Welt selten, aber immer zu oft durch die Türe kommt, hatte Klein-Mia zum Schluß mitgenommen. Immer nimmt sie über Nacht, immer in den Morgenstunden, wenn die Station am ruhigsten ist. Die Nachtschicht sitzt zum letzten Tee im Stationszimmer und wartet auf die Ablösung und die Stationsärztin checkt nochmal alle Einstellungen, alle Infusionen und träumt vom Nachhausekommen. Wir sahen die NEC nicht kommen, und Mia war noch viel zu klein.

Die Eltern hatten sie am Ende auf dem Arm. Mias Inkubator stand am Ende der Reihe, zum Fenster hin, dort konnte man sich einen halb geschlossenen Raum im Raum schaffen. Als ob die Station wusste, was passieren würde, wurde es sehr still in der letzten halben Stunde. Kaum ein Monitor, der alarmierte, nur da und dort das leise Schnaufen der Beatmungsgeräte. Wenige andere Eltern waren auf Station, alle leise, alle ahnten es. Jeder kennt irgendwann jeden der anderen, ihre Kinder, ihr Namen, ihre Gewichtsklassen. Der Monitor war schon lange aus, kein theatralisches Schalterdrücken, wie das die TV-Arzt-Serien kennen, nur das Kind alleine auf dem Arm der Mutter, als ob sie es zuhause gerade aus dem Stubenwagen geholt hätte. Kein anderes Frühchen brauchte Hilfe an diesem Morgen. Sie hatten alle Zeit der Welt.

Sabine hat später den kleinen Körper gesäubert, das übliche Stationsritual, wenn ein Kind starb. Ein vorgegebener Ablauf, mit frischem Tuch, sogar einer frischen Windel, ein letztes Streicheln. Ich habe ihr geholfen. Zwischen uns gab es eine besondere Verbindung zu der Kleinen, so schien es. Und nachdem alles bereitet war, der Inkubator abgeschaltet, nur ein kleines Mädchen in einem sauberen großen Tuch, haben Sabine und ich innegehalten, die vier Hände ein letztes Mal ganz nahe am Kind, ein kurzer wichtiger Moment. Für den Abschied unserer Station, mit einem Blick über den Glaskasten, in unsere Augen, etwas verschwommen vielleicht, ein wissendes Nicken. Der Trauer zum Trotze zuversichtlich.

Gentleman

What is going on ?

Der Mutter fällt beim Wickeln ein Socken runter.
Der Junge hebt sie auf.
“Na, Du bist aber ein Gentleman, danke”, sagt die Mutter.

“Mama, was ist ein Dschennelmän?”
Sagt der Zwillingsbruder kaugummikauend: “Das ist, wenn Du ‘ner Dame die Tür aufhältst.”
“Na toll, dann muß ich das wohl auch noch machen?”

Ich: Am Boden.

 

(c) Foto bei SAN_DRINO

Kinderärzte aus einer anderen Welt IX

Tara Knowles (re)Sie begrüßen wir als Frau besonders gerne in dieser ehrenwerten Runde, denn die Herren sind etwas überrepräsentiert bei den medialen Kinderärzten. Dabei habe ich soeben auf dem Kinder- und Jugendärztekongress gehört, dass die Frauen zumindest bei den Kinderärzten in Deutschland klar in der Übermacht sind.

Dr. Tara Knowles (gespielt von Maggie Siff) ist die Gute in der Serie “Sons of Anarchy”, die Geschichte rund um den us-amerikanischen Motorradklub. Sie ist Ärztin, sie arbeitet mit Kindern (Pediatric resident ist ihre offizielle Bezeichnung, jedenfalls auf englischen Seiten), flickt die Mitglieder der Sons zusammen und erinnert den Helden der Serie Jax, ihren Lover, an seine Ideale und das Gute in ihm. Trotzdem ist sie eine Rockerbraut – “old lady” – , und die Dramaturgie der Serie verlangt, dass sie auch Illegales tut. Sehr Illegales. Weiter wird hier nicht gespoilert, auch wenn sie bei dem Illegalen eigentlich nur in Notwehr … ach, lassen wir das.

Die Serie beruft sich auf griechische Sagen, auf den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse, klar, auf Hamlet auch und das Aufbegehren der Jungen gegen die Alten. Also ist Taras direkte Gegenspielerin die Mutter von Jax, Gemma Teller, die wiederum die Old Lady des Club-Präsidenten der Sons ist. Dieser wird damit zum Stiefvater von Jax, und er soll seinerzeit Jax´ Vater … ach, lassen wir das. So kompliziert ist das alles auch gar nicht.

Ums Medizinische geht´s in der Serie – logisch – überhaupt nicht, auch wenn Tara ab und an ihr Stethoskop in Inkubatoren halten oder Kugeln aus Rockern pulen darf. Amerikanische Ärzte können das alles.

Die letzten Folgen dieser Serie:
David Norris
Sam Sweeney
Cooper Freedman
Alex Karev
Arizona Robbins
Hannes Fröhlich
Daniel Holbein
Doug Ross

Meine #fbm14

Wenn ich durch Twitter lese oder auch mich sonst wie durchs Internet bewege, habe ich heuer den Eindruck, als ob alle Welt auf der Frankfurter Buchmesse ist oder war. Das trügt natürlich, genauso, wie man überall das Auto sieht, das man sich gerade gekauft hat, oder wie ich denke, dass auf Kinderärzte-Kongressen alle Kollegen sind, die ich überhaupt kenne. Tunnelblickerwartung.

Jedenfalls war ich auch auf der Buchmesse. Wie schon die letzten Jahre, da die #fbm (wie wir Twitterer sagen) stets auf das Wochenende vor dem Herbstseminarkongress der Kinder- und Jugendärzte im hessischen Bad Orb fällt. Gleiches Bundesland, gleiche Anreise, läuft. Ich darf als Pressevertreter rein (wie gefühlte 50% der Werktagsbesucher – die anderen sind Azubis der Verlags- und Buchhandelsbranche), also fuhr ich freitags. Schön leer. Oder eher immer noch voll genug.

Diesmal schaffte ich es erst (dank Stau) zur Mittagszeit, mein Auto im Parkhaus Rebstock zu parken und den Pendelbus zu nehmen, ein paar meiner mühsam recherchierten (App!) und geplanten „Favoriten“ waren schon vorbei – also erst mal treiben lassen. Halle 4, Halle 3, die Klassiker, ein bisschen Finnland, ein bisschen Agora, ein paar Gespräche hier, eine Currywurst da, Norbert Blüm gesehen, den flixxx, den Mawil, Michael Köhlmeier, Thomas Hettche und bestimmt ganz viele, von denen ich keine Ahnung hatte, dass ich sie gesehen habe.

Am Ende, zum Ausklang und in Müdigkeit auf zur Preisverleihung des Virenschleuderpreises 2014 – sehr nett, sehr unprätentiös, mit Bionade, Weinchen und Tee – mit entsprechend „ansteckenden“ Ideen aus der (immer wieder anglophil erwähnten) Publishing- und Marketing-Scene mit High End Performance. Deren Website lohnt das Hinterhersurfen. Und da es hier auch um das Virulente ging, sah ich mich als Arzt zumindest als Geistesbruder.

Bilder? Bitte:

Kruso und Vor dem Fest

Mein Favorit für den Buchpreis und der echte Gewinner (“Vor dem Fest” ist aber auch das einzige, was ich von der Shortlist gelesen habe)

Tatortreiniger

Der nette Herr war auch da, wenn auch als Pappkamerad

We the children

Ein toller Bildband, der zusammen mit der Präsentation des Fotografen noch toller wirkte

Pickachus

Non-books spielen echt eine große Rolle auf der Buchmesse – bei Anime/Cartoon-Merchandising verstehe ich das auch

Finnland

Finnland war das Partnerland – und neben den Mumins und dem Bücherbus aus Helsinki gab es diesen wunderschön gestalteten Stand.

Globus

Nochmal Non-book – dieser Stand fasziniert mich, seitdem ich auf die Buchmesse gehe – dabei sind es nur Globen.

Mawil

Mawil hat mir ein Bild gemalt …

Flix

… und der Flix auch – dass sie beide einen roten Hoodie trugen, war wohl eher Zufall

Gonig home

Auf dem Weg nach Hause sind die Gänge völlig leer – das Rollband für mich alleine

VSP

Bei der Preisverleihung des Virenschleuderpreises

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